Presseinformation, Freitag, 8. Juni 2012Wenn sich Waffengeschäfte mit Familienstreitigkeiten kombinieren, ist der Laufsteg der seriösen Berichterstattung wie des Boulevard eröffnet. Um was geht es? Das politische Beschweigen des Panzerdeals mit 270 Leopard-Panzern nach Saudi-Arabien hat Merkel bisher nur mühsam durchhalten können. Die Verträge von Krauss-Maffei Wegmann mit dem saudi-arabischen Verteidigungsministerium sind weit fortgeschritten. Merkel fürchtet eine öffentliche Debatte in der Vorphase des Wahlkampfes 2013, die bei den Bürgerinnen und Bürgern, ja selbst bei CDU/CSU- und FDP-Anhängern nur verloren werden kann. Inzwischen haben sich mobilisierungsfähige, 120 Gruppen-starke Bündnisse der Zivilgesellschaft formiert, die entlang der Leo-Zulieferbetriebe im Bodenseeraum, in Düsseldorf, Kassel und München sowie dem Tatort Berlin Protestaktionen bis zum zivilen Ungehorsam für September/Oktober angekündigt haben. Schwerwiegende Probleme für den Saudi-Deal drohen jetzt aus einer völlig unerwarteten Ecke. Die 38 Eigentümerinnen und Eigentümer des Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann scheinen im Streit darüber zu liegen, wie und ob der Panzerdeal überhaupt zu rechtfertigen ist. Einer der Miteigentümer, Burkhart von Braunbehrens, machte in einem WDR-Interview (6.6.12) den Streit der Eigentümerfamilien der Rüstungsschmiede öffentlich: Auf die Frage des Moderators, was er über die Positionen anderer Anteilseigner zum Panzerdeal wisse, antwortete von Braunbehrens: „Ich kenne einige, die das nicht gut finden.“ Er bekannte sich dabei ausdrücklich zu einer europäisch ausgerichteten Rüstungsindustrie, obwohl er als Staatsbürger gleichzeitig „Nein“ zum Leo-Export sage. Auch andere Eigentümer räumen den internen Streit ein, ohne namentlich zitiert werden zu wollen. In den oft liberalen Eigentümerfamilien brodelt es, was sehr nachhaltige Folgen haben könnte: für den 17. Juni wurde nun eine Krisensitzung aller 38 Anteilseigner an einem noch geheimen Ort einberufen. Bis dahin haben sich alle Beteiligten auf ein Stillschweigen gegenüber den Medien geeinigt. Selbst Burkhart von Braunbehrens sagte eine für den 12. Juni geplante öffentliche Diskussionsrunde mit dem künstlerischen Leiter der Aktion „25.000 Euro“ (http://www.25000-euro.de) in Berlin kurzfristig ab. Einige Häuser der Eigentümerfamilien werden sicherheitstechnisch nachgerüstet, um gegen Belästigungen jeder Art besser geschützt zu sein. Eine Eigentümerin hat ihr Haus verlassen und an einem „einsamen Ort“ Quartier bezogen. Eine „reale persönliche Bedrohung“, die Burkhart von Braunbehrens konstatiert, ist verständlich, aber irreal. Es gibt keine Menschen in der Protest-Szene, die den Anteilseignern von Krauss-Maffei Wegmann auch nur ein Haar krümmen wollen. Aber in den Protest-Szenen gegen den Waffenhandel und den Leo-Export gibt es konkrete Überlegungen, „Spaziergänge“ zu den Eigentümerfamilien des Konzerns zu unternehmen, die gewaltfrei und unter Achtung der persönlichen Integrität gleichwohl die politische, persönliche und berufliche Verantwortungslosigkeit der Eigentümerfamilien anprangern wollen. Vorbild ist der Grunewald-Spaziergang zu den Bänkern und Politikern vom September 2002 anlässlich des Berliner Bankenskandals. So könnte es in der Eigentümersitzung vom 17. Juni 2012 zur Sensation kommen, wenn die Eigner von Krauss-Maffei Wegmann beschließen, die geplante Lieferung der 270 Leopard 2 A7+ Panzer nach Saudi-Arabien platzen zu lassen. Der Panzerdeal steht auf der Kippe, was der Kanzlerin des Aussitzens so ungelegen nicht käme: weil die Bevölkerung den Leo-Export ablehnt, die Zivilgesellschaft mobil macht, die Eigentümer von Krauss-Maffei Wegmann streiten und die Kanzlerin schweigt, um in diesem Konflikt nicht zu verbrennen. Es ist offen, ob wir demnächst 270 Schokoladen-Panzer oder ein knallhart durchgezogenes Rüstungsgeschäft besichtigen können. Peter Grottian Philipp Ruch
Aktionen
Scheitert der Panzerdeal mit Saudi-Arabien am Eigentümerstreit bei Krauss-Maffei Wegmann?
Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel: Protestaktion gegen Rüstungsexporte in Berlin am 26.2.2012
Am Sonntag, den 26.2.2012 ist der erste bundesweite Kampagnentag der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ die Kampagne gegen Rüstungsexporte.
In Berlin wollen wir mit einer medienwirksamen Kunstaktion ein deutliches Signal setzen. Auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude werden 100 große, bombenförmige, Helium-gefüllte Ballons symbolisch vom Deutschen Bundestag ausgehend an Schnüren in die Luft gelassen.
100 Ballons brauchen 100 Menschen, die je einen Ballon halten und damit ihren eigenen Protest gegen die deutsche Rüstungspolitik zum Ausdruck bringen!
Hast du Zeit und Lust dabei zu sein und
mit uns die Aktion zu einem Erfolg zu machen?
Die Gelegenheit ist gut, in der Hauptstadt eine klare Botschaft an die Bundesregierung zu senden: Wir wollen nicht, dass von Deutschland Krieg und Gewalt ausgehen! Stoppt den Waffenhandel!
Treffpunkt ist um 10:30 Uhr auf der Wiese vor dem Deutschen Bundestag.
Die Aktion selbst wird
um 11:30 Uhr starten und 30-45 Minuten dauern.
Aktuelle Informationen zum Protest gegen die Panzerlieferungen nach Saudi Arabien und andere Skandale des deutschen Waffenhandels erhaltet ihr durch die parallel dort stattfindende Pressekonferenz mit den KampagnensprecherInnen Jürgen Grässlin (DFG-VK) und Christine Hoffmann (pax christi) und anderen AktivistInnen aus der Kampagne.
MITMACHEN
Schickt uns bis zum 20.02.2012 eine Email mit verbindlicher Zusage, wenn ihr dabei sein wollt an
kampagnentag@aufschrei-waffenhandel.de.
Nähere Informationen folgen.
Wir freuen uns darauf mit euch gemeinsam eine tolle Protest-Aktion durchzuführen
Oben und Unten
Der Vorstand der Linken hat die Partei dazu aufgerufen, unter dem Motto „Profiteure zur Kasse!“ Aktionen zu Euro-Krise zu starten. Den Start einer entsprechenden Kampagne beschloss das Gremium am Sonntag “einmütig”. Dabei sollen die Forderungen nach einer deutschen und europäischen Vermögensabgabe von Reichen und Superreichen sowie die Forderung nach demokratischer Kontrolle des Finanzsektors im Zentrum stehen. Die Linke wolle so deutlich machen, „dass die Euro-Krise eine Gerechtigkeitskrise ist und die Grenze nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Oben und Unten verläuft“. Außerdem hofft die Partei, so „die Perspektive eines gemeinsamen europäischen Widerstandes“ zu eröffnen. Höhepunkt der Aktionen soll eine zentrale Kundgebung in Berlin sein. Bereits am Mittwoch hatte die Berliner Linke in Berlin gegen einen Auftritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann protestiert – unter der Losung: “Verursacher zur Kasse”. Unterdessen hat der Bundesausschuss der Linken, der am Samstag tagte, zu mehr „solidarischem Miteinander“ in der Partei aufgerufen. Angesichts der Krisenverschärfung würden „die Angriffe gegen die Linke stärker. Das ist kein Zufall“. Kanzlerin Angela Merkel „und Co agieren als Marionetten der Finanzmafia gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung; die Linke hingegen sei „den Mächtigen in Wirtschaft und Politik ein Dorn im Auge. Sie versuchen alles, um sie klein und lächerlich zu machen oder sie zu spalten“. (vk)
x-tausendmal quer: Die Revision des AKW Brokdorf wurde wegen der angekündigten Blockaden verschoben und wir verschieben auch!
X-Tausende Menschen werden sich im Juni gemeinsam mit einer großen, gewaltfreien Blockade-Aktion direkt am AKW Brokdorf für das Abschalten aller AKW einsetzen
Der Kraftwerksberteiber E.ON hat bekannt gegeben, dass die Revision auf Mittwoch, den 15. Juni verschoben wurde. Wir freuen uns, dass schon die Ankündigung einer Blockade reicht, um Wirkung zu zeigen. Aber zugegebenermaßen wirft diese Entscheidung auch unseren Zeitplan durcheinander. E.ON möchte Hase und Igel spielen, nun gut, wir wissen wer dieses Spiel gewinnt. E.ON läuft ein Stück weit weg, aber wir werden schon vor ihnen da sein.
Unser Aktionscamp beginnt ab Donnerstag, den 16. Juni
Die Blockade beginnt am Samstag, den 18. Juni
Kommt alle nach Brokdorf!!!
Die Entscheidung von E.ON wurde am Mittwoch bekannt gegeben. Wir haben lange diskutiert und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir wissen, dass sich viele von Euch extra das lange Wochenende über Pfingsten freigenommen haben. Nun heißt es für uns alle umdesponieren und eine Woche später kommen!
Unsere Botschaft an Regierung und Atomkonzerne: Wir werden einen halbherzigen Ausstiegsversuch voller Hintertüren nicht akzeptieren. Wir werden nicht weitere 10 Jahre das atomare Risiko dulden und weiter Atommüll produzieren, nur um dann noch einmal die gleiche laufzeitverlängerungs-Diskussion wie im letzten Herbst zu erleben. Wir werden jetzt weiter Druck machen! Wir werden nicht locker lassen, bis auch der letzte Reaktor endgültig vom Netz gegangen ist!
Anti-Atom-Aktion vor dem Kanzleramt: Montag, 6. Juni, 8.15 Uhr
Es ist der Tag der Entscheidungen – und unser Protest ist noch einmal gefragt: Am kommenden Montag Morgen will Bundeskanzlerin Merkel ihre Atompläne vom Bundeskabinett beschließen lassen. Am frühen Nachmittag werden dann die Grünen beraten, ob sie das vorliegende Atomgesetz ablehnen, oder aber einen Sonderparteitag darüber entscheiden lassen. Und am frühen Abend stimmt die SPD ihre Position ab – Ausgang offen. Alle drei Termine wollen wir mit Aktionen begleiten – und brauchen dafür Ihre Unterstützung!
Mit den Aktionen wollen wir klar machen: Das geplante Atomgesetz ist eine gigantische Mogelpackung – und Schwarz-Gelb muss bei der Beratung im Bundestag nochmal kräftig nachbessern. 10 Jahre lang soll der Ausstieg komplett pausieren! Innerhalb eines Jahres, von Ende 2021 bis Ende 2022, sollen dann alle Meiler abrupt abgeschaltet werden. Was dann kommt, können wir uns ausmalen: die nächste Debatte um Laufzeitverlängerungen. Immerhin greifen immer mehr Medien die Kritik am schwarz-gelben “Ausstieg” auf. Selbst in der CDU regt sich Unmut.
Kurz vor dem Kabinettsentscheid wollen wir mit einer Aktion vor dem Kanzleramt das wahre Gesicht des “Ausstiegs” zeigen: Merkel-, Röttgen- und Rösler-Großpuppen verleihen in einer feierlichen Zeremonie jedem der neun, am Netz bleibenden AKWs eine Laufzeitgarantie bis 2021 und 2022 – unter lautstarkem Protest von möglichst vielen Menschen. Anschließend wollen wir die einfahrenden Kabinettsmitglieder mit unserem Protest empfangen. Sind Sie mit dabei?
Zeit: Montag, 6. Juni, 8.15 bis 9.00 Uhr
Ort: Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, Berlin (http://bit.ly/aktionen_6-6-2011)
Atomausstieg jetzt!
Seitdem 1986 die atomare Katastrophe in Tschernobyl der Welt endgültig zeigte wie unsicher Kernkraft ist, sollte diese “Brückentechnologie” abgeschaltet, sollten Lösungen für andere Möglichkeiten der Energieerzeugung gefunden werden. Aber auch 25 Jahre später, davon 9 Jahre mit rot-grüne Bundesregierung, haben in Deutschland nur dazu gereicht, einen verwaschenen Kompromiss zu finden – der prompt von der aktuellen Bundesregierung aufgeweicht wurde. So ist parlamentarische Demokratie – alles Kompromiss, Maximalforderungen werden verwaschen, es geht um Arbeitsplätze, Stromsicherheit für den “Standort”, Fragen der Endlagerung aber auch Profitmaximierung, Kapitalinteressen und vieles mehr.
Es geht hier nicht darum zu sagen jedem Atomkraftwerk in Deutschland könnte morgen das gleiche passieren. Es geht darum zu sagen, das es tausende Gründe geben kann die zu einem Störfall in einem Atomreaktor führen können. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 mit anschließendem Tsunami, was zum Ausfall selbst der Notkühlsysteme führte ist der 1.001. Auch in Europa werden noch Siedewasserreaktoren betrieben, auch in Europa kann es zu teilweise schweren Erdbeben kommen. Menschliches oder technisches Versagen kommt hinzu wie der Zufall es will. Für die Vernichtung der Challenger (auch 1986) war ein verschlissener Dichtring verantwortlich.



