André Brie ist wieder da – eine gute Nachricht. Der Linke-Politiker, langjähriger Wahlkampfstratege der PDS, Europaabgeordneter, jetzt Landtagsabgeordneter in Schwerin, war Anfang März in seinem Haus schwer verunglückt – mitten im Wahlkampf in Schleswig-Holstein, in dem er für die Linke die Verantwortung trug. Gut 13 Wochen nach dem Unfall ist Brie auf die politische Bühne zurückgekehrt und nimmt in dieser Woche an den letzten Parlamentssitzungen vor der Sommerpause teil. Nach mehreren Schädel- und Rippenbrüchen ist er noch nicht wieder vollständig hergestellt. Er müsse, sagte er im Interview, noch an seiner Sprache arbeiten: „Die schöne deutsche Sprache hat es noch schwer mit mir.“ Wir wünschen alles Gute. (vk)
André Brie
Zimmermann erkrankt
Hiobsbotschaft für die wahlkämpfende NRW-Linke: Ihr bisheriger Frakionschef Wolfgang Zimmermann ist schwer erkrankt und musste sich zumindest vorläufig aus dem Wahlampfgeschehen zurückziehen. Wie das neue deutschland in einer kurzen Nachricht mitteilt, musste Zimmermann bereits mehrere Wahlkampftermine absagen und liegt laut Auskunft von Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen derzeit im Krankenhaus, wo er umfassend untersucht wird. “Uns ist wichtig, dass Wolfgang bald wieder gesund und bei uns ist, wir sind in Gedanken bei ihm”, zitiert das nd Schwabedissen. Zimmermann ist eine der prägenden Persönlichkeiten der NRW-Linken und steht auf der Liste für die Landtagswahl auf Platz 2. Seine Erkrankung ist bereits der zweite Ausfall eines strategischen Wahlkämpfers für die Linke in kurzer Zeit: Anfang März war André Brie, Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern und Wahlkampchef der Linken in Schleswig-Holstein, in seinem Haus verunglückt und hatte sich mehrere Schädelbrüche zugezogen. In Schleswig-Holstein wird am 6. Mai, in NRW am 13. Mai gewählt; in beiden Ländern muss die Linke um den Wiedereinzug ins Parlament kämpfen. Die Umfragen sehen sie derzeit unter fünf Prozent. (wh)
Brie schwer verunglückt
Es gibt Nachrichten, die einem den Atem stocken lassen. Diese gehört dazu: Der Linke-Politiker André Brie ist am Wochenende schwer verunglückt. Bei einem Treppensturz in seinem Haus zog er sich mehrere Schädelbrüche zu, wie das Neue Deutschland unter Berufung auf Informationen aus Bries Familie berichtet. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt und befindet sich in intensivmedizinischer Behandlung. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Peter Ritter, bestätigte die Nachricht auf Medienanfrage. Brie, der in den 90er Jahren dem PDS-Vorstand angehörte und Wahlkämpfe der Partei managte, war von 1999 bis 2009 Europaabgeordneter der PDS bzw. Linkspartei und sitzt seit Herbst 2001 im Schweriner Landtag. Vor einigen Wochen war er zum Wahlkampfleiter der Linken in Schleswig-Holstein berufen worden, wo am 6. Mai ein neuer Landtag gewählt wird.
Update: Linken-Politiker haben bestürzt auf den schweren Unfall von André Brie reagiert. „Wir haben der Familie unsere besten Genesungswünsche übermittelt“, sagte die Landeschefin der Linken Schleswig-Holstein, Jannine Menger-Hamilton. Brie war bisher gemeinsam mit ihr Wahlkampfmanager für den bevorstehende Urnengang im Norden, der für die Linkspartei von einiger Bedeutung ist. Menger-Hamliton werde sich nun allein um die Führung kümmern, Aufgaben würden neu verteilt. Linksfraktionschef Gregor Gysi nannte den Unfall „fürchterlich“ und geht davon aus, dass Brie leider für lange Zeit ausfallen werde. (vk)
„Eine Kampfschrift“
Ende August haben André Brie, Ernst Krabatsch, Stefan Liebich, Paul Schäfer und Gerry Woop „Vorschläge für eine linke Positionierung“ zur UNO sowie deren Reform vorgelegt. Jetzt hat sich Jan van Aken mit einem längeren und sehr kritischen Kommentar dazu zu Wort gemeldet. Zwar sei es verdienstvoll, schreibt der Bundestagsabgeordnete und frühere UNO-Berater, dass sich das Autorenquintett „eines komplexen und wichtigen Themas angenommen“ habe, das „die Linke bislang vernachlässigt hat“. Allerdings würden sich „große Teile des Papiers weniger mit einer UN-Reform“ befassen, sondern „vor allem eine Kampfschrift für militärische UN-Interventionen“ sein. Van Aken trennt beide Fragen – UNO-Reform und Militärintervention – in seinem Papier, weil sich die Debatte sonst „einzig und allein auf die Auslandseinsätze konzentrieren“ wird und die Gefahr besteht, „dass damit eine tiefergehende Diskussion um UN-Kritik und UN-Reform nicht befördert, sondern im Keim erstickt wird“.
Van Aken geht in seinen „eher zufälligen, punktuellen“ Erläuterungen zunächst auf eine Reihe von „Reformfragen“ ein: das Vetorecht, die Kompetenzverteilung zwischen Sicherheitsrat und Generalversammlung, die Idee einer Parlamentarischen Versammlung der UNO, die Sanktionen und andere. In einem zweiten Teil widmet er sich der Frage der militärischen UN-Interventionen: Das Papier von Brie und anderen sei hier „ein massiver Affront gegen die Linke als Friedenspartei, die Gewalt als Mittel der Politik ablehnt“. Den Hinweis auf eine „Festlegung von genauer definierten Kriterien für die Anwendung militärischer Zwangsmaßnahmen“ weist van Aken zurück – die Aufzählung werde schon jetzt vom Sicherheitsrat in Anspruch genommen und sei zudem „butterweich, unklar definiert“ und sehr weit auslegbar. „Alarmierend“ sei es auch, wenn Brie und die Mitautoren einen „Vorrang für eigene UN-Missionen“ fordern, weil Vorrang eben nicht Ausschließlichkeit bedeute und damit eine Mandatierung von EU, NATO und Co möglich bleibe. „Vollkommen fassungslos“ zeigt sich van Aken über „das entschiedene Plädoyer dafür, die Responsibility to Protect zur Grundlage für Militäreinsätze zu nehmen“.
Die Antikapitalistische Linke hatte das UNO-Reform-Papier der Fünf bereits vor einigen Tagen als ”Angriff auf die klare Antikriegs-Position” bezeichnet. Die Sozialistische Linke hat in der UNO-Frage einen Änderungsantrag an den Erfurter Parteitag formuliert. (tos)
Papier zur UN-Reform
Die Linke, so heißt es im Programm-Leitantrag , erachte „das Völkerrecht und die Vereinten Nationen als wichtigste Institutionen für die friedliche Verständigung“. Zu den vier Prinzipien, auf welche die Partei ihre internationalistische Politik gründe, gehört die „Reform und Stärkung der UNO“ – dem ist auch ein eigenes Programm-Kapitel gewidmet. Das Thema hat das Potenzial für Kontroversen in der Partei, immerhin geht es hier etwa um die Möglichkeit von UN-Missionen mit militärischer Komponente und Instrumente zum Schutz von Menschenrechten. Einen nächsten Schritt in der Debatte machen nun André Brie, Ernst Krabatsch, Stefan Liebich, Paul Schäfer und Gerry Woop, die unter der Überschrift „Reformen zur Stärkung der UNO sind notwendig und machbar“ auf 36 Seiten „Vorschläge für eine linke Positionierung zur Weltorganisation“ vorgelegt haben.
Das Papier, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, sieht in den Vereinten Nationen „die entscheidende internationale Institution für den Dialog zwischen Staaten und Völkern zur Lösung der globalen Probleme des 21. Jahrhunderts“. Gleichzeitig wolle man „ihre nicht selten beträchtlichen Defizite, ihr nicht seltenes Versagen bei der Bewahrung und Durchsetzung von friedlichen und demokratischen internationalen Beziehungen“ nicht übersehen. Die Fehler der UNO seien aber vor allem Fehler der Regierungen, die zurzeit die Politik, den Alltag und die Möglichkeiten der Organisation prägen: „Eine bessere Alternative als die UNO ist nicht in Sicht.“
Eine notwendige Reform ist keine Erfindung der Linken, sondern seit langem auf der Agenda und angesichts der sich verändernden internationalen Kräfteverhältnisse mit wachsender Dringlichkeit behaftet. Dass die Linke als Friedenspartei auf die laufende Debatte mit eigenen Impulsen Einfluss nehmen will, ist naheliegend. Mit dem Papier des früheren Europaabgeordneten Brie, der Außenpolitiker Liebich und Schäfer, Vorstandsmitglied Woop und des früheren DDR-Botschafters Krabatsch liegen dazu nun – rechtzeitig und gewissermaßen als Ausweitung beziehungsweise Ergänzung der Programmdebatte ausführliche Gedanken vor. Man wird sehen, ob sie im gegenwärtigen Zustand der Linkspartei für konstruktive Diskussionen sorgen können, oder ob es bei reflexartiger Zurückweisung bestimmter Passagen bleibt.
Eine davon tangiert die im Reformerlager befürwortete Einzelfallprüfung: „Die Linke sollte aber ihrerseits auch nicht jede UN-Mission, die eine militärische Komponente enthält, ohne gebührende Prüfung der konkreten Umstände kategorisch ablehnen“, schlagen die Autoren vor. Missionen „im Rahmen der geltenden Völkerrechtsnormen“ und vor dem Hintergrund genauer definierter „Kriterien für die Anwendung militärischer Zwangsmaßnahmen bei ausdrücklicher Bindung an die UN-Charta“ (etwa: Einsatz militärischer Maßnahmen nur nach Ausschöpfung aller möglichen nichtmilitärischen Optionen, Vorrang von Maßnahmen nach Kapitel VI, Wahrung der Unparteilichkeit) könnten zum Beispiel „bei massenhaften systematischen Menschenrechtsverletzungen, Massentötungen oder ethnischen Vertreibungen“ unter Umständen sinnvoll sein – nicht zuletzt, weil sie, wenn die Voraussetzungen durch Reformen erfüllt wären, „den Legitimationsdruck für Entscheidungen zur militärische Gewaltanwendung erheblich erhöhen, die Grenze zu willkürlichen und beliebigen unilateralen Maßnahmen sehr eindeutig ziehen, Interventionen im Alleingang moralisch und völkerrechtlich erschweren und damit die Schwelle zur Kriegführung für eigennützige Zwecke insgesamt deutlich heraufsetzen“. Eine exklusive Kooperation der UNO mit der NATO solle die Linkspartei abnlehnen, „weil damit die Prioritäten bei Konfliktlösungen zum Militärischen verschoben werden. Wichtiger wären eigene UN-Missionen anstelle von Mandatierungen Dritter.“
Ein anderer Punkt des Reform-Papiers hat durch die Debatte über Kuba und die Menschenrechte eine gewisse Aktualität erhalten. „Das entstandene und sich weiter entwickelnde Normensystem zum Schutz der Menschenrechte“, heißt es da, „ist ein wichtiger Bezugspunkt für politisches Handeln. Auch der Menschenrechtsrat arbeitet, trotz seiner Defizite, zunehmend als Dialogforum mit politischen Druckmöglichkeiten gegenüber zahlreichen Staaten. Prävention, Menschenrechtserziehung und das System der Sonderberichterstatter sollten ausgebaut werden. Einen Missbrauch der Menschenrechtsfrage für Interventionen mit militärischen Mitteln“ solle die Linkspartei selbstverständlich weiter ablehnen.
Was die Reform der UN-Organisation selbst angeht, solle die Linke alle Schritte unterstützen, welche „die Weltorganisation transparenter und wirksamer machen und zu einem wirklichen politischen Anwalt in weltweiten sozialen, ökologischen, kulturellen, ökonomischen und humanitären Fragen entwickeln“ könne. Dazu müsse die UNO stärker die Interessen der Weltbevölkerung repräsentieren, brauche mehr Ressourcen und eine Reform unter anderem des Sicherheitsrates, „die das Vetorecht begrenzt sowie eine stärkere ständige Repräsentanz vor allem Afrikas, Lateinamerikas und des indischen Subkontinents sichert“. Hier könne die Bundesrepublik einen Impuls dadurch geben, „dass Deutschland auf einen eigenständigen Sitz im Sicherheitsrat verzichtet und stattdessen vorgenannte Ambitionen befördert“. Ein weiteres, mehr noch das „wichtigste Element der UN-Reform“, sehen die Autoren in der „Stärkung der Rolle der Generalversammlung“.
In der Programmdebatte hatte bereits die Sozialistische Linke dafür plädiert, die Passage zur Reform der UNO bzw. das Ziel der Aufwertung der Generalversammlung zu präzisieren – ein entsprechender Änderungsantrag für den Erfurter Parteitag liegt vor. Man halte es, so die Gewerkschafterströmung, “nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Afghanistan und Libyen für erforderlich, dass neben der erforderlichen Demokratisierung der Vereinten Nationen auch ihr Missbrauch durch imperialistische Führungsmächte deutlicher wird”. (tos)
Größere Übereinstimmung
Im Nordosten geht die Mauer-Debatte weiter. Inzwischen haben sich André Brie und Helmut Holter zu Wort gemeldet, die Linke in Mecklenburg-Vorpommern schwanke „weiter zwischen Verurteilung und Rechtfertigung“, heißt es in den Zeitungen. Mit letzterem sind die Mauer-Thesen der Antikapitalistischen Linken gemeint, Zeit online schreibt vom „Aufstand der linken Fundis“. Nun liegt es einerseits auf der Hand, dass es unterschiedliche Meinungen über den 13. August 1961 gibt, sonst hätte wohl zum Landesparteitag niemand eine alternative Stellungnahme zum Vorstands-Papier eingereicht. Andererseits muss man schon fragen, ob der Unterschied wirklich so groß ist, dass man ihn mit gewichtigen Begriffen wir „Verurteilung und Rechtfertigung“ beschreiben kann.
André Brie hat im Deutschlandradio gesagt, seine Hoffnung sei gewesen, „dass wir in unseren Auseinandersetzungen weiter sind, eine größere Übereinstimmung in einer sehr kritischen Haltung zum Mauerbau hätten“. Gleichzeitig sei er aber überzeugt, „dass das eine Minderheitenposition ist, die ja immer noch die These vertritt, der Zweck heiligt die Mittel, und nicht begriffen hat, dass Sozialismus nur eine Chance hat, wenn er durch Überzeugungskraft und Attraktivität die Menschen erreicht“. Ähnlich formuliert es Spitzenkandidat Helmut Holter in einer Erklärung: „Kein Ideal, kein vermeintlich besseres politisches System können das mit dem Mauerbau verbundene Unrecht, die Einschränkung der Reise- und Meinungsfreiheit und die Gefahr für Leib und Leben, rechtfertigen. Die Mauer wurde in der Bevölkerung zunehmend zum Symbol von Unfreiheit, fehlender Demokratie und Bürgerrechte.“
Im Mauer-Papier der AKL wird das nicht bestritten, die konkrete Formulierung ist zwar zurückhaltender aber inhaltlich nicht so weit entfernt. „Es war nicht gelungen, den Sozialismus in der DDR so zu gestalten, dass er für die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich als überlegene, bessere Gesellschaftsordnung gegenüber dem westlichen System begriffen und erlebt werden konnte“, heißt es da. Es habe an wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit, Attraktivität, Räumen für individuelle Selbstverwirklichung und an demokratischen Rechten gefehlt. „Sozialismus ist nur dann auf Dauer erfolgreich, wenn ihn die Menschen wollen.“ Auch im Verweis auf den historischen Kontext sind sich die Protagonisten nicht so fremd: Helmut Holter schreibt: „Die Abriegelung der Grenze nach Westberlin am 13. August 1961 und der anschließende Bau der Mauer müssen im historischen Kontext der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges und des entbrannten Kalten Krieges, der Einteilung Europas und der Welt in Ost und West, betrachtet werden.“ Und: „Der Mauerbau erfolgte mit dem Ziel, die fortschreitende Destabilisierung der DDR aufzuhalten und einen weiteren Krieg zu verhindern.“ Im AKL-Papier befassen sich sieben von acht Thesen mit der politischen Lage 1961 und der Entwicklung seit 1945, die diese prägte.
Was die „Rechtfertigung“ des Mauerbaus angeht, werden vor allem zwei Passagen, besser gesagt: drei Worte aus dem AKL-Papier immer wieder zitiert: die „zwingende Konsequenz“, als welche die Autoren die Errichtung der Sperranlagen ansehen und dabei auf die „wirtschaftliche und politische Krise“ sowie die „akute Gefahr eines kriegerischen Konflikts“ verweisen. Und jenes „alternativlos“, wie die Entscheidung „für die Führungen der Sowjetunion und der DDR“ genannt wird. Der Hinweis auf die genauen Formulierungen ist dabei nicht etwa bloße Korinthenkackerei, immerhin zitiert zum Beispiel Zeit online anders: Für Ostberlin und Moskau sei der 13. August 1961 „ohne vernünftige Alternative“ gewesen, im derzeit online verfügbaren AKL-Papier steht aber bloß „alternativlos“, was einen kleinen, aber nicht völlig unwichtigen Unterschied macht. Einer der Autoren, Arnold Schoenenburg, wird mit den Worten zitiert, der Mauerbau sei eine „zwingende Notwendigkeit“ gewesen, im Papier ist von einer „zwingenden Konsequenz“ die Rede.
Keine Frage, die politischen Implikationen der beiden Papiere weisen in unterschiedliche Richtungen. Die Kritik, eine Seite vertrete These, „der Zweck heiligt die Mittel“ und begreife nicht, „dass Sozialismus nur eine Chance hat, wenn er durch Überzeugungskraft und Attraktivität die Menschen erreicht“, erscheint im Lichte der Papiere aber als überspitzt. Die vielleicht entscheidende Differenz liegt ohnehin woanders – in der entgegengesetzten geschichtsphilosophischen Grundierung der Papiere: Die einen versuchen, „der historischen Wahrheit nahe zu kommen“, die anderen gehen davon aus, dass es „eine absolute Wahrheit (…) zur Geschichte nicht geben“ könne und werde. (tos)
Parteiintellektuelle
Der Deutschlandfunk hat am Donnerstag eine Miniserie gestartet, es geht um „Parteiintellektuelle in Deutschland“, also jene „unabhängigen Geister“, die in diesen„hyperdramatischen Zeiten“ nicht mehr vorkommen, wie der Sender meint. Überhaupt nicht tritt der Parteiintellektuelle bei der Linkspartei in Erscheinung, weder heute noch früher – jedenfalls aus Kölner Sicht. Man wolle „die prägenden geistigen Profile der Union und SPD, bei den Liberalen wie den Grünen“ porträtieren. Was die Frage aufwirft, ob bei PDS und später der Linken nicht doch auch „konzeptionelle Denker oder bahnbrechende Impulsgeber“ wirkten. Da fällt einem natürlich gleich André Brie ein, der sich ein Etikett verdient hat, dass ihm neben medialer Beachtung auch innerparteiliche Missachtung gebracht hat. Womit dann schon ein Merkmal des „Parteiintellektuellen“ bezeichnet ist: der durch ihn ausgelöste Widerstand in den eigenen Reihen. Bries Bruder Michael wird man ebenso nennen können wie Dieter Klein, und natürlich aus der jüngeren Zeit auch Elmar Altvater, der in der Programmkommission saß oder Frigga Haug, die eine Leitfigur der feministischen Debatte ist. Die Liste ließe sich leicht verlängern, wohl würde dabei der Radius größer, vielleicht auch die Entfernung zwischen Person und Partei, was daran liegen dürfte, dass die Parteilichkeit des linken Intellektuellen weit mehr der Sache gilt als einer Organisation. Die Lebens- und Denkwege kluger Köpfe kreuz und quer durch die zerklüftete Landschaft linker Gründungen und Spaltungen zeigen das wohl auch. Warum das zu beleuchten weniger interessant sein soll als sich Elisabeth Noelle-Neumann oder Peter Glotz vorzunehmen, müsste man den Deutschlandfunk fragen. “Essay und Diskurs”, ja – aber natürlich nur in Grenzen. (tos)
