Agrar

NaturFreunde: Der Agrarskandal in Europa geht weiter


EU-Parlament genehmigt Subventionen ohne ökologische Gegenleistung

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 15. März 2013 – „Die Verbraucher in Europa haben kein Verständnis dafür, dass rund 60 Milliarden Euro jedes Jahr in die falschen Kanäle geleitet werden“, erklärte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher der NaturFreunde Deutschlands, anlässlich der jüngsten Entscheidung des Europäischen Parlaments zur EU-Agrarpolitik.

 

Die NaturFreunde Deutschlands haben mit großer Enttäuschung auf die Entscheidung des Europäischen Parlaments reagiert, auch in Zukunft Großbauern und Agrarfabriken ohne ökologische Gegenleistung zu subventionieren. Damit wird der Agrarskandal fortgesetzt, durch den Natur und Landschaft für weitere Jahre zerstört werden.

 

Wie Kuhlwein mitteilte, habe sich eine Mehrheit im Europäischen Parlament am Mittwoch dagegen ausgesprochen, die EU-Agrarpolitik zukünftig stärker ökologisch auszurichten und damit für eine bessere gesamtgesellschaftliche Legitimation zu sorgen, wie es die EU-Kommission vorgeschlagen hatte. So habe das Parlament eine große Chance vertan, Vertrauen in Europa zu fördern.

 

Von einer „Agrarreform“, die von vielen Umwelt- und Naturschutzverbänden auch in Deutschland gefordert worden war, kann nun nicht mehr die Rede sein. Nicht nur die von der EU-Kommission vorgeschlagenen ökologischen Auflagen bei den Direktzahlungen für Landwirte wurden abgeschwächt. Die Mehrheit der Abgeordneten will auch neue Instrumente zur Einkommensstabilisierung und Versicherungssysteme für Landwirte aus den Mitteln für die Förderung des ländlichen Raums finanzieren. „Der Grundsatz, dass öffentliches Geld für öffentliche Güter ausgegeben werden muss, wird mit dieser Entscheidung komplett untergraben“, kritisiert Kuhlwein. Damit werde die öffentliche Legitimation für einen der größten Brocken aus dem EU-Haushalt verspielt.

Wir haben es satt!/Kampagne “Meine Landwirtschaft”: Protest vor Bundeslandwirtschaftsministerium

Liebe Interessierte an einer besseren und gerechten EU-Agrarpolitik,

wir haben es satt 2013 landwirtschaft agrarwenige Tage nach der “Wir haben es satt!”-Demo am 19. Januar 2013 wurde im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments über die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik abgestimmt: die Ergebnisse waren enttäuschend! In den nächsten Wochen entscheiden nun noch das Europäische Parlament und der Europäische Rat über die Kommissions-Vorschläge.

Diesen Mittwoch muss sich aber zunächst Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner mit ihren Länderkollegen in Berlin über die künftige EU-Agrarpolitik einigen. Stellt sich Deutschland hinter die Pläne der EU-Kommission, die für weniger Pestizide, ein Ende des Bienensterbens und mehr Artenvielfalt auf unseren Äckern sorgen will? Werden Agrarsubventionen nur noch an Betriebe gezahlt, die ökologische Auflagen einhalten? Offiziell stellt sich Aigner zwar hinter die Kommissionspläne. Doch hinter den Kulissen macht sie Politik für die Agrarindustrie – und versucht die Pläne zu verwässern.

Umso wichtiger, dass wir Bürger/innen den Minister/innen unsere Forderungen nach einer ökologischen Agrarreform mit auf den Weg geben!
Diesen Mittwoch wollen wir daher mit einem Aktionsbild zeigen, dass wir Vielfalt auf dem Acker wollen: Menschen stellen in Kostümen Mais, Erbsen, Möhren, Äpfel, Bienen und Feldhasen dar. Sie halten Schilder mit unseren Forderungen in die Höhe. Die Minister laden wir zur Debatte mit uns Bürger/innen ein.
Können Sie zur Aktion kommen?

Zeit: Mittwoch, den 20. Februar 2013, 10:15 bis 11:30 Uhr
Ort: vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium, Wilhelmstraße 54, 10117 Berlin. Stadtplanlink: http://tinyurl.com/aktionsort-bmelv

Spannend sind die Verhandlung zwischen Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner und ihren Kollegen aus den Ländern vor allem deshalb, da die Ministerin eigentlich an die Beschlüsse der Runde gebunden ist. In den Ländern gibt es seit der Niedersachsen-Wahl eine rot-grüne Mehrheit. Nun müssen wir dafür sorgen, dass die Länderminister/innen nicht vor der Lobbykampagne des Bauernverbands und der Agrarindustrie einknicken, denen auch Aigner in den letzten Monaten allzu oft das Wort geredet hat.

Die Aktion organisieren wir gemeinsam mit Campact, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der BUNDJugend und weiteren Partnern der Kampagne “Meine Landwirtschaft”.

Bringen Sie gerne ein großes Stück Obst oder Gemüse mit, das für Vielfalt auf dem Acker steht. Sagen Sie noch schnell Freund/innen und Bekannten Bescheid und leiten Sie diese Mail weiter!

Demo: Wir haben es satt! – Video und Bilder der Demo

wir haben es satt 2013 landwirtschaft agrar

 

 

Mehr als 25 000 Menschen haben sich an der Demonstration “Wir haben es satt!” beteiligt. Ökologische Landwirte, Kleinbauern, Tierschützer, Umwelt- und Naturschützer, vegetarische und vegane Verbände, Solidaritätsorganisationen die Themen wie Land Grabbing und Hunger thematisiert haben: Sie alle waren am Erfolg der Demonstration beteiligt.

 

 

 

 

Auch die NaturFreunde Deutschland hatten sich mit gleich drei Aktionen an der Demonstration beteiligt:

  • In der Demonstration hatten sich die NaturFreunde hinter dem Transparent: “Wir haben es satt! – Nein zu Land Grabbing und Nahrungsmittelspekulationen” gesammelt.
  • Vor der FDP-Zentrale machten einige NaturFreunde eine witzige Aktion: “F.D.P. – Fast drei Prozent – Wir haben Euch satt!” (Das ist in Niedersachsen leider nicht gelungen)
  • Bei der Abschlusskundgebung haben sich die NaturFreunde mit einem Info-Stand beteiligt.

 

Hier das Youtube-Video zur Demo:

 

 

 

 

Weiter gibt es bei Flickr auf meinem Account eine ganze Reihe von Fotos von der Demonstration:

 

Teil 1 der Fotos

Teil 2 der Fotos

Teil 3 der Fotos

Teil 4 der Fotos

 

Viel Spaß beim Stöbern!

 

 

Wir haben es satt: Mobilisierungs- und Helfertreffen in Berlin

Liebe Interessierte an einer Agrarwende,
liebe MitstreiterInnen für eine bäuerliche, faire und gesunde Landwirtschaft,

aller guten Dinge sind drei! Nach dem überwältigenden Erfolg der letzten beiden Jahre wird es nächsten Januar wieder eine “Wir haben es satt!”-Demo parallel zum Internationalen Agrarministergipfel in Berlin geben.

Am Samstag, den 19.1.2013, geht zum dritten Mal ein breites Bündnis aus VerbraucherInnen, TierschützerInnen, UmweltschützerInnen, ImkerInnen, Bäuerinnen und Bauern auf die Straße um für eine Agrarwende zu demonstrieren. Wir wollen: Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!
2013 wird diesbezüglich ein Jahr der Entscheidung: die Bundestagswahl und die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik stellen die Weichen für die Lebensmittel- und Landwirtschaft der Zukunft. Unter dem Motto “Wir haben Agrarindustrie satt!” fordern wir von der Bundesregierung daher: es ist Zeit zum Umdenken!

Damit auch die nächste Demo wieder ein voller Erfolg wird, brauchen wir euch!

Wir laden euch zu unserem ersten Mobilisierungs- und Helfertreffen in Berlin

am 12. Dezember 2012 um 18:30 Uhr
in die Markthalle IX in Kreuzberg
(Wegbeschreibung unten) ein.

  • Wir suchen wieder engagierte Helfer/innen, die in Berlin und im Umland plakatieren, Werbung machen und weitere Mitstreiter/innen gewinnen!
  • Aktionskoch Wam Kat braucht Helfer für die Demo-Suppe: Schnippeln am 18. Januar 2013 und Kochen am 19. Januar 2013
  • Wir brauchen wieder Ordner/innen, Spendensammler/innen und viele mehr!

Für Essen, Trinken und Informationen ist gesorgt. Außerdem werden wir unsere Demomaterialien zum Weiterverteilen mitbringen (Flyer, Aufrufe, Plakate & Aufkleber). Ihr könnt sie euch hier anschauen und auch schon Pakete bestellen: http://www.wir-haben-es-satt.de/start/mobilisieren/materialien/

Bei Rückfragen steht euch das Demo-Büro unter info@wir-haben-es-satt.de oder 030-28482438 gerne zur Verfügung!
Bitte leitet diese E-Mail auch an andere Interessierte weiter!

Herzliche Grüße,
Iris Kiefer, Regine Holloh & Jochen Fritz für das Demo-Orga-Team

So erreicht ihr die Markthalle IX:

Wegbeschreibung: http://www.markthalle9.de/location.html, zu erreichen mit den U – Bahnen U1 bzw. U12 und der M29 (Görlitzer Bahnhof) und dem Bus 140 (Wrangelstr./Manteuffelstr.), Eingänge: Eisenbahnstraße 42-43 und Pücklerstraße 34, 10997 Berlin

Recht auf Nahrung durchsetzen: VENRO startet Aktion zur Europäischen Agrarpolitik

PRESSEMELDUNG
10/2012

Recht auf Nahrung durchsetzen
VENRO startet Aktion zur Europäischen Agrarpolitik

Bonn, 11. September – Die Europäische Union (EU) muss den Menschen in Entwicklungsländern garantieren, dass ihr Recht auf Nahrung zukünftig in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) berücksichtigt wird. Dies hat der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) anlässlich der anstehenden GAP-Reform im Rahmen der heute startenden Aktion „Hunger durch Armut: Verdächtig Europa“ gefordert.

„Europas Agrarpolitik hat gravierende Folgen für viele Entwicklungsländer. Sie trägt eine Mitschuld daran, dass viele Menschen sich in den armen Ländern nicht mehr ernähren können. Die EU und insbesondere Deutschland müssen sich deshalb dafür einsetzen, dass das Recht auf Nahrung in der Gemeinsamen Agrarpolitik fest verankert wird“, so Jürgen Reichel, stellvertretender VENRO-Vorsitzender.

Die EU ist weltweit der größte Exporteur von Agrarprodukten und verarbeiteten Nahrungsmitteln. Oftmals wirken sich die Exporte negativ aus, da die lokale Produktion mit den subventionierten Produkten nicht konkurrieren kann. Viele Menschen in armen Ländern werden dadurch ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Mit der Aktion „Hunger durch Armut: Verdächtig Europa“ fordert VENRO Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, sich bei den GAP-Verhandlungen dafür einzusetzen, dass das Recht auf Nahrung aufgenommen und in einem gesonderten Artikel behandelt wird. Zudem muss eine Beschwerdestelle für Betroffene eingerichtet werden, die ihnen ermöglicht, sich bei einem Verstoß direkt an die EU zu wenden. Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik soll bis Ende 2013 abgeschlossen sein und im Januar 2014 in Kraft treten.

Die Aktion wurde von der VENRO-Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ ins Leben gerufen – in Kooperation mit der Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Zum Start der Aktion geht auch die neue Webseite von „Deine Stimme gegen Armut“ online. Sie bietet Hintergrundinformationen zu entwicklungspolitischen Themen und ruft zu Mitmachaktionen auf.

Besuchen Sie unsere Seite unter http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/ .

NaturFreunde: 32 Verbände fordern gesellschaftsfähigere EU-Agrarpolitik von Bundesregierung ein

Die europäische Landwirtschaft braucht einen Paradigmenwechsel

Berlin, 7. September 2012 –  Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen die heute veröffentlichte Stellungnahme der Verbände-Plattform zur Reform der europäischen Agrarpolitik. „In die europäische Agrarpolitik fließen Milliarden Euro Steuergelder, doch bei der Verteilung fehlen immer noch wirksame ökologische und soziale Kriterien“, kritisierte Eckart Kuhlwein, der umweltpolitische Sprecher der NaturFreunde Deutschlands. Die NaturFreunde sind Mitunterzeichner der Stellungnahme, mit der sich 32 Verbände und Organisationen nach einem intensiven Diskussionsprozess in eine wichtige Zukunftsfrage Europas einmischen. „Die Bundesregierung sollte sich unbedingt an den Vorschlägen orientieren und endlich ihren Widerstand gegen den Paradigmenwechsel in der EU-Agrarpolitik aufgeben“, forderte Kuhlwein.

 

Die bisherige Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ist nicht nachhaltig. Die finanziellen Mittel aus dem Agrarhaushalt (mit knapp 60 Milliarden Euro jährlich ein großer Teil des EU-Haushalts) werden zu zwei Dritteln für direkte Beihilfen an die Landwirtschaft und nur zu einem kleinen Teil für die ökologische und soziale Entwicklung des ländlichen Raums ausgegeben. Kuhlwein: „So werden Großbetriebe bevorzugt und bei den bäuerlichen Familienbetrieben landet nur wenig. Dabei müssten gerade diese wegen ihrer vielen Aufgaben bei der Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft unterstützt werden.“

 

Zweite Säule: nachhaltige ländliche Entwicklung fördern

Die NaturFreunde Deutschlands begrüßen zwar die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Instrumente für die Honorierung öffentlicher Güter und gesellschaftlicher Leistungen der Landwirtschaft. Dennoch gehen diese nicht weit genug: Gemeinsam mit der Verbände-Plattform fordern die NaturFreunde eine Stärkung der sogenannten Zweiten Säule – der Förderung ländlicher Entwicklung. Ziel einer reformierten GAP müsse Kuhlwein zufolge eine ökologisch nachhaltige Ausrichtung der Landwirtschaft und Landnutzung werden, die eine Übernutzung der Natur vermeide, intakte Kulturlandschaften fördere, Arbeitsplätze schaffe und Tierschutzanliegen ebenso ernst nehme wie die globalen Entwicklungsfragen und den Klimaschutz.

 

EU muss Verbraucherforderungen endlich stärker berücksichtigen

Eine immer sensibler werdende Öffentlichkeit und Verbraucherschaft habe berechtige Forderungen und Ansprüche an die Art und Weise der Lebensmittel-Erzeugung – etwa in Bezug auf Tierschutz, fairen Handel oder Gentechnikfreiheit. „Die Subventionspolitik der EU muss diese Verbraucheranliegen endlich berücksichtigen. Sonst geht noch mehr Akzeptanz der Steuerzahler für die Agrarpolitik verloren“, warnte Kuhlwein.

 

Mehr Informationen und PDF-Download Stellungnahme der 32 Verbände www.die-bessere-agrarpolitik.de

NaturFreunde: Agrarpolitik – nur noch besondere ökologische und soziale Dienstleistungen subventionieren

Rote Liste neuer Warnschuss für verfehlte EU-Agrarpolitik

Berlin, 21. August 2012 – „Es wird höchste Zeit, dass die EU-Agrarpolitik auf den Erhalt der biologischen Vielfalt ausgerichtet wird“, kommentierte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher der NaturFreunde Deutschlands, die jüngste Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz (BfN). „Gerade bei einigen Wildbienen- und Ameisenarten gibt es einen dramatischen Rückgang. Schuld daran ist in erster Linie die industrielle Landwirtschaft“, kritisierte Kuhlwein.

 

Die jüngste Rote Liste des BfN dokumentiert die Entwicklung der wirbellosen Tiere wie Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Wespen und Ameisen. Fast 92 Prozent der Ameisenarten weisen dem BfN zufolge einen negativen Trend auf. Bei den Wildbienen stehen inzwischen 52,2 Prozent auf der Roten Liste. 45,8 Prozent der untersuchten wirbellosen Arten sind bestandsgefährdet, extrem selten, verschollen oder bereits ausgestorben. Im Jahr 1998 lag dieser Wert noch bei 38,3 Prozent. „Der Raubbau an der Natur ist also ständig weitergegangen“, kritisierte Kuhlwein.

 

Rücksichtnahme auf Großbauern beenden

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung auf, ihren Widerstand gegen die von EU-Agrarkommissar Ciolos vorgeschlagenen Reformen der EU-Agrarpolitik aufzugeben. Die EU dürfe zukünftig nur noch besondere ökologische und soziale Dienstleistungen mit Subventionen honorieren und solle die Rücksichtnahme auf die industrielle Landwirtschaft betreibenden Großbauern endlich beenden.

 

Aussterben von Bestäuberarten hat auch wirtschaftliche Folgen

Die Bundesregierung müsse sich zudem dafür stark machen, dass die Forderungen der Verbände-Plattform zur Reform der Agrarpolitik umgesetzt werden. Kuhlwein: „Wer jetzt nicht endlich umsteuert, versündigt sich nicht nur an der Selbststeuerung der Natur, sondern wird auch die wirtschaftlichen Folgen zu tragen haben, wenn immer mehr Bienen- und damit Bestäuberarten aussterben.“

 

Rote Liste, Band 3 – Wirbellose Tiere: http://www.bfn.de/0405_hintergrundinfo.html

INKOTA: AttacBasisText „Land Grabbing – Der globale Wettlauf um Agrarland“

[Berlin, 16. April 2012] – Anlässlich des Internationalen Tags der Landlosen erscheint der neue AttacBasisText „Land Grabbing – Der globale Wettlauf um Agrarland“. Das Buch nimmt die LeserInnen mit auf eine Reise in verschiedene Länder der Erde, in denen Ackerland zu Spottpreisen verscherbelt wird. Es beschreibt die verheerenden Folgen dieser Landnahmen für die Menschen, die zuvor auf und von dem Land gelebt haben. Timo Kaphengst (attac Agrarnetz) und Evelyn Bahn (INKOTA-netzwerk) zeigen auf, welche politischen Fehlentwicklungen der Vergangenheit und der Gegenwart dazu geführt haben, dass der Wettlauf nach Ackerland unaufhörlich voranschreitet. Diskutiert werden auch Lösungen, um den ungebremsten Ausverkauf von Land einzudämmen.

Mit den Großinvestitionen in Ackerland werden entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Denn diejenigen, die das Land kaufen, bestimmen darüber, was und vor allem wie zukünftig auf den weltweiten Ackerflächen produziert wird“, erklärt Autorin Evelyn Bahn. „Land Grabbing manifestiert das industrialisierte Produktionsmodell mit all seinen negativen Folgen für lokale Kleinbäuerinnen und –bauern“.

Es sind vornehmlich privatwirtschaftliche Investoren, die auf dem afrikanischen Kontinent und in anderen Regionen Land kaufen oder pachten, um dort Agrarrohstoffe für den Export anzubauen. Angelockt werden auch Spekulanten aus dem Finanzsektor, die in Ackerland weltweit investieren, um an dessen Wertsteigerung kräftig mitzuverdienen.

„Anstatt die Kleinbäuerinnen und –bauern von ihrem Land zu vertreiben, müssen sie gefördert und ihre Rechte auf Land und andere Ressourcen gewahrt werden. Nur so kann ein stabiles Versorgungsnetz von Lebensmitteln aus lokaler und regionaler Produktion erhalten werden, dass zur Ernährungssicherheit beiträgt“, fordert Autor Timo Kaphengst.

 

Timo Kaphengst hat an der Universität Greifswald Landschaftsökologie und Naturschutz studiert. Seit 2007 arbeitet er beim Ecologic Institut in Berlin zu verschiedenen Themen internationaler und europäischer Umweltpolitik.

Evelyn Bahn hat Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert und ist Referentin für Welternährung und Globale Landwirtschaft beim INKOTA-netzwerk. Seit 2008 beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der europäischen Agrarkraftstoffpolitik und den Ursachen von Land Grabbing.

Skulpt(o)ur auf dem Weg zum Kanzleramt: Wir haben Agrarindustrie satt!

Skulpt(o)ur auf dem Weg zum Kanzleramt: Wir haben Agrarindustrie satt!
Bio-Bauer fährt mit Kunstwerk für eine bäuerliche Zukunft von München nach Berlin

Tourauftakt mit Kundgebung am 14. Januar um 15.00 Uhr in München, Marienplatz

Am 14. Januar 2012 macht sich der bayrische Biolandbauer und Künstler Ste-phan Kreppold mit seinem Traktor und einer selbst geschweißten, drei Meter großen und vier Tonnen schweren „Wir haben es satt!“-Skulpt(o)ur auf den Weg von München nach Berlin.

Grund der bäuerlichen Kunstaktion: Die agrarindustrielle Landwirtschaft ist Kreppold ein Dorn im Auge. Deshalb will er für eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft und gesundes Essen demonstrieren. Ziel der Tour ist das Bun-deskanzleramt in Berlin, wo die Skulpt(o)ur am 21. Januar 2012 im Rahmen der Großdemonstration „Wir haben es satt!“ vor dem Kanzleramt enthüllt wer-den wird. Auf der Demonstration, die parallel zum internationalen Agrarminis-tergipfel der „Grünen Woche“ stattfindet, werden viele tausend Menschen von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Systemwechsel in der Landwirtschafts-politik fordern. Dann wird es heißen: Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie!

Die Skulpt(o)ur startet am

14. Januar ab 15.00 Uhr auf dem Münchener Marienplatz vor dem Rathaus.

Dort wird es eine Kundgebung mit Kurzansprachen von Josef Schmid, Vorsit-zender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL Bayern), Ru-pert Ebner, Vorsitzender Slow Food Ingolstadt, Eva Heerde Hinjossa, Mise-reor München, Johann Leis, Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) Bayern und Marion Ruppaner, Bund Naturschutz geben.

Gegen 15.30 Uhr wird Stephan Kreppold sein Kunstwerk enthüllen und erläutern.

Unterstützt und begleitet wird Stephan Kreppold von der Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Unterwegs wird Kreppold in sieben Großstädten Station machen, um für die Demonstration am 21. Januar zu werben und die Menschen aufzufordern, mit nach Berlin zu ziehen. Für eine nachhaltige, bäuerliche und gesunde Zukunft der Landwirtschaft.

Die Kampagne “Meine Landwirtschaft” ist eine von über 40 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie der Entwicklungszusammenarbeit getragene Initiative, die sich für eine Neu-ausrichtung der EU-Agrarpolitik engagiert. Ziel ist es mit der EU-Agrar-reform 2013 einen Systemwechsel hin zu einer nachhaltigen, sozialen und bäuerli-chen Landwirtschaft einzuleiten. Zum Auftakt der Kampagne im Jahr 2011, der ersten “Wir haben es satt”- Demonstration, kamen 22 000 TeilnehmerInnen.

Tourdaten:

Sa. 14.1.2012, München (Auftaktveranstaltung)
15.00 Uhr, Marienplatz

So. 15.1.2012, Stuttgart

11 Uhr, Königsstraße beim Schlossplatz

Mo. 16.1.2012, Frankfurt
13 Uhr, vor der ehemaligen Börse

Di. 17.1.2012, Kassel
12.30 Uhr, Fußgängerzone, Königsplatz

Mi. 18.1.2012, Hannover
13 Uhr, Bahnhofsvorplatz, Ernst-August-Platz

Do. 19.1.2012, Braunschweig

13 Uhr, Schlossplatz

Fr. 20.1.2012, Berlin
Ab 12.15 Uhr vor dem ICC-Gebäude, Messe Berlin

FIAN: Die Ärmsten zahlen die Zeche – Kosten für Nahrungsmittelimporte auf Rekordniveau

Pressemitteilung: Die Ärmsten zahlen die Zeche – Kosten für Nahrungsmittelimporte auf Rekordniveau
“Brot für die Welt” und FIAN fordern nachhaltige Hungerbekämpfung

Berlin/Stuttgart/Köln, 05.10.2011. Die Zahl der Hungernden steigt wieder an. Die dramatischen Ereignisse in Ostafrika sind nur die Spitze des Eisberges. Die weltweite Hungerkrise ist keine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht. “Die Politik muss endlich die lokale und nationale Nahrungsmittelproduktion ganz oben auf die Agenda einer nachhaltigen Hungerbekämpfung setzen” forderten Vertreter des evangelischen Hilfswerks “Brot für die Welt” und der Menschenrechtsorganisation FIAN in Berlin mit Blick auf den bevorstehenden Welternährungstag am 16. Oktober. Sie führten aus, dass gegenwärtig die Ärmsten die Zeche zahlen würden.

Ein Kernproblem ist die wachsende Abhängigkeit armer Länder von Nahrungsmittelimporten. Nach Angaben von “Brot für die Welt” und FIAN haben sich die Kosten dafür weltweit seit 2000 verdreifacht und werden dieses Jahr knapp eine Billion Euro erreichen. Dies trifft die ärmsten Länder am härtesten, die ohnehin am Tropf des Weltmarkts hängen. Die Kosten der ärmsten Länder für Nahrungsmittelimporte steigen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent an – die Importkosten für Getreide in Afrika südlich der Sahara gar doppelt so stark.

Noch vor 30 Jahren waren die meisten Länder Selbstversorger in Sachen Nahrungsmittel. Dass sich die ärmsten Länder heute über den Weltmarkt ernähren müssten, sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik der Diskriminierung der bäuerlichen Landwirtschaft, kritisieren die Organisationen. Diese Politik wurde von den Industrienationen maßgeblich (mit)bestimmt. So hat das Exportdumping der europäischen Agrarüberschüsse die lokale Nahrungsproduktion in vielen afrikanischen Ländern systematisch untergraben. “Die so geschaffene Abhängigkeit reißt nun die Ärmsten in den Hunger”, betont der Ernährungsexperte Bernhard Walter von Brot für die Welt. “Diese Probleme sind auf Politiken zurückzuführen, die das Menschenrecht auf Nahrung ignorieren.” so Walter weiter.

Eine Kehrtwende der Politik sei nicht in Sicht. In Kenia, wo die aktuelle Hungersnot wütet, würde die Nahrungsmittelproduktion weiter zerstört, um für große Agrarexportprojekte Platz zu machen, erläuterte Roman Herre, Agrarreferent von FIAN. Er verwies auf ein aktuelles Beispiel aus dem Tana-Delta, wo 32 Dörfer einer riesigen Zuckerrohrplantage zur Ethanolproduktion Platz machen sollen.

Die heutige Hungerkrise ist keine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht. Das von Brot für die Welt und FIAN mit herausgegebene internationale “Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2011″ (Right to Food and Nutrition Watch 2011) zeigt an zahlreichen Fallbeispielen, dass Verursacher von Hunger benennbar sind und zur Verantwortung gezogen werden können und müssen. Eine der wichtigsten Herausforderungen für einen effektiveren Kampf gegen den Hunger ist es, gegen Verletzungen des Menschenrechts auf Nahrung vorzugehen. Wer jedoch heutzutage das Menschenrecht auf Nahrung verletzt, geht meistens straffrei aus. “Der chronische Hunger ist vor allem eine Folge dieser Straflosigkeit”, so Roman Herre. “Ohne diese menschenrechtliche Rechenschaftspflicht aber bleiben die Millenniumsziele Makulatur.”

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