Kirche

Transformation ohne Linke

Energiewende, Umbau der Industriegesellschaft, ökologische Mobilität, Zukunft der Demokratie – und das alles in Zeiten der großen Krise: Beim Transformationskongress von DGB, Kirchen und Umweltverbänden standen die großen Themen auf der Agenda. Linke Themen zumal, und das nicht nur, weil der Begriff „Transformation“ im Zentrum der Veränderungserzählung des reformsozialistischen Lagers steht.

Die Diskussion über einen „neuen globalen Gesellschaftsvertrag“ (Junge Welt), ist eine der wichtigsten politischen Arenen zurzeit, hier werden Kämpfe um politische Begriffe, Einstiege in Umbauprojekte, um Diskurshoheit geführt, welche die Pfade für die kommenden Jahrzehnte vorzeichnen. Mit allen Widersprüchen, die darin stecken: Arbeitsplätze versus Konversion, grüner Kapitalismus versus Ausstieg aus der Wachstumslogik, staatlicher Lenkungsanspruch und persönliches Freiheitsbedürfnis, Komplexität und erweiterte Mitbestimmung, Nord und Süd und so weiter. Umso bedenklicher ist es, wenn eine Partei wie die Linke, die in diesen Debatten gern für sich beansprucht, weiter als etwa SPD und Grüne zu gehen, die sich als Anwalt der sozialen Frage im gesellschaftlichen Umbau sieht, zu einem solchen Kongress keine prominenten Vertreter zu entsenden imstande ist: „Geladen war auch Gregor Gysi für die Linksfraktion, der jedoch abgesagt hatte, ohne Ersatz zu schicken. Die Veranstalter hatten sich noch um die neue Kovorsitzende Katja Kipping bemüht, doch auch die habe wegen interner Verpflichtungen abgewinkt“, schreibt die Junge Welt.

Nun kann man sagen, der DGB habe hier eine Schaufenster-Veranstaltung abgehalten, eine Gelegenheit für Politik und Verbände, sich sozialökologischer zu geben, der Versuch, ein Thema zu besetzen um  die Spielräume enger zu machen, um Radikalität herauszunehmen. Man kann auch beklagen, dass auf dem Kongress viel zu wenig die Basis Gelegenheit hatte, sich zu äußern: Betriebsräte, Umweltaktivisten, Verbraucher. Aber gerade dann wäre es ja sinnvoll gewesen, wenn die Linke – Stichwort: gewerkschaftliche Verankerung – keine Terminprobleme gehabt hätte. Für großes Medienecho sorgte das mit 700 Teilnehmern gut besuchte Treffen bisher nicht. Der Deutschlandfunk hat berichtet (hier und hier), ebenso Junge Welt und Neues Deutschland. Man liest skeptische Beobachtungen: „Wie üblich wurde der Gummibegriff Nachhaltigkeit in der Diskussion am Samstag mit recht unterschiedlichen Vorstellungen verknüpft“, heißt es in der einen Zeitung. Wichtige Kontroversen seien ausgeblieben, schreibt die andere. „Von Gewerkschaftsseite fehlten weitgehend Vertreter aus den aus Umweltsicht problematischen Industriebereichen.“ Auch die Umweltbewegung und die jüngere Generation habe man suchen müssen.

Für die gesellschaftliche Linke sind solche Kongresse trotzdem wichtig – auf ihnen zeigt sich, wie in den Gewerkschaften über zentrale Fragen des Umbau diskutiert wird, sie sind Gelegenheit, zu intervenieren, Räume im Kampf um Hegemonie. Ein Teil der Wortmeldungen ist inzwischen nachzulesen, es gibt zudem Videomitschnitte. Auch das DGB-Blog „Gegenblende“ widmete sich in einer Schwerpunktausgabe dem Thema Transformation. (tos, Foto: DGB/Simone M. Neumann)

flattr this!

DIE LINKE: Berlin macht Rolle rückwärts

Zur in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU vereinbarten Wiederaufnahme der religiösen Eidesformel als Regelfall in das Berliner Richtergesetz erklärt der rechtspolitische Sprecher Klaus Lederer:

Kaum beschlossen, soll das neue Berliner Richtergesetz nach dem Willen der künftigen Koalitionäre novelliert werden – in Bezug auf den Richtereid. Das rot-rote Richtergesetz hat das Bekenntnis zu Verfassung und Gesetz in den Mittelpunkt gestellt und die Bezugnahme auf religiöse Beteuerung in das Belieben der Beeidenden gestellt. Nun soll der Gottesbezug als Regelfall im Gesetz verankert werden.

Die Wiederaufnahme des Gottesbezuges in der Schwurformel als Regelfall ist eine Rolle rückwärts. Für Zugeständnisse beim Bau der ZLB und der Kunsthallen-PPP hat sich die SPD konservative Symbolik abkaufen lassen, die aus dem vorigen Jahrhundert stammt. Für die SPD ist das ein Armutszeugnis und ein Zeichen, dass sie unter schwarzem Druck bereit ist, von ihrer bisherigen Linie abzugehen, die der gesellschaftlichen Realität Berlins Rechnung getragen hat. Berlin ist mehrheitlich säkular, im Übrigen durch religiöse Vielfalt gekennzeichnet. Für staatliche Institutionen ergibt sich daraus die Pflicht, ein distanziert-neutrales Verhältnis gegenüber den Religionen einzunehmen und alle Bekenntnisse, ob weltanschaulich oder religiös, strikt gleich zu behandeln. Der religiöse Bezug in der Eidesbeteuerung ist danach Privatsache und gehört nicht in ein modernes Richtergesetz.

Der Volksentscheid über den Religionsunterricht als Pflichtfach, gegen dessen Einführung die SPD als größerer Partner in der rot-roten Koalition gemeinsam mit uns Position bezog, hat deutlich gemacht: Berlin ist im 21. Jahrhundert angekommen. Die Vereinbarung der beiden zukünftigen Koalitionäre über diese »Rolle rückwärts« macht mit hoher Symbolwirkung deutlich, wohin der schwarz-rote Zug fährt: in voraufklärerische Zeiten, in das vergangene Jahrhundert. Für Berlin ist das ein ausgesprochen schlechtes Zeichen.

Deutsche Freidenker-Verband ruft zur Teilnahme an der Papst-Demo auf

Der Berliner Landesverband wird sich mit seinen Mitgliedern an der Demonstration gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sozialpolitik des Papstes beteiligen.

 

 

 

 

Die Demonstration wird (Stand 15.September 2011) am 22.September 2011 um 16:00 Uhr am Potsdamer Platz beginnen. Der Demonstrationszug soll vorbei am  Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und entlang der Strasse Unter den Linden führen und mit einer Kundgebung auf dem Bebelplatz vor der St.Hedwigs-Kathedrale abschließen.

Die Freidenker demonstrieren am 22.09.2011:

- für die Durchsetzung von Vernunft und Humanismus im Denken und in der gesellschaftlichen Praxis.

- für eine nichtreligiöse, rationale Weltsicht, die sich auf ein Denken frei von Vorurteilen, Tabus und Dogmen stützt.

- für Toleranz und die Gewährleistung der Gewissens-, Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit. Das schließt unsere Forderung nach der vollen Gleichberechtigung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in der Gesellschaft ein.

- für die strikte Trennung von Staat und Kirche sowie die konsequente Trennung von Schule und Kirche.

Wir treffen uns am 22.09.2011, 15.45 Uhr vor dem Coffee Shop Balzac, Potsdamer Platz 10. Liegt Nähe U-Bahn-Ausgang (West).

Gott und die Welt

In Dresden beginnt der 33. Evangelische Kirchentag und dass es sich dabei um ein zuvörderst politisches Ereignis handelt, hat unter anderem diese kleine Vorgeschichte gezeigt: Im sächsischen Landtag wurde darüber gestritten, ob und wie viele Veranstaltungen die konfessionelle Megaveranstaltung im Parlament abhalten darf. CDU und FDP lehnten eine übermäßige Inanspruchnahme durch die Kirche ab – wohl weniger aus laizistischer Überzeugung. Die Liberalen sprachen es offen aus, ihnen ist Programm und Referentenliste des Kirchentags offenbar zu links. Zwar pappt überall das Religiöse drauf, sonst aber liest sich die Agenda tatsächlich wie die einer Attac-Konferenz. Die 33. Ausgabe des Kirchentags ist den großen Krisen gewidmet, es geht um Wachstum, Umwelt, Klima, Finanzmärkte. Dass das ein Umfeld ist, in dem die Linkspartei Anknüpfungspunkte findet, verwundert da nicht. Am Stand der Rosa-Luxemburg-Stiftung treten Politiker der Partei auf, es gibt einen Empfang der Fraktionen und auch ein „Linkes Seminar zum Kirchentag“.

Das wird bei einige ein paar alte Reflexe stören, wirft aber eine durchaus neue Frage auf: Die Linke und die Kirche – geht da was? Nach all der Geschichte? Und bei all der Gegenwart? Wegen oder trotz einer Glaubensorganisation, die ihre Beschäftigten in Sonderrecht hält und staatliche Privilegien beansprucht? Das Thema Linkspartei und Kirche ist in den vergangenen Monaten ein wenig aufgelebt. Einerseits, weil die Partei um eine Reihe von parlamentarischen Initiativen streitet, in denen es unter anderem um die Staatsleistungen und das kirchliche Arbeitsrecht. Ein Antrag zu letzterem ist unlängst im Bundestag in erster Lesung behandelt worden – und es gab laute Kritik aus den eigenen Reihen daran. Auch die religionspolitischen Passagen im Programmentwurf haben zu einigen Diskussionen geführt. Und wenn im Herbst der Papst die Bundesrepublik besucht, wird die Linke erneut gefordert sein, sich in einem politischen Umfeld zu positionieren, das spannungsreich ist: zwischen laizistischem Anspruch und religionspolitischer Toleranz, zwischen echter Kooperation und falscher Rücksichtnahme, zwischen Glaube und Vernunft liegt ein Feld, auf dem Agnostizismus auf Aberglauben trifft, auf dem linke Christen mit atheistischen Linken streiten werden. Um Gott und die Welt.

Sebastian Prinz: Die Linkspartei und die Kirchen – hier
Religionsfreie Zone auf dem Dresdner Kirchentag – hier
Kirchentagsblog der Luxemburg-Stiftung – hier

Bodo Ramelow, der einmal religionspolitischer Sprecher der Bundestagslinken war und gewissermaßen das pro-religiöse in der Linkspartei Lager anführt, hat vor ein paar Tagen in der Sächsischen Zeitung einen kleinen kursorischen Text dazu veröffentlicht. Es geht dabei unter anderem um „das Zusammendenken von sozialistischen und christlichen Werten“. Das hat eine gewisse Tradition, die allerdings wegen der doppelten Vorgeschichte der eine geteilte ist. Im Osten ist das Verhältnis zur Kirche eher von dem schwierigen Verhältnis zwischen SED-Administration und Glaubensorganisationen gekennzeichnet, also durchaus retrospektiv bestimmt. Im Westen verlief die Geschichte anders, wofür nicht zuletzt das Beispiel des hessischen Landtagsabgeordneten Ulrich Wilken stehen kann, der in den achtziger Jahren Generalsekretär der „Christen für den Sozialismus“ war. Neben Geschichte und Partnerschaft bildet schließlich die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Kirche einen dritten Ankerpunkt der religionspolitischen Debatte bei der Linken. Womit wir wieder beim Evangelischen Kirchentag wären, der zur Hälfte aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Wogegen es allerbeste Argumente gibt. (tos)

flattr this!

Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein

Bodo Ramelow

Bodo Ramelow

Sonntag, 29. Mai 2011 (Sächsische Zeitung) von Bodo Ramelow

Unter dem Titel Perspektiven veröffentlicht die Sächsische Zeitung kontroverse Essays, Kommentare und Analysen zu aktuellen Themen. Heute: Der Linken-Politiker Bodo Ramelow über Glaube, Kirche, Sozialismus und den evangelischen Kirchentag. Religion kann Teil der Lösung gesellschaftlicher Probleme sein. Ein Plädoyer für den Dialog von Sozialisten und Christen.

der ganze Artikel bei der Sächsischen Zeitung


Einsortiert unter:Statements Tagged: Bodo Ramelow, Christ, Die Linke., evangelischer Kirchentag, Glaube, Kirche, Sozialismus, Sozialist

Bündnis „Nazifrei in Plauen“ ruft zum friedlichen Protest auf

Naziaufmarschin Plauen blockieren!Das Bündnis „Nazifrei in Plauen“ ruft zum friedlichen Protest
gegen den Naziaufmarsch am 16. April 2011 auf.

Unter dem Vorwand, der Opfer der Bombardierung Plauens im April 1945 zu gedenken, planen Nazis in Plauen zu marschieren. Damit versuchen sie, ihre menschenverachtende und demokratiefeindliche Ideologie zu verbreiten.

Die Nazis wollen dabei ausgerechnet die historische Route der friedlichen Revolution von 1989 für ihren Aufmarsch missbrauchen. Wir dürfen nicht zulassen, dass an diesem Tag die Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Folgen verherrlicht oder verfälscht werden.

In jüngster Vergangenheit gab es mehrere Naziaufmärsche in Sachsen, ob im Februar in Dresden oder im März in Chemnitz. Ein breites demokratisches Spektrum aus Gewerkschaften, Initiativen, Kirchen, Parteien, Vereinen und vielen Einzelpersonen haben sich den Nazis entgegen gestellt.

Das Bündnis ruft alle Vogtländerinnen und Vogtländer dazu auf, sich an der Gegenkundgebung zu beteiligen und den Neonazis am 16. April friedlich und entschlossen entgegen zu treten.

Setzt ein klares Zeichen für Demokratie, Menschenwürde und Toleranz!

www.plauen-nazifrei.de/