Dresden

Grundrechtekomitee: Unverhältnismäßig und abschreckend – Dresdener Urteil gegen Demonstrierenden

18.01.2013

Presseinformation im Namen der „Untersuchungskommission 19. Februar“

Das Schöffengericht des Amtsgerichtes Dresden hat am Mittwoch, 16. Januar 2013, einen 36-jährigen Berliner wegen Körperverletzung, besonders schwerem Landfriedensbruch und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt. Er soll bei den Demonstrationen gegen den Aufmarsch von NPD und Kameradschaften am 19. Februar 2011 in Dresden mit einem Megafon zum Durchbrechen einer Polizeikette aufgerufen haben.

Richter Hans-Joachim Hlavka verurteilte zu einer solch hohen Strafe ohne Bewährung, obwohl unklar blieb, ob der Angeklagte tatsächlich derjenige war, von dem eine verschwommene Filmaufnahme existiert, und obwohl der Gefilmte nur dazu aufrief, nach vorne zu kommen. Ihm selbst wurde die Begehung von Gewalttätigkeiten nicht vorgeworfen. Nur weil der nicht vorbestrafte Angeklagte von seinem grundlegenden Recht, vor Gericht zu schweigen, Gebrauch machte, kam der Richter zu „keiner günstigen Sozialprognose“ und setzte die Strafe daher nicht zur Bewährung aus. Nach der Logik des Schöffengerichts begründet allein die Wahrnehmung prozessualer Rechte die Erwartung zukünftiger Straftaten. Die „Untersuchungskommission 19. Februar“, die am 2. Februar 2012 ihre Aufarbeitung der Ereignisse im Februar 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt hat (http://www.grundrechtekomitee.de/node/476), ist entsetzt über dieses unverhältnismäßige Urteil. Die bisherigen Strafverfahren gegen TeilnehmerInnen von Sitzblockaden verliefen im Sande. Verfahren wegen angeblicher „Rädelsführerschaft“ aus den Jahren 2011 wurden eingestellt. Die polizeilichen Durchsuchungen von mehreren Räumen am Abend des 19. Februar wurden gerichtlich für rechtswidrig erklärt. Die Datensammlungen mittels Funkzellenabfrage werden vom Datenschutzbeauftragten als rechtwidrig eingestuft, der Rechtsstreit dauert noch an. Jetzt sollen wohl wenige Angeklagte exemplarisch für die vielen Verfahren, die im Sande verlaufen sind, übermäßig verurteilt werden. Der Richter selbst begründet sein Urteil damit, dass die Bevölkerung in Dresden es satt habe, von Demonstrierenden besucht zu werden. Das Urteil hat damit auch das Ziel, andere von der Teilnahme an Demonstrationen abzuschrecken Wer kann sich noch trauen, während einer Demonstration ein Megafon in die Hand zu nehmen, wenn dieses so einfach zu einer Tatwaffe umgedeutet werden kann. Auch das Verfahren gegen den Pfarrer Lothar König, der ebenfalls „zu Gewalt angestachelt“ haben soll, steht im März 2013 an. gez. Elke Steven Komitee für Grundrechte und Demokratie) Die „Untersuchungskommission 19. Februar“ hatte sich am 9. Oktober 2011 in Dresden konstituiert (http://www.grundrechtekomitee.de/node/432). Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen, Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, Vertreter und Vertreterinnen aus diversen Aktionszusammenhängen und aus Landesparlamenten haben damals die Vorgänge rund um den 19. Februar 2011 aufgearbeitet, Fakten zusammengestellt und diese bezüglich ihrer grundrechtlichen Dimension bewertet (http://www.grundrechtekomitee.de/sites/default/files/Dresden-Bericht-30_…). Am 2. Februar 2012 wurde der Untersuchungsbericht der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Komitee für Grundrechte und Demokratie hat die Arbeit der Kommission koordiniert.

Der „Untersuchungskommission 19. Februar“ gehörten an: Friedemann Bringt (Koordinator BAG Kirche & Rechtsextremismus), Sabine Friedel (SPD, MdL Sachsen), Corinna Genschel (Komitee für Grundrechte und Demokratie), Kerstin Harzendorf (Beraterin für Rechtspolitik der grünen Landtagsfraktion), Kampagne Sachsens Demokratie, Kerstin Köditz (Die Linke, MdL Sachsen), Katharina König (JG-Soligruppe, Die Linke, MdL Thüringen), Stefan Lange (Büroleiter Bundesvorstand Bündnis 90/DIE Grünen bei Astrid Rothe-Beinlich), Johannes Lichdi (Bündnis 90/Die Grünen, MdL Sachsen), Albrecht Maurer (BT Linke), Wolf-Dieter Narr (Komitee für Grundrechte und Demokratie), Thomas Ott (Aktionsnetz Jena, Legalteam, Rechtsanwalt), Kristin Pietrzyk (Rechtsanwältin, Jena, Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein), Michael Plöse (akj-berlin), Wolfhard Pröhl (Bündnis Dresden-Nazifrei), Martina Renner (Die Linke, MdL Thüringen), Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis 90/Die Grünen, Bundesvorstand, MdL Thüringen und Vize-Präsidentin des Thüringer Landtags), Christine Schickert (Bündnis 90/Die Grünen, Dresden), Elke Steven (Komitee für Grundrechte und Demokratie), Danilo Starosta (Kulturbüro Sachsen e.V.), Peer Stolle (Rechtsanwalt, Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein)

DIE LINKE: Schluss mit der Kriminalisierung der Anti-Nazi-Proteste in Dresden – Solidarität mit Tim

Beschluss des Parteivorstandes vom 20. und 21. Januar 2013

die linkeAm 19. Februar 2011 blockierten Tausende engagierte AntifaschistInnen zum zweiten Mal erfolgreich den größten Naziaufmarsch Europas in Dresden. DIE LINKE hat das Bündnis “Dresden-Nazifrei” von Anfang an unterstützt. An dem bundesweiten Bündnis beteiligten sich zahlreiche Organisationen der sächsischen Zivilgesellschaft, Künstler, Gewerkschaften, die Jusos, die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Zahlreiche Abgeordnete der SPD, Grünen und DIE LINKE, unter anderem Petra Pau, Claudia Roth und Wolfgang Thierse unterstützten das Bündnis. Dank dem Engagement von Tausenden Dresdnerinnen und Dresdnern und Antifaschisten aus der ganzen Bundesrepublik konnten die Neonazis ihren Aufmarsch zwei Jahre in Folge nicht durchführen und wurden dadurch erheblich politisch geschwächt.

Nun ereilte uns die Nachricht, dass unser Genosse Tim vom Amtsgericht Dresden wegen seiner Beteiligung an der Anti-Nazi-Blockade zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 10 Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.

Das Urteil gegen Tim ist eine juristische Farce und eindeutig politisch motiviert. Die Vorwürfe gegen Tim sind nicht bewiesen, sondern basieren auf Vermutungen und Unterstellungen. Das Urteil reiht sich ein in eine lange Liste von Skandalen der Dresdner Justiz und Behörden rund um die Blockaden vom Februar 2010 und 2011: Das vollständige Demonstrationsverbot für Antifaschisten 2010 mit Beschlagnahmen von Dresden-Nazifrei-Plakaten durch das Gericht; das Strafverfahren gegen den sächsischen Fraktionsvorsitzenden der LINKEN André Hahn wegen Rädelsführerschaft auf den Blockaden, das schließlich 2012 eingestellt wurde; die noch laufenden Verfahren gegen die linken Landtagsfraktionsvorsitzenden von Hessen und Thüringen Willi van Ooyen, Bodo Ramelow und Janine Wissler sowie gegen die MdB Caren Lay und Michael Leutert und den Landtagsabgeordneten Falk Neubert wegen der Blockade 2011. Die illegale Funkzellenabfrage von 1,4 Millionen Handy-Daten in Dresden am 19. Februar 2011; die Stürmung und Zerstörung der Landesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE in Dresden durch die Polizei im selben Jahr gehören dazu, um nur eine Auswahl zu nennen.

Mit dem drakonischen Urteil gegen Tim sollen offenbar engagierte Bürgerinnen und Bürger eingeschüchtert und davon abgehalten werden, sich wieder an den bevorstehenden antifaschistischen Protesten am 13. Februar 2013 zu beteiligen. DIE LINKE wird jedoch dieses Jahr wieder zu den Anti-Nazi-Protesten in Dresden aufrufen.

DIE LINKE ist solidarisch mit Tim und allen anderen Antifaschisten, die durch ihren berechtigten Protest gegen Nazis in Dresden kriminalisiert werden. Auch in den Auseinandersetzungen mit höheren Instanzen werden wir weiterhin an der Seite unserer Genossinnen und Genossen stehen.

Statt Haft gebührt Tim und vielen anderen der Dank aller Demokratinnen und Demokraten, die Rassismus und Faschismus heute bekämpfen.

Fragen über Fragen No. 26

Say_no_RASCISM

In meiner letzten Woche hab ich echt einiges erlebt. Ich war ja auch viel unterweges. Allein 1400 Reisekilometer und insgesamt 15 Kilometer Demostrecken habe ich mir letzte Woche gegönnt. Eine Prise Pfeffer hat dabei meine Motivation zeitweise gebremst. Allerdings sind aufgrund der Ereignisse auch meine Fragen ein wenig geprägt!

Hilft Zitrone tatsächlich gegen Pfeffer?
Seit wann ist Polizeigewalt eigentlich Alltag?
Bekommen Riot Cops eigentlich Amphetamine oder puschen die sich von alleine?
Wer weiß wo ich diese Sprüche gesehen hab?: “Preis und Leistung müssen stimmen” und “Manchmal reicht reden nicht!”
Wie viel Nelken waren das wohl am Sonntag?
Gibts ne #atk Konferenz 2013?
Wer steckt hinter dem Skandal Urteil gegen den Antifaschisten Tim in Dresden?
Denkt ihr auch, das die Entscheidung anders ausgefallen wäre, wenn im Bundestag ein DrogenScrenning vor der gestrigen Abstimmung gemacht worden wäre?
Ist der Siedepunkt erreicht?
Was macht eigentlich das Wendland ohne Atomtransporte?


Gemeint sind wir ALLE!

Soli_TIM_1

Nur 4 Wochen vor dem nächsten Aufmarsch der Nazis in Dresden, gibt der Amtsrichter Hans-Joachim Hlava schon mal die Richtung vor, welche sich bereits letzte Woche in Magdeburg angekündigt hat, fort. Antifaschismus wird weiter kriminalisiert während Nazis der Weg freigeprügelt wird.

Die VerurteilungGestern, am 16. Februar 2013, wurde der Berliner Antifaschist Tim H. vom Amtsgericht Dresden zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im Februar 2011 DemonstrantInnen per Megafon dazu aufgerufen zu haben, Polizeiketten zu durchbrechen, die tausende AntifaschistInnen davon abhalten sollten, Europas größten Naziaufmarsch zu blockieren.

Im Zweifel gegen AntifaschistInnen
Weder die Polizei konnte den Angeklagten eindeutig identifizieren noch der Haupbelastungszeuge. Im Gegenteil dieser entlastete Tim H sogar. Video und Audiobeweise bringen auch keine eindeutige Erkenntniss. Das alles spielt anscheinend vor Gericht keine Rolle. Das Urteil ist nichts weiter als ein Exempel an AntifaschistInnen.  Anstatt im Zweifel für den Angeklagten, hieß gestern in Dresden die Devise: Im Zweifel gegen AntifaschistInnen!

Soli_TIM_2Wir sind alle Dresden Nazifrei!

Angeklagt ist Tim! Gemeint sind wir alle! Kein Fußbreit den Faschisten! No pasaran!

Gegen die Staatsrepression Solidemo für Tim am 18.01. in Dresden

weitere Infos oder Unterstützung: Solipage auf Facebook
Statement der VVN Esslingen

 

 

 

 

 


Gemeinsame Erklärung des BSpR der Linksjugend ['solid] und des BUVo von Die Linke.SDS: Solidarität mit Tim!

17. Januar 2013  Antifaschismus, Dresden, Solidarität, tim

Am 19. Februar 2011 hatten Tausende engagierte AntifaschistInnen den alljährlichen Naziaufmarsch anlässlich des Jahrestags der Zerstörung von Dresden zum zweiten Mal erfolgreich verhindert. Damit ist dem Bündnis ein Erfolg gelungen, der auf dem behördlichen Weg nicht hätte erreicht werden können. Heute nun ereilte uns die skandalöse Nachricht, dass unser Genosse Tim H. vom Amtsgerichtgericht Dresden wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 10 Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.

Dazu erklären der BundessprecherInnenrat der Linksjugend ['solid] und der Bundesvorstand von Die Linke.SDS: Das heute gesprochene Urteil gegen Tim ist eine juristische Farce. Die Vorwürfe gegen Tim sind nicht eindeutig bewiesen, sondern basieren auf Vermutungen und Unterstellungen. Das Urteil ist eindeutig politisch motiviert und soll die wieder bevorstehenden antifaschistischen Proteste am 13. Februar 2013 in Dresden schwächen. Mit diesem drakonischen Urteil werden engagierte Bürgerinnen und Bürger eingeschüchtert und sollen davon abgehalten werden, sich aktiv gegen rassistische und faschistische Übergriffe einzusetzen. Ganzen Beitrag lesen »

Ich freue mich über die Einstellung des Verfahrens gegen André Hahn

Zur Einstellung des Verfahrens gegen André Hahn wegen des Anti-Nazi-Protestes am 13.2.2010 in Dresden:

Friedliches Engagement gegen Nazis ist gerade in Sachsen dringend notwendig und auf keinen Fall kriminell. Deshalb ist die Einstellung des Verfahrens gegen André Hahn folgerichtig und überfällig. Ich freue mich über diese Entscheidung und erwarte von der Staatsanwaltschaft, in allen noch offenen Fällen friedlicher Gegenwehr gegen die Nazi-Aufmärsche in Dresden 2010 und 2011 entsprechend zu verfahren. Angesichts des mörderischen Terrors der NSU, der von Sachsen ausgegangen ist, sollte die Justiz dem irritierenden Eindruck entgegenwirken, sie sei mehr mit friedlichen Nazigegnern als mit Nazis befasst.

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Zum Prozess gegen Dr. André Hahn: Es gibt in Sachsen und Thüringen kein Antifa-, sondern ein Nazi-Problem

Erklärung anlässlich des zweiten Verhandlungstages am Dresdner Amtsgericht im Prozess gegen den früheren Vorsitzenden der sächsischen Linksfraktion, Dr. André Hahn, wegen der Blockade des Naziaufmarsches am 13. Februar 2010 in Dresden, heute in Erfurt:

Was sich derzeit vor dem Amtsgericht Dresden im Prozess gegen André Hahn abspielt, ist eine Farce. Die Kriminalisierung des friedlichen Protestes gegen Nazi-Umtriebe auf Straßen und Plätzen muss beendet werden. Dies gilt für dieses wie für alle anderen Verfahren, die wegen des erfolgreichen zivilgesellschaftlichen Widerstandes gegen den größten Naziaufmarsch Europas geführt werden. Wer sich Nazis friedlich und couragiert entgegenstellt, darf dafür nicht bestraft werden.

Oberstaatsanwalt Schär hatte am 10. Oktober im Gerichtssaal seine Freude darüber zum Aus-druck gebracht, dass die Marschpläne der Nazis in den Jahren 2010, 2011 und 2012 in Dresden vereitelt worden sind. Dazu passt nicht die von der Staatsanwaltschaft angezettelte Prozessflut insbesondere auch wegen des 19. Februar 2011.

Es gibt in Sachsen und auch Thüringen kein Antifa-, sondern ein Nazi-Problem. Wir fordern daher die Staatsanwaltschaft als Ermittlungs- und Anklagebehörde auf, ihre Aufmerksamkeit auf die Verfolgung der von Nazis begangenen Verbrechen zu konzentrieren. Dass von unserer Region aus der „Nationalsozialistische Untergrund“ ein Jahrzehnt lang unbehelligt morden konnte, zeigt, dass es hierbei noch erheblichen Nachholbedarf gibt.

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80 % Gemeinsamkeit

Osten und Westen? In Dresden wirbt LINKEN-Chef Riexinger bei den Genossen dafür, die “80 Prozent Gemeinsamkeiten” in den Vordergrund zu stellen. In Ludwigslust warnt Landeschef Bockhahn: Was der Osten erlebt habe, das drohe auch dem Westen. Notizen von tos zu einem kleinen und einem Landesparteitag sowie zum Streit um den Kreisverband Stralsund auf neues-deutschland.de

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Ermittlungen eingestellt

Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat sich mit ihrer Verfolgungswut gegen Antifaschisten einen unrühmlichen Namen gemacht. Ein Kapitel dreht sich um die Folgen des 19. Februar 2011. Am Rande der Blockade des alljährlichen Naziaufmarsches stürmte die Polizei das Haus der Begegnung, in dem sich Vereinsräume, ein Büro der Linkspartei, eine Anwaltskanzlei und eine Wohnung befinden. Neben martialischen Zerstörungen und Verwüstungen setze die Polizei, die in dem Haus angeblich linke Gewalttäter vermutete und in ihrer Rage auch noch die falschen Türen eintrat, mehrere Personen fest und ließ sie stundenlang gefesselt warten. Die Polizei hat sich dabei keineswegs mit Ruhm bekleckert. Die Razzia wurde später als rechtswidrig eingestuft, die Schäden mussten beglichen werden, die berüchtigte Handy-Funkzellenabfrage wurde scharf kritisiert. Dennoch wurde gegen rund 20 Personen aus dem Haus der Begegnung ermittelt, und zwar gleich wegen des vermeintlichen Verdachts, einer kriminellen Vereinigung anzugehören. 16 Monate zogen sich diese Ermittlungen hin, die über lange Zeit vor allem aus Nichtstun bestanden – aber die hochgestochene Beschuldigung gab den Behörden die Möglichkeit, alle möglichen Schnüffelmaßnahmen in Gang zu setzen.

Wie das neue deutschland berichtet, haben Anwälte von Betroffenen jetzt durchgesetzt, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Ein Verteidiger meint, die Behörden hätten schnell gewusst, dass nicht eine einzige Anklage herausspringt, die Ermittlungen aber zumindest formal trotzdem weitergeführt. Jetzt wollen die Betroffenen Entschädigungen einklagen. Und noch immer werden Teilnehmer der Naziblockaden aus den letzten Jahren juristisch verfolgt. (wh)

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Kipping und Hahn

Die sächsische Linke soll mit André Hahn und Katja Kipping an der Spitze in die kommende Bundestagswahl gehen. Die Nominierung auf einem kleinen Parteitag am Samstag ist keine ganz so große Überraschung, aber auch ein wenig mehr als nur eine Randnotiz. Ein Wechsel des derzeitigen Dresdner Fraktionschefs in den Bundestag im kommenden Jahr geht nämlich mit einem Wechsel an der Fraktionsspitze in Sachsen einher: Schon im Juli soll der Landesvorsitzende Rico Gebhardt den Posten übernehmen. Der wird in den Medien stets „als Kompromisskandidat verschiedener Parteiströmungen“ bezeichnet. 2009 folgte er Cornelia Ernst auf dem Landesvorsitz, scheiterte nach der Landtagswahl allerdings mit einer Kandidatur um den Fraktionsvorsitz gegen Hahn. Im März hatten sich die Spitzen von Fraktion und Partei im Landesverband dann auf eine „friedliche Lösung“ geeinigt. Hahn formuliert es nun so: Er sei vor einigen Monaten gefragt worden, ob er 2013 für den Bundestag kandidieren wolle, war unentschlossen und habe sich mit Genossen und Freunden beraten. Er habe sich dann für die Bewerbung entschieden, auch wenn ihm das nicht leicht gefallen sei. „In einer Situation, in der unsere Existenz im Bundestag jedoch ernsthaft gefährdet ist, bin ich bereit gemeinsam mit Katja und anderen nunmehr auch bundespolitische Verantwortung zu übernehmen.“ Hahn und Kipping, die am Samstag bei dem kleinen Parteitag in Dresden nicht dabei sein konnte, wurden mit 43 von 62 Stimmen als Spitzenduo nominiert. Knapp 70 Prozent sind kein überragendes Ergebnis, aber auch kein schlechtes. Am Rande des Parteitags in Göttingen hatte es nach dem Hin und Her um die Frauendoppelspitze Stimmen gegeben, die Kipping als „Bartsch-Verhinderin“ kritisierten und auf mögliche Konsequenzen bei der sächsischen Spitzenkandidaturfrage verwiesen. Die sind offenbar ausgeblieben. (vk)

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