Gregor Gysi hat sich zum Besuch an der Saar angekündigt – und weil zwischen dem Fraktionschef der Linken im Bundestag und Oskar Lafontaine zuletzt deutlich mehr als nur ein Blatt Papier zu passen schien, ist nun bei einer Nachrichtenagentur von einer „Versöhnungsfahrt“ an historischer Stelle die Rede. Der ehemalige Vorsitzende und Gysi werden am Samstagmittag mit der „Maria Croon“ durch die Natur schippern, von Mettlach aus ist es bis zur Saarschleife nicht weit. Dort, hoch oben auf der Cloef, hatte Lafontaine dereinst mit Gerhard Schröder samt damaliger Gattinnen posiert, um die Felsenfestigkeit ihrer Parteifreundschaft zu demonstrieren – mit der es, wie man weiß, nicht weit her war. Von einem „Zweckbündnis“ sprach Lafontaine 2008 einmal, und davon, dass er jedenfalls den SPD-Kanzler, der seinen Finanzminister mit Hilfe der Bild-Zeitung zum Rückzug zwang, nicht vermisse. Die Beziehung zur Saarschleife hielt, immer mal wieder trat er dort vor Kameras, was der Konkurrenz bisweilen Gelegenheit zum Spott gab. Roland Theis, der saarländische CDU-Generalsekretär, frotzelte 2011 nach einer Landtagsrede des Linken-Politikers, es gebe „quasi nichts im Saarland, was wir nicht Oskar Lafontaine verdanken“ – und meinte direkt an diesen adressiert, „was Sie vergessen haben ist, dass Sie die Saarschleife gekrümmt haben.“ Der ehemalige SPD-Ministerpräsident soll sauer gewesen sein, hieß es später in der Zeitung. Peter Müller, inzwischen ehemaliger CDU-Ministerpräsidenten, rief Theis daraufhin zu: „Roland, du derfscht net so frech sin, sonst zieht er die Saarschleif wieder grad.“ Nun, der Fluss biegt sich noch heute unterhalb von Orscholz – weshalb Theis ein paar Monate später Heiko Maas und Lafontaine ebendorthin zu einem „Romantikwochenende“ einladen konnte, auch das war freilich wieder ironisch bis böse gemeint. „Die Cloef an der Saarschleife eignet sich ganz besonders, um ‚ewige Freundschaften‘ zu besiegeln. Das weiß Oskar Lafontaine nur allzu genau“, stichelte Theis. Vielleicht erzählt der Saarländer Linke seinem Berliner Genossen am Samstag auf der „Maria Croon“ davon. Es soll ein „geselliges Beisammensein bei politischen Themen“ werden. Und eine „Versöhnungsfahrt“ werden Lafontaine und Gysi nach ihrem Steinbutt-Essen im Aigner am Berliner Gendarmenmarkt wohl auch gar nicht mehr nötig haben. (tos, Foto: Wolfgang Staudt, CC BY 2.0)
Heiko Maas
Die Biegung des Flusses
Drei Interviews
Oskar Lafontaine ist im Wahljahr 2012 als saarländischer Spitzenkandidat ein gefragter Mann. Und natürlich nicht nur in dieser Funktion. Auf Zeit online gibt der Linken-Politiker Auskunft über sein Verhältnis zu Heiko Maas, auch auf Welt.de spricht er über die noch verbliebenen Möglichkeiten von Bündnissen mit der SPD. Und im Interview mit der Onlineausgabe des Handelsblatts antwortet Lafontaine auf die Frage, ob die Linke „zur Opposition verdammt“ sei mit den Worten: „Wir wollen eine linke Regierung, aber solange die SPD die Linke ausgrenzt, wird sie keinen Kanzler stellen. Wir würden der SPD die Hand reichen. Aber bislang zieht sie es vor, in der großen Koalition ihre zentralen Wahlkampfziele zu verraten.“ (vk)
Rot-rote Vernunft
Die saarländische Linke hat ihr Programm für die Wahlen am 25. März vorgestellt – und der Spitzenkandidat nutzte dies, um zweierlei Signale zu senden: „Unser Programm ist eine klare Alternative zum Streichpaket von CDU und SPD“, sagt Oskar Lafontaine in deutlicher Abgrenzung zu den Sozialdemokraten. Zugleich hoffe er, dass die Linke so stark abschneide, dass die SPD endlich „zur Vernunft“ komme und doch noch ein rot-rotes Bündnis eingehe. Letzteres soll vor allem jene Wähler der Sozialdemokraten ansprechen, die den Kurs von Heiko Maas nicht mittragen, der eine Kooperation mit der Linken bereits ausgeschlossen hat.
In ihrem Wahlprogramm fordert die Linke „unter anderem neue Investitionen und einen Ausbau der Medizintechnik im Land, eine strenge Begrenzung und Regulierung der Leiharbeit, ein echtes Tariftreuegesetz und einen ,Saarlandfonds‘ als Schutzschirm für bedrohte Betriebe“. Steuergelder sollen demnach nur noch zur Rettung solcher Firmen fließen, „die im Gegenzug ihren Beschäftigten Anteile ausgeben“. Auch will die Linkspartei den Sparkassen im Saarland Wucherzinsen und riskante Spekulations-Geschäfte verbieten, ein kostenloses Girokonto für alle erreichen, die Hürden für direkte Demokratie senken und sich, sollte sie an einer Landesregierung beteiligt werden, auf Bundesebene für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, eine Millionärssteuer und eine sozial gerechte Reform der Erbschaftssteuer einsetzen. „Durch neue Investitionen in zukunftsträchtige Bereiche und durch einen Ausbau der Gemeinschaftsschule und eine Bekämpfung des Unterrichtsausfalls. Und wir wollen den traurigen Boom der Niedriglöhne und Leiharbeits-Stellen in diesem Land beenden“, so Lafontaine. „Dabei sagen wir ganz klar, wie wir unsere Ideen umsetzen und bezahlen wollen.“
Wenn die SPD hinter der CDU lande, müsse SPD-Landeschef Heiko Maas erklären, warum er auf den Posten des Ministerpräsidenten verzichte, heißt es. In Umfragen liegen Union und Sozialdemokraten nahe beieinander, in den vergangenen Wochen kamen beide Parteien mal auf den selben Wert, mal lag die SPD knapp vorn. Die Linkspartei wurde zuletzt mit 14 Prozent taxiert – bei der Landtagswahl 2009 holte man über 21 Prozent. Ob dieses Ergebnis wiederholt werden kann, bleibt abzuwarten. Dass die Linke besser abschneidet als in Umfragen vorhergesagt, davon geht man in der Partei aus Erfahrung aus. Der Schuldenbremsen-Kurs der SPD sei falsch, heißt es bei Lafontaine.Allein mit Sparmaßnahmen sei diese „allein schon rein rechnerisch nicht einzuhalten“. Der Spitzenkandidat plädiert daher für eine Politik über den Bundesrat, in der das Saarland gemeinsam mit anderen Regierungen für Steuermehreinnahmen streiten und dies zur Bedingung für eine Zustimmung zum EU-Fiskalpakt machen solle. (vk)
Unabweisbares Angebot?
Der Fall dürfte Seltenheitswert besitzen, wenn er nicht sogar einmalig ist: Zwei Parteien setzen die Auflösung des Landtags durch, nachdem sie Sondierungsgespräche über eine gemeinsame Regierung ohne Ergebnis beendeten, nur um danach doch miteinander zu regieren. Die Wähler, in diesem Falle die im Saarland, dürfen also nur noch bestimmen, wer Ministerpräsident wird und wer Stellvertreter, der Rest ist faktisch ausgekungelt. So macht man Demokratie zur Farce.
Die Rede ist von CDU und SPD, die sich offenbar über die nächsten fünf Jahre einig sind und dafür laut Umfragen bislang gut 70 Prozent der Wähler im Rücken haben. Nun steht fest, dass an der Saar am 25. März gewählt wird, nachdem CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kürzlich die Jamaica-Koalition mit Grünen und FDP überraschend für gescheitert erklärt hatte. Am gleichen Tag noch – Donnerstag Abend – kürte die Linke ihren Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der nun acht Wochen lang Punkte machen soll – für die Landes- und die Bundespartei. Denn Lafontaines Wahlkampfeinsatz ist auch eine unverhoffte Tribüne, auf der das Image der gesamten Partei aufpoliert werden kann.
Worum es im Wahlkampf der Linkspartei inhaltlich gehen soll, hat Landesvorsitzender Rolf Linsler dieser Tage im ND-Interview erklärt: gute Arbeit, Tariftreuegesetz, längeres gemeinsames Lernen, Kampf gegen Billigjobs, gesetzlicher Mindestlohn und anderes. In diesen Punkten ist die Distanz zur SPD nicht groß, aber der SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas hat schon mehrfach ausdrücklich Rot-Rot abgelehnt. Der Knackpunkt ist die Schuldenbremse, die von der Linken prinzipiell abgelehnt wird, der die SPD aber nach langem Widerstand inzwischen zustimmt. Lafontaine hat mittlerweile die Hand ausgestreckt, indem er erklärte, man müsse nicht rigoros sparen, um die Schuldenbremse einzuhalten, sondern könne dies auch mit Hilfe von mehr Steuereinnahmen erreichen.
An diesem Punkt setzt auch Linke-Vorsitzender Klaus Ernst an und kündigte an, die Linke werde der SPD ein Angebot machen, dass diese „nicht ablehnen kann“. Die Linke wolle gemeinsam mit der SPD den Landeshaushalt sanieren und die Schulden reduzieren, und zwar auf Kosten der Millionäre und nicht auf Kosten der Bürger. Ernst sagte auch einen Satz, der in der Partei noch einigen Nachhall finden dürfte: „Wir haben im Osten bewiesen, dass man Haushaltssanierung und soziales Augenmaß zusammenbringen kann.“
Und wenn die SPD trotzdem dankend ablehnt – wie zuvor schon in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen? Es ist nicht nur Heiko Maas, der sich abweisend zeigt, was sicherlich im Wahlkampf ohnehin kaum anders zu erwarten war. Auch der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel hat sich klar gegen rot-rote Konstellationen ausgesprochen – im Bund und im Saarland. Die Linke sei unberechenbar und zerrissen – es ist die alte Nummer der Einteilung in gute und böse Genossen. Und zum Saarland meint Gabriel, man könne nicht mit jemandem koalieren, der unsolide mit Finanzen umgehe. Das war vor den Äußerungen von Lafontaine und Ernst zu Schuldenbremse und Haushaltsanierung. Aber auch dazu wird Gabriel ein Ablehnungsgrund einfallen.
Doch auch ohne Regierungsbeteiligung kommt die Wahl der Linken wie gerufen. Denn ein Erfolgserlebnis kann die gebeutelte Partei dringend gebrauchen – selbst wenn nicht gleich, wie mancherorts orakelt wird, das Schicksal der ganzen Partei auf dem Spiel steht. Von den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (Mai 2012) und Niedersachsen (Januar 2013) ist der große Ruck nur sehr begrenzt zu erwarten; dort kann die Partei froh sein, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde überwindet. Im Saarland aber kann es durchaus wieder zweistellig werden. Zwar sind die 21,3 Prozent vom letzten Mal ein extrem anspruchsvoller Maßstab, aber Landesvorsitzender Linsler ist optimistisch, dass die Linke wieder drittstärkste Kraft wird und erneut rund zehn Prozent mehr schafft als die Linke im Bundesdurchschnitt. Das wären – hochgerechnet vom jetzigen Umfragestand für die Bundestagswahl – 16 bis 17 Prozent.
Eine aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen bescheinigt der Linken 13 Prozent. Allerdings schreibt das Institut dazu – was in den Medienberichten glatt übersehen wird – ,dass die erhobenen Projektionswerte „lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder(geben) und … keine Prognose für den kommenden Wahlausgang“ darstellen. Noch ist also alles möglich. (wh)
Erster Schritt wohin?
Die Sondierungsgespräche von CDU und SPD sind gescheitert, das Saarland steht vor Neuwahlen. Der Ausgang des Vier-Augen-Gesprächs zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas kommt nicht völlig überraschend, für ein wenig Spannung sorgten die Ministerpräsidentin und der Sozialdemokrat am Donnerstag allerdings dann doch noch: Eine zunächst für den späten Nachmittag angekündigte Erklärung wurde verschoben, eine geplante Pressekonferenz mit Oskar Lafontaine wurde wegen der Verzögerung sogar abgesagt. Viertel vor sieben dann die Meldung: Neuwahlen. Für eine stabile Regierung benötige man eine ganze Legislaturperiode, lautete eine erste Begründung aus der CDU. Deswegen solle nun der Wähler entscheiden. 20 Minuten später bereits begrüßte die Linkspartei die Entscheidung: Der Schritt eröffne die Chance zu einem Politikwechsel an der Saar. Wie realistisch eine rot-rote Option wirklich ist, muss sich allerdings noch zeigen.
Gemeinsam mit der SPD, meint Fraktionschef Oskar Lafontaine, könne man „über die Durchsetzung einer Besteuerung großer Vermögen, großer Erbschaften und hoher Einkommen (Millionärssteuer) im Bundesrat die Vorgaben der Schuldenbremse einhalten und gleichzeitig die Grundlage für bessere Schulen, eine gute Krankenversorgung und eine ausreichende Polizeidichte im Saarland sicherstellen. Zudem können nur so die Infrastrukturinvestitionen getätigt werden, die zur Schaffung neuer Arbeitsplätze notwendig sind.“ Der frühere Linken-Chef wies zugleich auf die Chance hin, „erste Schritte hin zur Wirtschaftsdemokratie durch die Beteiligung der Belegschaften an ihren Betrieben zu machen“. Ein Bündnis aus SPD und Linken könne in Zeiten der Krise überdies sicherstellen, „dass die saarländischen Sparkassen und die Landesbank, keine Wucherzinsen verlangten, das Geld der Sparer sicher anlegten und nicht mit Giftpapieren handelten“.
Als weitere Punkte nannte Lafontaine die Begrenzung von Einzelhandelsflächen, um die Verödung der Ortskerne zu vermeiden. Linken-Chef Klaus Ernst äußerte sich trotzdem optimistisch. „Neuwahlen sind gut, weil sie eine neue Mehrheit bringen“, hieß es in einer ersten Reaktion. „Wir sind für Rot-Rot an der Saar, weil wir auch eine neue, soziale Politik wollen.“ Sachsen-Anhalts Linkenchef Matthias Höhn sieht nun ebenfalls “die Chance für einen echten Politikwechsel gegeben”. Der Sprecher des reformsozialistischen Flügels der Linken, Benjamin Hoff sagte, mit den Neuwahlen sei „der erste Schritt“ gemacht. Nun müsse die SPD auch den zweiten gehen und einen „Politikwechsel gemeinsam mit der Linken“ umsetzen.
Ob die Forderung der Linken an die SPD, ihre „voreilige Festlegung auf eine große Koalition aufzugeben“, bei den Sozialdemokraten auf fruchtbaren Boden fällt, ist jedoch ziemlich offen. Gerade mit Blick auf die Schuldenbremse hatten beide Seiten in den vergangenen Tagen ihre Unterschiede markiert. Noch am Mittwoch hatten Maas und Lafontaine sich im Landtag eher ablehend geäußert. „Die Linke ist nicht bereit, sich an einer Regierung zu beteiligen“, wenn die Schuldenbremse von der SPD „so interpretiert wird, dass der einzige Weg, einen Haushalt zu sanieren, weitere Sozial- und Personalkürzungen sind“. Maas hatte daraufhin erwidert, er stimme Lafontaine zu, „dass es im Falle von Neuwahlen jetzt keine Chance für Rot-Rot in diesem Land gibt“. Die Linke müsse erst einmal das umstrittene Kredittabu als „Realität“ akzeptieren. Lafontaines Erklärung vom Donnerstagabend wies freilich schon ein wenig in diese Richtung: Immerhin war darin von einem Weg die Rede, „die Vorgaben der Schuldenbremse“ einzuhalten, ohne dass dies zu Lasten der öffentlichen Angebote und Aufgaben gehe.
Dennoch stehen die Signale eher auf große Koalition. Kramp-Karrenbauer wies darauf hin, dass sie sich mit Maas einige gewesen sei, dass ein solches Bündnis, das “den Sanierungsanforderungen dieses Landes gerecht werden muss und gerecht werden will, eine Legitimation über fünf Jahre braucht”. Sie strebe auch nach der Wahl eine große Koalition an, da sie weiterhin glaube, dass ein solches Bündnis im Saarland “für die nächsten Jahre die einzig richtige Konstellation ist”. Auch SPD-Mann Maas hob hervor, es gebe viele Gemeinsamkeiten. Er wurde noch am Donnerstagabend vom Landesvorstand der Sozialdemokraten einstimmig zum Spitzenkandidaten nominiert. „Gut so“, kommentierte auch Horst Johannes Kahrs die Neuwahl-Entscheidung. Der SPD-Seeheimer zeigte sich dabei nicht nur sicher, dass Maas Ministerpräsident werde, sondern beschied auch CDU und Grünen, „dass sie es nicht können“.
Süddeutsche Zeitung: “Die gefühlte Kraft der SPD ist groß, die Umfragen sehen sie um zwei Punkte vor der CDU. Aber diese Umfragen stammen aus der Zeit vor der Auflösung der Jamaika-Koalition. Seitdem hat die CDU-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer an Statur gewonnen; und viele enttäuschte FDP-Wähler werden bei der Neuwahl ihr Heil bei der CDU suchen. Das kann die jetzt goldenen Hoffnungen der SPD zerstören. Dann bleibt der SPD, so kalkuliert sie, nach Neuwahlen immer noch Silber – weil die CDU zur Koalitionsbildung auf die SPD angewiesen sein wird. Die SPD kriegt also auch dann mindestens das, was sie jetzt (ohne Neuwahlen) auch gekriegt hätte. Es sei denn, es kommt nach der Neuwahl zu Schwarz-Grün.”
Mannheimer Morgen: “Somit sind sofortige Neuwahlen die sinnvollste Lösung. Paradoxerweise könnte dabei am Ende doch eine Große Koalition herauskommen – alle anderen Bündnisse scheinen derzeit rechnerisch oder politisch unmöglich.”
Leipziger Volkszeitung: “Schwarz-Rot oder Rot-Schwarz? Für das Landkreis große Saarland ist dies fast schon egal. Die Sog-Wirkung auf die Bundespolitik wird groß: Ab sofort geht der Machtkampf um die Bundespolitik los.”
Saarbrücker Zeitung: “Das Saarland wählt einen neuen Landtag – und hat eigentlich gar keine Wahl, denn die künftige Regierung steht schon fest: eine große Koalition aus CDU und SPD. Offen ist allenfalls, wer den Regierungschef stellt.”
Rheinische Post: “Jegliche Regierungs-Tändelei mit Grünen oder den in Saarbrücken besonders labilen Liberalen, gar mit den verantwortungslosen Schuldenmachern der Linkspartei schmälerte die Aussicht des Ländchens, aus eigener Kraft aus der Etat-Misere zu kommen.”
Mit den Neuwahlen sind für die Linke ein paar Fragen zusätzliche aufgeworfen. Landeschef Rolf Linsler hatte schon zuvor auf frühere Äußerungen von Lafontaine hingewiesen, nach denen dieser für den nun eingetretenen Fall der Fälle als Spitzenkanditat bereitstehe. „Ich hoffe, dass das so bleibt“, offenbar an jene Debatte denkend, in der dem Fraktionsvorsitzenden eine vor allem bundespolitische Rolle zuerkannt wird – dies nicht nur mit Blick auf die nächsten Bundestagswahlen, sondern auch im Rennen um die Spitzenposten in der Linken. Vielleicht tritt das jetzt angesichts zweier landespolitischer Wahlkämpfe im Frühjahr etwas in den Hintergrund. Und die Linke in Schleswig-Holstein, für die der Wiedereinzug die schwierigere Aufgabe ist, könnte vielleicht ein wenig Rückenwind aus dem Saarland erhalten. Dort rechnet sich die Partei wegen des “Oskar-Faktors” Ergebnis zwischen 18 und 20 Prozent aus. Zuletzt lag die Linke in Umfragen bei 12 Prozent. (tos)
In der Saarschleife
Die saarländische Landespolitik hat an diesem Mittwoch ein volles Programm: Am Morgen wurden die vier Minister von Grünen und FDP entlassen, danach wollte die CDU über eine vorübergehende Ressortverteilung entscheiden und am Nachmittag gehen die Sondierungsgespräche mit der SPD weiter. Ein Thema dabei: Der Vorschlag der Sozialdemokraten, die Landtagswahl auf 2013 vorzuziehen und parallel zur Bundestagswahl abzuhalten. Die CDU ist bisher dagegen, die SPD sei jedoch auf diese Position „festgelegt“, heißt es. Gegebenenfalls werde es eben Neuwahlen geben. Doch die hätten, passiert nichts Saarbewegendes mehr, so ziemlich dasselbe Ergebnis: eine große Koalition. Also auch hier scheint die Sache bereits „festgelegt“.
Nach dem Schiffbruch von Jamaika hatten für ein paar Tage noch andere Farbspiele eine kleine Nebenrolle auf der Bühne: Die Linkspartei erklärt, bei aller Kritik an den Grünen wolle sie sich auch Rot-Rot-Grün nicht verschließen, es komme jedenfalls auf die Inhalte an. Auch auf dem linken SPD-Flügel konnte man manche Einlassung so verstehen, dass Neuwahlen mit dem Ergebnis Rot-Rot doch besser seien als ein Bündnis mit der CDU. Davon ist inzwischen nicht mehr die Rede. Die Saar-Politik ist eben „festgelegt“. Die Ironie daran ist, dass das Festgelegtsein seinen Grund in der Beweglichkeit der Sozialdemokraten in einer entscheidenden Frage hat: der Haltung zur Schuldenbremse. Landeschef Heiko Maas gehörte lange zu den Kritikern dieses Instruments. „Schuldenbremse heißt: weniger Bildung und weniger Sozialstaat“, sagte er im vergangenen März. Und als im Herbst selbst Annegret Kramp-Karrenbauer ein Licht aufging und sie beklagte, dem Land fehle es an Handlungsspielraum, erinnerte Maas die CDU-Ministerpräsidentin daran, dass es ihre Partei war, welche die Schuldenbremse „gegen alle Bedenken der SPD durchgedrückt“ habe.
Die Bedenken hat Maas inzwischen verloren, aber es ist dies keine Frage der Einsicht oder grundlegend veränderter Voraussetzungen. Sondern bloß eine der landespolitischen Taktik. Maas hat, als Signal an die CDU und die Linkspartei, durchblicken lassen, dass die Sozialdemokraten im Saarland nun auch bereit seien, die Schuldenbremse zu akzeptieren. Im Gegenzug kann die SPD von der Union Entgegenkommen erwarten, und die Linkspartei wird auf eine Weise auf Distanz gehalten, die ihr selbst einen Schwarzen Peter zuspielt: Er, Maas, wolle, ja müsse gewissermaßen die Möglichkeiten einer großen Koalition ausloten, weil die Linkspartei „die Realitäten“ nicht akzeptiere, also: die Schuldenbremse und mit ihr einhergehende Kürzungen. Abgesehen davon heißt es in der SPD, „mit ersprießlichen rot-roten Gesprächen sei an der Saar nicht zu rechnen“, wie die Tageszeitung schreibt, „weil Lafontaine undurchschaubare Absichten auf Bundesebene verfolge“. Der Fraktionschef der Linken hat entgegnet, es könne keine Koalition mit Sozialdemokraten geben, welche ihre kritische Position zur Schuldenbremse geräumt haben, denn diese bedeute „Sozialabbau und Einschnitte bei der Bildung“. Auch hier also: Man zeigt sich „festgelegt“. (Hier wird in der Linken übrigens gerade eine neue “rote Haltlinie” gezogen. Auch wenn der Begriff “Schuldenbremse” im Erfurter Programm seltsamer Weise gar nicht vorkommt: SPD und Grüne befürworten das volkswirtschaftlich fragwürdige Kredittabu mit Verfassungsrang, daraus folgt eine bündnispolitische Schließung, welche vor allem für das reformsozialistische Lager knifflige Fragen aufwirft.)
Für die Saar-Linke ist das zweifellos eine Frage der viel zitierten Glaubwürdigkeit, die zu verteidigen allerdings auch schwierig sein wird. In den Medien wird der Linkspartei die Schuld an der landespolitischen Alternativlosigkeit gegeben. Lafontaines, vom linken Landesvorsitzenden Rolf Linsler unterstützte Absage, hätte CDU und SPD „praktisch zur Zusammenarbeit gezwungen“, schreibt die Saarbrücker Zeitung. Die Süddeutsche kommentiert die Lage mit den Worten, „die Linke hat sich mit dem Lafontaine-Interview auf Opposition festgelegt. Also müssen CDU und SPD sich zusammenraufen.“ Kommen die nicht auf einen gemeinsamen Nenner, wird es Neuwahlen geben. Sowohl der linke SPD-Flügel als auch Seeheimer (etwa hier) plädieren ohnehin dafür. Stattfinden könnte so ein Urnengang im März oder April. Und auch in der CDU heißt es nun, man sei auch für eine schnelle Neuwahl gut vorbereitet. Mag sein, dass sich jede Partei ihre Chancen dabei ausrechnet. Demokratiepolitisch aber ist die Lage nicht besonders günstig – letzten Endes geht es um Wahlen, deren Ergebnis bereits „festgelegt“ erscheint. (tos, Foto: Wolfgang Staudt, CC BY 2.0)
Selbstverständlich Oskar
Im Saarland beginnen CDU und SPD in dieser Woche Gespräche, die man vor ein paar Tagen noch nicht unbedingt für möglich gehalten hätte. Ob die Sozialdemokraten in eine Große Koalition einsteigen, ist offen – es spricht eine ganze Menge dagegen. Nicht nur ist innerhalb der SPD der Druck für Neuwahlen ziemlich groß, sowohl am linken Flügel oder bei den Saar-Jusos, deren Vertreter als einziger im Landesvorstand gegen Sondierungen mit der CDU votierte. Es gibt aber auch entsprechende Signale in der Bundesspitze. Die hätte zu erklären, warum die Sozialdemokraten ihre momentane demoskopische Stärke als Juniorpartner der CDU unter Wert verkaufen sollen und warum sie überhaupt mit jener Union in ein Bündnis einsteigt, die in den vergangenen Monaten als Hauptursache für die schlechte landespolitische Performance kritisiert wurde. SPD-Chef Heiko Maas hat bereits erklärt, dass seine Partei „als Juniorpartner im klassischen Sinn nicht zur Verfügung stehen“ werde. Die zehn Prozent Rückstand bei den vergangenen Wahlen haben sich in einen Vorsprung verwandelt, was es allerdings heißen soll, dass „die übliche Aufteilung zwischen Junior- und Seniorpartner durchbrochen wird“, ist offen. Von einer Reihe politischen Knackpunkten einmal abgesehen.
Eine rot-rot-grüne Option lässt sich im Saarland auf absehbare Zeit allerdings wohl auch nicht ziehen. Zwar sagt Oskar Lafontaine, eine solche Variante werde an der Linken nicht scheitern. Andererseits hält der Saarländer eine Kooperation mit den Grünen für “kaum” realistisch und bleibt auch bei seiner deutlichen Kritik: “Die Saar-Grünen, die durch ungewöhnliche Wahlspenden beeinflusst, die Jamaika-Koalition erst ermöglicht haben, haben ihre Glaubwürdigkeit verloren” – warum sollten sie diese so schnell wiederfinden? Die Ökopartei ist mit ihrem Jamaika-Kapitän Hubert Ulrich aus dem Bereich der Möglichkeiten geschippert und dass sich die internen Kritiker Ulrichs in Kürze gegen diesen durchsetzen könnten, ist kaum zu erwarten. Zumal es für eine nötige auch personelle Erneuerung offenbar keinen bundespolitischen Rückhalt gibt – man kann das an Claudia Roth ablesen, die nach Scheitern des Jamaika-Bündnisses darauf hinwies, dass die Kooperation mit der Union „ausgesprochen gut“ gewesen sei und noch einmal auf die Strategie der grünen Eigenständigkeit verwies, statt die Nähe zu den Saar-Liberalen zu problematisieren und auf die Möglichkeit einer landespolitischen Laborkoalition abzustellen, die zwar nicht das Saarland aus den Angeln hebeln würde, aber Rot-Rot-Grün als eine Variante in der reformpolitischen Debatte in diesem Land rehabilitieren könnte.
Die Lage im Saarland und das Agieren der Grünen machen das nicht einfacher. Benjamin Hoff vom Forum demokratischer Sozialismus hat Neuwahlen als den “einzigen Weg” bezeichnet, “klare politische Mehrheiten und im besten Falle eine weitere rot-rote Landesregierung zu ermöglichen”. Im Falle von Neuwahlen, das hat Oskar Lafontaine bereits angekündigt, werde er „selbstverständlich“ als „Spitzenkandidat der Saar-Linken ins Rennen gehen“. Dass ihm jemand diese Rolle unter Verweis auf die noch ausstehende Entscheidung des Souveräns der Partei, also der Basis, streitig machen könnte, ist nicht zu erwarten. Zu welchen politischen Ergebnissen die beachtliche Popularität des früheren Ministerpräsidenten noch fähig ist, dürfte allerdings auch stark von der jeweiligen Konstellation abhängen. Eine rot-rote Koalition bleibt inhaltlich und von den möglichen Mehrheiten her durchaus eine Variante. Strategisch hat sich allerdings seit Herbst 2009 die Lage gravierend verändert, die Saar-SPD wird sich allen landespolitischen Autonomie-Erklärungen zum Trotz auch in den bundespolitischen Kanon der Sozialdemokraten einreihen müssen – und der klingt derzeit doch deutlich anders.
An persönlichen Fragen würde es dagegen wohl nicht scheitern. „Wie ist Ihr Verhältnis zu Oskar Lafontaine?“, wurde Maas von der Frankfurter Allgemeinen gefragt. „Ganz normal“, antwortete der SPD-Mann. Innerhalb der Linken ist Lafontaine offenbar umstrittener, jedenfalls auf einem Flügel der Partei. In der Potemkin heißt es mit Blick auf mögliche Neuwahlen, diese könnten „auch zur Entzauberung des Mythos des Volkstribuns Lafontaine führen“. An diesem Mythos, und eigentlich ist es dieser Gedanke, der wirklich interessant ist, feile „schlussendlich auch die bürgerliche Presse kräftig“ mit – und zwar „um mit Lafontaine und Wagenknecht im linken Lager Personen aufzubauen, die nachhaltig dafür Sorge tragen, dass in der Bundesrepublik keine Regierungsbildung an der CDU vorbeikommt“. Damit gibt es jetzt zwei Großtheorien auf der Linken, in denen die Medien eine zentrale Rolle spielen – einmal als Transmissionsriemen einer entschärften Linken, in der die hochgeschriebenen Realos die „guten Ziele“ hinter sich ließen. Und einmal als Verhinderer von rot-rot-grünen Koalitionen, die Politiker wie Lafontaine und Sahra Wagenknecht stark machten, weil mit diesen solche Bündnisse unwahrscheinlicher werden. Dass dies sinnvolle Erklärungen der Wirklichkeit sind, ist damit nicht gesagt. (tos, Foto: Wahlkampf 2009, Linke)
Saarland unter
Der Landesvorsitzende der Linken im Saarland hat also Recht behalten: „Jamaika löst sich auf“, frotzelte Rolf Linsler bereits Mitte Dezember. Am Freitagmittag hat CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer den Bruch nun tatsächlich vollzogen. Sie habe die Koalitionspartner von FDP und Grünen darüber informiert, „dass Vertrauen, Stabilität und Handlungsfähigkeit innerhalb des Regierungsbündnisses nicht mehr ausreichend vorhanden sind“. Zur Begründung wird auf die Querelen bei den Liberalen verwiesen. Seit langem belasten Personalien der FDP das Regierungsbündnis, die Fraktion hat seit Wochen keinen Vorsitzenden. Dieser Zustand, so die Unionspolitikerin, sei „nicht mehr länger mit der Verantwortung für die Zukunftssicherung des Landes vereinbar“. Das ist das eine.
Das andere sind Zeitpunkt und bundespolitische Signalwirkung. Denn die CDU ließ die Nachricht vom Platzen des umstrittenen Bündnisses just zu der Stunde durchsickern, als FDP-Chef Philipp Rösler beim Dreikönigtreffen abermals eine Rettungsrede für die trudelnden Liberalen hielt. Kramp-Karrenbauer erklärte am Nachmittag mit Blick auf die Liberalen, die “personellen Risiken” seien zu groß. Doch der “Zustand der Zerrüttung” ist nicht erst in dieser Woche eingetreten. Entwicklungsminister Dirk Niebel sagte denn auch: “Hätte man nicht den politischen Partner, die FDP, schädigen wollen, hätte man das schon viel früher machen können.” Anzunehmen ist, dass sich Kramp-Karrenbauer mit Angela Merkel verständigt hat und die Kanzlerin zumindest nicht darauf drängte, einen anderen Termin zu wählen. Vor dem Hintergrund der Affäre um Bundespräsident kommt die Saar-Nachricht in doppelter Weise recht – ein neues Aufregerthema könnte von den ewigen Debatten über Christian Wulff ablenken; auch liegt ein (Landes-)Bündnis aus CDU und SPD auf einer Linie, die Merkel gegebenfalls alternativ auch im Bund beschreiten könnte.
Beiträge über Jamaika auf Lafontaines-Linke – hier
Wie geht es nun weiter? Die CDU hat offenbar Vorgespräche mit den Sozialdemokraten geführt und strebt nun eine Große Koalition an. Die SPD hat das noch vor dem Auftritt der Ministerpräsidentin am Nachmittag durch die Mitteilung bestätigt, der Landesverband wolle am Wochenende „über ein Koalitionsangebot der CDU beraten“. Die Alternative, ein rot-rot-grünes Bündnis, ist wohl derzeit keine Option – auch wenn der Grüne Wolfgang Strengmann-Kuhn in einer ersten Reaktion meinte, der Bruch von Jamaika „wäre eigentlich die Chance für die SPD die CDU in die Opposition zu schicken“. Das würde eigentlich auch dem Tenor der bisherigen Äußerungen von Sozialdemokraten im Saarland entsprechen: “Mit dieser Regierungskoalition wird das Saarland immer mehr zum Gespött der ganzen Nation”, sagte Heiko Maas vor ein paar Tagen – warum also mit den Verursachern des Gespötts nun eine Koalition bilden. Zumal die politischen Übereinstimmungen zwischen SPD, Grünen und Linken größer sein dürften als die mit der CDU.
Doch die Sozialdemokraten sind im Saarland derzeit in einer starken Position. Sie können wählen. Die Tageszeitung rechnet die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Landtag vor: “Im Saar-Landtag mit 51 Abgeordneten hatte die bisherige Jamaika-Koalition eine knappe Mehrheit. Die CDU kommt – inklusive eines übergewechselten, aber parteilosen Ex-FDP-Fraktionsmitglieds – auf 20 Abgeordnete. Die FDP hat noch 4 Parlamentarier, die Grünen stellen 3. Die bislang oppositionelle SPD hat 13 Abgeordnete, die Linke 11.”
Klappt es für die SPD mit Kramp-Karrenbauer nicht, kann immer noch die Reißleine gezogen werden. Im Tagesspiegel sprach der saarländische Bundestagsabgeordnete und SPD-Linke Ottmar Schreiner von einer “Zäsur”: Nötig sei “ein Neuanfang”, und darüber müsse die Bevölkerung entscheiden. Bei etwaigen Neuwahlen würde die SPD wohl deutlich hinzugewinnen, die Liberalen müssten um den Einzug in den Landtag bangen und auch die Linke des im Saarland populären Fraktionschefs Oskar Lafontaine würde nach den letzten, nicht mehr sehr aktuellen Umfragen Punkte einbüßen. Jamaika war 2009 noch von CDU-Ministerpräsident Peter Müller geschmiedet worden – unter tatkräftiger Mithilfe eines einflussreichen Unternehmers und eines bei diesem angestellten Grünen-Landeschefs. Die Chance zu einer rot-rot-grünen Koalition war seinerzeit nicht genutzt worden – gegen den Willen von SPD und Linken. (tos, Foto: Ausriss des Buchcovers Die Jamaika Clique: Machtspiele an der Saar)
Messfehler?
Der aktuelle Saarlandtrend war noch nicht veröffentlicht, da hat der Landeschef der Linken, Rolf Linsler, schon die Ergebnisse zurückgewiesen: „Wir kennen die Ergebnisse des neuen Saarlandtrends nicht, die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass die Umfrageergebnisse für die Linke kräftig nach oben korrigiert werden müssen.“ Inzwischen ist der Ausgang der Befragung veröffentlicht, die Linkspartei kommt auf zwölf Prozent – fünf Punkte weniger als vor einem Jahr und fast zehn Prozent hinter dem Ergebnis der Landtagswahl von 2009. Linsler ging im Voraus schon davon aus, „dass der jetzige vom Saarlandtrend gemessene Wert“ für seine Partei „um fünf bis sechs Prozent nach oben korrigiert werden muss“. Schließlich hätten die tatsächlichen Wahlergebnis der Linken in der Vergangenheit stets in dieser Höhe über den Ergebnissen der Umfragen gelegen. Vor der Landtagswahl 2009 wurden 15 Prozent gemessen – die Linke holte dann 21,3 Prozent; vor der Bundestagswahl 2005 wurde die Partei auf 13 Prozent taxiert, erreichte dann aber 18,5 Prozent. Linsler hat nun darum gebeten, „bei der Berichterstattung über den Saarlandtrend auf diesen systematischen Messfehler hinzuweisen“. Der Saarländische Rundfunk hat das getan, zitiert zugleich aber den Generalsekretär der Landes-CDU, der die Linkspartei als klaren Verlierer der Umfrage bezeichnete und erklärte, dass „billiger Populismus“ bei den Menschen offenbar nicht mehr ankomme. Die Union, welche die Ministerpräsidentin stellt, stagniert seit den letzten Wahlen beim Saarlandtrend – die SPD hat ihren Vorsprung leicht ausgebaut und feierte nun die „Herbstmeisterschaft“. Jamaika, das hat der Landeschef der Sozialdemokraten, Heiko Maas, hervorgehoben, habe keine Mehrheit mehr. Wenn auch nur in der Sonntagsfrage liegt die rot-rote Opposition mit 47 Prozent vorn. (vk)
