Dagmar Enkelmann ist neue Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Linkspartei-Politikerin wurde am Samstag mit einem Ergebnis von 88,3 Prozent von der Mitgliederversammlung als Nachfolgerin von Heinz Vietze gewählt, berichtet neues deutschland. Vietze war nach sechs Jahren im Amt nicht erneut angetreten. Als Vizevorsitzende wurde die verdi-Gewerkschafterin Sabine Reiner gewählt, der Europaabgeordnete Thomas Händel wurde im Amt bestätigt; ebenso Florian Weis, der die Stiftung weiter als geschäftsführendes Vorstandsmitglied leiten wird. Enkelmann will nach Angaben der Stiftung künftige “einen besonderen Fokus” auf die “Qualifizierung junger kommunalpolitisch Interessierter legen”. Zudem sollen die demänchst 18 Auslandsbüros mit ihren internationalen linken Netzwerken größere Beachtung finden. Linksfraktionschef Gregor Gysi wünschte Enkelmann “für die neuen Herausforderungen alles erdenklich Gute” und dankte Vietze “von ganzem Herzen für seinen unermüdlichen Einsatz beim Aufbau der Stiftung”.
Dagmar Enkelmann
Bundesregierung bricht Rentenversprechen
Eine Anfrage der LINKEN im Bundestag brachte es an den Tag: Eine Angleichung der Rentenwerte Ost und West hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode nicht mehr vor. Damit brechen Merkel & Co ein zentrales Wahlversprechen, so Dagmar Enkelmann in einer Erklärung. Der Vorsitzende der LINKEN, Bernd Riexinger, forderte einen Rentengipfel und sollte sich bis zum Jahresende nichts bewegen, werden die Ostrenten 2013 Wahlkampfthema sein.
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Klausur in Potsdam
Die Brandenburger Linksfraktion geht am Montag in Klausur und es sind nicht zuletzt zwei Personalien, welche den Landesverband zurzeit ein wenig durchschütteln: erst der Rückzug Kerstin Kaisers von der Fraktionsspitze, dann der Verzicht von Dagmar Enkelmann auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl. Die Parlamentarische Geschäftsführerin hat ihren Schritt unter anderem mit politischen Differenzen begründet, sie könne zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass eine rot-rote Landesregierung die Lebensarbeitszeit von Polizisten verlängere, so Enkelmann gegenüber der Märkischen Oderzeitung. Nun berichten die Potsdamer Neuesten Nachrichten, dass die Linksfraktion eben dies verhindern wolle. „Mit der Polizeireform wurden den Beschäftigten bereits erhebliche Belastungen zugemutet“, zitiert das Blatt auch einem Fraktionspapier. Die Linksfraktion wolle eine „politisch elegante“ Kompromisslösung durchsetzen, wonach die Lebensarbeitszeit zwar verlängert wird, allerdings nur auf freiwilliger Basis. (vk)
Klausur in Eisleben
Der Vorstand der Linksfraktion war in Klausur: In Eisleben beriet die Führungsrunde der Bundestagsabgeordneten unter anderem über die Schwerpunkte der Arbeit bis 2013. Nach der Rede von Gregor Gysi auf dem Göttinger Parteitag, in welcher der Fraktionschef von „Hass“ in der Fraktion gesprochen hatte, ging es aber wohl auch um Atomsphärisches. Kirsten Tackmann sprach danach von einem „intensiven“ Treffen, das auch „ein bisschen die Kollektivbildung vorangebracht“ habe. „Trotz unterschiedlicher Erfahrungen, Bewertungen und Sichtweisen waren die Diskussionen sehr konstruktiv.“ Eine Stadtführung mit dem Nachtwächter Amrosius und ein Abendessen mit Martin Luther mögen dazu beigetragen haben. Jan Korte, der in Sachsen-Anhalt seinen Wahlkreis hat, verwies darauf, dass in Eisleben auch die Frage diskutiert worden sei, „wie die Linke in neue Milieus vordringen kann“. Anfang September trifft sich dann die komplette Fraktion zur Klausur. „Wenn nun auch noch die Erkenntnisse umgesetzt werden“, so Tackmann, „sind wir weiter auf einem guten Weg.“ Es müsse, so sieht es Parlamentsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann, ab sofort “geklotzt werden”. (tos)
Frauen ohne Ende
Nächste Runde im Kandidaten-Lotto: Janine Wissler, die hessische Fraktionschefin, soll nach angeblichen Informationen der angeblichen Bild-Zeitung neben Oskar Lafontaine neue Parteivorsitzender Linken werden. Lafontaine selbst hat noch gar nicht Ja oder Nein gesagt, aber die Medien haben sich schon festgelegt: Er wird’s. Und wenn doch nicht, werden sie sauer sein und es ihn spüren lassen. Denn sie hätten ja was davon: mehr Polemik, mehr Konfrontation, schickere Schlagzeilen.
Umso ausgiebiger orakeln die gut bezahlten Linke-Astrologen über die Frau an Lafontaines Seite – denn dass es die geben soll, davon gehen alle aus. Sarah Wagenknecht, von der im letzten Herbst schon mal die Rede war? Nein, eher aus quasi familiären Gründen nicht, höchstens in der Ära nach Lafontaine. Neulich erst hatte der Spiegel mit der Parteivize Katja Kipping, der früheren Berliner Sozialsenatorin Carola Bluhm, der Bundestags-Fraktionsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann und der Brandenburger Fraktionsvorsitzenden Kerstin Kaiser gleich vier vermeintlich heiße Favoritinnen auf den Tippzettel gesetzt. Im Januar hatte der Spiegel dagegen noch die Namen der Hamburger Fraktionsvorsitzenden Dora Heyenn und der nordrhein-westfälischen Landeschefin Katharina Schwabedissen in die Lostrommel geworfen. Irgendwann war auch schon mal die Bundestagsabgeordnete Petra Sitte aus Sachsen-Anhalt ins Spiel gebracht worden – von wem auch immer. Nicht zu vergessen die amtierende Chefin Gesine Lötzsch, die wieder kandidieren will, auch wenn sie in etlichen Medien schon wie eine abgedankte Vorsitzende behandelt wird.
Das sind schon mal zehn Namen – nicht wenig, aber dennoch ist deutlich mehr drin. Allein die Bundestagsfraktion hat 42 weibliche Mitglieder, im Parteivorstand sitzen 22 Frauen. Dazu kommen die Brandenburger Umweltministerin Anita Tack, weitere ehemalige Ministerinnen bzw. Senatorinnen, jede Menge fähige Politikerinnen aus Landtagsfraktionen und Landesvorständen, aus den Führungsgremien der Rosa-Luxemburg-Stiftung, aus der Europafraktion (vier Frauen), erfahrene Genossinnen aus dem Ernst-Busch-Chor, Nachwuchskaderinnen aus den verschiedenen Jugendstrukuren.
Genügend Potenzial also, um den Wettlauf der Wahrsager in den Wochen bis zum Parteitag noch ordentlich anzuheizen. Und wenn die Medien nicht von selber anspringen, könnte die Partei ihnen doch die entsprechenden Namenslisten plus Dossiers zukommen lassen. Es gibt so viele Name, dass bis zur Entscheidung in Göttingen jeden Tag eine andere Kandidatin ausgerufen werden kann. Also bitte: mehr Phantasie beim Heiteren Genossinnen-Raten! (vk, Foto: Quaschinsky, Bundeasarchiv)
Gründlich verfehlt
Der Immunitätsausschuss des Bundestags hat am Donnerstag den Weg für ein Strafverfahren der sächsischen Justiz gegen die linken Abgeordneten Caren Lay und Michael Leutert freigemacht. In der Partei stieß das auf heftige Kritik – nicht zuletzt, da die Ermittlungen auf Grund einer NPD-Anzeige in Gang gesetzt wurden und offenbar auch die SPD-Vertreter in dem Ausschuss für die Aufhebung der Immunität stimmten, was in Kontrast zu den sozialdemokratischen Aufrufen steht, sich an den auch dieses Jahr geplanten Blockaden von Nazi-Aktionen in Dresden zu beteiligen. Linken-Chef Klaus Ernst erklärte, er sei „besonders vom Abstimmungsverhalten der SPD enttäuscht“; der Ausschuss habe „der Demokratie einen Bärendienst erwiesen“. Ernst nannte die Ausschuss-Entscheidung ein „Signal der Einschüchterung“ und forderte, „wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, wie wir künftig sicher stellen, dass das Demonstrationsrecht friedliche Demokraten schützt und nicht rechtsextreme Verfassungsfeinde“.
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion, Dagmar Enkelmann, sagte, der Immunitätsausschuss habe „die ihm vom Bundestag anvertraute Verantwortung dafür, einen wirksamen Schutz von Abgeordneten vor ungerechtfertigter politischer Verfolgung zu gewährleisten, gründlich verfehlt“. Zudem sei beiden Abgeordneten „die ausdrücklich vorgesehene Möglichkeit verweigert“ worden, „zu den Umständen und Hintergründen ihrer strafrechtlichen Verfolgung wegen der Teilnahme an einer friedlichen Blockade zur Verhinderung des Nazi-Aufmarsches in Dresden“ im Jahr 2010 Stellung zu nehmen. Enkelmann fürchtet, dass nun für die Staatsanwaltschaft der Weg frei sei, „an den beiden Bundestagsabgeordneten ein juristisches Exempel gegen praktizierte Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus zu statuieren“. Zuvor hatte Gregor Gysi in einem Brief an den Ausschuss-Vorsitzenden Thomas Strobl (CDU) und die anderen Fraktionschefs um Unterstützung gebeten. Es sei unstrittig, dass von Lay und Leutert “nicht die geringste Gewalt angewandt wurde, sie leisteten lediglich passiven Widerstand”. Solche Aktivitäten müssten unterstützt und “keinesfalls strafrechtlich verfolgt werden”. Es sei “erforderlich, dass der zuständige Ausschuss die Immunität beider Abgeordneten wieder herstellt bzw. im Falle eines Antrages ihre Aufhebung ablehnt”.
Die Angelegenheit ist zudem juristisch höchst fragwürdig: Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags war zu dem Ergebnis gekommen, dass “nach der Nichtigerklärung des Sächsischen Versammlungsgesetzes die Einleitung eines Strafverfahrens für Taten für den Zeitraum zwischen Verkündung und Nichtigerklärung wegen der dargestellten Strafbarkeitslücke nicht möglich sein” würden. Der sächsische Verfassungsgerichtshof hatte das betreffende Gesetz im April 2011 kassiert.
Lay zeigte sich „empört“ und verwies auf eine gemeinsame Erklärung alle Fraktionen, die mit Blick auf die Mordserie der Zwickauer Zelle gefordert hatten, rechtsradikalen Gruppen uind ihrem Umfeld den gesellschaftlichen und finanziellen Boden zu entziehen. „Diese Erklärung darf keine Sonntagsrede bleiben“, so Lay. Michael Leuter nannte die Entscheidung des Ausschusses „ein verheerendes politisches Signal an alle, die sich gegen Nazis engagieren“. Er selbst werde, wie auch viele andere Abgeordneten der Linken, der SPD und der Grünen, dennoch auch in diesem Jahr in Dresden bei den Protesten dabei sein. (hier beide im Audio) Zuvor war bereits die Immunität der hessischen Linke-Abgeordneten Janine Wissler und Willi van Ooyen (hier) und des sächsischen Fraktionschef André Hahn (hier) aufgehoben worden. Auch die sächsische Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen soll wegen der Teilnahme an der Blockade ihre Immunität verlieren. (vk)
Westerwelle sieht Rot
Am Mittwoch mühte sich Guido Westerwelle als Außenminister, Fragen der Opposition zu seinem Konzept „Globalisierung gestalten – Partnerschaften ausbauen – Verantwortung teilen“ zu beantworten. Unter dieser Überschrift ist eine Strategie formuliert, mit dem die deutsche Außen-, Rohstoff und Handelspolitik stärker auf neue globale Player wie die BRIC-Staaten und Länder wie die Türkei, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Ägypten auszurichten. Zwischen Menschenrechtsnormativen auf der einen, der alten, transatlantisch und europäisch gefärbten Bindung deutscher Politik an „den Westen“ sowie drittens diversen Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen lodern hell die Widersprüche. Das haben SPD, Grüne und Linke am Mittwoch im Bundestag ausführlich dargelegt. Doch der real existierende Parlamentsalltag sorgt selbst bei einem solchen Thema für Momente der Heiterkeit. Ein Auszug aus dem Protokoll:
Guido Westerwelle, Außenminister: Herr Präsident, ich muss Ihnen sagen: Ich sehe da immer dieses rote Licht blinken.
Ute Koczy, Grüne: Das heißt, dass Sie zu lange reden!
Guido Westerwelle, Außenminister: Da war mir das akustische Signal lieber.
Hartwig Fischer, Union: Das kann ich verstehen!
Dagmar Enkelmann, Linke: Haben Sie was gegen Rot?
Guido Westerwelle, Außenminister: Frau Kollegin, es ist wahr: Ich habe mich in meinem Leben eigentlich nicht von Rot aufhalten lassen wollen.
Vizepräsident Hermann Otto Solms: Aber nun ist die Regelung so. So streng wollen wir das auch gar nicht sehen. Sie haben ja mitbekommen, dass ich nicht interveniert habe.
Guido Westerwelle, Außenminister: Ich bin Ihnen dankbar. Ich bin schon – genauso wie viele andere hier – seit viele Jahren Mitglied dieses Parlaments. Nun gibt es Anzeigetafeln, und es blinkt. Das ist wohl die neue Welt.
Ute Koczy, Grüne: Handeln!
Vizepräsident Hermann Otto Solms: Auch das Parlament ist reformbereit und reformfähig. Es muss nicht allein an der Farbgebung des Warnsignales liegen. Ich werde Ihre Bemerkung an den Präsidenten weiterleiten. Jetzt hat das Fragerecht der Kollege Gehrcke von der Fraktion Die Linke.
Hartwig Fischer, Union: Für den haben wir extra dunkelrot!
Wolfgang Gehrcke, Linke: Herzlichen Dank, Herr Präsident. Das war eine schöne Überleitung, dass Sie sich von Rot nie haben aufhalten lassen. Aber ich hatte immer den Eindruck, dass Sie sich von Rot immer sehr haben beeindrucken lassen.
Guido Westerwelle, Außenminister: Herr Kollege, erlauben Sie eine Unterbrechung? Das bezog sich auf das besonders attraktive rote Kostüm von Frau Kollegin Enkelmann in der ersten Reihe.
Wolfgang Gehrcke, Linke: Das habe ich befürchtet. Das kann ich auch nachvollziehen.
Guido Westerwelle, Außenminister: Ihnen steht der schwarze Anzug auch sehr gut.
Heikle Fragen
Während das Bundesinnenministerium und der Verfassungsschutz weiter bei ihrer Version bleiben, Abgeordnete der Linken im Bundestag würden nicht mit „nachrichtendienstlichen Mitteln“ beobachtet, das niedersächsische Landesamt des Geheimdienstes widersprochen: Jedenfalls auf Landesebene, so der dortige Oberschlapphut Hans-Werner Wargel, habe man zur Bearbeitung der linken Abgeordneten nicht nur Zeitungsausschnitte und Redemanuskripte gesammelt. Die Behörde habe „punktuell auch nachrichtendienstliche Mittel angewandt“, so Wargel – der hinzufügte, dies habe man auch stets so gesagt. Das steht in Widerspruch zu den Äußerungen der auf Bundesebene Verantwortlichen, passt aber zu dem, worauf betroffene Politiker der Linken nun immer wieder beharren: Mehrere Abgeordnete der Partei haben erklärt, dass ihren Informationen zufolge gegen sie auch geheimdienstlich gearbeitet wurde.
Linksfraktionschef Gregor Gysi warf den Innenbehörden vor, zu lügen. Dagmar Enkelmann erklärte, sie habe “erhebliche Zweifel” an der Version der Behörden und glaube, dass Abgeordnete auch bespitzelt würden. Petra Pau sagte, auch ihr seien nur geschwärzte Akten vom Geheimdienst vorgelegt worden „mit der Begründung, ich könne sonst Rückschlüsse auf die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes ziehen“, was als Beleg betrachtet wird, dass womöglich auch verdeckte Ermittler oder V-Leute zum Einsatz gekommen sind. Bodo Ramelow wies sogar darauf hin, dass sich ihm 2006 sogar ein Spitzel offenbart habe: 2006 habe sich ihm ein seit längerem bekannter Mann mit den Worten vorgestellt, er sei als V-Mann tätig – offenbar, so Ramelow gegenüber der Mitteldeutschen, aus Furcht, entdeckt zu werden. 2009 hatte das Bundesinnenministerium erklärt, es sei mit Blick auf die „Sachakte“, die das Amt zur Beobachtung der Linkspartei angelegt hat, nicht ausgeschlossen, dass sich darin „im Einzelfall auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln gewonnene Informationen befinden“ – die bei der Bespitzelung „anderer Beobachtungsobjekte“ oder im Rahmen der Beobachtung der Linken auf Landesebene angefallen seien.
Auch Sperrerklärungen des Bundesinnenministeriums zu Verfassungsschutz-Akten von Linkenpolitikern legen mehr als nahe, dass in den Akten nicht bloß öffentlich zugängliche Informationen gesammelt wurden. Teilweise sind die Akten, die Linkenpolitiker bereits einsehen konnten oder um deren Einsicht sie vor Gerichten streiten, umfangreich geschwärzt, bisweilen wurden auch große Teile der Akte nicht vorgelegt. Dafür kann es viele Gründe geben, etwa das Bemühen des Geheimdienstes, formale Arbeitsrituale zu verschleiern, Aktenzeichen und handschriftliche Bearbeitervermerke, ja sogar einzelne Unterstreichungen sowie die Kommunikation mit anderen Diensten zu schützen. Ironischer Weise macht das Innenministerium zum Teil auch den Schutz von Persönlichkeitsrechten anderer geltend.
Nicht zuletzt wird indirekt zugegeben, dass die Schwärzungen auch zum Schutz von Quellen, Informanten, einem „Verbindungsmann“ oder dessen „Führer“ vorgenommen wurden. „Der Kläger“, heißt es in einer uns bekannten Sperrerklärung zu einer Verfassungsschutz-Akte eines Abgeordneten der Linken, „könnte von dem konkreten Rahmen der Informationserhebung sowie deren Zeitpunkt auf die Identität der Quelle(n) schließen“. An anderer Stelle wird im Sinne des „Quellenschutzes“ darauf hingewiesen, dass „im Rahmen der Einzelabwägung“ durch das Ministerium nicht danach gefragt wurde, „ob ,man‘ oder ,jemand‘ Rückschlüsse aus bestimmte Informationen ziehen könnte. Maßgeblich war vielmehr, im im konkreten Fall der Kläger (…) den kreis etwaiger Informanten oder Beschaffungsquellen so eingrenzen könnte, dass diese für die weitere Arbeit des BfV oder anderer Sicherheitsbehörden entwertet oder gefährdet werden könnten“.
Bodo Ramelow hat erklärt, dass „die vom Verfassungsschutz geschwärzten Akten“ darauf deuteten, „dass dieses Amt genügend zu verbergen hat“. Linken-Chef Klaus Ernst hat nun verlangt, dass die Bundesregierung Auskunft über mögliche V-Leute in der Partei gebe. Er wolle wissen, so der Bayer, wie viele Verbindungsleute für den Verfassungsschutz des Bundes und der Länder in der oder zur „Bearbeitung“ der Linken tätig sind. Diese Frage liegt einerseits nahe, andererseits birgt sie einen gewissen Sprengstoff – man stelle sich die innerparteiliche Vertrauenslage vor, die Behörden würden zugeben, in der Linken seien fünf oder zehn V-Leute aktiv. Der SPD-Politiker Thomas Oppermann hat bereits angefangen zu sticheln: „Klaus Ernst fragt nach V-Leuten des Verfassungsschutzes in der Linkspartei. Traut er seinen Mitgliedern zu, dass sie die eigene Partei bespitzeln?“ Ein anderer Twitter-Nutzer wies das zurück: „IMs können aber auch gezielt eingeschleust sein. Was hat das mit Vertrauen zu tun?“
(tos, Foto: Ausriss aus dem Deckblatt einer zur Auskunft vorgelegten Verfassungsschutzakte eines Bundestagsabgeordneten der Linken)

