Politik
Neue Gespräche mit alten Bekannten, neues Lesen alter Bücher
Lieber ohne Drohnen
Antifa Kneipe meets AABS Logo
Am 10.05.2013 ist wieder Antifa-Kneipe im Linken Zentrum Lilo Herrmann in Stuttgart. Mit einem Sektempfang wollen wir, wenn auch etwas spät, den 8. Mai feiern. Wir wollen Euch außerdem die Gelegenheit geben, zu vergleichen wie in anderen Ländern der 8. Mai begangen wird. Ein weiteres Highlight der Antifa-Kneipe wird die Abstimmung über das neue AABS-Logo sein.
Das neue AABS-Logo steht zur Abstimmung und Du entscheidest welches es wird! So geht’s:
- Logos anschauen
- Deinen Favorit auswählen
- Klebepunkt nehmen
- Abstimmen
- Fertig
Also Los! Ab ins Lilo und abstimmen!
Polizei knüppelt in Revolutionäre Mai-Demo
Erster Mai in Stuttgart: Neben der traditionellen ersten Mai Demo der Gewerkschaften gibt es hier außerdem eine weitere Tradition: den Revolutionären ersten Mai. Während die tradionelle Mai-Demo ohne negative Zwischenfälle ablief, wurde der revolutionäre erste Mai von Ausschreitungen der Polizei gegenüber DemonstrantInnen überschattet.
Grundlos knüppelten diese in die Demonstration, welche schnellen Schrittes in Richtung Marienplatz zog. Bis zu 20 Verletzungen zählten die Demosanis.
http://www.flickr.com//photos/polo-m-sky/sets/72157633385479487/show/
Zugfahren ist wichtiger als…
Alltagsrassismus in Zügen, oder der Traditionalisten mit faschistischem Gedankengut ist leider keine Seltenheit mehr. Ich selbst habe davon schon berichtet. Einem Freund und Genossen von mir hatte jetzt ebenfalls ein Erlebnis der dritten Art was er in einem Erlebnisbericht geschildert hat. Aber lest selbst:
Ein Erlebnisbericht von Ryk
Sonntag, 28.04.2013. Nächtliche Rückfahrt vom Linksjugend-['solid]-Bundeskongress. Es ist unser vorletzter Zug von Stuttgart über Singen nach Konstanz. Zwei Gruppen bestehend aus ca. 15 jungen Männern steigen ein. Die erstere Gruppe, bestehend aus Fußball- und Frei.Wild-Fans ist relativ ruhig – fährt bis Rottweil. Die andere Gruppe hat Trachtenkleidung an. Auffällig laut sind letztere – das ist auch ok, wir sind schließlich keine Sittenwächter_innen, nur drei junge Linke.
Nicht nur durch Lautstärke und Trunkenheit fallen sie auf: Eine junge Amerikanerin läuft nichtsahnend in die Lederhosen hinein, und stellt auf Nachfragen fest, dass sie im falschen Zug ist. Anzüglich wird ihr „geholfen“: „I speak vaginalisch“, schlägt ihr aufdringlich zwischen schwanzfixierten Mackersprüchen und Gelächter entgegen – ich weiß nicht, ob es in dem Moment ihr Glück ist, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Einer von uns erkundigt sich in Ruhe nach ihr. Zunächst zeigt auch einer der „Vernünftigeren“ Einsicht, dass das Verhalten eines Teils seiner Kumpels nicht in Ordnung ist.
Doch kaum, dass das Problem behoben scheint und die junge Frau aussteigt, schallmait es alle zwei Minuten mal mehr, mal weniger deutlich durch den Wagen: „Hau da, hau da, hau da – Ju(l)de, Ju(l)de, Ju(l)de“. Irgendwann wird klar, dass wirklich Juden gemeint sind. Sie skandieren „hau den Juden“. Oftmals motivieren sie sich mit Sätzen wie „tretet ihn“. Als dann „Schwuchteln und Zigeuner…“ gesungen wird, platzt mir die Hutschnur.
Ich weiß, dass wir zu wenige sind, um einzuschreiten. 10 Prolls gegen unseren Schlafmangel vom Sitzungswochenende ist halt prinzipiell eine schlechte Ausgangslage. Auch, um Argumente auszutauschen. Auf die restlichen Fahrgäste um uns herum scheinen wir auch nicht wirklich bauen zu können.
Ich suche also den Kontrolleur, den ich drei Wagen weiter finde. Der ist sichtlich schockiert über meine Schilderungen, sichert mir zu, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Es stellt sich jedoch raus, dass auch er sich nicht im Stande fühlt, was gegen die jungen Rassisten zu unternehmen, außer ihnen kurz mit Rausschmiss wegen des Lärms zu drohen.
Nachdem der Zugbegleiter wieder verschwindet, sind Beleidigungen wie „Ausgeburt der Hölle“ und „fett und besoffen“ noch die harmloseren Sachen, welche sie sich untereinander an den Kopf knallen. Die antisemitischen Äußerungen werden vorübergehend etwas weniger. Die vier, fünf 15 bis 22-jährigen Frei.Wild-Fans halten die Trachten-Burschies für obercool. Irgendwann gröhlt ein Teil von ihnen deren Reime mit, bis sie in Rottweil aussteigen. Dass dem kleinen Rest der Menschen im Zugabteil der Mob von Faschos sichtlich unangenehm ist, scheint beide Gruppen nicht zu jucken.
Die Trachten-Prolls feiern sich noch, dass sie super drauf waren. Dann dämpft schließlich ihre Müdigkeit zeitweise die braunen Äußerungen. Wir müssen bis Endstation mit ihnen ausharren und sind erleichtert, als der Kopfbremsen-Burschenbund rund 20 bis 25-jähriger endlich am gegenüberliegenden Gleis verschwindet. Neben ihnen steht noch Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn, das sich an den Sprüchen wohl nicht stört. Dagegen wird neben uns am Gleis ein betrunkener, verwirrter Mann von zwei genervten Polizisten etwas eindringlicher für sein nicht gerade angepasstes, wackeliges Dasitzen ermahnt. Als wir dem Anschlusszug zusteigen, verschwindet der Trachtenbund endlich aus unserem Sichtfeld, jedoch bleibt uns das mulmige Gefühl über deutsche Zustände und gesellschaftlich „akzeptablen“ Rassismus, Sexismus und Antisemitismus.
weitere Infos zu Ryk und der Story
Erneuter Polizeiübergriff auf Fotojournalisten in Frankfurt

Im Rahmen der Proteste vom 23.04.2013 gegen die Räumung des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IVI), der mehr als 1000 Menschen beteiligt waren, wurde ein Fotojournalist in Gewahrsam genommen. Ihm wurde von den Polizeikräften die Beschlagnahme seines Arbeitsmaterials angedroht. Unter dem Motto Tag X+1 versammelten sich ab 18 Uhr die Demonstrantinnen und Demonstranten, um gegen die Räumung des IVI und für mehr selbstbestimmte Freiräume zu demonstrieren.
Die komplette Demonstration wurde von dem Fotojournalisten begleitet und dokumentiert. Nach dem die Versammlung am Campus Bockenheim aufgelöst wurde, machte sich der Journalist auf den Weg in Richtung Hamburger Allee.
„Plötzlich hörte ich wildes Geschrei und sah, wie mehrere Polizisten in gepanzerter Uniform eine Person zu Boden warfen. Sofort zückte ich meine Kamera und versuchte, diesen Vorgang zu dokumentieren“, so der Fotojournalist. „Als die Polizei dies bemerkte, wurde ich nach der Überprüfung meines Presseausweises festgesetzt und man drohte mir an, die Kamera zu beschlagnahmen, wenn ich nicht kooperieren würde.“ so der Journalist weiter. 
Es ist unbeschreiblich, dass innerhalb kürzester Zeit die Pressefreiheit erneut durch die Frankfurter Behörden mit den Füßen getreten wird. Bereits Anfang des Jahres wurden mehrere Radaktions- und Wohnräume von Fotojournalisten durchsucht. „Unsere Redaktion war empört als wir erfuhren, dass einer unserer Journalisten in Gewahrsam genommen wurde“, so die Redaktionsleitung der Zeitschrift Beobachter News. „Ein solches Verhalten seitens der Polizei ist ungeheuerlich“, echauffierte sich der Redaktionsleiter.
Der Fotojournalist will jetzt gegen diese Ingewahrsamnahme gerichtlich vorgehen und fordert neben einer Entschuldigung die Feststellung der Unrechtmäßigkeit dieser polizeilichen Maßnahme
Quelle der PM: Beobachter News
Hinter den sieben Bergen
Mannheim bei Nacht
Seit knapp 10 Jahren wohne ich nicht mehr in Mannheim. Viel ist in der Zwischenzeit passiert. Dinge ändern sich, Menschen ändern sich. Die Zeit in Mannheim war aber vor allem eins: Die Zeit meiner politischen Sozialisation. Und das JUZ Mannheim hat da eben auch einen ganz gehörigen Teil dazu beigetragen. Deshalb, aber nicht nur deshalb, empfehle ich Euch gemeinsam mit politischen FreundInnen, GenossInnen, ehemaligen und zukünftigen Gästen des JUZ am 27.04.2013 Mannheim bei Nacht zu genießen.
Das Jugendzentrum in Selbstverwaltung „Friedrich Dürr“ feiert dieses Jahr seinen 40sten Geburtstag. Das wollen wir mit einer Nachttanzdemo feiern. Gleichzeitig wollen wir mit dieser Demo die Idee selbstverwalteter Freiräume verbreiten und unsere Solidarität mit den vielen Projekten ausdrücken, die entweder für ein selbstverwaltetes Zentrum kämpfen oder von Schließung bedroht sind.
40 Jahre Juz – 40 Jahre Unbequem!
Seit 1973 ist das Juz ein Anlaufpunkt für junge Menschen und Erwachsene. Das JUZ entstand aus dem Bedürfnis nach einem Ort, an dem Menschen jenseits des kapitalistischen Wahnsinns ihr Leben selbst gestalten können – durch politische Veranstaltungen, Partys, Konzerte und ganz einfach durch die Möglichkeit, sich ohne Konsumzwang zu treffen, auszutauschen und zu organisieren.
Damit ist das Juz sicherlich kein Juz im „klassischen“ Sinne, sondern vielmehr ein Ort blühender Subkultur, politischer Debatten, schmutziger Parties und gemeinsamen Handelns. Dadurch war das Juz natürlich immer auch ein Ärgernis für Spießer, Ordnungsfans und die CDU und hat in der Stadt teilweise für heftigen Streit gesorgt.
Anfang der Neunziger Jahre zum Beispiel hat die Stadt Mannheim das Gebäude in den Quadraten, in dem das JUZ 20 Jahre zu Hause war, an das Textilkaufhaus Engelhorn und Sturm verkauft. Wo sich früher Jugendliche außerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik selbst organisierten und aktiv wurden, wird heute in einem „Strumpfhaus“ überteuerte Unterwäsche unter die Menschen gebracht. Seit dem steht das Juz eher abseits in der Neckarstadt am neuen Messplatz. Nichts desto trotz ist das Juz immer wieder überall in der Stadt präsent und sorgt für Aufruhr.
Für Aufruhr sorgte auch der Namensgeber Friedrich Dürr. Wegen seiner Auflehnung gegen den deutschen Faschismus wurde Friedrich Dürr 1935 verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Doch selbst in der Gefangenschaft war er weiter aktiv. Maßgeblich beteiligt war er am Dachauer Aufstand, der die SS erfolgreich daran hinderte 30.000 Häftlinge kurz vor ihrer Befreiung durch die Alliierten zu deportieren und zu ermorden.
Der Name ‘Friedrich Dürr’ soll daran erinnern, dass konsequenter und unbeugsamer Antifaschismus trotz erbarmungsloser Unterdrückung und Repression durch die Nationalsozialisten existierte und dass dieser nach wie vor notwendig ist.
So ist das Engagement für eine befreite Gesellschaft auch schon immer Teil des Selbstverständnisses des Juz gewesen. Allerdings will sich das Juz nicht darauf beschränken mit warmen Worten und Pamphleten von der befreiten Gesellschaft zu reden, sondern versucht aktiv in seinem Alltag eine hierarchiefreie Organisation umzusetzen. Das ist nicht immer einfach, aber hat sich seit mittlerweile 40 Jahren bewährt.
Plätze und Häuser, die Alles anders wollen
Mit diesem Konzept steht das Juz zum Glück nicht alleine da. Auch in vielen anderen Städten gibt es Projekte, die sich Selbstverwaltung auf die Fahne geschrieben haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir bei allem einer Meinung sind sondern zeigt, dass die Idee selbstverwalteter Freiräume unterschiedlich gefüllt werden kann. Je nach Ausgangssituation, kann die konkrete Ausgestaltung und Organisation solcher Orte andere Formen annehmen. Was uns eint ist, der Wunsch unkommerzielle Kultur und emanzipatorische Politik zu ermöglichen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und uns aus den Unterdrückungsmechanismen, die unseren Alltag bestimmen, ein Stück weit zu lösen. In Zeiten in denen Verwertungslogik und Fremdbestimmung jeden Winkel der Gesellschaft für sich beanspruchen, bieten selbstverwaltete Freiräume einen Gegenpol in dem es möglich ist ohne Leistungsdruck, Konkurrenz und Blick auf Gewinn die eigenen Interessen zu verwirklichen und sich dabei selbst weiter zu entwickeln.
Dies setzen wir um, indem wir ganz bewusst auf bevormundende Sozialarbeiter_innen verzichten und eben genau das tun worauf wir Lust haben. Dabei zählt die Meinung aller Besucher_innen und Aktiven gleich.
Das Konzept selbstverwalteter Freiräume stellt sich also direkt und konfrontativ gegen die herrschende Praxis, das Zusammenleben zu organisieren. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Initiativen für die Schaffung neuer Freiräume immer wieder vor großen Hürden stehen und zähe Kämpfe ausfechten müssen.
„Ich geb dir gleich Räumung!“
Damit nicht genug! Nicht nur neuen Projekten wird das Leben schwer gemacht, sondern auch den bestehenden Freiräumen werden Steine in den Weg gerollt. Sowie das Juz den Kapitalinteressen von Engelhorn und Sturm weichen musste, sind immer mehr Freiräume davon bedroht der Verwertungslogik zum Opfer zu fallen und sogar geschlossen zu werden. Wenn wir auf der Straße tanzen, dann nicht nur zum Feiern, sondern auch um den von der Schließung bedrohten Projekten und Räumen unsere Solidarität zu zeigen.
Freiraum tut not! Wegen und gegen Kapitalismus
Gezwungenermaßen setzen durch die Profitlogik des Kapitalismus Aufwertungsprozesse in den Städten ein, die aber mit Verdrängung, nicht nur selbstverwalteter Zentren, einher gehen. Was nützt einem beispielsweise noch eine weitere Luxus-Einkaufspassage in der Innenstadt, wenn man sich deshalb die Miete dort nicht mehr leisten kann und an den Stadtrand ziehen muss?
Kämpfe um selbstbestimmte Strukturen sind deshalb immer eng verbunden mit den Wünschen der Menschen nach einem Leben ohne Zwang.
In dem wir Projekte erstreiten, Häuser besetzen und uns nehmen was wir brauchen, stellen wir damit die Profitlogik und die bestehenden Besitzverhältnisse in Frage. Damit ist der Kapitalismus zwar noch lange nicht abgeschafft, aber wir haben einen Raum, davon zu träumen und Alternativen konkret anzupacken.
Treffpunkt: 27.04.13, 18.00 Uhr // HBF Mannheim
Quelle des Aufrufs: JUZ Mannheim















