Ulrich Maurer

Steinbrück muss sein Verständnis von Korruption offenlegen

Ulrich Maurer

Ulrich Maurer

09.01.2013 – PRESSEMITTEILUNG – Ulrich Maurer

“Herr Steinbrück muss aufdecken, warum er die Vertuschung der Korruption bei ThyssenKrupp befürwortet hat”,“erklärt Ulrich Maurer zu den Informationen, dass Peer Steinbrück im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp gegen die Veröffentlichung von Bestechungspraktiken des Konzerns im Zusammenhang mit Eisenbahnschienengeschäften votiert hat.

die ganze Pressemitteilung


Einsortiert unter:Statements Tagged: Aufsichtsrat, Bestechungspraktiken, Die Linke., Eisenbahnschienengeschäfte, Peer Steinbrück, Steinbrück, ThyssenKrupp, Ulrich Maurer

Maurer tritt nicht erneut an

Der stellvertretende Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Uli Maurer, kandidiert offenbar nicht erneut für den Bundestag. Auf Facebook teilte der frühere Parlamentsgeschäftsführer Linken und Westbeauftragte der Partei mit, „dass auch Politiker erkennen sollten, dass alles seine Zeit hat“. 1948 in Stuttgart geboren werde er zum Zeitpunkt der Wahl das 65. Lebensjahr erreicht haben. Ihm gehe es zudem darum, „ein Zeichen zu setzen. Zu viele klammern sich mit verbissenem Ehrgeiz an politische Ämter und Karrieren und haben nicht die nötige Souveränität sich zurückzunehmen“, so Maurer. Er habe „einen neuen Lebensmittelpunkt in Berlin gefunden und könnte ohnehin nur sehr begrenzt in Stuttgart wirken“. Die Linkspartei habe „sich seit dem Göttinger Parteitag wieder gefangen und ist auf einem guten Weg“. Als Mitglied der zentralen Wahlkampfleitung wolle Maurer „alles dafür tun, dass wir ein sehr gutes Ergebnis erreichen“.

Maurer war innenpolitischer Sprecher der Bundes-SPD und deren Präsidiumsmitglied. 2005 schrieb er einen viel beachteten Brief an den sozialdemokratischen Parteivorstand. Kurz darauf engagierte er sich in der WASG. Der Jurist war nach seinem Wechsel von der SPD der erste Landtagsabgeordnete der Wahlalternative. Als Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2005 gelangte er in den Bundestag. Im Zuge der Fusion gehörte Maurer ebenso zum engsten politischen Zirkel der bald gemeinsamen Linken wie nach dem Gründungsparteitag. Mitunter als gewiefter Stratege geltend und als harter Taktierer bisweilen gefürchtet, zählt Maurer zum Flügel um Oskar Lafontaine in der Linkspartei. Der passionierte Raucher hat sich mit mehreren Büchern in die Diskussion um den Kurs der Linken und die Kritik der Verhältnisse eingemischt, 2005 erschien „Überholt wird links. Was kann, was will, was soll die Linkspartei“, ein Jahr später „Links oder Lahm? Die neue Partei zwischen Auftrag und Anpassung“. (tos, Foto: unbekannt/CC BY-SA 3.0)

flattr this!

Linke darf mitberaten

Die Linkspartei darf nun offenbar doch bei den Beratungen über ein neues Wahlrecht dabei sein: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Union eingelenkt – ohne freilich von einem Einlenken zu sprechen. In einem Brief an seinen Grünen-Kollegen Volker Beck hat der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, am Montag klargestellt, dass auch die Linksfraktion bei den Gesprächen einbezogen werde. Beck hatte sich zuvor in einem Schreiben an Grosse-Brömer mit dem Argument dafür eingesetzt, die Linke sei schließlich auch an den Verhandlungen vor der letzten Wahlrechtsänderung auch beteiligt gewesen: „Ich sehe keinen sachlichen Grund, warum sie jetzt von den interfraktionellen Gesprächen zum Wahlrecht ausgeschlossen werden sollte.“ Das sieht die Union nun also offenbar auch so, von einem „Einlenken“ will ihr Parlamentsgeschäftsführer aber nicht sprechen. Er „habe nie behauptet“, twitterte Grosse-Brömer am Montag, „die Linke nicht einzuladen.“ Sein stellvertretender Fraktionschef Günter Krings hatte das zumindest vor knapp zwei Wochen noch anders gesehen und erklärt, „die Notwendigkeit, hier zwingend auch die Linkspartei mit ins Boot zu holen, sehe ich derzeit nicht.“ Nun also das Einlenken, das keines ist: Am 28. August sollen die Beratungen über ein neues Wahlrecht beginnen. Dass nun auch die Linke dabei sein werde, hat deren Fraktionsvize Ulrich Maurer begrüßt: „Am Ende setzt sich manchmal halt doch die Vernunft durch.“ (tos)

H. Wawzyniak über die Verhandlungen zum Wahlrecht – hier
Gesetzentwurf der Linksfraktion für ein neues Wahlrecht – hier
Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Wahlrecht – hier

flattr this!

Höhns Befugnisse

In der Linken ist seit dem Göttinger Parteitag zwar Versöhnung angesagt, doch das ist bestenfalls ein Ziel. Nach wie vor belauern sich die Parteiflügel – oder zumindest Teile von ihnen. So kommt der Versuch, die Befugnisse des neuen Bundesgeschäftsführers Matthias Höhn zu beschneiden, nicht allzu überraschend. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, soll es Bestrebungen geben, Höhn für die Leitung des Bundestagswahlkampfes den Lafontaine-Vertrauten Ulrich Maurer an die Seite zu stellen. Beide sollen demzufolge gleichberechtigte Wahlkampfleiter sein. Maurer dementiert das in der Zeitung nicht, sondern wird mit dem sybillinischen Satz “Es geht immer um eine Kombination von Fähigkeiten und Talenten” zitiert. Welche Fähigkeiten und Talente er Höhn womöglich abspricht, wird nicht erklärt. Nicht unerwartet erhält Höhn Unterstützung von Dietmar Bartsch, der in Göttingen mit seiner von Höhn unterstützten Bewerbung um den Parteivorsitz gescheitert war. Bartsch verwies mit Blick auf die letzte Bundestagswahl darauf, dass sich die Vereinigung von Bundesgeschäftsführung und Wahlkampfleitung in einer Hand bewährt habe. Damals hieß der Wahlkampfchef und Geschäftsführer Dietmar Bartsch. Und der Thüringer Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow erklärte, dem Geschäftsführer oblägen „alle Festlegungen zum Wahlkampf“. (wh)

13 Uhr: Katja Kipping und Bernd Riexinger haben inzwischen erklärt: “Matthias Höhn ist unser Wahlkampfleiter. Vor einem Monat haben wir auf dem Göttinger Parteitag mit großer Mehrheit Matthias Höhn zum Bundesgeschäftsführer gewählt. Zu den originären Aufgaben des Bundesgeschäftsführers gehört es, den Bundestagswahlkampf für DIE LINKE zu organisieren und zu leiten. Matthias Höhn ist unser Bundesgeschäftsführer und unser Wahlkampfleiter. Darüber herrscht in der Parteiführung Einigkeit.”

flattr this!

Riexinger und Kipping

Kurz vor dem Göttinger Parteitag wirbt das Lager um den früheren Vorsitzenden Oskar Lafontaine für eine Doppelspitze aus Katja Kipping und Bernd Riexinger. Klaus Ernst bezeichnete dies neben einem reinen Frauenduo als „integrative Lösung“ und verwies auf laufende Gespräche. „Wir brauchen eine Lösung, die die Wurzeln der Partei in Ost und West repräsentiert“, wird der Linkenchef in den Zeitungen der WAZ-Gruppe zitiert. Zuvor hatte sich Sahra Wagenknecht bereits für die Variante Kipping und Riexinger ausgesprochen: „Das wäre ein Integrationsangebot für die gesamte Partei. In einer solchen Führung möchte ich gern als stellvertretende Vorsitzende mitarbeiten“, sagte sie einer Nachrichtenagentur.

Riexinger selbst sieht seine Bewerbung als einen „Beitrag zur Integration der verschiedenen Strömungen“, die Kandidatur solle „einer weiteren Polarisierung entgegenwirken“. Auf der Website des Landesverbandes Baden-Württemberg heißt es, der Gewerkschafter habe sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem er von „mehreren Landesvorständen, aber auch von Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht und Ulrich Maurer“ dazu aufgefordert worden sei. Auf dem Wunschzettel der Antikapitalistischen Linken steht Riexinger nicht. Als Geschäftsführer des Stuttgarter ver.di-Bezirks und langjähriger Aktivist bei Anti-Agenda-Protesten bringt Riexinger sozusagen doppelte Anschlussfähigkeit mit – ins Gewerkschaftslager und in die sozialen Bewegungen.

Wie stark sich allerdings die Integrationskraft des 56-Jährigen nach Innen ausprägen kann, bleibt abzuwarten. Riexinger hat das Problem vieler, die nun im Kandidatenkarussell sitzen: Er war Teil von strömungspolitisch grundierten Konflikten, die in der Linken nun überwunden werden sollen. Riexinger hatte im Winter 2009/2010 einen von zwei Briefen verfasst, in denen seinerzeit von Gregor Gysi die Entmachtung von Dietmar Bartsch als Bundesgeschäftsführer gefordert wurde. In den Schreiben wurde unter anderem der Vorwurf erhoben, Bartsch habe dem Spiegel Details über Lafontaines Privatleben gesteckt – den anderen Brief hatte seinerzeit übrigens auch Katharina Schwabedissen unterzeichnet.

Der stark personalisierte Konflikt des Januars 2010 ist eine Säule der seither laufenden Auseinandersetzungen in der Linken, vor allem auch was die hohe Emotionalität des Streits angeht (der freilich andere, politische und strukturelle Gründe hat). Diesen zu überwinden hat nun noch einmal Katja Kipping gefordert: „Verantwortlich für den Abwärtstrend der Linken ist das Einnisten der verschiedenen Parteiströmungen in Schützengräben. Wir müssen weg vom Lagerdenken, hin zu mehr Teamgeist“, sagte sie dem Hamburger Abendblatt. Für „eine Partei, die die Solidarität auf ihre Fahnen schreibt, geht es darum, Solidarität auch in den innerparteilichen Auseinandersetzungen zu leben“, forderte auch Dietmar Bartsch. Der Neuen Westfälischen sagte er, die kulturlosen Debatten über Personen müssten „sofort aufhören, weil wir sonst abstoßend wirken“. (vk)

flattr this!

Zwei Aufgaben

Die Linke hat nur eine Überlebenschance, wenn sie zwei Probleme bewältigt: Sie muss sich erstens der Auswirkungen der schärfsten Krise seit der Großen Depression auf das Alltagsbewusstsein vergegenwärtigen und zweitens Rahmenbedingungen für ihre Politik schaffen, die eine Parallelität von Einheit in den Kernzielen und Pluralität und Offenheit in der Debatte um ihre Vertiefung und Aktualisierung gewährleisten. Ein GASTBEITRAG von HORST ARENZ

 

DIE LINKE am Scheideweg
Zur Lage der Partei DIE LINKE nach Lafontaines Rückzug
Von Horst Arenz

Bei aller Anerkennung seiner großen Verdienste für DIE LINKE und die deutsche Linke insgesamt ist festzuhalten: Oskar Lafontaine ist gescheitert. Es ist an der Zeit, über die Gründe zu sprechen.

Ab auch der sogenannte „linke“ und „rechte“ Flügel sind gescheitert. Es ist daher auch dringendst an der Zeit, der Beherrschung der öffentlichen Wahrnehmung der Partei durch den Strömungsstreit aus der Partei selbst heraus ein Ende zu setzen.

Die Lage ist dramatisch. Nach Lafontaines Rückzug, der erst recht die Strömungskämpfe hat aufbrechen lassen, steht die Partei am Abgrund. Alle Flügel tragen zu gleichen Teilen dafür Verantwortung. Und es geht um mehr als die DIE LINKE. Sollte sie scheitern, ist die gesamte deutsche Linke auf Jahre zurückgeworfen. Exakt das sollte uns alle umtreiben. Jede/r von uns ist betroffen, jede/r von uns muss sich fragen, was er falsch gemacht hat, wir alle müssen uns ändern. So wie jetzt kann es nicht weitergehen.

Jede/r von uns muss jetzt die Bereitschaft und Fähigkeit an den Tag legen, sich auf wenige wesentliche Punkte zu konzentrieren, die die Partei jetzt ändern muss. Dabei hilft es nicht, aus taktischen Gründen die harten facts unter den Tisch zu kehren. Hierzu im Folgenden einige Vorschläge. Es kann dabei nicht darum gehen, die ungemein engagierte und wichtige Arbeit tausender Genossen/innen schlecht zu reden, natürlich auch nicht die Verdienste der hier kritisierten Akteure. Es geht gerade darum, den Blick für differenzierte Kritik zu schärfen, die bei uns verbreitete Haltung abzubauen, Kritik in Einzelpunkten als Pauschalkritik zu nehmen. Ausgeblendet werden auch die häufigen, rein persönlichen Auseinandersetzungen auf unsäglichstem Niveau und unter Missachtung der Grundregeln des menschlichen Umgangs, die im Rahmen des „Aufbau West“ in den Landesverbänden Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein jahrelang zu beobachten waren, wozu frühzeitig vorgebrachte Warnungen aber stets beiseite geschoben wurden.

Die Vorschläge sind verbunden mit dem Appell, nicht gleich wieder das Fallbeil des Pappkameraden der Zuordnung von Kritik zu einzelnen Strömungen niedergehen zu lassen. Es ist für die Partei zur Existenzfrage geworden, sich in solidarischer und sachbezogener Auseinandersetzung unter Wahrung des gegenseitigen Respekts unter zivilisierten Menschen kritischen Argumenten zu stellen. Die hier formulierte Kritik ist in solidarischer Absicht formuliert, egal welcher Flügel betroffen ist. Eingedenk der gegebenen Wahrnehmungsstrukturen ist es aber notwendig, sich auf konkrete Akteure/innen zu beziehen, Ross und Reiter zu nennen, ist doch die Haltung bei uns zu verbreitet, auf keinen Fall sich selbst von Kritik angesprochen zu fühlen. Im Fokus sollen dabei die beiden exponiertesten Flügel, die „Antikapitalistische Linke (AKL)“ und das „Forum Demokratischer Sozialismus (fds)“ stehen. Dabei unterliegt die Hoffnung, durch die Konfrontation mit eigenen Schwächen die Flügel zu motivieren, sich über die Defizite auszutauschen und so den vollkommen blockierten innerparteilichen Diskussionsprozess wieder in Gang zu bringen.

Die strategischen Schwächen Lafontaines und seiner Unterstützer/innen

In seiner Rücktrittserklärung vom 22. Mai reklamiert Lafontaine für sich die Intention eines „Neuanfangs jenseits der bisherigen Konfrontationslinien“. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Das ist in der Tat der einzige Ausweg aus der Krise, es gibt keinen anderen. Vorweg sei bemerkt, dass es Versuche in dieser Richtung gegeben hat, die aber in der Zuspitzung im Zusammenhang mit Bartschs erzwungenem Rücktritt als Bundesgeschäftsführer abrupt eingestellt wurden.

Lafontaine blendet bei der präzisen Benennung des notwendigen Kurswechsels zwei Dinge aus: Erstens war er stets aktiver Teil der Konfrontationslinien. Er bzw. seine Unterstützer/innen, allen voran die AKL, haben den sogenannten Reformerflügel über Jahre massiv bekämpft. Lafontaine betrieb die Entlassung von Bartsch als Bundesgeschäftsführer, er u.a. beschuldigten die Reformer öffentlich, sie wollten eine SPD-light und letztlich keine linke Politik. Das Lafontaine-/Ernst-Lager verfolgte jahrelang das Ziel, die maßgeblichen Kräfte des Reformerlagers zu schwächen.

Zweitens: Dass Lafontaine mit seinem Rückzug bezweckte, „einen solchen Neuanfang zu ermöglichen“ (Zitat Erklärung), ist vorsichtig gesprochen verwegen. Lafontaine hinterlässt die Partei in einem Zustand, in dem der Machtkampf zwischen den Strömungen erst recht losbricht. Die AKL und andere blasen zur Entscheidungsschlacht auf dem Parteitag: Der Aufruf zur Lafontaine-Unterstützung ist weiter im Netz, führende AKL-Vertreter wie Martin Hantke erklären erstmalig ihre Kandidatur zum Parteivorstand, Sahra Wagenknecht wird nun als Kandidatin für den Parteivorsitz lanciert. Mit seinem Rückzug hat Lafontaine exakt das Gegenteil dessen erreicht, worauf er mit der Ablehnung einer Kampfkandidatur abzielte: die Verhinderung der Zuspitzung der Konfrontation auf dem Parteitag.

Drittens sind angesichts der angebotenen Ursachen für die Krise der Partei Zweifel angebracht, ob der intendierte Neuanfang in die richtige Richtung geht. Eine zentrale Schwäche des „Lafontaine-Lagers“ besteht in einer völlig oberflächlichen Analyse der Gründe des Niedergangs. Als Erklärungsmuster dafür, warum die Partei trotz einer behaupteten richtigen Analyse der Finanzkrise mehr als die Hälfte der Wählerstimmen verloren hat, wird von Lafontaine und seinen Unterstützer/innen nur eines angeboten: die jahrelange Beschädigung der eigenen Partei durch den Reformerflügel. Nicht nur, dass der eigene Anteil beim „Schießen auf das Eigentor“ kein Thema ist. Es wird tatsächlich vorgegeben, die Reformer bräuchten nur ihre öffentliche Kritik einstellen, dann ginge es wieder aufwärts. Eine solche niveaulose Deutung von Krisenursachen und Gruppenkonflikten sollten wir überwinden.

Hinzukommt, dass die Ursachenerklärung zutiefst widersprüchlich ist. Im ZDF hat Sahra Wagenknecht jetzt erstmalig, überraschend deutlich und zu recht von „grundlegenden strategischen Differenzen“ als Grund der Konflikte gesprochen. Demnach haben wir es also nicht – wie bei uns vielfach behauptet, so auch soeben wieder von Ulrich Maurer – um einen rein persönlichen Machtkampf zu tun, in dem Inhalte angeblich keine Rolle spielen, weshalb der ständig wiederholte Appell, diesen zu beenden, ausreichen solle, um die Krise zu stoppen. Nein: Grundlegende strategische Differenzen können nicht einfach per Schweigedekret bereinigt werden, sondern nur durch einen Prozess der Auseinandersetzung in der Sache. Wagenknecht macht allerdings keinerlei Angebote, wie diese zudem von ihr nicht näher beschriebenen grundlegenden Differenzen bereinigt werden können.

Die Gründe, warum die Partei nicht von der in 2007 ausgebrochenen Krise profitieren konnte, können nicht auf persönliche Machtkämpfe reduziert werden, sondern haben zu tun mit einer ganzen Reihe von höchst komplexen Prozessen, die aber von Lafontaine, Wagenknecht, Ernst sowie den sie unterstützenden Flügel nicht oder nur marginal thematisiert werden. Dabei geht es zum Beispiel darum, dass angesichts des Versagens der Politik die Menschen nicht mehr daran glauben, dass die Finanzmärkte von der Politik geregelt werden können (Franz Walter). Es geht darum, dass in der mit der Prekarisierung grassierenden Unsicherheit vor allem die unteren Schichten leichter nach rechtspopulistischen und autoritären Lösungsmustern suchen. Und es geht zum Beispiel ganz wesentlich auch darum, dass in Deutschland die Krise einen deutlich anderen Verlauf hat als in anderen Ländern der Eurozone. Dass diese Länder im Vergleich zur hiesigen Situation eine gegensätzliche Entwicklung durchlaufen, z.B. die Arbeitslosigkeit von 2007 bis 2011 um rund 30 Prozent gestiegen ist, während sie in Deutschland (nach offiziellen Zahlen) um 30 Prozent gesunken ist, dass die IG Metall mit 4,5 Prozent Plus den höchsten Abschluss seit 20 Jahren erkämpft hat – und welche Folgen dies für das Alltagsbewusstsein in jeweiligen Ländern hat, wird ignoriert.

Die innerparteilichen „grundlegenden Differenzen“ drehen sich letztlich um die Einschätzung des gegenwärtigen Zustands des Alltagsbewusstseins breiter Teile der lohnabhängig Beschäftigten. Unübersehbar liegt bei der Pro-Lafontaine-Strömung eine zivilisationskritische Bewertung der Natur des heutigen Kapitalismus vor. Damit sind angesprochen: das Niveau des erreichten Lebensstandards und der Individualitätsentwicklung/Subjektivierung, damit verbunden neue, gegen top-down-Prozesse gerichtete Ansprüche an Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen, das höhere Bildungsniveau und die „Wissensgesellschaft“, der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, das entwickeltere Gesundheitsbewusstsein, die mit der Arbeitszeitverkürzung gewachsene Bedeutung des Bereichs der Nicht-Erwerbsarbeit, also des sog. Alltagsbereichs, die wachsenden Probleme im Wohnungssektor in den Ballungsräumen etc. – und die qualitativ neuen Ansprüche an und neuen Konflikte mit den kapitalistischen Verwertungsinteressen, die aus diesen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft sich abspielenden Prozessen resultieren. Es ist doch symptomatisch, dass die Bundestagsfraktion fast sieben Jahre gebraucht hat, um sich dem explosionsartigen Anstieg des Arbeitsausfalls wegen psychischer Erkrankung, bedingt durch erhöhten Arbeitsdruck und durch zunehmenden Konflikt zwischen entwickelterer Emotionalität und autoritären Entscheidungsstrukturen in Betrieb und Verwaltung, zu widmen. Auch die Frage (relevant nicht zuletzt auch im saarländischen Wahlkampf), welche Auswirkungen der bei unzureichendem Monatseinkommen unvermeidliche Zwang zur privaten Verschuldung auf die Haltung zum Thema Schulden hat, wird nicht gestellt. So wichtig das Thema Prekarisierung als Charakteristikum des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus ist, die Partei muss sich auch dem Wandel auf dem Feld der Normalarbeit stellen. Ausgeblendet wird schließlich auch, welche Konsequenzen aus der dramatisch wachsenden Distanz der Menschen gegenüber politischen Parteien für DIE LINKE zu ziehen sind.

Symptomatisch für die grundsätzlichen Leerstellen in der Bewertung des Alltagsbewusstseins ist die Kommentierung des NRW-Wahldesasters durch die der AKL nahestehende NRW-Spitzenkandidatin Schwabedissen: Völlig überraschend erklärt sie am Wahlabend im Fernsehen nicht nur, die Partei müsse sich mehr dem Alltag der Menschen zuwenden, das sei im Osten gut gelungen und müsse nun im Westen angegangen werden(!). Nicht zuletzt mit Verweis auf die Stärkung der Linken in Griechenland und Frankreich sei die Partei sogar „auf dem Weg nach vorne“.

Bei Lafontaine und dem linken Flügel werden die Folgen dieser Entwicklungen auf die Bewusstseinsformen entweder gravierend unterschätzt bzw. komplett ignoriert oder sogar negativ bewertet – mit dem Ergebnis gravierender Fehleinschätzungen des Alltagsbewusstseins. Auf dieser Grundlage sitzt Lafontaine dann auch fast zwangsläufig einer Verkennung der öffentlichen Wirkung seiner Rückkehrbedingung auf, die ihm schließlich die Unterstützung von Gysi kostete: Es ist in der politischen Landschaft hierzulande einfach nicht vermittelbar, zu einer Kandidatur nur ohne Gegenkandidaten bereit zu sein. Für diese folgenschwere Fehleinschätzung trägt Lafontaine die Verantwortung.

Der Reformerflügel – von der Annäherung an die Wirklichkeit zur Anpassung

Auch der sog. Reformerflügel betreibt – sicherlich noch heftiger – die Selbstbeschädigung der Partei, zum Teil im offen demonstrierten Desinteresse für die Belange der Gesamtpartei. Die Reformer, überwiegend organisiert im Forum demokratischer Sozialismus (fds), reklamieren für sich zu Recht, näher an der aktuellen Realität des Kapitalismus zu sein. Zeugnis davon legen etwa die richtigen Hinweise auf die großen Veränderungspotentiale des Kapitalismus und ihre Folgen für Bewusstseinsformen ab, die zentraler Gegenstand der Marxschen Analysen sind. Andererseits wird die Seite des „great civilizing influence of capital“ (Marx) verabsolutiert und verkommt so zur Ausblendung der von mehreren Untersuchungen bestätigten wachsenden Systemkritik im Alltagsbewusstsein. Im Resultat landet der Flügel – bei allen wichtigen Leistungen insbesondere auf dem Feld der Kommunalpolitik – schließlich bei einer resignativen Systemakzeptanz, bei einer Unterschätzung der auch in der bundesdeutschen Gesellschaft gerade in der Großen Krise zunehmenden Widersprüche und Widerstandspotentiale – und in der Folge bei einer Überbetonung der parlamentarischen Arbeit und einer weitgehenden Abstinenz gegenüber den hierzulande stattfindenden sozialen Kämpfen.

Exemplarisch dafür steht etwa die konkrete Politik des im fds eine dominierende Rolle spielenden Berliner Landesverbands in der rot-roten Koalition auf dem Feld der Wohnungspolitik und der Rekommunalisierung der Wasserwirtschaft, verbunden jeweils mit einer schroffen Abgrenzung gegen Bürgerinitiativen. Bei allem berechtigten Bezug auf das Alltagsbewusstsein hat der Reformerflügel an analytischer Substanz ganz überwiegend nur Leerformeln zu bieten – und praktiziert in der konkreten Regierungspolitik übertriebene Anpassung an Systemzwänge. Dass die Vorschläge der Partei zur Lösung der Finanzkrise eine mobilisierende Wirkung für die Wählerschaft hat, wird bestritten. Führende Berliner Vertreter des fds lehnen auf öffentlichen Veranstaltungen einen Zusammenhang von Finanzmärkten und Immobilieneigentum entschieden ab. Thomas Falkner, einer der Theoretiker des fds, verkündet auf der April-Tagung des Forums: „So hat Siegmar Gabriel die richtige Alternative aufgemacht: demokratiekonforme Märkte vs. Merkels ‚marktkonforme Demokratie’“. Er scheut sich auch nicht, Merkel gegen Hollande zu stützen: „Der Wahlkämpfer François Hollande überzieht …., wenn er den Fiskalpakt wütend versenken will … Wer auf Handeln setzt und ggf. auch mal vorprescht, verdient unsere Unterstützung – auch, wenn der Name Merkel ist.“ Der Unterschied zur SPD verschwimmt, wenn er in der gleichen Rede fordert, den Fiskalpakt durch einen Wachstumspakt zu ergänzen.

Hinzukommt, dass der Reformerflügel konträr zu ständigen Appellen an moderne, nicht-autoritäre Kommunikationsformen innerparteilich in extenso top-down-Prozesse und ausgrenzende Praktiken gegen Kritiker/innen an den Tag legt und damit einen nicht unwichtigen Beitrag zur Vertiefung der Grabenkämpfe leistet. So demonstriert der Reformflügel zum Beispiel im Parteivorstand allein schon durch non-verbale Gesten sein Sektierertum durch demonstrativen Ekel, sobald die Gegenseite das Wort Finanzkrise in den Mund nimmt. Gerade auch der Reformerflügel hat Nachholbedarf bei der Bewältigung der Vergangenheit in Punkto Pluralität, Respekt, Toleranz, Konfliktlösungskompetenz und Offenheit gegenüber Kritik hart an der Sache.

Konzeptioneller Verfall

Ein Kernpunkt des Zustands der Partei liegt darin, dass trotz aller Appelle es beiden Teilen an einer zivilisierten und solidarischen Kultur der Auseinandersetzung mangelt. Nicht nur in der aktuellen Situation, sondern seit Jahren sind die Flügel nicht in der Lage, eine rationale Bewegungsform für die Austragung grundsätzlicher analytischer und politischer Differenzen zu finden. Auch Sahra Wagenknecht bietet außer Schuldzuweisung an die andere Seite keine Hinweise, wie die „grundlegenden strategischen Differenzen“ aufgelöst werden können.

Das Niveau an analytischer Substanz der Gesamt-Partei hat gelitten. Beiträge hierzu werden komplett ignoriert. Es dominiert immer mehr eine Pappkameraden-Kultur nach dem Motto: Relevant sind nicht die vorgetragenen Argumente, sondern die Frage, auf welche Seite sie einzuordnen sind. Kritik wird ganz überwiegend eingeordnet als Angriff auf die Person und/oder als Angriff auf das eigene Lager. Eine Bereitschaft, organisierte Formen zu finden, in denen die Flügel ihre gegensätzlichen Sichtweisen mit dem Ziel ihrer Annäherung auszutauschen, ist nicht in Sicht.

Neuanfang als politischer Kurswechsel

Nicht nur Lafontaine ist gescheitert, das gesamte Fusionsprojekt steht im Vorfeld des Parteitags vor dem Scheitern.

Ein desaströse Niederlage der Partei bei den Bundestagswahlen ist aus aktueller Sicht mehr als wahrscheinlich. Dies hätte über Jahre hinaus dramatische Folgen für die Zukunft der deutschen Linken insgesamt. Abgesehen von dem nicht kalkulierbaren Fall der Implosion des Kapitalismus hat DIE LINKE nur eine Überlebenschance, wenn sie zwei Probleme bewältigt: Sie muss sich erstens der Auswirkungen der schärfsten Krise seit der Großen Depression auf das Alltagsbewusstsein vergegenwärtigen und zweitens diese organisatorisch durch die Schaffung von Rahmenbedingungen umsetzen, die eine Parallelität von Einheit in den Kernzielen und Pluralität und Offenheit in der Debatte um ihre Vertiefung und Aktualisierung gewährleisten. Dabei muss sie sich elementare Erkenntnisse der Kommunikationsforschung zu Eigen machen und die zivilisatorischen Errungenschaften des Kapitalismus in ihre Auseinandersetzungsformen einfließen lassen.

Das Projekt DIE LINKE als eigenständige Partei links von SPD, Grünen und Piraten ist trotz deren verbaler Kurskorrekturen weiterhin uneingeschränkt unverzichtbar. Nicht zuletzt die praktizierte Ausrichtung auf Große Koalitionen seitens der SPD macht dies überdeutlich. Dennoch hat DIE LINKE in ihrem gegenwärtigen Zustand keine Zukunft. Ein politischer Kurswechsel ist überfällig. Lafontaine hat in doppelter Weise recht: Wir brauchen erstens einen Neuanfang – das ist schon ein Riesenbrocken, der zu bewältigen ist. Zweitens brauchen wir einen „Neuanfang jenseits der bisherigen Konfliktlinien“ – das ist noch ein Riesenbrocken drauf. Beides ist existenziell. Die Hoffnung sollten wir nicht aufgeben.

Horst Arenz ist Mitglied der Basisorganisation Kreuzberg der Partei DIE LINKE und Abgeordneten-Mitarbeiter der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Eine pdf-Version dieses Textes mit zusätzlichen Fußnoten gibt es hier.

 

flattr this!

Erlöser, Provinzpolitiker

Die Linken-Spitze hat sich, heißt es in Meldungen, am Samstag „in großer Einmütigkeit“ darauf verständigt, „alle Kraft auf die anstehenden Wahlkämpfe zu setzen“. Das gilt aber offenbar nur eingeschränkt, jedenfalls geht die Debatte weiter. Die Nachrichtenagentur dapd schreibt: „Dennoch beharkten sich am Wochenende führende Linke-Politiker über die Medien.“ In der Süddeutschen heißt es nüchterner, „vor allem Landespolitiker wehrten sich“ gegen eine Verschiebung der anstehenden Personalentscheidungen. „Sie versprechen sich davon mehr Erfolg bei den anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.“ Die Junge Welt hat die Meldung auf ihre Weise aufgepimpt: „Nichtsdestoweniger bemühten sich einige Provinzpolitiker, sich am Wochenende mit personalpolitischen Bemerkungen in Zeitungsinterviews zu profilieren.“ Was wiederum andere Politiker der Linken zu spitzen Bemerkungen veranlasst – womit die Debatte immer schön am Laufen gehalten wird. Mecklenburg-Vorpommerns Landeschef Steffen Bockhahn etwa hatte mit Blick auf Oskar Lafontaine erklärt, die Linke müsse „dafür sorgen, dass sie eigenständig agiert und nicht darauf wartet, was einer sagt“. Die Partei brauche „keinen Erlöser“ und solle „jetzt schon an übermorgen denken“, das heißt, sich „auf etwas jüngere Leute konzentrieren“. Fraktionvize Ulrich Maurer antwortete prompt in der Ostsee-Zeitung: Bockhahn, zitiert ihn das Blatt, „sollte sich auf seine Aufgaben als Verwaltungsrat der Ostseesparkasse konzentrieren“. (vk)

flattr this!

Reaktionen

Gesine Lötzsch hat in ihrer Erklärung zum Rücktritt „allen Mitgliedern der Partei“ gedankt, „die mich in meiner Arbeit unterstützt haben“. Als Vorsitzende stand die Berlinerin ziemlich in der Kritik, ihre Entscheidung, das Amt aus Rücksicht auf ihren erkrankten Ehemann abzugeben, wird nun in der Partei mit großem Respekt bedacht. Kommentatoren verweisen allerdings auch auf die politische Dimension. Die Reaktionen im Überblick (wird weiter aktualisiert)

Stimmen aus der Linkspartei

“Ich finde es schwierig, wenn man als Parteimitglied nur 14 Tage Zeit hat, sich Gedanken darüber zu machen, ob das, was dann verkündet wird, auch die richtige Lösung ist. Basisdemokratie stelle ich mir anders vor, als dass jemand nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eine Pressekonferenz gibt und dort erklärt, wer die Parteiführung bildet.” - der mecklenburg-vorpommersche Landesvorsitzende Steffen Bockhahn gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung

“Ich finde es traurig, dass Gesines Mann so krank ist, dass sie diesen Schritt machten muss uand wünsche ihm gute Besserung. Und ich danke Gesine für ihre viele Arbeit als Parteivorsitzende. Ich habe den unkomplizierten Umgang mit ihr immer geschätzt, auch ls Parteivorsitzende habe ich sie nie als abgehoben erlebt.” – die niedersächsische Fraktionsvorsitzende Kreszentia Flauger auf Facebok

“Da auf dem Parteitag Anfang Juni die reguläre Neuwahl ansteht, wird ihr (Lötzschs) Schritt für Hamburg vermutlich keine größeren Auswirkungen haben.” - die Hamburgische Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn gegenüber dpa

“Wir haben zwei kompetente Vorstandsmitglieder, die mit Parteivorsitzenden Klaus Ernst die Arbeit erledigen. Es gibt keinen Grund, voreilig personelle Fragen zu klären. Wir wissen, dass wir eine neuen Führung wählen müssen. Die Situation ist jetzt etwas anders, aber nicht grundsätzlich neu.” – der Brandenburger Landeschef Stefan Ludwig gegenüber dpa

“Ein früherer Termin wäre gut, nicht erst kurz vor dem Parteitag im Juni. Ich wünsche mir eine öffentliche Debatte. Ein solcher Streit ist produktiv.” – der Bundestagsabgeordnete Jan van Aken gegenüber AFP

“Ich habe derzeit einige Ämter hier in Hessen, und ich fühle mich, ehrlich gesagt, auch ganz gut damit ausgelastet.” – die hessische Fraktionsvorsitzende der Linken, Janine Wissler, gegenüber dpa

“Eine Partei, die sich in Wahlkämpfen mit Personaldiskussionen beschäftigt, ist – das lehrt die Erfahrung – nicht besonders erfolgreich. Deswegen kann ich nur allen in meiner Partei empfehlen, das zu beachten.” - der Linken-Vorsitzende Klaus Ernst gegenüber dpa

“Alle, die darauf gesetzt haben, dass wir uns zerlegen, werden sich täuschen.” - Fraktionvize Ulrich Maurer gegenüber AFP

“Wir müssen zunächst gemeinsam die bevorstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen durchkämpfen. Wir haben mit Klaus Ernst einen gewählten Vorsitzenden und einen arbeitsfähigen Vorstand.” - der Landeschef der Berliner Linken, Klaus Lederer, gegenüber dapd

“Wir warten jetzt alle darauf, was Oskar sagt.” - ein namenloses, aber führendes Parteimitglied gegenüber Reuters

“Wir appellieren an alle Kräfte in der Partei nun nicht das Interesse der Medien an weiteren Personaldebatten zur Unzeit zu bedienen. Die Piraten mobilisieren derzeit erfolgreich unzufriedene Wählerinnen und Wähler. Wir müssen uns daher voll auf den politischen Wettbewerb um Protest und soziale Gerechtigkeit konzentrieren.” - aus einer Erklärung der Sozialistischen Linken

„Die Entscheidung von Gesine Lötzsch ist zu respektieren, nicht zu kommentieren.“ - der Fraktionsvize Dietmar Bartsch gegenüber dpa

“Das ist schade. Ich verstehe es sehr gut, dass sie bei ihrem Mann sein möchte.“ - die nordrhein-westfälische Spitzenkandidatin und Landessprecherin Katharina Schwabedissen gegenüber dpa

“Von mir wird es zu diesem Zeitpunkt keine Personaldebatte geben.“ - die niedersächsische Linke-Vorsitzende Giesela Brandes-Steggewentz gegenüber dapd

„Die beiden haben gute Arbeit geleistet. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich Klaus Ernst baldmöglichst erklärt, ob er sich zur Wiederwahl als Parteichef stellt. Der Druck auf Klaus Ernst ist jetzt mit Sicherheit größer geworden.“ - die kommissarische Sprecherin des bayerischen Landesvorstands, Anny Heike, gegenüber dapd

„Es ist immer schwierig, solche großen Umbrüche in Zeiten des Wahlkampfes zu haben. Aber wir haben vollstes Verständnis, wenn Gesine Lötzsch aus so wichtigen persönlichen Gründen diese Entscheidung trifft. Wir stecken bis über beide Ohren im Wahlkampf. Da sind Personaldebatten nicht hilfreich.“ - die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Jannine Menger-Hamilton gegenüber dpa

“Bis zum Göttinger Parteitag wird Klaus Ernst als alleiniger Parteivorsitzender die Partei führen. Wir richten unsere ganze Kraft auf die vor uns liegenden Wahlkämpfe. Es bleibt bei der Verabredung, dass wir alle Personalfragen nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vorbereiten und auf dem Parteitag Anfang Juni entscheiden.” - aus der Erkärung des geschäftsführenden Parteivorstandes

“So sehr ich bedauere, dass Gesine Lötzsch nun nicht zur Wiederwahl antreten wird, stelle ich doch fest: wir befinden uns in keiner Handlungsnot. Mittlerweile verfügen wir über ein breitgefächertes Feld von geeigneten Kandidatinnen. Aber zuerst müssen wir klären, ob wir bei der Doppelspitze bleiben. Ich wäre dafür. (…) Lafontaine sollte sich mit einem Schwerpunkt in Berlin in die Bundespolitik einbringen. Seit einiger Zeit laufen Gespräche, die mit großer Ernsthaftigkeit geführt werden – übrigens auch zwischen Lafontaine und Bartsch.” - Bodo Ramelow in einem Interview mit der Süddeutschen

„Ich bedauere und respektiere den Schritt von Gesine Lötzsch. Wir haben in einer schwierigen Zeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt zusammen gearbeitet. Dafür danke ich ihr. Ich wünsche ihr und ihrer Familie Kraft und Gesundheit für die kommende Zeit.“ - Linken-Chef Klaus Ernst in einer Erklärung

„Ich wünsche Gesine Lötzsch, die als Parteichefin zurückgetreten ist, und ihrem Mann alles Gute! Insbesondere an ihren Mann: Gute Besserung!“ - der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat via Twitter

„Schade, ich mochte Gesine als Vorsitzende. Besonders für ihre bodenständige Art.“ - der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Björn Thoroe via Twitter

Linken-Vize Halina Wawzyniak „wünscht Gesine Lötzsch viel Kraft, ihrem Mann alles Gute und findet ihre Entscheidung hat Respekt verdient“. - via Twitter

Was sagen die anderen?

„Nichts ist so schwach wie eine Idee, über die die Zeit hinweggegangen ist. Weder (Oskar) Lafontaine noch (Sahra) Wagenknecht werden den Niedergang der Linkspartei aufhalten.“ - der Parlamentarische SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann hier im Hamburger Abendblatt

„Ich hoffe, dass die Zeit der DDR- und Kommunismusverklärung durch die Linke damit endlich ein Ende hat. Für die Opfer der SED-Diktatur war Frau Lötzsch eine Zumutung.“ - der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe gegenüber dapd

Kommentare aus den Zeitungen

“Dieses quälende Warten auf Lafontaine hat für die Partei etwas Demütigendes. Das politische Personal der Linken darf sich den Launen eines bald 70-Jährigen ausgeliefert fühlen. Schon das ist nicht schön, aber bei Licht besehen ist die Lage noch schlimmer. Lafontaine zögert nämlich auch aus Vorsicht: Er kann nicht sicher sein, die Niederlagen im Norden und im Westen noch abwenden zu können.” - aus dem Kommentar von Daniel Brössler in der Süddeutschen

“Inhaltlich steht die Partei nackig da. Eine sozialdemokratisierte Union unter Kanzlerin Merkel und eine nach links rückende SPD haben das inhaltliche Alleinstellungsmerkmal der Linkspartei obsolet werden lassen. In Zeiten von Rekorderwerbsbeteiligung und wirtschaftlicher Dynamik wirken die Klassenkampf-Parolen zunehmend aus der Zeit gefallen.” – aus einem Kommentar von Michael Bröcker in der Rheinischen Post

“Aus familiären Gründen hat Gesine Lötzsch in der Nacht auf Mittwoch das Amt der Parteivorsitzenden aufgegeben. Sie war dieser Aufgabe ebenso wenig gewachsen war wie ihr Ko-Vorsitzender Klaus Ernst. Die gesamte Führungsgruppe, die Gregor Gysi seiner Partei nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine aus Berlin aufnötigte, hat sich rasch als Fehlbesetzung erwiesen. Man kann es nicht, man kann nicht miteinander, die Führung will nicht führen, die Basis nicht geführt werden: Die Krise der Linkspartei hat Haupt und Glieder erfasst.” - aus einem Kommentar von Mechthild Küpper auf FAZ.net

„Die Stimmung gegenüber Lötzsch in der Linkspartei und der Bundestagsfraktion kann mit nur drei Worten beschrieben werden: Endlich geht sie! Die Linken hatten ihre Vorsitzende gründlich satt. Zu oft hat sie während ihrer Amtszeit der Partei massive Probleme bereitet. Und ganz besonders ärgerte sich der heimlich immer noch amtierende Parteichef Oskar Lafontaine über die Disziplinlosigkeit der Vorsitzenden, die ohnehin aus seiner Sicht die Hauptverantwortung trägt für die anhaltende programmatische Leere und Profillosigkeit der Linken. Er wollte sie schon lange weghaben und war dankbar für jeden erfolgreichen Versuch, Lötzsch an Auftritten im Bundestag zu hindern. Alle warten jetzt auf Oskars Entscheidung. Tritt er an oder taktiert er weiter? Und dies in einer Situation, in der vermutlich nur er in der Lage ist, das Überleben-West der Linkspartei zu sichern.“ - aus einem Kommentar von Hans Peter Schütz auf stern.de

„Lötzschs Schritt verdient zuallererst einmal Respekt. Das ist das eine. Das andere ist die politische Dimension der Entscheidung, die nicht zuletzt durch den Zeitpunkt Brisanz erhält, zu dem sie verkündet wurde. Immerhin wählt die Linkspartei in ein paar Wochen ohnehin eine neue Führung. Die zurückgetretene Vorsitzende, der in der Öffentlichkeit das Wörtchen „umstrittene“ wie eine reguläre Zusatzbezeichnung anhaftet, hat einen Hinweis in ihrer Rücktrittserklärung hinterlassen. Sie danke „allen Mitgliedern der Partei (…), die mich in meiner Arbeit unterstützt haben“. Es mögen am Ende zu wenig gewesen sein, um Lötzsch davon abzuhalten, bis zum Göttinger Parteitag der Linken im Juni ihre familiäre Sorge noch einmal hinter die Politik zurückzustellen.“ - aus einem Kommentar von tos auf taz.de

„Was Lötzsch nun erspart bleibt, das ist die politische Erklärung ihres Scheiterns. Es wäre auch für Spitzenleute mit Format eine Riesen-Herausforderung gewesen, das Wagnis einer gesamtdeutschen Linkspartei zum Erfolg zu führen. Es hätte des erkennbaren Versuchs bedurft, dem Sammelsurium namens Linkspartei eine politische Farbe zu geben. Den Protest gegen Ungleichheit und Sozialabbau, der ja wahrlich nicht unnötiger geworden ist, in zeitgemäße, nachvollziehbare Worte und Botschaften zu übersetzen. Davon war nichts zu sehen und zu hören, nicht von Gesine Lötzsch und nicht von Klaus Ernst, der ihrem Beispiel sofort folgen sollte.“ - aus einem Kommentar von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau

“Natürlich sind insbesondere die Vorsitzenden verantwortlich für Defizite. Der Erfolg hat viele Eltern, der Misserfolg braucht wenige Schuldige. Und als Misserfolg, zumindest als schweres Defizit muss man es bezeichnen, dass die LINKE an Zugkraft verlor, in den Umfragen abgerutscht ist und Gefahr läuft, aus Landtagen im Westen wieder rauszufliegen. Die Frage ist: Kann ein neuer Kopf, können zwei neue Köpfe an der Spitze das verändern – oder nur die Risse zeitweilig kitten? Die LINKE hat sich gemeinsam in die jetzige schwierige Situation manövriert – oder nicht rechtzeitig gegengesteuert -, sie kann auch nur gemeinsam zu einem neuen Aufbruch finden. Kritik an einzelnen Personen kratzt an der Oberfläche und führt nicht weit. Jedenfalls nicht zum Kern der Probleme.” – aus einem Kommentar von wh in neues deutschland.

Und hier noch was zum Hören (und Lesen): wh im Interview bei Deutschlandradio Kultur.

 

 

 

flattr this!

Sozial gerechtes Pendlergeld

 

Ulrich Maurer

Ulrich Maurer

10.04.2012 – PRESSEMITTEILUNG – Ulrich Maurer

 

„Die Bundesregierung spielt bei den Benzinpreisen auf Zeit und hofft, dass sich die Empörung legt, wenn nach den Osterferien möglicherweise die Preise an den Zapfsäulen wieder etwas nachgeben. Doch damit ändert sich nichts daran, dass Pendler und Unternehmen der Preiswillkür der Ölmultis weiterhin schutzlos ausgeliefert sind und dies für Menschen mit niedrigen Einkommen inzwischen zu einer zunehmenden Existenzbedrohung geworden ist. Die Zeit ist reif für die Umwandlung der Pendlerpauschale in ein sozial gerechtes Pendlergeld“.

 

Die ganze Pressemitteilung

 


Einsortiert unter:Statements Tagged: Ölmultis, Benzinpreise, Pendlergeld, Pendlerpauschale, Ulrich Maurer, Zapfsäulen

Schon nach Ostern?

„Wir machen jetzt Wahlkampf und Personalfragen diskutieren wir hinterher“, hat Klaus Ernst am Montag gesagt. Es blieb eine Hoffnung – prompt hat die Linke wieder eine Diskussion darüber, ob und wann Oskar Lafontaine auf die bundespolitische Bühne zurückkehrt, die einer wie er gar nicht braucht, um seinen Einfluss auszuspielen.

Doch es geht um viel in diesen Tagen bei der Linken, und mancher rechnet nicht nur fest damit, dass der Saarländer in Göttingen als Parteivorsitzender zurückkehrt. Sondern auch, dass bald auch „die Pflöcke gesetzt werden“, wie es der nordrhein-westfälische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Zimmermann formuliert. Offenbar in der Hoffnung, eine rechtzeitige Kandidatur Lafontaines könne dem Wahlkampf an Rhein und Ruhr noch Rückenwind verschaffen. Zwar hat die Linke im Saarland auch keine Bäume ausgerissen, stattdessen sogar ein Drittel ihrer Stimmen verloren. Das aber hindert mindestens ein Lager in der Partei nicht daran, Lafontaine wieder zurück an die Spitze zu drängen. „Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Lafontaine eine Größe ist, mit der man in der Bundespolitik rechnen muss“, wird Zimmermann im Tagesspiegel zitiert. Sahra Wagenknecht sieht im Saar-Ergebnis eine „Rückenstärkung“ für die mögliche Spitzenkandidatur Lafontaine 2013 – will darüber aber erst sprechen, „wenn es soweit ist“. Fraktionsvize Ulrich Maurer traut Lafontaine eine erneute Übernahme des Parteivorsitzes zu in der Frankfurter Rundschau zu: „Er kann alles werden, wenn er will.“ Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko sagte: „Ich würde es begrüßen, wenn Lafontaine Vorsitzender würde.Der Saarländer könne „an den richtigen Stellen zuspitzen. Und er ist nach wie vor total fit.“ Und Bundesgeschäftsführer Werner Dreibus antwortet auf die Frage nach einer Rückkehr Lafontaines als Parteivorsitzender, es sei kein Geheimnis, „dass es viele in der Partei gibt, die das wünschen“.

„Keinen Zweifel“, dass Lafontaine einer der nächsten Parteivorsitzenden ist, soll es nach den Worten von Hans Peter Schütz „intern“ geben. Dem stern.de-Kolumnist wird eine gewisse Nähe zum Saarländer nachgesagt, am Montag erschien ein Text von ihm unter der Überschrift „Ein Verlierer, der ein Gewinner ist“. Schütz zitiert „ein führendes Parteimitglied mit den Worten „Lafontaine muss einfach zurückkommen, denn er hat einfach die größte Ausstrahlung“. Es stehe bereits fest, dass Klaus Ernst nicht gegen Lafontaine antreten wolle. Gesine Lötzsch wird mit den Worten wiedergegeben: „Wenn Lafontaine antritt, wird er auch gewählt.“ Zugleich spinnt Schütz an einem Argumentationsfaden, der das saarländische Ergebnis in ein besseres Licht rücken soll: Dass das Abschneiden trotz des Stimmenrückgangs in der Partei als Erfolg bewertet werden, erkläre die Linke „damit, dass es bei der Landtagswahl 2009, um die attraktive Möglichkeit einer rot-roten Koalition in Saarbrücken gegangen sei. Dass Lafontaine auch dieses Mal die theoretische Chance für die Bildung einer rot-roten Koalition erreicht hat, gilt deshalb als besondere Leistung, weil CDU und SPD bereits im voraus eine Große Koalition fest verabredet hatten“. Und Schütz weiß sogar: „Lafontaine selbst fühlt sich auch nicht als Verlierer“.

Einen anderen Tenor findet man in der Frankfurter Rundschau, wo Markus Decker von der zum Konzern gehörenden Mitteldeutschen Zeitung seinerseits von „führenden Parteikreisen“ erfahren haben will, dass das Resultat vom Sonntag „keine Vorentscheidung“ bedeute. Ein namentlich nicht genanntes Vorstandsmitglied rechnet in dem Blatt vor, dass bei einem Ergebnis von zwei Prozentpunkten weniger eine Kandidatur des Saarländers „wohl eher nicht mehr in Betracht gekommen“, bei drei Prozentpunkten mehr „sie ihm hingegen nicht mehr zu nehmen gewesen“ wäre. „Verschärfend kommt hinzu“, schreibt Decker weiter, „dass niemand Lafontaines Pläne kennt.“

Der selbst hat sich in den vergangenen Tagen stets bedeckt gehalten. Der Tagesspiegel hatte vor einigen Tagen unter Berufung auf sein Umfeld berichtet, Lafontaine wolle sich nach dem Wahlkampf „erst mal ausruhen“ und werde sich „zu gegebener Zeit“ äußern. Einer Nachrichtenagentur sagte er am Montag: “Ich bin jetzt gerade mal aus einem langen Lauf zurückgekehrt … Hier diskutiere ich nicht jetzt morgens, ob ich wieder an den Start gehe.” (tos)

flattr this!