Merkel

NaturFreunde: Energiegipfel – Merkel nimmt ihr „wichtigstes Projekt“ nicht ernst


Umweltminister Altmaier wird in den Regen gestellt, Blockierer Rösler zum Gärtner gemacht

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 21. März 2013 – „Wir erleben das andauernde Scheitern der Energiewende“, kritisiert der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller die Energiepolitik der Bundesregierung. „Innerhalb von vier Jahren sind zwei Umweltminister – Röttgen und jetzt Altmaier – an der Energiewende gescheitert. Beide haben aus einem großen Projekt eine permanente Ankündigung ohne Folgen gemacht“, so Müller.

 

Heute hat die Bundeskanzlerin zum Energiegipfel ins Kanzleramt geladen. Dabei finden Müller zufolge fast wöchentlich Energiedialoge im Bundesumweltministerium statt mit fast immer denselben Akteuren. Aber immer noch sei kein überzeugendes Konzept erkennbar.

 

Zentrale Fragen der Energiewende seien laut Müller bis heute nicht angesprochen. Insbesondere wie eine Verbindung aus Effizienzrevolution und solarer Energieversorgung gegen den Widerstand der traditionellen Verbundwirtschaft (EON, ENBW, Vattenfall, RWE) durchgesetzt werden könne. „Die großen Energiekonzerne beherrschen immer noch fast 80 Prozent des Energiemarktes und ihr Hauptinteresse ist nicht die Energiewende, sondern die Sicherung des bisherigen Systems“, betonte Müller.

 

„Die Energiewende hat eine eigene Systemlogik, die politisch durchgesetzt werden muss. Es geht nicht nur um die Erschließung erneuerbarer Energien, sondern insbesondere um mehr Energiesparen und Energieeffizienz. Der hohe Energieverbrauch muss systematisch reduziert werden. Daran aber ist die verschwenderische Verbundwirtschaft überhaupt nicht interessiert“, so Müller

 

Ein Grund für das andauernde Scheitern der Energiewende sei insbesondere der fortgesetzte Widerstand von Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Und trotzdem gebe mittlerweile nicht mehr der Umweltminister – obwohl doch von der Kanzlerin extra für dieses Projekt ausgesucht – die Regierungserklärung zur Energiewende ab, sondern der Blockierer Rösler.

 

„Die Bundeskanzlerin lässt zu, dass der Bock zum Gärtner gemacht und Minister Altmaier in den Regen gestellt wird. Die Bundesregierung nimmt ihr ‚wichtigstes Projekt‘ nicht ernst. Die ‚verantwortlichen‘ Minister blockieren entweder die Energiewende oder deckeln den Ausbau der Erneuerbaren.“

SPD: links blinken, rechts abbiegen

Immer wieder wird DIE LINKE mit der Frage nach einer Koalition oder Zusammenarbeit mit SPD und Grünen bzw. nach der Wahl eines Kanzlers Steinbrück konfrontiert. Dies ist intellektuell fast so gehaltvoll wie die Frage nach einer Koalitionsmöglichkeit mit der CDU. Auch diese versucht mit der „Lohnuntergrenze“ scheinbar Programmatik der Linken aufzugreifen.

Eine Zusammenarbeit mit der SPD ist fiktiv, allein schon weil sie jegliche Debatte über diese Perspektive und mögliche Inhalte verweigert. Die Agenda-Politiker in der SPD wissen, dass ein Bündnis mit der Linken ohne einen wirklichen Politikwechsel nicht möglich wäre. Deshalb bunkert sich die SPD unbenommen von Umfragewerten in ihrem Wunschdenken von einem rot-grünen Projekt ein. Und hinter den Kulissen bereitet sie sich auf eine Große Koalition vor, denn arithmetisch ist kaum absehbar, dass das Wahlergebnis Rot/Grün eine Mehrheit beschert. Diese Perspektive ist der SPD attraktiver als die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der LINKEN.

Die SPD verweigert sich prinzipiell einer Perspektive mit uns, weil sie weiß, dass ihr Gerede von einer Rückwendung zu sozialer Gerechtigkeit auf den Prüfstand kommen würde. Bei einer Kooperationsperspektive mit der LINKEN wäre klar, dass links blinken nicht reicht – sondern dass auch wirklich nach links abgebogen werden müsste.

In der Konsequenz heißt dies, dass der SPD „Beinfreiheit“ beim Abbiegen nach rechts wichtiger ist, als die Politik in diesem Land für mehr soziale Gerechtigkeit zu verschieben – unbenommen aller programmatischen Ankündigungen. Frei nach Müntefering, der 2006 den Wahlbetrug mit der Anhebung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent wie folgt kommentierte: „Ich bleibe dabei: Dass wir oft an Wahlkampfaussagen gemessen werden, ist nicht gerecht.“ Denn, so seine Meinung, Regieren ist etwas anderes als Wahlkampf.

Bezeichnenderweise kritisiert Daniel Brössler in der Süddeutschen Zeitung die SPD für ihre „unsouveräne Haltung gegenüber der Linken.“ Er schlägt der SPD vor, der LINKEN ihrerseits konkrete Bedingungen für eine Kooperation zu benennen. Seiner Meinung nach müssten dies die Zustimmung zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr und das Festhalten an der Agenda 2010 sein.

Die SPD wird diesen Vorschlag der Süddeutschen jedoch nicht aufgreifen weil sie Farbe bekennen müsste, was die Menschen von einer Regierungspartei SPD zu erwarten hätten. Dies wäre eine Klarstellung, die gerade in Hinblick auf die Agenda-Politik ihrem momentan inszenierten sozialen Imagewandel zuwiderlaufen würde.

Schließlich versucht die SPD gerade mit vereinten Kräften, durch angebliche „Nachjustierungen“ an der Agenda 2010 den Eindruck einer Linkswende zu erwecken. So soll vernebelt werden, dass sie es selbst war, die gemeinsam mit den Grünen die Agenda 2010 und damit das größte Sozialabbauprogramm der Nachkriegszeit durchgesetzt hat.

Was die SPD aktuell macht, ist nichts anderes als ein Linksblinken. Nach der Wahl droht wieder das Rechtsabbiegen – egal ob mit den Grünen oder aber an der Seite der CDU. Das soll aber möglichst vor dem 22. September niemand merken. Diesen drohenden Wahlbetrug verhindern oder zumindest abmildern kann nur ein starke Linke im nächsten Parlament.

Von Michael Schlecht ist ein ausführlicher Text über die aktuelle Politik der SPD im Spannungsfeld zur Partei DIE LINKE erschienen (6 Seiten). Dieser kann hier heruntergeladen werden.

Schönfärberei braucht offenbar noch Zeit

„Nachdem bereits auf Druck der FDP kritische Passagen aus dem Armutsbericht gestrichen worden waren, wurde die Veröffentlichung des Berichts nun erneut verschoben: Die Regierung braucht offenbar noch Zeit für ihre Schönfärberei“, kommentiert Michael Schlecht, Bundestagabgeordneter der LINKEN und deren Spitzenkandidat in Baden-Württemberg.

Schlecht weiter: „Es ist offensichtlich, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in der Bundesrepublik die soziale Spaltung befördert. Die ungleiche Einkommensverteilung, steigende Armutsrisiken und das Anwachsen des Niedriglohnsektors gefährden den sozialen und demokratischen Bundesstaat, wie er im Grundgesetz definiert ist. Die Regierung soll die Fakten auf den Tisch legen, statt den Armutsbericht wahlkampftauglich zu frisieren!“

Auch in Baden-Württemberg sieht Schlecht dringenden Handlungsbedarf: „Die Armutsgefährdung hat in Baden-Württemberg in den letzten Jahren deutlich stärker zugenommen als im Bundesdurchschnitt. Insbesondere in der Gruppe der 18- bis 25-jährigen ist diese Gefährdung besonders hoch. Wir fordern die Grün-Rote Landesregierung daher auf, die Einsparungen im Bildungssystem zurückzunehmen und durch ein umfassendes Investitionsprogramm dieser Entwicklung entgegenzuwirken.“

NaturFreunde: Europäische Volkspartei darf Antiziganismus von Zsolt Bayer nicht akzeptieren

 


CDU-Vorsitzende Merkel muss Ausschluss des Fidesz-Mitglieds Bayer verlangen

 

Berlin, 10. Januar 2013 – Zu den rassistischen und antiziganistischen Beleidigungen von Zsolt Bayer, einem der Gründungsmitglieder der ungarischen Regierungspartei Fidesz, erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

 

naturfreunde haende geschnittenDass ein offen rassistisch und antiziganistisch auftretender Publizist Mitglied einer Partei sein kann, die auch Mitgliedspartei der Europäischen Volkspartei ist, kann nicht einfach toleriert werden. Die NaturFreunde Deutschlands erwarten von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, dass sie ihre Schwesterpartei Fidesz auffordert, den Rassisten und Antiziganisten Zsolt Bayer sofort aus der Partei auszuschließen.

 

Faktisch „Endlösung für Roma“ gefordert

Zsolt Bayer hatte in einer Hetzschrift unter anderem geschrieben: Die Roma „sollen nicht existieren, die Tiere. Das muss man lösen – mit allen Mitteln!“ Damit fordert ein Mitglied einer Mitgliedspartei der konservativen Europäischen Volkspartei faktisch die „Endlösung für Roma“.

 

Die NaturFreunde Deutschlands haben in einem Brief an Angela Merkel gefordert, dass sich die CDU-Vorsitzende für einen sofortigen Fidesz-Ausschluss von Zsolt Bayer einsetzt. Sollte sich Fidesz weigern, müsse sich die Europäische Volkspartei von Fidesz trennen, um ein klares Zeichen gegen die rassistische Stimmungsmache in Ungarn zu setzen.

 

Glaubwürdige Demokraten können keine Rassisten dulden

Des weiteren schrieben die NaturFreunde an Frau Merkel: „Mitglieder der Roma-Gemeinschaften werden in fast allen Staaten der Europäischen Union diskriminiert. Es ist Aufgabe aller demokratischen Parteien und Organisationen, klar gegen den alltäglichen Antiziganismus Stellung zu beziehen. Mit der Roma-Strategie der Europäischen Union, die von der Bundesregierung mit gestaltet wurde, versuchen die europäischen Staaten mit einer gemeinsamen Strategie, die alltägliche Diskriminierung und Verfolgung von Mitgliedern der Roma-Gemeinschaften abzubauen. Rassisten dürfen in demokratischen Parteien nicht geduldet werden, wenn sie glaubwürdig gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus arbeiten wollen.“

Rekordarbeitslosigkeit belegt Scheitern der Krisenpolitik

“Die Rekordarbeitslosigkeit in der Eurozone ist eine Folge der verantwortungslosen Kahlschlagpolitik von Merkel und Co. Es ist ungeheuerlich, wie kaltschnäuzig hier mit der wirtschaftlichen Existenz von Millionen Menschen umgegangen wird”, kommentiert Michael Schlecht die heute von Eurostat veröffentlichten Zahlen zur Arbeitslosigkeit in der Eurozone. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:
“Eine sofortige Umkehr in der Krisenpolitik ist notwendig. Wir brauchen einen Rettungsschirm für die Menschen und nicht noch mehr Geschenke an die Finanzmafia. Um die Krise zu beenden, müssen die Binnennachfrage in Deutschland gestärkt und die Kürzungsdiktate für andere EU-Staaten zurückgenommen werden. Eine Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland würde den Menschen hierzulande ebenso helfen wie unseren europäischen Partnern. Für eine nachhaltige Belebung schlägt DIE LINKE als erste Schritte die Einführung des flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns von zehn Euro und ein 20-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm vor. Stufenweise ist ein Zukunftsinvestitionsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft im Umfang von 125 Milliarden Euro jährlich auf den Weg zu bringen. Mit einer Millionärssteuer ließe sich ein solches Programm auch ohne höhere Neuverschuldung finanzieren.”

Merkel ist größte Gefahr für die Weltwirtschaft

“Merkel verschärft die Krise in der Euro-Zone mit den von ihr maßgeblich durchgesetzten Kürzungsdiktaten. Die OECD stellt jetzt fest, dass die Krise in der Euro-Zone die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft ist. Das ist richtig. Genauer hätte es heißen müssen Merkels Politik ist eine Bedrohung für die Weltwirtschaft“, erklärt Michael Schlecht zum heute von der OECD vorgestellten Wirtschaftsausblick. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

“Damit erteilt auch die OECD der Illusion Merkels, dass Deutschland unbeschadet durch die Krise kommen könnte, eine klare Absage. Für 2013 sagt sie ein Wachstum von gerade einmal 0,6 Prozent voraus. Um die Krise zu beenden, muss die Binnennachfrage in Deutschland gestärkt sowie die diktierten Kürzungsprogramme zurückgenommen werden. Dies hilft sowohl den Menschen in Deutschland als auch unseren europäischen Partnern. Für eine nachhaltige Belebung der Binnennachfrage sind die sofortige Einführung des flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns von zunächst 10 Euro sowie ein sozial-ökologisches Konjunkturprogramm im Umfang von 20 Milliarden Euro erste wichtige Schritte. Perspektivisch ist ein Zukunftsinvestitionsprogramm in Höhe von 125 Milliarden jährlich nötig. Mit einer Millionärssteuer lässt sich das Zukunftsprogramm ohne höhere Neuverschuldung finanzieren.”

Merkel ist Kanzlerin der Wirtschaftseliten

„Erst die portugiesische Wirtschaft strangulieren, um dann deutschen Wirtschaftsvertretern die Türen zum Ausverkauf der portugiesischen Wirtschaft zu öffnen, das ist ein skandalöser Vorgang. Damit zeigt Angela Merkel erneut, wessen Interessen sie vertritt“, erklärt Michael Schlecht zum Portugalbesuch von Kanzlerin Angelika Merkel. „Gegen Merkels Krisenpolitik ist Protest mehr als notwendig, deshalb erklärt sich DIE LINKE solidarisch mit den Protesten in Portugal und ruft zu Aktionen im Rahmen des europaweiten Generalstreiks am 14. November auf.“ Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:
„Die Troika-Programme haben zu einer Abwärtsspirale aus Kürzungen und Wirtschaftseinbrüchen geführt. Die Folgen sind Massenarbeitslosigkeit und Abbau des Sozialstaates. Vermittelt über den Rückgang der Exporte frisst sich die Krise auch zu den Menschen in Deutschland durch. Um die Krise zu beenden, muss die Binnennachfrage in Deutschland gestärkt und das Kürzungsdiktat in den betroffenen Ländern zurückgenommen werden. Eine deutliche Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland hilft sowohl den Menschen in Deutschland als auch unseren europäischen Partnern. Dafür sind die sofortige Einführung des flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns von zunächst 10 Euro sowie ein Zukunftsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau im Umfang von 125 Milliarden Euro jährlich wichtige Schritte. Mit einer Millionärssteuer lässt sich das Zukunftsprogramm ohne höhere Neuverschuldung finanzieren.“

Exporteinbruch hat einen Namen: Merkel

“Wenn der Rückgang der Exporte in die Länder der Europäischen Union anhält, kann nur noch eine deutliche Steigerung der Binnennachfrage verhindern, dass die deutsche Wirtschaft abschmiert. Die nach wie vor steigenden Exporte in Länder außerhalb der EU können dies nicht leisten. Die Ursache des deutlichen Exporteinbruchs ist Angela Merkels verfehlte Krisenpolitik”, erklärt Michael Schlecht zu den heute veröffentlichten Außenhandelszahlen für September. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:
“Auf den Export als Wachstumsmotor zu setzen kann nicht funktionieren, wenn man gleichzeitig die eigenen Handelspartner mit Kürzungsdiktaten in die Krise stürzt. Die bereits seit März saisonbereinigt steigende Arbeitslosigkeit zeigt, dass sich die Krise zu den Menschen in Deutschland durchfrisst. Eine deutliche Stärkung der Binnennachfrage ist geboten. Für eine nachhaltige Belebung schlägt DIE LINKE ein Zukunftsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau im Umfang von 125 Milliarden Euro jährlich vor. Mit einer Millionärssteuer ließe sich ein solches Programm auch ohne höhere Neuverschuldung finanzieren.”

Huber’s Konjunkturprogramm ist richtige Antwort

“Die Forderung nach einem milliardenschweren Konjunkturprogramm von IG-Metall-Chef Huber ist zu begrüßen,” so Michael Schlecht die Reaktion des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber auf die heute veröffentliche Herbstprognose der Bundesregierung. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE
weiter:

“Die drastische Senkung der Wirtschaftsprognose der Bundesregierung für 2013 offenbart einmal mehr das Scheitern der Politik Merkels. Auf Exporte als Wachstumsmotor zu setzen und gleichzeitig die Handelspartner mit Kürzungsdiktaten in die Krise zu stürzen, passt nicht zusammen. Eine deutliche Stärkung der Binnennachfrage ist geboten.

DIE LINKE ist der Auffassung, dass der Impuls zur Belebung der Binnennachfrage deutlich kräftiger ausfallen muss als acht Milliarden, wie von Berthold Huber gefordert. DIE LINKE will ein Zukunftsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau in Höhe von 125 Milliarden jährlich. Mit einer Millionärssteuer ist dies auch ohne Neuverschuldung zu finanzieren.”

“Vaterlandslose Gesellen“ im Kinderkrankenhaus

10. Oktober 2012  Besuch, Griechenland, Kommentare, Merkel, Riexinger

“Es gibt immer mehr Depressionen und auch vermehrt Suizide, gerade auch bei Kindern“, so Professor Stelios aus der psychiatrischen Abteilung des Kinderkrankenhauses Agia Sofia in Athen. Auch die Misshandlungen von Kindern nehmen deutlich zu. Dies sind Berichte, die Bernd Riexinger, den Vorsitzenden der Partei DIE LINKE und mich bei unserem Besuch am betroffensten machten.

Die Pflege der Kinder, die ja viel mehr Zuwendung erfordert als bei erwachsenen Patienten, wird für uns immer schwerer“, so die Pflegerin Dorou Renatiz. „Von 2500 Beschäftigen sind jetzt noch 1900 übrig, bei 700 Betten. Und da wir ein öffentliches Krankenhaus sind, kommen 70 Prozent mehr Patienten zu uns als früher, weil sie sich nicht mehr die Behandlung bei niedergelassen Ärzten oder in Privatkliniken leisten können.

Die Bezahlung wird immer mehr gesenkt. Um rund 40 Prozent haben die Kolleginnen und Kollegen verloren. „Pflegekräfte bekommen als Berufsanfänger 750 Euro im Monat, nach 20 Jahren liegen sie dann bei 1300 Euro, da sind dann schon alle Schichtzuschläge mit drin“, so die Personalleiterin Christodoulou Mazia des Krankenhauses. „Ich selbst bekomme nach 34 Jahren 1400 Euro.“ Ärzte liegen nach den Gehaltskürzungen bei rund 1800 Euro. Und man muss wissen: Die Lebenshaltungskosten in Athen sind ähnlich wie in Deutschland.

Im Kinderkrankenhaus Agia Sofia zeigt sich wie im Brennglas, was die vor vollem von der deutschen Regierung aufgezwungene rücksichtslose Kürzungspolitik in Griechenland anrichtet. Kanzlerin Merkel sieht sich die Folgen ihrer Politik nicht an. Zur gleichen Zeit unseres Krankenhausbesuches sitzt sie bei Präsident Samaras. Danach im Luxuxhotel mit Unternehmern. Von 7000 Polizisten kilometerweit abgeschirmt vom wirklichen Leben in Athen.

Von Verantwortungsgefühl für den Niedergang Griechenlands ist bei Merkel nichts zu erkennen. Dabei setzte der freie Fall des Landes erst ein, nachdem Merkel nach sechsmonatiger Blockade im Mai 2010 grünes Licht für EU-Hilfen gab. Jedoch nur unter brutalen Kürzungsauflagen, die die Wirtschaft seitdem um nahezu 20 Prozent abstürzen ließen. Für 2013 wird ein weiteres Wegrutschen um vier Prozent erwartet.

Es gibt vieles in Griechenland zu reformieren, das wissen die Bürgerinnen und Bürger am allerbesten. Aber in den Abgrund ist das griechische Volk erst von Merkel gestürzt worden. Sie versucht, die deutsche Agenda 2010 in verschärfter Form allen anderen Ländern Europas überzustülpen. Deshalb wehren sich die Menschen. In Frankreich, in Portugal, Spanien und Italien. Und am 9. Oktober wiederum mit Demonstrationen auch in Athen.

Für Linke ist es selbstverständlich, uns an derartigen Protesten zu beteiligen. Die Grenzziehung verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen denen da oben und der Mehrheit der Völker.

Umso abstruser ist es, dass wir von den „Stuttgarter Nachrichten“ als „vaterlandslose Gesellen“ beschimpft werden. Diese Kampfformel wurde 1914 gegen Karl Liebknecht verwandt, als er die Kriegskredite für den Ersten Weltkrieg nicht unterstützte. Es muss uns mit Sorge erfüllen, wenn derartige Beschimpfungen nicht von Rechtsradikalen, sondern von Journalisten gut-bürgerlicher Zeitungen in die Welt gesetzt werden.
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Weitere Informationen: www.michael-schlecht-mdb.de