Gregor Gysi

Gregor Gysi stellt vor; Jan Kortes “Geht doch rüber”

Geh doch rüber

Geh doch rüber

 

Das verspricht, heiter zu werden. Gregor Gysi stellt in Berlin Jan Kortes »Feinste Beobachtungen aus Ost und West« vor.

Als Linker, der aus dem Westen in den Osten ging, hatte Jan Korte allerlei zu lernen: Warum man im Osten sein Gegenüber mit Handschlag begrüßt – und im Westen besser darauf verzichtet. Dass der Bulli des Ostens B1000 heißt und wie man die Herkunft eines Menschen an der Aussprache eines Vornamens erkennen kann.

Dienstag, den 12. März 2013, um 19 Uhr, im Verlagsgebüde vom Neuen Deutschland, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin


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Statt Jahresrückblick

… lohnt es sich aus meiner Sicht eher einen Jahresausblick zu machen. Nicht einen, was mögicherweise an guten und schlechten Dingen passiert, sondern einer der auf einen ganz besonderes Datum im nächsten Jahr hinweisen soll und vielleicht ein Anfang sein kann, sich mit dem 26. Mai 1993 zu beschäftigen.

Am 26. Mai 2013 wird es zwanzig Jahre her sein, dass der Bundestag das Asylrecht defacto abgeschafft hat. Bestandteil des sog. Asylkompromisses war auch das Gesetz zur Änderung asylverfahrens-, ausländer- und staatsangehörigkeitsrechtlicher Vorschriften. Das Asylbewerberleistungsgesetz wurde mit der defacto-Abschaffung des Asylrechts eingeführt.

Kurzer Halt. War Anfang der 90iger Jahre nicht etwas? Ja. Überfälle von Nazis auf Geflüchtete, Vertragsarbeiter/innen und Asylsuchende in Hoyerswerda, Rostock, Mölln und anderswo. Der rassistische Mob war auf der Straße und die Politik folgte ihm. Was die einen mit Gewalt und Überfällen selbst erledigen wollten, hat die herrschende Politik im Bundestag dann erledigt. Nachdem sie vorher mindestens Wortgeber für die Überfälle gewesen war. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an das Rundschreiben des damaligen CDU-Generalsekretärs Volker Rühe aus dem Jahr 1991. In diesem “fordert er seine Partei auf, die »besorgniserregende Entwicklung von Asylbewerberzahlen« in allen Stadträten, Kreistagen und Länderparlamenten zum Thema zu machen »und die SPD dort herauszufordern, gegenüber den Bürgern zu begründen, warum sie sich gegen eine Änderung des Grundgesetzes sperrt«.” Getragen vom Rassismus, der aus der Mitte der Gesellschaft kam und -dazu später mehr- immer noch kommt nahm die Abschaffung des Asylrechts ihren Lauf.

Ein Blick zurück: Der Antrag von Union, FDP und (der Mehrheit der) SPD zur defacto-Abschaffung des Asylrechts trägt das Datum vom 19.01.1992. In ihm heißt es u.a.: ” …  bleibt festzustellen, daß die Berufung auf das Asylrecht in erheblichem Umfang zum Mittel für eine unkontrollierte Zuwanderung aus wirtschaftlichen und anderen nicht durchgreifenden Gründen geworden ist. (…)

Der Antrag wurde am 21. Januar 1993 in erster Lesung behandelt. Gegenwind kam von der Gruppe Bündnis 90/Die Grünen mit einem eigenen Antrag und der Gruppe der PDS/Linke Liste. Ein Blick in das Plenarprotokoll erschreckt zumindest mich immer noch. Herr Marschewski zum Beispiel verweist darauf, dass die Union seit mehr als 10 Jahre diese Änderung gefordert habe.  Er sah eine Krise des Asylrechts, weil zunehmend Ausländer unter mißbräuchlicher Berufung auf politische Verfolgung die Beschränkungen für die Zuwanderung, wenn auch menschlich verständlich, umgangen haben.” Immerhin ehrlich führte er aber aus: Meine Damen und Herren, nach übereinstimmender Auffassung in den Asylverhandlungen zwischen den Fraktionen sollte mit dieser Formulierung sichergestellt werden, daß der einzelne kein Asylrecht genießt, daß der Staat aber ungeachtet dessen die Möglichkeit behält, in Deutschland weiterhin Schutz vor politischer Verfolgung zu gewähren.” Der damalige Innenminister Seiters argumentierte meinte, dass das “zum Instrument einer unkontrollierten Zuwanderung aus wirtschaftlichen Gründen umfunktioniert worden” sei, “Wir sind an der Grenze des für unseren Staat Verkraftbaren und Erträglichen angelangt, … .”  Ohne eine Änderung des Grundgesetzes “werden Ängste und Unsicherheiten verstärkt, die schädlich sind für den inneren Frieden in unserem Lande.”. Herr Stoiber wiederum berief sich darauf, dass die Abstimmenden “… natürlich auch eine Vertretung der Bevölkerung Deutschlands (sind)”  und diesem könne man nun mal nicht “Lasten auferlegen, die es nicht bereit ist in dieser Weise zu tragen.”. Ulla Jelpke von der Gruppe PDS/Linke Liste hielt dem entgegen, dass “die Regierung das Land auf eine Abschottung gegenüber Flüchtlingen vor(bereite)” und damit “den Parolen der Rechtsextremen (schmeichle) und (…) emsig bemüht (ist), die Vefassung dafür hinzurichten.” Im Kern sage der Gesetzentwurf nichts anderes als:“Politisch Verfolgte genießen Asylrecht, falls sie es schaffen, in unser Land zu kommen; das aber werden wir mit allen Mitteln verhindern.” Und Konrad Weiß meinte: ” …  nun wollen es die Fraktionen von CDU/CSU, F.D.P. und SPD also tatsächlich wahr machen: Sie wollen das Recht auf Asyl für Verfolgte aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbannen.” Auch Burkhard Hirsch -der gemeinsam Gerhart Baum und einigen anderen aus der FDP der Neuregelung nicht zustimmte- wandte sich gegen die Neuregelung:Wenn ich mich auf die Basis des vorgelegten Kompromisses stelle, fehlt mir eine Antwort auf die Widersprüchlichkeiten, die sich daraus ergeben, daß wir offenkundig das Kind mit dem Bade ausschütten. Wir sagen zwar, daß das Grundrecht auf Asyl in der Verfassung bestehen bleibt, aber wir hindern fast jeden daran, davon Gebrauch zu machen.” 

Auch das Plenarprotokoll der 2. und 3. Lesung am 26. Mai 1993 ist interessant. Zunächst drehte sich die Debatte um die Aufhebung des Verbots öffentlicher Versammlungen im Regierungsviertel und danach durfte -so scheint es- jede/r etwas sagen, am Ende der Debatte fand eine namentliche Abstimmung statt. Der damalige Fraktionsvorsitzende der Union Wolfgang Schäuble  fand, dass die Entscheidung wichtig ” für den inneren Frieden in unserem Land, für das friedliche, gute Miteinander von deutschen und ausländischen Mitbürgern” sei. Schäuble weiter: “Nur so können wir Mißbrauch bekämpfen, den es in einem zu großen Umfang gibt. Nur so, verehrte Kolleginnen und Kollen, können wir im übrigen den kriminellen Organisationen, die Schlepperbanden heißen und die Menschenhandel betreiten die Geschäftsgrundlage entziehn, … (…) Nur wenn wir die Zuwanderung nach Deutschland besser steuern und begrenzen können, als es bisher möglich ist, sichern wir auch für die Zukunft ein friedliches und freundliches Miteinander (…). Die passende Antwort gab Gregor Gysi, den ich länger zitiere:  “Die populistische Instrumentalisierung von tatsächlichen sozialen Problemen und Schwierigkeiten bei der Unterbringung von Flüchtlingen in den Kommunen, die Instrumentalisierung von Vorurteilen und latentem Rassismus zur Durchsetzung einer neuen Asylpolitik hat die politische Auseinandersetzung um Zukunftsfragen auf eine durch und durch irrationale Basis gestellt. Außer Kraft gesetzt wurden die Maßstäbe der Menschlichkeit und der Vernunft. (…) Die Bundesrepublik ist zweifellos eine führende Wirtschaftsmacht. Aber sie ist beteiligt — und darüber wird hier so gut wie überhaupt nicht geredet — an der Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt. (…) Ist es nicht aber wenigstens moralisch höchst fragwürdig, vom Elend und Hunger in der sogenannten Dritten Welt zu profitieren und gleichzeitig Mauern gegen die Flüchtlinge aus ihr hochzuziehen, gegen Flüchtlinge, die versuchen, diesem Elend und diesem Hunger zu entkommen? (…) … so wurde den Menschen Angst gemacht vor Ausländerinnen und Ausländern, vor Flüchtlingen und insbesondere vor Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, und nachdem diese Angst erzeugt ist, begründet man seine Entscheidungen mit dieser Angst. Auch ich nehme Ängste ernst. Aber es gab reale Möglichkeiten, sie abzubauen. (…) Sprache ist verräterisch. Es waren Politikerinnen und Politiker, die die Begriffe von Scheinasylanten, von Flüchtlingsströmen, von Wirtschaftsflüchtlingen, vom Asylmißbrauch, von asylfreien Zonen, von Durchmischung und Durchrassung und das schlimme Wort vom Staatsnotstand in die Debatte brachten, und solche Worte zeigen Wirkung. All jene, die in der beschriebenen Art und Weise die Asyldebatte führten und führen, haben an rassistischen und ausländerfeindlichen Pogromen als intellektuelle Urheber ihren Anteil. (…) Indem hier heute dafür gesorgt wird, daß das politische Programm der Republikaner zum Asylrecht aus dem Jahre 1990 nicht nur verwirklicht, sondern übererfüllt wird, wird ihnen zugleich in die Hände gespielt; … .”  Und Konrad Weiß legte nach: “Mit übelsten Methoden, die ich mit Schnitzlers `Schwarzem Kanal`ausgestorben glaubte, wurde über Monate hin Stimmung gegen das Asylrecht gemacht. Erinnert sei an das unsägliche Schreiben des damaligen Generalsekretärs der CDU, Volker Rühe, …Wir dürfen es nicht zulassen, daß den dumpfen Wahn der Nationalisten, ihrem Gebrüll und ihrer Gewalt Grundwerte unserer Demokratie geopfert werden.” Ganz anders sah das Innenminister Seiters. Ein Scheitern das sog. Asylkompromisses “wäre katastrophal für die Demokratie in unserem Lande, für die Handlungsfähigkeit des Staates und für das Vertrauen der Bevölkerung in die Politiker und in dieses Parlament.” Und auch Norbert Geis meldete sich zu Wort und erklärte, dass er den damaligen Artikel 16 Abs. 2 GG für eine “Fehlkonstruktion” halte, die Norm sei “Anlaß für einen massenhaften Missbrauch unserer Verfassung”. Er meinte, dass es irgendwann zu einer “Überfremdung unserer eigenen Bevölkerung” kommen würde, wenn nichts geschehe. Noch schlimmer war Alfred Dregger und der fraktionslos Abgeordnete Krause. Aber mehr an rassistischem Zeugs will ich dann nicht zitieren.

Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung befindet sich auf Seite 13699 im Plenarprotokoll. 521 Abgeordnete stimmten für die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl, 132 stimmten dagegen und ein Abgeordneter enthielt sich. Die Liste zu lesen lohnt sich, es gab zumindest für mich die eine oder andere Überraschung.

Ich erinnere mich noch an das Vorbereitungstreffen für die Demonstration gegen die Abschaffung des Asylrechts. Ich hatte gerade meinen Fahrzeugschein gemacht und fuhr mit zwei Genossen/innen aus der AG Junge Genossen/innen nach Bonn. An der Demonstration selbst konnte ich dann leider krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Warum das alles heute wichtig ist? Weil sich wenig geändert hat am Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft. Sichtbar wurde das in der Debatte im Bundestag, aus der ich hier zitiert habe.

Was sich verändert hat ist die Situation von Geflüchteten und Asylsuchenden. Wir erleben jetzt wie sie sich gegen ihre Behandlung wehren. Zu Recht!  Vielleicht wäre es ganz angebracht im Jahr 2013 die Wiederherstellung des Asylrechts und die Abschaffung aller Sondergesetze für Geflüchtete und Asylsuchende  unter der Losung “Back to the Roots” zu fordern. Somit wäre es möglich die Forderungen mit dem Hinweis auf den Rassismus und seine Folgen zu verbinden.  Offene Grenzen für Menschen in Not bleibt auch im Jahr 2013 eine zu stellende Forderung.

Minister Schäuble muss sich zu den Sozialkürzungsplänen erklären

Gregor Gysi

Gregor Gysi

22.12.2012 – PRESSEMITTEILUNG – Gregor Gysi

Die bekannt gewordenen Pläne weitreichender Sozialkürzungen, die das Finanzministerium für die Zeit nach der Bundestagswahl planen soll, sind so gravierend, dass ein halbseidenes Dementi aus dem Ministerium nicht beruhigen kann. Minister Schäuble selbst muss sich gegenüber Parlament und Öffentlichkeit klar und eindeutig zu diesem unsozialen Horror-Katalog erklären. Die schäbigen und ungerechten Kürzungspläne wären der tiefgreifendste Einschnitt in den Sozialstaat seit den Hartz-Gesetzen.

die ganze Pressemitteilung


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Neskovic verlässt Fraktion

Der parteilose Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic ist am Donnerstag aus der Linksfraktion ausgetreten. Er habe sich »viel Ärger eingehandelt«, heißt es in einer Erklärung des ehemaligen Bundesrichters, weil er als Mitglied der Linksfraktion »die Politik der rot-roten Landesregierung konsequent intern und öffentlich kritisiert habe«. Dafür sei er »mit unredlichen Mitteln bekämpft« worden. Neskovic will jedoch als unabhängiger Kandidat zu den Bundestagswahlen 2013 wieder antreten. Linksfraktionschef Gregor Gysi äußerte Bedauern über den Schritt. Mehr dazu auf neues-deutschland.de

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Riexingers Hoffnung

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hat Barack Obama zu seiner Wiederwahl gratuliert. Er hoffe, twitterte der Gewerkschafter, »er kümmert sich um Jobs und Infrastruktur in Amerika und führt weniger Kriege in aller Welt«. Die Linken-Politikerin Petra Sitte forderte auf dem Kurznachrichtendienst, dass Obama den »Change« (Wandel) offensiver vorantreibt. Linksfraktionschef Gregor Gysi äußerte sich auf Facebook zum Sieg Obamas und sagte, “das amerikanische Volk hat eine kluge Entscheidung getroffen”. Der wiedergewählte Präsident müsse “jetzt allerdings seine historische Chance und die Möglichkeiten einer zweiten Amtszeit auch nutzen, um nunmehr alle Versprechen einzulösen, die er vor vier Jahren gemacht hat”. Skeptisch die Reaktion des Linken-Bundestagsabgeordneten Niema Movassat, der das Wahlergebnis mit den Worten kommentierte: »Ein Sack Reis ist gestern in den USA umgefallen.« Mehr zu den Wahlen in den USA und Reaktionen aus der Linken auf neues-deutschland.de

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»Große Herausforderungen sind geblieben« Gregor Gysi über den Wahlkampf zwischen Obama und Romney

Gregor Gysi

Gregor Gysi

Interview der Woche

Wirbelt Hurrikan Sandy den Wahlkampf in den USA noch einmal so richtig durcheinander? Am kommenden Dienstag wird gewählt. Gregor Gysi macht keinen Hehl daraus: “Meine Stimmung würde sich deutlich verbessern, wenn der Präsident Barack Obama hieße.” Im Interview der Woche spricht Gysi über Versäumnisse von Republikanern und Demokraten im Kampf gegen die Krise, die globale Sicherheitslage 50 Jahre nach der Kubakrise ein, seine bevorstehende Reise in die USA und zwei Dingen, die sich Deutschland von Amerika abschauen könnte.

mehr hierzu


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Gabriel aus dem Rennen?

Sigmar Gabriel ist angeblich aus dem SPD-Rennen um die Kanzlerkandidatur. Gregor Gysi sagt, die Frage der Spitzenkandidatur stehe bei der LINKEN noch nicht an. Und bei den grünen endete die Bewerbungsfrist für das Spitzenduo – die Mitglieder haben zwischen acht oder neun Bewerbern die Wahl. Mehr dazu im Blog von tos auf neues-deutschland.de

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Krömers Krawall

Kurt Krömer hat eine neue Sendung, diesmal aufgezeichnet im Berliner Ensemble. Die Sache soll dem TV-Publikum als etwas Neues verkauft werden, ist aber das Gleiche, was Krömer bisher schon immer tat und wohl als einziges kann: Sendezeit sinnfrei zuquatschen. Es ist keine Talkshow, es ist entgegen dem Sendungstitel “Krömer – Late Night Show”keine Late Night Show, es ist die reine Zeitverschwendung – was ja nicht ausschließt, dass ein paar komische Momente dabei sind. Weil Krömer und die ARD auf Nummer sicher gehen wollten, hatten sie für den Auftakt zwei Quotenbringer eingeladen: Gregor Gysi und Helge Schneider. Beide zeigten Krömer auf ihre Weise seine Grenzen. Schneider, indem er jedes Gespräch verweigerte und seine autistischen Bemerkungen glatt an Krömer vorbei platzierte. Und Gysi, indem er ein bisschen bei Krömers Quatsch mitspielte, um schließlich den Berliner Komiker ins Leere laufen zu lassen. Das sind wohl auch die einzigen Rezepte, mit Krömer klarzukommen, der Fragen stellt, deren Antworten ihn sowieso nicht interessieren, der jedes Gespräch sabotiert und eigentlich keine Gäste braucht. Man fragt sich, warum überhaupt jemand sich dafür hergibt, eine halbe Stunde lang die Staffage für ihn zu abzugeben. Gysi immerhin brachte zum Stichwort Afghanistan den Satz “Ich würde die Soldaten am liebsten sofort nach Hause holen” unter. Eine politische Botschaft, die Beifall aus dem Publikum fand, bevor Krömer Banalitäten drübersülzen konnte. Er war selbst in Afghanistan, auf Einladung der Bundeswehr, und hat dort offensichtlich das getan, was er immer tut: Nonsens verbreiten, egal vor welchem Hintergrund. Wahrscheinlich merkt er nicht mal, wie er PR für den Kriegseinsatz betreibt – oder tut er es in vollem Bewusstsein? Jedenfalls ist er in den Afghanistan-Einspielern nicht mehr als ein harmloser Komiker in einer Frontkulisse. Gysi dagegen erklärt in der Sendung, warum er noch nicht in Afghanistan war: Weil er sich nicht den Vorschriften des Verteidigungsministeriums unterwerfen will, mit wem er reden darf und mit wem nicht. Für einen kurzen Moment dreht sich die Krawallsendung übrigens ins Sehenswerte: als Gysi die Rollen tauscht und selbst Fragen stellt. Gysi kann das, er hat im Deutschen  Theater in Berlin selbst eine erfolgreiche Gesprächsreihe. Da fällt Krömer aus der Rolle des Pausenclowns und lässt sich auf einen Dialog ein, um aber gleich wieder zu motzen, was das Zeug hält. Sieben Folgen kommen noch, aber will man die sehen? Nö. (wh)

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Bunte und Brigitte

Die eine kommt in der Brigitte zu Wort, der andere lobt sie derweil in der Bunten: Von Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht kann man dieser Tage in Illustrierten lesen, und das ist einer Tageszeitung sogar einen Kommentar wert. Nein, nicht etwa, weil damit die Frage aufgeworfen wäre, ob und zu welchem Zweck Linken-Politiker sich dem Publikum von Zeitschriften zuwenden sollten, das da sonst mit Diät-Hinweise und den Privatgeschichten von Fernsehsternchen gefüttert wird. Sondern aus handfesteren Gründen: „Wenn die Linke die Bundestagswahl in einem Jahr sicher als Parlamentspartei überleben will“, schreibt die Frankfurter Rundschau, „muss sie die besten Leute nach vorne stellen.“ So weit so banal – da aber alle Welt von einer Vergangenheit weiß, in der Gysi es abgelehnt hat, dass Wagenknecht in der Partei ganz nach oben aufsteigt, wird heute bei jeder Äußerung das Verhältnis des Fraktionsvorsitzenden zu seiner Stellvertreterin in Zentimetern neu vermessen.

„Irgendwann steht der Generationswechsel an. Ich würde es ihr gönnen“, sagt Gysi in der Bunten über Wagenknecht. „Das Zeug dazu entwickelt sie.“ Was mancher so lesen möge, als ob Gysi glaube, dass sie es noch nicht ganz habe. „Heute hat sie nicht nur Karl Marx, sondern auch Ludwig Erhard gelesen – und verstanden“, so Gysi weiter. Als ob das Voraussetzung wäre, in einer demokratisch-sozialistischen Partei öhere Aufgaben zu übernehmen. Wie auch immer: Gysi bleibt der Lehrer, der sagt, die Schülerin müsse nun nur noch lernen, ihre Erkenntnisse auch Leuten zu vermitteln, die sich kaum mit Politik beschäftigten. Und wenn man so will, ist ein Auftritt in der Brigitte dafür vielleicht nicht die schlechteste Bühne. Dort berichtet die „eigenwillige Politikerin“ über ihre Kindheit, das ungewisse Schicksal des Vaters und warum sie sich heute für einen „kreativen Sozialismus“ einsetzt. Über ihre Beziehung zu Oskar Lafontaine, das berichtet das Blatt sogar vorab, äußere sie sich nicht.

Eine solche Form der Zurückhaltung kann man Wagenknecht nun wahrlich nicht vorwerfen, im Gegenteil: Sie zeigt damit in einer für solche Privatfragen ja durchaus gemachten Zeitschrift, dass weniger auch mehr sein kann; während Gysi es sich in der kaum minder Bunten nicht versagt hat, anzumerken, seine Stellvertreterin habe „einen distanzierten Charme, der Männer besonders reizt“. Über wen das mehr sagt, muss hier nicht extra angemerkt werden. Auch der Frankfurter Rundschau fiel dazu nicht mehr ein als ein mattes: „Na dann.“ (tos)

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Zwei Meldungen

„Linken-Fraktionschef Gysi denkt ans Aufhören“, meldete am Sonntag um 16.16 Uhr eine Nachrichtenagentur. Knapp drei Stunden später tickerte eine andere: „Gysi denkt noch nicht ans Aufhören.“ Der Unterschied, der für Linken-Anhänger und die Partei angesichts der zentralen Rolle, die der Berliner spielt, ein ziemlich wichtiger sein könnte, lässt sich durchaus erklären: In einem Interview mit Morgenpost Online hatte Gysi gesagt, was ihn „umtreibt ist die Frage, wann ich den Platz freimache, vielleicht für sie und einen anderen als Nachfolger. Immerhin bin ich nun 64. Es darf mir nicht passieren, dass ich irgendwann noch im Bundestag herumdattele und sich alle über mich nur noch lustig machen.“ Im Sommerinterview der ARD kam dann prompt die Frage, ob der Linksfraktionschef ans Aufhören denke. Gysi darauf: „Nein. Und selbst wenn ich daran denken würde, würde ich es ihnen nicht sagen.“ Er wolle in Berlin sein Direktmandat verteidigen und sich auch auf die Liste setzen lassen. (tos, Foto: Linksfraktion, CC BY 2.0)

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