EU

Es geht um gesamteuropäische Solidarität UND nachhaltige Entwicklung der besonderen Potenziale Sachsens

Erwiderung des Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE, Rico Gebhardt, auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Tillich zum Thema „EU-Haushalt ab 2014 sichert Sachsen weiter gute Perspektiven“
- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

werter Herr Ministerpräsident Tillich! So kühn wie bei der Anmeldung dieser Regierungserklärung haben wir Sie noch nie erlebt: „EU-Haushalt ab 2014 sichert Sachsen weiter gute Perspektiven“ – unter diesem Titel haben Sie gerade zu uns gesprochen. Und das, obwohl über ebendiesen europäischen Etat heute erst vom Europaparlament abgestimmt wird. Ihre Redenschreiber mussten also einen belobigenden Text über etwas verfassen, was es noch gar nicht gibt.

Nun führen wir ja auf Antrag der Koalition heute noch eine große Drogendebatte, der ich nicht vorgreifen möchte. Aber ich frage mich schon, was man genommen haben muss, um aus einem quer durch alle Parteien und Fraktionen auf europäischer Ebene höchst umstrittenen Haushaltsentwurf sichere Perspektiven für den Freistaat abzuleiten.

Nach dem Entwurf des Mehrjährigen Finanzrahmens 2014-2020, über den wir heute sprechen, können wir feststellen: Sachsen ist mit einem blauen Auge davongekommen.

66 Prozent Weiterförderung im Vergleich zur jetzigen Höchstförderung hatten EU-Kommission und Parlament vorgeschlagen, 64 Prozent will nun der Rat. Die Kofinanzierungsrate bis zu 80 Prozent auch für Leipzig ist ein guter Erfolg. Das ist vor allem dem Engagement der sächsischen Europaabgeordneten Hermann Winkler, Constanze Krehl und Cornelia Ernst, zu verdanken.

Die erreichten Ergebnisse sind aber nur vor dem Hintergrund des befürchteten höheren Ausfalls von Fördermitteln als „positiv“ zu bewerten, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.

Die eigentliche Herausforderung aber, nämlich die jetzige Debatte um Fördermittel angesichts der sich völlig verändernden Finanzierungsgrundlagen in der nahen Zukunft, also EU-Förderung, Solidarpakt, Länderfinanzausgleich u. ä., als Weckruf für ein strategisches Umdenken zu verstehen, wurde nicht angenommen, und ich habe auch in Ihrer Rede dazu keine Wort vernommen.

Wir als LINKE bekennen uns zur gesamteuropäischen Solidarität. Wir haben 28 Mitgliedsstaaten, seit 2004 sind vor allem arme oder bitterarme Länder neu zur EU hinzugekommen.
80 Prozent aller Infrastrukturleistungen in Rumänien beispielsweise werden zurzeit mit EU-Mitteln finanziert. Das ist auch gut so, denn wir wollen, dass die Menschen überall in ihrer Heimat eine Perspektive haben. Ich wiederhole heute gern, was ich hier schon einmal gesagt habe: Man kann sich nicht einerseits über Armutsflüchtlinge aus diesen Staaten beklagen und andererseits die Bekämpfung der Armut in diesen Ländern unterlassen.

Genauso wenig seriös ist es übrigens, wenn Deutschland seinen Beitrag zum EU-Haushalt deckelt, obwohl der Bedarf des sozialen Ausgleichs in Europa gestiegen ist, und gleichzeitig kritisiert wird, dass deutsche Regionen weniger kriegen als früher.

Bei der Sächsischen Staatsregierung wiederum kollidiert das Selbstvermarktungsbedürfnis des Kabinetts Tillich mit der Interessenvertretung für den Freistaat: Nachdem der Ministerpräsident unser schönes Sachsen in den Medien schon in die Zielgerade hin zu den zehn wirtschaftsstärksten Regionen des Kontinents hineingeredet hat, können wir froh sein, dass die EU bei uns überhaupt noch Förderbedarf wahrnimmt. Auch hier gilt: Etwas mehr Bescheidenheit wäre klüger und brächte der Bevölkerung im Freistaat mehr.

Für den EU-Haushalt gilt sowieso das Gleiche, was wir für den sächsischen Haushalt stets anmahnen: Es geht nicht um eine möglichst wundersame Geldvermehrung, sondern um eine vernünftige Verwendung der Steuergelder.

Die EU-Kommission hat gerade erst den Regierungen empfohlen, mehr in sozialen Zusammenhalt zu investieren. Als konkretes Beispiel wird die Verminderung der Zahl der Schulabbrecher genannt. In Leipzig haben wir 15 Prozent Jugendliche ohne Schulabschluss – die Lösung solcher Probleme, Herr Tillich, interessiert die Menschen mehr als das Jonglieren mit abstrakten Förderkategorien!

Reden wir also weiter über Realitäten. Sie, Herr Ministerpräsident, haben in einem Brief an die Europaabgeordneten um Zustimmung zum Vorschlag des Europäischen Rates geworben. Dieser Vorschlag umfasst Verpflichtungen für Ausgaben in Höhe von 960 Milliarden Euro, wobei die Mitgliedsstaaten bisher lediglich 908 Milliarden Euro einspeisen wollen. Stellen Sie sich mal vor, wir würden als Sächsischer Landtag einen Landeshaushalt beschließen, in dem jeder 18. Euro nicht gedeckt ist, also mehr als fünf Prozent Einnahmen fehlen.
Bei aller Kritik an Finanzminister Unland: So etwas würde er uns nicht vorlegen.

Zur Realität in Europa gehört aber auch, dass die europäischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bisher 4,5 Billionen Euro für die Rettung maroder Banken aufgebracht haben. Zugleich ist es für Unternehmen immer schwieriger, bei diesen Banken Kredite für Investitionen zu bekommen.

Nach einer Studie von Ernst & Young kämpft in Deutschland jedes zehnte Unternehmen ums Überleben, und das, obwohl das Lohnniveau seit über zehn Jahren vor sich hindümpelt. Ja, wir als LINKE sagen – und finden dafür immer mehr Zustimmung auch in Kreisen, die von Wirtschaft mehr verstehen als die FDP: Dem Mittelstand fehlt die Nachfrage. Dies ist Folge des flächendeckenden Lohndumpings, und deshalb brauchen Deutschland und insbesondere auch das Niedriglohnland Sachsen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn! Jetzt!

Bevor Frau Windisch mich wieder mit Zwischenrufen traktiert, dass ich nicht zum Thema rede, möchte ich ausdrücklich um ein Verständnis für die Komplexität des Themas dieser Debatte werben, weil wir sonst nicht über Worthülsen hinauskommen.

Die OECD hat unlängst darauf hingewiesen, dass viele Konzerne in Europa Steuerquoten von fünf Prozent haben. Also weit weniger als ein kleiner Angestellter. So kann Europa nicht funktionieren – auch dazu muss eine sächsische Staatsregierung das Wort erheben, die wirklich einen politischen Beitrag zu sicheren und guten Rahmenbedingungen für die Menschen im Freistaat Sachsen leisten will.

Die EU hat den Friedensnobelpreis bekommen, aber der soziale Frieden steht auf der Kippe. Wenn in Südeuropa halbe Jahrgänge von Jugendlichen arbeitslos sind und in Osteuropa Menschen Hunger leiden und in Slums dahinvegetieren, werden wir hier keine Insel der Seligen aufschütten können.

Herr Schiemann fordert ja bereits die Wiedererrichtung der Grenzen zu unseren Nachbarn; ich bin gespannt, wann der erste CDU-Abgeordnete Zäune oder eine Mauer haben will. Spätestens dann können wir Ihnen den Beinamen „SED-Nachfolger“ unentgeltlich abtreten …

Wir hatten hier in Sachsen mal einen Ministerpräsidenten, der hat sich mit der EU-Kommission angelegt, wenn es um faire Entwicklungschancen für Industriestandorte in Sachsen gegangen ist. Das war Kurt Biedenkopf. Herr Tillich dagegen wagt es ja nicht mal, Frau Merkel zu widersprechen. Deshalb spielt Sachsen außerhalb der Landesgrenzen zurzeit politisch keine Rolle mehr.

Ein Ministerpräsident, von dem man im eigenen Land fast nichts hört, kann sich natürlich weder gegenüber der Bundesregierung noch auf europäischer Ebene Gehör verschaffen. Das tut uns nicht gut.
Ich werde Sie mit all den Zahlen verschonen, über die jetzt aus sächsischer Perspektive zu sprechen wäre. Dafür sind die Fachpolitiker zuständig – freuen Sie sich schon jetzt auf meinen Fraktionskollegen Sebastian Scheel!

Ich möchte Ihnen stattdessen abschließend noch einige Gedanken nahezubringen versuchen, die aus meiner Sicht der Schlüssel für eine gute Zukunft Sachsens in Europa sind. Wir sind schließlich das Bundesland mit der längsten EU-Außengrenze gewesen, also allein schon geografisch das europäischste aller Bundesländer.

Die jetzige europäische Fördermittel-Debatte sollte als Weckruf für ein strategisches Umdenken verstanden werden. Weg von einem Nachbau West auf niedrigerem Niveau hin zu einem sozial-ökologischen Umbau. Die Nachhaltigkeit, die kürzlich hier Gegenstand der Debatte über eine Fachregierungserklärung war, lässt sich nicht durch ein bisschen Umverteilen hier und da erreichen. Die langfristige Sicherung der sozialen, ökologischen, materiellen und ideellen Lebensgrundlagen in Sachsen bedarf eines selbstbewussten regionalen Auftretens im Sinne von „Sachsen in Europa“.

Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Wir als sächsische LINKE üben dieses regionale Selbstbewusstsein anhand der sächsischen Verfassungsdebatte derzeit innerhalb der eigenen Partei ein. Ein solcher Weg ist nicht einfach und nicht frei von gelegentlichen Rückschlägen – wer wüsste das aktuell besser als ich -, aber Herr Tillich:
Wenn Sie das innerhalb der CDU nicht hinbekommen, ist es im Interesse Sachsens wirklich besser, wenn Sie die nächste Landtagswahl von Ihren dienstlichen Verpflichtungen entbindet.

Wer als Politiker für die Bevölkerung ein Leben in größtmöglicher Sicherheit erreichen will, frei von Angst vor Verarmung oder Kriminalität, muss selbst etwas riskieren.
Nämlich die eingefahren Gleise eines bequemen Lobbyismus verlassen, der so lange Subventionen hin und herschiebt, bis niemand mehr laut schreit. Dann aber bleiben all diejenigen auf der Strecke, die keine PR-Abteilung für sich arbeiten lassen können.

Der LINKE Wirtschafts- und Europaminister unseres Nachbarlandes Brandenburg, Ralf Christoffers, macht Ihnen, meine Damen und Herren der schwarz-gelben Koalition in Sachsen, vor, wie man produktiv mit der gegenwärtigen Situation umgehen kann. Auf seinen Vorschlag hat die Potsdamer Landesregierung die eigenen Prioritäten für die EU-Förderperiode 2014-2020 festgelegt: Innovation, Bildung und Fachkräftesicherung, schonende und effiziente Ressourcennutzung, erneuerbare Energien. Zugleich will man folgende landesspezifische Querschnittaufgaben meistern: Konstruktiver Umgang mit dem demografischen Wandel, stärkere Integration der Entwicklung von städtischen und ländlichen Räumen sowie eine Unterstützung von Menschen und Institutionen bei den voranschreitenden Internationalisierungsprozessen.

So sieht nachhaltige Politik aus, Herr Tillich. Sie aber sind sich treu geblieben und wollen gar nicht regieren, sondern nur verwalten. Dabei fühlen Sie sich sicher und gut. Damit haben Sie unsere Erwartungen erfüllt. Mehr haben wir nämlich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auch gar nicht erwartet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Ansatz für Europa lautet: Nicht das Geld oder der Markt, geschweige denn Finanzmärkte sind der Ausgangspunkt unseres politischen Handelns, sondern die Menschen in Sachsen und Europa.

Wer sich primär als Gehilfe „freier Märkte“ versteht und dann von hieraus die Prioritäten setzt und annimmt, dass der Markt das schon irgendwie richtet und Wohlstand für alle sich anschließend mit einer gewissen Zwangsläufigkeit einstellt, wird immer geneigt sein, Negativfolgen auf der Seite der Menschen als hinzunehmende ‚Kollateralschäden‘ anzunehmen.

Er arbeitet am Ende sogar gegen die europäische Idee, obwohl klar ist, dass Mitgliedsstaaten und Regionen in der Globalisierung nur in einem starken Europa bestehen können.

Wir sind davon überzeugt, dass für Deutschland und auch für Sachsen genügend Ressourcen vorhanden sind, um allen Menschen ein lebenswürdiges Dasein zu ermöglichen. Dazu gehört ein Leben ohne tiefgehende Angst des sozialen Absturzes und der Verarmung und stattdessen funktionierende Daseinsvorsorge, soziale Sicherheit und Integration.

Ich nehme an, die meisten Bürgerinnen und Bürger sehen das auch so.
Sollten die Sachsen also wieder mal nicht nur irgendwie verwaltet, sondern tatsächlich regiert werden wollen, wissen sie zumindest schon jetzt, wie es nicht geht: Nämlich mit Ihrer Regierung. Das ist nicht schlimm, denn es gibt Alternativen. Die sind gut für Sachsen und Europa. Fortsetzung folgt in der nächsten Runde.

Vielen Dank!

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Aktionsaufruf gegen den EU-Gipfel: Unsere Demokratie gegen ihr Spardiktat!

Für einen Europäischen Frühling – For a European Spring!
Unsere Demokratie gegen ihr Spardiktat! – Our Democracy against their Austerity -

europa eu demo brüssel„Für einen europäischen Frühling“ ruft zu Aktionen, Streiks und Demonstrationen in ganz Europa am 13. März sowie zu einer gesamteuropäischen Demonstration und kreativen Aktionen in Brüssel am 14. März auf. Wir richten uns gegen den EU-Gipfel am 14. und 15. März, bei dem sich die europäischen Regierungschefs versammeln, um das EU-Krisenmanagement weiter zu verschärfen. Massive Angriffe auf Wohlfahrtstaat und Demokratie, auf soziale und demokratische Rechte sind die bisherigen Antworten auf die ökonomische und politische Krise in der EU. Gelungen ist dies durch das beispielslose Aushebeln demokratischer Spielregeln. Diese Politik schlägt sich nieder in EU Spardiktaten, Forderungen nach tiefen Einschnitten im Sozialen und Versuchen, hart erkämpfe Arbeitnehmerrechte zu schwächen und auszuhebeln.

Dieser Kurs ist gefährlich und zutiefst ungerecht. Er muss gestoppt und aufgehoben werden! Diese Politik dient der Rettung der großen Banken und Konzerne, aber wir, die große Mehrheit, wird dazu verdammt, die Zeche der Privilegierten zu zahlen.

Überall in Europa kämpfen Menschen gegen diese Politik – mit Streiks, Demonstrationen, Aktionen, Versammlungen. Diese Kämpfe sind unsere Kämpfe. Wir verurteilen die gewaltsamen Versuche, sie zu unterdrücken. Jetzt ist der Zeitpunkt für Solidarität über alle Grenzen, Branchen und Sektoren hinweg. Jetzt ist der Zeitpunkt eine Bewegung zu werden, die wirkliche Demokratie und soziale Gerechtigkeit schafft. Wir wollen eine Gesellschaft schaffen, in der ganz andere Lösungen vorgeschlagen und von allen gemeinsam diskutiert werden können – ganz andere als die, die von den Eliten verteidigt und von der EU durchgedrückt werden.

Wir rufen auf zu Aktionen, Streiks und Demonstrationen am 13. März an allen Orten in Europa als Teil einer Woche des europäischen Widerstands. Wir rufen auf zu einer Massenmobilisierung am 14. März nach Brüssel gegen den EU-Frühjahrsgipfel. Wir werden den Herrschenden zeigen, dass unsere wachsende Bewegung früher oder später stark genug sein wird, um den Kurs in Europa in unser aller Interesse zu ändern.

• Abschaffung aller Kürzungsdiktate und Spar-Gesetzgebungen / Abolish all EU-austerity treaties und legislations!
• Für eine ökologische Wende /For an ecological Transition!
• Entwaffnet die Finanzmärkte / Disarm Financial Markets!
• Wir schulden nichts – wir zahlen nicht /Debt: Don’t owe, don’t pay!
• Feuert die Troika, nicht die Menschen / Fire the Troika, not the people!

Infos unter:
europeandayofaction@gmail.com (um den Aufruf zu unterschreiben)
https://www.facebook.com/ForAEuropeanSpring
www.foraeuropeanspring.org

Our Democracy against their austerity! – a call for action against the EU Spring Summit

‘For a European Spring’ is a call for actions, strikes and demonstrations all over Europe on the 13th of March, and for a pan-European demonstration and creative actions in the city of Brussels on the 14th of March. It is targeted at the EU Spring Summit, where leaders from across the continent will assemble on the 14th and 15 to strengthen the European Council’s response to the crisis.

The response to date from economic and political elites in the European Union amounts to a massive attack on welfare, social rights and democracy. This has been achieved by undermining democracy, reflected in EU policies including the imposition of austerity, demands for deep cuts in social spending, attempts to weaken labour laws and the roll back of hard earned labour rights.

This course of action is dangerous, profoundly unjust, and must be reversed. While these policies are designed to rescue big banks and big business, we, the vast majority, are made to pay for the excesses of the privileged.

All over Europe struggles and strikes are happening against these unjust policies. These struggles are our struggles, and we reject the violent attempts of European states to suppress them. Now is the time for solidarity across borders and sectors, to be the force to create real democracy and social justice. We are seeking to build a society where solutions, very different to those defended by the elites and imposed by the EU, can be proposed and discussed by everybody.

We call for actions, strikes and demonstrations on the 13th March across Europe as part of a week of European resistance, with a mass mobilisation on the 14th in Brussels targeting the EU Spring Summit. We will show those in power that our growing movement will, sooner or later, be strong enough to change the course of Europe in the interest of us all.

• Abolish all EU-austerity treaties and legislation!
• For an ecological Transition!
• Disarm Financial Markets!
• Debt: Don’t owe, don’t pay!
• Fire the Troika, not the people!

More Information at:
europeandayofaction@gmail.com (sign the call)
https://www.facebook.com/ForAEuropeanSpring
www.foraeuropeanspring.or

NaturFreunde: Keine EU-Haushaltsmittel für EURATOM


EU-Haushalt von umweltfeindlichen Ausgaben entlasten

Berlin, 7. Februar 2013 – Zum Treffen der EU-Regierungschefs am Donnerstag und Freitag in Brüssel, bei dem sie über den EU-Haushalt für 2014 bis 2020 beraten, erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

EURATOM NaturfreundeDie NaturFreunde halten die derzeitige Diskussion über den EU-Haushalt für falsch und kurzsichtig. Wenige sogenannte Nettozahler drücken der EU eine Diskussion über einen angeblich zu hohen Haushalt auf und wollen in Wirklichkeit nur ihre nationalen Haushalte entlasten. Die Gewinner des EU-Binnenmarktes weigern sich, für den sozialen und ökologischen Ausgleich im Rahmen der EU Mittel bereitzustellen.

Die NaturFreunde unterstützen die Vorschläge der EuroMemo Group, die feststellt, dass für eine soziale und ökologische Entwicklung der EU mehr Mittel für den sozialen Ausgleich innerhalb der EU notwendig sind. Die Forderungen nach einer generellen Senkung des EU-Haushaltes sind falsch. Allerdings sehen die NaturFreunde große Einsparpotentiale in einigen Bereichen des EU-Haushalts. Die frei werdenden Gelder sollten in ökologisch sinnvolle Projekte umgelenkt werden.

Auflösung von EURATOM gefordert

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Auflösung von EURATOM und die Streichung der Mittel für die Atomförderung aus dem EU-Haushalt. Nach bisherigen Planungen will die Europäische Kommission für die Förderperiode 2014 bis 2020 allein für EURATOM 1,665 Milliarden Euro bereit stellen. Weitere 2,573 Milliarden Euro sollen für die Forschung und den Bau des Fusionsreaktors ITER ausgegeben werden. Zusammen also etwa 4,2 Milliarden Euro, die für die Atomforschung zur Verfügung gestellt werden.

Die NaturFreunde Deutschlands erwarten von der Bundesregierung, dass sie die Streichung dieser Mittel vorschlägt und sich für die Gründung einer Europäischen Agentur für Erneuerbare Energien einsetzt. Dieser neuen Agentur sollen die dann freiwerdenden Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden.

Grundsätzliche Überprüfung aller EU-Ausgaben auf Umweltverträglichkeit

Die NaturFreunde Deutschlands setzen sich für die Überprüfung aller EU-Förderinstrumente auf Umweltverträglichkeit ein. Alle EU-Subventionen, die mit negativen Folgen für die Umwelt verbunden sind, müssen nach einer negativen Umweltverträglichkeitsprüfung auch gestrichen werden:

  • Alle Subventionen für die Intensivlandwirtschaft und die aggressive Ausrichtung der EU-Landwirtschaft auf den Weltmarkt müssen wegfallen. Durch diese Subventionen werden das Klima geschädigt und die kleinbäuerlichen Landwirtschaften in Asien, Afrika und Lateinamerika zerstört.
  • Alle landwirtschaftlichen Direktzahlungen müssen überprüft und strikt an die Erbringung von Umweltleistungen durch die Empfänger geknüpft werden.
  • Völlig inakzeptabel ist die Förderung von Intensivlandwirtschaft in wasserarmen Regionen, die häufig zu einer dramatischen Absenkung von Grundwasservorkommen in diesen Regionen führt.
  • Die hohen Subventionen für die EU-Fangflotten müssen überprüft werden. Alle Maßnahmen und Subventionen, die zu einer weiteren Überfischung der Weltmeere beitragen, sind zu beenden. Gleichzeitig müssen alle EU-Verträge, die das Fischen der hochtechnisierten EU-Fangflotten vor den Küsten Afrikas regeln und damit den einheimischen Fischern ihre Nahrungsgrundlage rauben, sofort gestoppt werden.
  • Die NaturFreunde treten für eine mittelfristige Beendigung der Förderung der Automobilindustrie und des Luftverkehrs ein. Durch diese falsche Förderpolitik werden die Treibhausgasemissionen gesteigert und gleichzeitig eine Entwicklung des Öffentlichen Verkehrs behindert. Über 50 Prozent aller Subventionen im Verkehrsbereich fließen in den Straßenverkehr. Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Umwidmung dieser Mittel in eine gezielte Förderung des Ausbaus der Schienen- und ÖPNV-Infrastruktur.

Berliner Wassertisch: Unterstützung für Europäische Bürgerinitiative »Wasser ist ein Menschenrecht«

Wasser darf kein Spekulationsobjekt werden
Stoppt die Auflagen der EU-Kommission, die die Privatisierung der
Wasserversorgung erleichern

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Konzessions-Richtlinie will den neoliberalen Kurs bei der Wasserversorgung mit einer Pflicht zur EU-weiten Ausschreibung von Aufträgen fördern.
unser wasser wassertischVon den neuen Regeln aus Brüssel sollen nur diejenigen Kommunen ausgenommen werden, die ihre Wasserversorgung noch komplett in öffentlicher Hand haben. In der Vergangenheit hat aber gerade die EU-Kommission die Städte und Kommunen aufgefordert, Private an der Wasserversorgung zu beteiligen. Das haben viele Städte in Deutschland aus finanzieller Not getan. Nun kann genau das diesen Kommunen zum Verhängnis werden, weil die Möglichkeiten, die Wasserversorgung wieder  zu 100 Prozent in öffentliche Hand zu bekommen, begrenzt werden.

Mit der Verpflichtung zur Ausschreibung wird der weiteren Privatisierung des Kernbereiches der Daseinsvorsorge -Wasser- durch einige wenige multinationale Wasserkonzerne Vorschub geleistet. Denn genau die wenigen Wassermultikonzerne wie Veolia werden den klammen Kommunen unschlagbar günstige Angebote unterbreiten, mit denen diese niemals konkurrieren können.

Was “günstig” ist und was nicht, haben die Berliner bereits erfahren.

Hier führte die Öffentlich private Partnerschaft (PPP) zu missbräuchlich überhöhten Wasserpreisen. Das Blaue vom Himmel wird lediglich vor der Vertragsunterzeichnung versprochen, danach sieht die Welt anders aus.

Deshalb erklärt der Berliner Wassertisch: Wasser ist ein Menschenrecht.
Die Wasserversorgung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge darf nicht zum Spekulationsobjekt global agierender Konzerne werden.

Deshalb trägt der Berliner Wassertisch die Europäische Bürgerinitiative »Wasser ist ein Menschenrecht« mit, die bis September europaweit eine Million Unterschriften sammeln will, damit das Anliegen auf die politische Agenda der EU-Kommission gesetzt werden muss.

Wir rufen die Bevölkerung auf, die Initiative unter

 www.right2water.eu

zu unterzeichnen. Bisher haben bereits über 745.000 EU-Bürger für die »Durchsetzung des Menschenrechts auf den Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung« unterschrieben. Die Initiative wird vom Europäischen Gewerkschaftsverband und verschiedenen Organisationen getragen, darunter die Gewerkschaft ver.di, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Attac und der Berliner Wassertisch.

ARD-Monitor hat dazu den Beitrag “Geheimoperation Wasser: Wie die EU-Kommission Wasser zu Handelsware machen will” gesendet und darin auch den Berliner Wassertisch dokumentiert, der gegen die grösste Teilprivatisierung innerhalb der EU vorgeht.

www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/1213/wasser.php5

Die Wirtschafts-Expertin des Berliner Wassertisches, Gerlinde Schermer erklärt darin: “Die neue Richtlinie der EU bedeutet, alles unter Privatisierungsdruck zu stellen. Und die Berliner Erfahrung zeigt, dass auch eine Teilprivatisierung durch ein so genanntes öffentlich-privates Partnerschaftsgeschäft in Wirklichkeit nur den Privaten nutzt. Sie haben die Rendite garantiert und wir bezahlen.”

Nachdem CDU und SPD im Jahre 1999  49,9% der Berliner Wasserbetriebe an Veolia und RWE verkauft haben, sind die fatalen Folgen einer Privatisierung der Wasserversorgung in Berlin eindrücklich zu besichtigen. Privatisierungs-Expertin Ulrike von Wiesenau kommentiert: “Versteckt in einer harmlos anmutenden Konzessions-Richtlinie versucht die Europäische Kommission gerade, ein Wirtschaftsprojekt gigantischen Ausmaßes durchzusetzen. Es geht um die europaweite Privatisierung der Wasserversorgung. Wenn sich die EU-Kommission durchsetzt, wird Wasser vom Allgemeingut zum milliardenschweren Spekulationsobjekt und zur Handelsware werden, mit fatalen Folgen für uns alle”.

INKOTA-CCC: Erneut Brandopfer bei KiK-Zulieferer in Bangladesch

inkota[Bonn/ Berlin, 29. Januar 2013] – Bei einem weiteren Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind am vergangenen Samstag (26. Januar) erneut sieben Arbeiterinnen ums Leben gekommen. An der Brandstelle wurden Label des Textildiscounters KiK gefunden. KiK und C&A sind bisher nicht, wie von der Kampagne für Saubere Kleidung gefordert, dem Brandschutzabkommen beigetreten. Auch die Entschädigungen für die Opfer des Brandes in der Tazreen-Fabrik vor zwei Monaten sind noch immer offen. Damals waren 112 Menschen gestorben.

Dieses Mal hat es in der Fabrik Smart Export Garments gebrannt. Da das Feuer in der Mittagspause ausbrach, befanden sich glücklicherweise die meisten der 300 Arbeiterinnen außerhalb des Gebäudes. Dennoch mussten sieben Arbeiterinnen sterben, vier waren jünger als 17 Jahre. An der Brandstätte wurden Labels der Firma KiK gefunden, aber auch von spanischen und französischen Unternehmen.

Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) klagt an: „Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis endlich europäische Modemarken und Einkäufer handeln und für umfassende Sicherheit und Arbeitsschutz bei ihren Lieferanten Sorge tragen?“

Das von bangladeschischen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen entwickelte Brandschutzabkommen wäre in diesem Zusammenhang ein wichtiger Vorstoß. Bisher wurde dieses auf europäischer Seite nur von Tchibo unterzeichnet. Seit Monaten fordert die internationale Kampagne für Saubere Kleidung, dass weitere Unternehmen dem Abkommen beitreten, damit es in Kraft treten kann. Metro, C&A, KiK und Lidl wurden direkt angefragt. Das EU-Parlament hat am 17. Januar 2013 das Brandschutzabkommen ebenfalls begrüßt und alle Markenunternehmen aufgefordert, diese Bemühungen zu unterstützen.

Außerdem wird erwartet, dass die Unternehmen rasch die dringend benötigten Entschädigungen für verletzte Arbeiterinnen, für Nothilfe und medizinische Versorgung zahlen. „Zahlreiche Näherinnen wurden nach dem Brand in der Tazreen-Fabrik in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie mussten sich verschulden, um die Rechnung zu bezahlen. Wer hilft diesen Frauen, die verletzt und arbeitsunfähig geworden sind“, fragt Frauke Banse, Koordinatorin der Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung. Gemeinsam mit Partnern in Bangladesch berechnete die Kampagne für Saubere Kleidung, dass mindestens 3 Millionen Euro Entschädigung an die Familien der Opfer des Brandes in der Tazreen-Fabrik gezahlt werden müssen.

 

saubere kleidung ccc

 

 

 

 

Bisher hat KiK jede Zahlung von Entschädigung für die Opfer abgelehnt, weil es zum Zeitpunkt des Brandes keine Aufträge platziert hatte, dort aber von 2009 bis Mitte 2012 produzieren ließ. Ganz offensichtlich hat sich KiK um Brandschutzsicherheit auch damals nicht gekümmert.

Die Gewerkschaften in Bangladesch rufen zur sofortigen Festnahme der Fabrikbesitzer auf. Der Besitzer der Tazreen-Fabrik ist immer noch auf freiem Fuß. Seit der Brandkatastrophe sind die Gewerkschaften fast täglich auf der Straße und fordern Gerechtigkeit von ihrer Regierung und ihren Unternehmern.

Weitere Informationen

Forderungen der Gewerkschaften und der CCC bezüglich des Brandes in der Tazreen-Fabrik (englisch)

Bisherige Antworten von Unternehmen auf die Forderungen

Zusammenfassung des Brandschutzabkommens

Resolution des EU-Parlaments zu den Bränden in Bangladesch

Berlin: Wege zur atomwaffenfreien Welt

Öffentliche Veranstaltung

Wege zur atomwaffenfreien Welt

Internationale Veranstalter : IALANA, INES, IPPNW, IPB mit der Unterstützung von MPI and PNND
Deutsche Unterstützer: Zukunft ohne Atomwaffen (ZOA), Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung (angefragt)

Mittwoch, 20.2.2013 19:00 bis 22.00
Humboldt-Universität, Jakob-Grimm-Zentrum, Auditorium,
Geschwister-Scholl-Str. 1-3, 10117 Berlin

 

friedenAm Abend vor einer wichtigen nuklearen Abrüstungskonferenz im Auswärtigen Amt lädt eine Gruppe von deutschen und internationalen Organisationen zu einer öffentlichen Veranstaltung in der Humboldt-Universität. Dort kommen TeilnehmerInnen der Konferenz mit VertreterInnen der deutschen Zivilgesellschaft zusammen, um zu diskutieren, wie Wege und Schritte hin zu einer atomwaffenfreien Welt aussehen können und wie weitere atomare Aufrüstung unter dem Stichwort der Modernisierung von Atomwaffen abgewendet werden kann.

International ist eine Welt ohne Atomwaffen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ein einvernehmliches erklärtes Ziel – zu mindestens verbal und in UN-Resolutionen. Praktisch verstoßen alle Atommächte – die offiziellen und die inoffiziellen – durch ihre permanente Aufrüstung gegen die verbalen Bekundungen. Wir wollen aber auch besonders die Rolle Deutschlands diskutieren. Angeblich ein atomwaffenfreier Staat lagern bei uns immer noch US Atomwaffen und betreibt eine Politik der „Nuklearen Teilhabe“.

Wie kommen wir also zu einer atomwaffenfreien Welt? Was können und sollen wir tun, um den Abrüstungsprozess voranzutreiben? Wie können wir dazu beitragen, dass die Modernisierung der Atomwaffen gestoppt wird? Welche Hürden müssen überwunden und welche ersten Schritte sollten gegangen werden? Ist die Aufnahme der Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention der entscheidende Schritt? Welche Bedeutung haben einseitige Maßnahmen oder Koalitionen der abrüstungswilligen Staaten? Brisante Fragen für eine offene und interessante Debatte.

Die Konferenz im Auswärtigen Amt am 21. und 22. Februar wird die Voraussetzungen für eine atomwaffenfreie Welt und den notwendigen Prozess, um sie zu erreichen, diskutieren. Staatliche VertreterInnen von so genannten Mittelmächte beraten mit ExpertInnen über strategische, kooperative und gemeinsame Sicherheit, Raketenabwehr, die Rolle von Atomwaffen, regionale Sicherheitssysteme, Voraussetzungen für „Global Zero“ und den Rahmen für Verhandlungen über die Ächtung von Atomwaffen. Veranstalter der Konferenz sind die Middle Powers Initiative (MPI) und das Parlamentarisches Netzwerk für Nichtverbreitung und Abrüstung (PNND).

NaturFreunde: Trinkwasser darf nicht zum Spekulationsobjekt werden


NaturFreunde unterstützen europäisches Bürgerbegehren „Wasser ist Menschenrecht“

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 22. Januar 2013 – Die NaturFreunde Deutschlands warnen die EU-Kommission vor der Fortsetzung ihrer „Privatisierungsideologie“, bei der jetzt auch die Trinkwasserversorgung in Europa dem Zugriff von multinationalen Konzernen ausgeliefert werden soll. Wie Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher des Verbandes, erklärte, arbeite die Kommission an einer neuen Richtlinie, mit der der Zugang für Private zur Wasserversorgung in den Kommunen geregelt werden soll. Wenn aber Wasserlizenzen europaweit ausgeschrieben würden, könnten Konzerne mit Dumpingangeboten zum Zuge kommen. „So wird auch noch unser Trinkwasser zum Spekulationsobjekt“, warnte Kuhlwein.

 

Kuhlwein erinnerte daran, dass in Deutschland nach einer „marktradikalen Phase“ heute die Rekommunalisierung der kommunalen Daseinsvorsorge im Mittelpunkt stehe. 82 Prozent der Deutschen wollten, dass Städte und Gemeinden ihre Trinkwasserversorgung selbst organisieren. Die meisten Privatisierungen der öffentlichen Dienstleistungen hätten sich als teure Fehlschläge erwiesen.

 

Es sei zudem „ein Horror“, so Kuhlwein, dass die Finanz-Troika von Griechenland und Portugal als Gegenleistung für Rettungsschirme den Verkauf ihrer Wasserversorger verlange. Und jetzt wolle der konservative französische EU-Kommissar Michel Barnier diese „Privatisierungsideologie“ auch noch auf ganz Europa ausrollen.

 

Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen das von den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in Europa (EGÖD) angestoßene europäische Bürgerbegehren „Wasser ist Menschenrecht“, das die Privatisierungen des Trinkwassers in der Europäischen Union zu verhindern sucht. Wer sich diesem Widerstand anschließen will, kann online auf www.right2water.eu unterschreiben.

Bündnis Südost: BER: Ein kleiner Regionalflughafen mit wenigen Betroffenen?

Bündnis Südost
Vereinigung von Bürgerinitiativen in Berlin und Brandenburg
Pressemitteilung vom Montag, den 21.01.13
BER: Ein kleiner Regionalflughafen mit wenigen Betroffenen
fluglärmDiese Schlagzeile klingt aus heutiger Sicht wie Häme! Doch unter Vorspiegelung dieser falschen Tatsachen wurde letztlich das Projekt BER erst genehmigungsfähig: Ein regionaler Flughafen für die Bedürfnisse der Region Berlin-Brandenburg. So wurde letztlich das Projekt vor den Parlamenten und gegenüber der Öffentlichkeit durchgeschummelt. Alles abgesegnet von Gerichten, die nun erwiesenermaßen eben nicht „im Namen des Volkes“ gehandelt haben.
Der Standort für ein Drehkreuz ist der falsche. Dies wurde schon im Raumordnungsverfahren in den 90er Jahren eindeutig belegt und erneut durch verschiedene Gutachten bewiesen. Heute wird das nicht einmal mehr von den Verantwortlichen bestritten! Wir hatten also Recht mit unserem Vorwurf an die Politik den falschen Standort ausgewählt zu haben, wie wir es schon lange vermuteten und geäußert hatten.
Kürzlich bewilligte die EU-Kommission das von der Flughafengesellschaft (FBB) angeschobene Beihilfeverfahren. Das zu 100% staatliche Flughafenunternehmen musste sich der Prüfung des EU-Wettbewerbsrecht unterziehen. Würde ein privates Unternehmen auch weiter Geld in ein solch aus dem Ruder gelaufenes Projekt stecken und eine solche Beihilfe nicht zu Wettbewerbsverzerrungen unter den Flughäfen führen, so bekommt die Flughafengesellschaft ihr Steuergeld, so die EU- Kommission. Die EU-Kommission hat allerdings eine Entscheidung auf der Grundlage von der hiesigen Politik gezielt für sie zusammengestellter falscher Informationen getroffen. Aufgrund der tatsächlichen Faktenlage hätte es eine auf diese Weise erschlichene Bewilligung nicht geben können und dürfen! Auch hier besteht erheblicher Verdacht, dass sich die für den Flughafen Verantwortlichen erneut irgendwie „durchgeschummelt“ haben? Und das Treiben geht munter weiter. Das Bundesverkehrsministerium führt aktuell weiter Gespräche mit der EU, um die kürzlich bewilligten 1,2 Milliarden noch einmal erhöhen zu dürfen.
Auch die Flugrouten vom 26. Januar 2012 sind nicht rechtmäßig entwickelt worden, so ist aus Brüssel zu lesen. Die EU-Kommission droht nun mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Es geht hier um einen Verstoß aufgrund der fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung: Da die Flugrouten durch Natur- und Vogelschutzgebiete verlaufen und somit ein Risiko durch Vogelschlag besteht, kann eine Gefahr, im ärgsten Fall ein Flugzeugabsturz, nicht ausgeschlossen werden kann. Schauen wir nach Frankfurt am Main, wo das Bundesverwaltungsgericht das Starten sowie das Landen der Flugzeuge von 23-05 Uhr dauerhaft untersagte. Was geschieht in der Praxis: Es gibt im Jahr 2012 dokumentierte 1322 Flugbewegungen in der Zeit von 23-05 Uhr – trotz Urteil. Sie ahnen schon: Auch hier wird kräftig geschummelt.
Wir Bürgerinnen und Bürger lassen diese Machenschaften nicht länger mit uns machen. Es ist unsere Gesundheit und unser Geld.
Wir fordern:
1. Keine weiteren Umbauexperimente am falschen Standort in Schönefeld
2. Eine Gesamtkostenaufstellung des BER
3. Sofortige Planung und Bau mit privaten Investoren am geeigneten Standort
4. Striktes Nachtflugverbot von 22-06 Uhr
5. Transparenz bei allen Entscheidungen, wie mit dem BER weiter umgegangen wird.
6. Sofortige Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen, so wie im Planfeststellungsbeschluss festgelegt: Keine Überschreitung von 55 dB(A) im Rauminnern bei angekipptem Fenster.
Wir lassen uns nicht weiter für dumm verkaufen! Es werden rund eine Million Menschen dauerhaft von Lärm und Schmutz betroffen sein. Hinzu muss sich jeder die Frage stellen: Wer übernimmt dafür die Verantwortung? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn wirklich ein oben geschildertes Horrorszenario eines Flugzeugabsturzes eintritt? Wo doch noch nicht einmal jemand die Verschiebung der Eröffnung des Airports politisch zu verantworten haben möchte …
Kontakt:
Mario Hausmann
Mitglied im Sprecherteam des Bündnis Südost
www.bündnissüdost.de

NaturFreunde: Keine Bankkredite für ukrainische Atomkraftwerke – EURATOM auflösen

NaturFreunde Deutschlands fordern Stilllegung aller 15 Reaktoren

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 19. Dezember 2012 – Die geplante Kreditvergabe der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) für eine Laufzeitverlängerung ukrainischer Atomreaktoren des Typs “Tschernobyl” halten die NaturFreunde Deutschlands für unverantwortlich. Sie fordern die Bundesregierung auf, sich für eine Stilllegung der Risikoreaktoren einzusetzen.

 

“Ein europäischer Bankkredit für sogenannte ‘Sicherheitsprogramme’ ukrainischer Schrottreaktoren in Höhe von 300 Millionen Euro ist vollkommen inakzeptabel”, kritisiert Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands. “Durch diese Laufzeitverlängerung für über 30 Jahre alte Atommeiler vergrößert sich die ständige Gefahr, dass sich in der Ukraine ein zweites Tschernobyl wiederholt.”

 

In der Ukraine sind insgesamt 15 Druckwasserreaktoren an vier Standorten am Netz, 12 davon stammen aus der Sowjetzeit. Zwei neue Reaktoren sind im Bau, bis zu neun weitere Meiler plant die Regierung. Mit ihrer Atompolitik hat die ukrainische Regierung das Land zur Geißel der Atomkraft gemacht: Es gibt keinerlei Antworten auf eine Atommülllagerung, die Sicherheitsansprüchen gerecht werden könnte. Derzeit lagert der Atommüll in völlig unzulänglichen Zwischenlagern in der Ukraine und in Russland, ganze Landstriche werden dadurch radioaktiv verstrahlt.

 

Die NaturFreunde erwarten von Bundesregierung und Europäischer Union, dass sie die Ukraine aktiv darin unterstützen, aus der Atomenergie auszusteigen, anstatt über den EURATOM-Vertrag immer wieder neue Gelder für Atomkraft zur Verfügung zu stellen. Weiter fordern die NaturFreunde Deutschlands die Verantwortlichen in der EBRD auf, keinen Kredit für ukrainische Reaktoren zu gewähren, sondern vielmehr der Ukraine Kredite für den Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Quellen zu ermöglichen. Auch im Rahmen des Europäischen Nachbar- und Partnerschaftsinstruments (ENPI) könnten der Ukraine Gelder für eine Energiewende zur Verfügung gestellt werden. Von der Bundesregierung fordern die NaturFreunde zudem die Aufkündigung des EURATOM-Vertrags.

EU-Richtlinie: Atommülltransfer soll erlaubt werden BBU und BI protestieren gegen “Dammbruch”

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow – Dannenberg e.V.
http://www.bi-luechow-dannenberg.de

Pressemitteilung  18.12.12

EU-Richtlinie: Atommülltransfer soll erlaubt werden BBU und BI protestieren gegen “Dammbruch”

bi umweltschutz castor(Bonn, Lüchow, 18.12.2012) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI) reagieren empört auf die Aufforderung des Bundesumweltministeriums, innerhalb kürzester Zeit und zwischen Jahren den Entwurf für die 14. Änderung des Atomgesetzes im Rahmen der “Länder- und Verbändeanhörung” zu kommentieren.

Am 19. Juli 2011 hat der Rat der Europäischen Union die Richtlinie 2011/70/EURATOM über einen Gemeinschaftsrahmen “für die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle (Richtlinie 2011/70/EURATOM) verabschiedet. Die Richtlinie 2011/70/EURATOM ist von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union spätestens bis zum 23. August 2013 umzusetzen. Bis zum 4. Januar bleibt den Verbänden nun Zeit, den Gesetzentwurf zu kommentieren, nachdem sie Ende letzter Woche angeschrieben wurden. “Wenn das der Lackmus-Test für eine neue Beteiligungskultur sein soll, dann ist es ein Eigentor”, sagte BBU-Sprecher Udo Buchholz.

Die Gorleben-Gegner verweisen auf die Parallelität der Umsetzung der EU-Richtlinie und das angestrebte neue Endlagersuchgesetz. “Die Umsetzung der EU-Richtlinie ermöglicht den Atommülltransfer und die Aufgabe des Prinzips, dass jeder Staat, auf dessen Boden Atomkraftwerke errichtet wurden, für ein nationales Entsorgungskonzept zu sorgen hat.
Der Atommülltransfer wird legalisiert, das ist ein Dammbruch”, warnt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Im Gesetzentwurf heißt es wörtlich: “Gemäß den Vorgaben der Richtlinie dürfen radioaktive Abfälle grundsätzlich nur unter strengen Voraussetzungen zum Zwecke der Endlagerung aus dem Staat verbracht werden, in dem sie angefallen sind.”

Auch andere Aspekte würden äußerst verantwortungslos und lax abgehandelt. So sei durch Freimessungen von Atomschrott “der Anfall radioaktiver Abfälle auf ein vernünftigerweise realisierbares Maß zu beschränken”, Kosten würden bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in das deutsche Atomrecht auch nur in geringem Umfang anfallen. Dazu heißt es in der Anlage zum Gesetzentwurf: “Für die betroffenen Wirtschaftsbereiche – ca. 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen – ist durch dieses Gesetz lediglich ein vernachlässigbarer Zeit- und Kostenaufwand bei einer geringen Fallzahl zu erwarten.”

“Verantwortungslos und möglichst billig lautet die Devise im Umgang mit dem Atommüll”, kritisieren BBU und BI den Entwurf in einer ersten Stellungnahme. Die Initiativen fordern in ihrer Antwort an das BMU eine angemessene Frist zu einer fundierten Kritik.