Düsseldorf

Proteste gegen den Export von Leopard-2-Kampfpanzern in Freiburg, Heidelberg und Düsseldorf

Information für die Presse/Medien

 

 

 

 

 

 

Am 26. Oktober 2012 werden in Freiburg, Heidelberg und Düsseldorf gewaltfreie Aktionen gegen den Verkauf von Leopard-2-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien, Katar und Indonesien stattfinden. Damit werden die Proteste gegen die Geheimbeschlüsse des Bundessicherheitsrates und die Exportvorhaben der deutschen Rüstungsindustrie fortgesetzt und verschärft.

 

Freiburg

In Freiburg wird ab 16.00 Uhr eine Protestkundgebung am Platz der Alten Synagoge stattfinden. Dazu ruft ein Bündnis von 13 Organisationen auf, dem außer den örtlichen Friedensgruppen u.a. auch Gewerkschaften (DGB, ver.di und GEW), das Eine Welt Forum Freiburg, Attac und der UStA der PH Freiburg angehören.

Bei der Veranstaltung werden Jürgen Grässlin, Sprecher der „Aktion Aufschrei: Stoppt den Waffenhandel!“, Luise Hoffmann-Grotzvon AmnestyInternational und der Schriftsteller Jürgen Lodemann sprechen. Musikbeiträge kommen von Theodor Ziegler sowie von Konstantin Wecker, der zwar nicht persönlich anwesend sein wird, aber Lieder und eine Grußbotschaft geschickt hat und Mitglied des Personenbündnisses „Legt den Leo an die Kette!“ ist.

Kontakt: Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden – Christoph Besemer
buero.freiburg@wfga.de, Tel. 0761-43284

 

Heidelberg

In Heidelberg wird um 15.00 Uhr eine Mahnwache vor dem Rüstungszuliefererbetrieb Rockwell & Collins (HD-Wieblingen, Grenzhöfer Weg 36) stattfinden.
Mia Lindemann vom Heidelberger Bündnis „Stoppt den Waffenhandel“ wird einen Redebeitrag halten und Jane Zahn & Ursula Kowald-Stöckmann werden Musik gegen Militarismus und Krieg machen.

Um 15.30 Uhr findet eine Demo-Straßenbahnfahrt zum Bismarckplatz mit anschließendem Demonstrationszug zum Bunsenplatz (Hauptstraße) statt begleitet von den Sambartistas.
Dort wird um 16.00 Uhr eine zweite Mahnwache durchgeführt.
Renate Wanie
von der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden spricht zum Thema „Stoppt den Waffenhandel – Legt den Leo an die Kette!“.

Kontakt: Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden – Renate Wanie
buero.heidelberg@wfga.de, Tel. 06221-161978

 

Düsseldorf

 

In Düsseldorf findet am 26.10. eine Blockadeaktion an der Zentrale der Leopard-Zulieferer-Firma Rheinmetall statt. Treffpunkt ist um 7.00 Uhr in Düsseldorf-Derendorf an der Ecke Ulmenstraße/Rheinmetallallee.

Die Protestaktion und gewaltfreien Blockade der Rheinmetall-Zentrale (Reinmetall Platz 1) wird bis ca. 12.00 Uhr andauern.

Danach führt ein Demonstrationszug zum Marktplatz/Rathaus, wo um 13.00 Uhr eine Kundgebung abgehalten wird.

Aus dem Aktions-Aufruf:

„Wir fordern von den Mitarbeitenden von Rheinmetall, am 26.10. das Geschäft mit dem Waffenhandel ruhen zu lassen, und vom Rheinmetall-Vorstand, den Ausstieg aus diesem Panzer-Geschäft zu beschließen!“

Aktionskonsens: „Wir wollen eine gemeinsame gewaltfreie Aktion vor der Rheinmetall-Zentrale am 26.10.12, Beginn 7.00 Uhr, durchführen, die sich mit Protest und Elementen einer Blockade/Menschenteppich/Umzingelung gegen den Leopard-Export nach Saudi-Arabien richtet. Um die Rheinmetall-Zentrale herum wird eine Dauermahnwache angemeldet. Wir werden die Zugänge zur Waffenschmiede besetzen. Im Falle polizeilicher Absperrungen findet unsere Blockade an den Durchlässen der Polizeiketten statt. Unsere politische Botschaft lautet: In der Zentrale der Waffenschmiede Rheinmetall, soll für einen Tag die Arbeit ruhen. Stattdessen soll der Konzern den Ausstieg aus dem Panzergeschäft beschließen. Um 13.00 Uhr werden wir zusätzlich eine Protestkundgebung am Marktplatz/Rathaus veranstalten.“

No Border Camp besetzt Landesgeschäftsstelle der NRW-Grünen

Hier die PM der AktivisInnen

aktuelle Twitter News hier:

https://twitter.com/nobordercamp

https://twitter.com/betonbrenntdoch

Landesgeschäftsstelle der NRW-Grünen besetzt!

Seit 14:15 Uhr ist die Landesgeschäftsstelle der NRW-Grünen (Jahnstraße 52, Düsseldorf) von etwa 60 NoBorder Aktivist*innen besetzt. Im Folgenden dokumentieren wir eine Pressemitteilung der Besetzer*innen.

 

Pressemitteilung

Landesgeschäftsstelle von Bündnis90/Die Grünen besetzt.

Solidarität mit den Hungerstreikenden in Düsseldorf, Würzburg und anderswo!

Heute, am 20. Juli, haben Aktivistinnen und Aktivisten des no border camps in Köln die Geschäftsstelle des grünen Landesverbandes in Düsseldorf besetzt, aus Solidarität mit den hungerstreikenden Flüchtlingen.

Die Forderungen der Protestierenden sind nur allzu berechtigt. Die Abschaffung der Residenzpflicht, der Abschiebungen und aller Lager sind längst überfällig! Wir fordern ein Bleiberecht für alle. Außerdem müssen die repressiven Auflagen für den Protest unverzüglich zurück genommen und die Schikanen durch die Polizei unverzüglich eingestellt werden. Damit die Flüchtlinge ihren Protest ungehindert ausüben können, fordern wir den sofortigen Aufbau von Zelten, damit weitere Protestierende und Unterstützer-Innen hinzukommen können.

Seit 120 Tagen sind die Flüchtlinge auf der Straße. Der Protest hat in Würzburg begonnen und sich auf Aub, Bamberg, Regensburg, Osnabrück und Düsseldorf ausgeweitet. In Düsseldorf protestieren Flüchtlinge seit nunmehr einer Woche, eine Woche in Wind, Regen, Kälte und unter polizeilicher Repression. Trotz aller Schikanen befinden sie sich weiterhin im Widerstand, seit drei Tagen im Hungerstreik. „Auch ohne einen Platz zum Ausruhen, auch wenn Steine vom Himmel fallen sollten, werden wir auf keine Fall zurück in die Lager gehen!“ erklären die Flüchtlinge. „Wenn ihr die Bedingungen für unseren Protest noch weiter erschwert, werden wir noch mehr von der Wahrheit und Richtigkeit unseres Protestes überzeugt sein.“

Die Düsseldorfer Behörden haben von Anfang an versucht, den Protest der Flüchtlinge zu verhindern. Zuerst wurde ihnen ein öffentlicher Platz in der Nähe der Altstadt verwehrt. Dann wurde ihnen nur ein von allen Seiten offenes und einsehbares Zelt genehmigt und verboten, dort zu schlafen oder auch nur zu ruhen, was auch nachts stündlich von der Polizei kontrolliert wird. Die Grünen sind als Regierungspartei in NRW nicht nur für das schikanöse Vorgehen der Behörden gegen das Protestzelt der Flüchtlinge, sondern auch für die unmenschliche Migrations- und Flüchtlingspolitik.

Wir fordern, dass in Düsseldorf ein echtes Protestcamp errichtet werden kann, ohne Schikanen und offen für alle.


Den Mut und die Stimmen

Als die FDP in den Strudel geriet, in dem schlechte Nachrichten pessimistische Kommentare und diese dann parteiinterne Querelen nach sich ziehen, die als schlechte Nachrichten verkündet werden können, worauf pessimistische Kommentare … als jedenfalls die Liberalen von ihrer großen Parteikrise erwischt wurden, lautete ein Mantra, von dem sich Rettung erhofft wurde: Man habe den eigenen Wählern leider nur noch nicht richtig vermitteln können, was man doch eigentlich schon alles für ihn erreicht habe.

Die Linke hat im Prinzip ein ganz ähnliches Problem. Über zwei Jahre Tolerierungspolitik, über die genutzten Chancen und erfahrenen Begrenzungen parlamentarischer Arbeit unter den Bedingungen einer Minderheitsregierung, über all das, was man heute unter dem parteipolitisch aufgeladenen Begriff „Liefern“ versteht, ist im Wahlkampf keine Rede. Die vergangenen Wochen waren von einer doppelten Personalisierung gekennzeichnet: Auf der einen Seite stieg Katharina Schwabedissen als neuer landespolitischer Star der Linken auf, medial bisweilen mit einer Freundlichkeit begleitet, welche die Partei schon länger nicht erfahren hat. Auf der anderen Seite wurde jeder Blick nach Nordrhein-Westfalen ins Brennglas der laufenden Diskussion über Strategie und Personal der Bundeslinken gelenkt.

Auf den letzten Metern vor der Wahl ist hier und da jetzt doch etwas ausführlicher von der Düsseldorfer Linksfraktion und ihrer Arbeit zu lesen. Und ja: Die Partei kommt dabei durchaus gut weg, vor allem dort, wo die Zeitungen von dem Bild ausgehen, an dem sie selbst 2010 mitgezeichnet hatten: „Damals warnten die anderen Parteien und einige Medien inbrünstig vor der gefährlichen, radikalen Chaotentruppe“, schreibt Michael Schlieben auf Zeit.de. Heute werde die Partei „weitgehend ignoriert“ – obwohl sie „in diesem Wahlkampf fundierter und sachlicher“ auftrete als noch 2010. „Ihre Abgeordneten und Referenten kennen sich inzwischen mit den Regelsätzen, Verordnungen und Zuständigkeiten in der Landespolitik aus.“

In der Tageszeitung bilanziert Pascal Beucker, „statt auf Fundamentalopposition setzte die NRW-Landtagsfraktion darauf, alle Initiativen zu unterstützen, die aus ihrer Sicht die Arbeits- und Lebensbedingungen für abhängig Beschäftigte, Erwerbslose, Schüler, Studierende und Rentner verbessern. Damit gab sie der rot-grünen Minderheitsregierung den Mut und die Stimmen, sich an ihre Wahlversprechen zu halten: von der Abschaffung der Studiengebühren, der Beitragsfreiheit für das letzte Kita-Jahr bis zur Einführung der direkten Abwahl von Bürgermeistern, die letztlich Duisburgs starrköpfigen CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland das Amt kostete. In der Bildungspolitik bot die Linkspartei ebenfalls ihre Unterstützung an, doch SPD und Grüne entschieden sich lieber für den ,Schulkonsens‘ mit der CDU.“ Und: „Auch beim Landeshaushalt, dessen Scheitern zur Blitzauflösung des Parlaments führte, hatte sich die Linkspartei gesprächsbereit gezeigt. Aber SPD und Grünen blockten ab.“

Die Liste ließe sich fortsetzen, aber: „Die mediale Resonanz tendierte, wie so oft, wenn es um linke Inhalte jenseits von Skandälchen geht, gegen Null“, meint Marcus Meier im Neuen Deutschland. Was seiner Meinung auch daran liege, dass der „konkrete Einfluss der Linken (…) schwer mess- und für den Wähler noch schwerer nachvollziehbar“ ist. Dieses Problem ist nicht unbekannt: „Niedrige Wiederwählerquoten sind das Schicksal jeder neuen Partei, die sich aus der Wählerschaft anderer Parteien speist“, schrieb Horst Kahrs bereits in einer Wahlanalyse 2011. Für „den Ausbau eines eigenen Wählermilieus, das nicht immer wieder von Wahl zu Wahl konstellations- oder thementaktisch in Konkurrenz zu anderen Parteien gewonnen werden muss“, sei es maßgeblich, dass „die Fragen der symbolischen und habituellen Repräsentanz und der praktischen Durchsetzung von Verbesserungen aus der Sicht der Wähler positiv beantwortet werden“. Übersetzt für Nordrhein-Westfalen also: Was hat die Linke denen „geliefert“, die sie 2010 deutlich überproportional wählten, also Arbeiter (2010: 11 Prozent) und Erwerbslosen (15 Prozent)?

Wolfgang Zimmermann, Vorsitzender der Landtagslinken in Düsseldorf, hatte nach dem Neuwahlbeschluss im März erklärt, „die Bilanz meiner Fraktion lässt sich durchaus sehen. Die Linke war die einzige Kraft, die in dieser kurzen Legislaturperiode in- und außerhalb des Parlamentes Politik im Sinne der breiten Mehrheit der Menschen gemacht hat.“ Das klingt gut und es ist auch völlig in Ordnung, sich in einem beginnenden Wahlkampf vor der Öffentlichkeit auf die eigene Schulter zu klopfen. Aber es ist keine Antwort darauf, was die Linke denn nun „geliefert“ hat und was nicht, wie das innerhalb der Partei strategisch bilanziert wird, also welche Konsequenzen es für die Diskussion über den Kurs der Partei hat. Immerhin geht es hier ja auch um die Regierungsfrage.

B. Beuermann u.a.: Realistisch gegen Kapitalismus – hier
M. Aggelidis, M. Kellner: Die Linke in NRW tickt anders – hier
Frank Braun: Eine geschönte Bilanz – hier
Links wirkt: Broschüre der Linksfraktion – hier

Thies Gleiss, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken in Nordrhein-Westfalen und nie um ein kritisches Wort der eigenen Partei gegenüber verlegen, hat ihr attestiert, „im Landtag im Großen und Ganzen einen guten Job gemacht“ zu haben. In einem „Zwitterstatus zwischen Opposition und Regierungsduldung“ musste „sie permanent eine Gratwanderung vollziehen“ – wobei eben „auch mal ein Fehltritt möglich“ war. Die Fraktion habe „die sehr kleine und überschaubare gemeinsame Schnittmenge in den Wahlprogrammen von Linke und SPD/Grüne klug ausgenutzt und den Regierungsparteien mit dem notwendigen erzieherischen Druck unter die Nase gerieben. Die daraus resultierenden kleinen Verbesserungen für die Mehrheit der Bevölkerung“ würden aber eben nur einem sehr kleinen Teil der Wähler in Erinnerung bleiben – und von denen ist zurzeit offenbar nur ein noch kleinerer Teil bereit, noch einmal die Linke anzukreuzen.

Gleiss betont „die mühevollen und hartnäckigen Aufklärungsarbeiten“ der Linken etwa „zum Duisburger Loveparade-Unglück; zu den Naziaufmärschen; zur Staatsknete für die Kirchen; zu den Bauskandalen, der Diätenerhöung“. Dass eine Fünfprozentpartei dagegen bei ihren Großthemen – Entmachtung der Energiekonzerne, Vergesellschaftung des Bankensektors, eine Schule für alle, Vermögenssteuer, mehr Geld für die Kommunen – in einem Landtag nicht weit kommt, sei einerseits nicht verwunderlich – andererseits habe, so Gleiss die Linksfraktion im Landtag „zuweilen den Eindruck (erweckt), diese simple Tatsache nicht wahr haben zu wollen“. Als „fast gänzlich unproduktiv“ sieht Gleiss „die parlamentarische Geschäftigkeit mit Anträgen zu Gesetzesvorlagen oder gar eigene Vorlagen“ an. Es sei „eine Illusion, die SPD oder die anderen Parteien damit unter Druck setzen zu können. Das ist nicht viel mehr als der berühmte Fußtritt der Ameise gegen den Elefanten.“

Thies Gleiss ist hier stellvertretend für all jene Auseinandersetzungen innerhalb der Linken etwas ausführlicher zitiert, die über den Hinweis hinausgehen, die Linke habe doch „Politik im Sinne der breiten Mehrheit der Menschen“ gemacht – in dem immer auch ein kleiner Vorwurf mitschwingt, denn diese Mehrheit will das ja offensichtlich nicht verstehen oder wenn doch, dann erscheint ihre ganz mehrheitlich anders lautende Wahlentscheidung umso mehr als irrational. Oder nicht?

Dennoch: Die Linke hat in Nordrhein-Westfalen unter Bedingungen, die selbst von Hannelore Kraft als „für die Demokratie eine gute Erfahrung“ bezeichnet werden, also als kleine linke Partei im Rahmen des Möglichen erfolgreich agiert. „Vielleicht wäre es klüger gewesen, beizeiten offen zu sagen, dass die Linke zeitweilig als Tolerierungspartner der Minderheitsregierung fungierte. Und eben nicht als reine Oppositionsfraktion, die gelegentlich kleine Schritte in die richtige Richtung unterstützt“, meint Marcus Meier. Kann sein. Kann auch sein, dass die Partei ihre Erfahrungen offensiver hätte politisieren müssen, dass die Düsseldorfer Erfahrungen anders in der Bundespartei hätten Niederschlag finden müssen, als einer der für die Strategiediskussion wichtigsten weil praktischen Beiträge. An anderer Stelle hieß es hier im Blog einmal, in Nordrhein-Westfalen hätten sich nicht nur theoretisch, sondern eben ganz real Fragen für die Linke (nicht nur den Landesverband und auch nicht nur die Partei) gestellt, Fragen „von Stand- und Spielbein, von Mobilisierungsschwierigkeiten und der Sorge, instrumentalisiert zu werden“, von parlamentarischen Ergebnisse und konkreten Verbesserungen, davon, wie weit man „der Selbstermächtigung von Betroffenen, von politischen Szene vor Ort, von der inzwischen oft zitierten praktischen Solidarität im Alltag“ wirklich näher gekommen ist. Manches davon wird man nicht mehr, anderes erst später beantworten können. Eines aber ist sicher: Ohne einen Wiedereinzug der Linken am Sonntag wird das ungleich schwerer. (tos)

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Gysi und die Bots

Nein, Zugewinne bei den Piraten sind auch in diesen Tagen kein Automatismus – ein Blick nach Nordrhein-Westfalen zeigt es. Dort stehen die Newcomer (in einer älteren Umfrage) derzeit noch schlechter da als bundesweit nach nach der Saarlandwahl. Es sind die Sozialdemokraten von Hannelore Kraft, die zurzeit noch aus der landespolitischen Konstellation Rückenwind beziehen. Die Linke muss weiter um den Wiedereinzug in den Düsseldorfer Landtag fürchten – heute Nachmittag startet die Partei in die heiße Phase des Wahlkampf.

Beim „Linken Fest“ in der Landeshauptstadt treten nicht nur Gregor Gysi, sondern auch die Bots auf – passend zur Lage der NRW-Linken bietet sich einer ihrer Hits an: „Gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei, das weiche Wasser bricht den Stein“. Man wolle, heißt es bei der Partei, die Veranstaltung wie schon vorausgegangene Treffen mit Gewerkschaftern am Donnerstag, nutzen, „um mit den Menschen in NRW über ihre Forderungen nach substantiellen Lohnerhöhungen sowie nach einem Verbot von Massenentlassungen und Leiharbeit ins Gespräch zu kommen“. Andere Parteien würden hier „lediglich Lippenbekenntnisse abliefern“, die Linke dagegen stehe „für gute Arbeit und gute Löhne mit konkreter Politik an der Seite der Beschäftigten“. Auf dem Düsseldorfer Rathaus-Platz wollen am Freitagnachmittag auch die örtlichen Direktkandidatinnen in einer Gesprächsrunde Stellung nehmen.

Vorher beraten in der Landeshauptstadt die Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei in Bund und Ländern. Bei dem Treffen soll es unter anderem um soziale Grundrechte, Bildungsföderalismus und antifaschistisches Engagement gehen – und natürlich vor allem um einen Beitrag zum Wahlkampf. Wenn Gregor Gysi am Mittag die Ergebnisse der Runde der Presse vorstellt, dürfte freilich ein anderes Thema für die weitaus größte Neugier sorgen: die Debatte darüber, ob man eine Debatte ums Spitzenpersonel nicht führen sollte, die eigentlich längst läuft. Nicht nur der nordrhein-westfälische Landessprecher Hubertus Zdebel hat sich „gegen mögliche Personaldebatten“ gewandt, andere in der Partei drücken in der Frage aufs Tempo. (vk)

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Schwabedissen nominiert

Die Linke will an Rhein und Ruhr mit ihrer Landesvorsitzenden Katharina Schwabedissen an der Spitze in den Wahlkampf ziehen. Darauf hat sich der Landesrat der NRW-Partei in Düsseldorf verständigt, offiziell wird die 39-Jährige auf einem Wahlparteitag am 31. März nominiert. Auf den vorderen Listenplätzen werden wohl auch die Spitzenkandidaten von 2010 Bärbel Beuermann sowie der bisheirge Fraktionschef Wolfgang Zimmermann stehen. Der kleine Parteitag am Samstag, der ursprünglich die Haltung der Linken zum rot-grünen Minderheitenhaushalt beraten sollte, hat auch inhaltlich die ersten Weichen für die vorgezogene Neuwahlen gestellt. Im Zentrum sollen unter anderem Forderungen nach Einführung eines Sozialtickets, ein verbot der Leiharbeit sowie ausreichende Kita-Plätze stehen. Es gehe darum, „die Interessen der Mehrheit“ zur „Richtschnur unserer Politik“ zu machen, wird Zimmermann zitiert. Schwabedissen sagte, die Linke stehe „vor sechs wundervollen Wochen“ Wahlkampf. Zu optimistisch? Nach aktuellem Umfragestand muss die Linke um den Einzug in den Landtag fürchten. Im Neuen Deutschland rät ihr Marcus Meier deshalb, „mal flugs die Inhalte“ upzudaten: Es bestehe jetzt die Möglichkeit, mit einem ebenso netzaffinen wie sozialpolitischen Thema in die Offensive zu kommen – mit der Forderung nach einem „Laptop pro Kind“, der Einführung des Schulfachs Medienkompetenz und der Idee eines NRW-LAN, einem freien Internetzugang an Rhein und Ruhr. (tos)

 

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Flüchtlingsrat Bayern: Abschiebungen innerhalb Europas stoppen! – Dublin 2 kippen!


Demonstration im Münchner Flughafen am 30.03.2012

 

Freitag, 30.03.2012, 17:30 Uhr
Flughafen
München, MAC-Forum (Bereich zwischen den Terminals)
zeitgleich
Demonstrationen in den Flughäfen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg

 

Fast 7200 Flüchtlinge wurden 2011 aus Deutschland in ihre (vermeintlichen) Herkunftsstaaten abgeschoben. Zusätzlich wurden aber auch rund 2900 Abschiebungen innerhalb Europas durchgeführt – so wurden beispielsweise Bürgerkriegsflüchtlinge aus Somalia nach Italien, oder afghanische Flüchtlinge nach Ungarn abgeschoben.

Grund dafür ist die Dublin 2-Verordnung. Diese legt fest, welches europäische Land für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist. Einfach gesagt ist es der Staat, der “verschuldet” hat, dass ein Flüchtling nach Europa gelangen konnte, und Europa sich überhaupt mit den Schutzsuchenden beschäftigen muss – trotz militarisierter Außengrenzen.

Können Flüchtlinge die Staaten am Rande Europas nicht unbemerkt passieren, werden ihnen dort Fingerabdrücke abgenommen, die in der europäischen Datenbank EURODAC gespeichert werden. Wenn ein Flüchtling später Asyl in einem anderen Staat beantragt, kann somit der Staat der ersten Einreise ermittelt werden, und der Flüchtling dorthin abgeschoben werden.

In Italien erwartet die Abgeschobenen dann ein Leben in Obdachlosigkeit und Armut, in Ungarn Haft unter besonders menschenunwürdigen Umständen oder in Malta völlige Perspektivlosigkeit. Viele fliehen daher erneut, um in anderen europäischen Staaten endlich Schutz zu finden – werden letztlich aber wie ein Spielball innerhalb Europas hin- und hergeschoben.

Das Dublin 2-System muss umgehend abgeschafft werden! Keine Abschiebungen ins soziale Elend an den Rändern Europas! – Asylsuchende müssen dort Schutz suchen dürfen, wo sie möchten!

Deswegen protestieren wir am 30.03.2012 an den Flughäfen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München. Bereits 2011 wurden vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Abschiebungen nach Griechenland als menschenunwürdig verurteilt, nachdem das Asylsystem dort zusammengebrochen war und Flüchtlinge auf der Straße verelenden. Deutschland und viele andere Staaten sahen sich daraufhin gezwungen, Abschiebungen nach Griechenland auszusetzen.
Die dortige Situation ist allerdings keine Ausnahme. Mit unserem Protest wollen wir erreichen, dass aus dem sozialen Elend für Flüchtlinge in anderen europäischen Staaten auch endlich Konsequenzen gezogen werden – und das Dublin 2-System letztlich fallen muss!

Kommt am Freitag, den 30.03.2012, um 17:30 Uhr, ins MAC-Forum (Bereich zwischen den Terminals) des Münchner Flughafens und protestiert mit uns gegen Dublin 2-Abschiebungen und für bedingungslose Bewegungsfreiheit - nach Europa und in Europa!


Bitte verbreitet den Aufruf über eure Mailverteiler, Internetseiten, Facebook, … !

mehr Informationen zu Dublin 2 und dem bundesweiten Aktionstag am 30.03.: http://www.dublin2.info

Keine Koalition

In zumindest dieser Frage sind sich Hannelore Kraft und Klaus Ernst einig: Es werde nach der Neuwahl an Rhein und Ruhr keine Koalition geben, in der SPD und Linkspartei kooperieren. Die sozialdemokratische Ministerpräsidenten hat einem Bündnis in der Welt am Sonntag eine der üblichen Absagen erteilt. „Die Politik der Linken ist kein verantwortbarer Kurs gegenüber künftigen Generationen“, die Linke baue “weiter an ihrem Wolkenkuckucksheim”. Klaus Ernst erklärte unterdessen gegenüber dem Hamburger Abendblatt, dass Ziele seiner Partei wie „mehr Mobilität für Arbeitnehmer durch ein Sozialticket, mehr Krippenplätze, mehr bezahlbare Wohnungen“ mit SPD und Grünen „in Düsseldorf nicht zu machen“ seien. Die Linke werde daher „Opposition mit klarer Kante“ sein, denn, meint der Linkenchef, „egal wer in Düsseldorf regiert, Druck von links ist nötig“. (tos)

 

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An den Baum gesetzt

Es ist für den Fortgang dieser Geschichte nicht mehr so sehr von Belang, was aber keineswegs heißt, dass es von geringem Interesse wäre: Wer in Nordrhein-Westfalen hat eigentlich den entscheidenden Anstoß gegeben, der den Stein der Neuwahlen ins Rollen brachte? Sind FDP und Linke Schuld? Haben SPD und Grüne die Situation gezielt provoziert? Oder schrieb die Landtagsverwaltung selbst Geschichte? Und tat sie es versehentlich, in fremdem Auftrag oder einfach nur aus juristischer Notwendigkeit? Eine Spurensuche.

„Ich glaube, dass sich SPD und Grüne einfach verzockt haben“, sagt Gregor Gysi. „Man muss davon ausgehen, dass SPD und Grüne unbedingt Neuwahlen wollten und alles dafür getan haben, sie herbeizuführen“, meint hingegen Oskar Lafontaine. Auch Klaus Ernst hat erklärt, Rot-Grün habe „die Regierung bewusst an den Baum gesetzt“. Während der Linskfraktionschef bei SPD und Grünen politische Arroganz am Werke sieht, „weil sie davon ausgegangen sind, die FDP wird sich sowieso der Stimme enthalten, und sie haben es überhaupt nicht nötig, mit uns diesbezüglich auch nur zu reden und zu verhandeln“ – was schließlich dazu führte, dass die Möglichkeit einer linken Enthaltung bei der Haushaltsabstimmung gar nicht erst in Reichweite kam, betonen der alte und der Parteivorsitzende die Zielgerichtetheit der rot-grünen Ausgrenzung. Auch die Wähler, so Lafontaine, müssten den Eindruck haben, „dass mutwillig aus taktischen Gründen Wahlen angesetzt werden, um sich Vorteile zu verschaffen“.

SPD und Grüne hätten demnach bewusst auf das endgültige Scheitern der Etatgespräche schon in der 2. Lesung gesetzt, weil durch Neuwahlen aus einer Minderheits- eine Mehrheitsregierung werden kann. Dass vor allem die Grünen daran Interesse gehabt hätten, hört man nun auch oft – die Partei steht immer noch besser da als bei der Wahl 2010, allerdings deutete sich im Land wie im Bund bereits länger an, dass das Umfragehoch vom Sommer 2011 endgültig abschmelzen könnte. Am Mittwochmorgen, als noch der Eindruck erweckt wurde, dass die Regierungsfraktionen einen Ausweg aus der neuen, durch das Landtagsgutachten angeblich für alle überraschend veränderten Situation suchen, berichtete die Rheinische Post, die Grünen würden an einem möglichen Zeitgewinn gar kein Interesse haben, sie „suchen die Entscheidung“. Einen ganz ähnlichen Eindruck hatte man offenbar auch bei der FDP.

Ein dreiseitiger Vermerk

Aber auch wenn es so wäre, scheint klar: Die Voraussetzungen dafür schufen andere. Der Abteilungsleiter I der Landtagsverwaltung heißt Hans-Josef Thesling und ist zuständig für Parlamentsdienste. Er habe, berichten die Zeitungen der WAZ-Gruppe, erstmals am Montag gegenüber dem Verwaltungsdirektor des Landtags, Peter Jeromin, Zweifel geäußert, dass ein Etat in dritter Lesung noch durch das Parlament kommen könne, dessen Einzelpläne in zweiter Lesung bereits abgelehnt worden sind. Genau dies aber habe sich nach Lektüre der Pressespiegel der vergangenen Tage abgezeichnet. Der Leiter von Theslings Referat 7, der für Parlamentsrechtsfragen zuständige Olaf Schade, habe daraufhin einen dreiseitigen Vermerk formuliert, in dem der wohl entscheidende Satz steht: „Wegen der Besonderheiten des Haushaltsplans kann die Ablehnung eines Einzelplans in der zweiten Lesung zum Scheitern des Haushalts führen, die in der dritten Lesung durch den Landtag nicht mehr korrigiert werden kann.“

Am späten Dienstagmittag ist dann in Düsseldorf das Präsidium des Landtags zusammengekommen – zunächst ging es um formale Fragen, dann aber auch darum, dass FDP und Linke dem Etat in zweiter Lesung nicht zustimmen würden. „Zunächst hatte die Linkspartei signalisiert, sich nicht an der Abstimmung beteiligen zu wollen, womit SPD und Grüne eine Mehrheit für ihren Haushalt gehabt hätten“, schreibt die Frankfurter Allgemeine, offen lassend, welchen Zeitraum „zunächst“ eigentlich beschreibt. „Doch offenbar ist die Linkspartei verärgert über die Etatgespräche, die sie mit Rot-Grün geführt hatte. Sie will ein Zeichen setzen.“ Im Neuen Deutschland sagt hingegen Linksfraktionchef Wolfgang Zimmermann, es habe gar keine Debatten darüber gegeben, den Haushalt in zweiter Lesung passieren zu lassen und so Verhandlungsspielraum für die finale Abstimmung Ende März zu eröffnen. Zimmermann: „Wozu auch? Es gab ja kein Signal, dass SPD und Grüne sich auf uns zubewegen würden. Nur dann hätten wir darüber diskutiert und mit ziemlicher Sicherheit nicht an der Abstimmung teilgenommen, die Einzeletats in zweiter Lesung passieren lassen.“ Das letzte rot-grün-rote Gespräch habe stattgefunden, bevor den Regierungsfraktionen klar war, dass der Haushalt und mit ihm Rot-Grün zwei Tage später crashen können – also am Montag.

Am Dienstag jedenfalls machte der von der CDU kommende Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg in der Runde im Landtags klar, der Haushalt werde bei Ablehnung durch CDU, FDP und Linke bereits am Mittwoch endgültig scheitern. „Vor allem für die FDP ist das eine dramatische Wendung“, so die Frankfurter Allgemeine. Die Liberalen hatten sich auf ein vorläufiges Nein festgelegt, um in Verhandlungen vor der dritten Lesung für sich ein paar Rettungsringe herauszuholen und dem Etat dann doch noch zuzustimmen – und standen nun plötzlich vor den Ruinen ihrer Strategie.

Warum widersetzte sich niemand?

Es bleiben viele Fragen: „Warum hat die Politik in NRW den merkwürdigen Beamtenvermerk so unhinterfragt gelassen?“, schreibt die Süddeutsche, die hochrangige Juristen zitiert, welche die Argumentation in Schades Vermerk für „Unsinn“ halten. Dass es sehr wohl Alternativen gegeben hätte, die Auflösung des Landtags also juristisch betrachtet gar nicht zwingend war, setzt jetzt auch noch einmal die Frankfurter Allgemeine auseinander. In dem Blatt fragt sich der Düsseldorfer Staatsrechtslehrer Ralph Alexander Lorz ganz zu Recht, warum sich diejenigen nicht widersetzt hätten, „die kein Interesse an der Auflösung des Landtags hatten“. Hat am Dienstag und am Mittwoch einfach nur niemand daran gedacht, den Schade-Vermerk noch einmal prüfen zu lassen?

Hinzu kommt, dass der Parlamentsjurist selbst SPD-Politiker ist – als Vorsitzender der Kreistagsfraktion im Ennepe-Ruhr-Kreis steht er vielleicht nicht in der ersten, aber doch in der selben Reihe wie andere Sozialdemokraten. Außerdem war Schade einst Fraktionsjustiziar der SPD. Die Landtagsverwaltung betont, das folgenreiche Minigutachten sei nicht auf Veranlassung von außen geschrieben worden. Doch „in CDU- und FDP-Kreisen hält man es für vorstellbar“, heißt es bei Zeit online, „dass die Grünen dahinter stecken. Immerhin dürften sie am meisten von Neuwahlen profitieren. Die Linken wiederum streuen das Gerücht, die SPD sei der Urheber gewesen und hätte mithilfe der Landtagsjuristen den Druck auf die FDP erhöhen wollen, dem Haushalt doch noch zuzustimmen.“ Auch die Version, dass hinter dem Gutachten die CDU stecke, kursiert.

Unter dem Strich bleibt ein Knäuel von Gründen, in dem schwarze, gelbe, grüne und rote Fäden verstrickt sind – parteipolitische und taktische ebenso wie inhaltliche und juristische. Dass in einem Landtag, der seit knapp zwei Jahren unter den Bedingungen einer Minderheitsregierung agiert, niemandem bewusst ist, dass die Geschäftsordnung des Landtags in der Frage etwas unklar ist, was zwischen zweiter und dritter Lesung noch für Spielräume liegen und was das für die Abstimmung in zweiter Lesung heißt, ist schwerlich zu glauben. Dass SPD und Grüne auf ein Einlenken von FDP oder Linken setzten, das weniger auf politische Kompromisse gründen sollte als auf die Angst geschwächter Oppositionsparteien vor Neuwahlen, hält man schon eher für möglich.

Merkels klammheimliche Freude

Völlig abwegig ist auch nicht, dass die CDU eine Aktie an dem ganzen Vorgang hat – die Bewegung, die jetzt nach der Neuwahlentscheidung auf dem Unionsparkett einsetzte, ist schon erstaunlich: Es geht ja dabei nicht nur um Norbert Röttgen, sondern irgendwie auch um Grundzüge der Energiepolitik, um die Machtverteilung auf diesem Gebiet zwischen Wirtschafts- und Umweltminsterium. Und letztlich sind die Neuwahlen in NRW auch eine Möglichkeit, den manche nur noch störenden Liberalen den Todesstoß zu versetzen. Angela Merkel jedenfalls wird es nicht ganz unbefriedigt gesehen haben, wie binnen Stunden ein Philipp Rösler wieder einmal schlecht aussah – und nun sein Düsseldorfer Schicksal erwarten muss.

Zum Schluss eine Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte. Der sieht weniger die große Verschwörung oder strategische Fehler hinter der Neuwahlentscheidung, sondern die Bürokratie, die Geschichte schreibt: „Es waren Verwaltungsjuristen, die das Ende der Koalition entschieden haben. Historische Entscheidungen und damit auch Machtverfall von Regierungen hängen oft mit kleinsten Details zusammen und nicht mit taktischen Entscheidungen.“ (tos)

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Noch Spielräume?

In Nordrhein-Westfalen kommen Rot-Grün und Linkspartei offenbar auf keine gemeinsame Linie zum Haushalt 2012. Bei einem Treffen zwischen Vertretern der Minderheitsregierung und der Fraktionsspitze der Linken seien zentrale haushaltspolitische Forderungen der Partei abgelehnt worden – die Einführung eines landesweiten Sozialtickets etwa, sei erst für die nächsten Jahre in Aussicht gestellt worden, berichtet die Rheinische Post. Die Linkspartei hat diese Forderung zu einer Mindestbedingung für eine Zustimmung zum Etat erklärt. Der haushaltspolitische Sprecher der Linken Rüdiger Sagel hatte am Montag noch einmal an SPD und Grüne appelliert, den Landeshaushalt „gemeinsam mit uns zu gestalten und die vorhandenen Verhandlungs- und Verteilungsspielräume zu nutzen“. Das Angebot der Linken für einen einen sozial-ökologischen Politikwechsel und  einen rot-rot-grünen Etat bestehe weiter.

Der Hebel, den die Linkspartei in Bewegung setzen kann, ist allerdings nicht mehr so lang wie noch beim Haushalt 2011. Es herrsche kein Zweifel daran, heißt es in Nordrhein-Westfalen, dass die FDP für den rot-grünen Haushaltsentwurf stimmen werden, „vor allem aus Gründen der politischen Selbsterhaltung“. Scheitert der Etat, würde Rot-Grün kaum an Neuwahlen vorbeikommen – was die FDP in die Bedeutungslosigkeit fallen lassen würde.

Vor einem ähnlichen Problem steht freilich auch die Linke, die zuletzt in einer Umfrage bei 3 Prozent stand. Die Regierung in Düsseldorf stehe vor der Frage, erklärt die Partei, „ob sie mit der neoliberalen FDP einen Sparhaushalt 2012 durch den Landtag bringen wollen oder sich mit uns gemeinsam einsetzen für ein Sozialticket, für den Ausbau und Verbesserung der Kindertagesstätten, der kommunalen Finanzsituation sowie des sozialen Wohnungsbaus“. Am Samstag tritt der Landesrat der Linkspartei in Düsseldorf zu seiner nächsten Sitzung zusammen – auf der Tagesordnung steht dann auch eine abschließende Entscheidung über die Haltung zum rot-grünen Haushalt 2012. (tos)

 

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Parteitag in NRW

Am Samstag beginnt in Mülheim ein Parteitag der NRW-Linken. Den Delegierten haben ein umfangreiches Programm zu bewältigen – es geht um einen Leitantrag, der die Rolle der Partei in der Opposition bestimmen soll, um die Position der Landtagsfraktion zum nächsten Haushalt der rot-grünen Minderheitsregierung, um Satzungsfragen und den stockenden Parteiaufbau. Am Samstag werden zunächst Gesine Lötzsch und dann Oskar Lafontaine sprechen. Eine Nachrichtenagentur hat die Landessprecherin Katharina Schwabedissen mit den Worten zitiert, der Saarländer werde eine Grundsatzrede zum Parteiprogramm halten. Lötzsch wolle sich zu den Aufgaben der Partei und einer besseren Umsetzung des Programms im Alltag äußern, wird unter Berufung auf eine Sprecherin in Berlin berichtet. Zunächst wird allerdings über die Landesfinanzordnung debattiert, dann steht der Leitantrag zum Erfurter Programmparteitag auf der Tagesordnung – in diesem Zusammenhang reden auch Lötzsch und Lafontaine. Am Sonntag folgen dann Nachwahlen zum Landesvorstand und die Beschlussfassungen zu Leitantrag und dem Haushalt. Über die dazu geführten Diskussionen ist in diesem Blog immer wieder berichtet worden – zum zunächst vorgelegten Leitantrag, zu einem Alternativantrag aus den Reihen der Sozialistischen Linken, Kritik an diesem und den Bemühungen zu einem Kompromiss sowie den Plänen des Düsseldorfer Abgeordneten Rüdiger Sagel.

In Mülheim liegt zudem ein Antrag vor, der Positionierung zum Landesetat 2012 „gesondert mit ausreichendem Zeitrahmen“ zu debattieren, damit das Thema nicht zwischen den vielen anderen Themen der Leitantragsdebatte „untergeht“. Konkret zur Etatfrage formulierte Anträge – etwa aus Düsseldorf und Köln – liegen vor, der Leitantrag geht aber auch auf das Haushaltsthema ein. In der Rheinischen Post heißt es: „Die Linkspartei in NRW hat der rot-grünen Minderheitsregierung im vergangenen Jahr durch ihre Enthaltung zu einer Mehrheit für den Etat 2011 verholfen. Nun, auf dem Parteitag am Wochenende, soll der Preis für die Tolerierung des Etats 2012 fixiert werden. Die Linken verlangen, dass landesweit ein Sozialticket für Busse und Bahnen zum Preis von 15 Euro eingeführt wird.“ Das ist, zumindest für einen Teil der NRW-Partei, nicht die einzige Forderung für eine neuerliche Enthaltung. Die Zeitung meint weiter, es sei überhaupt die Frage, „ob Rot-Grün überhaupt Lust verspürt, auch auf noch so abgespeckte Forderungen der Linkspartei einzugehen. Wenn die Minderheitsregierung keine Mehrheit für ihren Etat bekommt, gibt es Neuwahlen. Die Ablehnung des Sozialtickets ließe sich mit Sparzwängen leicht begründen. Nun bietet die Linke der Kraft-Regierung eine Steilvorlage. Die Grünen wollen Neuwahlen. Die SPD sieht sich im Aufwärtstrend. Ein Urnengang im Jahr 2012 wird immer wahrscheinlicher.“

Ebenfalls in der Debatte zum Leitantrag wird es auch um Fragen des Parteiaufbaus in NRW gehen. Eine „beschlossene Mitgliederkampagne wurde in den Kreisverbänden nicht aufgegriffen und ist gescheitert“, heißt es in der Vorlage des Landesvorstandes. „Die Mitgliederentwicklung ist rückläufig“. Die Partei tausche „gerade – ähnlich wie die Grünen in den neunziger Jahren – ihre Mitgliedschaft aus. Für jeden Neueintritt müssen wir einen Austritt verbuchen“. Die Frage ist umstritten, in einem Änderungsantrag heißt es: Es war „genau umgekehrt, wie im Entwurf des Leitantrages behauptet: Die Kampagne zur Mitgliederwerbung und Parteientwicklung, der Beschluss auf dem Parteitag war eine Initiative aus den Reihen der Kreisverbände, es war der Landesvorstand, der sie nicht aufgriff und es unterließ, einen zentralen Beschluss des Landesparteitages umzusetzen, bzw. seine Umsetzung zu organisieren.“ In einem weiteren Antrag von Günter Blocks heißt es, „nicht seit einigen Wochen, sondern vielmehr seit dem Zeitpunkt des Amtsantritts dieses Landesvorstandes vor einem Jahr hat die Linke. NRW 7,5 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Statt einer Analyse dieser Fehlentwicklung folgt nur der hilflose Appell“. (tos)

 

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