Antirassismus

Neonazis haben in Neukölln erneut ein linkes Projekt angegriffen

Presseerklärung der Betroffenen:

In der Nacht vom 03. Juni. zum 04.Juni 2012 kam es in Neukölln zum wiederholten Male zu Angriffen auf Räume, die sich im Bündnis „Neukölln gegen Nazis“ bereits gegen vorherige Attacken zusammen geschlossen haben. An die Fassade des Projektraum F54 und des auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Veranstaltungskollektiv ORi in der Friedelstraße 8 wurden Keltenkreuze, weitere Runensymbole und der Schriftzug „NW-Berlin“ gesprüht.

Neben den eindeutigen Symbolen, lässt gerade der Schriftzug auf Sympathisant_Innen des „Nationalen Widerstand Berlin“ (NW) schließen. Dieser betreibt schon seit einiger Zeit das gezielte Ausspähen von Personen und Orten in Berlin, die sich öffentlich gegen Nazis positioniert haben. Auf einer dafür angelegten Internetseite werden die gesammelten Informationen, Adressen und Fotos mit dem Vermerk veröffentlicht, diese Personen und Orte zu attackieren.

Trotz der immer wieder kehrenden Angriffen nach gleichem Muster in den letzten Jahren mussten die auch diesmal erneut Geschädigten leider feststellen, dass es bei den Berliner Polizist_Innen offensichtlich kaum Kenntnisse über die Problemlage rechtsextremer Angriffe gibt. Die zur Anzeigenaufnahme geschickten Beamten konnten nur durch die Sachkenntnis der Betroffenen, davon überzeugt werden, dass es sich um politisch motivierte Straftaten handelt. Darüber hinaus wurde den Betroffenen offen unterstellt, wegen eines am Haus befindlichen Schriftzugs “Nazis sind scheiße”, doch selber schuld an ihrem Schaden zu sein. Diese Bedrohungen und ihre nachträgliche Verharmlosung durch die staatlichen Aufklärungsorgane sind nicht hinnehmbar. Wir werden auch in Zukunft deutliche Zeichen
der Solidarität für die Betroffenen und Bedrohten dieser Einschüchterungsversuche setzen, sowie durch Aufklärungsarbeit auf die Naziproblematik in Berlin und anderswo hinweisen. Die aktuellen Ereignisse der letzten Tage bestärken uns nur noch mehr in unseren Anstrengungen.

AK „Marginalisierte – gestern und heute!“: Gedenkveranstaltung Arbeitshaus Rummelsburg

AK „Marginalisierte – gestern und heute!“
http://bewegung.taz.de/termine/gedenktag-aktion-arbeitsscheu-reich-zeit-zu-handeln-bevor-geschichte-sich-wiederholt

Die Gedenkveranstaltung findet Samstag den 9. Juni 2010 um 16 Uhr vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Arbeitshauses Rummelsburg in der Hauptstraße 8 statt. Zwischen Hildgard-Marcusson-Straße und Georg-Löwenstein-Straße.

WIR ERINNERN UND GEDENKEN!

Am 13. Juni 2012 jährt sich zum 74. Mal die Durchführung der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ durch die Kriminalpolizei, die symptomatisch für den Beginn der offiziellen „Asozialenverfolgung“ durch das Nazi-Regime steht. Sie stellte die Legalisierung einer jahrelang zunehmenden Ausgrenzungs- und Entrechtungspolitik durch Stigmatisierung und Kriminalisierung sogenannter sozialer Randgruppen dar. Betroffene waren zum Beispiel Obdachlose, Bettler_ innen, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma, Alkoholiker_innen …, die u. a. als „Unangepasste“, „Un- bzw. Minderwertige“, „Unnütze“, „Arbeitsunwillige“ bzw. „Volks- bzw. Gemeinschaftsfremde“ gebrandmarkt wurden. Unter den Nazis bedeutete dies für Zehntausende, der als „Asoziale“ stigmatisierten Menschen Verfolgung, Sterilisation, Gewahrsamnahme bis hin zur Zwangsarbeit und Ermordung in Konzentrationslagern.

WARUM GERADE AN DIESEM ORT?

Bereits ca. 90 % des Areals der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser stehen symptomatisch für eine ganze Reihe authentischer Orte von Naziverbrechen, die in den letzten Jahren durch Privatisierung und Kommerzialisierung entsorgt wurden. Nicht nur die frischen Fassaden täuschen über ihre Geschichte hinweg. Während z.B. das „ANDERE HAUS VIII“ an der Rummelsburger Bucht aus der Nutzung des Areals als Knast in der DDR Kapital zu schlagen versucht oder dort ansässige Vereine sich ausschließlich dem Unrecht in der DDR widmen, erinnert nichts an den Naziterror an diesem Ort. So z.B. auch nicht: an die sowjetischen Zwangsarbeiter_innen. Mädchen und jungen Frauen die nachts eingepfercht und tagsüber in die anliegenden Fabriken der IG Farben oder nach Oberschöneweide getrieben wurden. Dieses Parallelgedenken stellt einen Versuch dar, die Singularität der Verbrechen des Naziregimes zu leugnen, zu relativieren und zu bagatellisieren, um damit auch die letzten Überlebenden im stillen Gedenken zu begraben. Eine Gleichsetzung des Naziregimes mit der DDR lehnen wir aber an jedem Ort und zu jeder Zeit ab. Sowohl Völkermord als auch der Vernichtungskrieg der Nazis waren ein einmaliger Zivilisationsbruch und jeder Versuch der Relativierung und Verharmlosung ist ein geschichtsrevisionistischer Vorstoß, dem wir uns entgegenstellen. Sonst übertönt das Schweigen über Unrecht und Mord der Nazis auch weiterhin das Schreien der Gefolterten im „Raum der Stille“ des etwas anderen Hauses VIII.

Ihrem Raum der Stille, des Verschweigens und Vergessens wollen wir unser vernehmliches Gedenken entgegen setzen und forderten: Gerade an diesem authentischen Ort darüber hinaus eine Erinnerungs- und Lernstätte zu Kontinuitäten und Brüchen sozialer Ausgrenzung mit Schwerpunkt zur „ Verfolgung und Ermordung sogenannter Asozialer durch das Nazi-Regime“. Nach jahrelangem Warten und Fordern befinden sich nun Hinweistafeln in Arbeit, eine so genannte Expertenkommission diskutiert über Form und Inhalt eines zukünftigen Gedenkortes und im Herbst soll ein Runder Tisch zur Diskussion erster Ergebnisse einberufen werden.

WIR (ER-) MAHNEN!

Nicht nur aber insbesondere in Krisenzeiten verschärft sich der Ton, der in und durch Politik, Medien und Gesellschaft die propagandistische Begleitmusik für Ausgrenzung und Rassismus ist. Wieder ist es an der Tagesordnung „unwerte“, „unnütze“, „unwillige“ oder „unangepasste“ Menschen als Abweichung von einer vermeintlichen Norm zu konstruieren, um sie diskriminieren, kriminalisieren und ausgrenzen zu können. Sanktionen bzw. Zwangsmaßnahmen sollen ideologisch gerechtfertigt bzw. deren Notwendigkeit öffentlich akzeptierbar gemacht werden. Es ist ein sozialpsychologisches Klima erzeugt worden, das Leistungseinschränkungen oder auch Zumutbarkeits- oder Sanktionsverschärfungen den Boden bereitet. Solidarität, Gleichheit, Gerechtigkeit und Humanität bleiben im „Säurebad der Konkurrenz“ (Karl Marx) auf der Strecke. So wird unter dem euphemistischen Label „Integrationsdebatte“ gegen Menschen anderer Herkunft oder Religion gehetzt und eine Ausgrenzungspolitik betrieben. Unter der nicht gerade neuen Behauptung, der „Sozialstaat“ sei nicht mehr finanzierbar, werden sozial Benachteiligte unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt und diskriminiert. Oder es wird zunehmend unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit mal gesagt, „was doch wohl mal gesagt werden können muss“. Auch ideologische Versatzstücke von Vererbungs- und Überlegenheitstheorien wie von Alfred Grotjahn bis zu Thilo Sarrazin dienen als Basis für die öffentliche Legitimierung von Stigmatisierungen, Kriminalisierungen und Sanktionierungen von zu Sündenböcken stilisierten Bevölkerungsgruppen.

LEHREN ZIEHEN!

Die heutige manifeste Neubelebung stigmatisierender Zuschreibungen insbesondere gegen die so genannten Verlierer_innen der Konkurrenz- bzw. Leistungsgesellschaft darf nicht weiter zugelassen, dem Rechtsruck der Gesellschaft nicht weiter still schweigend gefolgt und Vorurteile nicht weiter reproduziert bzw. Ängste geschürt werden. Die Ursachen und Verursacher_innen für komplexe soziale Probleme müssen klar benannt und vereinfachende Lösungsangebote über eine bloße Bekämpfung von Symptomen aus einer verzehrt dargestellten Wirklichkeit abgelehnt werden. Rassismus und Ausgrenzung sind Standbeine einer Wirtschaftslogik, die Menschen auf ihren bloßen „Nutzen“ (Mehrwert) bzw. ihre „Verwertbarkeit“ reduziert, sie erpressbar und manipulierbar macht sowie sie entsolidarisieren soll. Im Kampf „jeder gegen jeden“ soll eine permanente soziale Selektion stattfinden. Erneut wird ein Kampf gegen Betroffene von Armut und nicht gegen deren Ursachen und Profiteure konstruiert. Stigmatisierungen und Kriminalisierungen schlagen sich in Europa bereits wieder verstärkt in Bettelverboten, staatlichen und behördlichen Zwangsmaßnahmen sowie polizeilichen Repressionen nieder.

Einer solchen Logik müssen wir uns stärker entgegenstellen!

Der AK „Marginalisierte – gestern und heute!“ will mit einem jährlichen Gedenktag an den 13. Juni die Öffentlichkeit auf diese weitestgehend vergessenen NS-Opfer aufmerksam machen, ein würdiges Erinnern ermöglichen und seine Forderungen nach Aufarbeitung dieses NS-Unrechts sowie nach Rehabilitierung und Entschädigung bekräftigen.

Denn nur wer die Geschichte kennt und daraus entsprechende Lehren zieht, kann die Zukunft diskriminierungsfrei gestalten! Niemand und nichts ist „asozial“!

Der schwarze Winkel steht dafür als Mahnung!

Programm
Redebeiträge von:
Ilse Heinrich, Zeitzeugin
Thomas Irmer, Historiker
N.N., Amaro Drom e.V.
AK 08. Mai Berlin-Lichtenberg
N.N., Bündnis „Niemand ist vergessen“
Dirk Stegemann, AK Marginalisierte
N.N., Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ-Uckermark“
Susanne Doetz, Gastwissenschaftlerin am Institut für Geschichte der Medizin
Moderation:
Lothar Eberhardt, AK Marginalisierte
Musik
Alex, Straßenmusiker
Singender Tresen (angefragt)
Rezitationen
Gina Pietsch, Sängerin, Schauspielerin und Brecht-Interpretin
Organisation
Dirk Stegemann / Lothar Eberhardt AK „Marginalisierte – gestern und heute!“
Technik
Christoph Schneider
Grafik und Satz
Michael Mallé

 

Die Veranstaltung wird unterstützt von:

VVN-BdA, NaturFreunde Berlin, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken Berlin, Niemand ist vergessen.

Demo: „Rassismus tötet! – Durch Pogrom, Abschiebung, geistige Brandstiftung.“ 26. Mai 2012, 16 Uhr, U-Bhf- Turmstraße

Pressemitteilung:
Berlin, 24.05.2012 Berlin:

Flughafen-Eröffnung verschoben. Und das ist auch gut so! Protest gegen den Abschiebeknast auf dem Flughafen Schönefeld.

Kontakt: web: http://rassismus-toetet.de/ mail:

Die für Juni groß angekündigte Eröffnung des Flughafen Schönefeld wurde jetzt auf März 2013 verschoben. Zum Glück! Was viele Berliner_innen nicht wissen: Auf dem Flughafen wird mit dessen Eröffnung ein hochmoderner Abschiebeknast in Betrieb gehen. Dagegen wehren sich seit rund einem Jahr Kirchen, linke Gruppen und Wohlfahrtsverbände. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, dass vom Flughafen Schönefeld keine Abschiebungen ausgehen sollen, rufen antirassistische Gruppen für den 26. Mai 2012 zu einer Demonstration in Berlin auf.

Das so genannte Flughafenverfahren gewährleistet seit 1993 durch ein beschleunigtes Asylantragsverfahren die schnelle Abschiebung von Flüchtlingen.

Das Verfahren dient dazu, die Verantwortung gegenüber Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, schnellst möglich wieder los zu werden. Die Flüchtlinge oder die, die vermeintlich als solche erkannt werden, können dann bis zu 30 Tagen im Knast festgehalten werden. Diese Wilkür rechtfertigt man schwammig damit, dass man sich auf dem Flughafengelände noch nicht auf deutschem Boden, sondern in einem Trnasitbereich befinden würde. Unter den Einkasernierten sind nicht selten Kinder und Frauen oder Minderjährige ohne Familie.

Mit dem Bau von Großflughafen in ganz Deutschland soll nun auch die Errichtung eines Abschiebeknastes auf den jeweiligen Flughäfen Pflicht sein. Die maschinisierte Abschiebepraxis als integraler Teil des neuen Großflughafen-Konzeptes in Berlin soll also Schule machen und die bereits existierenden Abschiebeflughäfen Köln, Bonn und Düsseldorf durch Größe und Effizienz toppen.

Derzeit ist Deutschland bestrebt, dieses Großflughafen-Konzept zur EU Richtlinie machen.

“Wir finden es perfide, dass die Stadt Berlin mit Willy Brandt, der ja selbst Flüchtling war, für den Flughafen-Schönefeld wirbt. Brandt wäre auch abgeschoben worden!”, So Martin Peters, Sprecher des Bündnisses “Rassismus tötet!”.

“In diesem Jahr jähren sich die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen zum zwanzigsten Mal. Die Politik nutzte damals die rassistischen Angriffe um das Grundrecht auf Asyl faktisch abzuschaffen. Ohne diese Grundgesetzänderung würde der Flughafen Schönefeld heute kein Abschiebeflughafen werden. Wir vergessen weder die Pogrome in Rostock, noch die feige Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl.” so Peters weiter.

Die Demonstration am kommenden Samstag ist der Auftakt einer Aktionsreihe, die die Pogrome in den 90er Jahren und die Asylgesetzänderung thematisieren. Vorläufiger Höhepunkt ist die bundesweite Demo am 25. August in Rostock-Lichtenhagen. Die Demonstration am 26. Mai wird zur Berliner Ausländerbehörde und zum Bundesministerium des Innern ziehen.

Berlin: Kein Podium für Rassisten und Sozialchauvinisten!

Für ein Europa ohne Grenzen und Sarrazin!

Kein Podium für Rassisten und Sozialchauvinisten!

Kundgebung vor dem „Hotel Adlon“ am 22. Mai ab 10.00 Uhr

 Sarrazin will am 22. Mai ab 11.00 Uhr sein neues Pamphlet „Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat“ im “Hotel Adlon” vorstellen. Dass es dabei wohl nicht um eine berechtigte Kritik an der Art und Weise der Euro-Rettung durch neoliberale Spardiktate zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsteile der EU-Länder gehen dürfte, die von ihm ja ohnehin eher zum „unproduktiven“ und „unnützen“ Ausschussprodukt der Gesellschaft degradiert wurden, kann man getrost annehmen. Auch die fortgesetzte und ungebremste Bereicherung z.B. explizit deutscher Banken und Spekulanten oder Wirtschaftsbosse und ihrer Lobbygruppen sowie  politischen Vertreter_innen, dürfte kaum darin vorkommen. Ebenso wenig wie die Rolle eines Systems, welches als existenzsichernde Fundamente Armut, Rassismus und soziale Ausgrenzung schafft, aufrechterhält, schürt und ständig reproduziert. Denn nicht „politisches Wunschdenken“ hat in die Krise geführt, sondern eine knallharte neoliberale Verwertungs-, Wirtschafts- und Sparlogik, die den Menschen lediglich auf seinen ökonomischen „Mehrwert“ reduziert und die bewusst betriebene Umverteilung des Reichtums von unten nach oben weiter forciert. Deutschland hat dabei eine Vorreiterrolle eingenommen, die nicht unberechtigt den „Eindruck eines neuen deutschen Machtanspruchs in Europa“ erweckt. Gleichzeitig werden Sündenböcke präsentiert, mittels derer  von den tatsächlichen Ursachen sowie Mitverursachern und Profiteuren abgelenkt werden soll. Merkel schuf die “faulen Südländer”, die “zu viel Urlaub machen” und “zu früh in Rente” gehen. Wen wird Sarrazin aus seinem rechtspopulistischen Hut zaubern? Wieder die Migrant_innen insbesondere Muslim_innen, sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten? Oder wie zuletzt die “Ossis” aus der DDR, deren so genannte Abwicklung er als “Notschlachtung, so wie die Schweine damals gekeult wurden, die keiner mehr essen wollte“ bezeichnete und die angeblich ausschließlich von “Wessis” bezahlt werden musste? Egal!;  Zur Bestätigung seiner pauschalen und diskriminierenden pseudowissenschaftlichen Eineilung der Menschen als “nützlich” oder unnütz” werden Statistiken verfälscht, erfunden bzw. „entlastende“ Differenzierungen im eigenen Sinne weggelassen bzw. anderslautende Studien ignoriert. Dabei scheut Sarrazin auch nicht davor zurück, nahe an rassehygienischen und sozial-eugenischen Argumentationsmustern entlang zu argumentieren.

Wir sind an Sarrazins elitären, menschenfeindlichen, rassistischen und sozialdarwinistischen Weltbild nicht interessiert. Wir wollen nicht Ängste und Vorurteile bedienen und schüren. Wir wollen keine Polarisierung, Spaltung und Entsolidarisierung der Gesellschaft. Wir haben keine Angst vor einer vermeintlichen  “Abschaffung von Deutschland” durch eine angebliche „Überfremdung“ und „Verdummung“ per Geburtenrate.

Wir wollen ein gemeinsames, solidarisches Europa ohne Rassismus und soziale Ausgrenzung! Wir wollen ein Europa ohne Grenzen mit gleichberechtigter, selbstbestimmter Teilhabe aller Menschen!

Wir sind empört, dass Sarrazin, zwei Tage bevor sein neuestes Pamphlet herausgegeben wird, schon am 20. Mai ab 21.45 Uhr im Gasometer Schöneberg durch Günther Jauch und ARD die Möglichkeit hat, für sein Buch Werbung machen zu können. Unter dem Titel „Brauchen wir den Euro wirklich?“ soll er mit dem neoliberalen Befürworter von Hartz IV und der Rente mit 67 sowie Spitzenreiter bei Nebenverdiensten im Bundestag, Peer Steinbrück (ebenfalls SPD), über die Vorstellungen der so genannten Elite über ein zukünftiges Spar-Europa der “Nützlichen” diskutieren, während Krisenproteste von Bürger_innen in Frankfurt am Main zu einem Großteil verboten wurden. Wir stellen uns gegen Medien und Veranstalter_innen, die meinen Sarrazin ein Podium für seine Hetze bieten und ihn als „Experten“ hofieren zu müssen. Es ist egal, ob es politisch motiviert ist oder weil man mit Sarrazins rassistischer Propaganda Zuschauer_innen bzw. Leser_innenzahlen aufbessern und damit letztlich Profit machen kann. Hier wird sich an der Verankerung und nicht Entzauberung rassistischer Hetze beteiligt. Auch seitens der ARD.

Euren Unmut könnt Ihr entweder am 20. Mai ab 21.00 Uhr spontan vor den Sendungsort (Gasometer Schöneberg, Torgauer Straße 12) tragen und/oder am 22. Mai an den Protesten ab 10.00 Uhr vor dem „Hotel Adlon“ teilnehmen.

Bündnis antikapitalistische Walpurgisnacht: Gentrifizierung, soziale Ausgrenzung und Rassismus sind ein Thema in Berlin-Wedding!

Pressekontakt:
Bündnis antikapitalistische Walpurgisnacht
E-Mail: walpurgisnacht@safe-mail.net
Weitere Informationen finden Sie auch unter: http://walpurgisnacht.blogsport.eu/

 

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Pressemitteilung: Berlin, 01.05. 2012

Gentrifizierung, soziale Ausgrenzung und Rassismus sind ein Thema in Berlin-Wedding!

Allen Unkenrufen und Kriminalisierungsversuchen zum Trotz fanden sich heute über 5000 Teilnehmer_Innen zur antikapitalistischen Walpurgisnacht-Demonstration im Wedding ein. Kraftvoll und lautstark zog sich der Demonstrationszug durch den Wedding. Dabei fand die Demonstration keine verschlossenen Türen, Tore und Fenster vor – wie von der Polizei im Vorfeld gewünscht. Im Gegenteil: das Anliegen, auf steigende Mieten, soziale Ausgrenzung und Rassismus aufmerksam zu machen, stieß auf viel Anklang bei der lokalen Bevölkerung, die sich entweder auf den Bürgersteigen einfand, oder ihre Zustimmung von Balkonen und aus Fenstern kund tat.

Einziger Wehmutstropfen, der zur vorzeitigen Beendigung der ansonsten erfolgreichen Demonstration führte, war die zunehmende Polizeipräsenz gegen Ende der Route. Einerseits um die Demonstrant_Innen vor einer möglichen Eskalation zu schützen, andererseits weil eine positive Öffentlichkeitswirksamkeit für die zu transportierenden Inhalte kaum noch durch ein drei Reihen starkes Polizeispalier herzustellen war, wurde die Veranstaltung vorzeitig beendet.

Anstatt die Demonstrant_Innen dann ungehindert ihren Heimweg fortsetzen zu lassen, kesselte die Polizei sie ein und ließ ein Abfließen nicht zu. Ihren Höhepunkt erreichte diese Provokation danach durch das Räumen der Bürgersteige ohne Rücksicht auf Anwohner_Innen und Besucher_Innen von Lokalitäten. Erst nach mehrmaliger Intervention durch Anwesende konnte erreicht werden, dass alle Menschen, die sich gerade auf den Bürgersteigen befanden, nicht geschlossen mit der S-Bahn den Bezirk verlassen mussten, sondern ihren Abend fortsetzen konnten. Das Bündnis erwägt wegen dieses Vorfalls eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizei, da besagtes Vorgehen nicht nur an Nötigung grenzt, sondern dazu mit unverhältnismäßiger Härte umgesetzt wurde und die anwesenden Beamten_Innen auf keinerlei Einwände reagierten.


Das Vorbereitungsbündnis der antikapitalistischen Walpurgisnacht erklärt:

„Die Demonstration war trotzdem ein voller Erfolg. Wir danken allen Teilnehmer_Innen und Anwohner_Innen für ihre Solidarität. Der heutige Abend bewies, dass das Anliegen der Veranstaltung ein guter Auftakt sowohl für den heutigen 1. Mai, als auch für kommende soziale Proteste gewesen ist. Dies macht uns Mut, auch weiterhin gegen gesellschaftliche Missstände solidarischen Widerstand zu organisieren. Lasst uns den 30. April zum Kampftag der Mieter_Innen machen! Wir garantieren jedenfalls: Wir lassen uns nicht vertreiben und kommen wieder!“

VVN-BdA: Keine Neonazi – Provokationen am 1. Mai in Berlin!

Pressemitteilung der Berliner VVN-BdA e.V. 30.04.12

 

Keine Neonazi – Provokationen am 1. Mai in Berlin!
Solidarität statt „Volksgemeinschaft“!
1.Mai – nazifrei!

Die Berliner NPD hat zum 1. Mai 2012 zu mehreren Kundgebungen aufgerufen.

Nicht nur, aber gerade auch am 1.Mai haben Neonazis nichts auf der Straße zu suchen.

Wir bitten alle Berliner Bürgerinnen und Bürger sich am 1. Mai, in Hohenschönhausen und Mahrzahn-Hellersdorf sich den Neonazis in den Weg zu stellen und an den Gegenkundgebungen der demokratischen Parteien und Antifaschistinnen und Antifaschisten zu beteiligen. Eine Demonstration “1. Mai – Nazifrei!” ist ab 13 Uhr ab Falkenberger Chaussee/Vincent-van-Gogh-Str. angemeldet.

Ausführliche Informationen finden Sie auch auf der Homepage der MBR-Berlin. http://www.mbr-berlin.de/Aktuelles/1125.html

Erinnern wir uns: Am 2. Mai 1933 stürmte die SA deutschlandweit die Gewerkschaftshäuser, verhaftete zahlreiche Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen. Danach wurden die freien Gewerkschaften aufgelöst und verboten. Zahlreiche Gewerkschafter/innen wurden in der Folge inhaftiert und ermordet. Die Nazis logen den Internationalen Kampftag der Arbeiter/innen zum “Tag der nationalen Arbeit” um.

In dieser Tradition stehen die Neonazis, die am 1. Mai aufmarschieren wollen. Auch heute setzen die Neonazis auf rassistische Spaltung, nationalen Chauvinismus und soziale Demagogie. Das gipfelt in den rassistischen Morden des „NSU“.

Wir setzen dagegen gleiche Rechte für Alle und Solidarität!
Bleiberecht für Alle!
Nonpd- NPD-Verbot jetzt.

Berliner VVN-BdA e.V., 30.04.2012

VVN-BdA: Verschweigt Berliner Polizei Naziübergriffe und -aktivitäten rund um den 20. April?

Pressemitteilung 23. 04. 2012

Verschweigt Berliner Polizei Naziübergriffe und -aktivitäten rund um den 20. April?

Über Farbflecke an der Hauswand des Arbeitsamtes in der Weddinger Müllerstraße oder über mit Farbe gefüllte „Tetra-Packs“, die an der Glasfassade eines am Potsdamer Platz befindlichen Bürogebäudes gelandet sein sollen, kann man am 19. bzw. 20. April bei den Pressemitteilungen der Berliner Polizei nachlesen. „Über mutmaßliche Naziübergriffe und –aktivitäten rund um den Geburtstag von Adolf Hitler findet man dagegen nichts. Ob diese Vorfälle dann in Statistiken „rechts motivierter Gewalt“ auftauchen werden und welchen Motivationen hinter dem Verschweigen stecken, ist derzeit unklar.“ kritisiert die Berliner VVN-BdA.

Die Vereinigung weiter:

„In der Nacht vom 19.04. auf den 20.04.2012 wurde das Hochschulcafé Frei_Raum der Alice-Salomon-Hochschule von Nazis angegriffen. Sie versuchten, die Fenster einzuwerfen und hinterließen Aufkleber mit rechten Inhalten auf den Scheiben.“ vermeldete der AStA der Alice-Salomon-Hochschule. Weiterhin sollen in den frühen Morgenstunden drei mutmaßliche Randalierer in der Kochhannstrasse in Friedrichshain von der Polizei festgesetzt worden sein, die durch Äußerungen und Kleidung der rechten Szene zugeordnet werden könnten. In unmittelbarer Nähe sollen bei Wohnhäusern Scheiben beschädigt worden sein. Auch sollen laut AnwohnerInnen rechte Parolen gehört haben.

Eine auf Facebook beworbene für den Abend geplante „Feierlichkeit“ der Berliner Neonaziszene am Geburtstag von Adolf Hitler fand im Naziladen in der Lichtenberger Lückstraße 58 statt. Daran nahm neben dem bekannten schwedischen Nazi Dan Eriksson und dem Anführer der verbotenen Kameradschaft Tor Björn Wild auch der Berliner NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke teil. Die Berliner Polizei sicherte den Zugang zu der Feier über einen Nebeneingang ab.

„Immer wieder kommt es rund um den Geburtstag von Adolf Hitler zu Übergriffen auf alternative und linke Räume oder Personen, die nicht in das Weltbild der Nazis passen und zu Propagandaveranstaltungen, die die Opfer des deutschen Faschismus nachträglich verhöhnen. Dabei zeigen sich all zu oft auch die personellen Verbindungen zwischen Berliner NPD und dem gewaltbereiten Kameradschaftsspektrum wie dem Netzwerk „NW-Berlin“. Dass die Berliner Polizei nicht selten Schützenhilfe durch logistische, infrastrukturelle und/oder planungstechnische Unterstützung leistet, finden wir unerträglich. Dazu gehört auch das Verschweigen von Naziübergriffen und – aktivitäten oder die Sicherstellung letzterer.“

Die Berliner VVN-BdA sichert den Betroffenen ihre volle Solidarität zu und dankt den Antifaschist_innen, die sich so kurzfristig und entschlossen den Nazis und ihrer „Feierlichkeit“ in der Lückstraße entgegengestellt haben.

Demokratische Legitimierung von Rassismus? Ohne mich!

Dirk Stegemann 16. April 2012

Demokratische Legitimierung von Rassismus? Ohne mich!

Über Rassismus ohne Rassisten diskutieren – Eine Stellungnahme als Antwort.

“Zigeuner ins Gas!”, „Türken unters Messer!”, “Sterbt Zigeuner!”, “Zigeuner zu Suppe” oder „Zigeuner zu Seife“ brüllten im letzten Jahr Tausende in den Straßen Bulgariens und Tschechiens. Facebook-Gruppen mit Namen wie “Tod Zar Kirov – Auge um Auge, Zahn um Zahn” mobilisierten zu Anti-Roma-Protesten. Wie aber u.a. Italien, Frankreich und auch Deutschland zeigen, sind Roma und Sinti nicht nur in den neuen EU-Mitgliedstaaten staatlichen Diskriminierungen und Repressionen ausgesetzt und Pogromen oder Übergriffen ausgeliefert. Ein tief verwurzelter Rassismus gegen Roma ermöglicht es immer wieder, rassistische Stimmung zu schüren und politische Maßnahmen zu rechtfertigen. Auch die Schweizer Weltwoche scheint angesichts der europaweiten Diskriminierung von Roma nicht zurückstehen zu wollen. Unter der Schlagzeile: „Die Roma kommen: Raubzüge in der Schweiz“ war in der Ausgabe 14/2012 ein Foto mit einem verschmutzt wirkenden Jungen zu sehen, der eine Pistole hält, mit der er direkt auf die Leser_innen zielt. Dass diese Aufnahme aus dem Jahr 2008 und aus dem Kosovo stammt, erfährt man ebenso wenig wie die Tatsache, dass dieses Kind auf einer giftigen Müllkippe aufwachsen muss. Auch, dass nicht nur Kinder von Roma (leider) öfter und gern mit Spielzeugwaffen zu spielen scheinen, bleibt vollkommen ausgeblendet. In diesem Zusammenhang sei auf den anhaltenden Boom von gewaltverherrlichenden PC-Spielen hingewiesen, der bei Kindern allgemein als Ersatz für Spielzeugwaffen um sich greift. Keine Rede auch davon, dass bspw. die meisten kosovarischen Roma vor dem völkerrechtswidrigen NATO-Angriff auf die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 wenn auch nach wie vor diskriminiert in separaten Stadtvierteln, aber zumindest in eigenen Häusern und einem teilweise mäßigen Wohlstand lebten, einen gewissen Bildungsgrad hatten und Berufen aller Bereiche nachgingen. Nachdem die NATO die UÇK an die Macht gebombt und diese im Zuge ihrer „ethnischen Säuberung“ auch ca. 100.000 Roma vertrieben hatte, machte man wieder einmal aus dem Vorurteil eine faktische Realität. Aus durch Vertreibung und eine rassistische und diskriminierende Politik in vor allem südost- und südeuropäischen Ländern “heimat”- und obdachlos gewordenen und aus Bildungseinrichtungen und vom Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ausgegrenzten Roma wurden erneut „umherziehende“, „arme“, „ungebildete“ und „arbeitsscheue“ „Zigeuner“ gemacht. Die Wahrheit _ nämlich, dass die gegenwärtige soziale Situation mancher Roma durch die sozialen Verhältnisse der sog. Mehrheitsgesellschaften und nicht durch vermeintliche „Eigenschaften“ verursacht ist – wird in populistischer Manier gezielt außen vor gelassen. Ganz zu schweigen von der inzwischen wissenschaftlichen Binsenwahrheit, dass für eine höhere Belastung mit Kriminalität nicht ein wie auch immer gearteter Migrationshintergrund, sondern die soziale Situation maßgeblich ist.

Das Kind auf dem Titelfoto wird also offensichtlich bewusst vom Opfer zum Täter gemacht. Die nachträgliche Legitimierung des Titelfotos als angeblicher Verweis auf den „Missbrauch“ der Kinder durch die Eltern bzw. Clans ist angesichts des reißerischen Titels wenig glaubwürdig. In der Gesamtschau scheint die Weltwoche eine gezielte Verunglimpfung von Roma mindestens in Kauf zu nehmen. Selbst dann, wenn in „gute“ schweizerische Roma und „schlechte“ südosteuropäische bzw. einwandernde Roma mal am Rande unterschieden wird. Diese Unterscheidung erscheint für mich im Gesamtkontext der Artikel eher wie die Vortäuschung einer vermeintlichen Differenzierung, als Rechtfertigungsstrategie vor zu erwartenden Protesten sowie zur Spaltung der Roma untereinander und zur Erhöhung des Anpassungs- bzw. Distanzierungsdruckes auf die einheimischen Roma. Im Zusammenhang mit der Art und Weise des Artikels werden eben nicht Kriminalität und ihre sozialen Ursachen problematisiert, sondern in z.T. eher hetzerisch wirkender Aufmachung die in die Schweiz kommenden Roma. Deshalb meine Anzeige wegen Volksverhetzung. Denn Roma werden in ihrer Eigenschaft „Roma-zu-sein“ zum kriminellen Problem dämonisiert und somit suggestiv „gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe […] zum Hass aufgestachelt“. Damit wird geistige Brandstiftung begangen, die sehr wohl in dem derzeitigen gesellschaftlichen Klima Gewalt- oder Willkürmaßnahmen nach sich ziehen kann, die genau mit dieser faktisch unausweichlichen „Problemlastigkeit“ legitimiert werden könnten.

Kritiker/innen als demokratisches Feigenblatt

„Wir luden die Kläger ein, ihre Argumente in der aktuellen Ausgabe darzulegen, doch die Kritiker lehnten ab. Stattdessen soll die Weltwoche juristisch belangt werden“, so Köppel. Immer wieder wird versucht, rechtspopulistische und rassistische Positionen durch einen vermeintlich demokratischen Meinungsstreit mit Kritikerinnen und Kritikern bzw. Gegnerinnen und Gegnern zu legitimieren. Doch wozu? Letztlich scheint es doch der Weltwoche genauso wenig um eine argumentative Auseinandersetzung zu gehen wie Herrn Köppel, sondern nur darum, rassistischen Positionen einen Anstrich von Normalität und Seriosität zu verleihen. Wer Ängste und Vorurteile aufgreift und schürt sowie soziale bzw. gesamtgesellschaftliche Probleme einer vermeintlichen Herkunft, einer Religion, einer Lebensweise oder einem sozialen Status zuzuschreiben versucht, mag an der Produktion von Sündenböcken interessiert sein, aber kaum am Austausch von Argumenten. Die Weltwoche versucht offenkundig in ihrer Propaganda gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Indem die „nichtschweizerischen“ Roma pauschal zum vermeintlichen „Problem“ stigmatisiert werden, werden nicht nur weitverbreitete antiziganistische Vorurteile bedient, sondern wird auch noch Migration in die Schweiz im Sinne einer sozial selektiven Einwanderungspolitik suggestiv eingefordert. Mal mehr, mal weniger wird eine scheinbare Rückständigkeit und Kriminalität von Einwanderern aufgezeigt und eine scheinbare Bedrohung der schweizerischen Rechtsordnung durch Migration herbeigeredet. Nicht nur Migration wird, bewusst verkürzend, sozial entkontextualisiert dargestellt, sondern auch die soziale Wirklichkeit vieler Roma, so als sei diese freiwillig gewählt oder gar biologisch vorbestimmt. Es wäre sicher hilfreich, Kriminalität allgemein und natürlich auch bei Roma im Zusammenhang mit Alltagsrassismus, sozialer Ausgrenzung, justizieller Ungleichbehandlung usw. zu untersuchen und zu thematisieren. Doch genau daran haben Köppel und die Weltwoche offensichtlich kein Interesse. Denn die Titelgeschichte beweist einmal mehr die politische Umorientierung der Weltwoche von einer 1933 als antifaschistisch gestarteten Zeitschrift, weg vom „linksliberalen Mainstream“, wie Chefredakteur Roger Köppel angewidert zur Kenntnis gibt (http://www.taz.de/!91150/). Die nicht gerade für eine differenzierte Berichterstattung bekannte Weltwoche, ist wohl nunmehr nur noch durch das Verbreiten und Schüren rechtspopulistischer und rassistischer Vorurteile auffällig. Wie auch bei anderen Themen werden gezielt einzelne Informationen ge- und benutzt, um zu dramatisieren und zu emotionalisieren. Es wird getreu dem Prinzip agiert, Inhalte von Kontexten und Differenzierung zu befreien. In diesem Stil wurde schon der Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ gleichgesetzt (42/2009) oder über „Schwarze in der Schweiz. Die dunkle Seite der Zuwanderung aus Afrika“ (Ausgabe 46/2010) geschmiert. Dass der Rassist Christoph Blocher von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) Gefallen an der Zeitschrift finden dürfte oder auch mal als Informant gedient haben soll, spricht für sich. Umgekehrt, die Werbung der Weltwoche für die SVP bzw. deren Politik auch.

Die Polizei als Teil des Problems, als willkommener Leumund

Der Emotionalisierung des Themas Kriminalität bei Roma und/oder der Bettelei stellen sich auch immer wieder gern Polizeibeamte zur Verfügung, die sich in der Schweiz wie auch in Deutschland bei der Bekämpfung von Rassismus zumeist eher als ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung erweisen. Erinnert sei hier auch an den Mordfall an der Polizistin Michèle Kiesewetter. Lange Zeit hatte die Polizei Sinti und Roma unter Verdacht. Bei den Rechten wurde nicht ermittelt. Eine Entschuldigung steht bis heute aus. Nicht nur das faktenfreie Vokabular im Zusammenhang mit Roma wie „kriminelle Banden schwärmen aus“ oder „Blitzkriegern aus dem Ausland gleich fallen sie für ihre Raub- und Beutezüge über die Schweiz her“, sondern auch die historisch völlig unreflektierte Bezeichnung „Zigeuner“, egal ob mit oder ohne Anführungszeichen, zeigt wessen geistigen Kindes die sog. Expertinnen und Experten sowie die Weltwoche sind. Jean-François Cintas, Chef der Abteilung Einbruch bei der Genfer Kantonspolizei, wird in einem Artikel der Ausgabe 14/2012 der Weltwoche (S. 24) unter der pauschalen und kriminalisierenden Überschrift „Sie kommen, klauen und gehen“ zitiert, dass wenn „Sie in Genf zwei junge Zigeuner antreffen, die alleine unterwegs sind, sie zu 99 Prozent einen Schraubenzieher in der Hosentasche“ haben. Dass Kriminalhauptkommissar Ludwig vom Betrugsdezernat der Kölner Polizei laut einem weiteren Artikel in der Ausgabe 14/2012 (S. 29) von seinen Kollegen „scherzhaft“ „Zigeuner-Lude“ genannt wird, ist ebenfalls bezeichnend. Seine verkürzte Weltsicht, wonach das eigentliche Problem die kriminellen Banden wie die „Roma-Sippe Lakatosz“ und „Politiker, Richter und Datenschützer sind, […] die das Problem unterschätzen“, wird gern präsentiert.

Offenkundig sind für Ludwig genauso wenig die sozialen Verhältnisse das Problem, sondern die Psychologen. Der Stadtpolizei-Sprecher von Zürich folgt dieser Linie und sieht auch eher in den Bettelnden das Problem als in den Ursachen für das Betteln (http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/Roma-Kinder-betteln-vermehrt-in-Trams-23685723): „Das Betteln in Zürich soll so unattraktiv wie möglich bleiben, sonst zieht es wohl noch mehr Bettler an.“ Schlimm daran ist, dass Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) in einem Interview, das sie der Weltwoche zu deren inkriminiertem rassistischem Artikel in der Ausgabe 15/2012 (S. 16) gab, auch eher das Betteln und die betroffenen Personen als zu problematisierenden Gegenstand unkommentiert stehen lässt, statt den entsprechenden sozialen Kontext zumindest in die Debatte einzubringen. Genau diese generelle Trennung des Bettelns vom sozialen Kontext ermöglicht aber nicht nur die pauschale Kriminalisierung der Bettelei sondern auch deren Legitimierung durch Gesetze wie das Bettelverbot, die so wiederum Betroffene von sozialer Ausgrenzung unter Generalverdacht stellen und erst zu „Kriminellen“ abstempeln. Allein sich dann auf die Einhaltung solcher Gesetze zu beziehen, dürfte nichts mit Antidiskriminierung zu tun haben. Deutlich wird daran eins: Ignoranz gegenüber diskriminierten und ausgegrenzten Menschen; Menschen, die gemeinhin als „Unnütze“, „Überflüssige“ oder gar von vielen, in Unkenntnis oder Ignoranz gegenüber der Geschichte, als „Unwerte“ oder „Asoziale“ betrachtet werden. Die eigentlichen Verursacher_innen und Profiteur_innen von Armut und sozialer Ausgrenzung sowie ihren Folgen bleiben dabei wieder einmal außen vor.

NaturFreunde: Weltwoche-Artikel ist volksverhetzend!


NaturFreunde fordern, den Vertrieb und Verkauf dieser Zeitung sofort zu stoppen

 

Berlin, 12. April 2012 – Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und das Berliner Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ stellten Strafanzeige gegen die Schweizer Zeitschrift Weltwoche. „Der Rassismus und Antiziganismus diese Blattes ist unerträglich“, erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvortstand der NaturFreunde Deutschlands, und begrüßt diesen Schritt.

 

In ihrer Ausgabe vom 5. April 2012 mit dem Titel: „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz“ hat die Zeitschrift „Weltwoche“ mit dem Mittel der Volksverhetzung ganz bewusst versucht, ihre Auflagenzahlen durch rassistische Töne zu steigern. Das ist verwerflich und völlig inakzeptabel. Es sind diese Stereotypen, die seit Jahrhunderten zu einer Diskriminierung, Verfolgung und in der Zeit des Faschismus zu einer systematischen Vernichtung und Ermordung von Menschen aus den Roma- und Sinti-Gemeinschaften geführt haben. Seit Jahrhunderten versuchen Rassisten in vielen Ländern Europas Roma und Sinti bewusst zu kriminalisieren. Dieser Sachverhalt dürfte auch den Machern der Zeitung „Weltwoche“ bekannt sein. „Die antiziganistischen und rassistischen Töne in dieser Ausgabe der Zeitschrift „Weltwoche“ sind ekelerregend“, so Hiksch.

 

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die verantwortlichen deutschen Stellen auf, den Vertrieb dieser Ausgabe der Zeitschrift „Weltwoche“ in Deutschland sofort zu stoppen. Volksverhetzung und Antiziganismus haben nichts im freien Verkauf an den Kiosken zu suchen. „Es ist ein Skandal, dass eine Zeitung versucht, mit rassistischen und antiziganistischen Vorurteilen ihre Auflage im rechten Spektrum zu steigern“, kritisiert Uwe Hiksch.

 

Die NaturFreunde Deutschlands bedanken sich beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und beim Berliner Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ für die Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Zeitschrift. Seit vielen Jahren engagieren sich die NaturFreunde Deutschlands gegen Rassismus und Antiziganismus. Die NaturFreunde Berlin sind Mitglied im Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ und haben sich aktiv an der Organisation und Durchführung der antirassistischen Demonstrationen in Berlin gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Roma und Sinti beteiligt

Rechtspopulismus stoppen: Verfassungsklage gegen Bescheide der Berliner (General-) Staatsanwaltschaft zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Verfassungsklage gegen Bescheide der Berliner (General-) Staatsanwaltschaft zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten

 

“Ich werde die Tatsachenbehauptung der Verbreitung antisemitischer Stereotype durch Conny Axel Meier, derzeit Landesvorsitzender der rechtspopulistischen Kleinstpartei “Die Freiheit” auf dem rassistischen Webblog “politically incorrect” auch weiterhin mit allen rechtlich mir zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen” erklärt der Sprecher des ehemaligen Bündnisses “Rechtspopulismus stoppen”.

 

Dirk Stegemann hatte mit Bezug auf den  Artikel „Friedrich-Ebert-Stiftung bietet Extremisten Forum“, in dem Meier schreibt: “Auf der am gleichen Tag stattfindenden Diskussionsveranstaltung “Stop the Wilders Show” im Schöneberger Rathaus erklärte Stegemann vor ca. 25 Getreuen, anscheinend ohne dass jemand widersprochen hätte, seinen Misserfolg damit, dass wohl das “internationale Finanzjudentum” dahinterstecke, wie mir Augenzeugen glaubhaft noch am gleichen Abend versicherten.”, Anzeige erstattet.

 

Mit Bescheid vom 28.02.2012 stellte die Staatsanwaltschaft Berlin das Verfahren gegen Meier nach § 170 Abs. 2 StPO ein. Die Staatsanwaltschaft ging dabei zwar davon aus, dass der Tatbestand der üblen Nachrede (§ 186 StGB) “im Raume stand”, sah die Äußerung jedoch als Wahrnehmung berechtigter Interessen gemäß (§ 193 StGB) als gerechtfertigt an.

In der Folge geht der Bescheid der Staatsanwaltschaft auch davon aus, dass die ungeprüfte Veröffentlichung der behaupteten Äußerung ein Verstoß gegen die journalistische Prüfpflicht darstellte. Auch dies blieb ohne Konsequenzen. Eine Beschwerde gegen die Einstellung wurde durch die Generalstaatsanwaltschaft mit Bescheid vom 14.03.2012 verworfen.

 

“Es kann nicht sein, dass die Staatanwaltschaft und auch die Generalstaatsanwaltschaft einseitig die Interessen eines  Beschuldigten vertritt und keinerlei Auseinandersetzung mit den Gütern und Interessen des Beschwerdeführers stattfinden. Das könnte ja dann auch jeden anderen treffen” erklärt Dirk Stegemann und hat neben der beantragten Akteneinsicht für eine mögliche Privatklage, eine sachliche Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Generalstaatsanwaltschaft beim Innensenator in Berlin sowie Verfassungsbeschwerde eingereicht.