Rechtspopulismus

DIE LINKE.Berlin-Neukölln: Bürgermeister Buschkowsky zeichnet Zerrbild von Neukölln und zündelt an Grundlagen für solidarisches Zusammenleben

Presseerklärung

DIE LINKE.Berlin-Neukölln
21. September 2012

Bürgermeister Buschkowsky zeichnet Zerrbild von Neukölln und zündelt an Grundlagen für solidarisches Zusammenleben / Arme und Migranten sollen zu Sündenböcken gemacht werden

Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky wird heute (Freitag, 21.09.2012) sein Buch „Neukölln ist überall“ vorstellen. Seit Anfang dieser Woche provoziert eine Vorab-Serie in der BILD-Zeitung, flankiert durch Interviews in Rundfunksendungen und Zeitungen, bereits heftige Debatten in Neukölln und darüber hinaus. Dazu erklärt der Bezirksvorstand DIE LINKE.Neukölln:

Bürgermeister Heinz Buschkowsky zeichnet ein Zerrbild von Neukölln. Soziale Probleme im Bezirk werden von ihm nicht entsprechend ihrer Ursachen, sondern oberflächlich nach der Herkunft Betroffener dargestellt. Nicht die von seiner Partei, der SPD, betriebene Politik der Armut per Gesetz mit Hartz IV, Rentenkürzungen und Rente erst mit 67, prekärer Beschäftigung, Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben nimmt er in den Fokus, sondern er befördert Hetze gegen Arme und Migranten. Er befriedigt dumpfe Stammtischerwartungen und zündelt an den Grundlagen für ein solidarisches Zusammenleben in Neukölln. Selbst auf pauschale Schelte von Richtern, die angeblich vor Straftätern mit Migrationshintergrund „einknicken“ auf bestehende Gesetze nicht anwenden, verzichtet er nicht.

Es ist eine leere Schutzbehauptung, wenn Buschkowsky erklärt, er meine „niemals alle Einwanderer, alle Muslime, alle Hartz-IV-Empfänger und alle Jugendliche.“ Der bisher vorliegende BILD-Vorabdruck vermittelt durch seine Pauschalisierungen das Gegenteil.

Er beleidigt Migrantinnen und Migranten, wenn er ihnen unterstellt, dass für sie die Ankunft und das Leben in Deutschland selbst im Sozialsystem bereits aus Aufstieg und Erreichen des erträumten Wohlstands empfunden werde. Sie beteten dann: „Gott oder Allah, gib, dass sich nichts ändert.“ Er schürt Neidgefühle, wenn er zugleich die Karikatur von Migranten ausmalt, die „Geld vom Amt“ beziehen und zugleich „Geschäfte betreiben“ und „Mercedes fahren“.

Er unterstellt Migrantinnen und Migranten, besonders Jugendlichen, ihr Feindbild seien „die verhassten Deutschen“, sie seien Ziel ihrer Aggressionen und „gelten als leichte Opfer“. Er schürt durch seine Behauptungen Ängste, als Nichtmigrant abends nach 21 Uhr noch auf die Straße gehen zu können.

Buschkowsky befeuert von Rechtspopulisten und Neonazis geschürten antimuslimischen Rassismus, wenn er pauschal Muslimen unterstellt, in archaischen und tradierten Strukturen zu leben. Und er setzt noch eins drauf: „Wer darauf besteht, dass seine Frau in der Burka herumläuft, der kann das gerne tun. Zum Beispiel in Afghanistan oder Pakistan.“ Buschkowskys „klare Linie“: „Familien, die Jahrzehnte hier leben und ihren Kindern den Weg in unsere Gesellschaft versperren, würde ich gern beim Kofferpacken helfen, ehrlich, weil so wird das nichts.“ Die NPD sieht hier ihre Forderung „Rückkehrpflicht statt Bleiberecht“ aktuell von einem SPD-Mitglied bestätigt. Das ist für Demokraten beschämend.

Buschkowskys Buch ist keine „schonungslose Bestandsaufnahme“ (BILD), sondern brisant Zusammengestoppeltes. Die Funktion des 400-Seiten-Buches ist es, Sündenböcke zu ernennen, um sie dann für reale Probleme verantwortlich zu machen. Die BILD-Zeitung stellte ihren Vorabdruck in den Kontext der Proteste in muslimischen Ländern gegen das unsägliche amerikanische Anti-Mohammed-Hass-Video. In der BILD-Redaktion habe man sich gefragt, „ob wir dieses Buch jetzt drucken können?“ Das Springer-Blatt hat sich entschlossen zu drucken. Und Heinz Buschkowsky, der seit vielen Jahren Neuköllner Kommunalpolitiker ist, hatte geliefert: Wenn er polarisierend mit dem Finger auf Arme und Migranten zeigt, dann zeigen vier Finger seiner Hand auf ihn selbst.

Berlin: Kein Podium für Rassisten und Sozialchauvinisten!

Für ein Europa ohne Grenzen und Sarrazin!

Kein Podium für Rassisten und Sozialchauvinisten!

Kundgebung vor dem „Hotel Adlon“ am 22. Mai ab 10.00 Uhr

 Sarrazin will am 22. Mai ab 11.00 Uhr sein neues Pamphlet „Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat“ im “Hotel Adlon” vorstellen. Dass es dabei wohl nicht um eine berechtigte Kritik an der Art und Weise der Euro-Rettung durch neoliberale Spardiktate zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsteile der EU-Länder gehen dürfte, die von ihm ja ohnehin eher zum „unproduktiven“ und „unnützen“ Ausschussprodukt der Gesellschaft degradiert wurden, kann man getrost annehmen. Auch die fortgesetzte und ungebremste Bereicherung z.B. explizit deutscher Banken und Spekulanten oder Wirtschaftsbosse und ihrer Lobbygruppen sowie  politischen Vertreter_innen, dürfte kaum darin vorkommen. Ebenso wenig wie die Rolle eines Systems, welches als existenzsichernde Fundamente Armut, Rassismus und soziale Ausgrenzung schafft, aufrechterhält, schürt und ständig reproduziert. Denn nicht „politisches Wunschdenken“ hat in die Krise geführt, sondern eine knallharte neoliberale Verwertungs-, Wirtschafts- und Sparlogik, die den Menschen lediglich auf seinen ökonomischen „Mehrwert“ reduziert und die bewusst betriebene Umverteilung des Reichtums von unten nach oben weiter forciert. Deutschland hat dabei eine Vorreiterrolle eingenommen, die nicht unberechtigt den „Eindruck eines neuen deutschen Machtanspruchs in Europa“ erweckt. Gleichzeitig werden Sündenböcke präsentiert, mittels derer  von den tatsächlichen Ursachen sowie Mitverursachern und Profiteuren abgelenkt werden soll. Merkel schuf die “faulen Südländer”, die “zu viel Urlaub machen” und “zu früh in Rente” gehen. Wen wird Sarrazin aus seinem rechtspopulistischen Hut zaubern? Wieder die Migrant_innen insbesondere Muslim_innen, sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten? Oder wie zuletzt die “Ossis” aus der DDR, deren so genannte Abwicklung er als “Notschlachtung, so wie die Schweine damals gekeult wurden, die keiner mehr essen wollte“ bezeichnete und die angeblich ausschließlich von “Wessis” bezahlt werden musste? Egal!;  Zur Bestätigung seiner pauschalen und diskriminierenden pseudowissenschaftlichen Eineilung der Menschen als “nützlich” oder unnütz” werden Statistiken verfälscht, erfunden bzw. „entlastende“ Differenzierungen im eigenen Sinne weggelassen bzw. anderslautende Studien ignoriert. Dabei scheut Sarrazin auch nicht davor zurück, nahe an rassehygienischen und sozial-eugenischen Argumentationsmustern entlang zu argumentieren.

Wir sind an Sarrazins elitären, menschenfeindlichen, rassistischen und sozialdarwinistischen Weltbild nicht interessiert. Wir wollen nicht Ängste und Vorurteile bedienen und schüren. Wir wollen keine Polarisierung, Spaltung und Entsolidarisierung der Gesellschaft. Wir haben keine Angst vor einer vermeintlichen  “Abschaffung von Deutschland” durch eine angebliche „Überfremdung“ und „Verdummung“ per Geburtenrate.

Wir wollen ein gemeinsames, solidarisches Europa ohne Rassismus und soziale Ausgrenzung! Wir wollen ein Europa ohne Grenzen mit gleichberechtigter, selbstbestimmter Teilhabe aller Menschen!

Wir sind empört, dass Sarrazin, zwei Tage bevor sein neuestes Pamphlet herausgegeben wird, schon am 20. Mai ab 21.45 Uhr im Gasometer Schöneberg durch Günther Jauch und ARD die Möglichkeit hat, für sein Buch Werbung machen zu können. Unter dem Titel „Brauchen wir den Euro wirklich?“ soll er mit dem neoliberalen Befürworter von Hartz IV und der Rente mit 67 sowie Spitzenreiter bei Nebenverdiensten im Bundestag, Peer Steinbrück (ebenfalls SPD), über die Vorstellungen der so genannten Elite über ein zukünftiges Spar-Europa der “Nützlichen” diskutieren, während Krisenproteste von Bürger_innen in Frankfurt am Main zu einem Großteil verboten wurden. Wir stellen uns gegen Medien und Veranstalter_innen, die meinen Sarrazin ein Podium für seine Hetze bieten und ihn als „Experten“ hofieren zu müssen. Es ist egal, ob es politisch motiviert ist oder weil man mit Sarrazins rassistischer Propaganda Zuschauer_innen bzw. Leser_innenzahlen aufbessern und damit letztlich Profit machen kann. Hier wird sich an der Verankerung und nicht Entzauberung rassistischer Hetze beteiligt. Auch seitens der ARD.

Euren Unmut könnt Ihr entweder am 20. Mai ab 21.00 Uhr spontan vor den Sendungsort (Gasometer Schöneberg, Torgauer Straße 12) tragen und/oder am 22. Mai an den Protesten ab 10.00 Uhr vor dem „Hotel Adlon“ teilnehmen.

Rassismus darf kein Verkaufsargument sein

Annette Groth

Annette Groth

12.04.2012 – PRESSEMITTEILUNG – Annette Groth

“Die bewusste Förderung von volksverhetzenden antiziganisistischen und rassistischen Untertönen in der Zeitschrift ‘Weltwoche’ ist ein Skandal. Der Versuch, mit derartigen Vorurteilen seine Auflage im rechten Spektrum zu steigern, hat mit Pressefreiheit nichts zu tun. Rassismus darf kein Verkaufsargument sein”, erklärt Annette Groth zur Strafanzeige gegen die Schweizer Zeitschrift “Weltwoche” durch den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und durch das Berliner Bündnis “Rechtspopulismus stoppen”

Die ganze Pressemitteilung


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Rechtspopulismus stoppen: Verfassungsklage gegen Bescheide der Berliner (General-) Staatsanwaltschaft zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Verfassungsklage gegen Bescheide der Berliner (General-) Staatsanwaltschaft zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten

 

“Ich werde die Tatsachenbehauptung der Verbreitung antisemitischer Stereotype durch Conny Axel Meier, derzeit Landesvorsitzender der rechtspopulistischen Kleinstpartei “Die Freiheit” auf dem rassistischen Webblog “politically incorrect” auch weiterhin mit allen rechtlich mir zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen” erklärt der Sprecher des ehemaligen Bündnisses “Rechtspopulismus stoppen”.

 

Dirk Stegemann hatte mit Bezug auf den  Artikel „Friedrich-Ebert-Stiftung bietet Extremisten Forum“, in dem Meier schreibt: “Auf der am gleichen Tag stattfindenden Diskussionsveranstaltung “Stop the Wilders Show” im Schöneberger Rathaus erklärte Stegemann vor ca. 25 Getreuen, anscheinend ohne dass jemand widersprochen hätte, seinen Misserfolg damit, dass wohl das “internationale Finanzjudentum” dahinterstecke, wie mir Augenzeugen glaubhaft noch am gleichen Abend versicherten.”, Anzeige erstattet.

 

Mit Bescheid vom 28.02.2012 stellte die Staatsanwaltschaft Berlin das Verfahren gegen Meier nach § 170 Abs. 2 StPO ein. Die Staatsanwaltschaft ging dabei zwar davon aus, dass der Tatbestand der üblen Nachrede (§ 186 StGB) “im Raume stand”, sah die Äußerung jedoch als Wahrnehmung berechtigter Interessen gemäß (§ 193 StGB) als gerechtfertigt an.

In der Folge geht der Bescheid der Staatsanwaltschaft auch davon aus, dass die ungeprüfte Veröffentlichung der behaupteten Äußerung ein Verstoß gegen die journalistische Prüfpflicht darstellte. Auch dies blieb ohne Konsequenzen. Eine Beschwerde gegen die Einstellung wurde durch die Generalstaatsanwaltschaft mit Bescheid vom 14.03.2012 verworfen.

 

“Es kann nicht sein, dass die Staatanwaltschaft und auch die Generalstaatsanwaltschaft einseitig die Interessen eines  Beschuldigten vertritt und keinerlei Auseinandersetzung mit den Gütern und Interessen des Beschwerdeführers stattfinden. Das könnte ja dann auch jeden anderen treffen” erklärt Dirk Stegemann und hat neben der beantragten Akteneinsicht für eine mögliche Privatklage, eine sachliche Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Generalstaatsanwaltschaft beim Innensenator in Berlin sowie Verfassungsbeschwerde eingereicht.

Kampagne Zusammen handeln: Staatsanwalt rechtfertigt üble Nachrede als Bestandteil des politischen Meinungskampfes

 

Kampagne „Zusammen handeln- gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“

 

Presseerklärung


 

„Wird das Verfahren gegen den Rechtspopulisten Conny Axel Meier, tatsächlich mit dieser Begründung des zuständigen Staatsanwaltes eingestellt, wird übler Nachrede und Verleumdung in politischen Auseinandersetzungen Tür und Tor geöffnet, erklärt die Kampagne „Zusammen handeln! Gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“. Die Kampagne, in die das Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ übergegangen ist, weiter:

 

„In Zukunft kann jeder, ginge es nach dem zuständigen Staatsanwalt, dem politischen Gegner generell in einer seiner Meinung nach „mit ´harten Bandagen´ geführten – schweren politischen Auseinandersetzung“ antisemitische oder andere kompromittierende Äußerungen öffentlich unterstellen, selbst wenn diese lediglich von angeblich unbekannten Dritten zugetragen werden und diese der Wahrheit zuwider laufen. Die Prüfungspflicht kann dabei vernachlässigt werden.“

 

Der Sprecher des Bündnisses „Rechtspopulismus stoppen“, Dirk Stegemann, hatte am 26. Januar 2011 mit Bezug auf den Artikel „Friedrich-Ebert-Stiftung bietet Extremisten Forum“ auf dem rassistischen Webportal „politically incorrect“, Anzeige gegen die unbekannten Zeugen sowie den Autor Conny Axel Meier, Bundesgeschäftsführer der rassistischen selbsternannten Bürgerbewegung „Pax Europa“ und derzeit Landesvorsitzender der rechtspopulistischen Kleinstpartei „Die Freiheit“ in Berlin, wegen aller strafrechtlich in Betracht kommenden Delikte erstattet. Meier hatte mit Verweis auf Äußerungen unbekannter Dritter drei Monate nach der von der SPD durchgeführten Diskussionsveranstaltung “Stop the Wilders Show” vom 02. Oktober im Schöneberger Rathaus dem Sprecher des Bündnisses die Verbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien über ein “internationales Finanzjudentum” und den Zuhörer_innen zumindest deren unwidersprochene Akzeptanz unterstellt.

 

Die Staatsanwaltschaft Berlin sah hierdurch zwar richtigerweise den Straftatbestand der üblen Nachrede als erfüllt an, hielt diesen aber aufgrund seines Bezuges zum politischen Meinungskampf für gerechtfertigt. Dies ist unseres Erachtens nicht nur juristisch falsch, sondern ein Angriff auf die politische Streitkultur.

 

Der Sprecher des damaligen Bündnisses „Rechtspopulismus stoppen“, der für sein Engagement u.a. für den Aufenthalt des „Zuges der Erinnerung“ in Berlin, der die Deportationen von jüdischen sowie Kindern von Sinti und Roma durch die Deutsche Reichsbahn thematisierte oder für die Beteiligung an der Aufstellung der Kindertransportskulptur am S-Bhf. Friedrichstraße zum Gedenken an die Rettung jüdischer Kinder durch die Kindertransporte, aus den Händen des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit das „Band für Mut und Verständigung“ erhalten hatte, hat jetzt Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingereicht

 

Wir werden nicht hinnehmen, dass die Staatsanwaltschaft den durchschaubaren Versuch von Rassisten rechtfertigt, Antirassisten auf ihr menschenverachtendes Niveau herabzuziehen.

Kampagne Zusammen handeln: Bundesinnenministerium fördert rechtspopulistische Stimmungsmache

Kampagne „Zusammen handeln- gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“

Presseerklärung

Bundesinnenministerium fördert rechtspopulistische Stimmungsmache

„Es muss endlich Schluss sein mit billiger populistischer Propaganda a la Sarrazin. Der Bundesinnenminister bastelt wider besseres Wissen weiter am Popanz des ‚Integrationsverweigerers‘. Man darf gespannt sein, welche Verschärfungen im Zuwanderungsrecht dann bald wieder die Folge sein sollen“, erklärt die Kampagne „Zusammen handeln“ Gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung!“ anlässlich der heute vorgestellten Ergebnisse der Studie “Lebenswelten junger Muslime in Deutschland”.

Die Kampagne weiter:

„Kurz nach dem Staatsakt zum Gedenken an die Morde der neonazistischen Gruppierung „Nationaler Untergrund“ und angesichts der Veröffentlichung verschiedener Studien, wie „Deutsche Zustände“ oder „Die Mitte in der Krise“ klingt die Äußerung des Bundesinnenministers gegenüber der Bild-Zeitung „Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer“ wie der reinste Hohn. Hier soll ganz offenkundig vom eigenen Versagen auch in der Integrationspolitik abgelenkt und weiter Sündenböcke für gesamtgesellschaftliche Probleme und soziale Fehlentwicklungen konstruiert werden. Dass sich ausgerechnet der Bild-Zeitung die Studie vorab vorgelegen hat, ist bezeichnend. Schließlich tut sich dieses Blatt immer wieder mit dem Schüren und Verbreiten rechtspopulistischer und rassistischer Vorurteilen hervor.

Wir fordern von der Bundesregierung endlich ein Ende rechtspopulistischer und rassistischer Hetze und ein glaubwürdiges, handlungsorientiertes Konzept gegen Nazis und Rassisten sowie soziale Ausgrenzung. Dies ist die einzige Option für ein friedliches, gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Zusammenleben aller Menschen, nicht die politisch motivierte Ethnisierung und Kulturalisierung von gesamtgesellschaftlichen Problemen!

VVN-BdA Berlin: Herr Bundesinnenminister übernehmen Sie endlich die Verantwortung oder treten Sie zurück!

*Pressemitteilung*16. 11. 2011

*Herr Bundesinnenminister übernehmen Sie endlich die Verantwortung oder treten Sie zurück!*

Wer nicht die Verantwortung für das Versagen und die Unfähigkeit der Sicherheitsbehörden übernehmen und die Ursachen für Neonazismus und Rassismus erkennen und bekämpfen will und stattdessen mehr Überwachungs- und Sicherheitsstaat fordert, ist als Innenminister untragbar, erklärt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten. Die Vereinigung weiter:

Der Bundesinnenminister versucht jetzt aus den Opfern der rassistisch motivierten Morde auch noch politisch Kapital zu schlagen, um altbekannte Forderungen nach mehr Sicherheits- und Überwachungsstaat zur Befriedigung der Datensammelwut des Staates und seiner Behörden sowie nach einer stärkeren Vernetzung von Polizei und Verfassungsschutz umzusetzen. Letztere hat nicht funktioniert, obwohl es schon seit längerem zwischen den Behörden einen Informationsaustausches gibt. Dies ist aber kein technisches Problem. Hier wird lediglich versucht, das Versagen und die Unfähigkeit der Sicherheitsbehörden als Teil des Problems zu verschleiern und durch Aktionismus davon abzulenken. Die Äußerung des Innenministers: “Sie hätten die rechtsextreme Szene sehr genau im Blick” klingt angesichts der Enthüllungen und Vorwürfe der letzten Tage nicht nur zynisch, sondern zeugt von einem Realitätsverlust. Ebenso wie die Konstruktion eines angeblich neuen Rechtsterrorismus angesichts von ca. 140 Morden seit 1990 durch Neonazis und Rassisten. Die Forderungen nach mehr Law and Order dagegen ist reiner Rechtspopulismus.

Die Berliner VVN fordert erkennbare inhaltliche und personelle Konsequenzen statt vorgeschobenen Aktionismus für die jahrelange Verharmlosung und Verschleierung von Neonazismus und Rassismus sowie für die Kriminalisierung antifaschistischen Engagements. Zu dem fordert sie erneut einen öffentlichen Runden Tisch zur Aufarbeitung des Versagens von Politik und Sicherheitsbehörden, aber auch zu den Ursachen eines in der Gesellschaft weit verbreiteten Rassismus sowie zu Gegenstrategien. Wie der Ministerpräsident Norwegens Stoltenberg schon nach den Anschlägen von Oslo fordert die Berliner VVN-BdA jetzt mehr Offenheit und Toleranz ein. Diese wird wir nicht durch eine verschärfte Law and Order-Politik, sondern durch ein Mehr an antifaschistischem und antirassistischem Engagement auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens und der Politik erreicht.

Deshalb ruft die Berliner VVN-BdA auf, am 18. November zu der Demonstration gegen den Thor Steinar-Laden *Tønsberg ab 17.30 Uhr *in Weißensee zu kommen und sich an der Silvio-Meier-Gedenkdemonstration am 19. November um 15 Uhr ab dem U-Bhf. Samariter Straße zum Gedenken an den am 21. November 1992 von Neonazis ermordeten Hausbesetzer zu beteiligen.

Hans Coppi

Vorsitzender der
Berliner Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes-
Bund der Antifaschistinnen und
Antifaschisten e.V [VVN-BdA]

Die Pogrome und die soziale Ausgrenzung von Roma in Bulgarien stoppen!


Forderungen an die bulgarischen Behörden

Redebeitrag / Petition: Gehalten und übergeben bei der Demo gegen die antiziganistischen Pogrome in Bulgarien und Tschechien
(6. Oktober 2011, Berlin-Mitte
)

Seit Tagen kommt es zu schweren Ausschreitungen gegen Roma in Bulgarien. Die Geschehnisse nahmen ihren Lauf, nachdem ein Jugendlicher von einem Kleinbus überfahren wurde. Der Fahrer des Kleinbusses gehörte zum Kreis eines Roma-Anführers. Aufgebrachte Dorfbewohner brannten daraufhin drei Häuser des vermeintlichen „Roma-Bosses“ in Katuniza bei Plowdiw nieder. Nationalistische Gruppen nahmen diesen Vorfall zum Anlass, um in ganz Bulgarien rassistische Proteste gegen Roma zu organisieren. In mittlerweile 20 Städten ist es nun zu Aktionen gekommen. Ziele der aufgebrachten Mengen waren Roma-Viertel, in die sie versuchten einzudringen. Die Polizei konnte nur teilweise Übergriffe auf Roma verhindern und wurde häufig selbst Zielscheibe der Aggressionen.

Die Roma stellen etwa 8 Prozent der bulgarischen Bevölkerung. Es handelt sich dabei nicht um „Einwanderer“, sie gehören vielmehr zur so genannten Urbevölkerung in Bulgarien. Laut UNHCR beträgt die Arbeitslosenquote unter ihnen bis zu 80 Prozent.

Die Roma werden in Bulgarien gesellschaftlich ausgegrenzt, da antiziganistische Ressentiments gegen sie tief im Bewusstsein der Bevölkerung vorherrschen. Dazu gehört der eingeschränkte Zugang zu Bildung und den damit verbundenen Problemen auf dem Arbeitsmarkt. Vielfach kommt es zu Zerstörungen von Roma-Unterkünften und zur Vertreibung von Familien. Elternlose Roma-Kinder in Fürsorgeeinrichtungen sind verstärkt von Gewalt betroffen. In den letzten 10 Jahren starben in staatlichen Kinderheimen 283 Roma-Kinder an Hunger, Vernachlässigung oder Kälte.

Auf dem Papier erfahren die Roma in Bulgarien Schutz vor Diskriminierung. Die bulgarische Gesetzgebung regelt Antidiskriminierungsstandards unter anderem in seiner Verfassung. Darüber hinaus ratifizierte Bulgarien alle wichtigen internationalen und europäischen Übereinkommen zum Schutz der Menschen und Minderheiten. In der rechtlichen Praxis wurden diese Standards aber nie durchgesetzt.

Zudem lässt Bulgarien bereitstehende Gelder des EU-Struktur- und Sozialfonds zur Behebung dieser diskriminierenden Zustände ungenutzt. Im Jahr 2010 forderte die Europäische Kommission von den EU-Mitgliedsstaaten, die Gelder aus dem europäischen Strukturfonds besser für die Eingliederung der Roma zu nutzen.

Wir fordern daher die bulgarische Regierung dazu auf:

  • Eine öffentliche Stellungsnahme zu den antiziganistischen Unruhen in Bulgarien abzugeben, die auf Populismus verzichtet und ein klares politisches Statement gegen soziale und rassistische Ausgrenzung zu setzen.
  • Die Verantwortung für soziale Fehlentwicklung (z.B. Ghettoisierung) zu übernehmen und nicht den Betroffenen die Schuld zu geben.
  • Auf staatliche Repression und Zwangsmaßnahmen gegen Roma zu verzichten.
  • Mittel aus den Strukturfonds der Europäischen Kommission gezielt zu nutzen, um die größte ethnische Minderheit der EU in die Gesellschaft zu integrieren.
  • Eine spezielle schulische und akademische Förderung von Roma-Kindern zu beschließen.
  • Eine Quote für den Arbeitsmarkt einzuführen, dass Betriebe bestimmter Regionen eine gewisse Anzahl von Romas einzustellen haben.
  • Demokratisierungsprozesse zu fördern, bei der es um die Auseinandersetzung und Bekämpfung von Antiziganismus geht.
  • Neonazistischen Organisationen konsequent entgegenzutreten. In der Schule im Fach Geschichte einen Pflichtblock einrichten zu lassen, der die Verfolgung der Roma durch Nazis thematisiert und die Mechanismen von gesellschaftlicher Ausgrenzung aufzeigt.

Kampagne „Zusammen handeln- gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“
Stendaler Straße 4
10559 Berlin
Presse AG
Mail: kampagne_zusammen_handeln@gmx.de

Botschaft der Republik Bulgarien
Mauerstraße 11, 10117 Berlin
Fax 004930/ 2086838

Berlin, 06. 10. 2011

Die Pogrome und soziale Ausgrenzung von Roma in Tschechien stoppen!

Die Pogrome und soziale Ausgrenzung von Roma in Tschechien stoppen!
Forderungen an die tschechischen Behörden

In den letzten Wochen kam es in Tschechien (insbesondere Nový Bor, Varnsdorf und Rumburk) zu progromartigen Erhebungen von der tschechischen Mehrheitsgesellschaft gegen Roma. Die Tschechische Regierung setzte bei den Unruhen Polizeikräfte ein, die lediglich die Aufgabe hatten, die „Streitparteien“ voneinander zu trennen, um schwerwiegende Folgen zu verhindern. Eine politische Erkenntnis, dass die antiziganistischen Unruhen das Ergebnis einer jahrelangen systematischen Ausgrenzungs- und Diskriminierungspolitik sind, stellte sich weder bei Regierung noch in der breiten Öffentlichkeit ein. Überwiegend wird die Meinung vertreten, die Roma trügen selbst die Schuld an den Ausschreitungen gegen sie.

Geschätzte 300.000 Roma leben heute in der Tschechischen Republik. Die Arbeitslosigkeit unter diesen liegt bei rund 90 Prozent. Die strukturelle Ausgrenzung der Roma beginnt bereits im Schulalter. Etwa 50 Prozent der Roma-Kinder kommen automatisch auf eine Sonderschule für Lernbehinderte. Die restlichen 50 Prozent werden aufgrund ihrer Herkunft in den staatlichen Schulen diskriminiert, sind Anfeindungen ausgesetzt und haben so verminderte Bildungschancen.

Die weitverbreitete Lösung, der antiziganistischen Stimmung in der tschechischen Mehrheitsbevölkerung entgegenzuwirken, ist die zwangsweise Umsiedlung von Roma in strukturschwache Regionen außerhalb der Großstädte. Gab es 1989 nur wenige solcher Roma-Viertel, so gibt es 2011 über 300 reine Roma-Ghettos. Die Roma werden sozial isoliert und quasi in die Arbeitslosigkeit gezwungen – ein Teufelskreis, aus dem es nur wenigen gelingt auszubrechen.

Das Land Tschechien verstößt mit seiner Politik gegen universelle Menschenrechte, UN-Konventionen und EU-Antidiskriminierungsstandards. EU-Mitgliedsländer haben die Grundsätze der Freiheit und der Demokratie, die Menschenrechte und die Grundfreiheiten sowie die Rechtsstaatlichkeit zu achten (Art. 6, 49 EU-Vertrag).

Wir fordern daher die tschechische Regierung dazu auf:

  • Eine öffentliche Stellungsnahme zu den antiziganistischen Unruhen in Tschechien abzugeben, die auf Populismus verzichtet und ein klares politisches Statement gegen soziale und rassistische Ausgrenzung zu setzen.
  • Die Verantwortung für soziale Fehlentwicklung (z.B. Ghettoisierung) zu übernehmen und nicht den Betroffenen die Schuld zu geben.
  • Auf staatliche Repression und Zwangsmaßnahmen gegen Roma zu verzichten.
  • EU-Gelder zweckgemäß zur Umstrukturierung der Roma-Ghettos und zur Verbesserung der Wohnsituation zu verwenden (Tschechien erhält von der EU noch bis 2013 insgesamt 200 Millionen Euro zur Restrukturierung von Roma-Ghettos).
  • Eine spezielle schulische und akademische Förderung von Roma-Kindern zu beschließen.
  • Eine Quote für den Arbeitsmarkt einzuführen, dass Betriebe bestimmter Regionen eine gewisse Anzahl von Romas einzustellen haben.
  • Zivilgesellschaftliche Demokratisierungsprozesse zu fördern, bei der es um die Auseinandersetzung und Bekämpfung von Antiziganismus geht.
  • Neonazistischen Organisationen konsequent entgegenzutreten.
  • In der Schule im Fach Geschichte einen Pflichtblock einrichten zu lassen, der die Verfolgung der Roma durch Nazis thematisiert und die Mechanismen von gesellschaftlicher Ausgrenzung aufzeigt.

Kampagne „Zusammen handeln- gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“
Stendaler Straße 4
10559 Berlin
Presse AG
Mail: kampagne_zusammen_handeln@gmx.de

Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin,
Wilhelmstrasse 44, 10 117 Berlin
Fax 004930/2294033

Berlin, 06. 10. 2011

 

Mehr Infos bei der “Kampagne Zusammen handeln!”

Wahlprognose Berlin: NPD, PRO DEUTSCHLAND, Die FREIHEIT sind out!

Kampagne „Zusammen handeln- gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“
Stendaler Straße 4
10559 Berlin
Presse AG

Presseerklärung

Wahlprognose Berlin: NPD, PRO DEUTSCHLAND, Die FREIHEIT sind out!

Nach den ersten Prognosen zu den heutigen Wahlen in Berlin zeichnet sich ganz deutlich ab, dass NPD, PRO DEUTSCHLAND und DIE FREIHEIT ein ordentliches Wahldebakel zu verzeichnen haben. Keine konnte die gesteckten Ziele für das Abgeordnetenhaus auch nur annähernd erreichen, weder einzeln noch alle zusammengerechnet. Die geringe Wahlbeteiligung bleibt das eigentliche Problem scheinbar mangelnder Akzeptanz von Wahlen und eines Glaubwürdigkeitsverlustes der so genannten etablierten Parteien im Allgemeinen. Dies kann auch in Zukunft den Nährboden für rechtspopulistische Parteien bilden. Dazu erklärt das Berliner Bündnis “Rechtspopulismus Stoppen”:

„Unsere Arbeit ist heute belohnt worden. Kein Diskriminierungs- und Kriminalisierungsversuch von Rechts zur Entsolidarisierung des Bündnisses und seiner UnterstützerInnen konnte das verhindern.
Wir haben unser Ziel erreicht, Rechtspopulismus und Rassismus als Thema in die öffentlichen Debatte einzubringen, Aufmerksamkeit zu erregen und die Wahlchancen rassistischer Parteien in Berlin zu minimieren.“ Keine von ihnen erreicht nach bisherigen Prognosen die für einen Einzug in das Berliner Parlament notwendigen Stimmenanteile. Ob dies auch für alle Bezirke zutreffen wird, ist derzeit noch offen.

Das Bündnis “Rechtspopulismus stoppen” hatte schon seit Anfang 2010 angekündigt, einen Wahlerfolg rassistischer Parteien verhindern zu wollen. Dafür wurde bis an die Grenzen aller Kapazitäten mobilisiert und fast alle Aktivitäten rechtspopulistischer und rassistischer Parteien über eineinhalb Jahre hinweg mit Protesten begleitet oder sogar verhindert. Parallel dazu konnten deren rassistische und sozialchauvinistische Inhalte sowie personelle und infrastrukturelle Vernetzungen durch umfassende Aufklärungsarbeit u.a. auch durch eine eigene Broschüre “Rechtspopulismus in Berlin- Rassismus als Bindeglied zwischen der ´Mitte´ der Gesellschaft und Neonazismus” enttarnt und offengelegt werden.

Dass die “Römische Dekadenz”-Partei FDP ebenfalls für ihre sozialchauvinistische und rassistische Wahlkampagne die Quittung bekam, ist für uns das Tüpfelchen auf dem i.

Unser Dank gilt am heutigen Abend allen BündnispartnerInnen und UnterstützerInnen, die zu diesem Teilerfolg beigetragen haben. Zeit zum Ausruhen bleibt aber kaum. Rassismus und soziale Ausgrenzung als gesamtgesellschaftliche Probleme sowie institutioneller und struktureller Rassismus sind damit nicht verschwunden. Auch, dass rechtspopulistische Parteien, wie vorher im Falle eines Wahldebakels angekündigt, von der Bildfläche verschwinden, darf bezweifelt werden. Hier gilt es weiterhin und explizit mit Blick auf den Rechtsruck bei VertreterInnen so genannter etablierter Parteien, durch die Übernahme von Inhalten rechtspopulistischer Parteien, Widerstand zu organisieren und für eine gleichberechtigte, selbstbestimmte und diskriminierungsfreie Gesellschaft zu streiten.