Afghanistan

Bundesausschusses Friedensratschlag: Alle Soldaten aus Afghanistan abzuziehen

Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag

friedenKassel, 18. April 2013 – Zur Ankündigung des Verteidigungsministers, auch nach dem “Abzug” aus Afghanistan 600 bis 800 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan zu lassen, erklärte der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag:

Eine Überraschung ist die Ankündigung de Maizières nicht. Seit Monaten wird in der NATO darüber diskutiert, wie man einerseits den Abzug aus Afghanistan bewerkstelligen kann, ohne die Kontrolle über das Land zu verlieren.

Denn genau darum geht es: Ein vollständiger Abzug vom Hindukusch würde zwar nicht dazu führen, dass die Sicherheit Deutschlands nun bedroht wäre; es würde aber wohl heißen. dass in Afghanistan politische Kräfte die Oberhand gewinnen, die man seit elf Jahren für das Böse schlechthin gehalten und entsprechend bekämpft hat. Damit müsste auch der alte Anspruch aufgegeben werden, eine der wichtigsten Regionen für den Transport von Erdöl und Erdgas aus Zentralasien aus der Hand zu geben. Der Krieg in Afghanistan ist ja nicht um der Menschen- und Frauenrechte Willen geführt worden – das wurde nur vorgeschoben -, sondern aus geostrategischen Interessen.

Ein Zweites kommt hinzu: Die NATO kann es sich nicht leisten einzugestehen, dass der Afghanistan-Krieg, den immerhin über 100.000 Menschen mit dem Leben bezahlen mussten, ohne sichtbaren Erfolg abgeblasen werden muss. Daher die Behauptung von der erfolgreichen Übergabe der “Sicherheitsverantwortung” an die Afghanen. Wäre dem so, dann könnten getrost alle NATO-Soldaten abziehen. Da es aber nicht so ist, müssen Tausende von ihnen weiter im Land bleiben um wenigsten zu versuchen, strategisch wichtige Positionen (z.B. Militärstützpunkte) zu behalten.

Wir stellen fest: Erstens: Der Krieg in Afghanistan war von Anfang an falsch und endet mit einer – allerdings nicht eingestandenen – Niederlage der NATO. Zweitens: Der Krieg hat Hunderte Milliarden US-Dollar gekostet; ein Aufbau des Landes hat nicht stattgefunden. Die Afghanistan-Mission war ein einziges Desaster. Drittens: Das Desaster wird kein Ende haben, wenn nun mit reduzierten Streitkräften versucht wird, den Anschein einer Kontrolle über das Land am Hindukusch aufrecht zu erhalten.

Die Friedensbewegung hält weiter an ihrer Forderung fest, alle Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Anstelle einer Fortsetzung des Krieges muss der zivile Aufbau unterstützt werden – dort, wo die Afghanen zur Hilfe bereit sind.

Für den Bundesausschuss Friedensratschlag:
Peter Strutynski (Sprecher)

NaturFreunde rufen zur Teilnahme an den Ostermärschen auf

NaturFreunde Deutschlands kritisieren die zunehmende Militarisierung der Politik

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 27. März 2013 – „Die Ostermärsche 2013 finden in einer Zeit statt, in der die Androhung, Vorbereitung und Führung von Kriegen und bewaffneten Interventionen zum integralen Bestandteil der deutschen Außenpolitik gehört,“ kritisiert Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands. Die NaturFreunde fordern die Parteien im Deutschen Bundestag auf, diesen falschen Weg zu beenden und zu einer friedlichen und militärfreien Außenpolitik umzukehren.

Die NaturFreunde setzen sich für einen sofortigen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan und eine Beendigung des Patriot-Einsatzes in der Türkei ein. Mit militärischen Mitteln lässt sich kein langfristiger Friede sichern. Vielmehr verurteilen die NaturFreunde den Einsatz der Bundeswehr für geostrategische und wirtschaftliche Interessen.

Ausdrücklich solidarisieren sich die NaturFreunde mit der Friedensbewegung in Frankreich, die gegen die neokoloniale Politik der französischen Regierung in Mali demonstriert. Obwohl es über viele Bodenschätzen verfügt, ist Mali eines der ärmsten Länder der Erde, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben muss. Vor allem im Norden Malis werden viele Bodenschätze vermutet. Aus dieser Region deckt Frankreich einen großen Teil seines Uran-Bedarfs für die französischen Atomanlagen und die französischen Atomwaffen. Durch die massive Präsenz französischer Truppen in Mali und im Niger sollen die Uranproduktion im Norden Nigers und die Stellung Nigers als weltweit viertgrößter Uranproduzent abgesichert werden.

Drohnen weltweit ächten
Fast täglich werden Menschen in Afghanistan, Pakistan oder im Jemen durch Spezialkommandos der westlichen Armeen oder durch Drohneneinsätze getötet. In den letzten Jahren sind allein in Pakistan mehr als 3.000 Tote durch Drohnenangriffe zu beklagen. Die NaturFreunde unterstützen die bundesweite Kampagne „Keine Kampfdrohnen“ und fordern, den Irrweg der Anschaffung und Produktion bewaffneter Drohnen sowie die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich aufzugeben.

Kampfdrohnen senken die Schwelle für bewaffnete Aggressionen. Der „Kampf gegen den Terrorismus“ betrifft immer größere Teile der Welt und tyrannisiert die Bevölkerung in den betroffenen Regionen. Die „gezielte” Tötung von Menschen innerhalb und außerhalb von Kriegen durch Drohnen und bewaffnete Einsatzkommandos ist die weltweite Wiedereinführung der Todesstrafe – ohne Anklage, gerichtliches Verfahren und Urteil. Die NaturFreunde setzen sich für ein weltweites Verbot und die völkerrechtliche Ächtung dieser Waffen ein.

Waffenexporte verbieten
Die NaturFreunde fordern ein Verbot von Rüstungsexporten. Alle Bundesregierungen der letzten Jahre haben den Rüstungsexport aus Deutschland gefördert und die Sicherung der deutschen Rüstungsproduktion als weltweit führende Rüstungsanbieter unterstützt. Bei den Exporten belegt Deutschland den dritten Platz auf der Welt. Mehr als 30 Milliarden Euro an Exportverträgen zur Lieferung von schweren Waffen sollen in den nächsten Monaten beraten und genehmigt werden.
Gemeinsam mit den Gewerkschaften setzen sich die NaturFreunde für ein öffentlich gefördertes Rüstungskonversionsprogramm ein und wollen mit Betriebsräten und Belegschaften für die Beendigung der Rüstungsproduktion in Deutschland kämpfen.

Für eine Schule ohne Militär
Schulen und Bildungseinrichtungen müssen grundsätzlich zu militärfreien Einrichtungen werden. Die NaturFreunde unterstützen Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Einsatz für „Schulen ohne Militär“. Der massenhafte Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen verletzt die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention. Im Artikel 3 des Zusatzprotokolls der Kinderrechtskonvention ist geregelt, dass Minderjährige grundsätzlich nicht für den Militärdienst angeworben werden dürfen. Artikel 29 verlangt, dass „Kinder zu Frieden, Toleranz und Völkerverständigung erzogen werden“. Deshalb fordern die NaturFreunde die Kündigung der Kooperationsvereinbarungen von Bundesländern mit der Bundeswehr und unterstützen die Bündnisse für Zivilklauseln an Hochschulen.

Teil der Friedensbewegung
Die NaturFreunde Deutschlands sind seit mehr als 50 Jahren Teil der bundesdeutschen Friedensbewegung und waren Gründungsmitglied der Anti-Atomtod-Bewegung, aus der schließlich die Ostermärsche hervorgegangen sind. Die NaturFreunde engagieren sich in den Bündnissen „Schule ohne Militär“, „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“, für die Kampagnen „Keine Kampdrohnen“, „atomwaffenfrei.jetzt“ und im Vorbereitungskreis „1914-2014 – Einhundert Jahre 1. Weltkrieg“.

Bundesausschusses Friedensratschlag: Friedenspolitisches Programm für 2013 verabschiedet

*Friedenspolitisches Programm für 2013 verabschiedet*

 

*Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag*

Auf seinem letzten Treffen des Jahres 2012 verabschiedete der Bundesausschuss Friedensratschlag “Friedenspolitische Schwerpunkte 2013″. Zur Vorstellung des Programms erklärte der Sprecher des “Friedensratschlags” am Donnerstag in Kassel

 

friedenDie Anforderungen an die Friedensbewegung* sind größer, ihre momentane Mobilisierungskraft aber kleiner geworden. Vor diesem Hintergrund verabschiedete der Bundesausschuss Friedensratschlag, ein politisches Bündnis zahlreicher Basisinitiativen und  Aktivist/innen der deutschen Friedensbewegung seine “Friedenspolitischen Schwerpunkte 2013″. Die meisten der 15 thematischen Schwerpunkte, mit denen sich nach Auffassung des Bündnisses im kommenden Jahr befassen sollte, befanden sich bereits im Aktionsprogramm 2012 – sie haben sich aber keineswegs erledigt, sondern in der Regel sogar noch verschärft.

 

In dem 4-seitigen Papier werden *die bedrohlichen Tendenzen* der Weltentwicklung benannt. Dazu gehören “Kriege,  Gewalt, Umweltzerstörung und Raubbau an den natürlichen Ressourcen” sowie “wachsende Armut, Hunger und massiver Abbau sozialer und demokratischer Rechte”. Der Krieg habe wieder Einzug in die internationalen Beziehungen gehalten und stelle den Fortschritt des Völkerrechts und der UNO-Charta mit ihrem strikten Gewaltverbot zunehmend in Frage. Auch die Bundeswehr werde zu einer “globalen Interventionsarmee” transformiert, um mit neuen Waffen (z.B. Kampfdrohnen) die die Kriegführung der NATO effektiver zu machen.

 

Auf der anderen Seite werden aber auch* hoffnungsvolle Entwicklungen ausgemacht: Die Revolten des “arabischen Frühlings”, die Massenproteste in Griechenland, Spanien oder Portugal gegen das EU-Diktat, der selbstbewusste Aufbruch zahlreicher lateinamerikanischer Länder sowie die unter dem Sammelbegriff “occupy” gehandelten Aktionen gegen die Diktatur der Finanzmärkte zeigen, dass Widerstand nötig und möglich ist.

 

Die Agenda der Friedensbewegung* beginnt — nun schon zum elften Mal — mit der Forderung nach der sofortigen Beendigung des Kriegseinsatzes in Afghanistan. Der versprochene Truppenabzug Ende 2014 sei eine “Mogelpackung”, denn die NATO habe schon längst beschlossen, auch über diesen Zeitpunkt hinaus in Afghanistan zu bleiben. Insofern sei auch die von der Bundesregierung angekündigte Reduzierung der deutschen Truppen auf 3.300 Soldaten bis Februar 2014 “eher ein Wahlkampfmanöver denn eine Trendumkehr”, heißt es in dem Papier.

 

Zugleich wird vor neuen Kriegsabenteuern gewarnt. Jede weitere Sanktion gegen Syrien ermutige nur die bewaffnete Opposition gegen die Assad-Regierung und verschärfe den Bürgerkrieg. Ebenso heize die unter Bundeswehr-Beteiligung erfolgende Entsendung von Patriot-Raketen und fliegenden AWACS-Kommandoplattformen in die Türkei den Bürgerkrieg weiter an und erhöhe das Risiko eines Flächenbrands in der ganzen Nahost-Region. Dem Westen wird vorgeworfen, die UN-Initiativen von Kofi Annan und Brahimi, die auf Verhandlungen zwischen allen Konfliktparteien setzten, von Anfang an für aussichtslos gehalten und einseitig die Rebellen unterstützt zu haben.

 

Auch gegenüber Iran* vertritt der Bundesausschuss Friedensratschlag den Standpunkt strikter Neutralität und der Einhaltung völkerrechtlicher Normen. Wenn es dem Westen wirklich darum geht, die iranische “Bombe” (für deren Bau es bisher keine belastbaren Beweise gibt) zu verhindern, dann sollte das von der UNO beschlossene Vorhaben einer atomwaffenfreien Zone im Nahen und Mittleren Osten vorangetrieben werden. Das aber schließt eine Debatte über die existierenden israelischen Atomwaffen ein. Sanktionen gegen Teheran und die militärische Einkreisung Irans lehnt die Friedensbewegung ab.

 

Von den übrigen Schwerpunkten des Aktionsprogrammsollen hier nur der Kampf der Friedensbewegung gegen die Atomwaffen, gegen die Produktion von Kampfdrohnen sowie gegen den Export von Rüstungsgütern in Länder wie Saudi-Arabien, Indonesien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate  usw. genannt werden. Waffenexporte werden von großen Teilen der Bevölkerung außerordentlich kritisch gesehen; die Friedensbewegung wird ihre Aktivitäten auf diesem Feld vor allem an den Rüstungsstandorten genauso verstärken wie ihre Kampagne gegen die zunehmende Einflussnahme der Bundeswehr auf Schulen und Hochschulen.

 

Der Bundesausschuss Friedensratschlag ist davon überzeugt, dass es gelingen kann, wieder mehr Menschen für den aktiven Kampf gegen Krieg, Intervention und Gewalt zu gewinnen. Hierzu bedarf es der Verbreitung einer Vision von einer Welt ohne Atomwaffen, einem entmilitarisierten Europa der Aufklärung und der Völkerverständigung und einer Bundesrepublik, von deren Boden nicht weiter Krieg ausgeht. Das Jahr 2013 — das Jahr der Bundestagswahl — muss von außer­parla­mentarischen Aktionen geprägt sein. “In einem Klima erhöhter politischer Auf­merksamkeit”, so heißt es im Programm, gelte es, “über den Zusammenhang von Krisen und Kriegs­politik zu informieren und alternative Wege der Gewalt­losigkeit und Solidarität zu entwickeln”. Während die Verantwortlichen der Weltpolitik heute scheinbar davon ausgehen, dass Kriege wieder zum normalen Mittel der Politik gehören, ist die Friedensbewegung davon überzeugt, dass eine Welt ohne Krieg möglich ist. Dafür wird sie sich mit allen Mitteln einsetzen.

Flüchtlingsrat Bayern: Keine Abschiebung nach Afghanistan – Bleiberecht Jetzt!

flüchtlingsrat bayern

Die Bayerische Staatsregierung bereitet derzeit Abschiebungen nach Afghanistan vor. Davon potentiell betroffen sind mehr als 3.000 afghanische Flüchtlinge, die zur Zeit in Bayern leben. Deshalb protestieren jetzt afghanische Flüchtlinge in einer bayernweiten Kampagne gegen die unmenschlichen Pläne der Regierung, Menschen in ein Land abzuschieben, das sich im Krieg befindet.

In verschiedenen Bayerischen Städten finden daher kurz vor Weihnachten Aktionen für ein Bleiberecht und gegen Abschiebungen von afghanischen Flüchtlingen statt.

Augsburg, 21.12.2012
Kabul City Limits / Lesung | 19 Uhr | Café Neruda

Landshut, 22.12.2012
Kundgebung / Film | 19-22 Uhr | Altstadt Rathaus

München, 22.12.2012| fb-event
Vor der Oper entsteht ein Slum | 14-22 Uhr | Max-Joseph-Platz

Nürnberg, 22.12.2012
Kundgebung | 14 Uhr | Lorenzkirche

Würzburg, 16.12.2012
Vortrag / Jamsession | 15 Uhr | Kellerkapelle

 

Mehr Informationen: http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/keine-abschiebung-nach-afghanistan.html

Flyer auf Dari und Deutsch: http://d-nako.jogspace.net/files/2012/12/Flyer_22_12_2012.pdf

IALANA: Dritter Jahrestag des Kunduz-Bombardements: Opfer warten auf Gerechtigkeit

PRESSEMITTEILUNG

 

Berlin, 2. September 2012 Zum dritten Jahrestag des Bombardements bei Kunduz am 4. September, das durch den deutschen Bundeswehr-Oberst Klein befohlen wurde, erinnern ECCHR und IALANA an die über 100 Opfer. Während die meisten afghanischen Familien, die bei dem Angriff Angehörige verloren haben, drei Jahre danach weiterhin auf eine Entschuldigung, angemessene Entschädigung und Bestrafung der Täter warten, dauern die juristischen Verfahren in Deutschland an. Eine politische Lösung und angemessene Aufarbeitung des Luftangriffs wurde bereits verpasst, seither bleiben den Hinterbliebenen nur komplizierte und langwierige juristische Auseinandersetzungen mit der Bundesregierung.

 

Im Dezember 2011 reichte Opferanwalt Karim Popal zusammen mit Rechtsprofessor Peter Derleder eine Zivilklage für mehrere Betroffene gegen die Bundesregierung vor dem Landgericht Bonn ein, um eine angemessene Entschädigung zu erreichen. Die Bundesregierung hat auf die Klage reagiert und beantragt, den Rechtsstreit bis zum Ende des bewaffneten Konflikts in Afghanistan auszusetzen. Dies brächte aber eine unkalkulierbare Verzögerung auf Kosten der Betroffenen mit sich. Gegen die weitere Argumentation der Bundesregierung, dass deutsches Haftungsrecht im Krieg nicht anwendbar sei, können zahlreiche rechtliche Argumente vorgebracht werden; höchstrichterlich ist diese Frage bislang noch nicht entschieden worden. Schließlich versucht sich die Bundesregierung unter Hinweis auf die Beteiligung an der ISAF-Mission einer eigenen rechtlichen Verantwortlichkeit zu entziehen. Vor allem durch die großen Entscheidungsspielräume der Bundeswehr innerhalb der Mission, die auch im Luftangriff bei Kunduz genutzt wurden, ist diese Position rechtlich nicht haltbar. Mit einem Gütetermin vor dem Landgericht Bonn ist noch in diesem Jahr zu rechnen.

 

Gegen die Einstellungsentscheidung der Bundesanwaltschaft im Strafverfahren gegen Oberst Klein ist seit April 2011 eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht anhängig. Darin werden vor allem Versäumnisse durch die Bundesanwaltschaft bei den Ermittlungen des Vorfalls sowie die Überschreitung ihrer Zuständigkeit, das gesamte strafrechtliche Verfahren einzustellen, bemängelt. Mit einer kurzfristigen Entscheidung ist hierbei nicht zu rechnen.

 

ECCHR und IALANA kritisieren, dass es zu keiner zufriedenstellenden politischen Lösung gekommen ist und die Betroffenen auf den Rechtsweg angewiesen sind. Bei der politischen Aufarbeitung des schwersten Angriffs der Bundeswehr gegen die afghanische Zivilbevölkerung seit ihrer Gründung wurden die Lage, Interessen und Rechte der Hinterbliebenen nur unzureichend berücksichtigt. Es bleibt abzuwarten, ob die deutsche Justiz oder internationale Rechtsinstanzen in der Lage sind, die Position der Betroffenen zu verbessern.

 

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Zum Strafverfahren: ECCHR, E-Mail-Adresse: info@ecchr.eu, Tel: 030 / 40048590

Zum Zivilverfahren: IALANA, E-Mail-Adresse: info@ialana.de, Tel: 0172 / 2317475

Zum Weltfriedenstag: Sachsen muss sich aus Verstrickung in Krieg befreien / Friedensfest in Pirna

Der Landesverband Sachsen unterstützt zum 1. September, dem Weltfriedenstag, das große Friedensfest in Pirna, das vom Kreisverband Sächsische Schweiz / Osterzgebirge der LINKEN organisiert wird.

Sachsen ist tief verstrickt in die konventionelle Sicherheitspolitik – Soldaten in Afghanistan, Polizeihilfe für Weißrussland, Tiefflieger über der Sächsischen Schweiz, um nur einige Punkte herauszugreifen. Geholfen hat all dies nichts, sichtbar ist nur der Schaden. In Afghanistan ist das Leben für Normalbürger unsicherer denn je, Weißrussland ist eine Diktatur, und die lärmenden Kampfjets belästigen Mensch und Natur, bringen aber niemandem einen Nutzen außer der Waffenindustrie. Für LINKE fängt Sicherheit nicht mit Aufrüstung, sondern mit sozialer Gerechtigkeit und Gewährleistung der Grundrechte für alle Menschen an. Solange die Todesstrafe aus Sicht der herrschenden Politik in Deutschland Unrecht ist, wenn sie in China verhängt wird, aber die Todesurteile in den USA aber als kulturelle Eigenheit hingenommen werden, stimmt etwas nicht. Menschenrechte sind nicht verhandelbar, sie sind unteilbar, gelten immer und überall. Wer das nicht respektiert, untergräbt die Grundlagen der Stabilität auf der Welt. Der 1. September, der Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen und damit Beginn eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs, der zugleich der schrecklichste und folgenreichste Krieg der Weltgeschichte war, ist Anlass zur Bekräftigung der Aussage: Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg ausgehen! In die sächsischen Verhältnisse übersetzt heißt dies: Keine sächsischen Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan und sofortige Beendigung des Missbrauchs des Leipziger Flughafens als Drehscheibe für Truppentransporte in Kriegsgebiete!

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Berliner Friedensbewegung veranstaltet „Antikriegsmarkt“ auf dem Potsdamer Platz

Pressemitteilung

Friedenskoordination Berlin

 

Krieg darf kein Mittel der Politik sein – Berliner Friedensbewegung fordert sofortige Beendigung der Auslandseinsätze der Bundeswehr

Berliner Friedensbewegung veranstaltet „Antikriegsmarkt“ auf dem Potsdamer Platz

 

Berlin, 30.08.2012 – Die Veranstalter des Antikriegsmarktes 2012 am 1. September 2012 erklären:

 

Am 1. September wird von Gewerkschaften und der Friedensbewegung an den Tag des Beginns des Zweiten Weltkriegs durch die faschistische Wehrmacht erinnert. Unter dem Motto “Nie wieder Krieg” riefen sie erstmals am 1. September 1957 zu Aktionen am Antikriegstag auf.

Auch heute sind Kriege noch alltäglich und werden zur Durchsetzung von machtpolitischen Interessen geführt. Die Berliner Friedensbewegung führt am 1. September auf dem Potsdamer Platz einen Antikriegsmarkt durch. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Verbänden, Organisationen und Friedensinitiativen wird unter dem Motto „Krieg darf kein Mittel der Politik sein!“ gegen die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik Deutschlands demonstrieren.

 

Laura  von Wimmersperg, Moderatorin der Friedenskoordination Berlin: „Die Friedensbewegung fordert einen sofortigen und bedingungslosen Abzug der Truppen aus Afghanistan. Durch vielfältige Aktionen werden wir auch in Berlin dafür eintreten: Hände weg von Syrien und Iran! Wir fordern die Bundesregierung auf, sich für Verhandlungen statt Sanktionen und Kriegstreiberei einzusetzen!“

 

Uwe Hiksch, NaturFreunde Deutschlands: „Die NaturFreunde fordern gemeinsam im Bündnis Aktion Aufschrei, dass alle Waffenexporte verboten werden. Keine Panzer nach Saudi-Arabien, Katar, Indonesien und anderswo! Die Rüstungsproduktion muss auf zivile Produkte umgestellt werden. Hierfür muss ein staatlich unterstütztes Konversionsprogramm aufgelegt werden. Es gibt genug sinnvolle Aufgaben für eine zivile Produktion, wie die Bekämpfung von Klimawandel, Hunger und Armut. Die NaturFreunde fordern, ein Verbot von Waffenproduktion und Waffenexporten im Grundgesetz festzuschreiben.“

 

Lühr Henken, Bundesausschuss Friedensratschlag: „Wir fordern deshalb das Ende der Militärmesse auf der Internationalen Luftfahrtmesse ILA und die Berliner Landesregierung als Mitveranstalter auf, sich von der Rüstungsmesse zu distanzieren. Wir protestieren dagegen, dass der Bundeswehr und den Rüstungsfirmen hier Gelegenheit gegeben wird, Jugendliche über die Technikfaszination an das Töten als Handwerk heranzuführen.“

 

Barbara Majd Amin, Bündnis Schule ohne Militär: „Die Bundeswehr darf zu Schulen, Hochschulen und Job-Centern keinen Zugang mehr bekommen. Die Militarisierung der öffentlichen Räume, die auch durch die öffentlichen Gelöbnisse und Zapfenstreiche immer deutlicher wird, muss aufhören. Das Bündnis ‚Schule ohne Militär‘ fordert das Berliner Abgeordnetenhaus auf, in Berlin diesen Missbrauch von Schulen, Hochschulen und Job-Centern endlich zu beenden.“

 

Zu den Themen Iran, Libyen, Syrien, Israel, Waffenexporte, Internationale Luftfahrtausstellung (ILA), Schule und Militär, Militär und Hochschulen, Rüstungslobby in Berlin, Afghanistan wird es Gesprächsrunden, Reden, Info-Stände und Aktionen geben.

 

Der Antikriegsmarkt findet von 14.00 – 17.00 Uhr auf dem Potsdamer Platz statt. Die Eröffnungsrede um 14.00 Uhr wird Christine Hoffmann (Generalsekretärin Pax Christi, Sprecherin Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel) halten.

Bundesausschusses Friedensratschlag: Falsche Weichenstellungen auf dem NATO-Gipfel

Kriegskurs und Aufrüstung


Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag

Kassel/Berlin, 22. Mai 2012 – Zur Abschlusserklärung des NATO-Gipfels in Chicago erklären die Sprecher des Bundesausschusses Friedenratschlag Lühr Henken und Peter Strutynski, in einer ersten Stellungnahme:

Die von den 28 Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedsländer unterzeichnete Gipfelerklärung hält den größten Militärpakt in der Geschichte der Menschheit weiter auf Kurs; und der ist auf Bedrohung, Krieg und Aufrüstung gerichtet.

Afghanistan:

Die getroffenen Vereinbarungen bezüglich Afghanistan (hierzu wurde am Montag zusätzlich eine eigene Deklaration verabschiedet: Chicago Summit Deklaration on Afghanistan) lesen sich einerseits wie eine Erfolgsgeschichte des zehneinhalbjährigen Krieges, andererseits stellen sie bereits die Weichen für ein Verbleiben der NATO auch nach dem vorgesehenen Abzug Ende 2014. In Ziffer 6 der Gipfelerklärung wird bereits von einer „neuen Post-2014-Mission“ gesprochen, die zwar eine andere Gestalt annehmen soll, aber die afghanischen Sicherheitskräfte (Militär und Polizei) einschließlich deren Spezialeinheiten weiterhin „trainieren, beraten und unterstützen“ soll. Der ausdrückliche Hinweis darauf, dass dies keine „Kampfmission“ sein würde, dient lediglich der Beruhigung der Öffentlichkeit, die den Afghanistankrieg lieber heute als morgen beendet sehen will. Wir fragen: Wie kann die NATO in den verbleibenden zweieinhalb Jahren stabile demokratische und menschenrechtsfreundliche Verhältnisse in Afghanistan schaffen, wenn dies in zehneinhalb Jahren nicht ansatzweise gelungen ist?

Der französische Präsident Hollande hat mit seiner Abzugsankündigung bis Ende dieses Jahres die Zeichen und die Haltung der Bevölkerung besser erkannt als all jenes Obamas und Merkels, die trotzig davon reden, dass man auch „zusammen raus gehen“ müsse, wenn man „zusammen rein gegangen“ sei.

Wir sagen: Die Verlängerung eines falschen Krieges aus purer Prinzipienreiterei kann dessen Fehler nicht korrigieren, Er setzt zudem leichtfertig das Leben von Menschen, Zivilpersonen und Soldaten aufs Spiel.

Libyen:

Das Bekenntnis zum NATO-Krieg gegen Libyen im vergangenen Jahr ist so abgeschmackt wie der Krieg selbst. Was hier als großer militärischer Erfolg gepriesen wird (Ziff. 14), war ein fast achtmonatiger Luftkrieg zur Unterstützung einer am Boden operierenden „Rebellenarmee“. Kein einziger NATO-Soldat erlitt eine Blessur – aber ca. 50.000 Libyer – zumeist Zivilisten – sind in dem Krieg ums Leben gekommen.

Wir sgane: Wenn so der „Schutz der Zivilbevölkerung“ aussieht (Ziffer 13), dann sollte man für alle Zeiten auf solchen Schutz verzichten.

„Smart Defense“ („Intelligente Verteidigung“)

Hinter dem irreführenden Begriff „Smart Defence“ (Ziff. 20) verbirgt sich das Bestreben der NATO-Mitglieder, durch Zusammenlegung von Kapazitäten („Pooling“) oder von Aufgabenspezialisierung („Sharing“) angesichts von Sparzwängen ihre Kampfkraft zu erweitern. Über die integrierten Besatzungen der AWACS-Flugzeuge und den strategischen Lufttransport hinaus strebt die NATO zunächst eine Allianz-eigene Bodenüberwachung mit Großdrohnen (Air-Grund-Surveillance, AGS) und eine Seeraumfernaufklärung an. Für die AGS will die Bundesregierung ein Drittel der Kapazitäten stellen. Das Vorhaben birgt NATO-internen Konfliktstoff. Die NATO hat das Interesse, permanenten Zugriff auf diese Ressourcen zu haben, unabhängig davon, ob der Bundestag, dem Militäreinsatz zustimmt.

Wir sagen: Das ist ein Unding. Selbstverständlich darf dem Bundestag nicht das Recht genommen werden, einem Kriegseinsatz das Mandat zu verweigern. Bestrebungen innerhalb der Regierungsfraktionen, diesen NATO-Anliegen mittels eines veränderten Parlamentsbeteiligungsgesetzes grünes Licht zu geben, setzen wir unseren Widerstand entgegen.

Atomwaffen in Europa

Die Gipfelerklärung unterstreicht, dass die NATO eine Atommacht bleibt (Ziff. 54) und mit Russland vertrauensbildende Maßnahmen unter anderem über substrategische Atomwaffen in Europa anstrebt. (Ziff. 38) Vergeblich sucht man in dem Dokument jedoch danach, dass die USA auf die Modernisierung der etwa 200 in Europa stationierten Atomwaffen – unter anderem in Büchel – verzichtet. Angeblich benötigt man diese als Faustpfand dafür, analog dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 („Doppelte Nulllösung“) Russland zur Abrüstung ihrer möglicherweise 2.000 taktischen Nuklearwaffen zu bewegen. Am Ende dieses Abrüstungsprozesses stünde zwar ein atomwaffenfreies Europa, aber eine konventionell haushoch überlegene NATO. Nach Abrüstungsinitiativen der NATO, die bei sich selbst anfangen, sucht man ebenfalls vergeblich.

Wir sagen: die atomare Abrüstung schließt konventionelle Rüstungskontrolle und Abrüstung ein. Wir fordern die NATO auf, konventionell abzurüsten und die US-Atomwaffen aus Europa abzuziehen.

Raketenabwehr

Unbeirrbar setzt die NATO ihre Bemühungen fort, ein Raketenabwehrsystem zu installieren, das „Bevölkerung, Territorium und Streitkräfte im südlichen Europa“ gegen ballistische Raketenangriffe schützen soll (Ziff. 58-61). Einwände aus Russland, dieses System sei potentiell auch gegen Russland gerichtet und werde das strategische Gleichgewicht in Europa zerstören, lassen sich kaum widerlegen. Hinzu kommt die grundsätzliche technische Unzulänglichkeit jeder noch so „perfekten“ Raketenabwehr. Im November l.J. hat die Militärwissenschaftskommission des Pentagon (DSB) eine Studie vorgelegt, aus der hervorgeht, dass entschlossene Gegner die geplanten Abwehrsysteme sehr leicht mit einfachsten Mitteln überwinden könnten. Außerdem würde das Raketenabwehrsystem den Gegnern und Konkurrenten der USA Anreize bieten, ihr eigenes Raketenarsenal zu vergrößern, ohne dabei jedoch eine effektive Möglichkeit zu bieten, diesen vergrößerten Arsenalen erfolgversprechend zu begegnen. Mit anderen Worten: Hier wird das Tor zu einer weiteren Aufrüstungsspirale geöffnet.

Wir sagen: Wer glaubt, sich mit fragwürdigen technischen Mitteln „unverwundbar“ machen zu können, unterschätzt die möglichen technischen Gegenmaßnahmen. Sicherheit ist eben nicht militärisch und nicht gegen, sondern nur mit vermeintlichen Gegnern zu erreichen.

Fazit: Der NATO-Gipfel in Chicago hat nichts Neues hervorgebracht. Genau das aber ist das Beunruhigende: Angetrieben durch die größte Militärmacht bewegt sich die Welt weiter in Richtung Hochrüstung und Relegitimierung des Militärischen. Auf der Strecke bleiben das Völkerrecht und die Interessen der Menschheit auf eine friedliche Zukunft. Die Menschheit steht vor der Aufgabe, die NATO abzuschaffen, bevor die NATO die Menschheit abschafft.

Für den Bundesausschuss Friedensratschlag:
Lühr Henken, Berlin
Peter Strutynski, Kassel

Inhaltliche Differenz

Am Ende blickte Hermann Otto Solms nicht mehr so richtig durch: Im Bundestag ist am Donnerstag über zwei Anträge abgestimmt worden, in denen gefordert wird, Soldaten im Auslandseinsatz besseren Zugang zu Telefonaten und Internet zu ermöglichen. Die Sache ist in der Linken umstritten – und das irritierte auch den Bundestagsvizepräsidenten von der FDP. „Ist ihnen klar, worüber wir abstimmen?“, fragte Solms am Ende einer kurzen Debatte vor mäßig besuchtem Parlament. Offenbar konnte sich der Liberale nicht vorstellen, dass die Abgeordneten einer Fraktion unterschiedlicher Meinung sind.

Solms ließ die Abstimmung über die Beschlussempfehlung zum Antrag der Linken daher wiederholen – doch es blieb dabei: 14 Linke, darunter Halina Wawzyniak und Raju Sharma, votierten dafür, den Antrag der Linken abzulehnen. Andere, darunter der Abgeordnet Paul Schäfer, stimmten gegen die Beschlussempfehlung – also für den eigenen Antrag. Zuvor hatte der Linke Harald Koch den Antrag begründet und ausdrücklich auch zur Kontroverse innerhalb der eigenen Fraktion Stellung genommen. Er richtete „noch ein Wort an die, die fürchten“, die Linke würde hier ihre friedenspolitischen Positionen verlassen und nutzte die Gelegenheit, im Plenum des Bundestags auch den Kritikern in der eigenen Partei „klar zu entgegnen: Nicht die Soldaten sind die Gegner, sondern die Generäle und Politiker, die diese in Kriegseinsätze schicken“.

Ähnlich hatte sich zuvor bereits der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion in der Jungen Welt geäußert: „Es ist meine Motivation, auch mit Soldatinnen und Soldaten über die Beendigung des Krieges und den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu diskutieren. Für mich gehört es zum antimilitaristischen Kampf, auch Soldatinnen und Soldaten einzubeziehen“, so Wolfgang Gehrcke. „Interessant ist doch, dass die Bundeswehr-Führung und das Auswärtige Amt gar nicht daran interessiert sind, dass die Verbindung von Soldatinnen und Soldaten zu nichtsoldatischen Kreisen, zu ihren Familien und Heimatorten ausgeweitet wird. Soldaten kann man am besten auf Krieg ausrichten, wenn sie kaserniert sind und möglichst wenig Kontakt zum zivilen Leben haben. Je mehr Luft an die Mumie Bundeswehr herankommt, desto eher zerfällt sie; und das ist zumindest meine Absicht.“

Anders argumentieren die linken Abgeordneten, die dem Antrag der eigenen Fraktion nicht zustimmten: „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang. Bei uns hat jeder die Freiheit, Nein zu sagen“, sagt Raju Sharma und verweist auf die schriftliche Erklärung von 13 dissidenten Abgeordneten (eine Liste gibt es hier): Darin heißt es, die Linke stehe zwar einhellig „für den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan“ und dabei bleibe es auch. Allerdings gebe es „eine inhaltliche Differenz“ darüber, „wie mit den eingesetzten Soldaten umgegangen wird“. Die Gewährleistung umfassender, kostenloser Telefon- und Internetverbindungen stelle „eine Besserstellung dar, die nicht berechtigt ist. Wir verkennen nicht, dass viele Menschen aus sozialer Not und Unwissenheit zur Bundeswehr gehen. Dennoch tun sie dies freiwillig. Zugleich gibt es in Deutschland zahlreiche Menschen, die unter erheblich stärkerem Armutsdruck stehen als Angehörige der Bundeswehr, und die sich dennoch nicht zum Kriegsdienst melden. Vom Grundsatz her würden wir die Gewährleistung kostenloser Telekommunikations-Dienstleistungen als Grundrecht durchaus begrüßen – aber wenn, dann muss man damit bei jenen anfangen, die bereits jetzt eine Existenz unterhalb der Armutsgrenze fristen müssen. Soldaten, die 110 Euro Auslandsverwendungszulage pro Tag erhalten, gehören nicht dazu.“

Bei den 14 besteht zudem die Sorge, dass mit verbesserter „Betreuungskommunikation im Einsatz“ auch „Anreize zum Kriegsdienst, und nicht Anreize zum Verweigern“ geschaffen würden. „In Zukunft können die Werbestrategen der Bundeswehr dann gegenüber Jugendlichen noch mit dem Argument punkten, der Arbeitgeber Bundeswehr biete eine telekommunikationstechnische Rundumversorgung“, heißt es in der Erklärung. Man leugne gleichwohl nicht die „Verantwortung, die wir als Abgeordnete des Deutschen Bundestages gegenüber den Angehörigen der Bundeswehr, auch jenen im Kriegseinsatz, haben. Wir werden dieser Verantwortung gerecht, indem wir die Beendigung der Auslandseinsätze fordern“. Das Problem sei „der Krieg, und nicht die instabilen Internetverbindungen in den deutschen Feldlagern“.

Dem hält Gehrcke entgegen: „Soldatinnen und Soldaten gehen zwar freiwillig nach Afghanistan, aber sie werden mit falschen Vorstellungen dort hin gelockt und glauben, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen, Geld und Abenteuerlust spielen eine Rolle. Das Nachdenken über Krieg und Elend möchte ich auch bei Soldaten fördern.“ Dass es Kritik an dem Antrag unter anderem aus der Friedensbewegung gegeben hatte, findet Gehrcke richtig: Er sei „dankbar. Schaut uns auf die Finger, kritisiert uns. Die Linke ist eine Antikriegspartei, die einzige im Bundestag.“ Das heißt aber nicht, dass sie in bestimmten Fragen einer Meinung ist. (tos)

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LINKE verurteilt Attentat auf Frauenrechtlerin Malalai Joya in Afghanistan


"DIE LINKE verurteilt den kriminellen Mordanschlag auf die international bekannte Frauenaktivistin und prominente Kritikerin der ISAF-Präsenz, Malalai Joya, für die ich seit Jahren als Patin im Parlamentarier-schutzprogramm des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestags verantwortlich bin und die bereits mehrere Male zu Gast im Deutschen Bundestag war", so Heike Hänsel, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des sechsten Attentats auf die Frauenrechtlerin und Politikerin Malalai Joya und dem gewalttätigen Angriff auf ihr Büro, bei dem zwei ihrer Mitarbeiter zum Teil schwer verletzt wurden. Hänsel weiter:

"Dirk Niebel, der sich heute zu Gesprächen mit Vertretern der Regierung und der Zivilgesellschaft trifft, hat auf seiner Reise den Wettbewerbsvorteil deutscher Firmen herausgehoben, den Weg für wirtschaftliche Investitionen geebnet und Entwicklungsgelder in Höhe von 65 Millionen Euro freigegeben.

Ich fordere Minister Niebel auf, sich konkret bei der afghanischen Regierung für Malalai Joya und alle anderen Menschenrechtsaktivisten einzusetzen, damit ihnen Schutz und Sicherheit für ihre Arbeit gewährt wird. Die Verantwortlichen für diesen Mordversuch müssen gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Der Entwicklungsminister sollte vorrangig das Leben von zivilgesellschaftlichen Akteuren im Blick haben, nicht den Wettbewerbsvorteil deutscher Unternehmen."

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