Keine Verschwendung von Steuermillionen für Fusionsreaktor
Berlin, 3. Januar 2013 – Anlässlich der Vergabe von zwei Großaufträgen in Höhe von 12 Millionen Euro für Komponenten des Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktors (ITER) durch das europäische Gemeinschaftsunternehmen Fusion for Energy (F4E) fordern die NaturFreunde Deutschlands die Bundesregierung erneut auf, diese Verschwendung von Steuermitteln zu beenden und sich für eine Auflösung von EURATOM einzusetzen. Stattdessen erwarten die NaturFreunde von der Regierung die Initiative für eine europäische Gemeinschaft zur Förderung erneuerbarer Energien.
„Mit dem Bau des überflüssigen Fusionsreaktors in Frankreich wird die Geldverschwendungsmaschinerie von EURATOM-Forschungsmitteln weiter angeheizt“, kritisiert Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands. „ITER ist ein bewusster Angriff auf die Energiewende: Er ist nicht auf flexible Stromerzeugung ausgerichtet. Bis dieser Reaktor in 50 Jahren einmal Strom liefert, haben wir aber praktisch unsere ganze Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umgestellt“, erläutert Hiksch.
Die Befürworter des ITER-Reaktors rechnen damit, dass frühestens im Jahr 2060 mit einer kommerziellen Nutzung der Fusionstechnologie zu rechnen ist. Keiner braucht diese Hochrisikotechnologie im Jahr 2060 mehr. Bis dahin wird durch die Energiewende, selbst nach Planungen der Bundesregierung, so gut wie 100 Prozent der Energieerzeugung durch regenerative Energiequellen sichergestellt werden. Eine neue Atomtechnologie, die auf die Phantasien der 50er Jahres des letzten Jahrhunderts zurückgeht wird nicht mehr benötigt. Deshalb ist jeder Euro der in dieses Projekt investiert wird, reine Geldverschwendung und muss sofort beendet werden.
Die Fusionstechnologie ist mit den Anforderungen an ein Energieversorgungssystem, dass auf regenerative Energiequellen aufgebaut wird, nicht vereinbar: Ein Fusionsreaktor muss rund um die Uhr in Betrieb sein und kann in die felxiblien Anforderungen eines nachhaltigen und auf solare Stromerzeugung ausgerichteten, dezentralen Energieerzeugungssystems, nicht integriert werden. Aus diesem Grund müssen alle Forschungen an der ITER-Technologie als bewusster Angriff gegen die Energiewende gesehen werden.
Das europäische Gemeinschaftsunternehmen F4E hat einen Kontrakt mit der spanischen „EADS CASA Espacio“, einem Tochterunternehmen eines der größten europäischen Rüstungskonzerne, EADS zur Lieferung von neun Vorpressringen abgeschlossen. Nach Angaben der F4E ist die Aufgabe dieser Vorpressringe, die Magnetfeldspulen für den ITER-Reaktor ober- und unterhalb des Experimentalreaktors zusammenzuhalten. Insgesamt werden für den Bau des Reaktors sechs Ringe benötigt, drei Ringe wurden als Reserve bestellt, falls einzelne Ringe beschädigt werden. Die Ringe sollen die Aufgabe übernehmen, die Verformung und Ermüdung der Magnetstrukturen zu verhindern und nach Planung der Forscherteams die Betriebsdauer des ITER-Reaktors verlängern.
Weiter wurde ein Auftrag über die Herstellung von 70 Radialplatten vergeben, die von einem Konsortium aus der italienischen „SIMIC S.p.A.“ und dem französischen „CNIM“ hergestellt werden. Die Kosten für die Herstellung der Radialplatten werden bei 160 Millionen Euro liegen. Die Platten haben die Aufgabe, die „supraleitenden Magnetspulen“, die einer der wichtigsten Teile des Forschungsreaktors sein werden, zu halten.
Kostenverdreifachung in vier Jahren
Nach offiziellen Planungen haben sich die Kosten für den ITER-Forschungsreaktor vier Jahre nach Baubeginn von rund sechs Milliarden Euro bereits auf mehr als 17 Milliarden Euro erhöht. Inoffiziell rechnen selbst ITER-Befürworter zwischenzeitlich mit Kosten von bis zu 35 Milliarden Euro. Etwa 45 Prozent dieser Kosten werden von den EURATOM-Mitgliedern getragen; die übrigen Mittel werden zu je 9,1 Prozent von den weiteren Vertragsländern Japan, Russland, USA, China, Indien und Südkorea aufgebracht.
Für die neue Förderperiode des EU-Forschungsprogramms „HORIZON 2020“ sind allein 2,573 Milliarden Euro für den ITER-Reaktor vorgesehen. Die Gesamtausgaben der Bundesrepublik für die Kernfusion hatten sich bis 2009 schon auf 3,3 Milliarden Euro summiert. „Eine neue Atomtechnologie, die auf die Phantasien der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgeht, wird nicht mehr benötigt, wenn gleichzeitig mit den erneuerbaren Energien eine sichere Energiequelle bereits zur Verfügung steht“, fasst Uwe Hiksch die Einwände der NaturFreunde Deutschlands zusammen.
