Sozialistische Linke

Profil geschwächt

Die gewerkschaftliche Orientierung der Linkspartei ist nach Auffassung der Strömung Sozialistische Linke schwächer geworden. Innerparteilicher Streit in der Vergangenheit und die „Beschäftigung mit Randthemen“ hätten „zum Rückzug insbesondere gewerkschaftlich orientierter Mitglieder geführt“. Für das Wahljahr fordert die Strömung von der LINKEN, „die breiteren Interessen der Lohnabhängigen“ stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Beitrag zur Mitgliederversammlung der SL auf neues-deutschland.de (vk)

flattr this!

Radikal, realistisch

Am Wochenende will die SPD ihren Honorarkönig als Wahlkampfzugpferd inthronisieren. Das Gebaren des früheren Finanzministers hat vor allem beim sozialdemokratischen Kernmilieu für – gelinde gesagt – Irritationen, in den Wahlkreisen sollen dem Vernehmen nach SPD-Abgeordnete kaum noch anderes tun, als der Basis diese Personalie zu erklären. Über die Frage, welche Wirkungen die Entscheidung der SPD für diesen Spitzenkandidaten hat, gibt es in der Linken unterschiedliche Auffassungen. Mit der Nominierung von Peer Steinbrück sieht jedenfalls der gewerkschaftliche Flügel der Linkspartei für diese neue Chancen eröffnet, „mit einem eigenständigen Profil verspieltes Vertrauen bei den Lohnabhängigen und den Gewerkschaften wiederzugewinnen”.

So steht es im Leitantrag für die Mitgliederversammlung der „Sozialistischen Linken”, die am Sonntag in Hannover stattfindet. Im Freizeitheim Ricklingen will man sich unter anderem der Frage zuwenden, wie es um das Krisenbewusstsein der Lohnabhängigen bestellt ist – und was das für Auswirkungen auf die Bundestagswahlen im kommenden Jahr hat. Die Sozialistische Linke, gegründet im August 2006, versteht sich als gewerkschaftliche Strömung, beruft sich „links-keynesianische und reformkommunistische Traditionen” und zielt darauf, die Linkspartei als „moderne sozialistische Mitgliederpartei” zu etablieren. Im Spätherbst 2012 zählte sie knapp 820 Mitglieder.

Über die soziale und politische Lage der Beschäftigten, die Stimmung in den Betrieben und die Erwartungen der Arbeitnehmermilieus an eine Linkspartei werden am Sonntag in Hannover unter anderem Helga Schwitzer vom IG-Metall-Vorstand und Richard Detje von der Zeitschrift “Sozialismus” sprechen. Die Sozialistische Linke wird in Hannover außerdem einen neuen BundessprecherInnenrat wählen – in den vergangenen zwei Jahren war das Gremium mit zwölf Mitgliedern besetzt, zu denen unter anderem WASG-Mitgründer Ralf Krämer, der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens sowie Norbert Müller und Fabio De Masi als Geschäftsführer angehörten.

Dass die Mitgliederversammlung der Sozialistischen Linken auch in Hannover stattfindet, wo die SPD ihren Nominierungsparteitag abhält, ist sicher Zufall – eine inhaltliche Verbindung gibt es gleichwohl: Im Leitantrag des noch amtierenden Sprecherrates der Strömung geht es nicht zuletzt um das Verhältnis der Linkspartei zu den Sozialdemokraten. In der Vorlage wird noch einmal auf den „gelungenen Neustart” der LINKEN in Göttingen verwiesen, auf die „neue Offenheit” und die „große Zustimmung in allen Landesverbänden”, auf welche die Arbeit der neuen Spitze stoße. Zugleich werden allerdings auch die vom Vorstand formulierten „Mindestbedingungen für eine Regierungsbeteiligung” als „zu unkonkret” kritisiert, auch seien die Anforderungen „zu sehr auf soziale Mindestabsicherungen” verengt.

Für einen „Richtungswechsel” und „die Ansprache der lohnabhängigen Mehrheit der Bevölkerung in Konkurrenz zur SPD” reiche das aber nicht aus, glaubt die Sozialistische Linke. In dem Leitantrag zu ihrer Mitgliederversammlung wird für den Wahlkampf eine „Zuspitzung auf populäre Themen” verlangt, die Linkspartei solle sich noch stärker auf Themen wie die Lohndrückerei, die Rente, die Kürzung öffentlicher Leistungen und steuerliche Umverteilung stark machen. Die „Abgrenzung vom politischen Establishment” solle sich auch in der Wahlkampfästhetik niederschlagen, vorgeschlagen werden Plakate, auf denen nicht wie üblich die Partei-Kandidaten zu sehen sind, sondern zum Beispiel „Leiharbeiter oder alleinerziehende Mütter”, die „mit einem Statement für die LINKE werben”.

Mit der Spitzenkandidatur von Peer Steinbrück bei den Sozialdemokraten, oder wie es die Sozialistische Linke formuliert: „des Finanzlobbyisten und Agenda-Architekten”, sieht man bei der gewerkschaftlichen Strömung der LINKEN wie schon gesagt Chancen eröffnet. Ein „Kernproblem der deutschen Politik” laute, „SPD und Grüne wollen und/oder trauen sich nicht, Angela Merkel ernsthaft anzugreifen”. In Zeiten, in denen „Kernthemen” der Linkspartei wieder Konjunktur hätten und zugleich sich die Anzeichen für ein Durchschlagen der Krise auch in der Bundesrepublik mehren, müsse die Partei „die Meinungsführerschaft” mit Blick auf die soziale Spaltung, die Bedürfnisse der Lohnabhängigen und die Sozialpolitik wieder zurückgewinnen.

Dass die Gefahr besteht, in einem Lagerwahlkampf zwischen Union und Rot-grün zerrieben zu werden, sieht man bei der Sozialistischen Linken durchaus. Dagegen helfe ein „eigenständiger Kurs” und die Kooperation mit der gesellschaftlichen Linken auch außerhalb der Parlamente. Die Strömung plädiert für ein „konzentriertes, radikales aber realistisches Programm” im Wahlkampf und empfiehlt, von den europäischen Partnern wie dem Linksbündnis Syriza in Griechenland, der französischen Linksfront oder den Sozialisten in den Niederlanden zu lernen: „Eine populäre Politik von links”, heißt es im Leitantrag zur Mitgliederversammlung, werde belohnt. (tos, auch erschienen auf neues-deutschland.de)

flattr this!

Zur Wahlstrategie

Vor gut zehn Tagen hat der Vorstand der Linkspartei die Wahlstrategie für die kommenden Jahre beschlossen. Es hatte zwei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben. Inzwischen ist die Wahlstrategie auch auf den Flügeln der Linkspartei begutachtet worden. Was Sozialistische Linke, Antikapitalistische Linke und das Netzwerk “Freiheit durch Sozialismus” zum Beschluss sagen, steht in einem Blogpost von tos auf neues-deutschland.de

flattr this!

Direkte Demokratie auch in der Partei

Urlaub zeichnet sich dadurch aus, dass die Tage genutzt werden können wie ich es will. Keine Vorgaben, keine Hektik und keine Aufregung. Fast keine Aufregung.

Zwischen Krimis und Büchern über authentische Kriminalfälle aus der DDR und Olympiaberichterstattung fällt mir das erste Debattenheft der Sozialistischen Linken in die Hand. Der Beitrag von Marianne Schauzu auf Seite 67ff. ist nun aber weder realistisch noch radikal. Er regt mich ob seiner Oberflächlichkeit und Plattheit einfach nur auf.

Marianna findet also, DIE LINKE brauche keine Personalplebiszite. Warum das so ist, begründet sie allerdings wenig überzeugend.

1) Ein Mitgliederentscheid zur Besetzung der Parteivorsitzenden sei mit dem derzeitigen Statut nicht vereinbar, meint Marianna. Nur blöd, dass wir kein Statut haben sondern eine Satzung und das die Bundesschiedskommission festgestellt hat, dass ein empfehlender Mitgliederentscheid in dieser Frage (und nur um den ging es) zulässig ist.

2) Historische Beispiele belegen, dass das nicht so richtig Knorke ist, mit der direkten Demokratie in Parteien. Deswegen wolle man bei den Grünen auch von Basisdemokratie nichts mehr wissen. Nur blöd, dass die gerade darüber debattieren, ob sie nicht eine Urabstimmung zur Bestimmung der Spitzenkandidaturen zur Bundestagswahl 2013 machen.

3) DIE LINKE soll aus den Erfahrungen der SPD lernen und Abstand von Forderungen nach Mitgliederbefragungen zu Personalfragen nehmen. NEIN! Warum sollen wir nur weil -aus Sicht damaliger Beteiligter und heutiger Mitglieder der LINKEN- bei der SPD das falsche Ergebnis herauskam auf ein zutiefst demokratisches Instrument verzichten?

4) Das absurdeste aller Argumente ist jedoch, dass direktdemokratische Verfahren zu erheblichem Einfluss der Medien führe und über deren Zustand müsse man sich ja wohl keine Illussionen machen. Herrgottchen noch einmal. Klar, die blöde Basis ist durch (ganz) böse bürgerliche Medien total beeinflussbar und deshalb soll sie nicht entscheiden. Nur Delegierte (von wem werden die noch mal gewählt?) sind total immun gegen Medienbeeinflussung. An dieser Stelle bleibt mir nur noch sarkastisch anzumerken: Herzlichen Glückwunsch Marianna zur Übernahme der Argumente vor allem der Union in der Debatte um Direkte Demokratie. Die sagen auch immer, dass die Abgeordneten besser informiert und wenig beeinflussbar sind als die Bevölkerung.

Marianna selbst hat auf dem Landesparteitag der LINKEN in Berlin am 27. März 2011 darauf verwiesen, dass direkte Demokratie ein Markenzeichen der LINKEN ist. Um der eigenen Glaubwürdigkeit willen muss aber, was DIE LINKE für die Gesellschaft fordert,auch bei ihr selbst umgesetzt werden. Deshalb und aus Überzeugung ein klares “Ja” zu direktdemokratischen Entscheidungen auch in Personalfragen. Die Frage direkter Demokratie ist nämlich keine, in der DIE LINKE Offenheit bewahren sollte in anderen politischen Konzepten Ansätze zu entdecken die richtig und unterstützenswert sind. Das elitäre Gehabe vor allem der Union in Fragen direkter Demokratie sollte DIE LINKE intern wie extern das Konzept direkter Demokratie entgegensetzen. Durch indirekte Übernahme der Argumentation der Union gegen direkte Demokratie in der Gesellschaft auf die Debatte in der Partei zu direktdemokratischen Personalentscheidungen gelingt dies garantiert nicht.

Einladung zur Debatte

In knapp drei Wochen startet die sechste Sommerakademie der Sozialistischen Linken in Bielefeld. Mit einiger Verzögerung aber noch rechtzeitig ist jetzt die erste Ausgabe des „Debattenhefts“ der Strömung erschienen – Titel: Krise, Demokratie und Die Linke. Letztere, so formuliert im Vorwort, sei „viel zu lange nur über permanente Machtkämpfe statt Kernthemen wahrgenommen“ worden. Seit dem Parteitag von Göttingen sei man aber „auf gutem Weg“. Wobei Diskussion darüber, wohin der führt und wie man ihn geht, kein Nachteil sein müssen. Hier, so das Redaktionskollektiv der SL, liege auch die Aufgabe von Strömungen: „einen Beitrag zur Diskussion politischer Alternativen zu leisten“, was mit dem Debattenheft als einem „Raum für theoretische und strategische Kontroversen innerhalb der SL und der Linken“ nun einmal im Jahr geschehen soll. Die erste Ausgabe versammelt 14 Beiträge, die auf 77 Seiten im wesentlichen um zwei inhaltliche Punkte kreisen: die Eurokrise und die Antworten der Linken sowie strategische und Organisationsfragen der Partei. Die SL hofft auf Diskussionen auch „weit über die Grenzen unserer Strömung hinaus“. Dafür bietet das Heft ganz sicher Aufhänger. (vk)

flattr this!

Neustart oder Rechtsruck?

Nach dem Landesparteitag der Linken in Nordrhein-Westfalen wird eifrig weiter über den Kurs diskutiert. Inzwischen sind eine ganze Reihe von Erklärungen zum Ausgang des Delegiertentreffens veröffentlicht worden – es geht um das Verhältnis zu Rot-Grün und um die Strömungskonflikte in der Partei. Eine kleine Übersicht:

Antikapitalistische Linke NRW: Zur Leitantragsdebatte (30. Mai)
Kommunistische Plattform NRW: DIE LINKE. gegen alle? (28. Juni)
Linke NRW: Der beschlossene Leitantrag (30. Juni)
E. Bartelmus-Scholich: Rechtsausrichtung in Münster (1. Juli)
Tageszeitung: Linkspartei rückt nach rechts (1. Juli)
Neues Deutschland: Durchmarsch mit Kettensäge (2. Juli)
G. Böth und R. Sagel: „Wir arbeiten jetzt als Partei zusammen“ (3. Juli)
SAV: Linke NRW auf dem Weg der Anpassung? (5. Juli)
Marx 21: Von wegen Rechtsruck (5. Juli)
R. Sagel: Wir müssen bereit sein, wenn die Richtung stimmt (8. Juli)
A. Werner: Der Wunsch nach einem Neustart (8. Juli)
Antikapitalistische Linke NRW: Ein deutlicher Richtungswechsel (9. Juli)

flattr this!

Solidarität mit Lugo

Linkenpolitiker haben angesichts des „parlamentarischen Putsches“ in Paraguay zur Solidarität mit dem abgesetzten Präsidenten Fernando Lugo aufgerufen. Die Lage in dem Land sei „alarmierend“, erklärte die entwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heike Hänsel. Die internationale Gemeinschaft müsse „ein klares Signal zur Unterstützung des demokratisch gewählten Präsidenten“ aussenden. Ähnlich äußerte sich die Strömung Sozialistische Linke, die Bundesregierung sei „aufgefordert, die Putschregierung unter dem ehemaligen Vizepräsidenten Frederico Franco nicht anzuerkennen“. Genau das ist inzwischen bereits geschehen, berichtet die Tageszeitung ABC Color: Spanien, der Vatikan und die Bundesrepublik hätten die neue Führung unter dem bisherigen Vizepräsidenten Federico Franco schon anerkannt. Die Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Allianz ALBA haben sich dagegen mit Lugo solidarisiert. Zum Teil wurden Botschafter abgezogen. In einer Erklärung wird „das Manöver der politischen Rechten in Paraguay“ scharf kritisiert.

Der FDP-Politiker Dirk Niebel war Ende der vergangenen Wochen als erster ausländischer Minister mit dem neuen Präsidenten zusammengekommen; die Reise, heißt es in Nachrichtenagenturen, sei lange geplant gewesen. Die deutschen Liberalen sind eine Bruderorganisation von Francos PLRA. Die, so heißt es auf amerika21.de, „gehörte bis vor wenigen Tagen zu den Hauptpartnern der Regierung Lugo, bis der Vorsitzende der Gruppierung, Blas Llano, dem Staatschef überraschend die Unterstützung entzog. Franco wird dem rechten Flügel der Gruppierung zugerechnet“. Niebel wird in Nachrichtenagenturen mit den Worten zitiert, sein „erster Eindruck“ sei, dass der Amtswechsel nach den Regeln der Verfassung abgelaufen ist“. Das erinnert an die Position der Liberalen zum Putsch gegen den Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, den die FDP und die parteinahe Naumann-Stiftung gerechtfertigt hatten. Schon früher hatten PLRA-Politiker wie Alfred Luís Jaeggli gegen Präsident Lugo Front gemacht und dessen Abwahl gefordert. Der Senator war Präsident der Fundación Libertad de Paraguay, die mit der FDP-nahen Naumann-Stiftung eng kooperiert. Ende 2009 berichtete das Neue Deutschland, hinter den Kulissen in Asunción werde „fieberhaft an einer Parlamentsmehrheit geschmiedet, die Lugo durch ein Misstrauensvotum stürzen könnte“. Vizepräsident Franco habe schon damals erklärt, „zur Nachfolge bereit“ zu stehen.

Über die Rolle der deutschen Liberalen bei den Vorgängen in Paraguay wird sicher noch zu reden sein. Politische Schwierigkeiten der Transformation gibt es allerdings ebenso – und auch das nicht erst seit gestern. Ende 2010 berichtete Kathrin Buhl vom Regionalbüro der Luxemburg-Stiftung in São Paulo über eine Entwicklung voller Widersprüche: der Bischof der Armen als „Präsident der Linken, der einen rechts dominierten Staatsapparat dominieren muss und dabei manchmal von ihm dominiert wird. Er bewegt sich zwischen den Forderungen der sozialen Bewegungen, den Interessen der Mächtigen, die damit drohen ihn – Vorbild Honduras – des Amtes zu entheben und den Auswirkungen der Weltfinanzkrise“. 2011 erneuerte Buhl ihre „pessimistische Einschätzung“, die politische Situation in Paraguay bleibe „schwierig und instabil“: Die Regierung verfüge „de facto über keinerlei legislative Macht, da das Parlament in den Händen der Opposition ist. Dennoch sind soziale Bewegungen und große Teile der Basis Lugos enttäuscht: statt erwarteter Fortschritte wird mit Sorge eine verstärkte Militarisierung des Landes, verbunden mit Repressionen und Kriminalisierung von sozialen Protesten, beobachtet“. Dem allerdings stünden „zumindest drei positive Elemente gegenüber, die einen entscheidenden Unterschied zu den früheren Regierungen markieren: der kostenlose Zugang zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen (auch wenn diese, insbesondere im ländlichen Raum, weder qualitativ noch quantitativ ausreichen), die Sozialprogramme, von denen 90.000 Familien begünstigt werden, und die Neuverhandlung des Vertrags über das Wasserkraftwerk Itaipú mit Brasilien“. (tos)

Update 20.30 Uhr: Der Vorstand der Linken hat sich am Sonntag solidarisch mit dem gewählten Präsidenten von Paraguay erklärt und den „kalten Putsch“ zurückgewiesen. Die vorgebrachten Gründe für die Absetzung von Fernando Lugo seien „augenscheinlich vorgeschoben“. Das Land dürfe „nicht in die Zeiten der brutalen Diktatur Stroessner zurückfallen“, heißt es in dem von Wolfgang Gehrcke und Tobias Pflüger entworfenen Papier. Der Vorstand der Linken warne „vor einer zunehmenden Rechtsentwicklung in lateinamerikanischen Ländern, so in Guatemala, Honduras, Chile und drohend in El Salvador“. Es dürfe kein Zurück in die Zeiten der Diktaturen in Lateinamerika geben.

flattr this!

Gefragter Riexinger

Bernd Riexinger ist zurzeit ein gefragter Mann, was bei einem zweiten Bernd Riexinger in diesen Tagen für viele Anrufe sorgt – der neue Linkenchef hat einen Namens-Doppelgänger im Stuttgarter Bezirk Sillenheim. Und weil der ver.di-Mann und langjährige Landessprecher schon vorher zumindest in Baden-Württemberg ziemlich bekannt war, rufen nicht zum ersten Medienleute fälschlicherweise beim Schumacher gleichen Namens an. „Ich hoffe“, sagt der nun in der Stuttgarter Zeitung, „das artet jetzt nicht wieder aus mit den Anfragen.“ Hoffentlich. Der neue Linken-Vorsitzende dagegen darf sich über das Interesse freuen, er findet zurzeit viel Gelegenheit, die Seele der Partei zu streicheln und ein bisschen Optimismus zu verbreiten – vor allem dort, wo sein knapper Wahlerfolg in Göttingen als Niederlage des eigenen Kandidaten angesehen wurde: Riexinger bezeugt „großen Respekt vor der Arbeit, die im Osten geleistet wird“, er hat angekündigt, zuerst mit den Ost-Landesvorsitzenden zu reden, und bezieht sich, wenn es um die „konkreten Politikangebote“ der kommenden Monate geht, ausdrücklich auf Dietmar Bartsch; und er verweist darauf, dass er ein eigenständiger Kopf ist, und nicht der Mann von Oskar Lafontaine oder dergleichen. Für positive Reaktionen dürfte zudem sorgen, dass sich Riexinger jetzt bereits klar gegen eine Bundestagskandidatur 2013 entschieden hat. Er sei nun „rund um die Uhr für die Partei da“, sagte er der Frankfurter Rundschau. Das schafft einerseits schon einmal ein wenig Übersichtlichkeit in der Debatte um die Spitzenkandidatur, die bereits im Gange zu sein scheint. Andererseits entspricht es dem Wunsch vieler Linken, deutlicher zwischen Funktion und Mandat zu trennen.  Die Antikapitalistische Linke hatte nach dem Parteitag erklärt, nun müsse „die Umklammerung von Parteiarbeit durch parlamentarische Arbeit (…) aufgebrochen werden“; und die Sozialistische Linke sieht die „Stärke der neuen Führung“ vor allem in deren „Verankerung in den Gewerkschaften und sozialen Bewegungen“. (vk)

flattr this!

Neubeginn oder Desaster

Am Freitagmittag trifft sich der Linken-Vorstand in Göttingen, um den Parteitag vorzubereiten. Ein normaler Termin vor Delegiertentreffen, und doch wohnt dem Ganzen etwas Historisches inne: So gespannt war die Lage in der Partei noch nie. Was auch mit dem Kreisel aus schlechten Umfragen, existenziellen Warnungen und medialer Wiederspiegelung des Richtungsstreits zu tun hat. Ein letzter Überblick vor dem Parteitag

„Entweder es gelingt ein Neubeginn, oder es endet in einem Desaster bis hin zu einer möglichen Spaltung.“ - Gregor Gysi in der Süddeutschen Zeitung

„Gibt es eigentlich noch eine Frage zur Sache oder muß ich mich hier nur verteidigen?“ - Dietmar Bartsch im Interview mit der Jungen Welt

„Fast die Hälfte der Deutschen traut der Linkspartei den Wiedereinzug in den Bundestag im kommenden Jahr nicht mehr zu.“ - Umfrage von YouGov im Auftrag der dpa

„A kriegt B und dafür C nicht, das ist nicht mein Ding. Die Lage ist sehr offen – und spannend.“ - Jan van Aken im Interview mit dem Tagesspiegel

„Katja Kipping und Katharina Schwabedissen wären nicht aus der Deckung gekommen, wenn die Partei nicht kurz vor dem Scheitern stehen würde.“ Adrienne Goehler im Interview mit dem Neuen Deutschland

“Für sozialistisches Profil und linke Pluralität: Unterstützung der Kandidatur von Bernd Riexinger als Parteivorsitzender” - Erklärung der Sozialistischen Linken

“Mit ihm an der Spitze ergibt sich die große Chance, dass die Partei zusammenwächst und bundesweit in ihrer Bedeutung wesentlich zulegt” - Aufruf linker Frauen zur Wahl von Dietmar Bartsch

flattr this!

Man trifft sich

Vor dem Göttinger Parteitag treffen sich wie üblich die Strömungen: Den Anfang machen die Antikapitalistische Linke, der Geraer Dialog sowie das Marxistische Forum am Freitag um 18.30 Uhr. Man hat sich zunächst auf dem Parkplatz hinter der Lokhalle – dem Veranstaltungsort – verabredet und dann auch nicht viel Zeit. Denn anderthalb Stunden später beginnt bereits das Vortreffen der Sozialistischen Linken, das inzwischen erweitert wurde und zu dem nun auch AKL und MF ins Intercity Hotel einladen. Man wolle mit „all denen“ beraten, „die auf dem Parteitag für einen Parteivorstand und Leitantrag eintreten wollen, der das beschlossene Programm als die zentrale Grundlage sieht, mit der wir die Partei wieder aus der Krise führen können“. Erst am Samstag um 9 Uhr kommen die Delegierten zusammen, die sich dem Forum demokratischer Sozialismus verbunden fühlen – der Ort wird noch bekannt gegeben. Auch hier wird es um das Abstimmungsverhalten zu den Anträgen und vor allem natürlich bei den Wahlen zum Linken-Vorstand gehen. (vk, Foto: Lokhalle Göttingen)

flattr this!