Liebe Anti-Atom-Aktive,
aufgrund vertraglicher Regelungen gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum Neubau von zwei Reaktorblöcken am tschechischen Atomkraftwerks Temelin Stellung zu nehmen.
Die tschechische Regierung plant, zwei neue Reaktorblöcke am Atomkraftwerk Temelin zu bauen. Temelin ist aber schon seit Jahren dafür bekannt, extrem störanfällig zu sein. In vielen anderen europäischen Staaten würden die derzeit im Betrieb befindlichen Reaktorblöcke sofort stillgelegt. Auch die Planungen für die beiden neuen Reaktorblöcke wären in Deutschland aufgrund fehlender Sicherheitsvorkehrungen nicht genehmigungsfähig.
Helft mit einer Einwendung an das Tschechische Umweltministerium mit, im Rahmen der grenzüberschreitenden UVP Stellung gegen die neue Reaktorblöcke zu beziehen. Bis zum 5. Juni sind die Einwendungen noch möglich. Die NaturFreunde werden die Stellungnahmen direkt an das Tschechische Umweltministerium weiterleiten und kurz vor dem 5. Juni die Petitionen direkt an die Botschaft der Tschechischen Republik öffentlichkeitswirksam überreichen.
Die NaturFreunde Deutschlands haben eine Seite eingerichtet, um möglichst viele Einwendungen gegen den Neubau der Reaktorblöcke zu sammeln. Die Einwendungsfrist läuft bis zum 05. Juni 2012. Bitte unterschreiben.
Hier könnt Ihr unterschreiben:
http://www.euratom-nein-danke.de/start/temelin/einwendung-gegen-temelin/
Beste Grüße
Uwe Hiksch
Text der Einwendung:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Im Rahmen der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu der geplanten Erweiterung des Kernkraftwerkes Temelin in der Tschechischen Republik nehme ich wie folgt Stellung:
Bereits die Umweltverträglichkeitsprüfung für die Reaktoren drei und vier macht deutlich, dass es sich hierbei nicht um eine objektive Untersichtung handelt. Umweltschutz und Atomkraft sind ein Widerspruch in sich. Deshalb lehne ich den Bau weiterer Atomreaktoren in Temelin strikt ab.
Begründung:
Der gesamte Produktionsprozess für die Herstellung von Brennelementen belastet die Umwelt massiv. Beim Abbau von Uran werden zehntausende von Menschen verstrahlt und riesige Regionen in den Abbauländern radioaktiv belastet. Gerade die Lebensgrundlagen indigener Völker werden in diesen Regionen massiv bedroht. Aber auch der Abbau von Uran in den Ländern der Europäischen Union hat sich als umweltpolitische Zeitbombe erwiesen. Sowohl beim Abbau in Deutschland als auch in der Tschechischen Republik sind riesige Abraumhalden mit radioaktiv verseuchten Materialien angefallen, die heute mit riesigem Kostenaufwand notdürftig abgesichert werden. Diese gravierenden Umweltprobleme werden bei der Beurteilung der Umweltfolgen des Neubaus von Reaktoren in Temelin einfach ausgeklammert und in keiner Weise bei der Beurteilung der Umweltauswirkungen der Atomkraft berücksichtigt.
Auch die Strahlenbelastung durch den laufenden Betrieb von Atomkraftwerken hat bereits in geringsten Dosierungen unmittelbare Auswirkungen auf die Menschen in deren Umgebung. In mehreren Studien wurde auf den Zusammenhang von erhöhten Krebsfällen zur räumlichen Nähe von Atomkraftwerken hingewiesen. Die deutsche Kinderkrebsstudie (KiKK) aus dem Jahr 2007 wird bei der Umweltverträglichkeitsprüfung und den direkten Folgen des Neubaus von Atomreaktoren in Temelin in keiner Weise ausreichend gewürdigt. Hier wird in der Umweltverträglichkeitsprüfung gegen das Vorsorgeprinzip verstoßen.
Es gibt bisher weltweit keine Lösung für eine möglichst sichere Lagerung der hochradioaktiven abgebrannten Brennstäbe – und des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls. Die Tschechische Republik ist keine Ausnahme. Bereits heute produziert sie mit ihren Reaktoren große Mengen an hochradioaktivem Abfall, der seit Jahrzehnten in sogenannten “Zwischenlagern” deponiert wird. Eine verantwortbare Lösung ist nicht absehbar. Der Bau von neuen Reaktoren führt nicht nur zur Zunahme von weiterem radioaktiven Müll, sondern auch, dass den zukünftigen Generationen eine unverantwortbare Hinterlassenschaft zugemutet wird. Internationale Experten gehen davon aus, dass ein Endlager für eine Million Jahre „sicher“ sein muss. Dies wird in der Umweltverträglichkeitsprüfung ebenfalls in keiner Weise ausreichend berücksichtigt.
Auch die Gefahr der militärischen Verbreitung der radioaktiven Materialien im Laufe der nächsten Jahrhunderte und die potenzielle Gefahr, die Atomkraftwerke als Ziele für terroristische Angriffe darstellen, werden in der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht ausreichend untersucht.
Unbestritten ist, dass im Falle eines atomaren Unfalls eine weiträumige und auf Jahrzehnte andauernde radioaktive Verseuchung droht! Die Behauptung, dass dieser Fall faktisch nicht eintreten wird, ist unwissenschaftlich und mit einer verantwortlichen Risikoabwägung nicht zu vereinbaren. Auch deshalb ist die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht akzeptabel und muss wiederholt werden.
Die gesamte Seriosität der Umweltverträglichkeitserklärung wird durch die Tatsache infrage gestellt, dass die tschechischen Gutachter davon ausgehen, dass die Reaktoren Temelin drei und vier keinerlei Umweltauswirkungen haben werden, ohne zu wissen, welcher Atomreaktor überhaupt gebaut wird! Die Entscheidung über die Auswahl des Reaktortyps wird erst nach dem Ende der „Umweltverträglichkeitsprüfung“ fallen! Diese Vorgehensweise ist in höchstem Maße unseriös und deshalb abzulehnen!
Ich lehne die Pläne für den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin ab. Die Regierung der Tschechischen Republik bitte ich, von diesen Plänen Abstand zu nehmen und in Tschechien endlich eine Energiewende einzuleiten. Die jetzigen Planungen beruhen auf einer zentralisierten Energieversorgung, die mit einer in die Zukunft gerichteten Energieversorungsstruktur nichts zu tun haben.