„Produziert die Globalisierung mehr Verlierer als Gewinner?“ – unter diesem Motto diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und sozialen Bewegungen am heutigen Montag in der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried. Vor knapp 100 Schülerinnen und Schülern ging man unter anderem der Frage nach, ob Armut in Entwicklungsländern eine unweigerliche Folge der Globalisierung ist und wie Globalisierung gerecht gestaltet werden kann.
Dirk Müller, Börsenexperte und „Mr. Dax“ verwies darauf, dass Globalisierung keine gottgegebene Entwicklung sei und von der Politik gesteuert werden könne. Er brachte die Idee einer Werte-orientierten Freihandelszone ein, in der nur jene Staaten Mitglied sein dürften, die ökologische Mindeststandards erfüllten und auf Kinderarbeiten verzichteten. Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Linksfraktion und Spitzenkandidat der Baden-Württembergischen LINKE ergänzte, dass gerade Deutschland eine äußerst aggressive Rolle in dem Prozess der Globalisierung einnehme und andere Staaten zu Lohndumping und Sozialabbau dränge. Gleichwohl gehöre ein Großteil der hiesigen Bevölkerung aufgrund der Ausbreitung von Minijobs und anderen, prekären Beschäftigungsverhältnissen zu den Globalisierungsverlierern. Dem stimmte auch Stefan Hilbert, Professor für Volkswirtschaftslehre an der DHBW zu.
Einigkeit bestand bei allen Diskussionsteilnehmern in der Gesamtbewertung der Globalisierung – diese bringe derzeit deutlich mehr Verlierer als Gewinner hervor. Anders sah dies nur Jens Brandenburg, Bundestagskandidat der FDP. Dieser freute sich darüber, dass er „im Supermarkt auch im Winter Erdbeeren kaufen“ könne.


