Sommerinterviews der öffentlich-rechtlichen Großsender mit Politikern der Linken waren hier im Blog immer wieder ein Thema – aus Gründen. 2009 hielt es Peter Frey vom ZDF für nötig, ein von ihm selbst geleitetes Gespräch mit Oskar Lafontaine auf eine Weise nachträglich zu kommentieren, die er bei – sagen wir: Steinmeier – nie an den Tag gelegt hätte. 2011 schaffte es Bettina Schausten, im Interview mit Gesine Lötzsch gleich in der ersten Minute, zwei Mal „DDR“ und einmal „Mauerbau“ zu sagen. Nun ist also Katja Kipping von Thomas Walde vernommen worden. (Was inhaltlich daraus aufzuführen wäre, steht hier.) Dass die Linken-Vorsitzende mit eine Ouvertüre aus wenig originellen Stanzen über die Partei vorgestellt wurde, hat schon eine gewisse Tradition – na klar, da dürfen die „Proletarier aller Länder“ nicht fehlen, die Kipping erst vereinigen könne, wenn sie die zerstrittene Partei zusammengebracht habe. Eine Partei, die für Solidarität und Frieden stehe, die aber „in Wahrheit intrigiert und streitet bis an den Abgrund“ … Machtkampf, Ostreformer, Westradikale, Lafontaine-Mann, verfeindete Lager und so fort. „Warum hassen Linke einander“, eröffnet der Gefreite der Reserve Walde das Gespräch, sogleich in Wort und Haltung jedem zeigend, dass ihm der Gegenstand des Interviews auftragsgemäß suspekt ist. Das Schulmeisterliche, dass er der Linkenpolitikerin angedeihen lässt – „Frau Kipping, mir fällt auf, das ist ähnlich wie bei der Eurodiskussion vorhin, dass ich ganz konkret nach einer Situation Frage, und sie sehr generell antworten, was generell zu tun wäre, wie sie sich generell Lösungen vorstellen“ – macht zunächst den Eindruck kritischer Gesprächsführung. Freilich stimmt auch: So viel Dazwischenreden, Nachhaken, Diskutieren von ZDF-Befragern hat man bei anderen Politikern selten gehört. Am Schluss dann Klaus Stuttmann, dessen Karikatur in einem anderen als dem ZDF-Zusammenhang vielleicht lustig gewesen wäre – hier aber wurde sie zur bloßen Illustration einer Veranstaltung, der es um alles Mögliche gegangen sein mag, aber nicht darum, Fragen beantwortet zu bekommen. Beim ZDF weiß man nämlich schon vorher, was die richtigen Antworten sind. (tos)
