Potsdam

Über die Presse

Der parteilose Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic hat die Politik der Linken in der rot-roten Landesregierung von Brandenburg kritisiert – in einem langen Gastbeitrag für die Potsdamer Neuesten Nachrichten. Der Fraktionschef der Linken, Christian Görke, wies die Kritik zurück. Neskovic zeichne ein „einseitiges Bild“ der rot-roten Regierungsarbeit, zitiert ihn eine Nachrichtenagentur. „Das ist schade für ihn und schade für uns.“ Die Kreisvorsitzenden von Barnim und Potsdam, Sebastian Walter und Sascha Krämer, haben sich auch zu Wort gemeldet – mit dem Appell, miteinander statt übereinander zu reden.

„Es bedarf manchmal den Anstoß von außen. Aber es sollte sich dabei nicht der Eindruck aufdrängen – so wie jetzt, dass kraftvoll über die Medien kommuniziert und der interner Prozess dabei total vernachlässigt wird“, schreiben die beiden. „Medienkommunikation ohne Binnenkommunikation ist eben in politischen Parteien schwierig.“ Neskovic solle „aufhören, sich außerhalb der Partei zu stellen und immer wieder seine Sorgen über die Presse zu äußern. Er darf auch keine Falschbehauptungen in die Welt setzen.“ Man habe Erfolge, die nicht weggeredet werden könnten und wolle „dieses Land gestalten und nicht nur verwalten“.

Dazu brauche man auch die Unterstützung von Neskovic. Denn die von dem Parteilosen aufgeworfenen Fragen seien „zu wichtig, um nicht diskutiert zu werden“. Man würde sich freuen, so Walter und Krämer, wenn Neskovic am kommenden Wochenende zum Landesparteitag der Linken komme und sich „verstärkt in die innerparteiliche Debatte“ einbringe. (tos)

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Klausur in Potsdam

Die Brandenburger Linksfraktion geht am Montag in Klausur und es sind nicht zuletzt zwei Personalien, welche den Landesverband zurzeit ein wenig durchschütteln: erst der Rückzug Kerstin Kaisers von der Fraktionsspitze, dann der Verzicht von Dagmar Enkelmann auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl. Die Parlamentarische Geschäftsführerin hat ihren Schritt unter anderem mit politischen Differenzen begründet, sie könne zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass eine rot-rote Landesregierung die Lebensarbeitszeit von Polizisten verlängere, so Enkelmann gegenüber der Märkischen Oderzeitung. Nun berichten die Potsdamer Neuesten Nachrichten, dass die Linksfraktion eben dies verhindern wolle. „Mit der Polizeireform wurden den Beschäftigten bereits erhebliche Belastungen zugemutet“, zitiert das Blatt auch einem Fraktionspapier. Die Linksfraktion wolle eine „politisch elegante“ Kompromisslösung durchsetzen, wonach die Lebensarbeitszeit zwar verlängert wird, allerdings nur auf freiwilliger Basis. (vk)

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Kaiser tritt nicht mehr an

Für einige wird es keine Überraschung gewesen sein: Kerstin Kaiser zieht sich vom Vorsitz der Brandenburger Linksfraktion zurück. Sie werde nicht erneut bei der für kommende Woche geplanten Vorstandswahl antreten, teilte Parlamentsgeschäftsführer Christian Görke in Potsdam mit – eine Begründung gab es dafür zunächst nicht. In einer dürren Erklärung der Fraktion hieß es lediglich, die „Entscheidung bedeutet keinen politischen Kurswechsel“. Man wolle in einer Klausur „alles, was damit zusammenhängt“ beraten und bis dahin „keine weiteren Erklärungen“ abgeben. Görke informierte allerdings noch, dass Kaiser ihm, dem Nachfolge-Kandidaten, vertraue. Für den Job als Parlamentarischer Geschäftsführer bewirbt sich der Linken-Abgeordnete Thomas Domres.

Im Internet stieß die Nachricht auf ein eher kritisches Echo, auf Facebook war sogar von einem “Putsch” die Rede. Andere Linke machten darauf aufmerksam, dass in der Brandenburger Partei nun nahezu alle Spitzenposten von Mämmern besetzt würden. Aus der Fraktion kamen freilich auch andere Stimmen. Es habe eine offene Auswertung der bisherigen Arbeit im Fraktionsvorstand gegeben und im Ergebnis habe Kaiser sich persönlich entschieden, nicht wieder anzutreten. Die Nachrichtenagentur dpa schreibt, der Rückhalt Kaisers „im Volk, aber auch in den eigenen Reihen war nie besonders groß. Es bleibt die Frage nach den Folgen für die rot-rote Koalition“. Die 52-Jährige stand sieben Jahre an der Spitze der Fraktion der Linken und zuvor der PDS. Die Märkische Oderzeitung berichtete noch vor Bekanntwerden von Kaisers Rückzug, es habe „immer wieder“ Kritik an ihrer Arbeit gegeben. „Ihre Wahlergebnisse waren nie überragend. (…) Kaiser wird vorgeworfen, die Fraktion nicht zu führen, keine Schwerpunkte zu setzen.”

Die Linkspartei hat in der rot-roten Koalition bisher wenig Anerkennung gewinnen können. Im November 2011 hatte eine eigens in Auftrag gegebene Studie den Genossen attestiert, es seien „keine Themen zu erkennen, mit denen die Linke die Öffentlichkeit besetzt, wo Veränderung zielgerichtet angestrebt wird“. Im März hatte die Linksfraktion auf einer Klausur die Weichen für eine Neujustierung in der zweiten Halbzeit der Legislatur gestellt – es sollten nun stärker die Themen Wirtschaft und Arbeit sowie gesundheitliche Versorgung ins Zentrum rücken. Damit, hieß es seinerzeit, sollten auch die „Anlaufschwierigkeiten“ als Regierungspartei überwunden werden.

Koalitionspartner und Opposition reagierten unterschiedlich auf die Nachricht von Kaisers Rückzug. Der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten wird mit den Worten zitiert, er habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass es weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geben werde. CDU-Fraktionsvize Dieter Dombrowski nannte angesichts von Kaisers Entscheidung die gesamte rot-rote „Koalition gescheitert, weil ja alle großen Projekte, die angekündigt waren im Koalitionsvertrag, allesamt nicht umgesetzt werden konnten“. Für die Liberalen erklärte deren Fraktionschef Andreas Büttner, der Schritt zeige, dass die Linken inhaltlich wie personell zerstritten und damit „nicht regierungsfähig“ seien. Die Grünen sahen am Dienstag einen Zusammenhang mit der MfS-Biografie von Kaiser. Ihr Fraktionsvorsitzender Axel Vogel wird mit den Worten zitiert, es bleibe “abzuwarten, ob es sich hier um einen einmaligen Vorgang handelt oder ob Kerstin Kaisers Rückzug in der brandenburgischen Linken Schule macht”. (tos, Foto: Linksfraktion, CC BY 2.0)

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Loehr im Landtag

Nach dem Tod der Brandenburger Abgeordneten Irene Wolff-Molorciuc rückt Matthias Loehr für die Linke in den Landtag nach. Der 35-Jährige saß dort bereits ab 2008 als Nachrücker – seinerzeit für den ausgeschiedenen Stefan Sarrach. Loehr war Büroleiter des früheren Landeschefs Thomas, hatte zuvor für den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic gearbeitet und sitzt seit Ende 2011 dem Lausitzer Kreisverband der Linkspartei vor. Im Juni war der IT-Systemkaufmann Wahlkampfleiter der Brandenburger Linken geworden – den Job will Loehr behalten, allerdings hat er gegenüber dem Neuen Deutschland klargestellt, dies nun ehrenamtlich zu tun. Die Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser begrüßte den Neuen herzlich. Welche Aufgaben und Funktionen Loehr im Landtag übernehmen wird, solle in den kommenden Wochen geklärt werden. (vk)

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[LiMA] Stadt der Ströme // vom 12.-14. Juli 2012 im Hans Otto Theater in Potsdam

Stadt der Ströme

Stadt der Ströme

Die Globalisierung und Digitalisierung verändert die Wahrnehmung und Aneignung städtischen Lebens tiefgreifend. Was heißt das für das Zusammenleben der Menschen, für die Gestaltung von städtischer Infrastruktur und Architektur, die Sozialräume, die Verantwortlichkeiten für Menschen, die nicht nur jung, dynamisch, flexibel und gesund sind?  Wie wird das Verhältnis von Distanz und Nähe, Verantwortung und Unverbindlichkeit neu justiert?

An drei Tagen werden fünf Themenbereiche durch Vorträge, Kommentare und Diskussionen bearbeitet.

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Einsortiert unter:Termine Tagged: Aedas, Birgit-Katharine Seemann, Christian Derix, Columbia University, Fabian Kessl, Fachbereich, Fachhochschule Rotterdam, Hans-Christoph Hobohm, Hermann Voesgen, Innovationskolleg "Stadtklima Potsdam", Jutta M. Bott, Künstlergruppe Spacewalk, Knud Schulz, Kultur und Museum, Landeshauptstadt Potsdam, LiMA, Linke Medienakademie, London, Markus Kissling, Michal Migurski, New York, Peter Conradie, Potsdam, RES PUBLICA, San Francisco, Saskia Sassen, Stamen Design, Stat der Ströme, Stefan M. Seydel, Tina Piazzi, Universität Essen-Duisburg, Urban Mediaspace Aarhus

Verfassungsfragen

Immer wieder einmal wird die Linke als verfassungsfeindlich hingestellt, der Nachrichtendienst beobachtet die Partei, die CSU gefällt sich in populistischen Verbotsforderungen. Dabei schützt das Grundgesetz weder die real existierenden kapitalistischen Verhältnisse noch sind die darin gefassten Ideen schon vollkommen verwirklicht. Die Linke sieht sich gewissermaßen als Partei der Vollendung der Verfassung – wie dieser Tage in Potsdam anlässlich 63 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre Brandenburger Landesverfassung.

Letztere wurde im April 1992 als erste von einem ostdeutschen Landtag beschlossen, sie trat im August 1992 nach einem Volksentscheid in Kraft. Brandenburg war seinerzeit das einzige Bundesland, in dem sich die damalige PDS als verfassungsgebende Kraft gleichberechtigt einbringen konnte. Für Kerstin Kaiser, Linskfraktionschefin in Brandenburg, liegt darin auch einer der Vorzüge, da „nicht nur Erfahrungen aus 40 Jahren ,alter‘ Bundesrepublik eingeflossen sind, sondern auch Forderungen und Ziele, die im Herbst 1989 von Bürgerinnen und Bürgern der DDR in Auseinandersetzung mit der staatssozialistischen Praxis formuliert worden waren“.

Eine Frage der Verfassung – hier
Das Grundgesetz und das Sozialstaatsgebot- hier
Jubiläumszug nach Leipzig – hier

Hierin liegt so etwas wie die offene verfassungspolitische Wunde der Bundesrepublik. Die historische Gelegenheit, die Wiedervereinigung für eine neue Verfassung zu nutzen und dabei auch auf die Diskussion des Runden Tisches der DDR zurückzugreifen, ist seinerzeit ausgeschlagen worden. Die Tagung mit dem etwas sperrigen Namen „Konferenz zu Gesetz und Gesellschaft“, die von den Linksfraktionen in Brandenburg, Hessen und des Bundestags veranstaltet wurde, hatte sich neben anderen auch diese rückblickende Fragen gestellt: „Wie steht es um das Grundgesetz heute? Bleibt es ein ewiges Provisorium?“ In einer „Potsdamer Erklärung“ haben die Teilnehmer der Tagung die Meinung vertreten, „dass die Zeit reif ist, den Artikel 146 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zu verwirklichen.“

Begründet wird dies so: „Zahlreiche Fragen lässt das Grundgesetz unberücksichtigt, die bereits in den Länderverfassungen, die unter demokratischer Beteiligung der Bevölkerung verabschiedet wurden, enthalten sind. Zu den offenen Fragen gehören insbesondere: die Aufnahme sozialer Grundrechte und die Konkretisierung des Sozialstaatsprinzips; ein striktes Verbot der Privatisierung im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge; das Verfahren der Volksgesetzgebung; die Festlegung der Bundesrepublik auf die Friedensstaatlichkeit; keine Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland; Antifaschismusklausel; die Aufnahme von Kinderrechten; ein striktes Verbot des Betriebes von Atomkraftwerken.“

Die Redebeiträge der Konferenz sollen in den kommenden Tagen auf der Website der Bundestagsabgeordneten Luc Jochimsen veröffentlicht werden. (vk)

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Schoch ohne Mehrheit?

Offenbar hat Brandenburgs Linke Probleme, ihren Vorschlag für die Nachbesetzung des Landesverfassungsgericht im Landtag durchzubringen. Wie die Märkischen Oderzeitung berichtet, hat die Potsdamer Schriftstellerin Julia Schoch bei der Vorstellung in den Fraktionen von CDU, FDP und Grünen nicht überzeugen können. Alle drei Oppositionsparteien hätten signalisierten, die Kandidatin der Linken nicht zu wählen. Rot-Rot braucht die Wahl eine Zweidrittelmehrheit. Das Blatt schreibt weiter, „eine Anhörung der Schriftstellerin im Hauptausschuss musste vergangene Woche ausfallen, da die Potsdamerin an diesem Tag ein Kind bekam“. Schoch wurde 1974 in Bad Saarow geboren und lebt heute als freiberufliche Autorin und Übersetzerin. Von 2000 bis 2003 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für französische Literatur an der Universität Potsdam. (vk)

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K/eine Diskussion

Seit Anfang November 2010 konnte hier über linke Regierungspolitik, die Schwierigkeiten und Chancen von Koalitionsbeteiligungen, über rot-rote und rot-rot-grüne Politikmodelle diskutiert werden – jetzt macht der frühere Brandenburger Landtagsabgeordnete Andreas Trunschke das Blog „Linke in Regierungen“ dicht. „Zu keinem Zeitpunkt“, heißt es in seiner Schlussbemerkung, habe es die erhoffte Mitwirkung aus der Partei gegeben, „der Blog blieb ein Fremdkörper bei den Funktionsträgern“. Trunschke, der über zehn Jahre für die PDS und später die Linke im Potsdamer Landtag saß und Ende 2011 aus der Linken ausgetreten ist, hat die Plattform als “eine kleine Störung im Getriebe der Linken” gesehen – 130.000 Besucher wollten seit dem ersten Post lesen und mitdiskutieren.

Einmal abgesehen von der Frage der Finanzierung, welche die Rosa-Luxemburg-Stiftung nicht mehr leisten konnte, oder anders gesprochen: die ihre nach der Landtagswahl 2009 kleiner gewordenen finanziellen Spielräume nicht mehr für dieses Projekt nutzen wollte, geht es hier wohl um grundlegende Dinge: um das Verhältnis der Linken zum Internet als Raum demokratischer Auseinandersetzung mit anderen und sich selbst. Andreas Trunschke hat dazu in seiner letzten Bemerkung einiges gesagt. Auf den Seiten der Brandenburger Linken gebe es keine Möglichkeit, über Kommentarfunktionen zu debattieren; soziale Netzwerke würden mit Presseerklärungen bespielt wie klassische Nachrichtenkanäle. Der derzeit laufende Umbau der Website der Linksfraktion im Landtag hätte seiner Meinung nach besser nach einer vorherigen öffentlichen Debatte über Konzept der Partei und Erwartungen der Nutzer stattgefunden.

Die Kritik Trunschkes fand den Weg in die Potsdamer Neuesten Nachrichten (hier und hier), was immerhin dazu führte, dass die Frage, wie es die Linkspartei mit dem Internet nicht nur als Verbreitungsmedium, sondern als Mittel der Politik und der Auseinandersetzung hält, öffentlich ein paar Wellen schlägt, wie es die Zeitung nicht ganz uneigennützig selbst formuliert. Lothar Schröter, Vorstand der Stiftung in Brandenburg, hat in einem Kommentar zur Schlussbemerkung vor „Fehldeutungen“ gewarnt und meint, es wäre „angeraten gewesen, keinen Anlass dafür zu liefern“, dass die Potsdamer Neuesten Nachrichten aus der Schließung des Blogs eine mediale Konfliktkiste zimmern. Besser lässt sich das Problem kaum illustrieren: Natürlich ist es so, dass eine Partei, die eine offene Diskussion im Netz nicht nur zulässt, sondern vielleicht sogar fördert, Kontrolle über das abgibt, was dann dort formuliert wird. In Zeiten, in denen Medien sich mehr für Konflikte, Personalien usw. interessieren als zum Beispiel für differenzierte Fragen gesellschaftlicher Transformation, beeinflusst das womöglich auch das Partei-Bild in den „alten Medien“. Eine „faire Berichterstattung“, die Lothar Schröder vorschwebt, wird die Linke aber auch nicht dadurch befördern, dass sie ihre Meinungsverschiedenheiten, ihre inhaltlichen und strategischen Differenzen, nur noch intern austrägt, nur damit andere keine falschen Schlüsse ziehen.

Eine Reihe von Landespolitikern zeigte sich enttäuscht von der Schließung des Blogs und bestätigte die Kritik Trunschkes. Andere verwiesen auf Versuche, intern für mehr offene Debatten zu werben – bei denen sie aber abgeblitzt seien. Aus der Partei heraus wird nun auch davor gewarnt, das Internet als Allheilmittel mit Erwartungen zu überfrachten; außerdem bedeute jede Möglichkeit zur offenen Debatte auch zusätzliche Verantwortung für die Betreiber etwa für die Moderation – und hier stößt die Linke dann offenbar schnell an Kapazitätsprobleme. Die Frage wird im Zuge der Diskussion über den Entwurf einer neuen Netzpräsenz eine Rolle spielen, die am 24. April vorgestellt wird. Und auch im Zuge der Parteireform steht die Frage einer intensiveren, offeneren Internet-Nutzung auf der Agenda.

„Was bringen Gruppen und Fanpages auf Facebook, was Blogs, Twitter und Co.? Wie können mehr Mitsprache und mehr Mitbestimmung organisiert werden?“ Vielleicht hat Andreas Trunschke der Diskussion über solche Fragen ausgerechnet mit der Ankündigung einen kleinen Anstoß gegeben, den Blog „Linke in Regierungen“ zu zu schließen. Am Dienstagabend jedenfalls diskutiert er mit dem Potsdamer Kreisvorsitzenden Sascha Krämer und Kreisvorstand Moritz Kirchner: Zwischen Infostand und Facebook. Für die Linke wie für andere Parteien ist das immer noch eher eine Frage als eine Ortsbezeichnung. Und jeder weitere Umfrageerfolg der Piraten ist wie der sprichwörtliche Finger in der Wunde der politischen Kommunikation einer linken Partei im Internetzeitalter. (tos)

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Potsdamer Halbzeit

Die rot-rote Regierung in Brandenburg gehört zu den demoskopisch ziemlich gut beobachteten Koalitionen. Neben den von SPD und Linken selbst in Auftrag gegebenen Studien über die Akzeptanz der eigenen Politik und die Interessen der Brandenburger es einen monatlichen Landestrend von infratest – und in dem liegt Rot-Rot zur Halbzeit der Legislaturperiode gar nicht so schlecht. Nun muss man die Aussagekraft von Umfragen nicht überhöhen, die neuen Zahlen allerdings geben ein Bild, über das sich diskutieren lässt. Rot-Rot hat zugelegt, die Linke gewann erstmals seit zwei Jahren im BrandenburgTrend dazu und liegt nun, auch das gab es lange nicht, wieder vor der CDU. Für die Märkischen Genossen, die zuletzt so selbstkritisch wie auch ein wenig ratlos auf die sinkende Zustimmung schauten, dürfte das eine kleine Erleichterung sein. Grund zur Zufriedenheit ist es nicht.

Die Zufriedenheit mit der rot-roten Koalition ist zwar deutlich gestiegen, im Vergleich zum Dezember 2011 stieg das Ansehen um 11 Prozent, die Potsdamer Regierung wird erstmals seit den Wahlen im Herbst 2009 mehrheitlich positiv bewertet. Aber: „Die positive Regierungsbilanz basiert insbesondere auf der Zustimmung zur Arbeit der Sozialdemokraten“, so formuliert es der RBB. Die SPD überzeugt dabei sowohl die eigenen Anhängern als auch knappe Mehrheiten der Wähler von Grünen und Linken, sogar unter CDU-Anhängern wird die SPD knapp mehrheitlich wohlwollend gesehen. Anders bei der Linken: Deren Halbzeitbilanz wird nur von einem Drittel der Brandenburger positiv gesehen, eine Mehrheit ist weniger oder gar nicht zufrieden. Unter den eigenen Anhängern schneidet die Linkspartei gut ab – 76 Prozent werten ihre Leistungen als positiv, im Lager der SPD wird sie hingegen schon mehrheitlich skeptisch gesehen.

Nun kann man sagen: Es ist das Schicksal vieler kleiner Koalitionspartner, in Regierungsverantwortung Zustimmung zu verlieren, während die Partei des Ministerpräsidenten, zumal wenn sie wie die SPD schon lange an der Regierung ist, insgesamt weit positiver gesehen wird. Aber das wird weder die Linke beruhigen, noch können sich die Kritiker ihrer Regierungsbeteiligung berechtigt daran laben. Erstens ist offen, ob die Zustimmung wirklich anders ausfallen würde, hätte die Linkspartei zum Beispiel in der Energiepolitik und auf ihrem Feld – der Sozialpolitik – geschickter agiert und sich gegenüber der SPD besser durchgesetzt.

Zweitens stellt sich die generelle Frage nach der Strategie in Regierungen: Wenn die Beteiligung an Koalitionen für die Linke regelmäßig sinkende Zustimmung bedeutet, weil ein Teil ihres Elektorats sich von ihr abwendet, wenn sie im Kabinett als „etablierte Partei“ erscheint, der Anreiz der Protestpartei und das Image der sozialen Opposition schwindet – dann wird der Spielraum für reale Veränderungen kleiner. Die Partei agiert dann meist aus der Defensive, das macht dem Koalitionspartner leichter, Kompromisse zu seinen Gunsten durchzusetzen, es führt zu politischen Suchbewegungen auf Feldern, wo man noch Zustimmungspotenziale erhofft – was nach außen den Eindruck der Schwäche nicht gerade korrigiert. Die Lage wird sich allerdings nicht schon deshalb umkehren, wenn die Linkspartei, wie in ihr gern gefordert wird, in den Oppositionsmodus umschaltet. Gegen eine Landesregierung agiert es sich zwar leichter, aber nicht notwendiger Weise erfolgreicher.

Hinzu kommt: Gestaltung braucht Zeit, Umbauprojekte benötigen die Sicherheit über vier Jahre hinaus, und auch das Selbstbewusstsein einer Linken, die alltagskulturelle Verankerung als Regierungspartei sind zum Teil davon abhängig, wie lange man die Chance hat, das Richtige zu tun. Was das ist, muss offen diskutiert werden. Die Brandenburger Linkspartei hat hier Ansätze gezeigt, es besser zu machen als etwa der Landesverband in Berlin – aber da ist noch viel Luft nach oben. Offensiv die Begrenztheit des eigenen Handelns politisieren, stärker um solche Projekte kämpfen, die den Veränderungscharakter sichtbar machen, mehr Mut zum „transformatorischen Populismus“: Wenn nach fünf Jahren in Brandenburg und darüber hinaus bekannt ist, dass hier und nur hier, weil die Linke mitregiert, besonders erfolgreiche Energiegenossenschaften dezentrale und unabhängige Stromversorgung in Kommunen gewähren; dass rot-rot geförderte Pilotversuche einer neue, kostenlosen, ökologischen und selbstverwalteten Mobilität für Aufsehen und die Bereitschaft sorgen, um ihren Erhalt mit Wahlkreuz und notfalls Demonstration zu kämpfen; dass es weniger um politische Modebegriffe wie Innovationsregion geht, sondern die Linke damit identifiziert wird, dass hier tatsächlich Einstiege in gesellschaftliche Veränderung ermöglicht werden – dann bekommt man auch eher die Chance, damit nach der nächsten Wahl weiterzumachen.

Ob das möglich wird, hängt nicht nur von denen in der Linkspartei ab, die am Ruder sitzen oder in Ministerämtern. Sondern nicht zuletzt von der Basis, die gegen ihre eigene Partei auch mal protestieren kann, ohne dass dies als Problem aufgefasst wird. Und natürlich vom Dialog: Am Freitag findet die erste der diesjährigen Regionalkonferenzen der Brandenburger Linken statt, bis Ende März folgen weitere. (vk)

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Rot-rote Zahlen

Die Brandenburger Linke hat bei Emnid eine Umfrage in Auftrag gegeben. Auf einen einfachen Nenner lassen sich die Ergebnisse nicht bringen.

Die Zustimmung zur Linken ist auf Landesebene stark vom bundespolitischen Erscheinungsbild abhängig. Die Studie zeigt, was schon länger bekannt ist – der Stimmenanteil bei der so genannten Sonntagsfrage sank zwischen Januar 2009 und Januar 2012 parallel zueinander: bundesweit von 12 auf 7, im Osten von 27 auf 22 und in Brandenburg von 26 auf 21 Prozent. Man kann daraus Schuldzuweisungen machen, etwa in Richtung der Parteiführung und die Themen, mit denen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst lange Zeit in der Öffentlichkeit konfrontiert wurden; man kann das als Argument gegen die personelle „Selbstbeschäftigung“ begreifen – oder als einen durchaus komplizierten Zusammenhang zwischen der in Medien dominierenden bundespolitischen Wahrnehmung und den real geringer werdenden landespolitischen Spielräumen, dem sich andere Parteien ebenso wenig entziehen können.

Nachträge zur Umfrage:
Potsdamer Neueste Nachrichten: Die Linke verliert sich – hier
Neues Deutschland: Rot-Rot regiert und kaum einer weiß es – hier
Berliner Zeituung: Linkspartei fürchtet den Bundestrend – hier

Interessant sind auch die Zahlen zu den politischen Themen, welche die Brandenburger für besonders wichtig halten, und den Kompetenzwerten der Parteien. Vorne liegen in der Bevölkerung Arbeitsplätze „von denen man vernünftig leben kann“, gute Bildung für alle, Gesundheitsversorgung. Weniger wichtig sind die Bekämpfung des Klimawandels und die Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte. Der SPD wird auf fast allen Feldern die größte Kompetenz zugebilligt – nicht jedoch bei den „unwichtigen“, also der Klimapolitik (Grüne) und der Vergangenheitsbewältigung, bei welcher die Linke die besten Werte hat. Auszahlen kann sich das für sie nicht, erstens weil es den Bürgern nicht so wichtig ist, zweitens, weil zugleich die Aufarbeitung vor allem der Stasi-Akten mehrheitlich als Misserfolg der rot-roten Koalition betrachtet wird.

Nach der SPD (56 Prozent) wird der Linken dennoch die zweitgrößte Zufriedenheit beim Wähler bescheinigt (40 Prozent), knapp danach folgen die Grünen (39 Prozent) und erst dann die CDU (36 Prozent). Von deren Anhängern sind mit der Landesregierung immer noch 61 Prozent zufrieden. Bei den SPD-Anhängern sind es sogar 80 Prozent und bei den Linken-Anhängern 71 Prozent. Insgesamt erklärten sich in der Umfrage 62 Prozent mit der Arbeit der rot-roten Landesregierung zufrieden, 36 Prozent äußerten Unzufriedenheit. Alle Ergebnisse stehe allerdings unter einem irritierenden Generalvorbehalt: Die Befragten zeigten beachtlich mangelnde Kenntnisse über die politischen Verhältnisse in Brandenburg – nur gut ein Drittel wusste überhaupt, dass Rot-Rot in Potsdam regiert. (tos)

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