Ökologie

RLS: Linke Perspektiven nach der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“

rls

http://www.rosalux.de/event/48092/wohlstand-wie-anders.html

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung möchte den Abschluss der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ dazu nutzen, linke Perspektiven für Wachstum und Wohlstand zu diskutieren.

Mit: Ulrich Brand, Michael Brie, Achim Brunnengräber, Eva Bulling-Schröter, Marco Clausen, Judith Dellheim, Kristina Dietz, Dagmar Enkelmann, Jana Flemming, Karin Gabbert, Maja Göpel, Daniela Gottschlich, Friederike Habermann, Dieter Klein, Steffen Kühne, Sabine Leidig, Ulla Lötzer, Ulrike Meinel, Cornelia Möhring, Tadzio Müller, Katharina Pühl, Norbert Reuter, Tom Strohschneider, Hans Thie, Nina Treu, Axel Troost, Heike Walk, Christa Wichterich
 
10. April 2013  |  ganztägig ab 9.30 Uhr  |  Rosa-Luxemburg-Stiftung, Münzenbergsaal

Anmeldung bitte bis 8. April an Uta Tackenberg, Email: tackenberg@rosalux.de Falls Bedarf an Kinderbetreuung besteht, kann dieser bei Uta Tackenberg mit Angabe der gewünschten Zeiten bis zum 3. April angemeldet werden.

Aktionsaufruf gegen den EU-Gipfel: Unsere Demokratie gegen ihr Spardiktat!

Für einen Europäischen Frühling – For a European Spring!
Unsere Demokratie gegen ihr Spardiktat! – Our Democracy against their Austerity -

europa eu demo brüssel„Für einen europäischen Frühling“ ruft zu Aktionen, Streiks und Demonstrationen in ganz Europa am 13. März sowie zu einer gesamteuropäischen Demonstration und kreativen Aktionen in Brüssel am 14. März auf. Wir richten uns gegen den EU-Gipfel am 14. und 15. März, bei dem sich die europäischen Regierungschefs versammeln, um das EU-Krisenmanagement weiter zu verschärfen. Massive Angriffe auf Wohlfahrtstaat und Demokratie, auf soziale und demokratische Rechte sind die bisherigen Antworten auf die ökonomische und politische Krise in der EU. Gelungen ist dies durch das beispielslose Aushebeln demokratischer Spielregeln. Diese Politik schlägt sich nieder in EU Spardiktaten, Forderungen nach tiefen Einschnitten im Sozialen und Versuchen, hart erkämpfe Arbeitnehmerrechte zu schwächen und auszuhebeln.

Dieser Kurs ist gefährlich und zutiefst ungerecht. Er muss gestoppt und aufgehoben werden! Diese Politik dient der Rettung der großen Banken und Konzerne, aber wir, die große Mehrheit, wird dazu verdammt, die Zeche der Privilegierten zu zahlen.

Überall in Europa kämpfen Menschen gegen diese Politik – mit Streiks, Demonstrationen, Aktionen, Versammlungen. Diese Kämpfe sind unsere Kämpfe. Wir verurteilen die gewaltsamen Versuche, sie zu unterdrücken. Jetzt ist der Zeitpunkt für Solidarität über alle Grenzen, Branchen und Sektoren hinweg. Jetzt ist der Zeitpunkt eine Bewegung zu werden, die wirkliche Demokratie und soziale Gerechtigkeit schafft. Wir wollen eine Gesellschaft schaffen, in der ganz andere Lösungen vorgeschlagen und von allen gemeinsam diskutiert werden können – ganz andere als die, die von den Eliten verteidigt und von der EU durchgedrückt werden.

Wir rufen auf zu Aktionen, Streiks und Demonstrationen am 13. März an allen Orten in Europa als Teil einer Woche des europäischen Widerstands. Wir rufen auf zu einer Massenmobilisierung am 14. März nach Brüssel gegen den EU-Frühjahrsgipfel. Wir werden den Herrschenden zeigen, dass unsere wachsende Bewegung früher oder später stark genug sein wird, um den Kurs in Europa in unser aller Interesse zu ändern.

• Abschaffung aller Kürzungsdiktate und Spar-Gesetzgebungen / Abolish all EU-austerity treaties und legislations!
• Für eine ökologische Wende /For an ecological Transition!
• Entwaffnet die Finanzmärkte / Disarm Financial Markets!
• Wir schulden nichts – wir zahlen nicht /Debt: Don’t owe, don’t pay!
• Feuert die Troika, nicht die Menschen / Fire the Troika, not the people!

Infos unter:
europeandayofaction@gmail.com (um den Aufruf zu unterschreiben)
https://www.facebook.com/ForAEuropeanSpring
www.foraeuropeanspring.org

Our Democracy against their austerity! – a call for action against the EU Spring Summit

‘For a European Spring’ is a call for actions, strikes and demonstrations all over Europe on the 13th of March, and for a pan-European demonstration and creative actions in the city of Brussels on the 14th of March. It is targeted at the EU Spring Summit, where leaders from across the continent will assemble on the 14th and 15 to strengthen the European Council’s response to the crisis.

The response to date from economic and political elites in the European Union amounts to a massive attack on welfare, social rights and democracy. This has been achieved by undermining democracy, reflected in EU policies including the imposition of austerity, demands for deep cuts in social spending, attempts to weaken labour laws and the roll back of hard earned labour rights.

This course of action is dangerous, profoundly unjust, and must be reversed. While these policies are designed to rescue big banks and big business, we, the vast majority, are made to pay for the excesses of the privileged.

All over Europe struggles and strikes are happening against these unjust policies. These struggles are our struggles, and we reject the violent attempts of European states to suppress them. Now is the time for solidarity across borders and sectors, to be the force to create real democracy and social justice. We are seeking to build a society where solutions, very different to those defended by the elites and imposed by the EU, can be proposed and discussed by everybody.

We call for actions, strikes and demonstrations on the 13th March across Europe as part of a week of European resistance, with a mass mobilisation on the 14th in Brussels targeting the EU Spring Summit. We will show those in power that our growing movement will, sooner or later, be strong enough to change the course of Europe in the interest of us all.

• Abolish all EU-austerity treaties and legislation!
• For an ecological Transition!
• Disarm Financial Markets!
• Debt: Don’t owe, don’t pay!
• Fire the Troika, not the people!

More Information at:
europeandayofaction@gmail.com (sign the call)
https://www.facebook.com/ForAEuropeanSpring
www.foraeuropeanspring.or

NaturFreunde: Die Zeit des billigen Öls ist vorbei

 

Steigende Kraftstoff- und Heizölpreise sind Zeichen sinkender Rohstoffreserven

 

naturfreunde haende geschnittenBerlin, 4. Januar 2013 – „Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler glaubt steigenden Benzinpreisen mit einem organisierten Preisvergleich begegnen zu können“, kritisiert der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands, Michael Müller. „Abgesehen davon, dass dies eine naive Sicht der Marktmacht großer Ölkonzerne ist, hat die FDP die eigentliche Ursache für die steigenden Kraftstoff- und Heizölpreise nicht erkannt. Die Zeiten der großen Mengen an hochwertigem, preisgünstigem und leicht abbaubarem Öl, welche die letzten 50 Jahre geprägt haben, sind vorbei.“

 

Seit dem World Energy Outlook 2010 geht die Internationale Energieagentur davon aus, dass der Höhepunkt der Ölförderung zwischen 2006 und 2008 erreicht wurde. Dies wird auch von Untersuchungen der Vereinten Nationen (JODI-Zahlen) und der amerikanischen Energieagentur bestätigt. Die Prognosen haben sich in der Zwischenzeit erhärtet:

 

Der World Energy Outlook 2012 bestätigt Peak-Oil für das Jahr 2008 und korrigiert seine früheren Angaben der erwarteten Ölfördermengen für 2020 und 2035 weiter nach unten. Die monatlichen JODI-Erhebungen kommen sogar zu dem Ergebnis, dass die Produktion bereits sinkt. „Wir erleben also einen tiefen Einschnitt und da ist die Reaktion des Bundeswirtschaftsministers nichts anderes als das Wedeln mit der Fliegenklatsche gegen einen Elefanten“, so Müller.

 

Die Zeit von Easy Oil ist vorbei. Das Endspiel um die knapper werdende Förderung hat begonnen und die sogenannten Alternativen sind ökologisch problematisch, mit hohen CO2-Emissionen verbunden und würden auch nur einen kurzen Zeitraum helfen.

Wir kommen nicht daran vorbei: Das fossile Zeitalter geht zu Ende. Wer am bisherigen System festhält, muss von steigenden Öl- und Kraftstoffpreisen ausgehen. Autofahren wird dann zum Luxus und Welt und Gesellschaften spalten. In dieser schwierigen Situation versagt die Politik.

Linker Plan-B-Check

Die Linksfraktion hat bei ihrer Plan-B-Konferenz in Berlin darüber diskutiert, wie man ökologisches Wirtschaften und soziale Gerechtigkeit unter einen Hut bekommen kann. Katja Kipping machte dazu in ihrer grundsätzliche angelegten Rede einen Vorschlag: Die Linkspartei solle künftig all ihre Forderungen „einem Plan-B-Check unterziehen“. Drei Fragen müsse sich die Partei immer stellen. Erstens: Vermindern die Alternativen der Linkspartei Armut und Ausgrenzung? Beziehungsweise verschärfen sie das Problem wenigstens nicht? Zweitens: Reduzieren sie Ressourcenverbrauch und schädliche Emissionen? Beziehungsweise verschärfen sie das Problem wenigstens nicht? Und drittens: Erhöhen sie demokratische Teilhabe? Berichte über die Konferenz gibt es unter anderem hier, hier und hier auf neues-deutschland.de sowie in der Jungen Welt (hier). Die Linksfraktion hat die Veranstaltung ausführlich dokumentiert. Hingewiesen sei auch noch auf zwei Blogposts von tos, in denen es um den „Grünen Sozialismus“ (hier) sowie um eine Anhörung der Linksfraktion geht, bei der die ostdeutschen Erfahrungen mit dem sozial-ökologischen Umbau im Zentrum standen – mit Links auf eine Reihe von Studien (hier). (vk)

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Grüner Sozialismus

Kann die Vorstellungswelt des Sozialismus, wie sie uns vertraut war, so bleiben, wenn die ökologischen Fragen einbezogen werden?, fragt das Editorial der neuen Ausgabe der Zeitschrift “LuXemburg”. 16 Beiträge versuchen, eine Antwort darauf zu finden. Ein Text aus dem Blog von tos auf neues-deutschland.de

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NaturFreunde: Agrarpolitik – nur noch besondere ökologische und soziale Dienstleistungen subventionieren

Rote Liste neuer Warnschuss für verfehlte EU-Agrarpolitik

Berlin, 21. August 2012 – „Es wird höchste Zeit, dass die EU-Agrarpolitik auf den Erhalt der biologischen Vielfalt ausgerichtet wird“, kommentierte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher der NaturFreunde Deutschlands, die jüngste Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz (BfN). „Gerade bei einigen Wildbienen- und Ameisenarten gibt es einen dramatischen Rückgang. Schuld daran ist in erster Linie die industrielle Landwirtschaft“, kritisierte Kuhlwein.

 

Die jüngste Rote Liste des BfN dokumentiert die Entwicklung der wirbellosen Tiere wie Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Wespen und Ameisen. Fast 92 Prozent der Ameisenarten weisen dem BfN zufolge einen negativen Trend auf. Bei den Wildbienen stehen inzwischen 52,2 Prozent auf der Roten Liste. 45,8 Prozent der untersuchten wirbellosen Arten sind bestandsgefährdet, extrem selten, verschollen oder bereits ausgestorben. Im Jahr 1998 lag dieser Wert noch bei 38,3 Prozent. „Der Raubbau an der Natur ist also ständig weitergegangen“, kritisierte Kuhlwein.

 

Rücksichtnahme auf Großbauern beenden

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung auf, ihren Widerstand gegen die von EU-Agrarkommissar Ciolos vorgeschlagenen Reformen der EU-Agrarpolitik aufzugeben. Die EU dürfe zukünftig nur noch besondere ökologische und soziale Dienstleistungen mit Subventionen honorieren und solle die Rücksichtnahme auf die industrielle Landwirtschaft betreibenden Großbauern endlich beenden.

 

Aussterben von Bestäuberarten hat auch wirtschaftliche Folgen

Die Bundesregierung müsse sich zudem dafür stark machen, dass die Forderungen der Verbände-Plattform zur Reform der Agrarpolitik umgesetzt werden. Kuhlwein: „Wer jetzt nicht endlich umsteuert, versündigt sich nicht nur an der Selbststeuerung der Natur, sondern wird auch die wirtschaftlichen Folgen zu tragen haben, wenn immer mehr Bienen- und damit Bestäuberarten aussterben.“

 

Rote Liste, Band 3 – Wirbellose Tiere: http://www.bfn.de/0405_hintergrundinfo.html

NaturFreunde Deutschlands warnen Parteien davor, die Ökologie als Spielwiese zu missbrauchen

Ökologische Modernisierung ist unabdingbar für jede weitere Reformpolitik

Berlin, 15. Juli 2012 – Zu den in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erwähnten Hinterzimmergesprächen der Parteien zur Umweltpolitik erklärt Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands:

 

Die Beiträge im SPIEGEL über Hinterzimmergespräche der Parteien zur Umweltpolitik sind zweifellos nicht in jedem Punkt richtig. Aber sie beschreiben leider eine eindeutige Tendenz: Aus parteitaktischen Gründen wird die ökologische Modernisierung verstärkt auf ein Thema von Bündnis 90/DIE GRÜNEN reduziert, statt darin eine große Reformaufgabe für die Zukunft unseres Landes zu erkennen. Um es ganz klar zu sagen: Die ökologische Modernisierung ist unabdingbar für jede weitere Reformpolitik.

 

Die Ursache der Krise sind nicht die Forderungen nach mehr Umwelt- und Naturschutz

Der Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands warnt die Parteien, in alte Denkweisen und Vorurteile zurückzufallen. Die Ökologie darf keine Spielwiese sein! Im Gegenteil: Sie ist eine Notwendigkeit und auch eine Voraussetzung, um die Realwirtschaft zu stärken und die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Ursache der Krise liegt im Finanzkapitalismus und nicht in der Forderung nach mehr Umwelt- und Naturschutz.

 

Warum gehen die Parteien den notwendigen ökologischen Umbau nicht mit Mut an?

Warum reagiert die Politik auf die Krise eigentlich nur noch mit Klein-Klein? Warum sind die Parteien nicht in der Lage, Zusammenhänge zu erklären und mit Mut den notwendigen Umbau anzugehen? Warum geben ihre Erklärungen und Versprechungen nur noch Stichworte für den Populismus der Regenbogenpresse? Wofür stehen die Parteien denn noch in dieser Frage, außer für eine rhetorische Abgrenzung?

 

Es ist einfach nicht glaubwürdig, in den Parteiprogrammen mehr Nachhaltigkeit zu fordern und anschließend in ein vorökologisches Zeitalter zurückzufallen. Dieses Gebaren auch noch als Industriepolitik zu bezeichnen, verkennt Ursache und Wirkung. Unser Land wird seine wirtschaftliche Stärke nicht halten, wenn es nicht zu Innovationen in den Zukunftsfeldern kommt. Dazu gehört fraglos auch die sogenannte Green Economy.

 

40 Jahre Umweltdebatte haben keinen echten ökologischen Umbau hervorgebracht

Heute wiederholt sich die Geschichte: Statt die Chancen weltweit zu nutzen, sind fast 40 Jahre der Umweltdebatte vergangen, ohne dass es zu einem wirklichen ökologischen Umbau gekommen ist. Erst wurden die Umweltgefahren noch bezweifelt, in den 1980er-Jahren tat sich die Politik dann schwer, die ökologischen Herausforderungen auch zu begreifen. Schließlich wurden sie als ein Problem des maroden Ostens hingestellt, sodass auch der Erdgipfel von 1992 weitgehend folgenlos blieb. Und schließlich gab es eine Phase der Entpolitisierung. Jetzt wird die ökologische Modernisierung der Gesellschaft erneut auf ein Abstellgleis geschoben, weil die Finanz- und Wirtschaftskrise angeblich nur durch eine Anpassung an die Finanzmärkte zu bewältigen sei.

 

Statt Austerität muss Nachhaltigkeit im Zentrum der Reformpolitik stehen

Die NaturFreunde Deutschlands erwarten von einem rot-grünen Bündnis, dass es eine Politik der Nachhaltigkeit in das Zentrum seiner Reformpolitik stellt. Unser Land braucht eine echte Alternative zu der Austeritätspolitik von Angela Merkel. Natürlich gehört dazu auch die Ehrlichkeit, dass ein Umbau mit weiteren Belastungen und auch Verteilungsfragen verbunden ist. Noch richtiger aber ist: Wenn mit dem Umbau nicht frühzeitig begonnen wird, werden nicht nur wichtige Chancen vertan, sondern entstehen noch höhere, aber unabweisbare Kosten. Auch das ist eine Lehre der Finanzkrise.

NaturFreunde: Transformationskongress – ein wichtiges Signal


Gewerkschaften, Kirchen und Umweltverbände wehren sich gegen „Ökonomisierung des Denkens“

Berlin, 11. Juni 2012 – „Der gemeinsame Transformationskongress von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB), Deutschem Naturschutzring (DNR) und Einrichtungen der Evangelischen Kirche, für den die NaturFreunde Deutschlands den Anstoß gegeben hatten, war ein wichtiges Signal“, erklärte Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, heute in Berlin: „Gemeinsam wehren wir uns gegen die ‚Ökonomisierung des Denkens‘ und lassen uns unsere Zukunft nicht von den Banken diktieren. Gemeinsam wollen wir mehr Demokratie wagen und die Gesellschaft aus den Zwängen der Finanzindustrie befreien.“

 

Vom 8.–9. Juni 2012 veranstalteten der DGB, der DNR und Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Deutschland einen Transformationskongress zu den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen unserer Zeit.

 

Bündnis der Verantwortung für eine sozial-ökologische Modernisierung Deutschlands

Laut Müller sei es in Deutschland das erste Mal, dass es ein so breites Bündnis für eine sozial-ökologische Modernisierung gebe. Für die Gewerkschaften begrüßte der DGB-Bundesvorsitzende Michael Sommer diese Kooperation, EKD-Präses Nikolaus Schneider stellte sie als wichtigen Beitrag für die Stärkung der Zivilgesellschaft heraus und Michael Müller sprach für den Deutschen Naturschutzring von einem Bündnis der Verantwortung.

 

Regime der rücksichtslosen Kurzfristigkeit führt zu Ungleichheit und Naturzerstörung

Zahlreiche Wissenschaftler und Repräsentanten der Gewerkschaften, Kirchen und der Umweltbewegung hatten auf dem Kongress deutlich gemacht, dass weltweit die Ungleichheit zunimmt und dadurch vor allem das Gebot der Gerechtigkeit verletzt wird. Dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Ungleichheit und der Naturzerstörung gibt, zeigte auch der britische Professor Richard Wilkinson und begründete beide Phänomene mit einer immer stärker werdenden Rücksichtslosigkeit.

 

Ein gemeinsames Ziel der Kooperationspartner ist, das heute vorherrschende Regime der Kurzfristigkeit zu beenden. Das stelle laut Müller die Gestaltungs- und Gerechtigkeitsfrage noch viel radikaler als bisher.

 

Transformationskongress diskutierte die in der Politik tabuisierten Fragen

Für Michael Müller diskutierte der Transformationskongress genau die Fragen, die in der Politik tabuisiert werden, vor allem die Frage nach den Grenzen des Wachstums. „Das Ziel muss nun sein, dass vor allem die große Leitidee der Nachhaltigkeit nicht länger beliebig interpretiert wird. Unsere Zeit braucht eine neue Antwort auf die Frage, wie heute Fortschritt möglich ist“, forderte Müller.

 

Reden und Positionspapiere des Transformationskongresses auf:  www.transformationskongress.de

Für Sozialtarife

Die neue Linken-Spitze ist noch keine Woche im Amt, und doch hat sie bereits ein paar Spuren hinterlassen: Katja Kipping zum Beispiel, die als erste auf einen Vorstoß von Eon-Chef Johannes Theyssen reagierte, der sich für einen Ökostrom-Zuschlag für Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen hat. Dies könne man „als Übergangslösung zu unterstützen“, so Kipping. Aber: „Der bessere Weg wäre, die Energie-Multis würden endlich Sozialtarife einführen“. Dahinter steckt ein Unterschied ums Ganze, denn über Zuschläge würden die Kommunen quasi die Energiekonzerne subventionieren. Sozialtarife hingegen wären eine Stück praktischer Umverteilung von den Unternehmen hin zu den Prekarisierten. Inzwischen sind auch die Grünen auf den Zug aufgesprungen: „Wir brauchen neue Preismodelle für Strom. Für jeden Haushalt muss es ein Grundkontingent Gas und Strom zu einem niedrigeren Preis geben“, wird Fraktionschefin Renate Künast in der Passauer Neuen Presse zitiert. Sozialtarife sind die Sache der Grünen nicht, 2008 jedenfalls lehnte die Partei solche Vergünstigungen noch ab.

Die Energiewende als soziale Frage – das dürfe eine der Debatten der kommenden Monate werden. Während ein Teil der Politik und diverse Kapitalfraktionen versuchen, mit dem Argument der hohen Kosten für Bürger und Staat den Umbau der energetischen Basis zu bremsen, müssen sich jene, die für einen raschen Umstieg auf Erneuerbare Energien plädieren, nun stärker der darin verborgenen Verteilungsfrage zuwenden. Dabei geht es um zwei Momente, die in einer linksökologischen „Erzählung“ zusammengebracht werden können: die generelle Freiheit des Zugangs zu Strom und dessen Sauberkeit. Rund 600.000 Haushalten wird jährlich der Saft abgedreht, weil sie die Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Das verletzt nicht nur die Grundrechte von Geringverdienern, Rentnern und Prekären – es wirft auch die Frage auf, ob der Staat über die Höhe von Sozialleistungen politisch Einfluss auf das Konsumverhalten nehmen soll und kann. Das ist kein Plädoyer für von paternalistische Lenkungsideen, sondern es kann die qualitative Dimension von Sozialleistungen in den Blick rücken: Die Höhe des staatlich, das heißt politisch festgelegten Regelsatzes bestimmt mit über die Freiheit von mehreren Millionen Menschen, sich für ein soziales und ökologisches Kaufverhalten zu entscheiden.

Die Forderung nach Sozialtarifen der Stromgiganten erscheint dabei als Umweg mit Umverteilungskomponente – einmal „zwischen den Klassen“, weil Eon und Co. für einen Teil des von ihnen angebotenen Produkts weniger Geld einnehmen. Wenn Unternehmen Sozialtarife anbieten, sinkt für diesen Teil des Umsatzes allerdings auch die Stromsteuer, also verlieren die öffentlichen Kassen Einnahmen – was ebenfalls einen Umverteilungseffekt hätte. Denkbar ist ebenso, dass die Energiekonzerne, würde man sie zu Sozialtarifen zwingen, versuchen, sich das Geld bei den „Normalkunden“ wiederzuholen. Auch dies wäre eine Umverteilungskomponente, in diesem Fall allerdings zwischen verschiedenen Einkommensgruppen – sozusagen: „innerhalb der Klasse“. Der Vorschlag der Grünen, nach dem es für jeden Haushalt, also unabhängig vom Einkommen, ein Energie-Grundkontingent zu niedrigen Preisen geben müsse, ist bisher nicht näher erläutert worden. Allen Varianten allerdings wohnt ein möglicher Effekt, der einen wirklich ökologischen Verbrauch unterlaufen könnte: Wenn es staatliche Zuschläge oder vergünstigende Tarifsysteme gibt, dürfte die Neigung zurückgehen, Strom zu sparen – was unter dem Strich die grünste Variante von allen wäre.

Zurück zum Thema Sozialtarife: Katja Kipping hat sich nun auch für ermäßigte Fußballtickets für ärmere Menschen ausgesprochen: „Wenn die Ticketpreise beim Fußball doppelt so schnell steigen wie die Löhne und Preise, dann werden immer mehr Menschen vom Erlebnis Spitzenfußball ausgeschlossen“, sagte Kipping dem Onlinedienst von n-tv. Der Vorstoß ist nicht nur zeitlich clever gesetzt – zu Beginn der Europameisterschaft. Sondern auch sachlich gut begründet: Kostete der Eintritt in der Bundesliga in der Saison 2005/2006 im Schnitt 18,63 Euro, waren es in der Saison 2010/2011 bereits 22,75 Euro – also rund 20 Prozent mehr. „Ich finde, jeder Verein sollte mindestens ein Ticket unter 10 Euro anbieten“, fordert nun Kipping. „Die Bundesligavereine sollten eine gemeinsame Initiative für die bundesweite Einführung von Sozialtickets in ihren Stadien starten.“

Dafür braucht es auch Druck von den Fans. Denn ob die Vereine, die als Wirtschaftsunternehmen andere Interessen haben, Kippings Ruf folgen ist ebenso ungewiss wie möglicher Beifall von den Profis. Immerhin plädiert die neue Linken-Vorsitzende auch für ein Höchsteinkommen, das deutlich unter dem liegt, was viele Fußballmillionäre verdienen. Für die Linkspartei jedenfalls könnte hier ein neues Kampagnen- und Bündnisfeld liegen: Gemeinsam mit Fußballbegeisterten für Sozialtarife – im Stadion und anderswo. Die Debatte darüber muss dann allerdings auch die Schwächen des Modells kenntlich machen: Besser wäre immer noch, die Leute bekämen von vornherein genug Geld, mit dem sie sich ein sozial abgesichtertes Leben und ökologische Teilhabe leisten könnten. Das eine zu fordern, muss aber ja nicht bedeuten, vom anderen zu lassen. (tos, vk)

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NaturFreunde: Die Union – unfähig zur ökologischen Erneuerung


Kommen nach Aufstieg und Fall des Norbert Röttgen auch Aufstieg und Fall des Peter Altmaier?

Berlin, 21. Mai 2012 – Zur Personalrochade im Bundesumweltministerium erklärt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller:

 

Der geschasste Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat mit seinem inhaltlich begründeten, tatsächlich aber entleerten Selbstbewusstsein den Bogen überspannt. Das ist die eine Seite, die jetzt allgemein kritisiert wird. Doch damit ist das Defizit auf der anderen Seite noch nicht geklärt, nämlich die inhaltliche Kompetenzfrage in der Union. Insofern hat das Scheitern von Herrn Röttgen vier Hauptgründe, die möglicherweise auch bei Herrn Altmaier entscheidend sein können:

 

1. Ökologische Erneuerung hat keine Basis in der Union

Der Umweltschutz ist unvereinbar mit der heutigen Union, die um ihre konservative Identität ringt. Es passt offenkundig nicht zusammen, einen ökologischen Kurswechsel zu propagieren, aber dafür keine Basis zu haben. Die CDU/CSU hat bis heute keine breite Debatte über die ökologische Erneuerung geführt. Frau Merkels weitgehend folgenlose Klimadebatte wurde geduldet, nicht aber akzeptiert. Und über Herrn Röttgen, der zu keiner Zeit die eigenen Ankündigungen in Politik umgesetzt hat, herrschte nur Wut oder Unverständnis.

Dieses Grundproblem ist nicht beseitigt, nur weil jetzt Herr Altmaier die Baustelle übernimmt.

 

2. Bundesumweltministerium war noch nie so schwach wie heute

Norbert Röttgen musste wenigstens so tun, als sei er ein Umweltminister. Schließlich wäre er sonst noch nicht einmal mit den Umweltverbänden gesprächsfähig gewesen. Doch diesen Widerspruch zwischen Schein und Wirklichkeit konnte er nur für kurze Zeit durchhalten. Norbert Röttgen ist nicht zufällig gescheitert. Er konnte seine eigenen Ankündigungen nicht einlösen und er wollte es auch gar nicht. Das Umweltministerium hat noch nie innerhalb der Bundesregierung eine so schwache Rolle gespielt wie unter Herrn Röttgen.

Bei Herrn Altmaier ist noch nicht klar, ob er ein echtes Verständnis für die ökologischen Herausforderungen hat. Dieses müsste er sich in einer Zeit erarbeiten, die nicht vorhanden ist. Denn schon in spätestens einem Jahr beginnt der neue Wahlkampf. Wie soll in dieser kurzen Frist eine Energiewende geschafft werden?

 

3. Gesetze der Warenästhetik dürfen nicht mit Programmatik verwechselt werden

Norbert Röttgen repräsentierte den Politikertyp, der in den letzten Jahren hochgekommen ist und dem es in erster Linie um das Management der eigenen Karriere geht, nicht aber um die Durchsetzung einer großen politischen Idee. Er war ein Blender der Macht, dessen Körpersprache schon das Gegenteil verriet. Er war ein Mann, der die Gesetze der Warenästhetik mit Programmatik verwechselt. Die Energiewende kam nicht voran, Deutschland fiel auch in der Energieproduktivität zurück, dem Indikator für Energieeinsparung und -effizienzsteigerung. Aber Norbert Röttgen verdrehte die Wirklichkeit und tat so, als wäre er der Mann der Energiewende.

Auch Herr Altmaier war Parlamentarischer Geschäftsführer, kommt also aus derselben Ecke wie Herr Röttgen. Seine Hauptaufgabe war das Verkaufen der Politik um jeden Preis, nicht aber das Entwickeln programmatischer Ideen. Frau Merkel hat mit Peter Altmaier den Moderator gewählt und keinen inhaltlichen Vordenker.

 

4.  Warum macht eigentlich das Kanzleramt keine Vorgaben für die Energiewende?

Und schließlich ist die Methode Röttgen an der Methode Merkel gescheitert. Die konturlose Bundeskanzlerin Merkel wollte keinen Blender Röttgen.

Jetzt aber hat Angela Merkel ihren absoluten Gefolgsmann. Und die Frage bleibt: Warum werden nicht schon direkt aus dem Kanzleramt Vorgaben für die Energiewende gemacht? Wie konnte das Kanzleramt es überhaupt hinnehmen, dass immer mehr das Wirtschaftsministerium als Interessenvertreter der großen Energiekonzerne das Sagen hatte?

 

Bundeskanzlerin Merkel hat Herrn Röttgen das Mäntelchen der Macht ausgezogen – ein Verlust ist das nicht. Aber der Vorgang ist interessant, denn Frau Merkel ist nun unzweifelhaft für die Energiewende verantwortlich als Vorsitzende einer Partei, die zur Ökologie nicht fähig ist.

Wäre es Frau Merkel mit ihrer Personalrochade wirklich um die Energiewende gegangen, hätte sie einen ausgewiesenen (parteilosen) Fachmann als neuen Bundesumweltminister wählen müssen. Genau hier liegt hier ihre Schwachstelle: Es ging um Herrn Röttgen, nicht aber um die Umweltpolitik. Die NaturFreunde Deutschlands sind gespannt zu sehen, wie sich Herr Altmaier jetzt verhalten wird.