Steffen Bockhahn

Spekulanten drücken sich vor Grunderwerbssteuer

Halina Wawzyniak

Halina Wawzyniak

04.04.2013 Steffen Bockhahn, linksfraktion.de

Steffen Bockhahn

Steffen Bockhahn

Spekulanten drücken sich vor Grunderwerbssteuer

Spekulanten klingt immer so abstrakt. Einige verdrehen bei dem Wort “Spekulant” schon die Augen. Abstrakt wird aber ganz schnell konkret. Und dann gibt es verwundertes Augenreiben. Schweinereien von Spekulanten nicht nur zu Lasten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, sondern im konkreten Fall auch noch zu Lasten von Mieterinnen und Mietern. Realität in einem reichen Land.

Erinnert sich noch jemand an das letzte Jahr um diese Zeit? Richtig, es gab ein Bieterverfahren für die TLG Immobilien GmbH und die TLG Wohnen GmbH. Bei letzterer GmbH ging es um 11.500 Wohneinheiten ausschließlich in Ostdeutschland, bislang im Eigentum des Bundes stehend. Die TLG Wohnen GmbH sollte privatisiert werden. Das hatte schon die große Koalition aus CDU und SPD beschlossen. Wegen der Finanzkrise waren die Preise im Keller und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat den Verkauf deswegen 2008 vorerst gestoppt.

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Projekte gegen Rechts müssen dauerhaft finanziert werden

Wie bekannt geworden ist, hat die Bundesregierung eingeräumt, dass die Projekte im Kampf gegen Rechtsradikalismus nur Teilzusagen für das Förderjahr 2014 erhalten haben. Damit ist die Arbeit verschiedener Initiativen für demokratische Kultur und gegen Alltagsrassismus gefährdet. Der Linken-Abgeordnete Steffen Bockhahn sprach von einem „verheerenden Signal an alle engagierten Vereine“.

Nach Ansicht von Bockhahn ist das Dilemma vom Ministerium „selbst verschuldet“ worden. Das von der CDU-Politikerin Kristina Schröder geführte Ressort verfügt „nur noch über Restmittel für die Förderung bis April 2014“. Geldzahlungen, die darüber hinausgehen, könnten erst erfolgen, wenn der Bundeshaushalt 2014 verabschiedet ist. (1)

Zu einer völlig anderen Einschätzung der momentanen Lage der Förderung antirassistischer und antifaschistischer Initiativen kommt ein Gutachten, das u.a. von der Amadeu Antonio Stiftung in Auftrag gegeben wurde: “Eine langfristige, dauerhafte Finanzierung der Arbeit gegen Neonazismus und für Demokratieforderung ist verfassungsrechtlich möglich.”

Die Förderung der Initiativen gegen Rechtsradikalismus unterliege laut dem Gutachten “staatlicher, insbesondere aber gesamtgesellschaftlicher Verantwortung”. Zur Wahrnehmung dieser Verantwortung bedürfen die Träger “eines gewissen Maßes an Finanzsicherheit”. Das Gutachten widerspricht damit der bisherigen Auffassung des Bundesfamilienministeriums, wonach die seit Jahren erfolgreiche Beratungs- und Bildungsarbeit gegen Rechtsradikalismus nur einmalig bzw. lediglich zeitlich befristet gefördert werden könne. (2)

Statt sinnlose Programme gegen Linksextremismus aufzulegen, sollten also Projekte für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus langfristig abgesichert werden. Die aktuellen Schikanen der Bundesregierung schwächen dagegen das Engagement von vielen Projekten, denen nun sogar das Aus droht.

Denn Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sind in Deutschland nicht nur bei einigen Randgruppen, sondern in breiten Bevölkerungsschichten zu finden. Besonders bestürzende Auswirkungen hat diese Haltung, wenn sie in Gewalt mündet. Seit 1990 sind über 180 Menschen durch rechte und rassistische Gewalt ums Leben gekommen. Die Aufdeckung der brutalen Verbrechen des NSU hat diesen Skandal wieder kurzfristig ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dass die NSU-Terrorzelle so lange ungehindert morden konnte, offenbart eine Unkultur des Wegschauens und des Ignorierens.

Ein gesellschaftlicher Aufschrei angesichts der Morde an den Kleinunternehmern mit Migrationsgeschichte blieb damals aus. Rassistische Vorurteile in den Sicherheitsbehörden verhinderten sogar rechtzeitige Ermittlungen in der radikalen rechten Szene. Stattdessen wurden die Angehörigen der Opfer aufgrund ihres Migrationshintergrundes verdächtigt. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig die Arbeit von Verbänden und Initiativen vor Ort ist, die sich tagtäglich für eine demokratische Kultur einsetzen. (3)

(1) http://www.bockhahn.de/nc/aktuell/detail/zurueck/aktuell-55fb3caeca/artikel/projekte-gegen-rechts-ab-april-2014-ohne-finanzielle-absicherung/

(2) http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/gutachten-dauerhafte-foerderung-der-projekte-gegen-rechtsextremismus-ist-notwendig-und-moeglich/

(3) http://www.publikative.org/2013/03/18/programme-gegen-rechts-sichere-finanzierung-statt-schikanen/


80 % Gemeinsamkeit

Osten und Westen? In Dresden wirbt LINKEN-Chef Riexinger bei den Genossen dafür, die “80 Prozent Gemeinsamkeiten” in den Vordergrund zu stellen. In Ludwigslust warnt Landeschef Bockhahn: Was der Osten erlebt habe, das drohe auch dem Westen. Notizen von tos zu einem kleinen und einem Landesparteitag sowie zum Streit um den Kreisverband Stralsund auf neues-deutschland.de

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Bockhahns Brief

In den vergangenen Tagen war auch hier bereits mehrfach von einem Papier die Rede, mit dem Katja Kipping und Bernd Riexinger eine Diskussion „zur Wahlkampfplanung in Auswertung der Zuhöroffensive des 120-Tage-Programms“ anstoßen wollten. In der medialen Öffentlichkeit ist der Vorschlag vor allem als rot-rot-grüne Offerte aufgenommen worden. Der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, hat das Angebot zur Debatte inzwischen angenommen – und selbst einen Brief an die beiden Vorsitzenden der Linkspartei geschrieben. Auf Zeit online hat dieses Schreiben bereits ein Echo gefunden. (tos)

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Riexinger in Rostock

Bernd Riexinger ist gerade auf Sommertour – am Dienstag machte der Linkenchef in Rostock Station. Hafenrundfahrt, Stadtentsorgung, Pflegeheim und ein Treffen mit Mitgliedern standen auf dem Programm. Von einem „spannenden Tag“ berichtet der Pressesprecher via Twitter. Und der Landesvorsitzende Steffen Bockhahn hinterließ, dass sich auch die NDR-Satiresendung extra3 für Riexingers Sommertour interessiert habe. Natürlich nahm auch die in Rostock erscheinende Ostsee-Zeitung den Besuch des Linkenchefs zum Anlass, ein paar Meldungen zu produzieren: In der einen verweist Riexiger darauf, was die Linke nicht brauchen kann, in der anderen, was nötig wäre, damit die Partei zum Mitregieren bereit wäre. „Wir sagen klar, wofür wir stehen“, so Riexinger. „Für eine armutsfeste Rente, für einen Mindestlohn, von dem man leben kann, für einen Kurswechsel in der Europapolitik und für eine konsequente Friedenspolitik. Wenn das umgesetzt wird, sind wir bereit zum Mitregieren.“ Dazu müsste die Partei freilich erst einmal so stark werden, dass andere in die Lage kommen, sich über ihre Bedingungen den Kopf zu zerbrechen.

Was auch eine Frage der möglichen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 ist, die der Linkenchef allerdings jetzt nicht führen will. „Eine neue Debatte um Posten ist sicher das Letzte, was wir jetzt brauchen“, zitiert das Blatt den Linkenchef. Für die Nominierung, so Riexinger, gebe es einen „klaren Ablauf“, demzufolge nach der Aufstellung der Listen in den Landesverbänden der Parteivorstand „in Absprache mit allen wichtigen Akteuren“ einen Vorschlag unterbreiten werde. „Riexinger wollte nicht bestätigen“, schreibt die Ostsee-Zeitung, „dass die Entscheidung bereits zugunsten des Fraktionschefs im Bundestag Gregor Gysi und des saarländischen Fraktionschefs Oskar Lafontaine gefallen sei.“ Für diese beiden hatte sich gerade erst der Fraktionschef der Linken im Schweriner Landtag, Helmut Holter ausgesprochen.

Bei seinem Besuch in Rostock hat sich Riexinger auch über die Lohn-Unterschiede zwischen Ost und West geäußert. „Es ist nicht erklärbar, warum mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ein Lohnabstand von teilweise über 30 Prozent besteht. Das gilt auch für die Durchschnittslöhne, nicht nur für die Spitzenlöhne“, zitiert ihn eine Nachrichtenagentur. (tos, Foto: Alex Fischer)

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Bitterfelder Bier

Am Mittwoch treffen sich die ostdeutschen Landesvorsitzenden der Linken mit der neuen Doppelspitze der Partei – es gehe, hat Nordost-Chef Steffen Bockhahn der Mitteldeutschen Zeitung gesagt, nicht zuletzt „um vertrauensbildende Maßnahmen“. Man habe „zuletzt ein großes Defizit“ beim Kommunizieren miteinander gehabt. Das soll nun anders werden, das Treffen ist nicht die einzige Initiative von Katja Kipping und Bernd Riexinger in diese Richtung. Der sachsen-anhaltische Bundestagsabgeordnete Jan Korte findet es „richtig, dass die neue Führung eine Kultur des Fragens und des Zuhörens pflegen will“; er erwarte von der neuen Linken-Spitze, dass diese politische Differenzen künftig „klar benennt und sie schließlich produktiv macht“. Der Niedersachse, der im Osten politisch seine Heimat hat, lud den neuen Parteivorsitzenden in seinen Wahlkreis ein. Bernd Riexinger werde dort „Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten feststellen. Abends gibt es dann ein Bitterfelder Bier“. (tos)

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Frauen kandidieren

20.30 Uhr: Es wird eine Frauen-Kandidatur geben: Katja Kipping und Katharina Schwabedissen werden am Mittwoch ihre Bewerbung erklären. Das hat Thomas Nord am Dienstagabend auf einer Regionalkonferenz der Linken in Berlin angekündigt. Zuvor hatte auch Klaus Ernst bei dem Treffen gesagt, möglicherweise brauche die Linke nun eine Frauenspitze: “Zwei Männer haben wir ja schon gehabt.”

19.20 Uhr: Jens Berger, aka Spiegelfechter, sieht nun “die Weichen für den Niedergang der Linkspartei” gestellt. Strukturelle Ursachen? Neue Wege? Mitnichten: “Nur” Lafontaine, Gysi und Wagenknecht “wären dazu im Stande, die Linke als politische Kraft in Deutschland zu etablieren.” Nun ja.

19 Uhr: Die saarländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Ploetz fordert: “Jetzt sollte Dietmar Bartsch seine Kandidatur auch zurückziehen und den Weg frei machen für eine freche, junge, kreative Frauenspitze.”

18.50 Uhr: Auf den nachdenkseiten.de wollte Albrecht Müller heute Oskar Lafontaine den Rat geben, nicht zu kandidieren – wegen einer gegen den Saarländer laufenden Kampagnen, die auch Gregor Gysi nicht mehr durchschaut habe, Bartsch gelte ohne “als jemand, der empfänglich ist für die Fremdbestimmung von außen und der außerdem eine ausgesprochene Neigung zum Intrigantentum hat”.

18.45 Uhr: Weitere Reaktionen trudeln ein. Der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, sagte: „Die Entscheidung ermöglicht auf jeden Fall, dass wir jetzt wieder sachlicher und konstruktiver über Inhalt und Ausrichtung der Partei diskutieren können“. Ein “sehr emotionalisierender” Aspekt sei aus der Debatte genommen worden. Bockhahn wünschte sich „natürlich, dass er trotzdem für die Linke weiter zur Verfügung steht und sich für die Partei und ihre politischen Ziele einsetzt“. Derweil hofft Linksfraktionschef Gregor Gysi, die Entscheidung Lafontaine werde Anlass sein, dass die Vertreter “unterschiedlicher, aber wichtiger Teile der Partei aufeinander zugehen”. Aber: “Ob es gelingt, ist leider noch offen.”

18.40 Uhr: In Berlin hat eine Regionalkonferenz begonnen. Hier der Livestream.

18.30 Uhr: Linkenchef Klaus Ernst hat umgehend die Kritiker Lafontaines ins Visier genommen: „Wir verlieren mit Oskar Lafontaine, mit seiner Kandidatur, auch unseren besten Wahlkämpfer“. Der Saarländer habe „ein Angebot gemacht, nicht mehr”, so Ernst in der ARD. “Und dieses Angebot ist von einigen letztendlich so torpediert worden, dass er sich nicht mehr in der Lage sah, diesen Vorsitz vernünftig zu machen und damit auch bei der nächsten Bundestagswahl als Spitzenkandidat zur Verfügung zu stehen.” Die Partei sei nun in einer “sehr ernsten Lage”. Der Welt sagte er: “Alle, die dazu beigetragen haben, dass Oskar Lafontaine sich zurückzieht, haben die Linke objektiv geschwächt. Leider waren daran auch führende Funktionäre der eigenen Partei beteiligt.”

18.15 Uhr: Die Genossen im Saarland wussten offenbar nichts: Die Entscheidung zum Rückzug von Oskar Lafontaine im Streit um den Bundesvorsitz sei “überraschend” gekommen, zitiert eine Nachrichtenagentur einen Parteisprecher. “Die genauen Beweggründe Lafontaines seien noch nicht bekannt.”

18 Uhr: Sabine Zimmermann, Kandidatin für den Parteivorsitz, hat den Rückzug Lafontaines bedauert und befürchtet nun “einen Schaden für die Partei”, wie es eine Nachrichtenagentur formuliert. Die Linke brauche Oskar Lafontaine, nun sei damit zu rechnen, dass der Saarländer dauerhaft von der bundespolitischen Bildfläche verschwinde und nur noch als Fraktionschef im Saarland aktiv bleibe. Zimmermann kündigte zugleich an, auch in einer Doppelspitze mit Dietmar Bartsch zusammenarbeiten zu wollen: “Es ist kein Wunschkonzert bei uns im Moment.”

17.45 Uhr: Katharina Schwabedissen, Katja Kipping, Caren Lay, Brigitte Ostmeyer, Jan van Aken und Thomas Nord laden für Mittwoch zu einer Pressekonferenz nach Hannover ein: Es gehe um die “Situation in der Partei DIE LINKE”, heißt es lediglich. Aber Spekulationen sind möglich: darüber, dass Lafontaines Rückzug und der gemeinsame Auftritt von Linken-Politikern, die bisher mit einem “dritten Weg” in Zusammenhang gebracht wurden, zusammenhängen. Insofern, als dass sich hier eben jener “passende Neuanfang” personell zeigen könnte, von dem vielleicht auch Lafontaine glaubt (oder im Sinne seiner eigenen Kandidatur fürchtete?), dass er “jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden kann”.

17.25 Uhr: Die Rückzugs-Erklärung von Oskar Lafontaine im Wortlaut: “Nachdem ich seit über einem Jahr von vielen immer wieder öffentlich aufgefordert worden bin, noch einmal für Spitzenfunktionen der Partei Die Linke zu kandidieren, habe ich am vergangenen Montag dem geschäftsführenden Parteivorstand und den Landesvorsitzenden meine Bereitschaft erklärt, wieder die Aufgabe des Parteivorsitzenden und des Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu übernehmen. Mein Beweggrund war, Die Linke in einer für sie sehr schwierigen Situation nicht im Stich zu lassen. Ich habe für dieses Angebot aus Ost und West sehr viel Unterstützung erhalten, für die ich dankbar bin. Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind. Das ist kein Umfeld, in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass Die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird. Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nur ein passender Neuanfang jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden kann. Ich ziehe daher mein Angebot, wieder bundespolitische Aufgaben zu übernehmen, zurück, um einen solchen Neuanfang zu ermöglichen.”

17.05 Uhr: Es ist die Eilmeldung des Tages. “Oskar Lafontaine zieht seine Kandidatur für den Linken-Vorsitz zurück und überlässt Dietmar Bartsch das Feld”, berichtet die dpa. Er habe für sein Angebot aus Ost und West sehr viel Unterstützung erhalten, teilte der Saarländer mit. “Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind”, zitiert die Nachrichtenagentur den früheren Linken-Vorsitzenden. In diesem Umfeld sei er nicht in der Lage, dazu “beizutragen, dass die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird.” Offenbar gilt sein Rückzug für das Angebot, “wieder bundespolitische Aufgaben zu übernehmen”, wie es die dpa formuliert – was dann auch die Frage der Spitzenkandidatur 2013 betreffen würde. Lafontaine wolle “damit einen Neuanfang für die Partei ermöglichen”.

16.45 Uhr: Von einer reinen Frauendoppelspitze als Alternative zum gegenwärtigen Machtkampf zwischen Bartsch oder Lafontaine hält Fraktionsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann “nicht allzuviel” Die Linkenabgeordnete glaubt auch nicht, so eine Nachrichtenagentur, dass Bartsch und Lafontaine das Feld räumen. “Ich kann gegenwärtig nicht erkennen, dass beide zurückziehen.” Muss ja auch nicht: Erst wird in Göttingen der Frauenplatz gewählt – und dann gewinnt noch eine Frau bei der Wahl des zweiten Vorsitzendenstuhls gegen Bartsch und Lafontaine. Oder?

15.15 Uhr: Der Kollege Thorsten Denkler von Süddeutsche.de twittert aus der Bundespressekonferenz, wo Alexis Tsipras inzwischen mit Gysi und Ernst auftritt: “Die deutsche Linke hat gerade ein massives Führunsgsproblem. Ernst will aber über Griechenland reden.” Was übrigens für den Linkenchef spricht, denn gemessen an der Eurokrise ist der Haussegen im Karl-Liebknecht-Amt ein Witz. Man kann den Zusammenhang aber auch umdrehen, wie Süddeutsche.de-Kollege Michael König: “Tsipras wird Linken-Chef?”

14.50 Uhr: Du sollst nicht aus der Fraktionssitzung twittern. Doch! Alexis Tsipras ist bei der Linken mit minutenlangem Applaus und überhaupt begrüßt worden, hat dann gesprochen, womöglich sogar als künftiger Ministerpräsident Griechenlands, und vorher gemeinsam unter anderem mit Tiny Kox und Gregor Gysi gegessen, wobei der Linksfraktionschef dabei offenbar an die Personaldebatte dachte. Und Danke an Michael Leutert für den kleinen Film:

14.45 Uhr: Sabine Zimmermann, die am Montagabend ihren Hut in den Ring geworfen hatte, äußert sich im Sender Phoenix über ihre Kandidatur: “Der ausschlaggebende Punkt war, dass die Gespräche zwischen Oskar Lafontaine, Dietmar Bartsch und Klaus Ernst in einer Sackgasse gelandet sind. Ich denke, ich stehe für inhaltliche Arbeit, und das natürlich auch strömungsübergreifend. Ich kann mit vielen zusammenarbeiten.” Das Wichtigste sei, “endlich zur Sacharbeit zurückzukommen und zum Parteiprogramm zu stehen.” Mit wem sie die Parteispitze teilen wolle, meldet Phoenix, habe Zimmermann offen gelassen – worauf der Sender unmittelbar dieses Zitat folgen lässt: “Lafontaine könnte das Schiff aus dieser rauen See führen.” Immerhin: Zimmermann kann sich auch eine reine Frauenspitze vorstellen, dies sei “eine gute Alternative”.

14.40 Uhr: Der Medienboykott, sorry: Der Boykott der Linken durch die bürgerlichen Konzernmedien geht weiter – am Mittwoch diskutiert Oskar Lafontaine über die Frage: Spar-Angie gegen Spendier-François – das letzte Euro-Gefecht? Was, Anne Will in der ARD ist gar nicht Konzernmedien? Und Berlindirekt und Bericht aus Berlin auch nicht?

14.30 Uhr: “Stirbt die Linkspartei?”, fragt die Tageszeitung und man würde gern zurückfragen: Wie geht denn so ein Ableben einer Partei vor sich? Steht jemand am Bett? Kommt der Pfarrer, letzte Ölung? Oder war das wieder so eine lustige Überschrift, die – hö hö – das Alter vieler Genossen meinte?

14.15 Uhr: Es gibt womöglich noch eine Kandidatin für den Parteivorsitz: Sarah Waterfeld, derzeit Mitarbeiterin von Roland Claus im Bundestag. Sie habe ihre Bewerbung in der Fraktion erklärt und dies auch ihr gegenüber bestätigt, twittert die Kollegin Miriam Hollstein von der Welt.

13.30 Uhr: Oskar Lafontaine erhält Unterstützung von der Parteijugend. In einem Aufruf von Mitgliedern der Linksjugend Solid und des Studierendenverbandes Die Linke.SDS wird eine Wahl Lafontaines als Parteivorsitzender befürwortet. „Unser zentrales Anliegen ist es, dass unser Erfurter Programm auch nach dem Göttinger Parteitag in die Praxis überführt wird und kein Papiertiger bleibt. Wer dies tut, ob jung oder alt, ist für uns zweitrangig“ – so zweitrangig ist der Name den „Jungen GenossInnen gegen Krise, Krieg und Kapitalismus“ dann aber natürlich doch nicht. Der richtige Kurs werde, heißt es in dem Aufruf weiter, „trotz aller Kritik zum gegenwärtigen Zeitpunkt am allerbesten mit Oskar Lafontaine an der Spitze unserer Partei gewährleistet wird“, weshalb der Saarländer „und seine Kandidatur zum Parteivorsitz“ unterstützt wird – eine Kandidatur, die noch gar nicht erklärt wurde.

11.45 Uhr: “Frauen als Verhandlungsmasse in der Personalfrage?”, fragt sich die Emanzipatorische Linke angesichts der Personaldebatte in der Linken und meint: “Ein unhaltbarer Zustand! Selbstermächtigung ist wichtig und nötig!” In einer Erklärung wird deshalb für den “dritten Weg” plädiert. “Ein solcher Vorstoß, oder auch schon die Debatte darum, verändert die Kultur der Partei und bedeutet eine Absage an die selbstorientierte Ansagestrategie männlicher Kandidaten. Er stellt einen notwendigen Akt der Selbstermächtigung dar.”

9.10 Uhr: Auf der Seite des Netzwerkes Marx21 schreibt Arno Klönne zur Lage der Politik im Allgemeinen und jener der Linken im Besonderen: “Der Parteienstaat westdeutscher Prägung löst sich auf. Nichtwähler und Piratenpartei sind nur zwei der Symptome. Die Linke hat nur eine Chance: Sie muss eine Alternative zum Demokratieabbau finden, statt nach einer Heimat in einem maroden System zu suchen”.

9.05 Uhr: Das Neue Deutschland erinnert daran, dass es am Sonntag “auf den Tag genau fünf Jahre” her war, dass “Lafontaine 2007 seine Kandidatur als Vorsitzender der neu zu gründenden Partei Die Linke erklärt hatte”.  2012 gab es zur Feier des Tages bekanntlich das ergebnislose Treffen von Bartsch, Ernst und Lafontaine.

9 Uhr: Die sächsischen Linken zeigen sich enttäuscht vom Machtkampf um die Parteispitze. „Ich hoffe aber noch immer auf den Weitblick von Politikern, darauf, dass ein Kompromiss gefunden wird“, wird Landeschef Rico Gebhardt zitiert. Am Mittwoch treffen sich die Genossen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt in Schkeuditz zu ihrer Regionalkonferenz, um über die Lage vor dem Göttinger Parteitag und die Kandidaten für den Vorsitz zu beraten.

8.45 Uhr: Bei der Regionalkonferenz in Thüringen hat Klaus Ernst „nach teils scharfen Angriffen“ Fehler des Vorstandes eingeräumt. Eine Mehrheit der Redner bei der Versammlung in Erfurt habe, berichtet eine Nachrichtenagentur, Oskar Lafontaine aufgefordert, für den Parteivorsitz zu kandidieren – und zwar ohne Bedingungen. Landeschef Knut Korschwesky plädierte für „einen dritten Weg bei der Vorsitzendensuche. Er könne sich Gregor Gysi mit ,einer wirklich jungen Frau an seiner Seite‘ vorstellen. Aber auch eine rein weibliche Doppelspitze, sei denkbar.“ Einen Bericht von der Regionalkonferenz gibt es auch beim Deutschlandfunk.

8.30 Uhr: Die Linksfraktion im Bundestag bekomt heute nicht nur von Alexis Tsipras von Syriza Besuch, dabei sein wird auch Tiny Kox von der Socialistische Partij der Niederlande.

8.15 Uhr: Franz Walter schreibt in der Frankfurter Rundschau: „Kann man noch irgendeinen Sozialdemokraten erhitzt mit einem Christdemokraten disputieren sehen? Worüber sollten sie sich auch streiten? Über den Atomausstieg? Über Steuer- oder Sparpolitik? Über den Erhalt des Sozialstaats? Gar über Europa? Eine grundsätzliche Differenz gibt es in all diesen Fragen nicht mehr. (…) Als Außenseiter störten in den letzten Jahren einzig die Linken zuweilen das Spiel. Aber diese haben sich selbst lustlos aus der Partie herausgenommen.“

8 Uhr: Wie steht es eigentlich im Wettbewerb der Aufrufe? Den Appell “Wir sind die Linke” hatten am Montagabend 930 Mitglieder unterzeichnet; den Aufruf “Für eine starke Linke” unterstützen bisher 653 Menschen.

7.45 Uhr: Die Junge Welt macht nicht nur Front gegen Dietmar Bartsch, sondern sie veröffentlicht passend zur Debatte in der Linken und einer möglichen “dritten Lösung” am Dienstag auch einen Vorabdruck aus einem Sammelband: Frigga Haugs Aufsatz “Wozu um Zeit kämpfen”

7.30 Uhr: Die Mitteldeutsche noch einmal, diesmal mit einer exklusiven Meldung, die keine ist: Unter Berufung auf “Ohrenzeugen” und “führende Parteikreise” berichtet das Blatt über die Mitarbeiterversammlung im Karl-Liebknecht-Haus vor einer Woche: bei der Parteichef Klaus Ernst den Beschäftigten signalisiert habe, “dass es neben dem Schicksal der Partei ganz konkret um ihre Arbeitsplätze gehe und dass sie diese Arbeitsplätze vor allem dem ehemaligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine zu verdanken hätten”. Darüber hatte am vergangenen Mittwoch bereits die Frankfurter Allgemeine berichtet.

7.15 Uhr: Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping sagt der Mitteldeutschen: “Ich habe eine sechs Monate alte Tochter und könnte den Parteivorsitz deshalb nur in Teilzeit wahrnehmen. Deshalb werbe ich für eine Lösung ohne mich.” Was man auch so verstehen kann: Wenn es diese andere Lösung nicht gibt, könnte sie sich vielleicht doch noch bereit erklären. „Ein Showdown auf dem Parteitag zwischen beiden Lagern wird am Ende, egal wer siegt, zum Pyrrhussieg für die Partei”, so Kipping. Es gebe “Frauen, die sich sehr konkret darüber beraten, wann und wie es Vorschläge für eine weibliche Doppelspitze gibt”. Hoffentlich kommen sie allernächst zu einem Ergebnis.

7 Uhr: In der Tageszeitung beschaut sich Anja Maier die Lage im Buddelkasten: “Zwei Alphamännchen namens Bartsch und Lafontaine wollen Parteichef werden und haben sich auf ihrer jeweiligen Seite verschanzt. Dazwischen eilen Unterhändler hin und her. Sie reden gut zu, verteilen Bonbons und kleben Pflaster. Aber keiner der beiden will nachgeben, beide zeigen mit dem Finger auf den jeweils anderen: ‘Mit dem spiel ich nicht!’ (…) Kurzum, Jungskram, der, wäre er nicht so peinlich und existenzbedrohend für die 69.000-Mitglieder-Partei, durchaus Unterhaltungswert hätte. Aber lustig ist es einfach nicht mehr.”

6.45 Uhr: Neskovics Kommentar stößt auf Kritik. Die frühere Linken-Vize Katina Schubert meint: „Ein parteiloser Bundesrichter a.D. spricht einem Parteimitglied das Recht auf Kandidatur ab? Ja wo leben wir denn?“ Und Bodo Ramelow, der selbst in dem Text angegangen wird, nennt Neskovic einen „Mandatshopper und Flatratkumpel“.

6.30 Uhr: Bewirbt sich Katharina Schwabedissen doch für den Linken-Chefinnensessel? Der Mitteldeutschen sagte sie, sie „schließe eine Kandidatur für den Parteivorsitz nicht aus”. Aber: “Ich muss das aber mit meinem Landesvorstand und meinen Söhnen besprechen.” Die NRW-Spitzenkandidatin gilt als Hoffnungsträgerin eines „dritten Weges“, also einer Frauendoppelspitze, mit der die strömungs- und machtpolitische Selbstblockade der Linken überwunden werden könnte.

6 Uhr: Der parteilose Linken-Abgeordnete Wolfgang Neskovic hat sich in der Jungen Welt Dietmar Bartsch vorgenommen – und nicht nur den: Bartsch sei ein Bewerber, der „den politischen Misserfolg verkörpert“, gemeinsam mit Bodo Ramelow „und ihre Getreuen“ hätten sie „rücksichtlos an der Demontage der neuen Parteispitze gearbeitet“. Noch zwei weitere Kostproben: Bartsch habe „die Rhetorik eines langweiligen Sprechblasenfacharbeiters“, er sei „von der bloßen Vision politischer Macht angetrieben“.

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Traurig, was die Linke macht

21.30 Uhr: Die Sozialistische Linke hat eine “Klare Botschaft“: “Wir unterstützen eine Kandidatur von Oskar Lafontaine. Er ist in der Lage, die Linke in der Finanzkrise zu profilieren und europaweite Solidarität mit den anderen Linken umzusetzen. Die nächsten Wahlkämpfe in Niedersachsen und im Bund werden von einer vermeintlichen Richtungsentscheidung Schwarz-Gelb oder Rot-Grün geprägt sein. In dieser Situation ist es entscheidend, dass die Linke ihren politischen Wert nachweist. Ein Parteivorsitzender Lafontaine kann das Projekt einer Linken, die gegenüber der politischen Konkurrenz ein eigenständiges Profil zeigt, am überzeugendsten vertreten. Wir sind uns sicher, dass sich ein Team aus Oskar Lafontaine, jung und alt, Ost und West für den neuen Parteivorstand finden wird.”

20.15 Uhr: Der Vorstand der Linken in Hessen unterstützt die Kandidatur von Oskar Lafontain. In einer Erklärung der Landesvorsitzenden Heidemarie Scheuch-Paschkewitz und Landesvize Achim Kessler heißt es, der Saarländer stehe “wie kein anderer für Konsequenz und Leidenschaft im Kampf gegen die neoliberale Zerstörung des Sozialstaats”. Deshalb habe Hessen bei der Spitzenrunde am Dienstag in Berlin Lafontaine die Unterstützung des Landesverbands ausgesprochen. “Die Linke braucht eine kooperative Leitung unter Einbeziehung aller Regionen und politischen Denkrichtungen, die die Energie der gesamten Partei bündelt und nach außen richtet.“

20 Uhr: Und was denken die Leute so, die, die nicht in den gewissen Kreisen sitzen? Glaubt man dem Politbarometer, erwarten lediglich 29 Prozent aller Befragten, dass es mit Oskar Lafontaine für die Linke wieder aufwärts gehen würde, 64 Prozent glauben das nicht und keine Meinung haben 7 Prozent. Unter den Anhängern der Linken ist das Bild anders, aber nicht so sehr: 63 Prozent erwarten keine Trendwende mit Oskar Lafontaine, und nur 37 Prozent machen sich entsprechende Hoffnungen. Nach den Erwartungen Dietmar Bartsch betreffend wurde leider nicht gefragt.

19.15 Uhr: Dietmar Bartsch hat sich auf freitag.de zum Personalstreit geäußert, das Gespräch fällt ein bisschen aus dem sonst üblichen Rahmen. Erstens, weil der Mecklenburger selbst sagt, er finde “dieses ganze männerdominierte Hin- und Her sowieso problematisch”. Zweitens, weil man hier wenigstens mal ein bisschen mehr über Differenzen erfährt als beim üblichen Ost-West-Realo-Fundi-Gerastere. “Bei vielen Übereinstimmungen gibt es zwei Punkte”, sagt Bartsch, in denen er sich mmit Lafontaine unterscheide: “Das betrifft einerseits unser Verhältnis zu SPD. Ich will nicht dazu beitragen, dass es 2013 im Bund zu einer Großen Koalition kommt. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass wir dann in der Regierung sind, will ich dennoch die Tür nicht zu schlagen. Die SPD soll laut sagen, dass sie Juniorpartner bei der Union werden will. Die SPD ist für mich natürlich politischer Konkurrent, aber ich möchte mit ihr zusammenarbeiten, wo immer die Bedingungen und Personen stimmen. Und der andere Punkt: Wir haben ein unterschiedliches Parteienverständnis”. Bartsch über Lafontaine: Der müsse “der Partei unbedingt erhalten bleiben. Aber es wäre schön, wenn es zwischen ihm und der Partei eine neue Geschäftsgrundlage geben würde”.

19 Uhr: Matthias Höhn, Parteivize und möglicher Bewerber für das Amt des Bundesgeschäftsführers, ist von Oskar Lafontaine wenig angetan: “Ich will schon sagen, dass ich diese Herangehensweise alles andere als annehmbar finde. Man kann sich einer Wahl stellen oder man kann es lassen”, sagte er einer Nachrichtenagentur mit Blick auf die Ankündigung des Saarländers, er werde kandidieren, wenn Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch seine Kandidatur zurückziehe.

17.45 Uhr: Der Vorstoß von Gregor Gysi, der darauf hinausläuft, dass Lafontaine Linken-Vorsitzender und Bartsch Bundesgeschäftsführer werden solle, stößt im Reformerlager auf Kritik. „Das ist eine absurde Nummer von Gysi“, wird Mecklenburg-Vorpommerns Landeschef Steffen Bockhahn auf Spiegel online zitiert. “Nur weil Lafontaine nicht bereit ist, sich einer Gegenkandidatur zu stellen sondern sich lieber absegnen lassen möchte, muss man die Sache nicht auf diese Weise lösen. Ich wüsste nicht, warum man Gysis Vorschlag akzeptieren sollte.” Jan Korte kommentierte Gysis Erklärung mit den Worten: „Aufeinander zuzugehen ist ein schöner Vorschlag. Aber ich bleibe dabei: Ich unterstütze die Kandidatur von Dietmar Bartsch.” In Zeiten von Piraten und offener Demokratie sei eine Kampfkandidatur nichts Schlimmes: “Wo ist das Problem?”

17.30 Uhr: Erstmals seit Juni 2005 taxiert die Forschungsgruppe Wahlen die Linkspartei wieder bei nur 5 Prozent. Die Befragung lief am 14. und 15. Juni, den beiden Tagen, die den bisherigen Höhepunkt der Personaldebatte markieren.

16 Uhr: Nein, die Nachricht, dass Norbert Röttgen angeblich gleich rausgeworfen wird zurücktritt, gehört nicht hierher. Wohl aber diese: Lena Kreck schlägt “für den Parteivorstand zumindest für die kommende Legislatur einen reinen Frauenvorstand vor”. Die Idee ist, sag Kreck, von den Grünen geklaut. Aber sie hat gewissen Charme: “Ein Frauenvorstand verhindert zentrale altgediente Protagonisten, die bis auf wenige Ausnahmen männlich sind, und ist also ein Instrument, um die verfahrene Situation jenseits eines komplexen Ost-West-Mann-Frau-Manövers aufzulösen”.

15.30 Uhr: Hans Peter Schütz, das ist der Kollege von stern.de, der am Montag Gesine Lötzsch zum Rücktritt aufgefordert hatte, kennt sich aus in der Linken und überliefert folgende Anekdote: „Parteichef Klaus Ernst hat im Vorstand eine Analyse abgeliefert, die trotz vereinbarter Vertraulichkeit eifrig kolportiert wird. In Anspielung auf die ewigen Personalquerelen und Streitereien sagte Ernst: Zur ungeschönten Erkenntnis der Lage müsse man sich ein Schwimmbad vorstellen, in das so lange reingepinkelt werde, bis es stinkt. Und die Pinkler stünden auf dem Dreimeterbrett, damit alle zusehen könnten. Und nicht nur das, fuhr Ernst fort, die Pinkler hätten obendrein die Presse dazu eingeladen, ihre urinöse Selbstbeschäftigung zu Lasten der Partei publik zu machen. Vor dem Hintergrund dieser Beschreibung ist es verständlich, dass sich Ernst dringend die Rückkehr von Oskar Lafontaine in die Parteiführung wünscht. Auch im Vorstand wurde Ernsts Analyse voll akzeptiert. Die Kollegen hätten allesamt gelacht wie seit Monaten nicht mehr.“

15.15 Uhr: Gregor Gysi hat eine Erklärung abgegeben, aber ob das den Ausweg bringt? “Es gibt zwei Möglichkeiten” mit der “sehr schwierigen Lage” umzugehen. “Entweder man trennt sich oder man findet zusammen.” Lafontaine sei “zweifellos ein herausragender deutscher und europäischer Politiker. Auch Dietmar Bartsch ist ein herausragender Politiker, hat aber nicht das gleiche Gewicht.” Und weiter: “Lafontaine müsste auf Dietmar Bartsch zugehen und ihn als Bundesgeschäftsführer vorschlagen und akzeptieren. Und dann müsste Dietmar Bartsch auf Oskar Lafontaine zugehen und ihn als Parteivorsitzenden akzeptieren.” Immerhin sagt Gysi auch das: “Eines geht aber auch nicht länger. Das ständig über zwei Männer geredet wird und nicht über eine Frau.”

15 Uhr: Der parteilose Bundestagsabgeordnete der Linken und Justiziar der Fraktion Wolfgang Neskovic hat Dietmar Bartsch die Rücknahme seiner Kandidatur nahe gelegt: “Mit Bartsch als Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten dürfte der Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag zur ‘Mission Impossible’ werden”, zitiert ihn eine Nachrichtenagentur. Der frühere Bundesgeschäftsführer habe in der Runde am Dienstag nur geringe Unterstützung gefunden und solle daraus “die richtigen Schlüsse ziehen”.

14.30 Uhr: Halina Wawzyniak schreibt in ihrem Blog: “Wir leben in einer demokratischen Partei und da gehört es zur Normalität, dass über unterschiedliche Positionen gestritten wird und es mehrere Kandidaturen geben kann. Ich wünsche mir, dass die Delegierten auf dem Parteitag eine Auswahl haben. Ich wünsche mir, dass es mehr Kandidierende als Plätze gibt. Ich halte nichts von Drohungen mit Spaltung. Es wird auf dem Parteitag gewählt und danach geht das Leben weiter. Am besten sofort mit der Vorbereitung der Bundestagswahl und dem alltäglichen Kampf gegen Krieg, Neoliberalismus, Sozialabbau und Freiheitseinschränkungen.”

14 Uhr: Die Frankfurter Allgemeine berichtet (bisher nicht online) von der Mitarbeiterversammlung im Karl-Liebknecht-Haus am Dienstagmorgen – und von einem “Eklat”. Linkenchef Klaus Ernst habe dort den Angestellten erklärt, “sie verdankten ihre Stellen vor allem Oskar Lafontaine, der während seiner Amtszeit ‘immer im Hintergrund’ gewesen sei, und verdächtigte sie der Illoyalität ihm, Ernst, gegenüber. Am Montag hatte Ernst während einer Pressekonferenz geäußert, viele Bundestagsabgeordnete verdankten ihre Direktmandate Lafontaine.”

11.30 Uhr: Wulf Gallert, Fraktionschef der Linken in Sachsen-Anhalt, verschlägt es die Sprache – jedenfalls fast. Auf Facebook schreibt er: „Klaus Ernst schießt heute den Vogel ab. Er sagt nun , dass Lafontaine in einer Urabstimmung klar die Mehrheit bekommen würde. Er hat die beantragte Urabstimmung dazu massiv verhindert. Die Bundesschiedskommission hat festgestellt, dass dies ein satzungswidriger Beschluss gewesen ist, der die Mitgliederechte in unzulässiger Weise beschnitten hat. Jetzt stellt er sich hin und behauptet, dass O. L. klar eine Mehrheit bekommen würde ( was in so fern stimmen könnte als das O.L. nur kandidiert , wenn außer ihm keiner kandidiert). Das ist eine so bodenlose Frechheit, dass es mir die Sprache verschlägt. Wenn die Partei jetzt kein Stoppzeichen setzt , dann ist die katholische Kirche im Vergleich zu uns eine basisdemokratische Bürgerbewegung.“

11 Uhr: Dietmar Bartsch bleibt bei seiner Kandidatur, warnt aber „vor einer Reduzierung auf Bartsch gegen Lafontaine. Wir brauchen mehr als diese Zuspitzung, die medial vielleicht interessant, für uns aber nicht wichtig ist.” Er wünsche sich “eine kollektive Führung, in der alle an einem Strang ziehen”, sagte er im Sender Phoenix.

10.30 Uhr: Jutta Ditfurth findet es „traurig, was die Linke macht“. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau kritisiert die Ex-Grüne den linken Flügel der Linken von links. Sara Wagenknecht „verklärt den Kapitalismus als soziale Marktwirtschaft und bezieht sich positiv auf Ludwig Erhard. Was da in der Linkspartei radikal genannt wird, stammt also aus ehemaligen Führungskreisen der SPD oder steckt gerade in ganz spezifischen Anpassungsprozessen an die herrschenden Verhältnisse“. Sie habe aber „auch gelernt, dass es die Antriebskraft eines Teils der ‘Reformer’ ist, die Stellung und Reputation wiederzugewinnen, die sie als Oberschichtenkinder in der DDR hatten“.

10 Uhr: Gregor Gysi hat sich nun auch mal zu Wort gemeldet, und es kommt, besieht man sich die Reaktionen im Internet, nicht überall gut an: „Dietmar soll akzeptieren, dass Oskar Vorsitzender wird, und Oskar muss dann akzeptieren und sich sogar wünschen, dass Dietmar Bundesgeschäftsführer wird“, lautet der Ratschlag des Fraktionsvorsitzenden. “Und dann führen sie die Partei zusammen. Gegeneinander bringt das nichts.” Gysi weiß aber wohl selbst, dass sein Wort in Personalfragen nicht mehr allzu weit trägt: Ob sich die Kontrahenten danach richten, sei „sehr zweifelhaft“.

9 Uhr: Die Nachdenkseiten kommentieren die Personaldebatte ebenfalls und glauben, auf die Frage, ob denn Lafontaine nun Bedingungen gestellt habe oder nicht, die richtige Antwort zu haben: “Man kann zur Personaldiskussion bei der Linkspartei stehen, wie man will – gegen besseres Wissen Falschmeldungen zu verbreiten ist einfach schäbig.” Hintergrund: Lafontaine hatte Bedingungen für eine Kandidatur genannt, weitere angebliche Bedingungen wurden in der Presse kolportiert, und eine, sie selbst betreffende, hatte Sahra Wagenknecht dementiert.

8 Uhr: Bodo Ramelow meint, “wir führen im Moment ein Schmierentheater auf, und das finde ich sehr bedauerlich”. Die Art und Weise, wie nun nach einem Parteivorsitzenden gesucht werde, erinnere ihn stark an die “Basta-Politik” des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. “Was nicht geht, ist, dass man erst alles an Basisbeteiligung unterbindet, um uns dann öffentlich zu dekretieren: ihr habt nur diese Wahl und keine andere.“

7 Uhr: Klaus Ernst schätzt die Lage am Tag danach so ein: „Also, wir haben ein Angebot von Oskar Lafontaine, über das ich übrigens sehr dankbar bin, dass er uns in dieser schwierigen Situation noch mal als Parteivorsitzender zur Verfügung steht. (…) Wissen Sie, Oskar Lafontaine hat doch das wirklich gar nicht mehr nötig, dass er irgendetwas wird, der war nämlich schon alles. (…) Im Ergebnis können wir froh sein, dass Oskar Lafontaine noch mal kommt. (…) Wenn wir eine Urabstimmung hätten über diese Frage, würde sie so eindeutig für Oskar Lafontaine ausgehen wie fast keine andere Abstimmung außer vielleicht über unser Programm.“ Den Rest gibt‘s beim Deutschlandfunk.

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Entscheidung vertagt

22 Uhr: Der Ältestenrat der Partei hat sich mit einem Appell an die Parteitagsdelegierten zu Wort gemeldet. Darin wird der Zustand der Linkspartei kritisch bewertet, gerade angesichts der politischen Herausforderungen. Zitiert wird der russische Philosoph und Politiker Georgi Plechanow: “Die Organisation bestimmt zu jeder gegebenen Zeit die Rolle und folglich auch die gesellschaftliche Bedeutung, die talentierten oder talentlosen Persönlichkeiten zufallen können.” Am Ende heißt es,die Linke habe noch “die Chance, mit dem neuen Erfurter Programm einen Wechsel der Politik zu erkämpfen und einen Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse anzustreben. Wenn wir sie heute verspielen, wird es Jahrzehnte dauern, ehe sich eine neue sozialistische Linke formiert”

19 Uhr: Das Ergebnis des viereinhalbstündigen Treffens heißt – es gibt keines. Die Runde aus geschäftsführendem Vorstand der Linken und den Landeschefs im Berliner Karl-Liebknecht-Haus vertagte sich. “Die Debatte wird weiter geführt werden”, sagte Parteichef Klaus Ernst bei einer kurzen Pressekonferenz. Die Basis solle über Regionalkonferenzen einbezogen werden, zum würden sich die Landes- und Bundesspitzen erneut treffen. Es habe eine ‘sehr kulturvolle Debatte’ gegeben und ‘keine in irgendeiner Weise heftigen Auseinandersetzungen”. Es gebe das gemeinsame Ziel, “dass wir zu einer Führung kommen, die miteinander arbeiten kann”. Die Lage sei weiterhin: Dietmar Bartsch hält an seiner Kandidatur fest; Oskar Lafontaine habe seine Bereitschaft erklärt, ebenfalls zu kandidieren. Der Saarländer wolle sich aber “in keiner Weise der Partei aufdrängen”. Sein Angebot sei in der Runde “auf breite Zustimmung gestoßen”. Forderungen Lafontaines habe es keine gegeben, solche Meldungen seien “eine Ente”. Ernst betonte, es könne selbstverständlich noch weitere Kandidaturen geben. Die Entscheidung über die neue Linken-Spitze fällten ohnehin nicht die engere Parteiführung und die Landesvorsitzenden, sondern der Parteitag in Göttingen Anfang Juni. Wie das Neue Deutschland berichtet, gab es nach Teilnehmerangaben aufgrund von Lafontaines Angebot “kontroverse Auseinandersetzungen”.

18.15 Uhr: Zeitungen haben einen Redaktionsschluss, und so kommentiert das Neue Deutschland – aber noch keine Entscheidung: “Mancher Ruf nach der Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Parteispitze klingt ein wenig wie die Hoffnung auf Erlösung. Lafontaine ist unbestritten eine entscheidende Größe für die LINKE mit großen Verdiensten. Aber wenn es stimmen würde, dass nur mit ihm die Wende zum Besseren gelingen könne, dann wäre das ein Armutszeugnis für die gesamte Partei. Es geht nicht um ein Idol, es geht um eine insgesamt arbeitsfähige und überzeugende Parteiführung und um ihr Konzept.”

18 Uhr: Mitten in das Treffen der Spitzenrunde am Dienstag platzt die Nachricht von einem Gegenentwurf zum bereits vor einigen Wochen veröffentlichten Leitantrag an den Göttinger Parteitag. Die Liste der Erstunterzeichner ist lang, der langjähiger Vorsitzende Lothar Bisky ist darunter, Berlins Landeschef Klaus Lederer, viele bekannte ostdeutsche Landespolitiker, auch Bodo Ramelow oder Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Darin heißt es unter anderem: ”Der Sieg einer innerparteilichen Gruppe über eine andere, ist für unsere WählerInnen nicht interessant. Deshalb darf dieser Parteitag die Chance auf einen gemeinsamen Neuanfang nicht verspielen. Unsere Mitglieder sind unser stärkstes Fundament. Übergeben wir ihnen ihre Partei: Wir wollen Mitgliederentscheide, mehr Konferenzen, Anhörungen und offene Debatten. Wir brauchen Transparenz und mehr Demokratie. Wir müssen wieder Fragen zulassen, allein schon weil die Frage immer attraktiver ist, als die Antworten, die in den vergangenen zwei Jahren viel zu oft im Gewand der Parole oder als Dogma daherkamen. Wir schreiten also fragend voran.”

17.45 Uhr: Klaus Ernst wird um 18 Uhr die Medien über den Stand der Beratungen informieren – es wird allerdings ein Zwischenfazit sein. „Die Beratungen sollen danach fortgesetzt werden“, heißt es.

17.30 Uhr: Dagmar Enkelmann, erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag, sieht die Krise der Linken “als sehr, sehr ernst” an. Lafontaine “wäre jetzt der falsche Mann an der Spitze, wenn es gilt, den existierenden Richtungsstreit zu beenden“, sagte sie der Märkischen Oderzeitung. Enkelmann zählt den Saarländer, Sahra Wagenknecht und Klaus Ernst “zu einer Strömung, die die Linke von allen anderen Parteien abgrenzen will und die keine Annäherung an die SPD zulässt”. Dietmar Bartsch sei dagegen ein geeigneter Kandidat, um als Vorsitzende den Richtungsstreit in der Linkspartei zu einem positiven Ende zu führen, berichtet das Blatt vorab.

16 Uhr: Laut Financial Times hat die Vizechefin der Linken, Katja Kipping, der Parteiführung ein Ultimatum gestellt. “Wir erwarten bis heute Abend, spätestens morgen früh eine konsensuale Lösung. Sonst wird es eine dritte Lösung geben”, sagte sie dem Blatt – allerdings nicht, wie diese dritte Lösung aussehen soll. „Aus Parteikreisen hieß es jedoch, dass dann zwei Frauen für den Parteivorsitz kandidieren könnten“, schreibt die ftd weiter. Darunter die Spitzenkandidatin aus Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen. „Das Modell wollen mehrere Frauen in der Partei vorantreiben, sollten sich die beiden konkurrierenden Männer nicht einigen.“

15.45 Uhr: Das ist zwar eine deutliche Ansage, bringt aber auch keine Klarheit: Linksfraktionschef Gregor Gysi hat keine Ambitionen, Parteivorsitzender zu werden, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. “Das findet nicht statt. Was ich mache, reicht mir. Mehr muss nicht sein.” Zuvor hatte Thüringens Landeschef Knut Korschewsky Gysi für den Fall ins Gespräch, dass zwischen Lafontaine und Bartsch keine Lösung gefunden wird.

15 Uhr: Linkenvize Katja Kipping hält es für möglich, dass sowohl Lafontaine als auch Bartsch als Verlierer aus dem Führungsstreit hervorgehen. Wenn sich die beiden nicht einig würden, werde auch darüber nachgedacht, ganz bewusst auf einen Neuanfang mit jüngeren Leuten zu setzen, sagte Kipping einem Radiosender. In der Linken gebe es viele jüngere Leute, die geeignet wären. Was die Positionen angeht, lägen Bartsch und Lafontaine nicht so weit auseinander wie häufig behauptet werde. Außerdem habe die Partei keine Lust auf diese Art des Konflikts: Viele sagten, sie hätten keine Lust sich auf eine Seite zu schlagen, “wenn beide wie ein D-Zug aufeinander zurasen”.

14.30 Uhr: Joachim Bischoff, Richard Detje und Bernhard Sander schreiben im Sozialismus: „Ein politisches ‘Weiter so!’ wird sich die Linkspartei nicht mehr leisten können. Die innerparteilichen Weichen sind so gestellt, dass in wenigen Wochen eine neue Parteiführung gewählt werden kann. Vermutlich wird es schwierig, über der Personalfrage auch eine Verständigung über die anhaltende Krise und über eine strategische Konzeption zu erreichen. Es wäre viel gewonnen, wenn eine erneuerte politische Führung den inhaltlichen und organisatorischen Neuaufbau angehen könnte. Eine handlungsfähige, erneuerte Partei auf Bundesebene und im Bundestag ist gewiss unverzichtbar; aber seit dem Einzug in das Bundesparlament 2005 geht es auch um die Frage, ob die Fraktion einen quicklebendigen Unterbau bekommt.“

14.15 Uhr: Jetzt kommen Eilmeldungen über den Ticker: “Im Machtkampf bei der Linken schließt der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch aus”, berichtet dpa. “Es ist klar, dass eine Kampfkandidatur ausscheidet”, wird der Saarländer zitiert. “Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere.”

13.30 Uhr: Wie die Welt berichtet, hat Matthias Höhn, Landeschef der Linken in Sachsen-Anhalt, auf dem Treffen der Landesvorsitzenden am Montag erklärt, als Bundesgeschäftsführer der Partei kandidieren zu wollen. “Der 36-Jährige zählt zum Lager der Reformer, gilt aber als Moderator zwischen den Flügeln”, schreibt die Zeitung. “So handelte er unter anderem den Programmkompromiss aus, der im vergangenen Jahr in Erfurt verabschiedet. Im Fall seiner Wahl würde Höhn die bisherigen Bundesgeschäftsführer Caren Lay und Werner Dreibus ablösen.”

11.30 Uhr: Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko auf Facebbook: “Das gezielt gestreute Gerücht, Lafontaine stelle für den Parteivorsitz den Fraktionsvorsitz von Sahra Wagenknecht zur Bedingung, ist eine gezielte Falschmeldung, die darauf abzielt beide zu beschädigen. Dieses Zusammenspiel von bestimmten Teilen der Medien mit bestimmten Parteikreisen, das ich seit Jahren beobachte, ist einer der Hauptgründe für den Niedergang der in Deutschland dringend notwendigen Linken.“

10.45 Uhr: Die Emanzipatorische Linke hat bereits vor einigen Tagen ein Angebot für die innerparteiliche Debatte beschlossen, das – nun veröffentlicht – ein noch aktuellerer Beitrag zur Personaldiskussion ist. Darin heißt es unter anderem: „Die Veränderung der Organisationskultur der Linken ist nötig. Die Satzung der Linken hält einige mehr Möglichkeiten der Beteiligung als bei den meisten anderen Parteien bereit, auch wenn dies noch nicht ausreicht. Diese werden, wie die letzten Monate gezeigt haben, von machtpolitischen Blockierungen überlagert. Damit wird die glaubwürdige Beschäftigung mit gesellschaftlichen Problemen erschwert.“

9.15 Uhr: Petra Pau fragt “Kurs halten?” und meint, “die Personal- und Kulturdebatte ersetzt nicht die eigentliche Frage: Mit welcher politischen Erzählung will die Linke wieder Zuspruch und Zukunft gewinnen? Versprochen war eine ‘neue soziale Idee’. Seit Jahren! Das neoliberale Dilemma beschreiben wir richtig. Aber unsere Antworten heißen eher Zurück als Aufbruch ins 21. Jahrhundert.”

9 Uhr: Sahra Wagenknecht hat es als „haltlose Falschmeldungen“ zurückgewiesen, dass Oskar Lafontaine Bedingungen für eine Kandidatur als Linkenvorsitzender gestellt habe. “Es gibt keine Bedingung, dass ich irgendetwas in der Partei werden soll, es gibt überhaupt keine Bedingungen”, sagte sie im ZDF.

8.45 Uhr: Die hessische Linksfraktions-Vorsitzende Janine Wissler „würde es begrüßen, wenn Oskar Lafontaine auch auf der Bundesebene wieder eine größere Rolle spielen würde”. Dem Hessischen Rundfunk sagte sie aber auch: “Ich glaube, dass man sich nicht der Illusion hingeben darf, dass damit alle Probleme der Linken gelöst sind.“

8.30 Uhr: In einem gemeinsamen Beitrag in der Jungen Welt skizzieren Wolfgang Gehrcke, Diether Dehm, Harald Werner, Christiane Reymann und Kurt Neumann den Rahmen einer ihrer Meinung nach „notwendigen Re-Politisierung“ der Linken: „Machtpolitisch scheint Die Linke derzeit zwischen allen Stühlen zu sitzen. SPD und Grüne brauchen sie nicht, Schnittmengen und Gemeinsamkeiten sind gering. Auch der Protest gegen die Etablierten geht teilweise an der Linken vorbei, und viele Wählerinnen und Wähler der Partei bleiben bei den Wahlen zuhaus. Erfolg stimuliert Erfolg, und Mißerfolge sind nicht besonders motivierend“, heißt es darin unter andere. „Selbst die pressegestützte Debatte über die Personalpolitik in der Linken ist ungelenk und nicht inspirierend. Die Linke muss beweisen, dass sie noch immer fähig ist, das auszusprechen, was ist. Ihr Nutzen erweist sich derzeit nicht in der Beteuerung ihrer Regierungsbereitschaft, sondern in fundierter Kritik bestehender Regierungen. Sie kann den gesellschaftlichen Protest allein weder anstoßen noch zur gesellschaftlichen Opposition formen oder gar lenken. Aber sie kann ihm Ideen und eine Stimme geben. Das ist nicht viel, aber das Wenige ist bedeutsam, es kann und muss ausgebaut werden.

8.15 Uhr: Im Deutschlandfunk sieht Steffen Bockhahn, Linkenschef von Mecklenburg-Vorpommern, die Lage so: Er „glaube übrigens nicht, dass die Spaltung unbedingt in Ost und West läuft, sondern dass es da unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Ideen von Parteiverständnis gibt. Und das zieht sich im Übrigen durch alle Bundesländer und alle Himmelsrichtungen. Und die Frage, wie sich das wieder zusammenbringen lässt, das ist genau die Frage, die vorm neuen Vorstand steht. Und deswegen wird es so wichtig sein, nicht den Fehler von vor zwei Jahren zu wiederholen und zu glauben, wenn man alle Positionen doppelt besetzt und jedem sein Pöstchen oder Pläsierchen gibt, würde sich das alles regeln – der Gegenbeweis ist traurig erbracht“.

8 Uhr: Mit einem Aufruf wollen Bodo Ramelow und Thomas Händel „Die Einheit wahren“. Als Gründungsmitglieder der Linken rufen appellieren sie „eindringlich an die Führungsmitglieder der Partei, das Projekt einer pluralen Linken zu sichern“. Dazu gehörten alle Anstrengungen, „zu einem kollektiven Führungsteam zu kommen, das die historische Gründung der deutschen Linken als eine gesamtdeutsche Partei auch in der Zukunft stark macht“, wie es Ramelow formuliert. Konkret: Beide votieren für eine Aufstellung, in der die wichtige und herausgehobene Stellung von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi durch die Übernahme der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2013 unterstrichen werde. Beide schlagen für die künftige Parteispitze Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch vor. „Damit wären die unterschiedlichen Wurzeln und Zugänge der noch jungen Partei bestens und lichtstark repräsentiert“, sagt Händel .

7.45 Uhr: Der TV-Sender PHOENIX überträgt ab 18 Uhr live aus Berlin die Pressekonferenz des saarländischen Linke-Fraktionschefs Oskar Lafontaine zu seiner politischen Zukunft. Diese Meldung wurde inzwischen von der Linkspartei dementiert.

7.30 Uhr: Berlins Linkenchef Klaus Lederer fürchtet in der Berliner Zeitung: “Mit einer Heilsbringerfigur an der Spitze bekommt die Linkspartei nichts geregelt” und hat sich gegen Bedingungen in der Personalfrage gewandt. Die Partei brauche ein offenes Diskussionsklima, um Wege aus der derzeitigen Situation zu finden: “Denn die Wähler merken, wenn wir in der Partei nicht miteinander können, und trauen uns dann nicht zu, dass wir wichtige gesellschaftliche Fragen lösen.”

7.15 Uhr: Jörg Schindler sieht in der Berliner Zeitung ein Dilemma: Nach Lage der Dinge sei Lafontaine “der Einzige, der die darbende Partei kurzfristig wiederbeleben könnte. Er hat den Machtwillen, den Intellekt, die Chuzpe dazu. In den 16 Monaten bis zur nächsten Bundestagswahl würde Lafontaine vieles wieder aufbauen, was seine glück- und ideenlosen Vorgänger eingerissen haben. Die gesamtdeutsche Linke, der im Westen gerade der Mörtel ausgeht, dürfte wieder auf ein stabiles Haus hoffen. Kurzfristig. Und langfristig? Wäre kein Problem gelöst.”

7 Uhr: Die Junge Welt sieht die Alternative „Oskar oder Osten“ und lässt Unterstützer von Lafontaine zu Wort kommen, besser gesagt Gegner von Bartsch: Sevim Dagdelen wird mit den Worten zitiert, Bartsch habe bewiesen, dass er „weder kooperativ noch integrativ“, Tobias Pflüger sagte dem Blatt, die Antikapitalistische Linke halte die Rückkehr Lafontaines dringend vonnöten, Bartsch käme hingegen für „kein administratives Amt in der Führung in Frage“.

6.45 Uhr: Im Neuen Deutschland schreibt wh: “Wäre es eigentlich schlimm, wenn sich für den Linke-Vorsitz zwei Kandidaten bewerben? Wäre es schlimm, wenn diese Kandidaten in öffentlicher, für Parteibasis und interessiertes Publikum erlebbarer Debatte für ihre Konzepte kämpfen? Nein, es wäre nicht schlimm – es wäre eine Selbstverständlichkeit für eine Partei, die sich mehr und direkte Demokratie auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die Linke demonstriert gerade das Gegenteil.” Auf taz.de kommentiert tos die Lage: “Hier liegt der eigentliche Knackpunkt der Linken: Angetreten, sozialen Themen in Zeiten ihrer rot-grünen Vernachlässigung eine Stimme zu geben, sind die meisten Probleme noch da – nur die Linke droht langsam zu verschwinden. Gibt es Rettung? Niemand in der Linkspartei sollte sich Hoffnungen machen, dass irgendeine starke Figur allein sie aus der Krise führen kann. Dazu ist mehr nötig als bloß ein personeller Wechsel an der Spitze – vor allem Selbstbeschäftigung.”

6.30 Uhr: Ganz klar, wer hier nun was von wem verlangt, hat auch die Nacht nicht gebracht – die Zeitungen haben allerlei Informationen aus ungenannten Quellen, doch wirklich sicher ist nichts. Angeblich will Lafontaine Sahra Wagenknecht neben Gysi als gleichberechtigte Fraktionschefin durchsetzen, wenn er Parteichef wird – dies lehnt Gysi Berichten zufolge ab. Dietmar Bartsch könne in dieser Konstellation nur stellvertretender Vorsitzender werden. Uli Maurer solle möglicherweise als Bundesgeschäftsführer antreten, Heinz Bierbaum Schatzmeister werden. Außerdem heißt es, die Führungsfrage solle mit der Entscheidung über die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 verknüpft werden. In der Saarbrücker Zeitung wird Lafontaine mit den Worten zitiert, dass der künftige Vorsitzende die Partei auch als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl im kommenden Jahr führt: „Ich bin der Meinung, dass das nicht voneinander zu trennen ist.“

6.15 Uhr: Oskar Lafontaine hat mit der Süddeutschen gesprochen und dabei ging es auch um die inzwischen viel zitierten „Bedingungen“, die der Saarländer angeblich gestellt habe: „Ich gehe noch einmal in die Verantwortung, wenn die Partei mich wirklich will und wenn das personelle Umfeld stimmt.“ Damit meint er offenbar, interpretiert die Zeitung diese Worte, „dass Dietmar Bartsch, der seine Kandidatur für den Vorsitz erklärt hat, vorläufig darauf verzichtet“.

6 Uhr: Wolfgang Thierse will auch mal wieder etwas sagen: Angesichts einer möglichen Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Linken-Spitze müssten sich „die ostdeutschen Granden der Linkspartei veräppelt fühlen“, sagte der Sozialdemokrat dem Tagesspiegel. Der Saarländer stelle sich gegen ostdeutsche Reformer und damit den „erfolgreichen Flügel“ der Partei. Das Verhältnis von Linken und SPD werde stärker als bisher belastet werde, wenn Lafontaine sich die Linkspartei wieder unter den Nagel reißt“.

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Erlöser, Provinzpolitiker

Die Linken-Spitze hat sich, heißt es in Meldungen, am Samstag „in großer Einmütigkeit“ darauf verständigt, „alle Kraft auf die anstehenden Wahlkämpfe zu setzen“. Das gilt aber offenbar nur eingeschränkt, jedenfalls geht die Debatte weiter. Die Nachrichtenagentur dapd schreibt: „Dennoch beharkten sich am Wochenende führende Linke-Politiker über die Medien.“ In der Süddeutschen heißt es nüchterner, „vor allem Landespolitiker wehrten sich“ gegen eine Verschiebung der anstehenden Personalentscheidungen. „Sie versprechen sich davon mehr Erfolg bei den anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.“ Die Junge Welt hat die Meldung auf ihre Weise aufgepimpt: „Nichtsdestoweniger bemühten sich einige Provinzpolitiker, sich am Wochenende mit personalpolitischen Bemerkungen in Zeitungsinterviews zu profilieren.“ Was wiederum andere Politiker der Linken zu spitzen Bemerkungen veranlasst – womit die Debatte immer schön am Laufen gehalten wird. Mecklenburg-Vorpommerns Landeschef Steffen Bockhahn etwa hatte mit Blick auf Oskar Lafontaine erklärt, die Linke müsse „dafür sorgen, dass sie eigenständig agiert und nicht darauf wartet, was einer sagt“. Die Partei brauche „keinen Erlöser“ und solle „jetzt schon an übermorgen denken“, das heißt, sich „auf etwas jüngere Leute konzentrieren“. Fraktionvize Ulrich Maurer antwortete prompt in der Ostsee-Zeitung: Bockhahn, zitiert ihn das Blatt, „sollte sich auf seine Aufgaben als Verwaltungsrat der Ostseesparkasse konzentrieren“. (vk)

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