Wirtschaft

Es geht um gesamteuropäische Solidarität UND nachhaltige Entwicklung der besonderen Potenziale Sachsens

Erwiderung des Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE, Rico Gebhardt, auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Tillich zum Thema „EU-Haushalt ab 2014 sichert Sachsen weiter gute Perspektiven“
- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

werter Herr Ministerpräsident Tillich! So kühn wie bei der Anmeldung dieser Regierungserklärung haben wir Sie noch nie erlebt: „EU-Haushalt ab 2014 sichert Sachsen weiter gute Perspektiven“ – unter diesem Titel haben Sie gerade zu uns gesprochen. Und das, obwohl über ebendiesen europäischen Etat heute erst vom Europaparlament abgestimmt wird. Ihre Redenschreiber mussten also einen belobigenden Text über etwas verfassen, was es noch gar nicht gibt.

Nun führen wir ja auf Antrag der Koalition heute noch eine große Drogendebatte, der ich nicht vorgreifen möchte. Aber ich frage mich schon, was man genommen haben muss, um aus einem quer durch alle Parteien und Fraktionen auf europäischer Ebene höchst umstrittenen Haushaltsentwurf sichere Perspektiven für den Freistaat abzuleiten.

Nach dem Entwurf des Mehrjährigen Finanzrahmens 2014-2020, über den wir heute sprechen, können wir feststellen: Sachsen ist mit einem blauen Auge davongekommen.

66 Prozent Weiterförderung im Vergleich zur jetzigen Höchstförderung hatten EU-Kommission und Parlament vorgeschlagen, 64 Prozent will nun der Rat. Die Kofinanzierungsrate bis zu 80 Prozent auch für Leipzig ist ein guter Erfolg. Das ist vor allem dem Engagement der sächsischen Europaabgeordneten Hermann Winkler, Constanze Krehl und Cornelia Ernst, zu verdanken.

Die erreichten Ergebnisse sind aber nur vor dem Hintergrund des befürchteten höheren Ausfalls von Fördermitteln als „positiv“ zu bewerten, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.

Die eigentliche Herausforderung aber, nämlich die jetzige Debatte um Fördermittel angesichts der sich völlig verändernden Finanzierungsgrundlagen in der nahen Zukunft, also EU-Förderung, Solidarpakt, Länderfinanzausgleich u. ä., als Weckruf für ein strategisches Umdenken zu verstehen, wurde nicht angenommen, und ich habe auch in Ihrer Rede dazu keine Wort vernommen.

Wir als LINKE bekennen uns zur gesamteuropäischen Solidarität. Wir haben 28 Mitgliedsstaaten, seit 2004 sind vor allem arme oder bitterarme Länder neu zur EU hinzugekommen.
80 Prozent aller Infrastrukturleistungen in Rumänien beispielsweise werden zurzeit mit EU-Mitteln finanziert. Das ist auch gut so, denn wir wollen, dass die Menschen überall in ihrer Heimat eine Perspektive haben. Ich wiederhole heute gern, was ich hier schon einmal gesagt habe: Man kann sich nicht einerseits über Armutsflüchtlinge aus diesen Staaten beklagen und andererseits die Bekämpfung der Armut in diesen Ländern unterlassen.

Genauso wenig seriös ist es übrigens, wenn Deutschland seinen Beitrag zum EU-Haushalt deckelt, obwohl der Bedarf des sozialen Ausgleichs in Europa gestiegen ist, und gleichzeitig kritisiert wird, dass deutsche Regionen weniger kriegen als früher.

Bei der Sächsischen Staatsregierung wiederum kollidiert das Selbstvermarktungsbedürfnis des Kabinetts Tillich mit der Interessenvertretung für den Freistaat: Nachdem der Ministerpräsident unser schönes Sachsen in den Medien schon in die Zielgerade hin zu den zehn wirtschaftsstärksten Regionen des Kontinents hineingeredet hat, können wir froh sein, dass die EU bei uns überhaupt noch Förderbedarf wahrnimmt. Auch hier gilt: Etwas mehr Bescheidenheit wäre klüger und brächte der Bevölkerung im Freistaat mehr.

Für den EU-Haushalt gilt sowieso das Gleiche, was wir für den sächsischen Haushalt stets anmahnen: Es geht nicht um eine möglichst wundersame Geldvermehrung, sondern um eine vernünftige Verwendung der Steuergelder.

Die EU-Kommission hat gerade erst den Regierungen empfohlen, mehr in sozialen Zusammenhalt zu investieren. Als konkretes Beispiel wird die Verminderung der Zahl der Schulabbrecher genannt. In Leipzig haben wir 15 Prozent Jugendliche ohne Schulabschluss – die Lösung solcher Probleme, Herr Tillich, interessiert die Menschen mehr als das Jonglieren mit abstrakten Förderkategorien!

Reden wir also weiter über Realitäten. Sie, Herr Ministerpräsident, haben in einem Brief an die Europaabgeordneten um Zustimmung zum Vorschlag des Europäischen Rates geworben. Dieser Vorschlag umfasst Verpflichtungen für Ausgaben in Höhe von 960 Milliarden Euro, wobei die Mitgliedsstaaten bisher lediglich 908 Milliarden Euro einspeisen wollen. Stellen Sie sich mal vor, wir würden als Sächsischer Landtag einen Landeshaushalt beschließen, in dem jeder 18. Euro nicht gedeckt ist, also mehr als fünf Prozent Einnahmen fehlen.
Bei aller Kritik an Finanzminister Unland: So etwas würde er uns nicht vorlegen.

Zur Realität in Europa gehört aber auch, dass die europäischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bisher 4,5 Billionen Euro für die Rettung maroder Banken aufgebracht haben. Zugleich ist es für Unternehmen immer schwieriger, bei diesen Banken Kredite für Investitionen zu bekommen.

Nach einer Studie von Ernst & Young kämpft in Deutschland jedes zehnte Unternehmen ums Überleben, und das, obwohl das Lohnniveau seit über zehn Jahren vor sich hindümpelt. Ja, wir als LINKE sagen – und finden dafür immer mehr Zustimmung auch in Kreisen, die von Wirtschaft mehr verstehen als die FDP: Dem Mittelstand fehlt die Nachfrage. Dies ist Folge des flächendeckenden Lohndumpings, und deshalb brauchen Deutschland und insbesondere auch das Niedriglohnland Sachsen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn! Jetzt!

Bevor Frau Windisch mich wieder mit Zwischenrufen traktiert, dass ich nicht zum Thema rede, möchte ich ausdrücklich um ein Verständnis für die Komplexität des Themas dieser Debatte werben, weil wir sonst nicht über Worthülsen hinauskommen.

Die OECD hat unlängst darauf hingewiesen, dass viele Konzerne in Europa Steuerquoten von fünf Prozent haben. Also weit weniger als ein kleiner Angestellter. So kann Europa nicht funktionieren – auch dazu muss eine sächsische Staatsregierung das Wort erheben, die wirklich einen politischen Beitrag zu sicheren und guten Rahmenbedingungen für die Menschen im Freistaat Sachsen leisten will.

Die EU hat den Friedensnobelpreis bekommen, aber der soziale Frieden steht auf der Kippe. Wenn in Südeuropa halbe Jahrgänge von Jugendlichen arbeitslos sind und in Osteuropa Menschen Hunger leiden und in Slums dahinvegetieren, werden wir hier keine Insel der Seligen aufschütten können.

Herr Schiemann fordert ja bereits die Wiedererrichtung der Grenzen zu unseren Nachbarn; ich bin gespannt, wann der erste CDU-Abgeordnete Zäune oder eine Mauer haben will. Spätestens dann können wir Ihnen den Beinamen „SED-Nachfolger“ unentgeltlich abtreten …

Wir hatten hier in Sachsen mal einen Ministerpräsidenten, der hat sich mit der EU-Kommission angelegt, wenn es um faire Entwicklungschancen für Industriestandorte in Sachsen gegangen ist. Das war Kurt Biedenkopf. Herr Tillich dagegen wagt es ja nicht mal, Frau Merkel zu widersprechen. Deshalb spielt Sachsen außerhalb der Landesgrenzen zurzeit politisch keine Rolle mehr.

Ein Ministerpräsident, von dem man im eigenen Land fast nichts hört, kann sich natürlich weder gegenüber der Bundesregierung noch auf europäischer Ebene Gehör verschaffen. Das tut uns nicht gut.
Ich werde Sie mit all den Zahlen verschonen, über die jetzt aus sächsischer Perspektive zu sprechen wäre. Dafür sind die Fachpolitiker zuständig – freuen Sie sich schon jetzt auf meinen Fraktionskollegen Sebastian Scheel!

Ich möchte Ihnen stattdessen abschließend noch einige Gedanken nahezubringen versuchen, die aus meiner Sicht der Schlüssel für eine gute Zukunft Sachsens in Europa sind. Wir sind schließlich das Bundesland mit der längsten EU-Außengrenze gewesen, also allein schon geografisch das europäischste aller Bundesländer.

Die jetzige europäische Fördermittel-Debatte sollte als Weckruf für ein strategisches Umdenken verstanden werden. Weg von einem Nachbau West auf niedrigerem Niveau hin zu einem sozial-ökologischen Umbau. Die Nachhaltigkeit, die kürzlich hier Gegenstand der Debatte über eine Fachregierungserklärung war, lässt sich nicht durch ein bisschen Umverteilen hier und da erreichen. Die langfristige Sicherung der sozialen, ökologischen, materiellen und ideellen Lebensgrundlagen in Sachsen bedarf eines selbstbewussten regionalen Auftretens im Sinne von „Sachsen in Europa“.

Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Wir als sächsische LINKE üben dieses regionale Selbstbewusstsein anhand der sächsischen Verfassungsdebatte derzeit innerhalb der eigenen Partei ein. Ein solcher Weg ist nicht einfach und nicht frei von gelegentlichen Rückschlägen – wer wüsste das aktuell besser als ich -, aber Herr Tillich:
Wenn Sie das innerhalb der CDU nicht hinbekommen, ist es im Interesse Sachsens wirklich besser, wenn Sie die nächste Landtagswahl von Ihren dienstlichen Verpflichtungen entbindet.

Wer als Politiker für die Bevölkerung ein Leben in größtmöglicher Sicherheit erreichen will, frei von Angst vor Verarmung oder Kriminalität, muss selbst etwas riskieren.
Nämlich die eingefahren Gleise eines bequemen Lobbyismus verlassen, der so lange Subventionen hin und herschiebt, bis niemand mehr laut schreit. Dann aber bleiben all diejenigen auf der Strecke, die keine PR-Abteilung für sich arbeiten lassen können.

Der LINKE Wirtschafts- und Europaminister unseres Nachbarlandes Brandenburg, Ralf Christoffers, macht Ihnen, meine Damen und Herren der schwarz-gelben Koalition in Sachsen, vor, wie man produktiv mit der gegenwärtigen Situation umgehen kann. Auf seinen Vorschlag hat die Potsdamer Landesregierung die eigenen Prioritäten für die EU-Förderperiode 2014-2020 festgelegt: Innovation, Bildung und Fachkräftesicherung, schonende und effiziente Ressourcennutzung, erneuerbare Energien. Zugleich will man folgende landesspezifische Querschnittaufgaben meistern: Konstruktiver Umgang mit dem demografischen Wandel, stärkere Integration der Entwicklung von städtischen und ländlichen Räumen sowie eine Unterstützung von Menschen und Institutionen bei den voranschreitenden Internationalisierungsprozessen.

So sieht nachhaltige Politik aus, Herr Tillich. Sie aber sind sich treu geblieben und wollen gar nicht regieren, sondern nur verwalten. Dabei fühlen Sie sich sicher und gut. Damit haben Sie unsere Erwartungen erfüllt. Mehr haben wir nämlich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auch gar nicht erwartet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Ansatz für Europa lautet: Nicht das Geld oder der Markt, geschweige denn Finanzmärkte sind der Ausgangspunkt unseres politischen Handelns, sondern die Menschen in Sachsen und Europa.

Wer sich primär als Gehilfe „freier Märkte“ versteht und dann von hieraus die Prioritäten setzt und annimmt, dass der Markt das schon irgendwie richtet und Wohlstand für alle sich anschließend mit einer gewissen Zwangsläufigkeit einstellt, wird immer geneigt sein, Negativfolgen auf der Seite der Menschen als hinzunehmende ‚Kollateralschäden‘ anzunehmen.

Er arbeitet am Ende sogar gegen die europäische Idee, obwohl klar ist, dass Mitgliedsstaaten und Regionen in der Globalisierung nur in einem starken Europa bestehen können.

Wir sind davon überzeugt, dass für Deutschland und auch für Sachsen genügend Ressourcen vorhanden sind, um allen Menschen ein lebenswürdiges Dasein zu ermöglichen. Dazu gehört ein Leben ohne tiefgehende Angst des sozialen Absturzes und der Verarmung und stattdessen funktionierende Daseinsvorsorge, soziale Sicherheit und Integration.

Ich nehme an, die meisten Bürgerinnen und Bürger sehen das auch so.
Sollten die Sachsen also wieder mal nicht nur irgendwie verwaltet, sondern tatsächlich regiert werden wollen, wissen sie zumindest schon jetzt, wie es nicht geht: Nämlich mit Ihrer Regierung. Das ist nicht schlimm, denn es gibt Alternativen. Die sind gut für Sachsen und Europa. Fortsetzung folgt in der nächsten Runde.

Vielen Dank!

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Zur Klausur der Fraktion DIE LINKE in Leipzig

Die Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag zieht sich am Donnerstag und Freitag zu ihrer Klausur nach Leipzig zurück („Commundo“-Tagungshotel Leipzig, Zschochersche Str. 69, 04229 Leipzig). Beginn ist Donnerstag, 24.1.2013, um 10 Uhr, Ende Freitag, 25.1.2013, um 17 Uhr. Die Pressestelle der Fraktion ist vor Ort unter Tel.: 0171 / 89 83 985 erreichbar.

Neben der Verständigung zu den Arbeitsschwerpunkten fürs Jahr 2013 geht es u. a. um eine Positionierung der Fraktion zur Zukunft des Landesamtes für Verfassungsschutz und das Thema Verhandlungen über Verfassungsänderungen.

Zu dieser Klausur: „Ich will unsere Kernkompetenz für Soziales weiter stärken und ausbauen. Zugleich werden wir daran arbeiten, auch bei Themen wie öffentliche Sicherheit und Wirtschaftspolitik mit linken Positionen mehr als bisher in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu gelangen.“

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Mobilisierungs- und HelferInnentreffen: Wir haben es satt! am 10.1.13 in Berlin

Liebe Interessierte an einer Agrarwende,
liebe MitstreiterInnen für eine bäuerliche, faire und gesunde Landwirtschaft,wir haben es satt 2013 landwirtschaft agrarwir wünschen euch ein gutes und gesundes neues Jahr! Mit frischem Schwung sind wir gestartet – weiter geht es nun auf Hochtouren in Richtung Demo.

In zwei Wochen ist es soweit: am Samstag, den 19.1.2013, geht zum dritten Mal ein breites Bündnis aus VerbraucherInnen, TierschützerInnen, UmweltschützerInnen, ImkerInnen, Bäuerinnen und Bauern auf die Straße um für eine Agrarwende zu demonstrieren. Denn: Wir haben Agrarindustrie satt! Wir wollen: Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!

Damit auch die nächste Demo ein großer Erfolg wird, brauchen wir eure Hilfe! Wir müssen Berlin gemeinsam in den nächsten 14 Tagen wachrütteln!

Wir laden euch daher herzlich ein zu unserem zweiten Mobilisierungs- und HelferInnentreffen in Berlin

am 10. Januar 2013 um 18:30 Uhr
in die Markthalle IX in Kreuzberg
(Wegbeschreibung unten).

  • Wir suchen dringend engagierte Helfer/innen, die in Berlin und im Umland plakatieren, hierfür gibt es das druckfrische DinA 1 Plakat für Berlin!
  • Aktionskoch Wam Kat braucht Helfer für die Demo-Suppe: Schnippeln am 18. Januar 2013 und Kochen am 19. Januar 2013
  • Wir brauchen wieder über 50 Ordner/innen und 40 Spendensammler/innen und viele mehr!
Für Essen, Trinken und Informationen ist gesorgt. Außerdem werden wir wieder unsere Demomaterialien zum Weiterverteilen mitbringen (Flyer, Aufrufe, Plakate & Aufkleber).

 

Wer schon vor dem HelferInnentreffen aktiv werden will: die Berliner Materiallager freuen sich über euren Besuch!
Holt euch dort Plakate, Flyer und Aufkleber! Geht in euren Bioladen, Weltladen oder ein Reformhaus, sprecht Kirchen-, Jugend- oder Pfadfindergruppen an, geht an die Unis und Hochschulen – Studierendenvertretung und Fachschaften sind gute AnsprechpartnerInnen – und verteilt, plakatiert. Das Material muss raus.
Hier findet ihr die Berliner Materiallager http://www.wir-haben-es-satt.de/start/mobilisieren/materialien/. Auf dieser Seite kann man auch weiterhin Pakete bestellen.

Bei Rückfragen steht euch das Demo-Büro unter info@wir-haben-es-satt.de oder 030-28482438 gerne zur Verfügung!
Bitte leitet diese E-Mail auch an andere Interessierte weiter!

Wir freuen uns euch am 10. Januar 2013 in der Markthalle zu treffen!

Für Ostdeutschland-Konferenz in Leipzig auf Einladung Sachsens – Weg zur Lohn- und Rentengerechtigkeit

Zur Reaktion von Sachsens Ministerpräsident Tillich auf den Bericht zum Stand der deutschen Einheit, der heute offiziell von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich vorgestellt wird:

Vor einem halben Jahr noch verkündete CDU-Ministerpräsident Tillich sein Ziel vom „Geberland“ Sachsen im Länderfinanzausgleich ab 2020. Sein Stellvertreter und Wirtschaftsminister Morlok bekräftigte im Sommer gegen alle wirtschaftlichen Daten diese Vision. Nun begründet Tillich die schlechten Wirtschaftsdaten auch Sachsens mit dem Rückgang staatlicher Förderung. Er sagt, dass es „keinen Grund gibt, Fördermittel aus dem Osten in den Westen umzuleiten“. Nichts mehr mit Geberland – die Werbeblase der Dresdner schwarz-gelben Koalition ist zerplatzt. Wenn der Osten (ohne die Hauptstadt Berlin) nach 22 Jahren deutscher Einheit nur über ungefähr zwei Drittel der Wirtschaftskraft des Westens verfügt und zurzeit weiter zurückfällt, dann müssen von Sachsen als größtem ostdeutschem Bundesland die richtigen politischen Signale ausgehen. Als Thüringens Wirtschaftsminister Machnig unlängst auf Grundlage einer Expertise vor Stagnation im Osten warnte, tönte das sächsische Wirtschaftsministerium: „Stillstand Ost? Nicht in Sachsen!“ Da wurde der Mund wohl zu voll genommen. Mehr Realismus seitens der Sächsischen Staatsregierung wäre angebracht. Die Friedliche Revolution des Jahres 1989 ist von Sachsen ausgegangen und hat die Voraussetzungen für den Prozess der deutschen Einigung geschaffen. Von diesem Einigungsprozess bis zur wirklichen Einheit ist es noch ein weiter Weg – das zeigt auch der Bruch des Wahlversprechens von Bundeskanzlerin Merkel, die Ost-West-Angleichung der Renten endlich bis 2013 zu schaffen. Sachsens Bevölkerung ist die deutschlandweit älteste und daher von diesem Unrecht besonders betroffen. Hier besteht ebenso wie beim niedrigeren Lohnniveau dringender Handlungsbedarf. Wir fordern das Kabinett Tillich / Morlok auf, den Sonderweg der Selbstverliebtheit zu verlassen und Sachsen zum Sprecher ostdeutscher Interessen zu machen. Dazu schlagen wir eine Ostdeutschland-Konferenz in Leipzig auf Einladung Sachsens vor, auf der Vertreter/innen aller neuen Länder über Wege zu einer konsequenten Lohn- und Rentengerechtigkeit beraten. Dabei sollen die spezifischen ostdeutschen Erfahrungen für den sozialökologischen Umbau der Gesellschaft nutzbar gemacht werden – der alleinige Nachbau West ist endgültig gescheitert!

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NaturFreunde: Die Gesellschaft in der Geiselhaft der Ölkonzerne

Die Gesellschaft in der Geiselhaft der Ölkonzerne
Der Ausstieg aus der fossilen Mobilität muss jetzt begonnen werden, denn die Zeit wird knapp

 

Berlin, 3. April 2012 – In der aktuellen Debatte um die Marktmacht der Ölkonzerne warnt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller davor, allein deren Preispolitik zu kritisieren. Vielmehr müsse das fossile Zeitalter nicht nur im Strom-, sondern auch im Mobilitätssektor beendet und die Verkehrssysteme gegen die Macht der Ölkonzerne umgebaut werden, bevor der letzte Tropfen Öl verbraucht sei. „Die Politik trifft eine Mitschuld“, kritisiert Michael Müller und erklärt:

 

Das Öl ist die entscheidende Grundlage der modernen Mobilität und spätestens seit den 1960er-Jahren eine „Weltmacht“. Doch das Schmiermittel der Weltwirtschaft wird knapper und seine Verbrennung heizt das Klima auf. Trotzdem geschieht kaum etwas, um die Gesellschaft aus den Fängen der Ölmultis zu lösen. Die Welt hängt am immer teurer werdenden Tropf von Esso, Shell, Total und BP – vier große Konzerne, die den globalen Ölmarkt dirigieren.

 

Die Ölkonzerne gehören zu den stärksten Unternehmen der Welt, sie machen die höchsten Gewinne. Ihre gewaltige, monopolartige Preissetzungsmacht nutzen sie rücksichtslos aus, auch um in Urlaubszeiten Kasse zu machen. Dabei folgt die Angebotsseite nur sehr selten den Marktsignalen. Aber jede Krise treibt den Ölpreis in die Höhe.

 

Eine echte Energiewende muss auch eine Verkehrswende einschließen

Dennoch greift eine Kritik, die nur auf diese Preispolitik abzielt, viel zu kurz. Der Erfolg versprechendste Weg wäre eine konsequente Strategie zur Beendigung des fossilen Zeitalters. Aber es geschieht nur wenig. Die Politik trifft eine Mitschuld, weil sie den zahlreichen Ankündigungen, eine Strategie „weg vom Öl“ zu verfolgen, kaum Taten hat folgen lassen. Bis heute sind die Bundesverkehrsminister, insbesondere Herr Ramsauer, nur Verwalter des Status quo. Keiner hat ernsthaft eine Verkehrswende eingeleitet. Auch der Bundesumweltminister redet oft von einer Energiewende, meint dabei aber eigentlich nur den Strom und bleibt selbst dort mit seinen Maßnahmen weit hinter dem Möglichen zurück.

 

Die Realität des global knapper werdenden Öls wird weiterhin verdrängt

Das politische Versagen wiegt umso schwerer, weil die Realität des global knapper werdenden Öls weiterhin verdrängt wird, trotzdem aber schnell näher rückt. So konnte die globale Ölförderung seit dem Jahr 2006 nicht mehr gesteigert werden und sehr wahrscheinlich ist deren Höhepunkt, auch Peak-Oil genannt, bereits erreicht. In den vergangenen 30 Jahren wurden an Land keine größeren Ölfelder mehr gefunden. Stattdessen wird auf die unkonventionelle Ölförderung (etwa aus Teersanden) sowie auf Tiefseebohrungen gesetzt. Nur dass hier die ökologischen Konsequenzen ungleich problematischer sind und das Risiko exponentiell mit der Tiefe steigt. Das große Tulip-Feld vor der Küste Brasiliens liegt beispielsweise fünfmal tiefer als etwa die Ölfunde im mexikanischen Golf, wo es vor zwei Jahren zur Deepwater-Horizon-Katastrophe gekommen war. Auch im Kaukasus gibt es erhebliche Probleme bei der Ölförderung, die nur langsam anläuft.

 

Wirtschaftlich vertretbare Ölreserven reichen noch 44 Jahre

Nach den offiziellen Prognosen reichen die wirtschaftlich vertretbaren Ölreserven noch für 44 Jahre. Doch fangen die Probleme nicht erst an, wenn der letzte Tropfen verbraucht ist. Schon lange vorher ist mit weitaus massiveren Preissteigerungen als heute sowie gewalttätigen Verteilungskonflikten zu rechnen. Weil der Umbau unserer Verkehrssysteme aber eine gewaltige Herausforderung ist, die nicht von heute auf morgen bewältigt werden kann, wird die Zeit dafür immer knapper.

 

Jetzt aus dem fossilen Zeitalter aussteigen – gegen die Macht der Ölkonzerne

Das Ende des Ölzeitalters rückt unaufhaltsam näher. Deshalb müssen die tiefer liegenden Ursachen für Preissteigerungen und Marktmacht erkannt werden. Die Politik muss den schnellen Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter organisieren – gegen die Macht der Ölkonzerne. Die sogenannte Energiewende darf nicht nur auf den Stromsektor begrenzt werden.

Wir haben es satt: HelferInnentreffen am 12.1.2012, Markthalle IX

In 2 Wochen ist es soweit – am 21.1.12 um 11:30 Uhr heißt es “Wir haben es satt – Bauernhöfe statt Agrarindustrie!”

 

Wir haben schon sehr viel Unterstützung – aber damit alles reibungslos läuft suchen wir noch weitere HelferInnen, v.a. als SpendensammlerInnen, OrdnerInnen und für die Essens-/Spülstände.

 

 

Daher laden wir euch noch einmal ganz herzlich zum dritten und letzten HelferInnentreffen ein!

Wann: Donnerstag, 12.1.2012, 19 Uhr
Wo: Markthalle IX, Eisenbahnstraße 42/43

Außerdem suchen wir noch dringend Leute, die Material verteilen! Bundesweit läuft die Mobilisierung hervorragend – wir haben schon 80 Busse!

Aber die Berliner Materiallager sind noch viel zu voll!

Holt euch dort die druckfrischen A2-Plakate, außerdem gibt es dort A3-Plakate, Flyer und Aufkleber! Geht in euren Bioladen, Weltladen oder ein Reformhaus, sprecht Kirchen-, Jugend- oder Pfadfindergruppen an, geht an die Unis und Hochschulen – Studierendenvertretung und Fachschaften sind gute AnsprechpartnerInnen – und verteilt, plakatiert. Das Material muss raus.

Unten findet ihr die 4 Berliner Materiallager – sie freuen sich alle über euren Besuch.

Ganz vielen Dank vom
Demo-Orga-Team

Materiallager

- in Berlin-Mitte:
Bundesgeschäftsstelle der Grünen Jugend
Hessische Straße 10
offen Mo-Fr von 10-16Uhr
bei Grüner Jugend klingeln und in den 3. Stock
offen Mo-Fr von 9-18 Uhr

- in Berlin-Kreuzberg/ Tempelhof:
Buchladen Schwarze Risse im Mehringhof
Gneisenaustraße 2a
offen Mo-Fr von 10-18 Uhr sowie Sa von 11-14 Uhr

- in Berlin-Prenzlauer Berg:
Buchladen Schwarze Risse
Kastanienalle 85
offen Mo-Fr 11-19 Uhr sowie Sa 11:30-15 Uhr

- in Berlin-Friedrichshain:
NaturFreunde Deutschlands e.V.
Büro von Atomausstieg-selber-machen
Warschauer Str. 58a
(rechter Treppenaufgang bzw. Aufzug!)
2. Stock rechts
offen Mo-Fr von 10-18 Uhr

VENRO: „Niebels Alleingang“ – VENRO-Standpunkt zum entwicklungspolitischen Konzept des BMZ

PRESSEMELDUNG

23/2011


 Bonn, 14. November – Unter dem Titel „Chancen schaffen – Zukunft entwickeln“ veröffentlichte Entwicklungsminister Dirk Niebel Anfang August 2011 sein zukünftiges Konzept für Entwicklungspolitik. Gleichzeitig kündigte er an, den Dialog mit weiteren Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit zu su­chen. Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) hat das Konzept analysiert und seine Kritikpunkte in dem Positionspapier „Niebels Alleingang“ veröffentlicht.  

 

Ein Kritikpunkt von VENRO ist, dass Niebel in dem Papier zwar einen Anspruch auf Innovation erhebt, „doch es werden wenig überzeugende Antworten gegeben, wie Entwicklung zukünftig aussehen soll“. Stattdessen wird  auf alte Formeln der 50er Jahre zurückgegriffen, die  vor allem auf Wirtschaftswachstum setzen. Wichtige entwicklungspolitische Themen, wie die ländliche Entwicklung, würden  in dem Papier völlig ausgeklammert. Es gehe vor allem um die Förderung von Eliten in den Entwicklungsländern. Die Ärmsten der Armen kommen als Zielgruppe erst gar nicht in den Blick.

 

Auch das Verfahren stößt bei VENRO auf Kritik. Vor der Veröffentlichung und Übersetzung des Papieres in vier Sprachen wurden kei­ne weiteren Organisationen konsultiert. „Ein solches Verfahren ist ungewöhnlich und bricht mit der Gepflogenheit, wichtige konzeptionelle Weichenstellungen mit relevanten Akteuren zu diskutieren“, so der Verband.

 

Der VENRO-Standpunkt  kann auf der Website www.venro.org heruntergeladen werden.

Veranstaltung in Berlin: Die Umweltfrage durch Armut und Askese lösen?

E I N L A D U N G

Der Sozialpolitische Arbeitskreis lädt ein zu einer Informations- und Diskussions­veranstaltung zum Thema

Die Umweltfrage durch Armut und Askese lösen?

Der erreichte Stand der Produktivkräfte, die Entwicklung der Demographie sowie die Anforderungen an den Schutz der Umwelt verlangen einen Umbruch. Wachsende Produktion und steigende Konsum erhöhen den Energieverbrauch und verursachen immer größere Schäden in der Umwelt. Die ökologische Frage muss gelöst werden, aber wie und von wem und mit welchen Folgen für den allgemeinen Lebensstandard? Thesen von der Notwendigkeit eines Wachstumsverzichts gewinnen in der Finanz- und Wirtschaftskrise an Akzeptanz. Muss aber Umweltpolitik zwingend gegen Wachstum gerichtet sein? „Wer unter den jetzigen Verhältnissen für ein niedrigeres Wachstum plädiert, tritt ein für hohe Erwerbslosigkeit, soziales Elend und eine Schwächung gewerkschaftlicher Macht“, so Georg Fülberth. Muss aber Umweltpolitik zwingend gegen Wachstum gerichtet sein? Wie kann eine Lösung dieses Widerspruches aussehen?

Darüber wollen wir diskutieren mit

Professor Dr. Herbert Schui

Volkswirtschaftswissenschaftler,
MdB der Fraktion DIE LINKE bis 2010

am Dienstag, dem 1. November 2011, ab 19.00 Uhr

in der GALERIE TERZO MONDO,
Grolmanstraße 28, Berlin–Charlottenburg
(südlich des S-Bahnhofs Savignyplatz)

Interview mit Bankier Baudoin Prot “So ein Interview wie dieses haben Sie noch nicht gelesen! “

Das Handelsblatt wollte den Bankier Baudoin Prot - Chef der größten französischen Bank BNP Paribas – zur Bankenkrise interviewen. Aber er wollte nichts sagen. Sehr löblich, das das Handelsblatt es trotzdem bringt .

So ein Interview wie dieses haben Sie noch nicht gelesen! Es ist sinnbildlich für die aktuelle Lage der Banken in Europa. Interviewpartner ist Baudoin Prot – der Chef der größten französischen Bank BNP Paribas. Interview mit BNP-Chef Prot: „Können Sie nachts noch ruhig schlafen?“ -

Linke dankt BILD für´s Mühlenthema

20. September 2011  Gebhardt, Sachsen, Windkraft, Wirtschaft

Die BILD Dresden verkündet heute in dicken Lettern “Windkraft gegen Erdgas. Sachsens Linke haben sich für die Mühlen entschieden” und ergänzt im Nachsatz, dass diese Mühlen (Windpark in Pfaffroda-Dörnthal im Erzgebirge) die Anwohner seit Jahren nerven. Die LINKE hat allerdings nichts gegen Erdgasleitungen per se, es ging im konkreten Fall um eine andere Trassenführung. Die Erdgastrasse wurde zwischenzeitlich bereits durch einen Windpark verlegt und es droht eine Enteignung der Betreiber des Windparks, dem, nach Auskunft des Verbandes Erneuerbare Energien, effizientestem und windreichstem Sachsens. Beim Ortstermin mit dem “mächtigen LINKEN-Vorsitzenden – O-Ton BILD” Rico Gebhardt am 2. September nahm auch der Bürgermeister der Gemeinde, Herr Lippmann (CDU), teil. Sowohl der Gemeinderat als auch die Bewohner der Gemeinde stehen hinter den Windparkbetreibern. Die Gemeinde erwirtschaftet die Hälfte ihrer Gewerbesteuereinnahmen durch den Windpark. Diese Zustimmung zeigt sich auch in der durch die Gemeinde eingereichte Klage gegen die Trassenführung durch das Vorrangsgebiet für Windkraft.