Sportpolitik

NaturFreunde: Fanprojekte statt Konfrontation fördern

DFL-Sicherheitskonzept: Fanprojekte statt Konfrontation fördern

NaturFreunde Deutschlands: Fußball spiegelt in spezieller Form die Entwicklung der Gesellschaft

 

Berlin, 11. Dezember 2012 – Vor der Abstimmung über das umstrittene Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat der auch im Sportbereich tätige NaturFreunde-Bundesvorstand die Politik und insbesondere die Landesinnenminister davor gewarnt, den Kurs gegen die Fankultur in Fußballstadien zu verschärfen. „Fangewalt hat auch soziale Gründe.“

 

Die sicherlich besorgniserregenden Entwicklungen würden einseitig den Fans zugeschrieben, obwohl ihre Wurzeln in einer zunehmend autistischen Gesellschaft lägen, erklärte Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. „Die Innenminister zeigen die Muskeln und heraus kommen unsinnige Vorschläge wie etwa die Abschaffung von Stehplätzen, die letztlich nur die Kommerzialisierung des Fußballs in immer neue Höhen treiben. Die gesellschaftlichen Ursachen der zunehmenden Gewalt aber werden verdrängt“, so Müller.

 

Innenminister sollten Norbert Elias und Eric Dunning lesen

Wer nicht erkenne, dass Fangewalt auch soziale Gründe habe, löse kein Problem. Michael Müller: „Im Fußball spiegelt sich in spezieller Form die Entwicklung der Gesellschaft wieder. Das haben beispielsweise die Soziologen Norbert Elias und Eric Dunning nachgewiesen. Viele Innenminister haben hier offenkundige Wissenslücken. Sie sollten vielmehr in Fanprojekte investieren als in lautstarke Parolen.“

 

Natürlich müsse in den Sportstätten – wie in der Gesellschaft auch – die Gewalt eingedämmt werden. Das aber dürfe nicht dazu führen, dass durch martialisches Auftreten eine Spirale der Konfrontation provoziert und neue Gewalt gefördert werde. Im Ergebnis stände dann keine Deeskalation, sondern nur eine Verlagerung von Gewalt.

 

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Vereinsführungen, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Verantwortlichen in der Politik auf, Fanprojekte statt Konfrontation zu fördern. „Das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) muss mit den Fans und nicht gegen sie weiterentwickelt werden“, betonte Müller.

NaturFreunde: IOK muss Einhaltung sozialer Mindeststandards sicherstellen


Chinesische Näher haben keine Freude an olympischen Maskottchen Wenlock & Mandeville

 

Berlin, 24. Juli 2012 – Anlässlich der am 27. Juli  in London beginnenden Olympischen Spiele erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

 

Die ersten Verlierer der Olympischen Sommerspiele stehen schon fest: Tausende chinesische Näher haben zum Teil mehr als 14 Stunden täglich die olympischen Merchandising-Artikel anfertigen müssen, ohne dass sie dafür einen existenzsichernden Lohn erhalten hätten. Dabei wird der zu erwartenden Umsatz mit entsprechenden Plüschtieren oder Rucksäcken auf mehr als 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

 

Zwar hatte das „Londoner Organisationskomitees der Olympischen und Paralympischen Spiele“ (LOCOG) nach anhaltendem Druck von Menschenrechtsorganisationen sowie der Kampagne „Play Fair“ (www.play-fair.org) einen Musterkodex angenommen und von Lizenznehmern verlangt, dass entsprechende Prüfberichte aus den Produktionsstätten vorgelegt werden. Auch wurde ein Beschwerdeverfahren einführt, welches Betroffenen theoretisch die Möglichkeit geben sollte, gegen die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen vorzugehen.

 

Allerdings ist es bisher zu keiner realen Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der Lizenznehmer gekommen, da sich das LOCOG auf die Prüfberichte der Lizenznehmer verlässt. Dabei fußen die Berichte auf meist eintägigen Betriebsprüfungen, die die Arbeitsbedingungen vor Ort kaum erfassen konnten. Zudem bestätigten viele Beschäftigte gegenüber der Kampagne „Play Fair“, dass ihnen angedroht wurde, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sollten sie bei diesen Betriebsprüfungen die Wahrheit sagen.

 

Kodex für menschenwürdige Arbeit wurde nicht ausreichend überprüft

Auch für die Produktion von Wenlock und Mandeville, den beiden Maskottchen der Olympischen Sommerspiele, hatte das LOCOG zugesagt, unmenschliche und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen nicht weiter zu tolerieren. Dafür wurde ein Kodex aufgestellt, der mit dem Kodex der „Ethical Trading Initiative“ (Initiative für einen moralisch einwandfreien Handel) vergleichbar sein sollte.

 

Dieser Kodex sollte den Arbeitern einen existenzsichernden Lohn, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsplatzsicherheit garantieren, zudem das Recht, Gewerkschaften zu gründen oder sich eine Interessenvertretung zu wählen. Auch Kinder- und Zwangsarbeit sind nach dem Kodex untersagt.

 

Doch die Realität in den Zulieferbetrieben sieht anders aus: Die Arbeiter mussten monatlich bis zu 100 Überstunden leisten, obwohl nach dem chinesischen Gesetz nur 36 Überstunden erlaubt sind. Manche Arbeiter machten 24-Stunden-Schichten oder arbeiteten sieben Tage die Woche, wobei die gesetzlich vorgeschrieben Überstundenzuschläge verweigert wurden.


Deshalb fordern die NaturFreunde Deutschlands:

> Das Internationale Olympische Komitee (IOK) muss endlich Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern der Merchandising-Artikel übernehmen.

> Die nationalen Olympischen Organisationskomitees müssen bereits bei den Bewerbungen für die Olympischen Spiele verpflichtet werden, eine umfassende Überprüfung der Lieferketten aufzubauen, um unmenschliche Arbeitsbedingungen zu verhindern.

> Alle Sponsoren-Verträge müssen so weiterentwickelt werden, dass international anerkannte Mindestnormen für Arbeitsbedingungen festgeschrieben und Sponsoren, die diese Mindestnormen nicht einhalten, von den Olympischen und Paralympischen Spielen ausgeschlossen werden.

 

NaturFreunde Deutschlands – auch ein sozial-ökologischer Sportverband

Die NaturFreunde sind auch ein Sportverband. Wir setzen uns ein für die Förderung des Breitensports und lehnen die ungehemmte Kommerzialisierung der großen Sportereignisse ab. Denn wir akzeptieren nicht, dass durch die Organisation derartiger Großereignisse sozial schwache Menschen noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Im Rahmen unserer internationalen Arbeit werden wir uns für eine Veränderung dieser Situation und im Rahmen der Sportbewegung für eine Abkehr von der derzeitigen Fixierung auf solche Großereignisse einsetzen.

NaturFreunde: Der Homophobie im Sport muss aktiv entgegengetreten werden


NaturFreunde begrüßen SPD-Antrag „Förderung eines offenen Umgangs mit Homosexualität im Sport“

 

Berlin, 25. Mai 2012 – Anlässlich der Debatte im Deutschen Bundestag zum Antrag der SPD-Fraktion „Förderung eines offenen Umgangs mit Homosexualität im Sport“ erklären Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands, und Wolfgang Spindler, Bundesfachbereichsvorstand Natursport und Wandern:

 

Die NaturFreunde Deutschlands begrüßen ausdrücklich, dass mit dem Antrag der SPD-Bundestagsfraktion die Debatte über Homophobie im Sport auf die Tagesordnung des Deutschen Bundestages gesetzt wurde. Dass die Regierungskoalition den SPD-Antrag abgelehnt hat, ist dabei nur noch unter taktischen Aspekten zu verstehen.

 

Denn Homosexualität im Sport ist weiterhin ein Tabuthema. Durch die traditionell einseitige Fixierung des Sports auf Höchstleistungen werden unterschiedliche sexuelle Orientierungen mindestens ausgeblendet, häufig sogar diskriminiert. Nicht selten sind homosexuelle Sportler und Trainer direkten Anfeindungen ausgesetzt und verbergen deshalb ihre sexuelle Identität wie auch ihre Partner. Durch diese Diskriminierungen wird das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, das im Grundgesetz im Artikel 2, Absatz 1 als unveränderbares Menschenrecht festgeschrieben wurde, eingeschränkt.

 

CDU/CSU-Fraktion versteht nicht die Diskriminierung im Sport

Wenn seitens der CDU/CSU-Fraktion argumentiert wird, dass „die sexuelle Orientierung zur Privatsphäre von Sportlern“ gehöre, hat die Fraktion die alltäglich stattfindende Diskriminierung im Sport nicht verstanden. Gerade im Fußball kommt es häufig nicht nur zu Beschimpfungen von einzelnen Spielern, sondern auch zu homophoben Fangesängen und gewalttätigen Übergriffen zwischen den Fans.

 

Ein richtiger Ansatz ist hier der von der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen in ihrem Antrag (Drucksache 16/13394) angeregte nationale Aktionsplan gegen Homophobie. Auch die Forderung, jeder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten, ist richtig. Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen ausdrücklich das Vorhaben, den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepublik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Problemfeld Homophobie zu ergänzen.

 

Die NaturFreunde begrüßen auch die Zustimmung der Fraktionen Bündnis 90 / Die Grünen und der Fraktion DIE LINKE zum SPD-Antrag. Ausdrücklich unterstützen die NaturFreunde Deutschlands den Vorschlag der Fraktion DIE LINKE, dass auch die trans- und intersexuellen Sportler in einer Antidiskriminierungsstrategie entsprechend berücksichtigt werden müssen, da auch sie massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind.

 

Unterschiedliche Neigungen und Fähigkeiten als Bereicherung im Sport erkennen

Nur durch einen offenen gesellschaftlichen Diskurs und der Möglichkeit, sich frei und ohne Nachteile zur eigenen sexuellen Identität bekennen zu können, kann der homophoben Ausgrenzung aktiv entgegengetreten werden. Homophobe Tendenzen im Sport widersprechen einem integrativen, toleranten Sportverständnis und dürfen nicht toleriert werden. Die NaturFreunde Deutschlands treten ein für ein Sportverständnis, welches ohne jegliche Diskriminierung und Ausgrenzung auskommt: Gerade Menschen mit unterschiedlichen Ausrichtungen, Neigungen und Fähigkeiten müssen als Bereicherung im Sport erkannt und auch gefördert werden. Nicht das vermeintlich „Normale“, sondern die Unterschiedlichkeit sollten das Bild des Sportes bestimmen.

 

Ausdrücklich unterstützten die NaturFreunde die Forderungen an die Bundesregierung,

> die Mittel für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) im Haushalt 2012 um 2,7 Millionen Euro auf 5,6 Millionen Euro zu erhöhen;

> sich international dafür einzusetzen, dass jegliche sexuelle Diskriminierung im Sport aktiv angesprochen wird sowie für eine internationale Strategie zur Bekämpfung von Homophobie im Sport einzutreten;

> auch im sportlichen Bereich aktiv für die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Identitäten und unterschiedlicher Lebensweisen zu werben und eine Kampagne „Vielfalt im Sport“ zu beginnen;

> die positiven Erfahrungen aus der Antirassismusarbeit des DFB und der Fanprojekte aufzugreifen und diese auch auf den Bereich der sexuellen Diskriminierung zu übertragen;

> die Förderung von Kooperationsvorhaben zwischen Lesben- und Schwulenverbänden sowie Sportvereinen oder Fanprojekten zu unterstützen;

> Trainer durch spezielle Ausbildungskonzepte für das Thema Homosexualität und Sport zu sensibilisieren;

> ein dezentrales Netz von Beratungsstellen der Sportverbände zu fördern, an die sich von Diskriminierungen betroffene homosexuelle Sportler wenden können;

> wissenschaftliche Forschung über die Mechanismen von „Homophobie im Sport“ sowie mögliche Gegenstrategien, etwa im Rahmen der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld oder des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, gezielt zu fördern.

 

NaturFreunde: ein Sportverband für den Breitensport

Die NaturFreunde Deutschlands haben vier sportliche Fachgruppen (Bergsport, Kanusport, Schneesport, Wandern) mit 28 qualitativ hochwertigen Ausbildungsgängen, mehr als 1.000 aktiven Trainern und Tourenführern mit speziellem Sportausweis, davon etwa 240 Wanderleiter, 70 Kanusportler, 300 Bergsportler, 480 Schneesportler sowie rund 30 Skischulen.

 

Im Mittelpunkt des NaturFreunde-Sports steht der Mensch in seiner nachhaltigen Beziehung zu Natur und Umwelt. Unsere Sportler müssen keine Athleten sein. Teamgeist, soziale Verantwortung, Umwelt- und Naturschutz sind Kernkompetenzen unserer Arbeit.

NaturFreunde Deutschlands fordern kritische Diskussion über den Kommerz im Spitzensport

Sportliche Großveranstaltungen sind nur noch Profit-Center
NaturFreunde Deutschlands fordern kritische Diskussion über den Kommerz im Spitzensport

 

Berlin, 16. Mai 2012 – Anlässlich der nahenden sportlichen Großveranstaltungen Fußball-EM, Tour de France und Olympische Spiele erklären Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands, und Wolfgang Spindler, Bundesfachbereichsvorstand Natursport und Wandern:

 

Sportliche Großereignisse sind in den letzten Jahrzehnten zu einem immer größeren kommerziellen Geschäft verkommen. Diese Form des Spitzensports dient letztlich nur noch als Projektionsfläche für die Werbebotschaften internationaler Großkonzerne.

 

Die NaturFreunde Deutschlands kritisieren in diesem Zusammenhang unter anderm die Vereinigung Europäischer Fußballverbände (UEFA), die diese Entwicklung aktiv geprägt und daraus ein Milliardengeschäft entwickelt hat. Die UEFA ist heute weniger eine Sportvereinigung als vielmehr ein Großkonzern zur Erwirtschaftung von Riesengewinnen, deren Spitzenfunktionäre sich mit fürstlichen Gehältern entlohnen lassen.

 

Megatrend Kommerzialisierung des Sports

Die NaturFreunde Deutschlands rufen zu einem kritischen Dialog der Sportvereine mit den Spitzenverbänden der Sportbewegung auf. Der Megatrend Kommerzialisierung des Sports muss zurückgefahren werden, die Zukunft des Sports darf sich nicht nur noch um die Profite der medienwirksamen Spitzensportarten drehen.

 

Die Profiteure der heutigen Entwicklung sind eng miteinander verflochten. Seien es die internationalen Sportartikelhersteller wie Nike, Adidas und Puma; die global agierenden Baukonzerne und Architektenbüros; die großen Getränkehersteller wie Budweiser, Coca Cola oder Pepsi; die international agierenden Banken, Versicherungen oder Großunternehmen wie Continental: Sie alle setzen die Öffentlichkeitswirkung der sportlichen Großveranstaltungen ein für ihre kommerziellen Ziele.

 

Bei der Auswahl der Sponsoren spielen Menschenrechte kaum eine Rolle

Ein Beispiel für die Verquickung von Sport und Kommerz sind auch die internationalen Sponsoren für die Fußball-EM 2012. International mit dem Logo der EURO 2012 werben dürfen McDonald’s, Carlsberg, Adidas, Castrol, Coca Cola, Hyundai-Kia, Sharp, Orange, Canon und Continental. Allein von den genannten Unternehmen wird die UEFA jeweils 30–40 Millionen Euro Sponsorengelder erhalten. Als Gegenleistung dürfen die Sponsoren in einem klar geregelten Leistungspaket von der großen Öffentlichkeit um die Europameisterschaft profitieren.

 

Bei der Auswahl der Sponsoren geht es der UEFA hauptsächlich um finanzielle Aspekte. Menschenrechte, Gesundheits- oder auch Umweltfragen spielen nicht wirklich eine Rolle.

 

Die NaturFreunde Deutschlands erwarten in den nächsten Jahren eine grundsätzliche Debatte über die gesellschaftliche Aufgabe des Spitzensports. Wenn die sportlichen Großveranstaltungen immer mehr den kommerziellen Interessen weniger international agierender Großkonzerne untergeordnet werden, hat dies mit dem eigentlichen Ziel des Sports immer weniger zu tun. Zudem fordern die NaturFreunde, das „big business“ sportliche Großveranstaltungen endlich als das zu behandeln, was es ist: eine internationale Profitmaschine, die für ihre riesigen Gewinne auch entsprechend Steuern an die austragenden Staaten bezahlen muss.

 

NaturFreunde: ein Sportverband für den Breitensport

Die NaturFreunde Deutschlands haben vier sportliche Fachgruppen (Bergsport, Kanusport, Schneesport, Wandern) mit 28 qualitativ hochwertigen Ausbildungsgängen, mehr als 1.000 aktiven Trainern und Tourenführern mit speziellem Sportausweis, davon etwa 240 Wanderleiter, 70 Kanusportler, 300 Bergsportler, 480 Schneesportler sowie rund 30 Skischulen.

 

Im Mittelpunkt des NaturFreunde-Sports steht der Mensch in seiner nachhaltigen Beziehung zu Natur und Umwelt. Unsere Sportler müssen keine Athleten sein. Teamgeist, soziale Verantwortung, Umwelt- und Naturschutz sind Kernkompetenzen unserer Arbeit.

 

Direkt zum Natursport der NaturFreunde Deutschlands www.natursport.naturfreunde.de 

NaturFreunde zur EM 2012: Interessengeleitete Menschenrechtspolitik beenden


Sport und Menschenrechte dürfen nicht für außenpolitische Interessen missbraucht werden

Berlin, 11. Mai 2012 – „Die Debatte über den Besuch der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine durch westliche Politiker ist einfach nicht glaubwürdig“, kritisierte Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands. „Denn dann dürften diese Politiker auch bei vielen anderen sportlichen Großereignissen nicht mehr erscheinen. Immer wieder werden dort Menschenrechte missachtet und ökologische wie soziale Standards für die Profitinteressen der großen Sponsoren geopfert.“

 

Die oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei vielen Zulieferbetrieben der großen Sportartikel-Hersteller, aber auch beim Bau der sportlichen Infrastruktur sowie das systematische Ausgrenzen von kleinen Straßenhändlern im Umfeld der Sportarenen seien Hiksch zufolge mit einer menschenrechtspolitisch ausgerichteten Sportpolitik nicht vereinbar. Hiksch verwies auch auf die massiven Vertreibungen und Zerstörungen von Wohnhäusern im Vorfeld der Fußballweltmeister-schaft in Südafrika. Dort warteten heute immer noch mehr als 10.000 Menschen auf eine Ent-schädigung für die Zerstörung ihrer Häuser. Diese Vorgänge wiederholten sich auch in den brasilianischen Favelas im Vorfeld der Fußball-WM 2014. Die UN-Berichterstatterin für das Recht auf angemessenes Wohnen, Raquel Rolnik, erwarte mehr als 150.000 Zwangsumsiedlungen für die Austragungsorte der Fußball-WM 2012.

 

Menschenrechte konsequent bei allen sportlichen Großereignissen einfordern

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung auf, sich einmal grundsätzlich mit den sozialen und ökologischen Folgen von sportlichen Großereignissen zu beschäftigen und sich auf internationaler Ebene für die Vereinbarung von Mindeststandards einzusetzen. Bei Verstößen gegen diese Mindeststandards müssten die Betroffenen dann das Recht haben, die austragenden Verbände direkt zu verklagen.

 

Hiksch forderte zudem, dass die sportlichen Großereignisse auch den Arbeitnehmern in den Zu-lieferbetrieben nutzen müssten: „Die Beschäftigten in den Produktionsstätten für Trikots und Fanartikel in Indonesien, China und Südamerika werden häufig ausgebeutet und müssen zu un-menschlichen Arbeits- und Sozialbedingungen tätig sein.“

 

Keine dieser tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen führe bei der Bundesregierung aber zu vergleichbaren Protesten. Vielmehr unterstütze sie unkritisch sportliche Großereignisse, wenn es in ihre geostrategischen Interessen passe. Ein skandalöses Beispiel sei auch die Durchführung des Fomel-1-Rennens in Bahrain. Wenige Monate nach der blutigen Niederschlagung der Demo-kratiebewegung in dem Obrigkeitsstaat sei die Durchführung dieses milliardenschweren Ge-schäfts ohne weitere Kritik hingenommen worden.

 

Politiker äußern sich nicht zu den tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen

Vor diesem Hintergrund halten die NaturFreunde die derzeitige Debatte über den Besuch west-lichen Politiker für unehrlich. Dahinter stehe auch der Versuch, sich in die inneren Angelegen-heiten der Ukraine einzumischen. Während die Eskapaden der proeuropäischen Regierung Timoschenko ohne Kritik der westlichen Staaten hingenommen worden sei, werde die jetzige Regierung unter dem Vorwand der Menschenrechtsverletzungen massiv angegangen.

 

„Obwohl seit Jahrzehnten unter den verschiedenen Regierungen der Ukraine Tausende von Ge-fangenen zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter Anwendung von Folter und Gewalt eingesperrt sind, hat sich die westliche Politik bisher zu diesen tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen kaum geäußert“, kritisierte Hiksch.

 

„Die NaturFreunde Deutschlands fordern einen ehrlicheren Umgang mit Menschenrechtsfragen, unabhängig von außenpolitischen Interessen. Zudem müssen endlich konkrete Maßnahmen eingeleitet werden, damit sportliche Großereignisse nicht nur dem Kommerz und der Bereicherung der sportlichen Großorganisationen dienen, sondern auch die menschenrechtliche Situation in den austragenden Ländern verbessern.“