Forum Menschenrechte

Brot für die Welt: Tourismusbranche in der Verantwortung

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Brot für die Welt - Presseinformation
Berlin, 05. März      2013
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Tourismusbranche in der Verantwortung
Menschenrechte konkret

brot für die weltBerlin, 05.03.2012. Zum Start der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin fordert Brot für die Welt die Tourismusbranche auf, Ihrer Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte nachzukommen. „Der Tourismus kann positive Entwicklungsimpulse setzen. Besonders in armen Ländern geht er aber oftmals einher mit der Verletzung elementarer Menschenrechte“, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt.

Mit der internationalen Anerkennung der „UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ liegt eine Orientierung zur Umsetzung von menschenrechtlicher Verantwortung durch Staaten und Unternehmen vor. „Ein Hotel kann knappe Ressourcen wie beispielsweise Wasser nicht für sich allein beanspruchen und der lokalen Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben, das sie als Trinkwasser benötigt“, sagt Antje Monshausen, Tourismusexpertin bei Brot für Welt. Die Reisebranche muss entlang der gesamten Dienstleistungskette die Menschenrechte achten, beginnend mit dem Transport über den Hotel- und Restaurantbetrieb bis hin zu Aktivitäten.

Etwa 250 Millionen Menschen arbeiten direkt oder indirekt  im Tourismus, annähernd die Hälfte von ihnen im informellen Sektor. Milliarden Menschen kommen mit Tourismus in Berührung, die meisten von ihnen reisen jedoch selbst nicht. „Gerade die Menschen, die nicht vom Tourismus profitieren, leiden besonders unter den Folgen“, erklärt Monshausen und verweist auf  Vertreibungen, Wasserraub, fehlende Mitbestimmung sowie unzureichenden Schutz für Kinder und Minderheiten. „Hier sind neben den Staaten auch die Unternehmen gefordert, die Rechte der Bevölkerung zu achten.“

Erste Reiseveranstalter gehen mit großem Engagement  voran und entwickeln eine Menschenrechtsstrategie, die sie konsequent im eigenen Unternehmen und auch entlang der Lieferkette anwenden. Viele Unternehmen zeigen Interesse, menschenrechtliche Verantwortung zu übernehmen. Die Bundesregierung ist gefragt,  mit einem Aktionsplan zur Umsetzung der Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte einen verbindlichen Rahmen für Unternehmen zu schaffen.

Hinweis:
Tourism Watch setzt sich seit Jahren konsequent für nachhaltigen, sozial verantwortlichen und umweltverträglichen Tourismus ein. Die Tourism Watch-Studie zum Thema „Menschenrechte im Tourismus“ steht unter:
http://rdir.de/r.html?uid=A.B.hRX.Dx1.BCdqm.TZWjKdGHdxZVi6CizKEQZA
 zum Download bereit.

Weitere Information unter
http://rdir.de/r.html?uid=A.B.hRX.Dx1.BCdql.IwQKeD-1vQW2xvAYkTm6Gw

Forum Menschenrechte: Sicherheit und Freiheit sind nach 9/11 gefährdeter denn je

Presseerklärung

                                 

Eine kritische Bilanz des Forums Menschenrechte

 

Am 11. September 2011 jähren sich die Attentate auf das World Trade Centre zum zehnten Mal. Das Forum Menschenrechte kommt zum Ergebnis, dass mit dem „Krieg gegen den Terror“ die USA, die Eu­ropäische Union und die NATO, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland, bis heute an den Gren­zen der Rechtsstaatlichkeit manövrieren. Die USA haben diese Grenzen sogar eindeutig über­schritten. Das militäri­sche Vorgehen gegen den Terrorismus und die Militari­sierung ziviler Konflikte gefährdet Menschenrechte.

 

Gerade aus Sicht der Opfer von Menschenrechtsverletzungen sei die Erfahrung verheerend, dass in ent­scheiden­den Momenten auch europäische Länder hinter menschenrechtliche Standards zurück gefallen seien: Bei Überstellungen von Gefangenen, Verhören in Staaten, die für Folter bekannt sind, Listen über zu tötende Personen (targeted killings). Auch bei der Auflösung des Gefangenenlagers Guantánamo ran­gierten Sicherheitsinteressen weit vor jeglicher Berücksichtigung der Menschen­rechte, zog das Forum Menschen­rechte eine ernüchternde Bilanz.

 

Frauenrechte in Afghanistan werden bei der Verlängerung der Militäreinsätze zwar gerne als zentrales Inte­resse benannt, das Forum Menschenrechte hält dies jedoch für ein instrumentelles Interesse. Se­xua­lisierte Gewalt, Selbsttötungen, Zwangsheiraten, Demütigungen oder Entfüh­rungen durch be­waffnete Milizen würden durch den faktischen Kriegszustand verstärkt; das genaue Gegenteil der propagierten Absicht. Nur eine radikale Umkehr zugunsten der primären Förderung von guter Regie­rungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Einhaltung aller Menschenrechte gerade in Bezug auf Frauen könne Frauenrechte in Afghanistan gewähr­leisten.

 

Es scheint, dass im Selbstverständnis westlicher Staaten Freiheitsrechte die Aufrechterhaltung von Si­cher­heit eher stören. Nicht nur Migrant/innen und Angehörige muslimischer Gemeinden gerieten unter General­verdacht. Jede/r Einzelne gilt als Risikofaktor, nichtstaatliche Akteure geraten ins Vi­sier. Es sei kein Zufall, dass die chinesische Regierung sich durch die Aufrufe des britischen Premiers Cameron bestätigt fühle, staatliche Gewalt denen gegenüber verstärkt einzusetzen, die dem vorgege­benen Raster an politischer und kultureller Lebensführung nicht entsprechen. Auch die von Cameron beabsichtigte Einschränkung des Inter­nets im Kampf gegen ‚Unruhestifter‘ unterscheide sich nur un­wesentlich von den Maßnahmen Chinas zur öffentlichen Ordnung, so das Netzwerk von über 50 Nichtregierungs- und Menschenrechtsorganisationen in Deutschland.

 

Letztlich liege die Frage nahe, was eigentlich zu schützen sei. Angesichts der Krisen im Norden Afri­kas, der sozialen Proteste in Großbritannien, Italien, Frankreich oder Spanien, der Krisen in der Fi­nanz- und Wirtschaftswelt stelle sich die Frage, ob die terroristische Bedrohung und das übersteigerte Sicherheits­bedürfnis wirklich die größte Herausforderung darstellten. Umgekehrt zieht das Forum Menschenrechte den Schluss, dass bis heute unter dem Aspekt der Sicherheit europäische Staaten mit Diktatoren und de­ren Ge­heimdiensten teils offiziell, teils informell kooperieren, anstatt Demonstranten für Demokratie und Freiheit zu unterstützen. Letzteres trage nachhaltig zur Sicherung des Friedens und der Freiheit bei.

 

Kontakt: Dr. Theodor Rathgeber, 0561-47597800 oder 0171-4054959

Ein kurzes Hintergrundpapier ist auf Anfrage erhältlich; kontakt@forum-menschenrechte.de