Michaele Sojka

Nicht einschätzbar

Am Montag nach der Landtagswahl treffen sich die Landesvorsitzenden der Linken, „um die aktuelle Situation nach den Wahlen und die Vorbereitung des Bundesparteitags zu diskutieren“. Zugleich will sich die Runde für die Zusammenkunft mit dem geschäftsführenden Vorstand am Dienstag präparieren, bei der, wie Klaus Ernst angekündigt hat, über die Kandidaturen für den Göttinger Parteitag gesprochen werden soll. Die Einladung zu dem Treffen unmittelbar nach der so wichtigen Wahl in Nordrhein-Westfalen wurde von Matthias Höhn formuliert und ging, weil „nicht abschließend einschätzbar ist, welche Genossinnen und Genossen sich in der kommenden Woche oder danach zu einer Kandidatur für eine herausgehobene Funktion entschließen“, auch an die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes sowie an Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Dietmar Bartsch – selbstverständlich, heißt es in der Email weiter, stehe die Beratung auch anderen offen.

Wohl aufgrund dieser Formulierung stellte die Antikapitalistische Linken die interne Email ins Netz. Das wiederum wurde auf Facebook als Versuch kritisiert, eine strömungsübergreifende aber vertrauensvolle Runde von gewählten Verantwortlichen „ins Lächerliche zu ziehen und ihm den Anschein einer dubiosen Hinterzimmerkungelei zu verpassen“, ein anderer Kommentator sprach vom Anschein „plumper Denunziation“. Aus den Reihen des Koordinierungskreises der AKL dagegen hieß es, in der Email seien ausdrücklich auch andere eingeladen worden, “von daher wäre es doch schade, der Weltöffenltichkeit diese Einladung vorzuenthalten”. Matthias Höhn darauf in einer weiteren Email: “Niemand soll mir bitte erzählen, hier handelte es sich um die Herstellung von Transparenz und Mitgliederbeteiligung”. Es gehe “hier einzig und allein darum, die geknüpften Gesprächsfäden zu kappen, mühsam geschaffene Vertrauensebenen kaputt zu machen und auch Personen öffentlich zu denunzieren.”

Derweil bekommt Dietmar Bartsch für seine Bewerbung als Linkenchef weitere Unterstützung: Wie mehrere Zeitungen berichten, haben sich neun Kommunalpolitiker aus Thüringen für den Mecklenburger ausgesprochen. „Wir sind bei den letzten Wahlen Landrätinnen, Oberbürgermeisterin, Bürgermeisterin und Bürgermeister in Thüringen geworden“, heißt es in einem Schreiben. „Unsere Wahl ist ein Erfolg für unsere Partei als linke Volkspartei und die Anerkennung für langjährige erfolgreiche Arbeit vor Ort. Wir wollen, dass dieser politische Kurs verstärkt wird und unterstützen deshalb die Kandidatur von Dietmar Bartsch als Parteivorsitzender.“ Der frühere Bundesgeschäftsführer äußerte sich laut Neues Deutschland erfreut „über jede Unterstützung. Über diese besonders.“ Die Junge Welt meint zu der Kandidatenhilfe: “Realo-Linke düpieren Parteichef”, die Pesonaldebatte gehe “ungeniert weiter – obwohl Parteichef Klaus Ernst noch am Montag die Fokussierung auf Personalfragen als Ursache für das Wahldebakel in Schleswig-Holstein ausgemacht hatte”.

Unterzeichnet ist der Unterstützerbrief an Bartsch von Petra Enders, Landrätin des Ilm-Kreises, Birgit Keller, Landrätin des Landkreises Nordhausen, Michaele Sojka, Landrätin des Landkreises Altenburger Land, Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach, Frank Fiebig, Bürgermeister von Gräfenroda, Ralf Hauboldt, Bürgermeister von Sömmerda, Karl Koch, Bürgermeister von Brotterode/Trusetal, Frank Persike, Bürgermeister von Bad Blankenburg und Marianne Reichelt, Bürgermeisterin von Neuhaus am Rennweg. Dass nur neun der zehn erfolgreichen Linke-Kandidaten der Kommunalwahlen für Bartsch in die Bütt springen, hat übrigens einen einfachen Grund: Die Bürgermeisterin von Kahla, Claudia Nissen, ist kein Mitglied der Linkspartei. (tos)

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