Oskar Lafontaine

Zum Generalstreik

Generalstreik – das klingt in Zeiten, in denen Griechenland binnen weniger Wochen mehrere Massen-Arbeitsniederlegungen erlebt und sogar in Großbritannien darüber diskutiert wird, nicht mehr ganz so fern. Ob es ins Zentrum einer politischen Strategie der Krisenproteste gehört, ob in der Bundesrepublik zu einem Generalstreik mit Aussicht auf Erfolg mobilisiert werden könnte, wenn man einmal die juristischen Hürden außer Acht lässt; inwiefern ein Bündniskurs von verschiedenen Milieus und Klassensegmenten möglich ist, die auf je ihre Weise von den Krisenfolgen betroffen sind – das sind Fragen, die sich bisher eher kleinen Kreise stellen. Ein Beitrag von tos auf neues-deutschland.de. (vk)

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Von Enten aus Kreisen

Eine Zeitung berichtet unter Berufung auf “Kreise”, Oskar Lafontaine wolle Spitzenkandidat zur Europawahl werden. In einer anderen wird ebenso anonym vom Versuch einer “Intrige” gegen den Saarländer gesprochen. Blogpost von tos auf neues-deutschland.de

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Schröder vs. Lafontaine

In Göttingen geht am Montag ein spannendes Fernduell über die Bühne – über zwei, besser gesagt: Auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik wird Gerhard Schröder über „10 Jahre Agenda 2010“ sprechen, kurz danach gibt der einstige Finanzminister des SPD-Altkanzlers einen „Kontrapunkt“ auf der „Ersten Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung” zur Jahrestagung. Weiterlesen im neuen Blog von tos auf neues-deutschland.de (Foto: Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0)

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Von der Erde bis zum Mond

SPD und Grüne haben mit Ablehnung auf ein Papier der Linken-Spitze reagiert, das vor allem als neuerliche rot-rot-grüne Offerte diskutiert wird. Bernd Riexinger hat SPD und Grüne noch einmal daran erinnert, dass sie  weiter weg von der Mehrheit im Bund seien, “als die Erde vom Mond”. Diese Entfernung beschreibt auch ganz gut, wie groß die politisch-strategischen und die nicht rationalen Aversionen im Mitte-Links-Lager sind. Wer jedoch die Debatten am Rande zur Kenntnis nimmt, kann optimistisch bleiben: Auch diese Entfernung ist überwindbar. Ein Beitrag von tos auf neues-deutschland.de

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5.071 Stimmen

Die Linke hat bei der Wiederholung der Dortmunder Kommunalwahl deutlich weniger Zuspruch erhalten – mit 5.071 Stimmen kam die Partei nur noch auf etwa die Hälfte im Vergleich zum Jahr 2009, als 11.381 Stimmen zusammenkamen. Diese Abstimmung war jedoch für ungültig erklärt worden, weil der damalige SPD-Bürgermeister im Wahlkampf Etatprobleme vertuscht haben soll. Die Sozialdemokraten gewannen allerdings auch am Sonntag deutlich: 43,7 Prozent der an der Wahl teilnehmenden Dortmunder machten ihr Kreuz bei der SPD; die kam auf 27,2 Prozent, die Grünen holten 17,2 Prozent. Die Piraten hatten nicht antreten können, weil sie auch bei der gestrichenen Kommunalwahl 2009 noch nicht kandidiert hatten. Zur Abschlussveranstaltung im Wahlkampf hatte sich auch Oskar Lafontaine für die Linke ins Zeug gelegt, mehrere Hundert Menschen hatten die Rede des früheren Partei-Vorsitzenden am Donnerstag verfolgt. Am Sonntagabend mussten die Dortmunder Linken dann aber dennoch um die Fraktionsstärke bangen, es reichte am Ende und die WAZ-Zeitungen zitieren den künftigen Fraktionschef im Rat, Utz Kowalewski, mit den Worten, „wenn wir auch nicht alle Ausschüsse besetzen können. Wichtig ist, dass wir alles mitkriegen, Anträge stellen können und Rederecht haben“. Neben der Linkspartei war außerdem das „Linke Bündnis Dortmund“ zur Wiederholungswahl angetreten, die Liste aus Parteilosen, DKP und SDAJ schaffte es allerdings nicht, wie erhofft das Ergebnis von 2009 zu steigern. Kam man 2009 noch auf 1.183 Stimmen, waren es an diesem Sonntag nur noch 782.  „In der so verstörend wie erklärbar niedrigen Wahlbeteiligung konnten leider auch die eigenen Stimmen nicht gehalten werden“, hieß es kurz nach der Wahl in einer ersten Bilanz. (vk, Foto: Linke Dortmund)

 

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Die Träume der Welt

Martin Sabrow darf man einen der besten Zeithistoriker nennen, er forscht derweil über Erich Honecker, der am 25. August 100 Jahre alt geworden wäre. Nun hat Sabrow der Zeit ein Interview gegeben, das durch eine Sicht auf den Menschen und SED-Apparatschik Honecker besticht, die auf den erinnerungspolitischen Parcours hierzulande sonst eher selten anzutreffen ist. Es geht um die angenommene Rolle und die dahinter zurücktretende Persönlichkeit, um einen DDR-Sozialismus als Selbsttäuschung und die zwei Körper des Königs, der in diesem Fall ein ehemaliger kommunistischer Jugendfunktionär und Antifaschist war. Man kann in diesem Gespräch mit Sabrow auf einige interessante Gedanken über die verschwundene DDR und ihre Elite kommen.

Und ja, natürlich gehört auch dieser dazu: Hatte Honecker irgendwann in den späten achtziger Jahren im Angesicht der immer sichtbarer werdenden Krise des Realsozialismus die Idee einer Konförderation mit der Bundesrepublik, angetrieben womöglich von einer Art Saar-Patriotismus und der relativen Nähe zu Oskar Lafontaine, der sich bereits als Partner der SED-Bürokratie erwiesen hatte? Mag sein, mag nicht sein, es gibt dafür keinen Beweis, Sabrow sagt, es deuteten „manche Indizien darauf hin“ und außerdem habe der alternde Funktionär „im Nachhinein“ bekannt, „mit dem Gedanken an eine deutsch-deutsche Konföderation unter der Führung des Saarländers Honecker in Ostdeutschland und des Saarländers Oskar Lafontaine im Westen gespielt zu haben“.

Kann sein und würde auch manches erklären. Viele allerdings nicht. Was die Welt natürlich nicht davon abhält, daraus eine ganz große Story zu machen: „Träumte Honecker von Diktatur mit Lafontaine?“ Die Sache ist auf eine Weise lächerlich, die gar nicht einmal mit den schmalen Erwägungen Sabrows zu tun hat, auch nicht damit, wie der Autor Sven Felix Kellerhoff die Beziehungen zwischen der DDR-Führung und dem saarländischen Sozialdemokraten nachzeichnet – in dem Buch, das den Ursprung dieses Blogs hier bildet, gibt es dazu auch einige Anmerkungen. Was den Text in der Welt zu einer Lächerlichkeit macht, ist die Angeberei, mit der hier ein Interview in eine Skandalgeschichte über „das letzte Geheimnis der DDR“ verwandelt wird.

Wo Sabrow sagt, Honecker habe womöglich mit einem Gedanken gespielt, fragt der Teaser des Beitrags mehr rhetorisch, ob der SED-Vorsitzende eine Konföderation „plante“. Mit Begriffen wie „Diktatur“ und „gemeinsame Führerschaft“ werden assoziative Marken gesetzt, die – dafür kann Kellerhoff womöglich nicht einmal etwas, weil das in der Springer-Redaktion jemand anderes macht -, die ein gefühltes Urteil des Lesers von Honecker auf Lafontaine überspringen lassen soll: Hat der „gefährlichste Mann Europas“, einer, der seinerzeit auch noch gegen eine übereilte Währungsunion war, womöglich geplant, die schöne Bundesrepublik an den Bösen Honecker zu verkaufen? (tos)

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Völlig falsch interpretiert

Der Fall Pia Döring schien schon fast zu den Akten gelegt, nun setzt die saarländische Linke aber noch einmal nach: Weil die Staatsanswaltschaft keine Betrugsermittlungen gegen die noch vor der ersten Landtagssitzung nach der Wahl zur SPD-Fraktion gewechselte Linken-Kandidatin einleiten will, hat die Saar-Partei nun Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt, wie die Saarbrücker Zeitung berichtet. „Es ist offensichtlich so, dass die deutsche Justiz das freie Mandat völlig falsch interpretiert“, zitiert die Zeitung Oskar Lafontaine. Der hält es „für absurd, was da passiert in der Justiz. Ein Abgeordneter ist doch seinen Wählerinnen und Wählern verpflichtet. Er kann doch nicht sagen: Was die da denken, interessiert mich überhaupt nicht mehr.“ Die Linkspartei hoffe, „dass ein Jurist, ein Staatsanwalt oder ein Richter erkennt, dass man das freie Mandat nicht als beliebige Handelsware begreifen kann, mit der der Abgeordnete machen kann, was er will, oder die er meistbietend verhökern kann.“

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hatte im Juli erklärt, keine Ermittlungen im Fall Döring einzuleiten. Es bestehe kein Anfangsverdacht auf eine Straftat. Die Linke sieht das anders und hat unter anderem darauf verwiesen, dass ihr durch den Fraktionswechsel Mandatsträgerbeiträge und Landtagsgelder in Höhe von insgesamt 246.000 Euro entgehen würden – wovon die SPD profitiere. Kurz nach dem Wechsel von Döring zur SPD hatte die Linksfraktion kolportiert, dass Zeugen beobachtet hätten, wie Döring bereits vor der Wahl mit der SPD in Kontakt gestanden habe. Angeblich habe es Abwerbebversuche gegeben, zudem gibt es Gerüchte, der Wechsel der früheren Linken-Abgeordneten habe mit der Verlängerung ihres Arbeitsvertrages bei der AWO zu tun. Der Wechsel von Döring hatte auch jenseits der Linken für Kritik gesorgt. Der Parteienforscher Gerd Langguth sagte der Saarbrücker Zeitung, so ein Übertritt sei zwar „rechtlich erlaubt, weil es ein freies Mandat ist, aber moralisch ist das höchst problematisch“.

Die SPD hatte diese Argumentation stets zurückgewiesen. Der Linksfraktion sei es „von Anfang an nur um den schnöden Mammon“ gegangen sei. „Offenbar kommt die Linkspartei nicht damit zurecht, wenn sich Menschen wegen ihrer Politik von ihnen abwenden. Da wird dann zu unlauteren Mitteln wie Unterstellungen und Anzeigen gegriffen”, zitierte das Portal News-Echo den Parlamentsgeschäftsführer der Sozialdemokraten im Saarland, Reinhold Jost. Mit der Entscheidung der Staatsanwaltschaft seien die Vorwürfe der Linkspartei “in sich zusammengefallen“, die Partei habe sich “bis auf die Knochen blamiert”.

Im Juni hatte bereits der Wahlprüfungsausschuss des Landtages eine Anfechtung der Linken zurückgewiesen. Die Fraktion hatte argumentiert, dass sie durch den Wechsel von Döring von der Linkspartei zur SPD kurz nach der Wahl und noch vor Konstituierung des Landtages „um ihre Stimmen betrogen worden“ sei. „Der Wechsel von Frau Döring zur SPD kurz nach der Wahl stellt einen einmaligen Fall von Wahlbetrug dar, den wir nicht auf sich beruhen lassen werden“, so damals die Abgeordnete Heike Kugler. Ein Antrag der Linksfraktion, die Rechtslage in einem Sachverständigengutachten klären zu lassen, hatten die Parteien der Regierungskoalition zuvor abgelehnt. Die Linke hatte dies als „aus demokratischer Sicht nicht tragbar“ kritisiert und angekündigt, „nun die weiteren rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“ zu wollen. (tos, Foto: Wolfgang Pehlemann, CC BY-SA 3.0)

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Riexinger in Rostock

Bernd Riexinger ist gerade auf Sommertour – am Dienstag machte der Linkenchef in Rostock Station. Hafenrundfahrt, Stadtentsorgung, Pflegeheim und ein Treffen mit Mitgliedern standen auf dem Programm. Von einem „spannenden Tag“ berichtet der Pressesprecher via Twitter. Und der Landesvorsitzende Steffen Bockhahn hinterließ, dass sich auch die NDR-Satiresendung extra3 für Riexingers Sommertour interessiert habe. Natürlich nahm auch die in Rostock erscheinende Ostsee-Zeitung den Besuch des Linkenchefs zum Anlass, ein paar Meldungen zu produzieren: In der einen verweist Riexiger darauf, was die Linke nicht brauchen kann, in der anderen, was nötig wäre, damit die Partei zum Mitregieren bereit wäre. „Wir sagen klar, wofür wir stehen“, so Riexinger. „Für eine armutsfeste Rente, für einen Mindestlohn, von dem man leben kann, für einen Kurswechsel in der Europapolitik und für eine konsequente Friedenspolitik. Wenn das umgesetzt wird, sind wir bereit zum Mitregieren.“ Dazu müsste die Partei freilich erst einmal so stark werden, dass andere in die Lage kommen, sich über ihre Bedingungen den Kopf zu zerbrechen.

Was auch eine Frage der möglichen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 ist, die der Linkenchef allerdings jetzt nicht führen will. „Eine neue Debatte um Posten ist sicher das Letzte, was wir jetzt brauchen“, zitiert das Blatt den Linkenchef. Für die Nominierung, so Riexinger, gebe es einen „klaren Ablauf“, demzufolge nach der Aufstellung der Listen in den Landesverbänden der Parteivorstand „in Absprache mit allen wichtigen Akteuren“ einen Vorschlag unterbreiten werde. „Riexinger wollte nicht bestätigen“, schreibt die Ostsee-Zeitung, „dass die Entscheidung bereits zugunsten des Fraktionschefs im Bundestag Gregor Gysi und des saarländischen Fraktionschefs Oskar Lafontaine gefallen sei.“ Für diese beiden hatte sich gerade erst der Fraktionschef der Linken im Schweriner Landtag, Helmut Holter ausgesprochen.

Bei seinem Besuch in Rostock hat sich Riexinger auch über die Lohn-Unterschiede zwischen Ost und West geäußert. „Es ist nicht erklärbar, warum mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ein Lohnabstand von teilweise über 30 Prozent besteht. Das gilt auch für die Durchschnittslöhne, nicht nur für die Spitzenlöhne“, zitiert ihn eine Nachrichtenagentur. (tos, Foto: Alex Fischer)

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Die Krisenerklärerin

Fast eine ganze Seite in der Süddeutschen: Kaum jemand anderes in der Linkspartei kann derzeit auf so viel mediale Aufmerksamkeit hoffen – und die Linke wird derzeit auch durch kaum jemand anderen politisch so prominent repräsentiert, ob die Partei- und Fraktionsvize über die Liebe in Zeiten des Kapitalismus schreibt oder ob ihre Forderungen zur Lösung der Euro-Krise selbst von Spiegel online als „interessantester Plan“ gelobt werden. Wagenknecht erscheint als die unangefochtene Autorität der Linken in Sachen Finanz-Kladderadatsch und Ökonomiekritik. Und sofern sich in manchen Fragen die Ansichten der 43-Jährigen verändert haben, prägt das auch das Gesicht der Partei neu. Ihre Annäherung an den historischen Wirtschaftsliberalismus, ihre „Einladung zum Dialog zwischen echten, nämlich auch geistig liberalen Marktwirtschaftlern auf der einen und ebensolchen Sozialisten und Marxisten auf der anderen Seite“ – all das ist nicht unumstritten. Und es passt vor allem nicht in jenes Bild, dass sich viele mediale Beobachter bisher von Wagenknecht gemacht hatten. „Was sagen Ihre alten Mitstreiter von der Kommunistischen Plattform zu Ihren Thesen“, fragt jetzt die Süddeutsche. „Jeder Linke sollte sich die Offenheit bewahren, auch in anderen politischen und ökonomischen Konzepten Ansätze zu entdecken, die richtig und unterstützenswert sind.“ Und dann dekliniert Wagenknecht durch, wie man aus ihrer Sicht die Krise lösen könne: Schuldenschnitt, kontrollierte Bankeninsolvenzen, neues System der Staatsfinanzierung und eine andere Europapolitik, die Mindeststeuersätze auf Gewinne, Kapitalerträge und Vermögen, eine Sozialunion sowie eine Lohnentwicklung durchsetzt, die sich überall an der Produktivität orientiert. Das mag hier und dort nicht mit dem Debattenstand in der Partei und ihrem Umfeld kongruent sein, aber es ist auf eine Weise populär im Sinne von öffentlichkeitswirksam, die viele andere nicht erreichen. Vor ein paar Tagen hatte Christian Rickens auf Spiegel online noch geschrieben, „dass Wagenknechts Konzept zur Lösung der Euro-Krise bisher nicht so richtig wahrgenommen wird“. Schon das sorgte für entsprechende Aufmerksamkeit im Internet. Fünf Tage später nun ein ganzseitiges Interview in der Süddeutschen. Die Zeitung merkt an, dass Oskar Lafontaine „seine Partnerin gut gelaunt“ aus dem Merziger Lokal abholt, in dem das Gespräch stattgefunden hat. Er war der Krisen-Erklärer der Linkspartei in der Vergangenheit. Längst aber hat Sahra Wagenknecht diese Rolle übernommen. (tos)

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Linke Liebe

Zum Stichwort „Liebe“ gab es in Verbindung mit Sahra Wagenknecht zuletzt einiges für die Zeitungen zu berichten. Die Beziehung der Linksfraktionsvize zu Oskar Lafontaine sorgte für mehr oder weniger intelligente Betrachtungen des Privatlebens zweier Prominenter, das manche wohl auch deshalb mit dieser speziellen Hingabe beäugten, weil sie es nicht zusammenzudenken vermochten: das „harte“ Politische und das „weiche“ Private. Wie dem auch sei: In der aktuellen Ausgabe der Zeit-Beilage Christ und Welt hat sich Wagenknecht nun ausführlicher mit dem Thema „Liebe“ befasst – und natürlich ist es ein politischer Gastbeitrag geworden. „Wo Brutalität herrscht, Ausbeutung zunimmt und Hass gepredigt wird, schwindet das Terrain, auf dem Liebe gedeihen kann“, schreibt die 43-Jährige. Wer Liebe als das Wichtigste, Schönste, Wertvollste betrachte, müsse notwendigerweise die sozialen Verhältnisse mit Unbehagen sehen, „in denen das menschliche Zusammenleben mehr und mehr kommerzialisiert und ökonomisiert wird“. Gerade deshalb aber, so Wagenknecht, sei Liebe so etwas wie der unausgesprochene Vorwurf an eine Zeit, „in der es ungleich höher honoriert wird, sinnlose Finanzvehikel zu kreieren und damit in Millisekunden Milliardenbeträge zu verschieben, als sich darum zu kümmern, dass alte Menschen liebevoll versorgt werden“. So kann man Liebe – Wagenknecht zufolge – denn auch als Moment der Befreiung sehen: „Es geht nicht nur darum, zu glauben und zu hoffen, sondern die Kraft zu finden, sich aus einer lieblosen Gegenwart zu befreien.“ Das ist nicht ganz neu – und vielleicht auch kein Zufall, dass Oskar Lafontaine vor nicht allzu langer Zeit eine ganz ähnliche Lanze für die Liebe brach, für eine Liebe der Linken: „Es wäre doch gar nicht schlecht, wenn das Wort Liebe zumindest einmal in einem Grundsatzprogramm irgendeiner Partei auftaucht. So verkehrt wäre das doch nicht!“ Wäre es wohl nicht, zumal in einer Partei, deren Gründungsorganisationen sich zu aller Anfang nicht gerade in “Liebe auf den ersten Blick” gegenüberstanden und in welcher Gregor Gysi gerade der Fraktion attestiert hat, es gebe in ihr “Hass”. Freilich: In das Erfurter Kompromisspaket hat es die Liebe, die das Kompromisslose braucht, noch nicht geschafft. (vk)

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