Antifaschismus

Berliner VVN-BdA: Flüchtlingsmarsch unterstützen! Nazis und Rassisten stoppen!

Berliner VVN-BdA
http://berlin.vvn-bda.org

Pressemitteilung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Berlin, 04.10.2012

Flüchtlingsmarsch unterstützen! Nazis und Rassisten stoppen!

“Wir stehen hinter den Forderungen der Flüchtlinge, die mit dem derzeitigen Flüchtlingsmarsch von Würzburg nach Berlin an die herrschende Politik gerichtet werden. Niemand ist illegal und jeder hat ein Recht auf Asyl sowie ein menschenwürdiges Leben unabhängig einer vermeintlichen Herkunft, der Religion, der Lebensweise oder des sozialen Status. Rassistische und sozial ausgrenzende Gesetze, die dem entgegenstehen, gehören abgeschafft.” erklärt die Berliner VVN-BdA. Die Vereinigung weiter:

Morgen werden die Flüchtlinge und Unterstützer_innen mit einer Demonstration von Potsdam nach Berlin zur Endetappe des Marsches aufbrechen. Start ist 11.00 Uhr vor dem Kulturladen “Freiland”, Friedrich-Engels-Str. 22. Über die Glienicker Brücke wird die Demonstration nach Berlin Dahlem-Dorf, Otto-Suhr-Institut, Ihnestr. 21-22, führen und am 06. Oktober zum Oranienplatz fortgesetzt. Dort wurde gestern ein zeitlich unbegrenztes Flüchtlingscamp aufgebaut.

Seit dem 14. September ruft die NPD offen zu Aktionen gegen den Protestmarsch der Flüchtlinge sowie zur Abschaffung des Grundrechts auf Asyl auf. In Erfurt kam es zu den ersten An- und Übergriffen von Nazis, darunter lt. Medienberichten Teile der Parteiführung der Thüringer NPD. Kurzfristig hat nun auch die Brandenburger NPD parallel zum Flüchtlingsmarsch von 11.00 bis 14.00 Uhr eine Gegenkundgebung in Potsdam angemeldet. Es entspricht ihrem kruden, menschenverachtenden und völkisch-nationalistischen Weltbild, das Recht auf Asyl abschaffen zu wollen und die selbstverständlichen Forderungen der Flüchtlinge abzulehnen. Hetze sowie An- und Übergiffe gegen Menschen mit Migrationsgeschichte, gegen Asylsuchende, gegen Muslim_innen, Jüd_innen oder Sinti und Roma sowie politisch Andersdenkende gehören zum Alltagsgeschäft von Nazis und Rassisten. Dabei versuchen sie sich an den breit in der “Mitte” der Gesellschaft vorhandenen und von Teilen der Politik, Medien und Gesellschaft transportierten, manifestierten und geschürten Rassismus anzudocken. So forderte zuletzt der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in rechtspopulistischer Wahlkampf-Manier die Einführung von Asylschnellverfahren für Menschen aus Mazedonien und Serbien sowie die Aussetzung der Visafreiheit. Mit der fortgesetzten Konstruktion eines „Asyl- und Sozialleistungsmissbrauch“ betätigt er sich als geistiger Brandstifter, um so vom eigenen Versagen abzulenken, rechtes Wähler_innenpotential abzuschöpfen und Menschenrechte einschränken zu können. Das ist nicht hinnehmbar!

Die Berliner VVN-BdA fordert die herrschende Politik auf, das Recht auf Asyl wieder vollumfassend zu gewährleisten, menschenwürdige Lebensbedingungen für Flüchtlinge herzustellen sowie Rassismus und soziale Ausgrenzung an den systembedingten Wurzel zu bekämpfen, statt Stimmungsmache zu betreiben. Wir begrüßen das Empowerment der Flüchtlingen und werden Seite an Seite mit ihnen auf die Straße gehen und uns für ihre Rechte einsetzen. Daran werden uns auch keine Nazis und Rassisten hindern. Deshalb rufen wir alle Brandenburger_innen und Berliner_innen dazu auf, an dem Flüchtlingsmarsch am 05./06. Oktober nach Berlin sowie an der Demonstration am 13. Oktober ab 15.00 uhr vom Oranienplatz in Berlin teilzunehmen!
Grenzenlose Solidarität – Jetzt!

Abschiebestopp! Abschaffung der Residenzpflicht! Abschaffung der Flüchtlingslager!

Infos hier:http://thevoiceforum.org/

 

Stop it! Rassismus bekämpfen: Offener Brief zu Wolgast

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Sorge beobachten wir die Entwicklungen rund um die Unterbringung von Flüchtlingen im Wolgaster Stadtteil Nord.

Schon seit Monaten wird von Seiten neonazistischer Gruppierungen Stimmung gegen die kürzlich eröffnete Flüchtlingsunterkunft gemacht. In der Gegend werden Falschinformationen über Flüchtlinge und Zuwanderung nach Deutschland verbreitet, um die dort lebenden Menschen gegen die zukünftigen Nachbar_innen auf zu hetzen. An den Laternen und Bushaltestellen in der Umgebung finden sich zahlreiche Aufkleber und Plakate: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt. Zuwanderung löst keine Probleme, sie schafft welche. Schluss mit Multikulti“. Zudem fachte die NPD am 1. Juni diesen Jahres die rassistische Stimmung im Ort mit einer Kundgebung unter dem Motto „heute tolerant morgen fremd im eigenen Land“ weiter an. Bei dieser inszenierten Michael Andrejewski, Landtagsabgeordneter der NPD, und Daniel Ohm, NPD-Stadtvertreter der Stadt Usedom und Mitglied des vorpommerschen Nazi-Netzwerks „Freies Pommern“, ihre rassistische Propaganda in der Öffentlichkeit (weitere Informationen siehe Anhang).

Bereits 2002 wurde in Wolgast mit der Initiative „Schöner Wohnen in Wolgast“ gegen eine geplante Unterbringung von Asylsuchenden Stimmung gemacht. Die Initiative sammelte bspw. Unterschriften gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft und verteilte zudem großflächig rassistische Flyer. Graffiti prangten in der Stadt, die mit der Drohung spielten, dass ,,man ja kein zweites Lichtenhagen wolle”.

Zehn Jahre danach scheint die Stimmung in Wolgast ähnlich zu sein und schon vor der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft wurde an die Fassade des Blocks gesprüht: „Heute tolerant, morgen fremd im eigen Land“. Nazi-Propaganda dominiert Teile des Stadtbildes. Viele Menschen und Autos tragen rechtsradikale Symbole.

Anwohner_innen äußerten sich bereits lange im Vorfeld offen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Nähe. Das Leerziehen des vorher zum Teil noch bewohnten Blocks, der seit Ende August als Flüchtlingsunterkunft betrieben wird, hat weiteren Unmut hervorgerufen. (Vgl. NDR, Nordmagazin vom 13.07.2012:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin11711.html )

Für noch mehr Aufmerksamkeit und Beunruhigung sorgte ein Panorama-Beitrag des NDR vom 20.09.2012 ( http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/wolgast125.html). In dem Beitrag kommen Anwohnende zu Wort, die sich offen und rassistisch gegen die Flüchtlingsunterkunft und diejenigen, die sie beziehen werden und schon bezogen haben, aussprechen. Es wird sogar über Gerüchte berichtet, denen zu Folge das Inbrandsetzen der Flüchtlingsunterkunft geplant sei. Einer der Betroffenen spricht über an ihn gerichtete Morddrohungen und den Beschluss der Flüchtlinge, nach der Dämmerung die Unterkunft nicht mehr zu verlassen.

Indes verteidigt der Landkreis Vorpommern-Greifswald in dem Beitrag den Standort Wolgast „als einer der besten, den wir finden konnten“ und der „mitten im Leben“ sei.

Der Bürgermeister, Stefan Weigler, sieht in dem rassistischen Graffiti an der Hauswand der Flüchtlingsunterkunft die „Tat eines einzelnen Verstörten“ und gibt zu, dass er selbst in Hinblick auf die Bedrohungslage und die konkreten Bedingungen in der Flüchtlingsunterkunft nicht wohnen wollen würde.

Dass der Landkreis selbst nach den Fernsehbeiträgen keinen Zweifel an seiner Entscheidung über eine Flüchtlingsunterkunft in Wolgast hegt, ist dem Artikel des Nordkuriers vom 22.09.2012 zu entnehmen.

Wir begrüßen das Engagement von Einzelpersonen, die versuchen, auf die Flüchtlinge zu zu gehen und sie willkommen heißen. Dennoch empfinden wir die Atmosphäre in Wolgast als angespannt und beunruhigend.

Es ist zu befürchten, dass die drohende Werftschließung die Stimmung weiter anheizt und die Flüchtlinge als willkommene Sündenböcke für Wohnungs- und Arbeitsplatzverlust herhalten müssen. 20 Jahre nach den Pogromen von Lichtenhagen scheinen Angriffe auf Schutzsuchende immer noch möglich.

Unserer Meinung nach wird die bestehende Gefahr nicht durch die ständige Gegenwart eines Wachdienstes gebannt.

Wir sind in großer Sorge und möchten daher folgende Fragen offen an Sie richten, auf die wir baldmöglichst eine Antwort erwarten:

Was tun Sie dafür, dass sich die Flüchtlinge frei und ohne Angst in Wolgast und Umgebung bewegen können?
Haben Sie Handlungsstrategien für akute Situationen erarbeitet?

Was tun Sie, um mit Wolgaster Bürger_innen in Dialog zu treten und um der Propaganda der Nazis gemeinsam etwas entgegen zu setzen?

Wie stehen Sie zu dezentraler Unterbringung von Asylsuchenden in ihrem Landkreis?

Bitte sorgen Sie für eine umfangreiche Information und gewinnen Sie WolgasterIinnen als PartnerInnen im Kampf gegen menschenverachtende Ideologien und Rassismus.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim Ayalan (Pressesprecherin der Kampagne „Stop it! Rassismus bekämpfen, alle Lager
abschaffen“)

Rostock, den 28. September 2012

Rock gegen Rechts 2012

Die Veranstalter_Innen des nunmehr 3. Rock gegen Rechts in Ludwigsburg können sich zufrieden zeigen: 250 – 300 Menschen beteiligten sich bei der traditionellen Streetparade, die mit einem Lautsprecherwagen friedlich durch die Ludwigsburger Innenstadt spazierte. Begleitet wurde die Streetparade dabei von einem kleinen Trupp Polizisten, die nicht wirklich viel zu tun hatten.

Um 15.15 Uhr ging es am Ludwigsburger Bahnhof los. Nach einem Redebeitrag der Veranstalter_Innen und der Aufforderung an die Demonstrierenden sich mit guter Laune der Streetparade zu beteiligen, lief man in Richtung Scala-Biergarten. Die Zwischenkundgebungen am Platz der ehemaligen Synagoge und am Marstall-Center wurden u.a. von einem Vertreter der Linksjugend [’solid] Ludwigsburg und der Antifa Neckar Enz [anne] gehalten.

Angekommen im Scala-Biergarten erwarteten die Demonstrierenden schon eine große Bühne und zahlreiche Infostände. Im Laufe des Abends strömten immer mehr BesucherInnen in den Scala-Biergarten, sodass gegen 21.30 ca. 150 Leute das „Festivalgelände“ füllten. Die Höhepunkte des Abends bildeten die Auftritte von „Fields Of Lentils“, „Hedgehog’s Garden“, „Fetzer & The Turbochargers“ und „Murder Disco X“.

Fazit ist, Ludwigsburg bekanntestes antifaschistisches Musikevent konnte dieses Jahr wieder viele Menschen aus der Region anziehen und die Veranstalter_Innen zeigten deutlich, dass neofaschistische Propaganda in der Region Ludwigsburg unerwünscht ist.

Zum Redebeitrag der Linksjugend [‘solid] Ludwigsburg bitte hier klicken.


Landtag erneut mit Strafverfolgung von Abgeordneten wegen Protest gegen Naziaufmarsch in Dresden befasst

Der Protest gegen den europaweit größten Naziaufmarsch in Dresden ist erneut ein Fall im Geschäftsordnungs- und Immunitätsausschuss des Sächsischen Landtags. Am Donnerstag, dem 13. September 2012, um 9 Uhr muss sich das Gremium mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Aufhebung der Immunität des Abgeordneten der LINKEN, Falk Neubert, befassen. Ihm wirft die Dresdner Strafverfolgungsbehörde vor, sich am 19. Februar 2011 auf der Kreuzung Fritz-Löffler-Straße/ Reichenbachstraße mit bis zu 1.700 Menschen an der Blockade des Naziaufmarsches beteiligt zu haben. Dies sei ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Dazu erklärt Falk Neubert, medienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag:

„Zusammen mit Tausenden anderen Demonstranten habe ich friedlich und gewaltfrei gegen die von Neonazis seit vielen Jahren praktizierte Instrumentalisierung der Bombardierung Dresdens protestiert. Wir haben damit die im Grundgesetz garantierten Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrgenommen. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist eine Kriminalisierung antifaschistischen Protestes, die nicht hingenommen werden darf. Dagegen werde ich mich juristisch und politisch zur Wehr setzen – auch im Interesse der vielen anderen Menschen, die sich aus Überzeugung dem Naziaufmarsch entgegengestellt haben.“

Auch dem Landtagsabgeordneten der LINKEN, Klaus Bartl, wirft die Staatsanwaltschaft – nunmehr quasi nachholend mit Bekanntgabe erstmals im Juni 2012 – in derselben Angelegenheit einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vor. Wie Neubert hat Bartl dem „Angebot“ der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen, nicht zugestimmt. Daher wird sich der Ausschuss zu einem späteren Zeitpunkt voraussichtlich auch mit der „Causa Bartl“ befassen müssen.

Dazu erklärt Klaus Bartl, verfassungs- und rechtspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag:

„Als Antwort auf die Flut von Verfahren, die die Dresdner Staatsanwaltschaft nach dem erneuten Scheitern des europaweit größten Naziaufmarsches durch massiven zivilgesellschaftlichen Protest eingeleitet hat, kam es zu einer Verständigung unter den Nazigegnern: Es sollen zwar nicht des Prinzips halber Tausende Gerichtsverhandlungen stattfinden, aber auf jeden Fall gerade von Abgeordneten einige Musterprozesse geführt werden, da wir von der Unrechtmäßigkeit des Vorgehens der Staatsanwaltschaft überzeugt sind. Deshalb konnte ich als Rechtspolitiker meiner Fraktion einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage nicht zustimmen.

Die Polizei hatte uns am Ort des Geschehens per Lautsprecher mitgeteilt, dass wir im Falle des Verbleibens eine Ordnungswidrigkeit begehen würden. Die Staatsanwaltschaft behauptet nun eine Straftat – das passt nicht zusammen.“

 

 

Bündnis Magdeburg Nazifrei gestartet

03. September 2012  Antifaschismus, Magdeburg, Nazifrei

Hier dokumentiere ich den Aufruf des Bündnisses Magdeburg Nazifrei, welchen ich auch schon mit vielen Anderen als Erstunterzeichner unterstütze. Unterzeichnet ihn ebenfalls, verbreitet ihn und kommt am 19. Januar 2013 nach Magdeburg. Lasst uns gemeinsam mit allen antifaschistischen Kräften von hier und überall, den Aufmarsch der Nazis verhindern: Wenn die marschieren, werden wir blockieren!

Unterzeichen könnt Ihr den Aufruf hier.

Naziuffmarsch in Machdeburch – ham wa echt keen Bock druff!
Hunderte Menschen haben bereits im Januar 2012 gegen den Naziaufmarsch demonstriert. Im kommenden Jahr wollen wir einen Schritt weiter gehen. Wie in Dresden und anderen Städten bereits erfolgreich organisiert, wollen wir auch in Magdeburg den Naziaufmarsch verhindern. Wir leisten zivilen Ungehorsam und sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen den Aufmarsch zu verhindern. Ziviler Ungehorsam wird uns dazu dienen, die eigenen Grundrechte auszuüben. So urteilte beispielsweise das Bundesverfassungsgericht im Frühjahr 2011, dass mit der Verhinderung eines Aufmarsches von Neonazis ein darüber hinausgehender Zweck, nämlich die Kundgabe der eigenen Meinung in der Öffentlichkeit, verfolgt wird. Damit genießt auch eine solche Versammlung bzw. Aktion Grundrechtsschutz. Ziviler Ungehorsam zeichnet sich dadurch aus, dass er zivile, also friedliche Mittel, anwendet und jede Eskalation vermieden wird.

Hintergrund
Sachsen-Anhalt ist, gemessen an der Einwohnerzahl, das Bundesland mit den meisten rechten Straftaten seit Einführung der bundesweiten Statistik. Diese Straftaten haben mittlerweile mehrere Todesopfer gefordert, wovon sieben offiziell anerkannt wurden. Für die Anerkennung weiterer Todesopfer rechter Gewalt ist noch zu kämpfen. Die Landeshauptstadt Magdeburg nimmt im Bundesland eine traurige Spitzenposition bezüglich dieser neofaschistischen und rassistischen Gewalt ein. So sind in Magdeburg in den letzten 20 Jahren mindestens vier Menschen durch Neonazis ermordet worden: Torsten Lamprecht (1992), Farid Boukhit (1994), Frank Böttcher (1997) und Rick Langenstein (2008). Doch diese Morde sind keinesfalls “ein Problem vergangener Tage”.
Neofaschisten aus Magdeburg und Sachsen-Anhalt nehmen wichtige Positionen in den Vorständen der NPD, der JN und den sogenannten “freien Kameradschaften” ein. Mittlerweile wird Sachsen-Anhalt von neuen und alten Nazis gar stolz als “Kaderschmiede” betrachtet. Doch statt nach dem Bekanntwerden der rassistischen Mordserie des NSU und dem Totalversagen des sogenannten Verfassungsschutzes auf parlamentarischer und kommunaler Ebene Konsequenzen zu ziehen, rechte Strukturen vor Ort klar zu benennen und dagegen vorzugehen, wird weiterhin von linkem “Extremismus” fabuliert. Hingegen wird rechte Gewalt verschwiegen, verharmlost oder komplett ignoriert, weil man ihrer nicht ohne Aufwand Herr werden kann. Denn zunächst müsste man erstmal aufhören, sie als strukturelles Problem abzustreiten.

Das braune Netz
Selbst seit Verbindungen des NSU auch nach Sachsen-Anhalt bekannt wurden und trotz aller Bemühungen eines spurenverwischenden Verfassungsschutzes, können diese nicht mehr abgestritten werden und ein Umdenken in der Landespolitik blieb bisher aus. Nicht nur verharmlost man weiterhin neofaschistische Gewaltexzesse und verweigert sich dringend zu ziehender Konsequenzen, man kriminalisiert und dämonisiert auch weiterhin konsequent linke Alternativen. Dieses Umfeld bildet seit Jahren den Nährboden für die Mobilisierung der bundesdeutschen Rechten, die nach den entschiedenen Zurückweisungen der Dresdener Bürgerinnen und Bürger sowie Unterstützerinnen und Unterstützern ein neues “Aufmarschgebiet” für ihre alljährlichen “Trauermärsche” suchen. Doch waren die Anfänge, wirklich so subtil, dass man sie übersehen konnte?
Als im Jahr 1998 acht Nazis auf dem Westfriedhof zur städtischen Kranzniederlegung zum Gedenken der Opfer des Zweiten Weltkrieges auftauchten, begann sich auch in der Öffentlichkeit der drängende Aktivismus der rechten Szene in Magdeburg immer deutlicher abzuzeichen. Auch durch blinde Ignoranz der Gefahren des Politaktivismus der Neofaschisten und im Zuge voranschreitender Radikalisierung der organisierten und unorganisierten rechten Szene war es für diese einfach, sich politisch zu etablieren und sich in gewaltbereiten Zusammenschlüssen handlungsfähig aufzustellen. Seit 1999 meldet eine sogenannte “Initiative gegen das Vergessen” den Aufmarsch der Nazis im Januar an, zu dem sich seither mehr und mehr Neofaschisten in Magdeburg einfinden. Sie bedienen sich dabei der Verdrehung geschichtlicher Tatsachen, instrumentalisieren die zivilen Opfer der Bombardierung Magdeburgs vom 16. Januar 1945 und bagatellisieren die Hitler-Diktatur.

Magdeburg – eine Stadt mit Geschichte
Magdeburg war keinesfalls nur eine zivile, deutsche Großstadt, die willkürlich von alliierten Bomberverbänden in Schutt und Asche gelegt wurde. Vielmehr ist die fast vollständige Zerstörung Magdeburgs das Ergebnis des vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten und rücksichtslos geführten Krieges. So war Magdeburg für das NS-Regime ein wichtiger Umschlags- und Verkehrsknotenpunkt, Standort der Rüstungsproduktion (u.a. Krupp-Gruson, Polte-Werke, Maschinenfabrik Wolf) und ein Industriestandort an dem mehrere Tausend Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Arbeits- und KZ-Außenlagern ausgebeutet wurden. Unzählige starben bereits in den Lagern der Polte-Werke, im Lager Diana oder auf den “Todesmärschen”. All dies wird bei der Umdeutung der Bombardierung des Stadtgebietes am 16. Januar 1945 ignoriert. Das Ausblenden der Opfer faschistischer Herrschaft in den Kriegsgebieten und aller Opfer weltweit ist Bestandteil der rechten Rhetorik, die nur deutsche Opfer kennt, Opferzahlen fälscht und Täter nicht benennt.
2012 marschierten bereits 1.300 Nazis durch Magdeburg und betrieben derart Geschichtsrevisionismus und neofaschistische Propaganda. Doch sind diese, mittlerweile alljährlichen Aufmärsche, nur der medienwirksame Teil des Nazi-Problems. Rassistische und neofaschistische Gewalt gehören in Sachsen-Anhalt zur harten Realität und fast täglich wird ein Übergriff registriert. Neue und alte Nazis gehören in Magdeburg zum Stadtbild und auch politisch sind die Neofaschisten in der Landeshauptstadt überaus aktiv. Zur letzten Kommunalwahl ist es der NPD gelungen, mit einem Kandidaten in das Stadtparlament einzuziehen. Der Protest der Zivilgesellschaft gegen rechts fokussiert sich auf die Situation im Januar und blendet die gewalttätigen Übergriffe und politischen Manipulationen der Rechten in der übrigen Zeit aus. Vorkommnisse mit bundesweiter Aufmerksamkeit wie im Altmarkdorf Insel (bei Stendal) sind aber typisch für die politischen Verhältnisse in Sachen-Anhalt.

Unterstützt uns und kommt am 19. Januar 2013 in unsere Stadt. Wir wollen, gemeinsam mit antifaschistischen Kräften von hier und überall, den Aufmarsch der Nazis verhindern: Wenn die marschieren, werden wir blockieren!


Berliner VVN-BdA: Kundgebung und Gedenken an Günter Schwannecke

Pressemitteilung

 

 

Gedenken, Erinnern, Aufarbeiten! 20 Jahre nach dem Mord am wohnungslosen Günter Schwannecke.
Kundgebung und Gedenken an Günter Schwannecke

29. August 2012, 19 Uhr
am Spielplatz Pestalozzistraße/Fritschestraße in Charlottenburg

Die Günter-Schwannecke-Gedenkinitiative wird am 29. August um 19 Uhr am Spielplatz Pestalozzistraße/Fritschestraße in Charlottenburg mit einer Kundgebung an den gewaltsamen Tod des Künstlers Günter Schwannecke erinnern und diesen Ort symbolisch in “Günter-Schwannecke-Spielplatz” benennen.

„Die Verfasstheit einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den “Schwächsten” umgeht, die sie selbst zuvor ausgegrenzt und erschaffen hat. Der wohnungslose Günter Schwannecke musste sterben,weil er sich gegen die rassistische Hetze von Neonazis stellte, die Menschen wegen ihrer vermeintlichenHerkunft bzw. ihres Aussehens angegriffen hatten. Seine Zivilcourage sollte allen als Vorbild dienen.“

erklärt der Berliner VVN-BdA e.V. anlässlich des 20.Jahrestages der Ermordung des wohnungslosen Günter Schwannecke durch einen Neonazi am 29. Januar 1992 in Berlin.

Wir rufen alle Berliner_innen dazu auf, an der Gedenkkundgebung teilzunehmen.

Die Berliner VVN-BdA weiter:

Alleine im August 1992, dem Monat der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, wurden drei Wohnungslose
in Deutschland durch Neonazis ermordet: Dieter Klaus Klein (49) in Bad Breisig, Frank Bönisch (35) in
Koblenz und Günter Schwannecke (59) in Berlin. Drei Menschen, die stellvertretend für Menschen
stehen, denen Nazis und Rassist_innen ein Existenzrecht abgesprechen.

Die genaue Zahl dieser Opfer der breit in der Gesellschaft verankerten Ungleichwertigkeitslogik, ist nicht bekannt.
Und das ist auch gewollt so, denn sie haben keine Lobby, erfahren kaum öffentliche Aufmerksamkeit, haben keine Biografie und werden nicht als Opfer rechter Gewalt anerkannt.

Dabei werden die tatsächlichen Ursachen, Verursacher_innen und Profiteur_innen von sozialer Ausgrenzung und Rassismus verschleiert, indem den Betroffenen selbst die Schuld für ihre Lage in die Schuhe geschoben wird.
Als Begründung wird das Ursache-Wirkungsprinzip umgedreht und ihre soziale Position in der Gesellschaft ihrer Lebensweise, Herkunft oder Religion auf stigmatisierender und diskrminierender Art und Weise zugeschrieben.

Die Berliner VVN-BdA unterstützt Initiativen, die an diese Opfern sozial ausgrenzender gesellschaftlicher Verhältnisse erinnern und ihrer gedenken, ihnen ihr Gesicht zurückgeben und öffentliche Zeichen setzen wollen.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen dazu auf, das Erinnern und Gedenken zu ermöglichen sowie die Ermordeten als Opfer rassistischer Gewalt anzuerkennen. Darüber hinausfordern wir, ein soziales Klima und Rahmenbedingungen zu schaffen, die derartige Morde und Übergriffe vermeiden helfen. Das Postulat der Geichheit und Gleichwertigkeit muss endlich in die Praxis umgesetzt werden, soll sie nicht nur eine propagandistische Farce bleiben.

Wir rufen alle Berliner_innen dazu auf, an der Gedenkkundgebung der Günter-Schwannecke Gedenkinitiative anlässlich des 20. Jahrestags des rassistisch motivierten Angriffs am 29. August 2012 teilzunehmen und am Ort des Geschehens, dem Spiel- und Sportplatz an der Pestalozzistraße/Fritschestraße, gemeinsam mit der Initiative eine provisorische Informationstafel anzubringen.


		

Kriege stoppen – Abrüsten Antikriegstag 2012: Im Schatten von Krieg, Rüstung und neonazistischen Umtrieben

Erklärung des
Bundesausschusses Friedensratschlag

 

 

 

 

Kriege stoppen – Abrüsten
Antikriegstag 2012:
Im Schatten von Krieg, Rüstung und neonazistischen Umtrieben

 

Der Antikriegstag 2012 steht unter keinen guten Vorzeichen: Kriege und Bürgerkriege in der Welt haben nicht abgenommen, bewaffnete Konflikte drohen sich regional auszuweiten, die weltweiten Rüstungsaufwendungen sowie der internationale Waffenhandel befinden sich auf einem Rekordhoch und die rassistischen und neonazistischen Provokationen gehen unvermindert weiter.

Keine Militärintervention in Syrien

Seit Monaten tobt in Syrien ein erbitterter Bürgerkrieg, zwischen dessen Fronten die an einem friedlichen Wandel interessierte Zivilgesellschaft zunehmend aufgerieben wird. In Syrien tummeln sich längst nicht mehr nur die unter dem Dach der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) operierenden bewaffneten Kräfte der Opposition, sondern Kämpfer und Freischärler aus Libyen, Saudi-Arabien und Afghanistan; viele von ihnen verfügen über Trainings- und Stützpunkte in der Türkei und werden logistisch und propagandistisch unterstützt aus dem Emirat Katar. Der Westen hat von Anfang an Partei ergriffen für die Opposition, obwohl deren Zusammensetzung und politische Orientierung vielfach unklar sind. So musste auch der von den Vereinten Nationen getragene Vermittlungsversuch von Kofi Annan scheitern: Weder die USA noch die FSA waren an Verhandlungen zwischen der Assad-Regierung und der Opposition interessiert, sondern bestanden auf einem Regimewechsel. Leidtragende sind die Menschen in Syrien, die sich schon zu Hunderttausenden auf der Flucht befinden und dringend humanitärer Hilfe bedürfen. 20.000 Menschen – darunter viele Zivilpersonen – sollen getötet worden sein.

Zugleich ist der syrische Bürgerkrieg zu einer Art Stellvertreterkrieg mutiert: Der Westen (unter Führung der USA), die NATO (mit dem Frontstaat Türkei), die Europäische Union und die Bundesregierung tun dabei so, als stünden einer friedlichen Entwicklung lediglich Russland und China im Weg, die im UN-Sicherheitsrat jegliche einseitige Verurteilung der syrischen Regierung blockiert haben. In Wahrheit geht es dem „Westen“ aber um die Durchsetzung ihrer hegemonialen Interessen in der ölreichsten Region der Welt, geht es ihm um die Ausschaltung der letzten unbotmäßigen Regierungen, die einer imperialen Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens im Weg stehen. Dagegen sind China und Russland an der Aufrechterhaltung ihrer guten bis sehr guten Beziehungen zu Syrien interessiert; so stehen für Russland der einzige Militärstützpunkt am Mittelmeer und für Russland und China die guten Wirtschaftsbeziehungen auf dem Spiel.

Die Bundesregierung beteiligt sich aktiv an den Sanktionen der USA und der Europäischen Union gegen Syrien. Diese Sanktionen sind von keiner UN-Resolution gedeckt und sind kontraproduktiv, weil sie vor allem die ärmere Bevölkerung und die Handel treibende Mittelschichten treffen.

Ein Ende der Gewalt scheint nur möglich, wenn folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Sofortiger Stopp sämtlicher Waffenlieferungen – von welcher Seite auch immer, an welche Seite auch immer;
  • Beendigung der militärischen und logistischen Unterstützung der bewaffneten Opposition;
  • Beendigung und Rückgängigmachung der Sanktionen, die schon längst die Schwelle des Wirtschaftskriegs gegen Syrien überschritten haben;
  • Diplomatische Unterstützung aller Versuche, die Konfliktparteien zu Verhandlungen zu bewegen;
  • Aufstockung der uneigennützigen humanitären Hilfe (Medizin, Lebensmittel, Behelfsunterkünfte) in der Konfliktregion und großzügige Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen bei uns.

Und was das Wichtigste ist: Es darf keine Militärintervention von außen geben. Sie würde die Region in ein großflächiges Schlachtfeld verwandeln mit unabsehbaren Folgen für die Menschen und Staaten. Schon das Politiker-Gerede über die Opportunität einer Militärintervention ist mit dem Völkerrecht unvereinbar: Nach Artikel 2 der UN-Charta ist jede Androhung oder Anwendung von Gewalt in den zwischenstaatlichen Beziehungen strikt verboten.

Hände weg von Iran

Besorgnis erregend bleibt auch der Konflikt mit dem Iran. Der Westen hält unbeirrt an seiner Maximalforderung fest, der Iran müsse die Urananreicherung beenden. Solange das nicht geschieht, werden die Wirtschaftssanktionen gnadenlos fortgesetzt und – über das vom UN-Sicherheitsrat verhängte Maß hinaus – ausgedehnt. Die Sanktionspolitik hinterlässt bereits tiefe Spuren in der iranischen Wirtschaft: Der Mittelstand und die Landwirtschaft stecken tief in der Krise, die Inflation galoppiert, die Arbeitslosigkeit – vor allem unter Jugendlichen – wächst unaufhörlich. In der Folge verschlechtert sich die soziale Lage der Bevölkerung. Die iranische Atompolitik, die nach Auffassung vieler Experten zum Ziel hat, die technologische Fähigkeit Teherans zum Bau der Atombombe zu erreichen, ist bei nüchterner Betrachtung nur eine “logische“ Strategie angesichts des regionalen Atomwaffenmonopols Israels. Dennoch ist der angebliche „Griff nach der Bombe“ für den Westen nur ein Vorwand, Teherans Stellung in der Region zu schwächen – zugunsten des Hegemonialstrebens von Saudi-Arabien und der Türkei.

Grundsätzlich muss darauf hingewiesen werden, dass dem Iran nicht die Rechte vorenthalten werden dürfen, die allen anderen Staaten gemäß dem „Atomwaffensperrvertrag“ auch zustehen, nämlich das Recht auf die Entwicklung der “zivilen” Kernenergie einschließlich der Urananreicherung (Art. IV des Vertrags). Das internationale Recht muss für alle Staaten gelten. Auf der anderen Seite muss die Friedensbewegung klar stellen, dass die Trennung von “ziviler” und “militärischer” Nutzung der Kernkraft nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Die “zivile” Nutzung ist geradezu die Voraussetzung auch jeder möglichen oder tatsächlichen militärischen Nutzung. Fukushima hat darüber hinaus gelehrt, dass die lang anhaltenden Strahlenfolgen einer Katastrophe in einem Kernkraftwerk ähnlich verheerend wirken wie die einer Atombombenexplosion. So wäre es natürlich wünschenswert, wenn der Iran sich von der nuklearen Option verabschieden würde. Ihn mit Sanktionen und militärischen Drohungen dazu zu zwingen, ist allerdings vertrags- und völkerrechtswidrig.

Unerträglich und politisch höchst gefährlich ist das Säbelrasseln in der Region, woran sich neben Israel auch die sunnitischen Hardliner-Regime Saudi-Arabien und Katar beteiligen. Deutschland ist gleich auf zwei Ebenen in die Auseinandersetzung involviert: Während die Beziehungen zu Teheran auf einen historischen Tiefpunkt herunter gefahren wurden (Iran wird als „Schurkenstaat“ behandelt), werden die privilegierten Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten gepflegt. Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten erhalten alle Waffen aus Deutschland, die sich diese reaktionären Regime nur wünschen. Und Israel, die einzige inoffizielle Atomwaffenmacht im Nahen Osten, erhält U-Boote der Dolphin-Klasse, d.h. sie können jederzeit auch mit Atomraketen beladen werden. Damit verletzt die Bundesregierung wissentlich den Atomwaffensperrvertrag, wonach sowohl Atomwaffen als auch deren Trägersysteme nicht weiter gegeben werden dürfen.

Auch im Fall Irans muss klar sein: Eine militärische Lösung kann und darf es nicht geben. Ein völkerrechtswidriger Angriff Israels und/oder der USA würde unweigerlich zu einem Flächenbrand führen, in den Libanon, Palästina, der Gaza-Streifen, die Golfstaaten, Irak, die Türkei und Ägypten hinein gezogen würden. Nicht wenige Experten warnen sogar vor einem drohenden globalen Krieg.

Eine politische Lösung des Konflikts ist möglich. Sie sollte folgende Bestandteile haben:

  • Schluss mit den verheerenden Wirtschaftssanktionen, die den Iran in eine verzweifelte soziale Abwärtsspirale drängt;
  • Verbot jeglicher Waffenexporte in die Spannungsregion Naher Osten;
  • Ernsthafte Gesprächsangebote an den Iran über Kooperation und gemeinsame Sicherheit;
  • Aufnahme von Verhandlungen zur Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone im Nahen/Mittleren Osten auf der Grundlage des Beschlusses von 189 Mitgliedstaaten des Atomwaffensperrvertrags vom 28. Mai 2010.

Waffenexporte stoppen – Keine Kampfpanzer nach Saudi-Arabien

Deutschland hat sich mit einer bedenkenlosen Exportpolitik an die dritte Stelle der weltgrößten Waffenhändler vorgearbeitet. Weder gereicht das unserem Land zur Ehre, noch ist das ein Beitrag zum Frieden in der Welt. Im Gegenteil: Deutsche Kleinwaffen (z.B. die berühmt-berüchtigten Gewehre von Heckler & Koch) und deutsche Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge, aber auch deutsche U-Boote werden an zahlreiche Staaten geliefert, die entweder in extremen Spannungsgebieten liegen (z.B. im Nahen Osten) oder deren innenpolitische Situation eine Rüstungskooperation geradezu verbieten. Die in Berlin offenbar gewünschte Lieferung von Hunderten von Leopard-2-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien, Indonesien und Katar stellt nur den Gipfel der politischen Instinktlosigkeit dar. Damit werden erstmals schwere Heereswaffen in Spannungsgebiete geliefert. Zudem sind die Leopard 2 A7+ besonders für den Straßen- und Häuserkampf geeignet – zur Landesverteidigung werden sie dagegen wohl nicht gebraucht.

Solche Rüstungsexporte widersprechen nicht nur dem Friedensgebot des Grundgesetzes; sie widersprechen auch den von der Bundesregierung verabschiedeten Rüstungsexportrichtlinien von 2000, in denen es u.a. heißt: „Genehmigungen für Exporte nach KWKG (Kriegswaffenkontrollgesetz) und/oder AWG (Außenwirtschaftsgesetz) kommen nicht in Betracht, wenn die innere Lage des betreffenden Landes dem entgegensteht, z.B. bei bewaffneten internen Auseinandersetzungen und bei hinreichendem Verdacht des Missbrauchs zu innerer Repression oder zu fortdauernden und systematischen Menschenrechtsverletzungen. Für diese Frage spielt die Menschenrechtssituation im Empfängerland eine wichtige Rolle.“
In Saudi-Arabien sind Menschenrechte, insbesondere die Rechte von Frauen, ein Fremdwort, Gewerkschaften, Parteien und jegliche zivilgesellschaftliche Opposition sind verboten.

Anlässlich des Antikriegstags wendet sich die Friedensbewegung entschieden gegen die geplanten Panzerdeals mit Saudi-Arabien, Indonesien und Katar.

Wir fordern:

  • Stopp aller Waffenexporte;
  • Keine deutschen Lizenzen zum Bau von Panzern und Kleinwaffen in anderen Ländern;
  • Reduzierung der Rüstungsproduktion und Auflage eines Arbeitsplatz sichernden Konversionsprogramms (zur Umstellung von Rüstung auf zivile Produktion).

Gegen Nazis, Rassismus und Fremdenhass

Es ist unerträglich, dass Alt-und Neonazis den Antikriegstag nutzen wollen, um ihre geschichtsrevisionistische Hass-Ideologie unter die Leute zu bringen. Rechtsradikalen Aufmärschen wie z.B. in Dortmund werden sich Friedensbewegung und antifaschistische Gruppierungen, demokratische Parteien und Organisationen und andere zivilgesellschaftliche Kräfte entgegen stellen. Der Zweite Weltkrieg begann ja nicht erst am 1. September 1939; vorbereitet wurde er seit der Machtübernahme der Nazis 1933. Eine rassistische Ideologie, die im millionenfachen Mord an jüdischen Menschen kulminierte, der Abbau der republikanischen Freiheiten der Weimarer Verfassung, das Verbot der linken Arbeiterorganisationen, der Aufbau eines faschistischen Gewaltapparats, der Wiedereinstieg in die militärische Hochrüstung, die militärische Niederschlagung demokratischer Regime im Ausland (z.B. Spanien): All das waren Etappen auf dem Weg in den Zweiten Weltkrieg, an dessen Ende etwa 60 Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten und halb Europa in Schutt und Asche gelegt worden war.

Die Friedensbewegung fühlt sich für immer dem Schwur von Buchenwald verpflichtet, wonach kein Krieg und kein Faschismus mehr sein darf.

Gegen die Militarisierung der Inneren Sicherheit

Eine weitere Lehre aus der deutschen Geschichte besteht darin, dass Polizei und Bundeswehr, Innere und äußere Sicherheit strikt getrennt werden müssen. So sieht es auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vor. Und in einer viel beachteten Entscheidung des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2006 wurde das strikte Verbot des Einsatzes bewaffneter Streitkräfte im Inneren höchstrichterlich bekräftigt.

Vor wenigen Tagen nun hat dasselbe Gericht eine Kehrtwende vollzogen und das eigene Urteil von 2006 widerrufen. Bundeswehr könne nun in Ausnahmefällen „katastrophischen Ausmaßes“ auch im Inneren eingesetzt werden und Waffengewalt ausüben. Kritiker weisen darauf hin, dass damit ein wesentlicher Pfeiler des demokratischen Rechtsstaates eingerissen und einer willkürlichen Interpretation dessen, was als „Ausnahmesituation“ gelten könne, Tür und Tor geöffnet werde.

Wir stellen fest: Zum zweiten Mal hat das Bundesverfassungsgericht in einer zentralen Frage des Friedensrechts sich über den Verfassungsgeber (das Parlament) hinweggesetzt und das Grundgesetz material geändert. Das erste Mal geschah dies 1994, als das Bundesverfassungsgericht Kampfeinsätze der Bundeswehr im Ausland – entgegen den Bestimmungen des Grundgesetzes, namentlich Art. 25 und 26 – für rechtens erklärt hatte. Das war das Startsignal für die Umwandlung der Bundeswehr aus einer Verteidigungsarmee in eine Interventionsarmee („Armee im Einsatz“). Auch der jüngste Plenarbeschluss des BVerfGs vom 17. August 2012 setzt sich faktisch über das Grundgesetz hinweg und erlaubt – -trotz aller Einschränkungen – den Bundeswehreinsatz im Inneren.

Der Bundesausschuss Friedensratschlag unterstützt alle Aktionen der Friedensbewegung zum diesjährigen Antikriegstag. Sie finden in etwa 100 Orten der Bundesrepublik statt und richten sich

  • gegen jede ausländische Intervention in interne Konflikte
  • gegen den Rüstungsexport und die Herstellung von Kriegswaffen,
  • gegen Neonazi-Umtriebe und
  • gegen den bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

Bundesausschuss Friedensratschlag
Kassel, Berlin, Frankfurt, 27. August 2012

„Pro Deutschland die Tour vermasseln!“

Pressemitteilung 05.08. 2012

„Pro Deutschland die Tour vermasseln!“
Kein Raum für Rassismus und soziale Ausgrenzung!

„Wir bekämpfen Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem, egal wo, wann oder unter welchem Deckmantel er in Erscheinung tritt. Dazu kündigen wir Proteste gegen die von den Rassisten der Partei „Pro-Deutschland“ unter „Wochenende der Superlative“ geplanten Provokationen für den 18./19. August in Berlin vor muslimischen Einrichtungen, selbstbestimmten Wohnprojekten sowie dem Rathaus Kreuzberg als Symbol antirassistischer Proteste an. Parallel dazu unterstützen wir die Mobilisierung zum Festival gegen Rassismus am selben Wochenende, um  zu dem den gesamtgesellschaftlichen Kontext von Rassismus hervorzuheben.“

„Wir, ein kurzfristiger Zusammenschluss aus antifaschistischen und antirassistischen Gruppierungen, Vereinen und Organisationen, Gewerkschafts- und Parteistrukturen sowie Einzelpersonen wollen diese Provokationen geistiger Brandstifter_innen nicht hinnehmen. Uns verbindet der Wille Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Hetze gegen Muslim_innen, Homo- und Transphobie, Sexismus und sozialer Ausgrenzung die Stirn zu bieten. Egal, wer sie transportiert! Dazu müssen wir nicht immer  zu allem  die gleichen Positionen teilen oder in den Lösungswegen oder Aktionsformen einig sein. Darüber diskutieren wir weiter aber ohne uns von Nazis und Rassist_innen Ort und Zeitpunkt oder gar die Inhalte und deren Ausrichtung vorschreiben zu lassen. Gesamtgesellschaftliche und soziale Probleme lassen sich nicht mit rassistisch oder sozialchauvinistisch motivierten Einstellungs- bzw. Argumentationsmustern diskutieren bzw. lösen. Das betrifft auch Diskussionen mit Bezug auf die Religion und/ oder Lebensweisen sowie den sozialen Status von Menschen. Hier ist eine Debatte auf Augenhöhe notwendig, die auf gleichberechtigter und selbstbestimmter Grundlage erfolgt und eine solidarische Gesellschaft ermöglicht. Einer Spaltung und Entsolidarisierung der Menschen erteilen wir eine Absage.“

Wir rufen deshalb zu Gegenprotesten auf und laden alle ein, das Festival gegen Rassismus vom 17. Bis 19. August auf dem Blücherplatz in Berlin-Kreuzberg zu besuchen.

GEBT IHNEN NICHT DIE RÄUME, DIE SIE HABEN WOLLEN! IHRE FREIHEIT IST NICHT UNSERE!
Was ist geplant?

„Pro Deutschland“ kündigt für den 18. August ab 10.00 Uhr eine Pressekonferenz und die Eröffnung einer zweitägigen „Karikaturenausstellung“ an. Schon hier wollen wir den „Pro-Deutschen“ die Tour vermasseln. An selbigem Ort zum gleichen Zeitpunkt wird  eine Protestkundgebung angemeldet sein und eine zweitägige antirassistische Stadtrundfahrt mit Bus beginnen. In diesem Bus wird eine eigene mobile Karikaturenausstellung zu „Nazis, Rassisten und die Pro-Deutschen“ eröffnet werden. Wer sich noch daran beteiligen möchte, schickt bitte seine Karikaturen bis zum 14. August an: Pro.D_Tour.vermasseln@gmx.net.

Bisherige Termine:
18. August:
Start: 10.00 Uhr Pressekonferenz und Ausstellungseröffnung von Pro D (Ort offen)
12.00 Uhr Nähe As-Sahaba-Moschee Wedding
14.00 Uhr Nähe Al-Nur-Moschee in Neukölln
16.00 Uhr Flughafenstraße/Ecke Herrmannstraße in Neukölln19. August:
Start: 11.00 Uhr vor dem Rathaus Kreuzberg
Köpi Köpenicker Straße 137, in der
Revaler Straße Höhe Nr. 12/13,
Liebigstraße / Ecke Rigaer Straße
Ernst-Reuter-Platz 2 vorgesehen.

Bitte achtet auf Aktualisierungen und Konkretisierungen!

Mail: Pro.D_Tour.vermasseln@gmx.net
Webseite:http://prodeutschlandtourvermasseln.blogsport.de/
Facebook:https://www.facebook.com/ProDeutschlandDieTourVermasseln

Berliner VVN-BdA: Die „Braune Straße“ in Berlin Schöneweide muss weg!

Berliner VVN-BdA e. V.
E-Mail: berlin@vvn-bda.org
http://berlin.vvn-bda.org

Pressemitteilung Berliner VVN-BdA e.V.              02.08.2012

Die „Braune Straße“ in Berlin Schöneweide muss weg!
Solidarität mit dem stellvertretenden Berliner Juso- Vorsitzenden Nico Schmolke!

Zu dem neonazistischen Anschlag auf das Wohnhaus von Nico Schmolke nach einem antifaschistischen Kiezspaziergang am 1. August in Berlin–Johannisthal erklärt die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten:

Die Berliner Neonazis, die hinter diesem Angriff stecken sind leicht zu finden. Sie treffen sich in dem Neonazibedarfsladen „Hexogen“ des Berliner NPD Vorsitzenden Schmidtke in der benachbarten Brückenstraße in Niederschöneweide und trinken ihr Bier in der benachbarten Neonazi-Kneipe „Zum Henker“ des Neonazis Paul Barrington. Sie sind Teil des sogenannten „Nationalen Widerstands Berlin“, der seit Jahren auf seiner Internetseite politische Gegner_innen und linke Treffpunkte veröffentlicht und zu Anschlägen aufruft. Auch die Brandanschläge auf das Anton Schmaus-Haus der Berliner sind in diesem Kreis zu verorten.

Die Berliner VVN-BdA e.V. erklärt weiterhin:
„Der Anschlag ist die Reaktion auf die gute und breitgefächerte antifaschistische Arbeit und Aufklärung im Bezirk, die von Antifaschistischen Gruppen, Jugendinitiativen und demokratischen Parteien getragen wird. In diesem Bündnis ist Nico Schmolke gut aufgehoben. Die Berliner Polizei hingegen hat es bis jetzt weder geschafft, den geistigen Brandstiftern des „NW Berlin“ auf der Straße und im Internet das Handwerk zu legen. Im Gegenteil in Briefen an Menschen, die auf der Homepage der Neonazis aufgelistet waren, wurde die Bedrohung verharmlost.“

Weg mit der „Braunen Straße in Berlin-Schöneweide!
Neonazi-Propaganda runter von Wänden und Laternen in Johannisthal!
nonpd- für ein sofortiges Verbot der NPD!

Berliner VVN-BdA e.V.

Demo-Aufruf: 20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus!

Pressemitteilung 11.07.2012

+++ „20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus!“ +++ Neues Bündnis ruft zu bundesweiter Demonstration in Gedenken an das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen auf +++

 

Unter dem Motto „20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus!“ ruft ein Bündnis aus Antifagruppen, Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Vereinen und anderen Organisationen zu einer Demonstration am 25.08.2012 in Rostock-Lichtenhagen auf. Vor 20 Jahren wurden die zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und eine Unterkunft für Vertragsarbeiter_innen über vier Tage hinweg belagert und mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen, während die Polizei weitestgehend untätig blieb. Das Pogrom in Lichtenhagen war in den 90ern kein Einzelfall, gilt aber als trauriger Höhepunkt der Eskalation dieser Zeit.

Damals waren es nicht nur organisierte Neonazis, die sich an dem Angriff auf Migrant_innen beteiligten. Das Bündnis will darauf aufmerksam machen, dass Rassismus auch ein Problem ist, das breit in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Die erschreckenden Morde des NSU wurden auch deswegen nicht aufgeklärt, weil Vorurteile und Alltagsrassismus die ermittelnden Beamt_innen die Täter_innen unter „kriminellen Ausländer_innen“ suchen ließen.

Rassistische Beleidigungen und Übergriffe finden tagtäglich statt. Neonazis und Rassist_innen töteten seit 1990 mindestens 180 Menschen. Doch nicht nur „auf der Straße“ werden Migrant_innen ausgegrenzt. Das Bündnis will gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass Asylsuchende in Deutschland unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern, wie zum Beispiel dem Lager Horst in Mecklenburg Vorpommern, untergebracht werden, falls sie es überhaupt bis hierher schaffen. An den Außengrenzen Europas sind seit 1993 mindestens 16.000 Menschen beim Versuch, aus ihrem Elend zu flüchten, gestorben. Unmittelbar im Anschluss an die Pogrome Anfang der 90er Jahre kam es seitens der damaligen Bundesregierung zu einer Änderung des Asylgesetzes, die de facto eine Abschaffung des Asylrechts darstellte.

„20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen“, so Claudia Münster vom Bündnis, „ist Rassismus in Deutschland nicht verschwunden – es ist noch immer ein Problem. Wir fordern, dass von Diskriminierung und Rassismus Betroffene als solche anerkannt und unterstützt werden. Und wir werden Rassismus wieder thematisieren. Denn die Gefahr, das sollte uns die Vergangenheit lehren, geht nicht nur von „braunen Schläger_innen“ aus, sondern auch von denjenigen, die ihren Rassismus im Alltag leben: Am Stammtisch, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz.“

In den kommenden Wochen bis zur Demonstration wird das Bündnis bundesweit mit Infomaterial, Diskussions- und Infoveranstaltungen und Zeitzeugengesprächen präsent sein.

 

25.08.2012 – Rostock

Kundgebung 11.00 Neuer Markt/ vor dem Rathaus
Demonstration 14.00 S-Lütten Klein