Gregor Gysi

Nach Informationen

Wenn es „nach Spiegel-Informationen“ geht, dann wird auch mal aus einem alten Hut eine Neuigkeit: Das Hamburger Magazin verweist in seiner Osterausgabe auf die Mitgliederzahlen der Linken und schreibt, „erstmals seit der Fusion von Linkspartei.PDS und WASG im Jahr 2007“ sei die Marke von 70.000 unterschritten worden. Das ist richtig, aber eben auch keine besonders aktuelle Nachricht. Dass sie dennoch vorab gemeldet wird, hat mit der politischen Ökonomie der Neuigkeitenproduktion zu tun: Medien hoffen, dass andere unter entsprechendem Quellenverweis Nachrichten weiterverbreiten. Oder, man macht es gleich wie das Hamburger Magazin und behauptet, etwas „nach Spiegel-Informationen“ zu wissen, was nichts bedeutet aber nach etwas klingt – nämlich Exklusivität. So wie der entsprechende Online-Text zur abgestandenen Mitgliederzahlen-Meldung: „Die Linke blutet aus“. Einmal vom sprachlichen Bild abgesehen, das hier verwendet wird, fällt vor allem eines auf: Wer wissen wollte, wie viele Mitglieder die Linke Ende 2011 zählte, konnte das bereits vor zwei Wochen nachlesen. Seinerzeit hatte das Karl-Liebknecht-Haus die jüngste Mitgliederstatistik veröffentlicht, worauf zum Beispiel hier und hier hingewiesen wurde. Aber sei es drum. Schön auch, wie der Spiegel versucht, dem Ganzen doch noch eine irgendwie neue, eigene Note zu verleihen: In der Printausgabe heißt es, Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi habe „kürzlich intern“ geklagt, „der Zustrom aus der SPD und von den Gewerkschaften sei völlig zum Erliegen gekommen“. Besser klingt die Banalität freilich noch online, wo man sogar weiß: „Gregor Gysi ist genervt.“ Wovon? Worüber? Naja, das wäre nun wirklich zu viel verlangt, wenn man auch noch darauf eine Antwort bekommen würde. (tos)

 

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Kreuz für Klarsfeld?

Die Linke lässt nicht locker: Sie will erneut einen Anlauf unternehmen, damit Beate Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz erhält. Wie es heißt, will Fraktionschef Gregor Gysi noch in dieser Woche eine entsprechendes Schreiben an Außenminister Guido Westerwelle abschicken. Westerwelle muss entscheiden, weil Klarsfeld nicht in Deutschland lebt. Schon zweimal hatte die Linke diese Ehrung für die Antifaschistin beantragt, aber das Außenministerium hatte dem weder unter Joschka Fischer bzw. Frank-Walter Steinmeier noch unter Westerwelle stattgegeben. Steinmeier hatte erst jüngst am Rande der Bundesversammlung behauptet, er wisse nicht, woran die Sache gescheitert sei. Im Zuge ihrer Präsidentschaftskandidatur für die Linke war Beate Klarsfeld wieder ins Blickfeld der deutschen Öffentlichkeit gelangt. Politiker verschiedener Parteien hatten ihrer Lebensleistung Respekt gezollt, diverse Medien – auch zutiefst bürgerliche – hatten sich positiv zu einer Auszeichnung für Klarsfeld geäußert. Sollte es diesmal auch wegen des öffentlichen Zuspruchs klappen, würde der neue Bundespräsident Joachim Gauck seiner Kontrahentin den Orden verleihen. Der will dem Vernehmen nach prüfen, warum die Anträge der Linken bisher abgelehnt wurde. Es wäre, wenn es dazu kommt, eine weitere schöne Gelegenheit für den selbst ernannten Freiheitslehrer, ein paar Sentenzen über 56 Jahre Diktatur loszuwerden. (wh, Foto: Michael Chlistalla, GNU FDL)

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123 plus 3

Selten war eine Wahl des Bundespräsidenten so ausrechenbar, aber ein wenig Überraschung enthält das Wahlergebnis der Bundesversammlung doch. Der haushohe Sieg von Joachim Gauck war angesichts der Einheitsfront aus CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP ausgemacht. Doch am Ende fehlten dem Fast-Allparteienkandidaten eine Menge Stimmen. 108 Enthaltungen, die zum allergrößten Teil aus den Gauck-Parteien kommen, zeugen davon, dass der Kandidat mit seinen Positionen rund jedem zehnten Vertreter der Superkoalition nicht geheuer ist. Das werden die Merkel und Gabriel und Trittin und Rösler in den Skat drücken, bemerkenswert aber bleibt es. Die Gegenkandidatin Beate Klarsfeld zu wählen, dazu konnten sich die Abweichler nicht durchringen, obwohl es angesichts der geheimen Wahl niemandem geschadet hätte. Immerhin erhielt Klarsfeld 126 Stimmen – drei mehr als die 123 anwesenden Wahlleute der Linken.

Doch nicht nur wegen dieses kleinen Achtungserfolgs, der schnell vergessen sein wird, hat sich Klarsfelds Kandidatur gelohnt – für sie selbst wie für die Linke. Die Antifaschistin Klarsfeld ist wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, ihre Lebensleistung ist gewürdigt worden – und vielleicht erhält sie ja sogar doch noch das Bundesverdienstkreuz, das ihr bislang verwehrt wurde. Eines der entsprechenden Antragsschreiben hatte Gregor Gysi seinerzeit übrigens an den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier geschickt. Der allerdings erzählte am Sonntag dreist, er wisse auch nicht, woran die Ehrung bisher scheiterte. Und auch die Linke hat mit der Nominierung Klarsfelds gepunktet. Sie hat sich – nach einigem unerfreulichen Hin und Her – auf eine Kandidatin geeinigt, die respektiert ist und in den letzten Wochen von etlichen Medien gegen die Kampagne aus der Union und dem Hause Springer in Schutz genommen wurde.

Bleibt noch eine kleine angenehme Nebenwirkung aus der Affäre Wulff: Sein Rücktritt erzwang die Präsidentenwahl außerhalb des üblichen Turnus – üblicherweise wurde der Präsident bisher am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, gewählt. Nun wollte es der Zufall, dass der 18. März in den engen Zeitkorridor für die Wahl Gaucks fiel. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in seiner klugen Eröffnungsrede auf die Rolle des 18. März 1848 und des 18. März 1990 hingewiesen – bürgerliche Revolution und letzte Volkskammerwahl in der DDR. Das sind zwei Traditionslinien, die den westdeutschen Horizont ein wenig öffnen und besser als der 23. Mai dokumentieren, dass sich 1990 in Deutschland etwas Grundsätzliches verändert hat. Keine schlechte Idee, die Präsidentenwahl künftig am 18. März stattfinden zu lassen – schon deshalb möchte man Joachim Gauck wünschen, dass er die volle Amtszeit durchhält. (wh)

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An den Baum gesetzt

Es ist für den Fortgang dieser Geschichte nicht mehr so sehr von Belang, was aber keineswegs heißt, dass es von geringem Interesse wäre: Wer in Nordrhein-Westfalen hat eigentlich den entscheidenden Anstoß gegeben, der den Stein der Neuwahlen ins Rollen brachte? Sind FDP und Linke Schuld? Haben SPD und Grüne die Situation gezielt provoziert? Oder schrieb die Landtagsverwaltung selbst Geschichte? Und tat sie es versehentlich, in fremdem Auftrag oder einfach nur aus juristischer Notwendigkeit? Eine Spurensuche.

„Ich glaube, dass sich SPD und Grüne einfach verzockt haben“, sagt Gregor Gysi. „Man muss davon ausgehen, dass SPD und Grüne unbedingt Neuwahlen wollten und alles dafür getan haben, sie herbeizuführen“, meint hingegen Oskar Lafontaine. Auch Klaus Ernst hat erklärt, Rot-Grün habe „die Regierung bewusst an den Baum gesetzt“. Während der Linskfraktionschef bei SPD und Grünen politische Arroganz am Werke sieht, „weil sie davon ausgegangen sind, die FDP wird sich sowieso der Stimme enthalten, und sie haben es überhaupt nicht nötig, mit uns diesbezüglich auch nur zu reden und zu verhandeln“ – was schließlich dazu führte, dass die Möglichkeit einer linken Enthaltung bei der Haushaltsabstimmung gar nicht erst in Reichweite kam, betonen der alte und der Parteivorsitzende die Zielgerichtetheit der rot-grünen Ausgrenzung. Auch die Wähler, so Lafontaine, müssten den Eindruck haben, „dass mutwillig aus taktischen Gründen Wahlen angesetzt werden, um sich Vorteile zu verschaffen“.

SPD und Grüne hätten demnach bewusst auf das endgültige Scheitern der Etatgespräche schon in der 2. Lesung gesetzt, weil durch Neuwahlen aus einer Minderheits- eine Mehrheitsregierung werden kann. Dass vor allem die Grünen daran Interesse gehabt hätten, hört man nun auch oft – die Partei steht immer noch besser da als bei der Wahl 2010, allerdings deutete sich im Land wie im Bund bereits länger an, dass das Umfragehoch vom Sommer 2011 endgültig abschmelzen könnte. Am Mittwochmorgen, als noch der Eindruck erweckt wurde, dass die Regierungsfraktionen einen Ausweg aus der neuen, durch das Landtagsgutachten angeblich für alle überraschend veränderten Situation suchen, berichtete die Rheinische Post, die Grünen würden an einem möglichen Zeitgewinn gar kein Interesse haben, sie „suchen die Entscheidung“. Einen ganz ähnlichen Eindruck hatte man offenbar auch bei der FDP.

Ein dreiseitiger Vermerk

Aber auch wenn es so wäre, scheint klar: Die Voraussetzungen dafür schufen andere. Der Abteilungsleiter I der Landtagsverwaltung heißt Hans-Josef Thesling und ist zuständig für Parlamentsdienste. Er habe, berichten die Zeitungen der WAZ-Gruppe, erstmals am Montag gegenüber dem Verwaltungsdirektor des Landtags, Peter Jeromin, Zweifel geäußert, dass ein Etat in dritter Lesung noch durch das Parlament kommen könne, dessen Einzelpläne in zweiter Lesung bereits abgelehnt worden sind. Genau dies aber habe sich nach Lektüre der Pressespiegel der vergangenen Tage abgezeichnet. Der Leiter von Theslings Referat 7, der für Parlamentsrechtsfragen zuständige Olaf Schade, habe daraufhin einen dreiseitigen Vermerk formuliert, in dem der wohl entscheidende Satz steht: „Wegen der Besonderheiten des Haushaltsplans kann die Ablehnung eines Einzelplans in der zweiten Lesung zum Scheitern des Haushalts führen, die in der dritten Lesung durch den Landtag nicht mehr korrigiert werden kann.“

Am späten Dienstagmittag ist dann in Düsseldorf das Präsidium des Landtags zusammengekommen – zunächst ging es um formale Fragen, dann aber auch darum, dass FDP und Linke dem Etat in zweiter Lesung nicht zustimmen würden. „Zunächst hatte die Linkspartei signalisiert, sich nicht an der Abstimmung beteiligen zu wollen, womit SPD und Grüne eine Mehrheit für ihren Haushalt gehabt hätten“, schreibt die Frankfurter Allgemeine, offen lassend, welchen Zeitraum „zunächst“ eigentlich beschreibt. „Doch offenbar ist die Linkspartei verärgert über die Etatgespräche, die sie mit Rot-Grün geführt hatte. Sie will ein Zeichen setzen.“ Im Neuen Deutschland sagt hingegen Linksfraktionchef Wolfgang Zimmermann, es habe gar keine Debatten darüber gegeben, den Haushalt in zweiter Lesung passieren zu lassen und so Verhandlungsspielraum für die finale Abstimmung Ende März zu eröffnen. Zimmermann: „Wozu auch? Es gab ja kein Signal, dass SPD und Grüne sich auf uns zubewegen würden. Nur dann hätten wir darüber diskutiert und mit ziemlicher Sicherheit nicht an der Abstimmung teilgenommen, die Einzeletats in zweiter Lesung passieren lassen.“ Das letzte rot-grün-rote Gespräch habe stattgefunden, bevor den Regierungsfraktionen klar war, dass der Haushalt und mit ihm Rot-Grün zwei Tage später crashen können – also am Montag.

Am Dienstag jedenfalls machte der von der CDU kommende Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg in der Runde im Landtags klar, der Haushalt werde bei Ablehnung durch CDU, FDP und Linke bereits am Mittwoch endgültig scheitern. „Vor allem für die FDP ist das eine dramatische Wendung“, so die Frankfurter Allgemeine. Die Liberalen hatten sich auf ein vorläufiges Nein festgelegt, um in Verhandlungen vor der dritten Lesung für sich ein paar Rettungsringe herauszuholen und dem Etat dann doch noch zuzustimmen – und standen nun plötzlich vor den Ruinen ihrer Strategie.

Warum widersetzte sich niemand?

Es bleiben viele Fragen: „Warum hat die Politik in NRW den merkwürdigen Beamtenvermerk so unhinterfragt gelassen?“, schreibt die Süddeutsche, die hochrangige Juristen zitiert, welche die Argumentation in Schades Vermerk für „Unsinn“ halten. Dass es sehr wohl Alternativen gegeben hätte, die Auflösung des Landtags also juristisch betrachtet gar nicht zwingend war, setzt jetzt auch noch einmal die Frankfurter Allgemeine auseinander. In dem Blatt fragt sich der Düsseldorfer Staatsrechtslehrer Ralph Alexander Lorz ganz zu Recht, warum sich diejenigen nicht widersetzt hätten, „die kein Interesse an der Auflösung des Landtags hatten“. Hat am Dienstag und am Mittwoch einfach nur niemand daran gedacht, den Schade-Vermerk noch einmal prüfen zu lassen?

Hinzu kommt, dass der Parlamentsjurist selbst SPD-Politiker ist – als Vorsitzender der Kreistagsfraktion im Ennepe-Ruhr-Kreis steht er vielleicht nicht in der ersten, aber doch in der selben Reihe wie andere Sozialdemokraten. Außerdem war Schade einst Fraktionsjustiziar der SPD. Die Landtagsverwaltung betont, das folgenreiche Minigutachten sei nicht auf Veranlassung von außen geschrieben worden. Doch „in CDU- und FDP-Kreisen hält man es für vorstellbar“, heißt es bei Zeit online, „dass die Grünen dahinter stecken. Immerhin dürften sie am meisten von Neuwahlen profitieren. Die Linken wiederum streuen das Gerücht, die SPD sei der Urheber gewesen und hätte mithilfe der Landtagsjuristen den Druck auf die FDP erhöhen wollen, dem Haushalt doch noch zuzustimmen.“ Auch die Version, dass hinter dem Gutachten die CDU stecke, kursiert.

Unter dem Strich bleibt ein Knäuel von Gründen, in dem schwarze, gelbe, grüne und rote Fäden verstrickt sind – parteipolitische und taktische ebenso wie inhaltliche und juristische. Dass in einem Landtag, der seit knapp zwei Jahren unter den Bedingungen einer Minderheitsregierung agiert, niemandem bewusst ist, dass die Geschäftsordnung des Landtags in der Frage etwas unklar ist, was zwischen zweiter und dritter Lesung noch für Spielräume liegen und was das für die Abstimmung in zweiter Lesung heißt, ist schwerlich zu glauben. Dass SPD und Grüne auf ein Einlenken von FDP oder Linken setzten, das weniger auf politische Kompromisse gründen sollte als auf die Angst geschwächter Oppositionsparteien vor Neuwahlen, hält man schon eher für möglich.

Merkels klammheimliche Freude

Völlig abwegig ist auch nicht, dass die CDU eine Aktie an dem ganzen Vorgang hat – die Bewegung, die jetzt nach der Neuwahlentscheidung auf dem Unionsparkett einsetzte, ist schon erstaunlich: Es geht ja dabei nicht nur um Norbert Röttgen, sondern irgendwie auch um Grundzüge der Energiepolitik, um die Machtverteilung auf diesem Gebiet zwischen Wirtschafts- und Umweltminsterium. Und letztlich sind die Neuwahlen in NRW auch eine Möglichkeit, den manche nur noch störenden Liberalen den Todesstoß zu versetzen. Angela Merkel jedenfalls wird es nicht ganz unbefriedigt gesehen haben, wie binnen Stunden ein Philipp Rösler wieder einmal schlecht aussah – und nun sein Düsseldorfer Schicksal erwarten muss.

Zum Schluss eine Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte. Der sieht weniger die große Verschwörung oder strategische Fehler hinter der Neuwahlentscheidung, sondern die Bürokratie, die Geschichte schreibt: „Es waren Verwaltungsjuristen, die das Ende der Koalition entschieden haben. Historische Entscheidungen und damit auch Machtverfall von Regierungen hängen oft mit kleinsten Details zusammen und nicht mit taktischen Entscheidungen.“ (tos)

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Frauen allein zu Haus

Heute ist Internationaler Frauentag, und neben allen Erklärungen und Aktionen tut die Linke auch etwas in eigener Sache: Die Frauen der Linksfraktion sitzen im Bundestag, bestreiten das parlamentarische Geschäft und bilden damit für einen Tag die erste komplette Frauenfraktion, wie die Linke selbst mitteilt; die Männer gehen woanders arbeiten – in frauentypischen Berufen, viele in ihren Wahlkreisen. Mit der Aktion will die Linksfraktion „die Leistungen, die Frauen täglich von den Erdgeschossen bis in die Chefetagen hinein für die Gesellschaft erbringen, umfassend würdigen“, erklärte die frauenpolitische Sprecherin Yvonne Ploetz. Fraktionschef Gregor Gysi beispielsweise geht in eine Berliner Kita, Herbert Behrens in eine Krankenhauskantine, Steffen Bockhahn zu einer Putzkolonne, Stefan Liebich und Ulrich Maurer in Friseurläden, Ralf Lenkert in ein Pflegeheim, Jan van Aken zur Flüchtlingshilfe und Klaus Ernst in eine Essenausgabe. Jetzt kann jeder selbst überlegen, in wessen Obhut er sich begeben würde. (vk, Hans-Günter Quaschinsky, Bundesarchiv, CC-BY-SA))

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Kein Termin für Klarsfeld

Heute Nachmittag trifft sich die Linksfraktion im Bundestag mit Joachim Gauck. Das Treffen, bei dem die Linke laut Parteichef Klaus Ernst mit dem Fast-Allparteienkandidat über unterschiedliche Auffassungen diskutieren will, kam auf Bitte der Linken zustande, und Gaucks Wahlkampfstab sicherte sofort zu, dass man zügig einen Termin finden werde. Erbeten hatte die Linke das Gespräch, bevor sie eine eigene Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten aufstellte; auch nach der Vorstellung von Beate Klarsfeld als Gaucks Kontrahentin bleibt sie dabei. So weit, so normal.

Was dagegen nicht stattfinden wird: eine Begegnung Klarsfelds mit Vertretern von Union und FDP. Linksfraktionschef Gregor Gysi hatte zwar bei den Fraktionschefs der CDU und CSU sowie der Liberalen dafür geworben, dass Klarsfeld die Möglichkeit erhält, sich und ihre Positionen zu präsentieren. Doch es gab Absagen. Aus beiden Fraktionen hieß es, man habe sich für Gauck entschieden und wolle deshalb auf ein Gespräch mit Klarsfeld verzichten. Die Grünen, die Gauck ebenfalls unterstützen, signalisierten immerhin Offenheit für einen Begegnung mit Klarsfeld. “Wer kandidiert, darf sich bei uns auch vorstellen”, wird ein Fraktionssprecher zitiert. Eine Haltung, bei der auch den Koalitionsfraktionen kein Zacken aus der Krone gebrochen wäre. (wh)

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Ein Angriff auf die Energiewende

Solarenergie, Bild von www.die-linke.de

Solarenergie, Bild von www.die-linke.de

Die Bundesregierung kürzt bei der Solarförderung um 20 bis knapp 30 Prozent. Die Neuregelungen für Dachanlagen und Solarparks sollen nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz bereits ab 9. März 2012 gelten. Die Branche spricht von einem “Solarausstiegsgesetz” und warnt vor massiven Jobverlusten. Ein breites Bündnis will daher am Montag, den 05. März 2012 in Berlin ab 13 Uhr vor dem Brandenburger Tor gegen die Regierungspläne demonstrieren. Für DIE LINKE wird Gregor Gysi sprechen.

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Klarsfeld und der BND-Chef

Von einem „ungewöhnlichen Treffen“ berichtet eine Nachrichtenagentur, doch auf dem Weg dorthin gab es „einen ungeheuren Skandal“, meint Gregor Gysi: Am Donnerstag saß Beate Klarsfeld im Berliner Cafe Einstein, ebenfalls im beliebten Treff von Politikern und Journalisten zugegen war der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler. Als die Kandidatin der Linken über eine Pressesprecherin an den Geheimdienst-Mann die Bitte herantrug, ihm einmal „guten Tag“ zu sagen und sich, nicht zuletzt angesichts ihrer Biografie als Kämpferin gegen alte Nazis, kurz auszutauschen, soll Schindler dies verweigert haben.

Klarsfeld hat am Mittag nach einer Sitzung der Linksfraktion dazu erklärt, der BND habe immerhin NS-Verbrecher, die im Ausland leben, finanziert – etwa Klaus Barbie in Bolivien, Walter Rauch in Chile, und Alois Brunner in Syrien. „Gegen all die drei habe ich gekämpft. Ich war in all den drei Ländern und habe demonstriert, hab mein Leben aufs Spiel gesetzt“, so die 73-Jährige. „Und ich meine es wäre das Mindeste gewesen, zu sagen: ,Frau Klarsfeld, vielen Dank. Wir als BND haben diese Leute bezahlt, die haben uns Informationen geliefert. Aber sie waren an Ort und Stelle, um sie aufzudecken.‘ Warum kann man das nicht anerkennen?“

Wie es beim BND über das Aufeinandertreffen im Cafe Einstein heißt, „intervenierte eine Bundestagsabgeordnete, die mit Schindler am Tisch saß. Der Geheimdienstchef sei gar nicht zu Wort gekommen“. Gysi sprach am Donnerstag vor der Presse dennoch von einem „nicht hinnehmbaren“ Verhalten und kündigte an, „heute noch einen Brief an die Bundeskanzlerin“ zu schreiben, in dem er verlangen wolle, dass Schindler „abgesetzt wird“.

Der Brief blieb ungeschrieben: Schindler entschuldigte sich am Nachmittag telefonisch „eindringlich persönlich“ bei Beate Klarsfeld. Beim BND hieß es, das Gespräch habe in „völlig spannungsfreier Atmosphäre“ stattgefunden, auch sei für kommenden Donnerstag ein Treffen zwischen Schindler und Klarsfeld vereinbart worden. Linksfraktionschef Gysi erklärte darauf hin, „von der Absendung des von ihm beabsichtigten Briefes an die Bundeskanzlerin“ abzusehen. (tos)

 

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Versailles oder Marshall

Mit historischen Vergleichen bewegt man sich in der Politik stets auf dünnem Eis. Das gilt nicht nur für den, der die Vergangenheit bemüht, um die Kritik am Gegenwärtigen zu unterstreichen – sondern auch für jene, die sich darüber erregen. Ein Disput im Bundestag zwischen Gregor Gysi von der Linken und Volker Beck von den Grünen hat das am Montag einmal mehr gezeigt. Ein Kommentar von tos auf taz.de

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Nach Wulff

Als Christian Wulff am Freitag seinen Rücktritt erklärt hatte, reagierte Angela Merkel absolut geschäftsmäßig. Ein paar dürre Abschiedsworte für Wulff (die nicht viel mehr bedeuteten als: „Wir weinen ihm keine Träne nach“), dann ging sie zur Tagesordnung über. Man werde nun überparteilich einen Kandidaten suchen, erklärte sie – gemeinsam mit SPD und Grünen.

Das wurde sofort als Versuch interpretiert, angesichts der Schwäche der FDP Brücken für ein neues Regierungsbündnis nach der nächsten Bundestagswahl zu schlagen. Dass Merkel die Linkspartei ausdrücklich und demonstrativ nicht erwähnte, ärgerte deren führende Leute, ist aber nicht verwunderlich. Denn für die Mehrheitsbildung in der Bundesversammlung ist die Linkspartei bei einer solchen Konstellation nicht von Interesse. Schwarz-Gelb hätte eine sehr knappe Mehrheit, dürfte sich aber kaum Abweichler leisten (die es bei der letzten Präsidentenwahl in den ersten beiden Wahlgängen in größerer Zahl gab). Im Bündnis mit der SPD oder den Grünen oder gar beiden wäre eine Mehrheit aber völlig ungefährdet.

Dennoch beschwerten sich Politiker der Linken über Merkel. Gregor Gysi meinte noch eher scherzhaft, Merkel habe die Linke „wahrscheinlich versehentlich vergessen“und müsse das korrigieren. In einer gemeinsamen Erklärung mit Gesine Lötzsch und Klaus Ernst forderte Gysi einen Kandidaten, den alle Bundestagsparteien gemeinsam auswählen, damit „das Vertrauen der Bevölkerung auch in eine Person, die dieses Amt ausübt und ausfüllt, wirksam wieder hergestellt werden“ kann.

Auch ein paar andere Linke äußerten sich. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko forderte, jetzt etwas gegen den wachsenden Einfluss von Wirtschaftslobbyisten auf die Politik zu tun. Und seine Fraktionskollegin Sevim Dagdelen bezeichnete Joachim Gauck wegen seiner unsozialen Thesen, seiner Haltung zum Afghanistan-Krieg und seiner Sympathien für Sarrazin als unwählbar für die Linke.

Wie nun weiter? Merkel wird bei ihrem Ausschluss der Linke von den Sondierungsgesprächen bleiben, SPD und Grüne werden auch keinen Wert darauf legen. Schützenhilfe bekommt die Linke immerhin von jemandem wie Heiner Geißler, der es „gar nicht schlecht“ fände, „wenn die auch mit dabei wären. Sonst haben wir hinterher ja immer die Debatte, dass man jemanden ausgeschlossen hat.”

Aber braucht die Linke solche Gespräche? Ihre Beteiligung wäre einerseits ein Zeichen der demokratischen Gleichberechtigung. Andererseits hätte sie kaum etwas zu sagen und zu bestellen und würde womöglich als Teil des Kungelapparats wahrgenommen. Immerhin bleibt ihr wohl, wenn Schwarz-Gelb und Rot-Grün nicht doch noch auf Konfrontation gehen, ein Kandidat wie Joachim Gauck erspart, der nicht nur im konservativen Lager wildern, sondern ausdrücklich auch die Linke provozieren, spalten und in eine Falle locken sollte.

Bleibt die Frage ob die Linke sich nach einer eigenen Kandidatin/einem eigenen Kandidaten umsieht. Es wäre wie immer eine rein symbolische Angelegenheit, die sich wahltechnisch nur im eigenen linken Kreis dreht und politisch nur funktioniert, wenn es sich um eine Persönlichkeit handelt, die in den knapp vier Wochen „Wahlkampf“ medial punkten kann. Darüber wird offenbar nachgedacht, aber nichts verraten. „Mir fiele schon jemand ein, aber den werde ich Ihnen jetzt bestimmt nicht nennen“, sagte Gregor Gysi dem Neuen Deutschland auf die Frage nach einem übergreifenden oder auch nach einem eigenen Kandidaten.

Ein bisschen juristische Rückendeckung bekam Christian Wulff gewissermaßen posthum noch von Wolfgang Neskovic. Der ehemalige Bundesrichter und heutige Bundestagsabgeordnete der Linken erklärte, die Einleitung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sei „kein zureichender Anlass und auch kein ausreichender Grund für den nunmehr erklärten Rücktritt von Christian Wulff“. Dieser Rücktritt sei zwar „allein aufgrund seines früheren Verhaltens als niedersächsischer Ministerpräsident und seines Umgangs mit den erhobenen Vorwürfen gerechtfertigt und schon längst überfällig gewesen“. Dennoch gelte strafrechtlich die Unschuldsvermutung. Wenn allein strafrechtliche Ermittlungen ein Rücktrittsgrund wären, „dann hätten es (weisungsgebundene) Staatsanwälte in der Hand, ob ein Politiker zurücktreten muss oder nicht“. Neskovic bezeichnete „die Anknüpfung von Rücktrittsforderungen an die Aufnahme staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen – wie sie SPD und Grüne nach Bekanntwerden der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover erhoben haben – „ als „Ausdruck ritualisierter politischer Feigheit der Opposition. Genauso verhält es sich mit dem Entzug der politischen Rückendeckung durch die Kanzlerin und die Regierungsparteien.“ (wh)

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