Medienerklärung vom 15. Juni 12
Greenpeace: Gundremmingens Gefahren
Selbst Hamburg durch das AKW Gundremmingen gefährdet
Greenpeace am 14.6.12: „Zu den von Greenpeace besonders bemängelten Atomkraftwerken gehört das bayerische AKW Gundremmingen. Die Anlage ist weder gegen Erdbeben noch Überflutungen hinreichend ausgelegt. Auch das Abklingbecken ist nicht gegen einen ernsten Unfall gesichert.“
Nach Beginn der Fukushima-Katastrophe im hoch industrialisierten Japan hieß es, mit so einem Erdbeben und anschließender Flutwelle habe man nicht gerechnet. Da immer mehr Bürger auch in Europa fragten, wie unsicher denn die Atomanlagen auf dem alten Kontinent sind und welche Ereignisse man hier nicht berücksichtigt hat, beauftragte der EU-Energiekommissar Günther Oettinger einen Europäischen AKW-Stresstest. Offensichtlich sollte dieser aber nicht Sicherheitslücken sichtbar machen und Abhilfemaßnahmen anstoßen sondern Unbedenklichkeitsbescheinigungen erbringen.
Denn die Sicherheitsüberprüfungen wurden nicht von unabhängigen Sachverständigen sondern überwiegend von den AKW-Betreibern selber durchgeführt. Greenpeace hat deswegen schon im Vorfeld freie Experten beauftragt, sich ein Bild zu machen.
Die EU-Prüfer haben wichtige Unfallszenarien wie insbesondere Anschläge von Externen oder Internen gar nicht geprüft. Darüber wurde nur geheim diskutiert. Viele Atomanlagen in Europa sind ungeheuer besorgniserregend. Dazu gehört in Deutschland das AKW Gundremmingen. Es besteht aus den letzten Siedewasserreaktoren unseres Landes. Dieser Typ hat keine getrennten Primär- und Sekundärkreisläufe. Auch das AKW Fukushima bestand aus solchen Siedewasserreaktoren. Die brisanten Abklingbecken mit gigantisch viel Radioaktivität liegen zwar im Reaktorgebäude aber außerhalb des Sicherheitsbehälters.
Unsere Bürgerinitiative weist darauf hin, dass in Gundremmingen in den gefährdeten Abklingbecken weit über 4.000 verbrauchte Spaltelemente („Brennelemente“) lagern. Weitere 2.000 befinden sich im Castorlager. Und nochmal 1.500 in den zwei Blöcken B und C. Das AKW traut sich nicht, die genauen Zahlen zu veröffentlichen.
Wie wahnsinnig groß die Radioaktivitätsanhäufung im schwäbischen Gundremmingen ist, ahnt man, wenn man sich deutlich macht, dass in einem einzigen verbrauchten Spaltelement mehr als doppelt so viel Radioaktivität enthalten ist wie in allen 126.000 Atommüllfässern des Skandalendlagers Asse II zusammen. Und in Gundremmingen befinden sich insgesamt über 7.500 verstrahlte Spaltelemente.
Seit Einsatz stärker angereicherter plutoniumhaltiger MOX-Spaltelemente aus Belgien, Frankreich und Russland bekommen die Gundremminger AKW-Betreiber Probleme mit Undichtigkeiten nicht in den Griff.
Beängstigend sind auch die Ergebnisse der Greenpeace-Berechnungen, wie sich bei einem Großunfall die Radioaktivität je nach Wind verbreiten kann. Für das AKW Gundremmingen ergibt sich, dass bei bestimmten Wetterlagen das frei gesetzte Cäsium-137 sogar Hamburg unbewohnbar machen kann.
Nach Fukushima erschrak die Bundesregierung und ließ vernünftigerweise acht alte Atomreaktoren schnell abschalten. Greenpeace und Umweltbundesamt zeigten auf, dass bis 2015 oder allenfalls 2017 alle deutschen AKW still gelegt werden können. Leider stimmten dann am 30. Juni 2011 im Bundestag nahezu alle Abgeordneten von CDU/CSU/FDP/GRÜNEN/SPD dafür, dass in Deutschland erst langsam bis Ende 2022 die AKW abgeschaltet werden sollen. Die besonders gefährlichen Gundremminger Siedewasserreaktoren bis Ende 2017 (Block B) und bis Ende 2021 (Block C).
Eine große Chance wurde vertan, mit der Bevölkerung und einem Kraftakt (Energiespargesetze, beschleunigter Ausbau von Sonnen- und Windenergie) innerhalb weniger Monate alle Atomkraftwerke abzuschalten und gleichzeitig konsequent das Klima zu schützen. Unter dem Eindruck der Fukushimakatastrophe war die Mehrheit der Bevölkerung hierzu bereit.
Hingegen hintertreibt seit Sommer 2011 die Bundesregierung Fortschritte bei der Energieeffizienz und beim Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Unsere weiter wachsende Bürgerinitiative hält dies für extrem unverantwortlich! Die deutschen AKW sollen bis 2015 alle abgeschaltet werden. Die gefährlichsten zuerst!
Raimund Kamm (Vorstand)
FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager
und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.
Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

