Allgemein

Frankfurter Verunsicherung

Ist das bloß Lust an der Überraschung, die zur Provokation nur werden kann in diesem Umfeld. Oder einfach Einsicht, Umdenken, Erkenntnisfortschritt? Jedenfalls passiert da etwas im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen und ihrer Sonntagszeitung, und in „linken Kreisen“ wird es mit Ahs und Ohs begleitet: Erst Frank Schirrmachers Text über Charles Moores Lob der Linken, die eben doch Recht behalten hätten mit ihrer Kritik am Kapitalismus. Das war im August, ein paar Tage später erschien ein großer Text der Max-Planck-Soziologen Jens Beckert und Wolfgang Streeck, die warnen, „in der nächsten Stufe wird die Krise auf das soziale System übergreifen“ und die Frage aufwerfen, „ob und mit welchen Mitteln die Wohlhabenden versuchen werden, ihre Position auch um den Preis einer massiven sozialen und politischen Krise zu verteidigen“. Kurz darauf schrieb der in linken Kreisen hoch angesehene österreichische Ökonom Stephan Schulmeister, es handele sich bei der gegenwärtigen Krise mehr noch um die „schrittweise Implosion jener ,Spielart‘ einer Marktwirtschaft, in der die kapitalistische ,Kernenergie‘, das Gewinnstreben, auf Finanzveranlagung und -spekulation fokussiert ist“.

Irgendwann in der Zwischenzeit muss auch Dietmar Dath ins Feuilleton der FAZ zurückgekehrt sein, jedenfalls freut sich sein Kollege Lorenz Jäger in einem Beitrag ausgerechnet (wieso eigentlich “ausgerechnet”?) für das Neue Deutschland darüber. Im Verlag der Zeitung hat Martin Hatzius ein lesenswertes Interviewbuch mit Dath veröffentlicht, das Jäger dort bespricht und sich dabei mit Daths Sozialismus-Idee auseinandersetzt. Kurz vorher hatte Jäger sich in einem dezent empathischen Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen von den Rechten mit dem Ruf „Nein, ich bin nicht mehr dabei, please count me out“ verabschiedet. Das allein ist ja nun noch kein Linksrutsch, es wirft aber ein kleines Licht auf die vielleicht in der Redaktion in der Hellerhofstraße verbreitete Stimmung: ein bisschen Koketterie mit dem Renegatentum, ein bisschen Revision alter Überzeugungen, ein bisschen Gefühlssozialismus im Angesicht des großen Kladderadatsch. Und natürlich das Schirrmachersche Gespür für die großen Themen, die weniger eine logische Kette der Erkenntnis bilden, sondern in einem formalen Sinne avantgardistisch sind – immer vorn: von der Gentechnologie über die Hirnforschung und die Netzpolitik zur Kapitalismuskritik.

Wo von Dietmar Dath schon die Rede war, sollte man auch dessen in der FAZ erschienenen Text zur Ideologie nennen, der zwar „nach draußen“ geschrieben ist, indem er die Krisendebatte thematisiert. Aber gerade hier richtet sich sein Beitrag auch „nach innen“, weil ein wichtiger Strang dieser Krisendebatte nun einmal in der Frankfurter Allgemeinen geführt wird. Mit Engels und Lenin im Hausblatt des Kapitals eine ideologiekritische Lanze brechen, das ist vielleicht auch, aber eben nicht nur das journalistische Reiten von angenommenen Tabus, die ja doch in den meisten Fällen sich als Vorurteile erweisen. „Sozialkritik, die nicht ihre Positionen offen vermittelt mit der Praxis derer, die da reden“, schreibt Dath, „ist Anlauf zur Errichtung oder Verschärfung von Herrschaft“. Ideologie gebe es, „wo immer Leute sich einen Vorteil davon versprechen, sich selbst und anderen nicht erkennbar werden zu lassen, was sie tun und vorhaben. Wir stehen mitten drin.“

Den letzten Coup, wenn man es einmal von der Wirkung her betrachtet, die diese beiden Beiträge dank der technologischen Möglichkeiten der schwarmartigen Verbreitung von Texten vor allem im Netz erzielt haben, landete Schirrmacher Anfang Dezember. Wenn irgendwann einmal jemand die Geschichte dieser Frankfurter Allgemeinen Verunsicherung (eine nach innen und nach außen) aufschreibt, wird er auch auf die Rezension des Schulden-Buches von David Graeber zu sprechen kommen müssen, denn diese ist ein Stein auf dem Weg durch den reißenden Bach auf das andere Ufer. Das Werk des in England lebendenAnthropologen und Anarchisten mache „etwas mit dem Gehirn und dem Bewusstsein“, es mache nämlich „klar, dass wir es selber sind, die über unsere Symbole und deren Macht entscheiden“. Schirrmacher nennt Graebers Buch „Debt“ sogar „eine Befreiung“ und verweist auf den US-Ökonomen Michael Hudson, „dessen Studien Graeber viel zu verdanken hat“. Ein paar Tage später bekommt eben dieser Hudson zuerst den Kulturaufmacher und in der darauffolgenden Sonntagszeitung noch eine Doppelseite. Und an diesem Donnerstag hat sich nun auch Sahra Wagenknecht in Schirrmachers Liste kapitalismuskritischer Autoren eingereiht – mit einem Appell für radikale Regulierung des Finanzsektors, erschienen selbstredend als Aufmacher der FAZ-Kulturseiten. “Wem das alles zu radikal erscheint”, schreibt die Linken-Vize dort, “der sollte die Alternativen bedenken.”

Vielleicht ist es dieser Gedanke, der Schirrmachers „linker“ Begeisterung zugrunde liegt. Von ihr aus lässt sich ein roter Faden verfolgen, auf dem sich Knoten gebildet haben: die Schulden und ihre soziale Bedeutung. Hudson erklärt nun dem FAZ-Herausgeber zuerst „Was sind Schulden“ – und damit einer ziemlich großen Öffentlichkeit. Die muss sich allerdings die Mühe eines längeren Textes machen, um Sätze zu lesen, die noch vor Jahren als unerhört im eigentlichen Sinne galten, als zwar aussprechbar, weil ein bestimmtes Maß an Meinungsfreiheit herrscht, aber nicht anschlussfähig an hegemoniale Diskurse und Kulturen: “Krieg gegen das Volk”, das hatte doch den Hautgout von K-Gruppen. Heute ist das anders und es steht deshalb in der Frankfurter Allgemeinen – oder es ist anders, weil es in der FAZ steht: „Damit verlegt sich die internationale Finanzwelt auf eine neue Art von Kriegsführung, die dasselbe Ziel verfolgt wie in früheren Zeiten die militärische Eroberung: die Aneignung von Land und Bodenschätzen, die Übernahme staatlicher Infrastruktur und die Erhebung von Tributzahlungen.“

Michael Hudson ist zwar Berater eines relativ linken demokratischen Präsidentschaftsbewerbers gewesen, aber er ist kein Linker in dem Sinne, in dem hierzulande schnell die Grenzen der eigenen Hinterhöfe gezogen werden. Was in seinem ersten Text noch eher die Entwicklung eines bestimmten Begriffs des Systems „Schulden“ aus der Geschichte ist, wird in seinem zweiten Beitrag zu einem politischen Plädoyer für, hierzulande würde man wohl sagen: die soziale Marktwirtschaft, eine politische Ökonomie des starken Staates, des an die Kette genommenen Finanzsektors, einen auf ihre „ursprünglichen“ Funktionen zurückgeführten Sektor der Banken und die Besinnung auf „die klassischen Grundsätze der Wirtschaftsreformer des 20. Jahrhunderts“.

Das alles wird marxistische Autoren vielleicht nicht vom Hocker reißen, es wird linke Ökonomen sogar zu Widerspruch anregen. Gut so, denn eine Debatte, die sich über die Reaktion auf das tagespolitische Vorankommen der Krisenbearbeitung in Zentimeterschritten nicht hinausschwingt und in der nicht auch die Intermediäre aufeinander statt nur auf sich selbst reagieren, ist gar keine. „Die heutige Wirtschaftskrise ist eine Frage des politischen Wollens und keine Notwendigkeit“, schreibt Hudson gegen das Sachzwang-Dogma und das herrschende Paradigma der staatlichen Rettungspolitik an. Und er zitiert Obamas früheren Stabschef Rahm Emanuel: „Krisen sind viel zu gute Chancen, als dass man sie ungenutzt verstreichen lassen dürfte.“ Die Frankfurter Allgemeine macht es vor. (tos)

Die beiden Hudson-Beiträge im Original:
Democracy and Debt – hier
Europe’s Transition From Social Democracy to Oligarchy – hier

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Was 2012 auch kommt

Die Spitze der Linken hat Anfang der Woche eine Reihe von Vorhaben für das kommende Jahr angekündigt – und nein, es geht diesmal nicht um Personaldebatte und Mitgliederentscheid. Nicht sonderlich überraschend ist der Hinweis, dass „die Aktivitäten zum Thema Euro-Krise“ auch im nächsten Jahr „fortgesetzt werden“. Konkretere Vorschläge will der Vorstand im Januar diskutieren. Vize Heinz Bierbaum soll den Linkenvorstand zudem im Bündnis “Wir zahlen nicht für eure Krise!” vertreten. Begrüßt hat das geschäftsführende Gremium auch, „dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung einen ,Ratschlag‘ mit außerparlamentarischen Kräften organisieren wird“. Im Frühjahr und Frühsommer sollen „drei bis vier regionale“ Veranstaltungen mit Vertretern aus Gewerkschaften, Verbänden sowie sozialen Bewegungen und Initiativen stattfinden. Die Linkspartei selbst will im Herbst 2012 zu einem Zukunftskongress einladen, mit dem versucht werden soll, „die gesellschaftliche Debatte über notwendige und sinnvolle Veränderungen zu beleben“. Auch soll „in einem offenen, beteiligungsorientierten Verfahren über Erwartungen an ein linkes Bundestagswahlprogramm 2013 und darüber hinaus“ diskutiert werden. Eine Kreisvorsitzendenkonferenz soll es auch wieder geben – diesmal ohne dass dazu der Aufstand der Basis nötig ist. Das Treffen ist für den 17. März geplant und wird abermals in Hannover stattfinden. Zuvor ruft die Linke wieder zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch in Dresden im Februar. Die Planungen für 2012 werden auch am Wochenende bei der Elgersburger Runde eine Rolle spielen. (vk)

 

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USA – Todesstrafe gegen Mumia Abu-Jamal endgültig verhindert

 Pressemitteilung

USA – Todesstrafe gegen Mumia Abu-Jamal endgültig verhindert

Freitag 30. Haftjahrestag – Freilassung gefordert

Berlin, den 07. Dezember 2011

Heute hat Philadelphias Bezirksstaatsanwalt Seth Williams bestätigt, was eigentlich schon lange bekannt ist: die Todesstrafe gegen den afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu-Jamal ist verfassungswidrig. Nun verzichtet der Ankläger endgültig darauf, weiter auf eine Hinrichtung des seit 30 Jahren inhaftierten Menschenrechtsaktivisten zu drängen.

Bereits vier mal hatten US-Bundesgerichte festgestellt, dass das Todesurteil auf Rechtsbrüchen im ursprünglichen Verfahren von 1982 basiert. Zuletzt hat das der Oberste Gerichtshof der USA im Oktober 2011 klargestellt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat jedoch bereits im Jahr 2000 festgestellt, dass das gesamte Verfahren “einen Bruch internationaler Mindeststandards für die Sicherung fairer Verfahren” darstelle und deshalb ein neues Verfahren gefordert.

Das Todesurteil ist nun endgültig vom Tisch – ein großer Sieg für Abu-Jamal. Dennoch wird die Internationale Solidaritätsbewegung, unterstützt von zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens und  verschiedenen Länder- und Kommunalparlamenten, nun erst recht die Freilassung des seit 3 Jahrzehnten inhaftierten Journalisten fordern.

In Philadelphias Constitution Center werden am kommenden Freitag aus Anlass des 30. Haftjahrestages von Abu-Jamal Sprecher und Sprecherinnen aus den gesamten USA die Stimme gegen die anhaltende Inhaftierung erheben. Lebenslänglich ohne Entlassung im Gefängnis ist keine Alternative.

Begleitet wird der Jahrestag von Protesten und Veranstaltungen in Mexiko, Kanada, Frankreich, Großbritanien, der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik: z.B. am Samstag um 16 Uhr vor der Nürnberger Lorenzkirche.

Die Verteidigung von Mumia Abu-Jamal ist im Frühjahr 2011 vom Legal Defense Fund des National Association for the Advancement of Colored People (NAACP-LDF) übernommen worden, die in dem Fall eines der wichtigsten Bürgerrechtsverfahren in den USA erachten.
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Für Rückfragen steht Ihnen gerne Markus Ossenwest unter 0175 – 844 25 76 zur Verfügung.

Ärzte ohne Grenzen: Humanitäre Hilfe in Afghanistan darf nicht länger für militärische Ziele missbraucht werden

Pressemitteilung

Kabul/Berlin, 4. Dezember 2011. Anlässlich der Petersberg-Konferenz in Bonn ruft die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen alle Konfliktparteien in Afghanistan auf, humanitäre Hilfe nicht als Teil einer militärisch-politischen Strategie zu missbrauchen. Unabhängige und unparteiische Hilfe für die vom Krieg betroffene Bevölkerung darf nicht untergraben werden.

Kabul/Berlin, 4. Dezember 2011. Anlässlich der Petersberg-Konferenz in Bonn ruft die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen alle Konfliktparteien in Afghanistan auf, humanitäre Hilfe nicht als Teil einer militärisch-politischen Strategie zu missbrauchen. Unabhängige und unparteiische Hilfe für die vom Krieg betroffene Bevölkerung darf nicht untergraben werden.

In Afghanistan herrscht Krieg. Ärzte ohne Grenzen weist darauf hin, dass die Bundeswehr und die Bundesregierung als Konfliktparteien dafür Verantwortung tragen, dass unparteiische humanitäre Hilfe die Menschen in Not erreicht.

„Ärzte ohne Grenzen leistet in Afghanistan unabhängig von jeder Konfliktpartei und von jeglichen Regierungsgeldern medizinische Hilfe für Menschen in Not“, erklärt Frank Dörner, Geschäftsführer der Organisation in Deutschland. „Unsere Arbeit wird aber erschwert dadurch, dass Militär und Politik in den vergangenen Jahren versucht haben, humanitäre Hilfe als Komponente ihrer militärischen Strategie zu missbrauchen. Darunter leiden am Ende die Patienten.“

Humanitäre Organisationen wurden von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im vergangenen Jahr als „weiche Komponente“ des NATO-Einsatzes bezeichnet, und Angehörige der Bundeswehr beschreiben sich als Wegbereiter und Informationsbeschaffer für Nichtregierungsorganisationen.

In Afghanistan gibt es eine dringende Notwendigkeit für unparteiische und unabhängige medizinische Hilfe. Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen wird das auf absehbare Zeit auch so bleiben. Die Hilfe muss sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht an militärisch-politischen Zielen. Ihr Erfolg sollte allein nach medizinischen Kriterien beurteilt werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1980 in Afghanistan tätig. Derzeit arbeiten Teams in Krankenhäusern in Kabul und Lashkargah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. In Kundus hat die Organisation im August eine chirurgische Klinik eröffnet. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt insgesamt etwa 1.000 Mitarbeiter in Afghanistan. In den Krankenhäusern herrscht ein striktes Waffenverbot, es gibt weder bewaffnetes Wachpersonal noch bewaffnete Eskorten. Ärzte ohne Grenzen akzeptiert keinerlei Regierungsgelder für die Projekte in Afghanistan. Sie werden ausschließlich aus privaten Spenden finanziert.

 

10 Interventionen gegen Rechts

Mobile Beratungsteams und Opferberatungsprojekte beraten und begleiten Opfer rechter Gewalt, Kommunen und Zivilgesellschaft. „Auch wenn wir seit Jahren vor der Gewalt von Neonazis und rassistischen Gelegenheitstätern warnen, sind wir geschockt von dem Ausmaß an Ignoranz und Verharmlosung staatlicher Stellen angesichts der rassistischen Mordserie.

Wir verlangen jetzt eine Zäsur im Umgang mit der extremen Rechten.

1. Eingreifen und einmischen statt wegsehen

Jeden Tag ereignen sich in Deutschland mindestens zwei bis drei rechte und rassistische Gewalttaten. Die Täter_innen sprechen vor allem denjenigen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Leben ab, die als Minderheiten ohnehin schon gesellschaftlich diskriminiert werden. Das zu ändern und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, können wir nicht an den Staat delegieren: Jede und jeder kann bei rassistischen Sprüchen am Arbeitsplatz, antisemitischer Hetze auf dem Sportplatz oder „Schwulenwitzen “Kontra geben und eingreifen, wenn andere bedroht und geschlagen werden. Und jede und jeder kann jetzt praktische Solidarität zeigen: z.B. Spenden für Einrichtungen sammeln, die Zielscheibe von neonazistischen Brandanschlägen geworden sind oder den Menschen in diesen Einrichtungen persönlich in Gesprächen oder praktisch beistehen.

2. Mehr Demokratie statt mehr Verfassungsschutz

Polizei, Justiz und Geheimdienste spiegeln gesellschaftliche Verhältnisse wider. In einem Land, in dem regelmäßig ein Drittel erklären, Deutschland sei „im gefährlichen Maße überfremdet“, ist es keine Ausnahme, dass Sonderkommissionen „Aladin“ oder „Bosporus“ genannt und Opfer rassistischer Gewalt unter Generalverdacht gestellt werden. Schon die Bezeichnung „Döner-Morde“ ist rassistisch und entwürdigend. Nationale Terrorabwehrzentren und neue Gesamtdateien von Polizei und Geheimdiensten werden daran nichts ändern. Ein erster Schritt wäre eine klare Abkehr von den Feindbildern der “Linksextremisten”, „Muslime“ und „Fremden“. Der Rassismus der Mitte muss als Problem erkannt werden.

3. Zivilgesellschaftliche Expertisen anerkennen und nutzen

Der derzeitige Schock der politisch Verantwortlichen über den Terror des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ lässt sich nur damit erklären, dass sie die öffentlich zugänglichen Informationen und Analysen der zivilgesellschaftlich Aktiven gegen Rechts und Rassismus – Antifagruppen, Bündnisse und Beratungsprojekte – offenbar komplett ignoriert und stattdessen nur auf die Geheimdienste gehört haben. Wer auf die falschen Berater_innen in der Auseinandersetzung mit der extremen Rechten setzt, kann nur verlieren – und spielt mit dem Feuer. Künftig muss der Erfahrungsschatz der zivilgesellschaftlichen Expert_innen angemessenes Gehör finden.

4. Staatliche Alimentierung der Neonazis beenden, V-Leute abschaffen

V-Leute sind vom Staat bezahlte Neonazis, die Steuergelder dazu verwenden, um Neonazistrukturen auszubauen und zu stabilisieren sowie staatliche Stellen allenfalls mit fragwürdigen Informationen zu versorgen. In der Geschichte der deutschen Neonazibewegung waren immer wieder V-Männer und -Frauen in tödliche Attentate (Wehrsportgruppe Hoffmann) und Brandanschläge (Solingen) involviert, haben die Produktion und den Vertrieb neonazistischer Hassmusik organisiert (Brandenburg und Sachsen), NPD-Landesverbände am Laufen gehalten (Nordrhein-Westfalen), mit Steuergeldern militante Neonazistrukturen wie den Thüringer Heimatschutz und Blood & Honour aufgebaut und ein NPD-Verbot im Jahr 2003 verhindert.

5. Lückenlose Aufklärung und Konsequenzen auf allen Ebenen

Alle Daten und Informationen, die notwendig gewesen wären, um mit polizeilichen und rechtsstaatlichen Mitteln schon 1998 – vor Beginn der rassistischen Mordserie – gegen den Kern des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) vorzugehen, lagen den Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten gleichermaßen vor. Doch diese Informationen wurden mit einer Mischung aus Verharmlosung, Entpolitisierung und Inkompetenz von Polizei, Justiz und Geheimdiensten ignoriert, wie sie bei rechter Gewalt immer wieder zu beobachten war und ist. Wer jetzt Aufklärung verspricht, muss überall dort, wo Versagen offenkundig geworden ist, auch personelle Konsequenzen ziehen, egal ob in Innenministerien, Geheimdiensten oder Strafverfolgungsbehörden. Die Angehörigen der Ermordeten, die Verletzten der Nagelbombenanschläge und die Communities, die durch die Attentate der NSU unmittelbar betroffen sind, aber auch die Gesellschaft als Ganzes haben ein Recht darauf, dass eine lücken- und schonungslose Aufklärung in aller Öffentlichkeit stattfindet.

6. Nebelkerze NPD-Verbot ad acta legen

Die zum x-ten Mal geführte Debatte über ein NPD-Verbot verstellt den Blick auf das schockierende Ausmaß staatlicher Verharmlosung der extremen Rechten und gesamtgesellschaftlichen Rassismus. Effektiver als jede reflexartige Debatte wäre ein geschlossenes Vorgehen aller demokratischen Parteien dort, wo sie mit der NPD konfrontiert sind.. Die NPD und die extreme Rechte sind überall dort stark, wo demokratische Parteien und die Zivilgesellschaft ihnen nicht ge- und entschlossen entgegen treten. Dass, wie in Sachsen, sich die CDU-geführte Regierung nach diskreditierenden parlamentarischen Anfragen der NPD nicht zur wertschätzenden Unterstützung von Beratungsprojekten gegen Rechts durchringen kann, ist kein Einzelfall.

7. Engagement gegen Rechts braucht Anerkennung und Unterstützung statt Diffamierung und Kriminalisierung

Bei den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch in Dresden im Februar 2011 wurden Hunderttausende Telefonate abgehört, bei Ermittlungen gegen Neonazigegner_innen wegen Aufrufen zu Blockaden wird nicht einmal mehr vor Kirchgemeinden Halt gemacht. Anstatt Antifagruppen, Gewerkschafter_innen, Bündnisse gegen Rechts, Kommunalpolitiker_innen und andere zu diffamieren und zu kriminalisieren, müssen sie Anerkennung, Unterstützung und Ermutigung durch politisch Verantwortliche aller Parteien erfahren. Wer Misstrauen gegen engagierte Bürger_innen sät, wird mehr rechte und rassistische Gewalt ernten. Und wer militante Kameradschaften schwächen will, muss alternative, nicht-rechte Jugendkulturen fördern.

8. „Extremismusklausel“ abschaffen

Die Bundesregierung zwingt die Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zur Unterschrift unter eine so genannte „Demokratieerklärung“, mit der sich die Projekte verpflichten sollen, ihre Partner_innen auf Verfassungstreue zu prüfen und sie zu bespitzeln. Als Grundlage für die Einschätzung der Verfassungstreue von Kooperationspartner_innen sollen ausgerechnet die Berichte des Verfassungsschutzes dienen. Die rassistischen Diskurse aus der Mitte der Gesellschaft bleiben dabei außen vor. Die zivilgesellschaftliche Arbeit wird seit Jahren beeinträchtigt durch die historisch falsche, wissenschaftlich unsinnige und politisch gefährliche „Extremismustheorie“, die Rechtsextremismus und Linksextremismus und damit auch Faschismus und Antifaschismus gleichsetzt.

9. Langfristige Planungssicherheit für Projekte gegen Rechtsextremismus und Ausweitung der bewährten Beratungsprojekte in den alten Bundesländern

Die Arbeit gegen die extreme Rechte braucht einen langen Atem, ist eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe und kein Strohfeuer und muss entsprechend dauerhaft gefördert werden. Außerdem sind rechte Gewalt und extrem rechte Aktivitäten keine Ostprobleme. Die Mehrheit der NSU-Morde ereignete sich in den alten Bundesländern – in Regionen, in denen seit langem militante Neonazistrukturen aktiv sind. Die Beratungsprojekte in den neuen Bundesländern und Berlin arbeiten seit nunmehr über 10 Jahren erfolgreich und unabhängig, dennoch wurden ihnen wiederholt die Mittel gekürzt. Die Mobilen Beratungsteams sind Ansprechpartner_innen für Kommunalpolitiker_innen und Zivilgesellschaft; die Beratungsprojekte für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt unterstützen und begleiten Betroffene, Zeug_innen und Angehörige bei der Bewältigung der Tatfolgen. Diese Projekte sind derzeit mit zum Teil massiven Mittelkürzungen konfrontiert. In den alten Bundesländern sind sie komplett unterfinanziert oder existieren aus Mangeln an Fördergeldern erst gar nicht. Wenn Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) jetzt erklärt, in ihrem Haushalt seien die Millionen aus dem Programm gegen „Linksextremismus“ noch nicht abgerufen worden, dann müssen diese Gelder umgehend zum Aus- und Aufbau der bewährten Strukturprojekte gegen Rechts zur Verfügung gestellt werden. Das wäre ein erster Schritt, dem weitere – wie ein Ende der Kürzungen bei den Antidiskriminierungsbüros – folgen müssen.

10. Rassismus endlich beim Namen nennen

Es ist unbegreiflich, dass im Zusammenhang mit den NSU-Morden von „Fremdenfeindlichkeit“ die Rede ist. Die Ermordeten waren mitnichten „Fremde“, „Türken“ oder „Griechen“, sondern repräsentieren die Mitte unserer Gesellschaft. Es ist Zeit, endlich von Rassismus und dem Wahn der „White Supremacy“ zu sprechen, denn dies war das Motiv der Neonazis. Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleiche Rechte haben und gleich geschützt werden – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Status und allen anderen „Merkmalen“.
Erstunterzeichner:

  • ezra – Mobile Beratung für Opferechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen
  • Kulturbüro Sachsen e.V.
  • LOBBI – Landesweite Opferberatung, Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern
  • Miteinander e.V. – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt
  • Mobile Beratung im Regierungsbezirk Münster. Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie (mobim)
  • Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln
  • Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt
  • Opferperspektive Brandenburg e.V.
  • Opferberatung der RAA Sachsen
  • Reach Out – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, Berlin
  • Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V.
  • Verein für demokratische Kultur in Berlin e.V

 

Der Landesvorstand der NaturFreunde Berlin hat beschlossen, den den Aufruf zu unterstützen.

“Noch nicht befriedigend”

In gut einer Woche endet bei der Linken die Urabstimmung über das neue Programm. Der Erfurter Parteitag hatte dem Papier mit großer Mehrheit zugestimmt – die Basis ist dagegen bisher vergleichsweise zurückhaltend. Jedenfalls was die Beteiligung am Mitgliederentscheid angeht. Zwar wollte man im Berliner Karl-Liebknecht-Haus eine Spiegel-Meldung nicht bestätigten, wonach „die Basisbefragung über das Grundsatzprogramm nur schleppend vorankommt“. Für einen großen Run sprechen allerdings die Zwischenstände aus einigen Ländern auch nicht gerade.

Zum Teil hat das ganz offenbar mit technischen Fragen zu tun. In Brandenburg zum Beispiel waren in der Landesgeschäftsstelle dieser Tage die Voten von rund einem Viertel der Genossen bereits eingegangen. Da allerdings auch auf der Ebene der Kreisverbände gesammelt wird, nicht zuletzt um die Portokosten des Entscheids einzudämmen, sind weitere ausgefüllte Abstimmungsunterlagen bereits abgegeben, aber noch auf dem Weg in die Landesgeschäftsstelle. In der Brandenburger Linken heißt es daher, der Mitgliederentscheid laufe eher normal. Verwiesen wird auch auf Probleme wie das Fehlen der Mitgliedsnummer auf den Anschreiben, das womöglich Genossen verunsichere. Außerdem gebe es eine beträchtliche Zahl von Rückläufern aufgrund falscher Adressen – in Brandenburg machen allein die schon knapp vier Prozent der Mitgliederzahl aus.

In Nordrhein-Westfalen ist die Rückläufer-Quote sogar noch höher. Nach Informationen der Landesgeschäftsstelle sollen es an Rhein und Ruhr fast zehn Prozent der Mitgliedschaft sein. „Ein Teil ist offensichtlich durch die Post einfach nicht verteilt worden“, heißt es in einer hier weiterveröffentlichten Email, in der zugleich ein Zwischenstand angegeben ist – allerdings ohne Datum: „Bis zum heutigen Tag haben sich ca. 14 Prozent unserer Genossinnen und Genossen beteiligt.“ Diese Zahl sei „noch nicht befriedigend“. In Schleswig-Holstein wiederum hatten bis zum Dienstag dieser Woche rund ein Viertel der Mitglieder bereits über das Programm abgestimmt. Die Landessprecherin Jannine Menger-Hamilton sagte, man werde die Beteiligung seitens des Vorstandes nun zusätzlich befördern und gehe auch davon aus, dass die Quote bis zum 15. Dezember noch anzieht.

Über die Dimension der noch möglichen Veränderungen geben Zahlen aus dem Landesverband Niedersachsen Auskunft. Dort hatten bis zum 6. Dezember 24,6 Prozent der Mitglieder abgestimmt, nicht einmal eine Woche vorher waren es noch 20,8 Prozent. Die Steigerung lag in einigen Kreisverbänden im zweistelligen Prozentbereich. Deutlich wird auch, wie unterschiedlich die regionale Beteiligung ist. Es gibt Kreisverbände wie jenen in Wittmund, wo den Zahlen zufolge bisher nur zwei von 44 Mitgliedern abgestimmt haben. In Rotenburg/Wümme dagegen lag die Quote bereits bei 50 Prozent. Der Landesvorstand in Hannover hat „als Zusatzmotivation“ am vergangenen Wochenende beschlossen, „den Kreisverband mit der höchsten Beteiligung im Landtagswahlkampf 2013 mit einer Promiveranstaltung zu belohnen“.

UPDATE: Im Landesverband Sachsen liegt die Beteiligung schon jetzt deutlich höher. Bis zum 6. Dezember hatten im Freistaat über 41 Prozent der Genossen über das Programm abgestimmt.

UPDATE 8.12. In der Landesgeschäftsstelle Nordrhein-Westfalen bisher 1.600 Briefe eingegangen, das wären gut 18 Prozent der Ende 2010 angegeben Mitglieder.

Die Frage der Beteiligung wird zweifellos noch zu einigen Diskussionen führen. Nicht zuletzt, weil die Linken-Spitze an sich selbst einen Anspruch formuliert hat: “Unser Ziel ist eine hohe Beteiligung.” Bei der letzten Basisbefragung zur Doppelspitze hatte die Beteiligung 48,3 Prozent gelegen. Es ging seinerzeit allerdings auch um eine Strukturentscheidung, die noch nicht vollzogen war. Bei der Programm-Urwahl jetzt scheinen viele Linken-Mitglieder ihr Votum ohnehin nur als nachträgliche Bestätigung eines allgemein unumstrittenen Beschlusses zu betrachten. In Erfurt hatten sich die zentralen Kompromisslinien als haltbar erwiesen. Es geht allerdings nicht nur um die basisdemokratische Legitimation des neuen Programms. Die Beteiligung beim Mitgliederentscheid wird auch ein Licht auf die Mobilisierungsfähigkeit der Partei werfen. Und damit möglicherweise Auswirkungen auf den politischen Umgang mit kommenden Mitgliederentscheiden haben. (tos)

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Abschiebehaft auf dem Flughafen BBI verhindern! Abschiebeknast Grünau schließen! – Demonstration zum Abschiebeknast Grünau am 10. Dezember 2011

Abschiebehaft auf dem Flughafen BBI verhindern! Abschiebeknast Grünau schließen! – Demonstration zum Abschiebeknast Grünau am 10. Dezember 2011

Abschiebehaft auf dem Flughafen BBI verhindern! Abschiebeknast Grünau schließen! – Demonstration zum Abschiebeknast Grünau am 10. Dezember 2011

Seit 1993 ist das Recht auf Asyl in Deutschland praktisch abgeschafft. Um 10.000 Abschiebungen pro Jahr sicherzustellen, wird massenhaft „polizeiliche Abschiebehaft“ angeordnet. Neben dem Abschiebeknast Berlin-Grünau, der 1994 eingerichtet wurde, soll nun im Transitbereich des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg-International (BBI) in Schönefeld eine weitere Haftanstalt gebaut werden. Unsere Demonstration am 10. Dezember richtet sich gegen das System der Abschiebehaft und gegen den Neubau auf dem BBI. Wir wollen uns mit einer großen Kundgebung vor dem Abschiebegefängnis Grünau mit den Inhaftierten solidarisieren.

:: Das System Abschiebehaft ::
In der Abschiebehaft werden Menschen eingesperrt, die keine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland besitzen. Die Haftanträge der Ausländerbehörden werden von den Amtsgerichten routiniert bestätigt – ein Recht auf anwaltliche Unterstützung gibt es nicht. Die Haft kann auf bis zu 18 Monate verlängert werden, wenn die Häftlinge den Behörden nicht helfen ihre eigene Abschiebung zu befördern. Faktisch handelt es sich bei der Abschiebehaft um eine Inhaftierung ohne Strafverfahren – um Haft ohne Straftat.
Abschiebehaft ist die konsequente Fortführung des gesellschaftlichen Ausschlusses von Migrant_innen und Flüchtlingen. Durch rassistische Sondergesetze werden Beschränkungen in allen Lebensbereichen auferlegt: Ein undurchsichtiges Netz von Gesetzen und Länderverordnungen, die durch Willkür und Entrechtung Migrant_innen abschrecken und ihren Zuzug verhindern sollen. Nach den Pogromen gegen Flüchtlingsunterkünfte vor 20 Jahren wurde dem Standortnationalismus mit der Grundgesetzänderung 1993 (dem sog. Asylkompromiss) in Richtung „Bedarfsorientierte Zuwanderung“ Rechnung getragen. Nicht mehr das Recht auf Asyl, sondern die Verwertbarkeit für die deutsche Wirtschaft steht im Vordergrund. Durch die EU-Osterweiterung, eine damit einhergehende europäisierte Abschottungspolitik und die sog. „Drittstaatenregelung“ wird es für Flüchtlinge immer schwieriger, die Bundesrepublik zu erreichen. So konnten letztes Jahr mit 41.332 Asylanträgen gerade einmal ein Zehntel derer von 1992 gestellt werden.

:: Berlin und Brandenburg bauen einen neuen Abschiebeknast ::
Großbaustelle Flughafen BBI: Was für viele das neue Tor in den Urlaub ist, soll für andere zum exterritorialen Endpunkt ihrer Flucht werden. Denn wie erst im Oktober bekannt wurde, soll auf dem neuen Großflughafen ein Abschiebeknast mit 30 Haftplätzen gebaut werden. Dieser ist eine späte Folge des Gesetzespakets von 1993, das beschleunigte Asylverfahren für fünf internationale Flughäfen vorsah und nun von Berlin und Brandenburg umgesetzt wird. Im sog. Flughafenverfahren werden über die Asylanträge von ankommenden Flüchtlingen bereits im Transitbereich entschieden. Nach einem außergerichtlichen Schnellverfahren soll ein Großteil der Flüchtlinge wieder abgeschoben werden. Als „hastig, unfair, mangelhaft“ bezeichnet Pro Asyl die jährlich rund 300 Flughafenverfahren auf dem Flughafen Frankfurt am Main.
Hand in Hand mit der Bundesregierung forcieren Berlin und Brandenburg auf dem BBI nicht nur den Ausbau des rechtlich umstrittenen Flughafenverfahren, sondern außerdem auch die Teilprivatisierung von Knästen. Denn mit der Versorgung und Betreuung wurde die Sicherheitsfirma B.O.S.S. beauftragt, die schon für den Abschiebeknast und die Zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) in Eisenhüttenstadt zuständig ist.

:: Abschiebeknast Grünau ::
Wie das System Abschiebehaft in Berlin umgesetzt wird, kann man im Abschiebeknast Grünau beobachten: Enge Zellen, miserable Versorgung, kaum Beschäftigung, stattdessen verordnetes Nichtstun. Zwar dürfen Handys benutzt werden, doch es fehlt an Geld für Telefongespräche, für die notwendigen Anwält_innen oder für Bücher und Anderes, um die erdrückende Langweile zu überbrücken. Besonders perfide hieran ist, dass jeder Tag im Knast die Häftlinge 65,26 Euro kostet. Dieser Betrag – zusammen mit den Kosten für die Abschiebung – ist von den ehemaligen Häftlingen zu begleichen, sollten sie noch einmal in die BRD einreisen. Ist eine erneute legale Einreise ohnehin nahezu unmöglich, wird sie so auch noch unbezahlbar.
Skandalös ist auch die medizinische Versorgung in der Berliner Abschiebehaft: Schwerkranke werden erst nach langen Verzögerungen behandelt, Menschen mit gefährlichen Infektionskrankheiten teilen Zellen mit gesunden Häftlingen und Suizidgefährdete werden in Einzelzellen isoliert, was die Suizidgefahr deutlich erhöht. Was auf den ersten Blick nach bedauerlichen Mängeln aussieht, hat Methode: Im Knast gibt es kein unabhängiges medizinisches Personal, sondern lediglich den polizeiärztlichen Dienst, dessen Hauptaugenmerk nicht auf der Gesundheit der Häftlinge, sondern auf deren „Reise- und Verwahrfähigkeit“ liegt.
Viele der hier genannten Punkte bemängelte auch die Länderkommission zur Verhütung von Folter im Oktober 2011. Das Ziel kann jedoch nicht die graduelle „Verbesserung“ oder die „Humanisierung“ des menschenverachtenden Systems der Abschiebehaft sein, sondern nur dessen ersatzlose Abschaffung. Statt sich für die Abschaffung der Abschiebehaft im Bund einzusetzen und bis dahin zumindest auf Landesebene nach Regelungslücken zu suchen (wie es in Rheinland Pfalz von rot-grün zumindest diskutiert wird) lässt sich Berlin die Haft was kosten: In Grünau werden gerade 18 Personen festgehalten, bei einer Gesamtzahl von 214 Haftplätzen und 192 Mitarbeiter_innen.

:: Widerstand im Knast::
Immer wieder gibt es Widerstand von Inhaftierten in Grünau. Zuletzt in die Öffentlichkeit geriet der Fall von Victor Atoe. Wie er treten immer wieder Abschiebehäftlinge in Hungerstreik oder sehen sich dazu gezwungen, sich selbst zu verletzen, um eventuell aus der Haft entlassen zu werden. Im Sommer 2005 kam es zu kollektiven Widerstandsaktionen, zeitweise verweigerten mehr als 60 Insassen das Essen in der Haftanstalt. Die Antirassistische Initiative Berlin dokumentierte innerhalb dieses dreimonatigen Streiks 44 Selbstverletzungen, darunter Suizidversuche. Der Haftalltag ging regulär weiter, Häftlinge kamen in Isolierzellen und wurden abgeschoben.

:: Solidarität!::

Mit der Demonstration richten wir uns gegen Abschiebehaft und den Ausbau des Flughafenverfahrens. Solidarisch sein kann neben der Demo auch heißen, den Inhaftierten den Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, die sie für ein schnelles Rauskommen benötigen: Geld für Anwält_innen, Handy und Gesprächsguthaben, aber auch Bücher und DVD’s, um die Langweile zu überbrücken und nicht an den Bedingungen kaputt zu gehen. Wir rufen deshalb auf, regelmäßig Geld oder Sachspenden (funktionsfähige Handys, Telefonkarten, Bücher, DVD’s in den Sprachen der Inhaftierten) bei der Initiative gegen Abschiebehaft abzugeben. Mit unserem Protest reihen wir uns auch in den gegen weitere migrations- und sicherheitspolitische Verschärfungen ein, wie sie am 8. und 9. Dezember in Wiesbaden auf der 193. Innenministerkonferenz in die Wege geleitet werden sollen. Auch Silvester wollen wir mit einer Kundgebung vor dem Abschiebeknast ziehen, um unserer Wut und Solidarität Ausdruck zu verleihen.

 

Infoveranstaltung: Freitag, 2. Dezember 2011, 18 Uhr, K9 (Kinzigstr. 9) Veranstaltung zur Abschiebehaft und dem neuen Abschiebeknast auf dem BBI

Demonstration zum Abschiebeknast Grünau: Samstag, 10. Dezember 2011, 15 Uhr S-Bhf Spindlersfeld:
Mit: Krach und Musik gegen den Abschiebeknast, Grüße nach Drinnen und Draußen, Wunschdisco und Polit-Projektionen, Vokü und Getränke, Aktionen und Infos, Live-Act.

Geldspenden können überwiesen werden werden an:
Name: Flüchtlingsrat Berlin
Verwendungszweck: „In den Knast“

Kto. Nr.: 311 68 03
BLZ: 100 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft)


Anarchist Black Cross Berlin

Antifa Friedrichshain
Antirassistische Initiative Berlin >> DokumentationsStelle < <
Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost (ABSO)

Autonome Antifa Berlin (A2B)
Berliner Bündnis Freiheit für Mumia Abu-Jamal!
Bündnis gegen Lager Berlin/Brandenburg
Emanzipative Antifaschistische Gruppe (EAG)
FelS
Initiative gegen Abschiebehaft
Initiative ausbrechen
Initiative gegen das Chipkartensystem
Kampagne Zusammen Handeln

Naturfreundejugend Berlin
Refugees Emancipation
die Sozialistische Jugend – die Falken LV Berlin
Wolf-Dieter Narr

Voraktion: „Be Berlin – Be Schönefeld – Be Abschiebeknast!“

Zwei Tage vor der großen Demo gegen Abschiebehaft veranstalten wir eine kleine Kundgebung vor dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

Donnerstag, 8.12.2011, 11 Uhr, Rotes Rathaus, Kundgebung
„Be Berlin – Be Schönefeld – Be Abschiebeknast!“
Gegen den Bau eines Abschiebegewahrsams auf dem Flughafen Schönefeld!
Das Flughafenasylverfahren ist hastig, unfair und mangelhaft!

Der regierenden Bürgermeister Wowereit sitzt zusammen mit dem Ministerpräsidenten von Brandenburg Platzeck im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, die derzeit den neuen Flughafen Schönefeld BBI baut. In Zusammenarbeit mit dem Bund soll auf dem Gelände ein Gewahrsam mit 30 Haftplätzen für Asylsuchende errichtet werden. Baulich soll damit zementiert werden was in der Europäischen Union höchst umstritten ist: Asylsuchende, die auf dem Luftweg einreisen, werden pauschal im Transitbereich, also noch bevor sie Deutschland betreten können, inhaftiert und haben durch das beschleunigte Asylverfahren unter verminderten Rechten wenig Chancen auf Asyl. Die Abschiebung ist so gut wie sicher.

Die Erfahrungen von den Großflughäfen in Frankfurt und Düsseldorf, wo das sog. Flughafenverfahren schon lange angewandt wird, sind katastrophal. Sogar Kinder werden hier inhaftiert, während das Asylverfahren läuft. Das einzige Verbrechen, dass Flüchtlinge begehen ist in Deutschland um Asyl zu bitten. Das Verfahren verstößt gegen Menschenrechte und ist nur in Deutschland zulässig. Ein Verbot auf EU-Ebene wird von Deutschland seit 2005 boykottiert.

Die Länder Berlin und Brandenburg sollten sich im Bund für die Abschaffung des Flughafenverfahrens einsetzen und nicht durch den Bau eines Gewahrsams unterstützen! Die abschreckende Asylgesetzgebung Deutschlands braucht keine weitere Aushöhlung durch beschleunigte Verfahren – es ist schon inhuman genug!
Bis zur Einweihung des Flughafens wird es weitere Aktionen zu dem Thema geben (u.a. am 10.12. um 15 Uhr gegen den Abschiebeknast in Grünau). Achtet auf Ankündigung, informiert euch und andere.

Aktionsbündnis „Stop Westcastor“: Castor-Transporte auch durch Innenstädte?

Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“
Aktionsbündnis „Stop Westcastor“
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster

 

Castor-Transporte auch durch Innenstädte?
- Ahauser Zwischenlager nicht terrorsicher?
- „Landesregierung muss Einlagerungsstopp in Ahaus verhängen“
Nach einem Bericht der BILD-Zeitung vom Freitag erwägt die Betreiberin des Ahauser Zwischenlagers, die GNS (eine Tochter der vier großen Energiekonzerne), die 152 West-Castoren von Jülich nach Ahaus womöglich auch auf der Schiene zu transportieren. Dadurch würden dann zwangsläufig auch die Innenstädte von Köln, Neuss, Krefeld, Duisburg, Oberhausen, Bottrop, Gladbeck, Herten, Lünen, Dülmen und Coesfeld von den Castor-Transporten betroffen. Auch Kerpen, Dormagen, Meerbusch, Gelsenkirchen und Recklinghausen wären von Schienen-Transporten betroffen. Zugleich kursieren immer neue mögliche Straßenrouten im Falle von Autobahn-Transporten. In Mönchengladbach gab es am Samstag eine erste Protestaktion.
„Die Bundesregierung, das Forschungszentrum Jülich sowie die GNS versetzen mit ihren Castor-Plänen inzwischen halb Nordrhein-Westfalen in Angst und Schrecken. NRW ist dicht besiedelt, Autobahnen wie Bahnstrecken führen zum Teil quer durch Innenstädte, doch auf die Bevölkerung wird keinerlei Rücksicht genommen. Und einen Sicherheitsgewinn gibt es in Ahaus nicht. Norbert Röttgen hat es nun als Bundesumweltminister in der Hand, die Genehmigung für diesen Castor-Wahnsinn zu versagen,“ so Siegfried Faust vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“.
Die Anti-Atomkraft-Initiativen sind zudem sehr besorgt über die Meldungen aus Niedersachsen, wonach das Zwischenlager Gorleben augenscheinlich nicht terrorsicher ist. „Das Zwischenlager Ahaus ist baugleich zur Leichtbauhalle in Gorleben – wenn es in Gorleben Probleme gibt, gibt es sie auch in Ahaus! Wir erwarten von der NRW-Landesregierung eine öffentliche Stellungnahme und einen kompletten Einlagerungsstopp in Ahaus, damit die offensichtlichen Sicherheitsrisiken nicht noch größer werden. Wer die Castoren schon in einer Halle nicht schützen kann, kann dies auf der Straße oder der Schiene erst recht nicht,“ so Felix Ruwe von der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.
„Es wird immer deutlicher, dass die geplante Verlegung der 152 West-Castoren von Jülich nach Ahaus ein Alptraum für NRW wird. Norbert Röttgen trägt als CDU-Landesvorsitzender auch in NRW politische Verantwortung. Die berechtigten Interessen der Bevölkerung sind höher zu bewerten als die Image-Probleme des Forschungszentrums Jülich. Deshalb muss Röttgen jetzt die Notbremse ziehen,“ ergänzte Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.
AtomkraftgegnerInnen organisieren Proteste:
- Bereits in dieser Woche beraten die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland auf einem außerordentlichen Bündnistreffen einen Aktionsfahrplan.
- Am 18. Dezember findet um 14 Uhr vor dem Atommülllager Ahaus die Auftakt-Demo für die Castor-Proteste statt. Das Motto lautet: „152 West-Castoren – eine schöne Bescherung“.
Kontakt:
Felix Ruwe, BI „Kein Atommüll in Ahaus“ (Tel. 0171-7937926)
Siegfried Faust, Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ (Tel. 0157-750 755 98)
Willi Hesters, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen (Tel. 0151-12702596)
Matthias Eickhoff, SOFA Münster (Tel. 0176-64699023)
Internet: www.sofa-ms.de, www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.westcastor.de

IPPNW ruft zu Volksbewegung für Solarstrom in Bürgerhand auf

IPPNW-Presseinformation vom 22.11.2011

IPPNW ruft zu Volksbewegung für Solarstrom in Bürgerhand auf

Lackmustest für “grüne Politik”

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert das aktuelle Vorhaben der Regierungskoalition, den Ausbau der Solarstromerzeugung “in Bürgerhand” mit einer maximalen Zubaurate von einem Gigawatt nahezu zum Stillstand zu bringen und die stromintensive Industrie immer stärker zu privilegieren. “Interessierte Kreise in Politik und Wirtschaft verschleiern sittenwidrige Extrem-Renditen der Atomindustrie von 280 Prozent – Renditen von wenigen Prozenten einfacher Bürger, kleiner Unternehmen und der Kommunen werden hingegen skandalisiert”, so IPPNW- Energieexperte Henrik Paulitz.

“Nicht thematisiert wird zudem, dass mit den geringfügigen Renditen kleiner Solardachanlagen der so genannte kleine Mann auf der Straße Geld verdienen kann, während er für die 280%-Gewinne der Konzerne umgekehrt durch überhöhte Strompreise nur draufzahlt. Seit Jahren schon werden willkürlich steigende Strompreise, die nachweislich allein der Steigerung der Milliarden-Gewinne der großen Energiekonzerne dienen, in haltloser Weise beständig den erneuerbaren Energien in die Schuhe geschoben.”

Nach dem Super-GAU von Fukushima hat die Bundesregierung den Eindruck vermittelt, sie setze die Energiewende durch. “In Wirklichkeit aber sollen die erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 lediglich 35 Prozent zur deutschen Stromversorgung beitragen – ebenso viel wie vor Fukushima”, so Paulitz. “Und diese 35 Prozent bedeuten, dass der Zubau der erneuerbaren Energien seitens der Politik und der Netzbetreiber massiv behindert wird, denn die Branchenprognose von vor wenigen Jahren sagte einen Anteil von rund 50 Prozent an der deutschen Stromversorgung bis 2020 voraus. Obendrein wissen Fachleute, dass diese Branchenprognose – ganz im Gegenteil zu den realitätsfernen Prognosen der konzerngesteuerten Institutionen – traditionell sehr zurückhaltend ist und dass bei entsprechendem politischen Willen und ohne ständige Behinderungen durch Politik und Konzerne 100 Prozent erneuerbare Energie sehr schnell und für die Bevölkerung kostengünstig realisierbar sind.”

Das Jahr 2011 war nach Einschätzung der IPPNW nicht der Einstieg in die Energiewende, sondern vielmehr ein Frontalangriff auf die Stromerzeugungs-Technik, von der die breite Bevölkerung finanziell am meisten profitiert: auf die Photovoltaik. “2010 wurden in nur einem Jahr neue Solaranlagen mit einer Spitzenleistung von 7,4 Gigawatt neu installiert. Jetzt plant die schwarz-gelbe Bundesregierung, den Photovoltaik-Zubau mit einer Deckelung auf maximal ein Gigawatt faktisch nahezu zum Stillstand zu bringen und somit einen ganzen Wirtschaftszweig zu strangulieren”, so Paulitz. “Während täglich Bilder von der angeblichen Energiewende über den Fernsehbildschirm flimmern und die Bevölkerung auf erneute ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen einschwören sollen, wird in Wirklichkeit eine Vollbremsung der Energiewende vorbereitet und zum Teil bereits umgesetzt, wie aktuelle Meldungen aus der Solarbranche über bereits erfolgte und bevorstehende Entlassungen zeigen.”

Die IPPNW betrachtet die aktuelle Situation aber nicht nur als Lackmustest für die Regierung, sondern auch für die Opposition. “Vor Fukushima haben ausgerechnet die Grünen im Interesse der Großkonzerne an der Deckelung des Photovoltaik-Ausbaus sehr aktiv mitgewirkt. Jetzt muss gerade die Öko-Partei unter Beweis stellen, dass sie mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht für einen offensiven Photovoltaik-Ausbau streitet und dazu zählt insbesondere auch die Förderung dezentraler Energiespeicher für die Photovoltaik”, so Paulitz. “Die Opposition muss jetzt zeigen, dass sie Willens ist, gemeinsam mit den außerparlamentarischen Akteuren der dezentralen Energiewende-Bewegung der Desinformationspolitik von Regierung und Konzernen wirkungsvoll entgegenzutreten.”

Die IPPNW ruft in diesem Zusammenhang zu einer breiten “Volksbewegung für den Solarstrom und Speicher-Ausbau in Bürgerhand” auf und appelliert ausdrücklich auch an die Vernunft der Kommunalpolitiker von CDU, CSU und FDP. Das Jahr 2012 müsse alle gesellschaftlichen Kräfte bündeln, die sich nicht länger von wenigen Großkonzernen und von Politikern durch haltlose Preisdiskussionen an der Nase herumführen lassen wollen.

Kontakt: Henrik Paulitz, Tel. 0171-53 888 22. Angelika Wilmen (Presse), Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw[at]ippnw.de