Bangladesch

ECCHR: Deutsche Unternehmen müssen Verantwortung für Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferbetriebe übernehmen!

PRESSEMITTEILUNG

 

Deutsche Unternehmen müssen Verantwortung für Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferbetriebe übernehmen!

 

ecchr13.5.2013 Berlin/Frankfurt am Main – Medico International und das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) begrüßen die heute von Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz (Bündnis 90/Die Grünen) beim Bundeswirtschaftsministerium eingereichte OECD-Beschwerde gegen KIK, C&A und Karl Rieker wegen des Brandes in einer Zulieferfabrik in Bangladesch.

 

Deutsche Textilhändler haben bislang keine ernsthaften Versuche unternommen, die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken zu verbessern. Dies belegen die verheerenden Brände in Textilfabriken im September 2012 in Pakistan, im November 2012 in Bangladesch und zuletzt der Zusammensturz eines ganzen Fabrikgebäudes Ende April 2013. In Pakistan starben rund 300 Menschen, in Bangladesch insgesamt über 500. Die vielen Toten bei den beiden Bränden waren jeweils auf mangelhafte Sicherheits­vorkehrungen und verstellte Fluchtwege zurückzuführen, obwohl diese Fabriken jährlich von den Unternehmen durch private Audit-Unternehmen vermeintlich auf die Einhaltung der Sicherheitsstandards kontrolliert wurden.

 

Uwe Kekeritz wirft in seiner OECD-Beschwerde den Unternehmen vor, dass sie eine Teilverantwortung am Tod von 112 Menschen tragen, die am 24. November 2012 beim Brand der Tazreen-Fabrik in Dhaka/Bangladesch ums Leben kamen, weil sie aus diesen Fabriken Textilien bezogen. Außerdem wurden mehr als 300 Menschen verletzt – etliche von ihnen schwer. Nur wenige der Opfer und deren Angehörige wurden bisher entschädigt.

 

Da die Unternehmen ihrer Verantwortung gegenüber ihren Arbeiterinnen und Arbeiter in der globalen Lieferkette nicht gerecht wurden, bittet Uwe Kekeritz die Nationale Kontaktstelle um Überprüfung, ob C&A, KiK und Karl Rieker gegen mehrere OECD-Leitlinien verstoßen haben und inwieweit sie Verantwortung gegenüber den Opfern der Brandkatastrophe übernehmen sollten.

 

„Wir begrüßen diese OECD-Beschwerde, weil einmal mehr mit den Unternehmen darüber verhandelt werden muss, dass sie mehr tun müssen, als private Auditoren für die Überprüfung von Sicherheits- und Arbeitsstandards zu beauftragen“, sagt Thomas Seibert von Medico International.

 

„Unternehmen können sich nicht länger hinter dem von ihnen mitentwickelten Netzwerk aus vielen Zulieferbetrieben verstecken. International anerkannte Standards wie die OECD-Leitsätze zeigen, dass Unternehmen eine Verpflichtung haben, effektive Mechanismen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter in Zulieferbetrieben zu ergreifen“, sagt Miriam Saage-Maaß vom ECCHR.

 

Es ist zu hoffen, dass die OECD-Beschwerdestelle im Bundeswirtschaftsministerium effektiv, transparent und fair über die Annahme der Beschwerde entscheiden wird.

—–

PRESS RELEASE

German Companies must take Responsibility for Working Conditions of Suppliers

13.5.2013 Berlin/Frankfurt am Main – Medico International and the European Center fpr Constitutional and Human Rights (ECCHR) welcome the submission of an OECD complaint against clothing companies KiK, C&A and Karl Rieker relating to a fire in a supplier’s factory in Bangladesh. The complaint was submitted today to the German Federal Ministry of Economics and Technology by Member of Parliament Uwe Kekeritz (Alliance ’90/The Greens).

German clothing companies have to date failed to make any serious efforts to improve working conditions in the textile factories. The failure to improve worker safety is evidenced by the devastating fires that occurred in textile factories in Pakistan in September 2012 and in Bangladesh in November 2012 as well as more recently by the collapse of an entire factory building in Bangladesh in late April 2013. Roughly 300 people lost their lives in Pakistan while more than 500 people died in Bangladesh. The high death tolls of both fires were attributable to insufficient safety precautions and blocked exit routes. This is despite the fact that the companies subjected the factories to annual inspections, carried out by private audit companies, ostensibly to check that safety standards were being adhered to.

In his OECD complaint Uwe Kekeritz accuses the companies of being partly responsible for the deaths of 112 people who lost their lives in a fire at the Tazreen factory in Dhaka, Bangladesh on 24 November 2012, since the companies sourced textiles from this factory. A further 300 people were injured; in many cases the injuries were serious. To date only a small number of the victims and their relatives have received compensation.

Since the companies are not fulfilling their obligations towards their workers within the global supply chain, Uwe Kekeritz is calling on the German National Contact Point to examine whether C&A, KiK and Karl Rieker have breached various OECD Guidelines and establish to what extent they should assume responsibility towards the victims of these disasters.

“We welcome this OECD complaint, since yet again it is necessary to establish that these companies need to do more than hire private auditors to carry out examinations of safety and working standards”, says Anne Jung from Medico International.

“Corporations can no longer hide behind the complex supplier networks that they themselves helped to set up. There is an increasingly robust set of internationally recognized standards, like the OECD Guidelines, which show that companies have an obligation to ensure that effective mechanisms are in place for the protection of workers at their supplier companies”, says Miriam Saage-Maaß from ECCHR.

It is hoped that the OECD complaint office within the Ministry will decide in an effective, transparent and fair manner on whether or not to accept the complaint for further examination.

Nach Fabrikeinsturz in Bangladesch: Kampagne für Saubere Kleidung fordert verbriefte Gebäudesicherheit

Kampagne-fuer-Saubere-Kleidung[Berlin, 25. April 2013] – Angesichts der weiteren Katastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch fordert die Kampagne für Saubere Kleidung zusammen mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsgruppen aus aller Welt, die Käufer der bangladeschischen Textilien auf, endlich das bangladeschische Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen. Beim Einsturz des achtgeschossigen Gebäudes Rana Plaza nahe Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, sind nach aktuellen Angaben 167 Menschen ums Leben gekommen. Nahezu 1000 Menschen wurden verletzt. Das Gebäude beherbergte Fabriken in denen Kleidung genäht wurde. Die Fabriken führen international bekannte Marken als Kunden auf. Unter anderem wurden Label der spanischen Marke Mango und der britischen Marke Primark gefunden.

„Es ist unglaublich, dass die internationalen Käufer der Textilien sich immer noch weigern, ein verbindliches Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit mit Gewerkschaften zu unterzeichnen. Wie viele dieser Tragödien müssen noch passieren, bis sich die Unternehmen endlich zu einer Unterschrift bequemen?“, so Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung.

„Im Moment sind die Familien der Opfer in Trauer um ihre Toten und die Gemeinden unter Schock. Aber sie und die vielen Verletzten sind ohne Einkommen und Unterstützung. Soforthilfe und langfristige Kompensationen müssen von jenen Unternehmen gestellt werden, die von Rana Plaza ihre Ware bezogen haben. Sie müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass sie nichts unternommen haben, um diese Tragödie zu verhindern“, so Kirsten Clodius von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Der Fabrikeinsturz zeigt erneut, dass die Selbstverpflichtungen der Unternehmen darin versagt haben, das Leben der ArbeiterInnen zu schützen. Die Kampagne für Saubere Kleidung warnt davor, dass das Sterben in den Textilfabriken Bangladeschs so lange weitergehen wird, bis Unternehmen endlich einem verbindlichen und unabhängigen Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit zustimmen. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert deshalb die Unternehmen nochmals auf, umgehend das Bangladeschische Abkommen zum Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen und umzusetzen. Mit dem Abkommen hat die Kampagne für Saubere Kleidung zusammen mit lokalen wie internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen ein umfassendes Aktionsprogramm entwickelt, das unter anderem unabhängige Gebäudeinspektionen, Trainings zu Arbeitsrechten, öffentliche Auskunftspflicht und eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards vorsieht. Das Abkommen wurde bereits von Tchibo und PVH (Tommy Hilfiger und Calvin Klein) unterzeichnet.

Weitere Informationen

Bangladeschisches Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit (englisch)

Kampagne Saubere Kleidung: Unternehmen müssen endlich Entschädigungen für Brandopfer in Bangladesch zahlen und Brandschutzabkommen unterzeichnen

 

saubere kleidung ccc[Berlin, 15. März 2013] – Mit Online-Protestaktionen via E-Mail und Facebook erhöht die Kampagne für Saubere Kleidung den öffentlichen Druck auf KiK und C&A. Beide Unternehmen müssen endlich Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Opfer des Fabrikbrandes bei Tazreen Fashions in Bangladesch zahlen und das mit Gewerkschaften ausgehandelte Brandschutzabkommen unterzeichnen. Während KiK die Verantwortung in dem Fall von sich weist, hat C&A immerhin Entschädigungszahlungen zugesagt. Die versprochene Direktzahlung von 960 Euro pro verstorbenen Arbeiter deckt aber gerade einmal 4 Prozent der benötigten Gesamtsumme.

„Wir freuen uns, dass C&A grundsätzlich zur Zahlung von Entschädigungen an die Hinterbliebenen bereit ist. Allerdings reicht die Summe bei weitem nicht aus“, so Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung. „Im Gegensatz zu C&A hat KiK sich im Fall Tazreen gar nicht bewegt. Mit dem Druck der Öffentlichkeit fordern wir die Unternehmen deshalb erneut auf, sowohl umfassende Entschädigungszahlungen zu leisten als auch das Brandschutzabkommen zu unterzeichnen“, so Banse weiter.

Die Kampagne für Saubere beklagt darüber hinaus, dass es bisher nicht zu transparenten Verhandlungen mit den Gewerkschaften vor Ort gekommen ist. Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass es auch anders geht: Nachdem im Januar in der Fabrik Smart Export unweit der Tazreen Fabrik bei einem Feuer acht ArbeiterInnen gestorben sind, hat es einen Monat gedauert, bis zwei involvierte Unternehmen mit den lokalen Gewerkschaften Entschädigungen ausgehandelt hatten. Dabei orientierten sich die Unternehmen an bangladeschischen Präzedenzfällen und internationalen Standards. Dies zeigt, wie Unternehmen in einer solchen Katastrophe reagieren können. C&A, KiK und andere bei Tazreen involvierte Unternehmen sind nun aufgefordert, dem Beispiel von Smart Export zu folgen.

Zur Online-Eilaktion der Kampagne für Saubere Kleidung
http://www.saubere-kleidung.de/index.php/eilaktionen/protestaktionen/245-brand-in-tazreen-fabrik-in-bangladesch-familien-warten-seit-monaten-auf-entschaedigung

Zur Facebook-Aktion der Kampagne für Saubere Kleidung
https://www.facebook.com/saubere.kleidung

Weitere Facebook-Aktionen zur Eilaktion
https://www.facebook.com/inkota

Zur Facebook-Seite von C&A
https://www.facebook.com/ca.deutschland

Hintergrundstudie zu den Bränden in Bangladesch und Pakistan „Fatal Fashion“
http://www.saubere-kleidung.de/images/05_pdf/2013/2013_03_13-Faltal-Fashion-Report.pdf

Kampagne Saubere Kleidung: C&A Entschädigungsversprechen und Engagement im Brandschutz unzureichend

 

Kampagne für Saubere Kleidung fordert weitere Schritte

saubere kleidung ccc[Berlin, 08. März 2013] – Nach einem Gespräch mit der Kampagne für Saubere Kleidung sagte C&A den Opfern des Fabrikbrandes der Tazereen Fabrik in Bangladesch Entschädigungszahlungen in Höhe von 1 Millionen US-Dollar zu. Aus Sicht der Kampagne für Saubere Kleidung gehen die Zusagen aber nicht weit genug. Sie fordert deutlich höhere Kompensationszahlungen. Weiterhin verlangt die Kampagne eine Unterzeichnung des mit bangladeschischen Gewerkschaften ausgehandelten Brandschutzabkommens.

„Die Zahlungen von C&A decken gerade mal vier Prozent der Entschädigungssumme, die nach den Berechnungen von bangladeschischen Gewerkschaften von den Opfern gebraucht werden“, so Frauke Banse, Eilaktionskoordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung. „Mit seinen Versprechen fällt C&A weit hinter internationale Standards und etablierte Praktiken in Bangladesch zurück.“

Darüber hinaus versäumt C&A es bisher, lokale Gewerkschaften bei der Festlegung der Entschädigungssumme wie auch bei den Verteilungsmodalitäten einzubeziehen. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert C&A deswegen auf, die Gewerkschaften sowie die anderen betroffenen Unternehmen (in Deutschland ist dies KiK) an einen Tisch zu holen, und sowohl die Entschädigungssumme als auch den Auszahlungsmodus mit allen Steakholdern zu verhandeln.

Bezüglich des Brandschutzabkommens hat C&A eine generelle Bereitschaft gezeigt, das Abkommen zu prüfen. Die Kampagne für Saubere Kleidung begrüßt dies, gibt sich damit aber nicht zufrieden. „C&A hat mehr als zweihundert Zulieferer in Bangladesch und produziert mehr als ein Drittel seiner Kleidung in diesem Land. Das Unternehmen sollte weit mehr tun, um weitere Fabriktote zu verhindern. Die Unterzeichnung des Brandschutzabkommens ist ein zentraler Schritt dahin“, erklärt Banse.

Eine Unterzeichnung ist umso dringender, da das von C&A angekündigte neue Auditierungsverfahren weder die betroffenen ArbeiterInnen involviert, noch transparent ist und keine unabhängigen Überprüfungen vorsieht.

Die Kampagne für Saubere Kleidung wird in den nächsten Wochen ihre Aktivitäten fortsetzen, um von C&A und auch anderen Unternehmen, die in der Tazereen Fashions Fabrik ihre Textilien nähen ließen, Entschädigungszahlungen einzufordern und sie zur Unterzeichnung des Brandschutzabkommens zu bewegen.

ECCHR beteiligt sich an der gerichtlichen Aufklärung des Brandes im KIK-Zulieferbetrieb in Pakistan

 

PRESSEMITTEILUNG


Unterstützung durch medico international und der Kampagne für Saubere Kleidung/ INKOTA-netzwerk

 

ecchrBerlin, den 7. März 2013 – Während einer Pakistan-Reise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und von medico international haben Betroffene des großen Fabrikbrandes vom 11. September 2012 und deren gewerkschaftliche Vertreter das ECCHR aufgefordert, sich direkt an der juristischen Aufarbeitung in Pakistan zu beteiligen. Über einen lokalen Anwalt wird ECCHR deshalb Antrag auf Zulassung zum Verfahren stellen.

Am 11. September 2012 starben im pakistanischen Karachi über 280 Arbeiterinnen und Arbeiter im bisher größten Brand einer Textilfabrik. 70% der Produktion der abgebrannten Fabrik Ali Enterprise gingen nach eigenen Angaben an den deutschen Discounter KIK. Die Fabrik wurde drei Wochen vor dem Brand mit dem Siegel SA 8000 zertifiziert, mit dem hohe Sicherheitsstandards garantiert werden sollen. Während KIK sich vorläufig auf Entschädigungszahlungen mit lokalen pakistanischen Organisationen geeinigt hat, zeigt das italienische Zertifizierungsunternehmen RINA bisher kein Interesse, sich an einer Wiedergutmachung zu beteiligen.

In Pakistan läuft derzeit ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die Fabrikbesitzer. Zwei weitere Klagen des Anwalts der Betroffenen richten sich gegen die Nachlässigkeit der für die Auf­klärung der Hintergründe des Brandes zuständigen pakistanischen Aufsichts- und Strafverfol­gungs­behörden. Die Betroffenen sowie die sie begleitende Gewerkschaft NTUF und die Menschen­rechts­organisation PILER fordern insbesondere Aufklärung zur Verantwortung des Zertifizierers RINA.

„Die Intervention des ECCHR in den lokalen Verfahren wird unseren Behörden deutlich machen, dass sie unter internationaler Aufsicht stehen“, sagt Nasir Mansoor von der NTUF. „Wir hoffen, dass sie unter diesem Druck effektiver arbeiten als bisher.“

„Es ist zunächst die Verantwortung der Justiz in Pakistan, die Hintergründe des Brandes und insbesondere die Rolle der internationalen Unternehmen umfassend aufzuklären“, sagt Thomas Seibert von medico international.

„Sollten die Verfahren in Pakistan jedoch für die Betroffenen zu keinen befriedigenden Ergebnissen führen, erwägen wir juristische Schritte in Europa gegen die europäischen Unternehmen“, so Miriam Saage-Maaß vom ECCHR.

„Auditfirmen in der globalen Lieferkette der Textilindustrie stehen seit Jahren in der Kritik, da Zertifizierungen unzureichend sind und häufig ganz versagen. Der Fall Ali Enterprise in Pakistan zeigt deutlich, dass auch die Audit-Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden müssen“, sagt Frauke Banse, Eilaktionskoordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung.

INKOTA-CCC: Erneut Brandopfer bei KiK-Zulieferer in Bangladesch

inkota[Bonn/ Berlin, 29. Januar 2013] – Bei einem weiteren Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind am vergangenen Samstag (26. Januar) erneut sieben Arbeiterinnen ums Leben gekommen. An der Brandstelle wurden Label des Textildiscounters KiK gefunden. KiK und C&A sind bisher nicht, wie von der Kampagne für Saubere Kleidung gefordert, dem Brandschutzabkommen beigetreten. Auch die Entschädigungen für die Opfer des Brandes in der Tazreen-Fabrik vor zwei Monaten sind noch immer offen. Damals waren 112 Menschen gestorben.

Dieses Mal hat es in der Fabrik Smart Export Garments gebrannt. Da das Feuer in der Mittagspause ausbrach, befanden sich glücklicherweise die meisten der 300 Arbeiterinnen außerhalb des Gebäudes. Dennoch mussten sieben Arbeiterinnen sterben, vier waren jünger als 17 Jahre. An der Brandstätte wurden Labels der Firma KiK gefunden, aber auch von spanischen und französischen Unternehmen.

Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) klagt an: „Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis endlich europäische Modemarken und Einkäufer handeln und für umfassende Sicherheit und Arbeitsschutz bei ihren Lieferanten Sorge tragen?“

Das von bangladeschischen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen entwickelte Brandschutzabkommen wäre in diesem Zusammenhang ein wichtiger Vorstoß. Bisher wurde dieses auf europäischer Seite nur von Tchibo unterzeichnet. Seit Monaten fordert die internationale Kampagne für Saubere Kleidung, dass weitere Unternehmen dem Abkommen beitreten, damit es in Kraft treten kann. Metro, C&A, KiK und Lidl wurden direkt angefragt. Das EU-Parlament hat am 17. Januar 2013 das Brandschutzabkommen ebenfalls begrüßt und alle Markenunternehmen aufgefordert, diese Bemühungen zu unterstützen.

Außerdem wird erwartet, dass die Unternehmen rasch die dringend benötigten Entschädigungen für verletzte Arbeiterinnen, für Nothilfe und medizinische Versorgung zahlen. „Zahlreiche Näherinnen wurden nach dem Brand in der Tazreen-Fabrik in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie mussten sich verschulden, um die Rechnung zu bezahlen. Wer hilft diesen Frauen, die verletzt und arbeitsunfähig geworden sind“, fragt Frauke Banse, Koordinatorin der Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung. Gemeinsam mit Partnern in Bangladesch berechnete die Kampagne für Saubere Kleidung, dass mindestens 3 Millionen Euro Entschädigung an die Familien der Opfer des Brandes in der Tazreen-Fabrik gezahlt werden müssen.

 

saubere kleidung ccc

 

 

 

 

Bisher hat KiK jede Zahlung von Entschädigung für die Opfer abgelehnt, weil es zum Zeitpunkt des Brandes keine Aufträge platziert hatte, dort aber von 2009 bis Mitte 2012 produzieren ließ. Ganz offensichtlich hat sich KiK um Brandschutzsicherheit auch damals nicht gekümmert.

Die Gewerkschaften in Bangladesch rufen zur sofortigen Festnahme der Fabrikbesitzer auf. Der Besitzer der Tazreen-Fabrik ist immer noch auf freiem Fuß. Seit der Brandkatastrophe sind die Gewerkschaften fast täglich auf der Straße und fordern Gerechtigkeit von ihrer Regierung und ihren Unternehmern.

Weitere Informationen

Forderungen der Gewerkschaften und der CCC bezüglich des Brandes in der Tazreen-Fabrik (englisch)

Bisherige Antworten von Unternehmen auf die Forderungen

Zusammenfassung des Brandschutzabkommens

Resolution des EU-Parlaments zu den Bränden in Bangladesch

INKOTA: Aktion vor dem Bundestag: So schützt die Bundesregierung Unternehmen – und tritt dabei Menschenrechte mit Füßen!


[Berlin, 5. Dezember 2012] – Die verheerenden Brände in den Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan machen einmal mehr deutlich: Die Bundesregierung muss endlich konsequent die Menschenrechte in der Modebranche wahren, statt sich immer wieder schützend vor die Unternehmen zu stellen und die Verantwortung auf die KonsumentInnen abzuwälzen. Mit einer Protestaktion anlässlich des Tages der Menschenrechte am 10. Dezember fordern AktivistInnen der Kampagne für Saubere Kleidung von der Bundesregierung deshalb verbindliche Regeln für Unternehmen, die mehr Transparenz und die Haftbarmachung für Schäden an Mensch und Umwelt in der weltweiten Lieferkette gewährleisten. Die AktivistInnen ziehen vor den Deutschen Bundestag und verleihen mit einem provokativen Straßentheater ihren Forderungen Nachdruck.

Gerangel, Hektik und Jubelschreie vor dem Bundestag: Eine Traube von Menschen stürzt sich auf schicke und trendige Klamotten. Freudenstürme brechen aus, über die billigen Schnäppchen. Plötzlich halten die Beteiligten inne, Fragezeichen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. „Woher kommen die Kleidungsstücke eigentlich?“ fragt eine Frau. „Wer hat sie wohl genäht und was dafür verdient, wenn das T-Shirt so billig ist?“ fragt ein Anderer. Sie wollen mehr wissen über die Produkte, die sie kaufen, und machen sich auf die Suche nach den Verantwortlichen. Doch bevor sie zu den Unternehmen vordringen, die ihnen eine Antwort schuldig sind, treten Kanzlerin Merkel und Bundesarbeitsministerin von der Leyen auf und stellen sich schützend vor die deutsche Industrie.

Mit dieser Szene macht die Kampagne für Saubere Kleidung, darauf aufmerksam, dass nicht nur die KonsumentInnen gefragt sind, wenn es um die Einforderungen von Unternehmensverantwortung geht. „Die Bundesregierung spielt eine entscheidende Rolle“, sagt Anna Weber von der INKOTA-Aktionsgruppe. „Merkel und Co. müssen sich endlich für die Rechte der Menschen stark machen statt nur für die, der Unternehmen“.

Vor allem auf EU-Ebene kann davon aber bisher nicht die Rede sein. Die Bundesregierung blockiert hartnäckig die so genannte Transparenzrichtlinie der EU-Kommission, welche die Offenlegungspflichten für Unternehmen verpflichtend machen will. Unter der Federführung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zusammen mit den Unternehmensverbänden BDI und BDA geht die Bundesregierung gegen den Vorschlag der EU-Kommission vor.

Die Brände in Bangladesch und Pakistan zeigen, dass die Blockadehaltung der Bundesregierung inakzeptabel ist. Deshalb fordert die Kampagne für Saubere Kleidung:

  1. Haftbarmachung der Unternehmen für die gesamte Lieferkette,
    1. Transparenz: Einführung von Offenlegungspflichten für Unternehmen,
  2. Klagemöglichkeiten für Geschädigte.

Hintergrundinfos zum Brand in Bangladesch

Hintergrundinfos zur Kampagne für Saubere Kleidung

Protestaktion zum Tag der Menschenrechte

Wann: 10. Dezember 2012, um 11 Uhr

Wo: Vor dem Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

INKOTA: Killer-Jeans: Unternehmen lassen trotz Verzichtserklärungen immer noch Sandstrahltechnik zu

 

 

 

 

 

 

 

[Berlin, 29. März 2012] – Gut ein Jahr nach dem Start der internationalen „Killer-Jeans“-Kampagne der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) zeigt eine neue Studie, dass die gesundheitsschädliche Sandstrahltechnik in vielen Zulieferbetrieben der Modeindustrie immer noch zum Einsatz kommt. Die Studie belegt, dass sich nach dem in 2009 erfolgten Verbot der Sandstahltechnik in der Türkei ein Großteil der Jeansproduktion auf weniger regulierte Länder wie Bangladesch verlagert hat.

Für den Bericht „Deadly Denim“ hat die CCC in bangladeschischen Fabriken recherchiert, ob das von vielen Markenfirmen – wie z.B. H&M, Levi’s, C&A, Esprit, Lee, Zara – ausgesprochene Sandstrahl-Verbot auch dort umgesetzt wird. Die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd.

„In der Fabrik sieht es aus wie in einer Wüste während eines Sandsturms“, beschreibt einer der interviewten Arbeiter die Situation. Er und seine KollegInnen leiden an Atemproblemen und chronischem Husten und werden gezwungen, bis zu 12 Stunden in den veralteten, staubigen Fabriken auszuharren. „Es ist unmöglich, die von den Auftraggebern geforderten Designvorgaben in der Kürze der Zeit mit andern Techniken als dem Sandstrahlen zu erfüllen“, so ein Fabrikmanager. In manchen Fabriken wird der Sandstrahlprozess gar bewusst auf die Nacht verlegt, um mögliche Inspektionen zu umgehen. Fast die Hälfte der befragten ArbeiterInnen identifizieren H&M, Levi’s, C&A, D&G, Esprit, Lee, Zara and Diesel als Käufer der in ihrer Fabrik hergestellten Produkte. Bis auf D&G hatten alle Firmen im letzten Jahr als Reaktion auf den Druck der „Killer-Jeans“-Kampagne das Sandstrahlen verboten.

Die Recherche dokumentiert weiter, dass neben dem manuellen auch das Kabinensandstrahlen in Bangladesch tödliche Risiken bringt. Die Kabinen sind zumeist nicht komplett abgedichtet, sodass der Staub entweichen kann und weitere Personen, die im gleichen Raum z.B. Sortier- oder Putzarbeiten ausführen, gefährdet werden. Zudem wurde festgestellt, dass medizinisches Fachpersonal in Bangladesch kaum über den Zusammenhang von Sandstrahlen und Silikose informiert ist. Erkrankte ArbeiterInnen werden daher oft nicht korrekt diagnostiziert und behandelt.

„Es ist schockierend, dass Unternehmen das Sandstrahlen verbieten, um ihren Ruf zu retten, gleichzeitig aber weiterhin die Arbeiterinnen und Arbeiter einer tödlichen Gefahr aussetzen!“, kritisiert Lars Stubbe, Eilaktionskoordinator der Kampagne für Saubere Kleidung bei INKOTA. „Markenfirmen müssen ihre Designvorgaben so anpassen, dass Jeans nicht sandgestrahlt werden müssen. Außerdem müssen sie sämtliche Formen dieser „Veredelungspraxis“ verbieten und für die Überprüfung des Verbots mit lokalen Gewerkschaften und NGOs kooperieren“, so Stubbe weiter. Markenfirmen sollen nur noch in Zulieferbetrieben produzieren, die weder manuell noch in Kabinen sandstrahlen lassen. Auf der politischen Ebene verlangt die CCC, dass die Regierungen von Produktionsländern nationale Sandstrahlverbote erlassen und dass die EU und die bundesdeutsche Regierung ein Importverbot für sandgestrahlte Jeansprodukte prüfen.

 

Weitere Informationen:

Deutsche Zusammenfassung des Berichts „Deadly Denim“

Gesamtbericht „Deadly Denim: Sandblasting in the Bangladesh Garment Industry“ (englisch)

Pressemappe mit Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen