Umwelt

Klein-klein beim Hochwasserschutz überwinden – Flüssen mehr Raum geben, Vorhaben von 2002 umsetzen!

Erwiderung auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Tillich, „Hochwasser 2013: Helfen – wiederaufbauen – schützen. Gemeinsam für Sachsen“

Es gilt das gesprochene Wort!

Naturgewalten müssen erkenntnisfördernd sein. All diejenigen, die bei Facebook und Twitter bisher an Sodom und Gomorra gedacht haben, konnten an den Sandsack-Fronten in den Hochwasser-Krisengebieten live miterleben: Die sozialen Netzwerke sind wirklich sozial, ja sie wurden in Sekundenschnelle zu Plattformen tätiger Solidarität im realen Leben.

Ich möchte an dieser Stelle all den Freiwilligen danken, die in vielen Fällen ganz spontan alles stehen und liegen ließen, um dem Ruf nach Hilfe zu folgen. Ich möchte aber auch den unzähligen Einsatzkräften danken, die nicht Dienst nach Vorschrift gemacht, sondern alles Menschenmögliche getan haben, um Schäden zu minimieren.
Besondere Hochachtung gebührt denen, die mit vollem Einsatz dabei waren, obwohl sie selbst persönlich vom Hochwasser betroffen waren. Ihnen allen schulden wir aufrichtigen Dank,
höchste Anerkennung und Respekt!

Ich erwarte von der Koalition, dass all ihre Danksagungen heute auch mit der notwendigen Konsequenz für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst verbunden werden und Sie morgen unserem Antrag zur Übertragung der Tarifergebnisse auf die Beamten des Freistaates Sachsen folgen.

Und bei der Soforthilfe dürfen die Vereine und sozialen Träger nicht außen vor bleiben. Sie gehören zu den sozialen Säulen unserer Gesellschaft und müssen daher umgehend in die Soforthilfe-Richtlinie mit aufgenommen werden!

Katastrophen sind die Stunde der Regierung, also der Exekutive. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn „Land unter“ droht, kann man nicht stunden- oder gar tagelang darüber beraten und abstimmen, was jetzt vielleicht zu tun ist. Es muss sofort gehandelt werden, und dies in die Hand zunehmen, dafür sind Regierung und nachgeordnete Behörden da.
Unser Job als Parlament liegt nun in der Auswertung und Bewertung und in der Entscheidung über die Konsequenzen, die zu ziehen sind.

Herr Tillich hat zu Recht darauf verwiesen, dass das komplette Ausmaß der Schäden noch nicht exakt zu beziffern ist. Das gilt dann logischerweise auch für die politische Abrechnung mit dem Krisenmanagement. Nicht nur deshalb will ich Sie heute mit einer kleinteiligen Aneinanderreihung einzelner Pannen bei der Koordination der Hochwasserbekämpfung verschonen.

Wir haben am 10. Juni einen Antrag in den Landtag eingebracht, in dem es um unbürokratische Hilfe für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger einerseits und um einen umfassenden Hochwasserfolgen- und Ursachenanalysebericht andererseits geht.
Diese Analyse wollen wir in Ruhe mit Ihnen zusammen in den Fachausschüssen vornehmen, dazu braucht es nicht den Theaterdonner einer öffentlichen Landtagsdebatte über eine Regierungserklärung.

Ich möchte daher die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Debatte nutzen, das Augenmerk auf die aus unserer Sicht drängendsten Probleme nach dem nunmehr vierten, außerordentlichen Hochwasser-Ereignis in Sachsen binnen elf Jahren zu richten.

• Wir haben mit der sächsischen FDP eine Partei an der Regierung, die mit Klimawandel-Leugnern gemeinsame Sache macht und das auch noch für eine – ich zitiere – „Fortschrittsoffensive“ hält. Die FDP-Landtagsfraktion schreckte dabei nicht davor zurück, den europafeindlichen ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten Václav Klaus als Hauptredner vor ihren Karren zu spannen. Dies ist ein Mann – ich zitiere auszugsweise „Lockes Landtag“ in der „Morgenpost“ –, der „Klimaschutz für ‘Öko-Terrorismus‘, das Parlament für lästig und die EU für überflüssig hält. Mindestens. (…) Für die Sachsen-FDP ist seine Teilnahme ein ‘Hauch großer Politik‘. Wäre Kim Jong Un gegen den Klimawandel, er würde wohl FDP-Ehrenmitglied.“ Zitatende.
Ich stelle fest: Solange in Sachsen eine solche Partei die Regierungspolitik mitprägt, wird es eine nachhaltige Hochwasser-Prävention unter Einbeziehung ökologischer Fragen nicht geben.
Mit klimapolitischen Geisterfahrern kann man die Bevölkerung nicht schützen.

• Das sehen wir gleich beim zweiten Punkt. Weil das Flutmauern-Bauen in Dresden so erfolgreich war, versank Magdeburg in der Elbe, ist eine dieser Tage häufig gehörte These. Unabhängig davon, ob ich diese These teile: Die Zeit des schlichten Mauerbauens ist vorbei. Das Hauptthema beim Hochwasserschutz muss daher sein: Den Flüssen mehr Raum geben – dies hat jetzt sogar Bundesumweltminister Altmaier erkannt! Doch stattdessen schreitet die Versiegelung der Landschaft in Sachsen trotz ständig weiter abnehmender Bevölkerung voran – täglich in der Größenordnung von sieben Fußballfeldern. Und von den 7.500 Hektar zusätzlicher Überschwemmungsfläche, die 2002 geplant wurden, sind bis heute gerade mal 111 realisiert. So geht sächsisch eben nicht – jedenfalls nicht nachhaltig!

• Herr Tillich, mit Ihnen möchte ich heute relativ freundlich sprechen. Sie haben nach meiner Wahrnehmung eine durchaus bessere Figur in den Hochwasser-Tagen gemacht als beispielsweise Ihr Amtskollege Haseloff in Sachsen-Anhalt, dessen Innenminister in Begleitung von Bodyguards die Flucht vor aufgebrachten Bürgerinnen und Bürgern ergreifen musste.– Aber: Wenn Sie sich erstaunt zeigten, wie viele Hochwasseropfer nicht durch Versicherungen geschützt waren, dann verwundert mich das sehr. Bei Ihrem „Versicherungsgipfel“ im Jahr 2010 stellte sich heraus, dass nach Angaben der Versicherungswirtschaft mindestens 17.000 potenziell von Hochwasser gefährdete Wohngebäude im Freistaat nicht versicherbar sind. Wir haben bereits im Jahr 2002 die Diskussion über eine gesetzliche Elementarschaden-Pflichtversicherung für alle Hausbesitzer angestoßen, mit der die Lasten – egal ob durch Flut oder Tornado – solidarisch auf alle verteilt und damit auf ein erträgliches Maß abgesenkt werden. Über Details kann man sicher noch reden. Dass sich aber bei diesem Thema unterm Strich bei den Regierungsverantwortlichen auf Landes- und Bundesebene in elf Jahren gar nichts bewegt hat, ist und bleibt unverständlich. Deshalb, Herr Tillich, seien Sie nicht verwundert, sondern tun Sie was, wir werden Sie dabei unterstützen!
Die Linksfraktion in unserem Nachbarland Brandenburg, die bekanntlich eine Landesregierung mit trägt, hat sich letzte Woche dem Vorschlag einer gesetzlichen Elementarschaden-Versicherung angeschlossen; ich wünsche mir, dass sich auch die sächsischen Koalitionsfraktionen bewegen!

• Punkt 4: Ja, es mag einzelne Leute geben, denen ihre schöne Aussicht mehr wert ist als der Hochwasserschutz für die örtliche Gemeinschaft. Das ist ärgerlich genug. Ich warne allerdings davor, pauschal alle Kritiker konkreter Maßnahme an den Pranger zu stellen. Erstens gibt es inzwischen schon Medienberichte über nachweislich zu Unrecht öffentlich Beschimpfte, zweitens darf ich nicht in einem Rechtsstaat Leute anprangern, die Gesetze nutzen, die sie selbst gar nicht gemacht haben. Drittens, und das ist mir das Allerwichtigste: Der kritikwürdige Einzelfall darf nicht davon ablenken, dass dem Freistaat Sachsen immer noch ein nachhaltiges Gesamtkonzept fehlt. Schon General von Kirchbach forderte vor zehn Jahren in seinem Bericht der „Unabhängigen Kommission der Sächsischen Staatsregierung zur Flutkatastrophe 2002“: Die Verantwortung für Deiche, Talsperren, Rückhaltebecken und Gewässerpflege im Hochwasserschutz muss in eine Hand gelegt werden. Genau das aber ist NICHT geschehen. – Wir fordern heute, erneut zu prüfen, inwieweit flussgebietsbezogene Wasserdirektionen eingerichtet werden können, die alle in einem Einzugsgebiet befindlichen Gewässer bei Hochwasser-Managementplänen einbeziehen und notwendige Hochwasser-Schutzmaßnahmen gebündelt umsetzen.

• Dazu passt Punkt 5: Zum Klein-Klein innerhalb des Landes gesellt sich leider die Kleinstaaterei bei der Hochwasser-Bekämpfung insgesamt. Im Rahmen der Föderalismusreform wurde der Bund aus dem Hochwasser-Schutz raus gedrängt, und nun hat die Elbe die ganze neue föderale Ordnung bei diesem Thema ad absurdum geführt, um nicht zu sagen: hinweggeschwemmt. Hier gehört eine Korrektur sofort auf die Tagesordnung:

Dass jedes Elb-Anrainer-Bundesland seine Deichhöhe selbst festlegt und dass das Wohl und Wehe der Bevölkerung am Ende davon abhängig ist, ob im Landeshaushalt ausreichend Geld für Hochwasserschutz vorhanden ist oder welcher Landes-Innenministern für sie zuständig ist und ob dieser mit seinen Amtskollegen elbaufwärts rechtzeitig telefoniert – dieser Irrsinn muss vor der nächsten Flut beseitigt sein!

• Das akut Allerwichtigste: Die Hilfe für die Betroffenen. Mit bis zu acht Milliarden Euro wollen Bund und Länder helfen. Unsere Bundestagsfraktion hatte mindestens zehn Milliarden für diesen Zweck verlangt – Sie sehen, wir sind da für unsere Verhältnisse alle ziemlich nah beieinander. Gut, dass wir Bundestagswahljahr haben – Pech für die Betroffenen der Extremhochwässer 2010, das kein Wahljahr war. Das meine ich nicht zynisch, aber wir müssen langfristig Hilfs- und Vorsorgemodelle finden, deren Logik ausschließlich von Not und nicht von politischer Opportunität abhängig ist. Deshalb unterstützen wir die Idee einer nationalen Hochwasserkonferenz, die der Ostkoordinator unserer Bundestagsfraktion vorgeschlagen hat.

• Damit komme ich zum letzten Punkt. Ich bitte darum, von „Neuaufbau“ zu sprechen, nicht pauschal von „Wiederaufbau“, so wie es der Ministerpräsident gerade in seiner Regierungserklärung getan hat. Städte wie Grimma und Meißen, um zwei stellvertretend zu nennen, haben historische Wurzeln, um derentwillen tatsächlich weiter Schutzmauern gebaut werden müssen. Dabei zeigt aber das Beispiel Meißen, dass selbst der bestmögliche Hochwasserschutz vor Ort etwaigen Schaden eindämmen, aber nicht vollständig verhindern kann. Hier ist eine Absenkung des Elbpegels durch mehr Überflutungsflächen die einzige Lösung – dabei müssen wir uns bewusst werden, dass dies natürlich Entschädigungszahlungen vor allem an Landwirte bedeutet. – Nicht alles aber sollte wieder aufgebaut werden – Öltanks zum Beispiel haben im Keller von hochwassergefährdeten Häusern nichts zu suchen. Bis heute erteilen Städte und Gemeinden Baugenehmigungen in potenziellen Flutzonen – hier muss das 2002 angemahnte Umdenken mancherorts noch nachgeholt werden.

Ich möchte mich bei Ihnen Herr Staatskanzleichef Beermann ausdrücklich für die kollegiale Information in den Tagen des Hochwassers bedanken. Das ist Ausdruck intakter politischer Kultur, die wir uns für die Zeit nach dem Hochwasser bewahren sollten.

Die Menschen haben mit selbstloser Solidarität unter Beweis gestellt, dass sie keine Ellbogengesellschaft wollen. Diesem guten Beispiel der Bevölkerung sollten wir hier im Landtag folgen, der Öffentlichkeit den üblichen Schlagabtausch ersparen und gemeinsam sachlich nach Lösungen suchen, um das Land künftig noch wirkungsvoller vor solchen Heimsuchungen zu schützen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Oxfam und foodwatch fordern wirksame Regulierung der Finanzmärkte

 

EU-Maßnahmen gegen Nahrungsmittelspekulation weitgehend wirkungslos

oxfamnahrungDie Vorschläge der Europäischen Union zur Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation sind weitgehend wirkungslos. Das hat eine Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam und der Verbraucherorganisation foodwatch gezeigt. Der EU-Richtlinienentwurf zur Regulierung der Finanzmärkte (MiFID-Richtlinie) enthält zahlreiche Ausnahmeregeln, durch die die Maßnahmen, mit denen exzessive Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln verhindert werden sollen, unwirksam werden.

„Die mächtige Finanz- und Wirtschaftslobby hat in Brüssel ganze Arbeit geleistet, um die Regulierung der Finanzmärkte zu torpedieren“, erklärte David Hachfeld von Oxfam Deutschland. „Der Finanzindustrie ist es gelungen, entscheidende Schlupflöcher in die Finanzmarkt-Richtlinie einzubauen. Damit gehen die Spekulationsgeschäfte auf Kosten der Ärmsten munter weiter“, so foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sollte handeln

Oxfam und foodwatch forderten die EU-Finanzminister auf, effektive Maßnahmen gegen die Wettgeschäfte auf Agrar-Rohstoffpreise zu ergreifen – insbesondere durch die Einführung umfassender „Positionslimits“ ohne Ausnahmeregeln. Damit würde die Zahl der zu rein spekulativen Zwecken abgeschlossenen Warenterminverträge auf Agrar-Rohstoffe begrenzt.  Eine besondere Verantwortung sehen beide Organisationen bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Er vertritt nicht nur das EU-Mitgliedsland mit der größten Wirtschaftskraft, sondern auch jenes, in dem mit Deutscher Bank und Allianz zwei der weltweit größten Nahrungsmittelspekulanten ihren Sitz haben. Wolfgang Schäuble müsse beweisen, dass die Gewinn-Interessen der deutschen Finanz- und Energiekonzerne nicht über dem Wohl von Millionen von Armut und Hunger bedrohten Menschen stünden, so Oxfam und foodwatch.

Die EU-Beratungen über die umfassende MiFID-Richtlinie zur Regulierung der Finanzmärkte gehen aktuell in die entscheidende Phase. Der Gesetzentwurf, über den demnächst die europäischen Finanzminister verhandeln, beinhaltet zwar die Einführung von Positionslimits – allerdings auch zahlreiche Ausnahmeregeln und Schlupflöcher. Drei Beispiele befinden sich am Ende des Dokuments.

Exzesse im globalen Rohstoff-Casino beenden

David Hachfeld und Thilo Bode forderten ein entschiedenes Vorgehen der Europäischen Union: „Hunger hat viele Ursachen. Doch Hunger durch Nahrungsmittelspekulationen ist menschengemacht – diesen unverantwortlichen Geschäften muss Einhalt geboten werden. Die USA verschärfen Positionslimits, auch Finanzplätze wie Japan, Hongkong oder Singapur wenden dieses wirkungsvolle Instrument bereits an. Die EU muss jetzt endlich nachziehen, um die schlimmsten Exzesse im globalen Rohstoff-Kasino zu beenden.“

Nachdem die Europäische Kommission im Oktober 2011 ihre Vorstellungen zur Finanzmarktrichtlinie vorgestellt hat und das Europäische Parlament sich in erster Lesung positioniert hat, liegt nun der Ball beim Rat der EU-Finanzminister. Sobald die Position des Ministerrats vorliegt, verhandeln das Parlament, der Ministerrat und die Kommission über einen gemeinsamen Vorschlag. Der ursprüngliche Zeitrahmen sah eine Verabschiedung im Herbst 2012 vor. Ob noch vor der Sommerpause 2013 ein Beschluss stehen wird, ist unklar.

Zum Download: hier

Pressekontakte:
foodwatch e.V., Andreas Winkler, E-Mail: presse@foodwatch.de,
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90

Oxfam Deutschland e.V., Svenja Koch, E-Mail: skoch@oxfam.de,
Tel.:+49 (0) 30 / 45 30 69 – 710

Drei Beispiele für Schlupflöcher

„Schlupfloch“ 1: Außerhalb der Börsen darf unbekümmert weiter spekuliert werden Spekulationsgeschäfte mit Agrar-Rohstoffen finden nicht nur an Börsen und anderen regulierten Handelsplätzen statt, sondern auch in dem bisher weitgehend unregulierten sogenannten over-the-counter-Handel (OTC-Handel). Entscheidend ist daher, dass Positionslimits für den gesamten Handel gelten – unabhängig von der Handelsplattform. Dies ist in der MiFID-Richtlinie jedoch nicht eindeutig formuliert.

„Schlupfloch“ 2: Individuelle Positionslimits für einzelne Händler sind nicht effektiv
Die MiFiD-Richtlinie sieht Positionslimits bisher nur für einzelne Händler vor. Zu Preisstörungen kann es jedoch auch kommen, wenn mehrere kleinere Spekulanten mit identischen oder ähnlichen Strategien handeln. So könnte etwa die Deutsche Bank Positionslimits ganz einfach umgehen, indem sie ihre verschiedenen Investmentgesellschaften und deren Rohstofffonds als separate Händler mit jeweils einem eigenen Limit betrachtet. Die Forderung von Oxfam und foodwatch: Unternehmen, die vollständig oder zu einem relevanten Anteil zum selben Konzern gehören, müssen einem konzernübergreifenden Positionslimit unterliegen („aggregierte Positionslimits“).

„Schlupfloch“ 3: Kritische Ausnahme für Spekulanten
Der aktuelle EU-Richtlinienvorschlag enthält weitreichende Ausnahmen für  Transaktionen, „die objektiv messbar direkt mit der Geschäftstätigkeit oder dem Liquiditäts- und Finanzmanagement“ von Unternehmen zusammenhängen. Eine genaue Abgrenzung zwischen dem „Liquiditäts- und Finanzmanagement“ von Unternehmen und rein spekulativen Geschäften ist jedoch schwierig. Große Konzerne wie Glencore oder Cargill, die eigentlich physisch mit Rohstoffen handeln, benutzen die Warenterminmärkte bereits heute nicht mehr nur zur Absicherung realer Risiken, sondern auch für spekulative Zwecke mit dem Ziel, aus den erhöhten Preisschwankungen zusätzliche Gewinne zu erzielen. Die MiFID-Richtlinie ermöglicht, dass Händler alle möglichen Aktivitäten als Liquiditäts- und Finanzmanagement deklarieren können – und damit die Positionslimits problemlos umgehen. Oxfam und foodwatch fordern daher, dass Ausnahmen nicht generell für das Liquiditäts- und Finanzmanagement gelten dürfen, sondern eng auf Transaktionen beschränkt bleiben müssen, bei der ein Beleg für ein konkretes Rohstoffgeschäft erbracht werden kann.

NaturFreunde: Schwarz-gelbe Bundesregierung trägt Mitschuld an Hochwasserschäden

 

NaturFreunde: Technischer Hochwasserschutz reicht nicht mehr aus im Anthropozän

 

Berlin, 14. Juni 2013 – Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, kommentiert die Ergebnisse des gestrigen Hochwassergipfels:

 

naturfreunde haende geschnittenNatürlich ist die Beseitigung der Hochwasserschäden eine nationale Aufgabe. Aber es tut schon weh zu hören, wie Vertreter von Bundesregierung und Bundesländer das Hochwasserschutzgesetz aus dem Jahr 2002 blockiert haben. Es wäre ökologischen Kriterien gerecht geworden und hätte für ein besseres Risikomanagement gesorgt.

 

Zudem wurde nicht ein Wort der Entschuldigung für das eigene Versagen gefunden. Ausgesprochen peinlich ist es sogar, wie Bundeskanzlerin Merkel, die damals immerhin für das Verhalten der Union verantwortlich war, jetzt so tut, als hätte sie nichts damit zu tun und würde jetzt alles in die Wege leiten, was notwendig sei.

 

Überhaupt kann die permanente Fernsehpräsenz der Bundeskanzlerin oder des Bundesverteidigungsministers nicht darüber hinwegtäuschen, dass manches Elend hätte verhindert werden können, wären CDU/CSU und FDP, die 2002 im Bundesrat die Mehrheit stellten, nicht auf die Bremse getreten. Für die Not der von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen sind nicht allein die Naturgewalten verantwortlich. Politisches Versagen hat seinen Teil dazu beigetragen.

 

Wie geht der Bundesumweltminister mit der Herausforderung Hochwasser um?

Und der Bundesumweltminister? Er war lange Zeit überhaupt nicht zu hören, obwohl er in der Bundesregierung die Federführung für den Hochwasserschutz hat. Wie will er mit der Herausforderung umgehen? Die Bundesregierung scheint weiter nur bauliche Schutzmaßnahmen zu kennen, dabei geht es im effektiven Hochwasserschutz um sehr viel mehr.

 

Weil der Mensch die Natur formt, haben wir es nicht allein mit Naturgewalten zu tun, sondern auch mit vom Menschen verursachten oder verschärften Katastrophen. Wenn es nicht zu einem anderen Verständnis des Menschen von der Natur kommt, werden die Hochwasser immer höher und heftiger werden. Wir leben im Anthropozän. Deshalb müssen wir endlich zu einer konsequenten sozialökologischen Marktwirtschaft kommen.

Friedrichshagener Bürgerinitiative: 17.6., 19 Uhr: 103. Montagsdemo

Das Urteil des OVG zur “Müggelseeroute” – Gedanken der Friedrichshagener Bürgerinitiative + Einladung zur 103. MONTAGSDEMO

Berlin, 16.6.2013

fluglärmAm Freitag wurde deutsches Recht gesprochen. Gerechtigkeit erfahren haben die Bürger jedoch nicht. Der Schaden für die Millionenmetropole Berlin-Brandenburg dürfte immens werden: Gefährdung der Trinkwasserversorgung, täglich ca. 130 Maschinen, die bei Ostwind über das gesamte Stadtgebiet einschließlich Bundestag und Kanzleramt fliegen und die Entwertung eines der schönsten Naherholungsgebiete der Stadt, die Müggelseeregion. Der falsche Standort für einen Großflughafen zeigt hier eiskalt und eindrucksvoll seine Wirkung!

Die von der Müggelseeroute neu betroffenen Anwohner hatten nicht die Gelegenheit, sich an der Planfeststellung für den BER zu beteiligen. Erst im Juli 2011 legten die zuständigen staatlichen Behörden endlich ihre Karten auf den Tisch und siehe da, die jahrelang propagierten Flugrouten galten nicht mehr. Künftig soll die Flugroute über den Müggelsee für die meisten Lärmbetroffenen (854.000 lt. DFS) des Willy Brandt Flughafens sorgen. Sie ist zugleich das Einfallstor für jährlich tausende Direktflüge über das Berliner Stadtgebiet. Seit der Flugroutenfestlegung formierte sich auch hier nun aktiver Widerstand gegen diese Form staatlicher Willkür, die absichtsvoll und fintenreich einen innerstädtischen Flughafen errichtet und damit wissentlich und willentlich die körperliche Unversehrtheit der Bürger und den kostbaren Lebensraum Natur zugunsten subventionierter Billigflieger opfert.

Die letzten zwei Jahre waren für alle Mitstreiter in der Bürgerbewegung eine lehrreiche Zeit. Wie organisiert man eine Menschenkette, wie eine Großdemonstration und wie ein Volksbegehren für ein Nachtflugverbot? Wie kann man mit anderen Betroffenen überregionale Bündnisse schmieden, wie mit der Presse ins Gespräch kommen und wie mit den handelnden Akteuren in der Politik? Eine spannende Frage war es natürlich auch, welche juristischen Möglichkeiten die Bürger hätten, um den Standort Schönefeld in seine Schranken zu weisen, um den Drehkreuzphantasien der Betreiber ein Ende zu bereiten.

Das Oberverwaltungsgericht hat den Fragestellern eine Lektion erteilt und sie auf ihren Platz in unserem Rechtssystem verwiesen. Und dennoch ist es dem Gericht nicht gelungen, auf der Basis der nach Lobbyarbeit riechenden Flug-Gesetze eine tatsächliche Klärung herbei zu führen, denn mit der Antwort der Justiz sind am Ende dieses Tages noch sehr viel mehr – noch sehr viel tiefer gehende Fragen offen. Zu versuchen, dies auf dem schwierigen Rechtsweg zu klären (notfalls bis zum EuGH), dafür werden die Bürger jetzt wieder Geld sammeln – die Gegenseite hat es da einfacher, sie bedient sich des Steuergeldes der Bürger!

Am Montag geht es daher weiter mit den Demos auf dem Friedrichshagener Marktplatz.

17.6., 19 Uhr: 103. Montagsdemo
Gastredner: Uwe Hiksch (NaturFreunde Deutschland), für die kämpferisch-musikalischen Töne sorgen Thilo Hoppe (Trompete) und Andrea Timm (Gesang, Gitarre), künstlerisch Satirisches gibt es von Peter Waschinsky, die Nachrichten der Woche analysiert Ralf Müller und Gewichtiges wird der eine oder andere Bürger zu sagen haben, moderiert von Michael Ehrenteit.

NaturFreunde: BER-Urteil ist Rückschlag für die betroffenen Lärmopfer

NaturFreunde Berlin prüfen Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sowie Klage vor dem Europäischen Gerichtshof

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 14. Juni 2013 –  Zum heutigen Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg zur Klage der NaturFreunde Berlin wegen der fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung der Flugrouten über den Müggelsee erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

 

Mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts wurden die wichtigsten Klagepunkte der NaturFreunde Berlin vom Gericht nicht aufgegriffen. Die NaturFreunde halten an ihrer Auffassung fest, dass die Festlegung von Flugrouten über den Müggelsee ohne jegliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und ohne FFH-Prüfung gegen geltendes EU-Recht verstößt.

 

Die NaturFreunde Berlin können diese Entscheidung des Gerichts, insbesondere aufgrund des laufenden Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU-Kommission, nicht nachvollziehen und werden gemeinsam mit den neun Einzelklägern klären, ob sie gegen dieses Urteil in Revision gehen. Das eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland zeigt deutlich, dass Flugroutenfestlegungen ohne vorherige UVP- und FFH-Prüfung gegen EU-Recht verstoßen.

 

Die NaturFreunde Berlin werden zudem prüfen, ob sie eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof vorbereiten, um grundsätzlich klären zu lassen, dass sich deutsche Gerichte an die klaren Vorgaben der EU-Richtlinien halten müssen.

 

Mit der heutigen Entscheidung des Gerichtes ändert sich nichts an der Überzeugung der NaturFreunde, dass es sich bei der Planung und beim Bau des Flughafens BER um ein großes Desaster handelt. Die NaturFreunde werden sich weiter dafür einsetzen, dass diese Fehlplanung beendet wird, und engagieren sich juristisch, aber vor allem auch politisch, für eine Veränderung der Flughafenpolitik in Berlin und Brandenburg.

NaturFreunde: Dieser „Hochwassergipfel“ muss ein Gipfel der Wahrheit werden

 

Die Forderungen der NaturFreunde Deutschlands an Bund und Länder

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 13. Juni 2013 – „Dieser ‚Hochwassergipfel‘ muss nicht nur klare Hilfs- und Unterstützungszusagen für die Betroffenen machen, er muss auch ein Gipfel der Wahrheit werden“, fordert Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, vor dem am heutigen Donnerstag stattfindenden Treffen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer. „Die Gefahren waren bekannt und wurden ignoriert. Der Klimaschutz darf nicht länger eine Ankündigungspolitik bleiben und die Länder müssen akzeptieren, dass ein Hochwasserschutzgesetz für Deutschland nicht an einzelnen Landesinteressen scheitern darf!“ Michael Müller erklärt im Einzelnen:

 

Die Menschen in den Hochwasserregionen haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Solidarität immer noch eine ganz starke Kraft ist. Jetzt aber brauchen sie eine Perspektive für den Wiederaufbau. Das ist vor allem eine Aufgabe der öffentlichen Hand, immerhin schließen die Versicherungen schon seit langer Zeit keine Verträge mehr für Flussanlieger ab und die Zahl der Altverträge wird stetig kleiner.

 

Die NaturFreunde Deutschlands, im Jahr 2002 mit ihrem Familienerholungsheim in Königstein in Sachsen selbst massiv vom Hochwasser der Elbe betroffen, stellen folgende Forderungen:

1. Das ursprüngliche Hochwasserschutzgesetz aus dem Jahr 2002, das vom damaligen Bundesrat im wahrsten Sinne des Wortes verwässert wurde, muss jetzt umgesetzt werden. Grundlage für einen effektiven Hochwasserschutz muss mindestens das sogenannte „200-jährige Hochwasser“ sein. Nach dieser Vorgabe müssen Flächen kartiert und überplant werden. Hinzu kommen mehr Versickerungsflächen und Überschwemmungsgebiete vor allem an den Oberläufen der Flüsse.

 

2. Bund und Länder müssen Umbaumaßnahmen für ökologische Städte und ökologische Regionen fördern, etwa die Entsiegelung von Flächen, die Schaffung von Freiflächen und begrünten Plätzen oder die Begrünung von Gebäuden.

 

3. Die öffentliche Hand muss für den Wiederaufbau Finanzmittel wie im Umfang von 2002 bereitstellen.

 

4. Der Bund muss gesetzliche Regelungen schaffen, dass Versicherungen wieder echte Hilfe und Solidarität für Bedrohungen anbieten. Diese dürfen sich nicht länger der Aufgabe entziehen, den Menschen in Hochwasserregionen zu helfen. Sie müssen in ausreichendem Umfang und zu sozial vertretbaren Kosten für die Anlieger Versicherungsdienstleistungen zur Verfügung stellen.

 

5. Der Klimaschutz darf nicht länger eine Ankündigungspolitik bleiben, sondern muss jetzt endlich umgesetzt werden. Die aktuelle Hochwasserkatastrophe zeigt deutlich, dass vom Klimawandel nicht nur global weit entfernte Gebiete betroffen sind, sondern eben auch Mitteleuropa. Und sie zeigt, dass die Erderhitzung neben ökologischen und sozialen auch massive ökonomische Konsequenzen hat.

 

6. Die Politik muss endlich anerkennen, dass der Mensch zum stärksten Treiber geologischer und ökologischer Veränderungen geworden ist. Wir leben im Menschenzeitalter, dem sogenannten Anthropozän. Dass der Mensch mit all seinen Handlungen immer und unweigerlich die Natur formt, hat nicht nur weitreichende Konsequenzen für die Energiewende, sondern auch für die Stadt- und Regionalplanung, die kommunale Ökologie und die Freiflächenplanung. Dabei sind mehr Starkregen nur die eine Seite der Medaille: Prognostiziert werden auch stärkere Hitzeperioden. Der Mensch macht das Wetter immer extremer.

 

Dieser „Hochwassergipfel“ muss aber auch ein Gipfel der Wahrheit werden, denn

> die Gefahren waren bekannt – und wurden ignoriert. Trotz eindeutiger Studien wurde das Notwendige nicht umgesetzt. Zuletzt hatten vor einem Jahr das Umweltbundesamt, der Deutsche Wetterdienst und der Katastrophenschutz in einer gemeinsamen Studie darauf hingewiesen, dass Überflutungen durch Starkregen in Deutschland zunehmen werden;

 

> 2002 hatten CDU/CSU und FDP (die damaligen Parteivorsitzenden waren Angela Merkel und Guido Westerwelle) einen konsequenten Hochwasserschutz im Bundestag abgelehnt. Mit ihrer Mehrheit im Bundesrat hatten die CDU/CSU- und FDP-regierten Länder zusammen mit dem damals rot-gelben Rheinland-Pfalz das Gesetz im Bundesrat gestoppt und wesentlich abgeschwächt;

 

> die Länder müssen akzeptieren, dass ein Hochwasserschutzgesetz für Deutschland nicht an einzelnen Landesinteressen scheitern darf;

 

> die FDP muss jetzt endlich aufhören, illusionäre Steuersenkungen zu versprechen. Der Bundeshaushalt muss gestärkt werden.

NaturFreunde: Hochwasser: Der Klimawandel muss endlich ernst genommen werden

 

Schwarz-gelbe Verwässerungstaktik wie im Jahr 2002 darf sich nicht wiederholen

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 10. Juni 2013 – Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands und im Jahr 2002 Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Hochwasserschutzgesetz“, beschreibt nochmals detaillierter die Umstände, die nach dem „Jahrhunderthochwasser“ von 2002 zu einer Verwässerung eines effektiveren Hochwasserschutzes geführt hatten.

 

Nach dem „Jahrhunderthochwasser“ von 2002 hatte die rot-grüne Bundesregierung ein Hochwasserschutzgesetz vorgelegt. Ausgangspunkte für das Gesetz waren:

> die Erfahrungen der vorangegangenen Flut;

> der Fünf-Punkte-Plan der Bundesregierung, der noch vor der damaligen Bundestagswahl verkündet worden war;

> die Untersuchungen von Umweltbundesamt und Bundesamt für Gewässerschutz, die beide zu dem Ergebnis gekommen waren, dass Starkregen in Deutschland zunehmen werde und man schon klimabedingt nicht mehr von den Erfahrungen der Vergangenheit ausgehen dürfe, sondern eine höhere Hochwassergefahr berücksichtigen müsse.

 

Der rot-grüne Gesetzesentwurf orientierte sich am sogenannten „200-jährigen Hochwasserschutz“. Dieser sah nicht nur eine Ausweitung von Überflutungsgebieten und – wo immer möglich – den Rückbau von Flüssen vor, sondern auch entsprechende direkte Schutzmaßnahmen, etwa eine Kartierung und Überplanung von Bächen und Flüssen nach der Vorgabe des „200-jährigen Hochwassers“ sowie Einzelmaßnahmen wie etwa das Verbot von Tankanlagen, Erdölheizungen oder Elektrizitätseinrichtungen in den kartierten Gebieten.

 

Beschlossen wurde das Gesetz schließlich im Bundestag gegen die Fraktionen von CDU/CSU (mit der damaligen Parteivorsitzenden Angela Merkel) und FDP (mit dem damaligen Parteivorsitzenden Guido Westerwelle). Allerdings war das Gesetz zustimmungspflichtig durch den Bundesrat, da es in die Befugnisse von Ländern und Kommunen eingriff.

 

Wochenlange Vermittlungsbemühungen stießen auf schwarz-gelben Granit

Die damalige schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat rief daraufhin den Vermittlungsausschuss an, der eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe unter meinem Vorsitz einrichtete. Wir tagten wochenlang, oft bis spät in die Nacht hinein, stießen aber auf Granit der CDU-/CSU- und FDP-regierten oder mitregierten Länder. Zu den Blockierern gehörte zudem Rheinland-Pfalz.

 

Strikt dagegen waren sechs Vertreter von CDU/CSU, darunter Bayern, Baden-Würtemberg und Sachsen. Brandenburg versuchte, eine vermittelnde Rolle einzunehmen. Eindeutig für das rot-grüne Hochwasserschutzgesetz waren die Vertreter der Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen (Ulrike Mehl, Michael Müller und der Vertreter der Grünen) sowie Nordrhein-Westfalen. Das Gesetz ließ sich damit in der notwendigen Fassung nicht durchsetzen. Heraus kam – unter Protest – ein abgeschwächter Vorschlag.

 

Nach diesen Erfahrungen, die mich damals fast zum Verzweifeln gebracht hatten, kann ich nur hoffen, dass es im Jahr 2013 nicht zu ähnlichen Entwicklungen kommen wird: Große Ankündigungen, solange der Scheinwerfer der öffentlichen Berichterstattung auf das Hochwasser gerichtet ist und anschließend ein „Abtauchen“ in einem anderen Sinne.

 

Die Klimaforschung prognostiziert häufigere Starkregen

Klimabedingt wird es zu einem weiteren Anstieg der Verdunstung und Feuchtebildung in der unteren Atmosphäre kommen, damit zu häufigeren Starkregen und zu Veränderungen im Flussregime. Insofern müssen immer häufiger „200-jährige Hochwasser“ befürchtet werden, zumal es beim Klimaschutz auch nicht zu den Fortschritten kommt, die längst überfällig sind.

 

Tatsächlich zeigt sich beim Hochwasserschutz – übrigens genauso wie bei der Finanzkrise – wieder einmal ein unschönes Bild der Politik: Erst wenn die Katastrophe da ist, kündigt sie Reaktionen an, um schließlich wenig bis gar nichts zu tun.

Flashmob A100 stoppen! Wir legen uns quer! 16.6.2013 um 15 Uhr am Ostkreuz

Flashmob A100 stoppen! Wir legen uns quer! 16.6.2013 um 15 Uhr am Bahnhof Berlin-OstkreuzMacht alle mit beim
Flashmob A100 stoppen! Wir legen uns quer!
am Sonntag 16.6.2013 um 15 Uhr am Bahnhof Ostkreuz

 

Ausgang Hauptstr./ Markgrafendamm vor der A100-Tunnel-Baugrube

 

Autobahn A100 nach Treptow und Friedrichshain bedeutet mehr Stau, Dreck, Lärm und Unfälle! Nicht mit uns!

 

> Sei um 15 Uhr an der Ecke Hauptstr./ Markgrafendamm am Ausgang vom Bahnhof Ostkreuz
> Hol dir von uns ein Stop-A100-Plakat und eine Staubschutzmaske oder bring eigene Transparente und Verkleidung mit
> Warte unauffällig am Straßenrand
> Wenn die rote Posaune ertönt:
Geh auf die Straße und leg dich quer!
> Beim Signal 5 Minuten später: verlass die Fahrbahn als wäre nichts geschehen

 

Mail diese Info weiter! Stell sie in deinen Blog! Druck den Flyer zum A100-Flashmob aus und verteile ihn!
Dieser Flashmob als Facebook-Veranstaltung. Bitte lade alle deine Freunde dazu ein!

 

Das Plakat zum Flashmob A100 stoppen! Wir legen uns quer! (pdf)
Der Flyer zum Flashmob A100 stoppen! Wir legen uns quer! (pdf)
Mehr Infos zu dieser Protestaktion folgen in Kürze.

 

Bitte keine Parteisymbole oder Parteiwerbung beim Flashmob!

NaturFreunde Berlin: Mehdorn abschalten – Flughafentragödie BER beenden!

 

 

NaturFreunde Berlin fordern Aufsichtsrat des Flughafens BER auf, „Dampfplauderer Mehdorn“ zu entlassen

 

Berlin, 05. Juli 2012 – Zur aktuellen Debatte über den Flughafen BER erklärt der stellvertretende Vorsitzende der NaturFreunde Berlin, Uwe Hiksch:

 

naturfreunde haende geschnittenEs war von Anfang an ein Fehlgriff, den gescheiterten Bahnmanager Hartmut Mehdorn als vermeintlichen „Retter“ für das gescheiterte Flughafenprojekt BER zu verpflichten. Herr Mehdorn hat schon bei der Bahn einen Scherbenhaufen hinterlassen. Mit seiner „Gigantonomie“ hat er in seiner Amtszeit die Deutsche Bahn in eine falsche verkehrspolitische Richtung gelenkt. „Stuttgart 21“ ist dafür nur das bekannteste Beispiel. Seitdem Herr Mehdorn als Flughafenchef eingesetzt wurde setzt er diese Serie an Fehlplanungen und Fehlaussagen fort: Er personifiziert die Konzeptlosigkeit der Flughafengesellschaft und bläst wie ein „Dampfplauderer“ täglich neue Schnapsideen in die Welt.

Mit seinen Vorschlägen, den Flughafen Tegel auch nach Inbetriebnahme eines neuen Hauptstadtflughafens in Betrieb zu lassen, verstößt er gegen Grundlagen der Planfeststellung für die Flughafenplanung in Berlin. Mit seinem Vorschlag, den Flughafen BER Zug um Zug in Betrieb zu nehmen und das Nordpier frühzeitig zu nutzen, ignoriert er vorliegende Mängellisten am Nordpier. Insgesamt sind an dem 350 Meter langen Nordpier 6683 Mängel aufgelistet worden, die bisher in keiner Weise behoben wurden. 57 Mängel wurden dabei als „schwerwiegend“ eingestuft. Eine vorzeitige Teileröffnung wäre deshalb nur unter Umgehung aller Sicherheitsanforderungen möglich.

Mit seinen jüngsten Ausführungen im Abgeordnetenhaus Berlin, dass er über eine dritte Startbahn nachdenke, wird seine persönliche Überforderung wieder einmal überdeutlich. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder spricht Herr Mehdorn ohne vorher nachzudenken oder er spricht aus, was von Seiten der Flughafenplanern schon immer vorgesehen war. Wenn die Aussagen von Herrn Mehdorn auf reale Überlegungen der Flughafengesellschaft beruhen, dann wurde ein weiteres Beispiel für die bewusste Irreführung der betroffenen Bevölkerung in Berlin und Brandenburg durch die Aussagen von Herrn Mehdorn offengelegt: Von Anfang an haben die Planenden des Flughafens die dritte Start- und Landebahn vorgesehen, nur diese Planungen bei der Planfeststellung bewusst verschwiegen. Mit viel zu geringen Passagierzahlen wurden die Genehmigungsbehörden getäuscht und die betroffene Bevölkerung bewusst belogen.

Die NaturFreunde Berlin fordern den Aufsichtsrat des Flughafen BER auf endlich zu handeln und den „Dampfplauderer Mehdorn“ vor die Tür zu setzen. Wir erwarten von den Landesregierungen ein sofortiges Moratorium für den Weiterbau des Flughafens. In Zusammenarbeit mit den Bürgerinitiativen, Umweltverbänden, Verkehrsverbänden und den Betroffenen muss über eine Neukonzeption der Flughafenpolitik für Berlin und Brandenburg geredet werden.

 

Unnötige Flugbewegungen vermeiden

Ziel einer nachhaltigen Flugverkehrspolitik muss sein, unnötige Flugbewegungen zu vermeiden und mit ordnungspolitischen Rahmenbedingungen den Flugverkehr zu verringern. In Berlin sind über 20 Prozent aller Ziele von den Berliner Flughäfen mit der Bahn heute schon in unter fünf Stunden Fahrzeit erreichbar, fast 45 Prozent aller Ziel in unter sieben Stunden Fahrzeit. Insgesamt sind etwa ein Drittel aller Starts und Landungen auf den Berliner Flughäfen Inlandsflüge mit einer kurzen und mittleren Distanz. Bei solchen kurzen Distanzen ist der CO2-Ausstoß des Flugzeugs etwa siebenmal höher als mit der Bahn.

Die NaturFreunde Berlin setzen sich für ein ökologisches und nachhaltiges Ausbauprogramm für die Bahnstrecken zwischen den Metropolen ein, in denen auch die östlichen Nachbarstaaten besser als bisher an das europäische Bahnnetz angeschlossen werden. Grundsätzlich treten die NaturFreunde Berlin für ein Verbot von Kurzstreckenflüge unter 800 Kilometern ein, da hier die ökologischen Schäden und der Zeitgewinn in keinem vertretbaren Verhältnis stehen.

 

Sofortmaßnahmen für die Entlastung der Anwohner der Flughäfen

Als Sofortmaßnahme erwarten die NaturFreunde Berlin vom Abgeordnetenhaus Berlin und dem Landtag in Brandenburg:

Die sofortige Festschreibung für ein grundsätzliches Nachtflugverbot in der Zeit von 22 bis 6 Uhr für alle Flughäfen in Berlin und Brandenburg.

Eine deutliche Reduzierung der Kurzflüge durch eine enge Kooperation mit der Deutschen Bahn.

Die sofortige Einstellung aller Passagierflüge zwischen Berlin nach Frankfurt und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG eine Abwicklung dieser Fahrgastbewegungen durch eine Ausweitung des Angebots an „ICE Sprinter“. Mit dem ICE-Sprinter können heute schon Fahrten von Berlin nach Frankfurt in 3,5 Stunden durchgeführt werden.

Alle Flugbewegungen, die sie einzig auf ökonomisch bedingte Lufttransporte zur Zusammenführung von Passagieren einer Fluggesellschaft beziehen, müssen durch ein Konzept der Zusammenarbeit der verschiedenen Luftfahrtgesellschaften zur Minimierung von Flügen ersetzt werden.

Die deutliche Erhöhung der Start- und Landegebühren, die sich mindestens an den Standards des Flughafen Frankfurt am Main orientieren.

NaturFreunde laden ein zu Schatzsuchen vor der eigenen Haustür


Öffentliche Wanderungen, Rad- & Kanutouren erkunden bundesweit Natura-2000-Gebiete

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 7. Juni 2013 – Gibt es tatsächlich noch unbekannte Schätze vor der eigenen Haustür? „Ja!“, sagen die NaturFreunde Deutschlands und laden für den 8. und 9. Juni bundesweit zu öffentlichen Wanderungen, Rad- & Kanutouren durch sogenannte Natura-2000-Gebiete ein, bei denen Naturschätze erkundet werden können. Natura 2000 ist ein europaweites System von Schutzgebieten, mit dem die auch in Europa stark gefährdete Artenvielfalt bewahrt werden soll.

 

Alle Veranstaltungen der NaturFreunde mit Kontaktmöglichkeiten www.kurzlink.de/Natura2000-Tage-2013

 

„Was man kennt, kann man auch besser schützen“, erklärt Eckart Kuhlwein, der umweltpolitische Sprecher der NaturFreunde Deutschlands, den Ansatz der Natura-2000-Tage der NaturFreunde. Mit bundesweit knapp 40 Wanderungen, Rad- und Kanutouren sowie mehreren Natura-2000-Festen möchte der sozial-ökologische Umwelt- und Freizeitverband die Bevölkerung animieren, auch einmal die Schätze der Natur „vor der eigenen Haustür“ kennenzulernen.

 

Deutschlands Naturschätze wurden stark geplündert

Schließlich gibt es seltene Pflanzen und Tiere nicht nur im Botanischen Garten oder auf Gomera: Etwa ein Viertel der rund 3.000 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen ist stark gefährdet, knapp zwei Prozent schon ausgestorben oder verschollen; bei den einheimischen Tierarten sind über ein Drittel bedroht und drei Prozent bereits ausgestorben oder verschollen; und schon mehr als 70 Prozent der entsprechenden Lebensräume werden als „gefährdet“ eingestuft. „Mit diesen Gefährdungsraten hat sich Deutschland einen ziemlich fragwürdigen Spitzenplatz in Europa erobert“, kritisiert Kuhlwein.

 

Am Wochenende werden NaturFreunde-Ortsgruppen deshalb durch Biosphärenreservate und Naturparks führen, im Nationalpark Bayerischer Wald findet eine Fortbildung zum naturverträglichen Sport statt, in der Küstenlandschaft Südostrügens eine Panoramawanderung, eine botanische Wanderung führt über Eifelwiesen, eine ornithologische um den hessischen Kinzigsee, und während im Wiehengebirge der Lebensraum von Fledermäusen erkundet wird, geht es in der NaturFreunde-„Landschaft des Jahres 2013/14: Oberrhein“ um die äußerst seltene Wilde Weinrebe. Einige Naturfreundehäuser organisieren zudem große Feste für die Artenvielfalt.

 

Natura Trails: sanfter Tourismus verbunden mit einer Umweltbotschaft

Viele der angebotenen Touren führen auch über die Natura Trails der NaturFreunde, in Oerlinghausen im Teutoburger Wald findet sogar die Erstbegehung des 100. Natura Trails statt. Natura Trails sind Wandervorschläge durch Natura-2000-Gebiete, die in ansprechenden Faltblättern dokumentiert sind. Diese beschreiben die Besonderheiten von schützenswerten Landschaftstypen, vermitteln Zusammenhänge über Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere und zeigen, welche Arten Wanderer oder Radfahrer erleben können. Mit den Natura Trails sensibilisieren die NaturFreunde Anwohner wie Touristen für Europas Naturschätze. Sie ermöglichen einen naturnahen sanften Tourismus in der unmittelbaren Umgebung der Menschen.

 

Natura 2000 ist die offizielle Bezeichnung für ein länderübergreifendes Schutzgebietssystem innerhalb der Europäischen Union, mit dessen Hilfe der Erhalt von natürlichen Lebensräumen sowie wild lebenden Tieren und Pflanzen gesichert oder wiederhergestellt werden soll. Das Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa. Vereinfacht könnte man bei Natura 2000 also auch von europäischen Naturschutzgebieten sprechen. Es umfasst die Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiete) von 1992 und die Schutzgebiete gemäß der Vogelschutzrichtlinie von 1979 (SPA-Gebiete). Allerdings leidet Natura 2000 unter einem Vermittlungsproblem: Der Begriff ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt und wird eher mit Verboten assoziiert. Dabei schützt Natura 2000 Europas Naturschätze für unsere Kinder.

 

Die NaturFreunde gründeten sich 1895 in Wien und sind heute ein internationaler Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur mit rund 500.000 Mitgliedern weltweit, davon etwa 75.000 in Deutschland. Das Ziel des sozial-ökologischen und gesellschaftspolitisch aktiven Verbandes ist die gesellschaftliche Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. Bekannt sind die NaturFreunde auch durch ihre knapp 1.000 Naturfreundehäuser, von denen allein 400 in Deutschland stehen. Sie stehen allen Menschen offen, Mitglieder erhalten Ermäßigungen.

www.naturfreunde.de | www.naturfreundehaus.de | www.natura-trails.naturfreunde.de