Weltwirtschaft

Oxfam warnt: Politik fördert Investoren statt kleinbäuerliche Landwirtschaft

Agrarminister-Gipfel in Berlin

Oxfam warnt: Politik fördert Investoren statt kleinbäuerliche Landwirtschaft

oxfam deutschland vertikalBerlin, 18. Januar 2013. Morgen diskutieren Agrarminister/innen aus über 80 Staaten auf dem Global Forum for Food and Agriculture in Berlin die Förderung der globalen Ernährungssicherung und ländlichen Entwicklung durch verantwortliche Investitionen in die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Oxfam fordert den internationalen Agrarminister-Gipfel auf, die Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in den Fokus zu stellen und verweist auf eine aktuelle Studie. Die Studie „Tipping the balance“ (auf Deutsch: „Kippen der Balance“) kommt zu dem Schluss, dass Regierungen und Organisationen in der Agrarförderung zu viel Aufmerksamkeit auf gute Rahmenbedingungen für private Investitionen von Unternehmen legen. „Tipping the balance“ wurde von Oxfam und dem IIED, dem International Institute for Environment and Development, London erstellt.

„Wer den Hunger bekämpfen will, muss vorrangig den Zugang von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu Land und Wasser sicherstellen und ihre traditionellen und informellen Märkte fördern“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die FAO schätzt, dass 50,2 Milliarden US-Dollar jährlich an öffentlichen Ausgaben notwendig sind, um den Hunger bis 2025 zu bekämpfen.

Große Landflächen als Anreiz für private Investitionen

Viele Organisationen – ob FAO oder Weltwirtschaftsforum – sowie die deutsche Bundesregierung und andere Geldgeber sehen im Agrobusiness den Motor für die globale Nahrungsmittelproduktion. Sie unterstützen Regierungen in Entwicklungsländern dabei Investoren anzulocken. Dafür wurde unter anderem Land zu niedrigen Preisen zur Verfügung gestellt. Unternehmen konnten so große Landflächen erwerben. „Der Verkauf bzw. die Pacht von Land zu günstigen Konditionen an Investoren benachteiligt die kleinbäuerliche Landwirtschaft“, kritisiert Wiggerthale. Zudem ignorierten Investoren vielfach die Rechte und Bedürfnisse armer Menschen, die das Land vorher bearbeiteten und davon lebten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen würden auch finanziell von Regierungen weniger unterstützt. In Brasilien seien 2009-2010 sechs Mal mehr öffentliche Gelder in den Agrobusiness-Sektor als in die bäuerliche Landwirtschaft geflossen, so Wiggerthale weiter.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft Schlüssel zum Kampf gegen Hunger

Kleinbauern und Kleinbäuerinnen werden zwar oft als Zielgruppe benannt, aber bei der Gestaltung von Politik und Projekten nicht einbezogen. „Die Bedürfnisse der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bleiben häufig außen vor“, kritisiert Wiggerthale. „Wenn die Bundesregierung hierzulande und die Regierungen dort die Lebenssituation der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen verbessern wollen, müssen sie sich mit ihnen an einem Tisch setzen“, so Wiggerthale. Die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist ein Schlüssel im Kampf gegen den Hunger, da dadurch die lokale Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessert und die Einkommen von Familien auf dem Lande erhöht werden.

Hintergrundinformationen zu Investitionen in die Landwirtschaft finden Sie hier: http://www.oxfam.de/publikationen/investitionen-in-landwirtschaft

Die Studie „Tipping the Balance“ von Oxfam und IIED finden Sie hier: http://www.oxfam.de/publikationen/tipping-the-balance

Demo: Wir haben es satt! – Video und Bilder der Demo

wir haben es satt 2013 landwirtschaft agrar

 

 

Mehr als 25 000 Menschen haben sich an der Demonstration “Wir haben es satt!” beteiligt. Ökologische Landwirte, Kleinbauern, Tierschützer, Umwelt- und Naturschützer, vegetarische und vegane Verbände, Solidaritätsorganisationen die Themen wie Land Grabbing und Hunger thematisiert haben: Sie alle waren am Erfolg der Demonstration beteiligt.

 

 

 

 

Auch die NaturFreunde Deutschland hatten sich mit gleich drei Aktionen an der Demonstration beteiligt:

  • In der Demonstration hatten sich die NaturFreunde hinter dem Transparent: “Wir haben es satt! – Nein zu Land Grabbing und Nahrungsmittelspekulationen” gesammelt.
  • Vor der FDP-Zentrale machten einige NaturFreunde eine witzige Aktion: “F.D.P. – Fast drei Prozent – Wir haben Euch satt!” (Das ist in Niedersachsen leider nicht gelungen)
  • Bei der Abschlusskundgebung haben sich die NaturFreunde mit einem Info-Stand beteiligt.

 

Hier das Youtube-Video zur Demo:

 

 

 

 

Weiter gibt es bei Flickr auf meinem Account eine ganze Reihe von Fotos von der Demonstration:

 

Teil 1 der Fotos

Teil 2 der Fotos

Teil 3 der Fotos

Teil 4 der Fotos

 

Viel Spaß beim Stöbern!

 

 

Mobilisierungs- und HelferInnentreffen: Wir haben es satt! am 10.1.13 in Berlin

Liebe Interessierte an einer Agrarwende,
liebe MitstreiterInnen für eine bäuerliche, faire und gesunde Landwirtschaft,wir haben es satt 2013 landwirtschaft agrarwir wünschen euch ein gutes und gesundes neues Jahr! Mit frischem Schwung sind wir gestartet – weiter geht es nun auf Hochtouren in Richtung Demo.

In zwei Wochen ist es soweit: am Samstag, den 19.1.2013, geht zum dritten Mal ein breites Bündnis aus VerbraucherInnen, TierschützerInnen, UmweltschützerInnen, ImkerInnen, Bäuerinnen und Bauern auf die Straße um für eine Agrarwende zu demonstrieren. Denn: Wir haben Agrarindustrie satt! Wir wollen: Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!

Damit auch die nächste Demo ein großer Erfolg wird, brauchen wir eure Hilfe! Wir müssen Berlin gemeinsam in den nächsten 14 Tagen wachrütteln!

Wir laden euch daher herzlich ein zu unserem zweiten Mobilisierungs- und HelferInnentreffen in Berlin

am 10. Januar 2013 um 18:30 Uhr
in die Markthalle IX in Kreuzberg
(Wegbeschreibung unten).

  • Wir suchen dringend engagierte Helfer/innen, die in Berlin und im Umland plakatieren, hierfür gibt es das druckfrische DinA 1 Plakat für Berlin!
  • Aktionskoch Wam Kat braucht Helfer für die Demo-Suppe: Schnippeln am 18. Januar 2013 und Kochen am 19. Januar 2013
  • Wir brauchen wieder über 50 Ordner/innen und 40 Spendensammler/innen und viele mehr!
Für Essen, Trinken und Informationen ist gesorgt. Außerdem werden wir wieder unsere Demomaterialien zum Weiterverteilen mitbringen (Flyer, Aufrufe, Plakate & Aufkleber).

 

Wer schon vor dem HelferInnentreffen aktiv werden will: die Berliner Materiallager freuen sich über euren Besuch!
Holt euch dort Plakate, Flyer und Aufkleber! Geht in euren Bioladen, Weltladen oder ein Reformhaus, sprecht Kirchen-, Jugend- oder Pfadfindergruppen an, geht an die Unis und Hochschulen – Studierendenvertretung und Fachschaften sind gute AnsprechpartnerInnen – und verteilt, plakatiert. Das Material muss raus.
Hier findet ihr die Berliner Materiallager http://www.wir-haben-es-satt.de/start/mobilisieren/materialien/. Auf dieser Seite kann man auch weiterhin Pakete bestellen.

Bei Rückfragen steht euch das Demo-Büro unter info@wir-haben-es-satt.de oder 030-28482438 gerne zur Verfügung!
Bitte leitet diese E-Mail auch an andere Interessierte weiter!

Wir freuen uns euch am 10. Januar 2013 in der Markthalle zu treffen!

NaturFreunde: Für ein soziales Europa – gegen den globalen Finanzkapitalismus

Stoppt die Entmündigung der Demokratie!
Für ein soziales Europa – gegen den globalen Finanzkapitalismus

 

Berlin, 4. April 2012 – Angesichts der fortschreitenden Debatten über die Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) erklärt der Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

 

Mithilfe einer neoliberalen Politik der Deregulierung und Liberalisierung ist es in den letzten Jahren zu einer Herrschaft des Finanzkapitalismus gekommen. Die Politik wurde von den Banken in Geiselhaft genommen. Solange es aber diese Anpassung der gesamten Gesellschaft an die Märkte gibt, wird die Demokratie geschwächt, die Gerechtigkeit demontiert und der soziale Zusammenhalt zerstört.

 

Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll als Teil des sogenannten Euro-Rettungsschirms ohne zeitliche Befristung durch den Deutschen Bundestag beschlossen werden. Verknüpft wird er mit dem Fiskalvertrag (Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion). Alle Euro-Länder sollen damit verpflichtet werden, die dort festgelegten Regeln, wie zum Beispiel die Schuldenbremse einzuhalten. Dadurch werden die Euro-Länder, die nationalen Parlamente und damit auch der Deutsche Bundestag ihre Haushaltssouveränität verlieren.

 

Die NaturFreunde bestreiten nicht, dass auch die öffentliche Hand sorgsam mit den Einnahmen und Ausgaben umgehen muss. Aber unser Land kann diese Herausforderungen nur bewältigen, wenn die Einkommens- und Vermögensverteilung gerecht ist und der öffentliche Sektor gestärkt wird.

 

Es ist nicht die Zeit der Ausgabenkürzungen, denn diese werden die soziale Lage in den Ländern noch weiter verschlechtern. Sozialabbau, weitere Privatisierungen und Massenentlassungen im öffentlichen Dienst werden dann die Folge sein. An Griechenland und Spanien können die Auswirkungen dieser falschen Sparpolitik deutlich nachvollzogen werden. In Griechenland ging das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2010 um 4,5 Prozent zurück, im Jahr 2011 um weitere 6,8 Prozent. Mehr als 20 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind arbeitslos, gar 50 Prozent aller Jugendlichen haben keine Arbeit mehr. In Spanien ist die Arbeitslosigkeit zwischenzeitlich auf mehr als 23 Prozent gestiegen, die Jugendarbeitslosigkeit auf über 50 Prozent.

 

Die NaturFreunde Deutschlands lehnen diese falsche Politik ab. Die Finanzmärkte müssen dienen und dürfen nicht herrschen!

 

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Fraktionen im Deutschen Bundestag auf,

> eine massive Eigenkapitalerhöhung auf zehn Prozent der Bankeneinlagen festzuschreiben, wobei der Anteil nach Größe der Bank und Geschäftsumfang progressiv ansteigen muss;

> schnellstmöglich die Krisen verschärfende Kürzungspolitik zu beenden und endlich die Vermögenden zur Kasse zu bitten. Eine Besteuerung wie in den 1960er Jahren würde mehr als 100 Milliarden Euro in die öffentlichen Haushalte bringen;

> alle Fragen der Finanzordnung der Europäischen Union nur mit Zustimmung des Europäischen Parlaments zu regeln;

> sich für die Einführung einer Vermögenssteuer und Vermögensabgabe einzusetzen;

> die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und Tobin tax auf den Weg zu bringen;

> unverzüglich Gesetzesentwürfe für die Einführung eines flächendeckenden existenzsichernden Mindestlohnes einzubringen;

> die Stärkung des öffentlichen Sektors zu forcieren;

> ein ökologisches Umbauprogramm in der EU zu unterstützen und den strukturschwachen Ländern beim sozialökologischen Umbau zu helfen;

> sich dafür einzusetzen, dass die öffentlichen Haushalte in der Eurozone vor den Finanzmärkten geschützt werden;

> ein Verbot von Schattenbanken und Offshore-Finanzzentren zu beschließen;

> die Finanzmärkte streng zu regulieren und eine Größenregulierung und Entflechtung der Großbanken einzuleiten und die öffentlichen Banken auszubauen.

 

Die NaturFreunde Deutschlands

> unterstützen die Initiative „Vermögenssteuer jetzt“ und bitten alle Ortsgruppen sich in ihrer Arbeit für die Unterstützung des Aufrufs einzusetzen;

> rufen alle Untergliederungen dazu auf, die Proteste gegen die sozialen Sparmaßnahmen zu unterstützen;

> rufen alle Untergliederungen dazu auf, die geplanten Aktionen des Bündnisses „UmFAIRteilen“, das von Gewerkschaften, Sozialverbänden und den NaturFreunden unterstützt wird, aktiv zu unterstützen;

> rufen alle Mitglieder dazu auf, sich an der Großdemonstration und den geplanten friedlichen Aktionen vom 16.–19. Mai 2012 in Frankfurt am Main zu beteiligen.

 

Die NaturFreunde erklären sich solidarisch mit den europäischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die in fast allen Ländern der Europäischen Union zum Widerstand gegen diese falsche Politik aufrufen. Gemeinsam verteidigen wir die Demokratie in den europäischen Staaten gegen die Diktatur der Finanzmärkte und kämpfen für eine soziale, ökologische und eine nachhaltige Europäische Union.

 

Die NaturFreunde werden sich dafür einsetzen, dass auch in Deutschland der Protest gegen diese unsoziale Politik hörbarer wird.

Appell: Ein Anderer Weg für Europa

Der Neoliberalismus und die Finanzwelt haben Europa als Geisel genommen und in eine tiefe Krise gestürzt. In den letzten zwanzig Jahren wurde die Bedeutung der Europäischen Union, die an einem konstanten, demokratischen Defizit leidet, auf den engen Blickwinkel des Gemeinsamen Marktes und der Gemeinschaftswährung reduziert. Liberalisierungen, Spekulationsblasen und der Abbau individueller und sozialer Rechte führten zu explosiven, wachsenden Ungleichheiten.

 

Dies ist nicht das Europa, das vor Jahrzehnten als ein kriegsfreier Raum wirtschaftlicher und politischer Integration entworfen wurde. Dies ist nicht das Europa, das durch wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt, wie auch durch die Erweiterung der Demokratie und sozialer Rechte aufgebaut werden sollte.

 

Jenes europäische Projekt ist nun in Gefahr. Im Angesicht der Finanzkrise haben europäische Autoritäten und Regierungen unverantwortlich gehandelt: Sie retteten Privatbanken, aber lehnten es ab, Instrumente der Währungsunion zu nutzen, um die Schwierigkeiten der verschuldeten Länder einzugrenzen. Sie erlegten allen Ländern Sparmaßnahmen und Haushaltskürzungen auf, die nun in die Europäischen Verträge eingemeißelt werden. Dies führt zu dem Ergebnis, dass die Finanzkrise sich auf weitere Länder ausweitet, der Euro in Gefahr ist, und eine neue Große Depression mit dem Risiko der europäischen Desintegration lauert.

 

Europa kann nur überleben, wenn ein anderer Weg eingeschlagen wird. Ein anderes Europa ist möglich. Europa muss Soziale Gerechtigkeit, Verantwortung für die Umwelt, Demokratie und Frieden bedeuten. Danach sehnt sich der Großteil der europäischen Kultur und Gesellschaft. Das ist der Weg, den uns die großen Bewegungen für Gerechtigkeit, für Würde und gegen die Sparpolitik weisen.

 

Auf der Reise zu einem anderen Europa müssen Visionen der Veränderung, Proteste und Alternativen in einen gemeinsamen Rahmen gestellt werden. Dafür schlagen wir sechs Ziele vor:

 

Eine begrenzte Finanzwelt. Die Finanzwelt – die Wurzel der Krise – sollte daran gehindert werden, die Wirtschaft zu zerstören. Die Währungsunion sollte neu organisiert werden und eine kollektive Garantie für öffentliche Schulden der Eurozone enthalten; die Europäische Zentralbank sollte die Rolle eines Kreditgebers letzter Instanz für die Union übernehmen. Es darf nicht dazu kommen, dass das Bürden von Schulden Länder in finanzieller Not zerstören. Alle Finanztransaktionen müssen besteuert werden, Ungleichgewichte, die durch Kapitalmobilität entstehen, müssen verringert werden. Auch sollten striktere Regeln die spekulativsten und risikoreichsten finanziellen Aktivitäten eindämmen, die Trennung zwischen kommerziellen Banken und Investitionsbanken muss wiederhergestellt werden und eine öffentliche europäische Ratingagentur ins Leben gerufen werden.

 

Für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Europa darf sich nicht auf alte und neue Stabilitätspakte oder auf Gesetze, die sich ausschließlich auf den Binnenmarkt und die Gemeinschaftswährung beziehen, beschränken. Die Handlungen Europas müssen Ungleichgewichte in der Realwirtschaft betreffen und einen Umschwung in der wirtschaftlichen Entwicklung bewirken. Wir brauchen profunde Änderungen im Steuersystem und eine europäische Steuerharmonisierung. Außerdem sollte die Besteuerung Arbeitnehmer entlasten und Reichtum wie auch nichterneuerbare Ressourcen belasten. Dies soll neue Einkünfte bringen, um Europäische Ausgaben zu finanzieren.

Öffentliche Ausgaben – auf nationalem und europäischem Niveau – sollten genutzt werden, um Nachfrage zu stimulieren, Sozialpolitik abzusichern, und öffentliche Dienstleistungen zu erweitern. Die Industrie- und Innovationspolitik muss die Produktion und den Konsum von hochwertigen High-tech Produkten mit Nachhaltigkeit fördern. Das Einführen von Eurobons betrifft nicht nur die Refinanzierung öffentlicher Schulden, sondern soll auch dazu beitragen, die ökologische Wende der europäischen Wirtschaft zu finanzieren.

 

Mehr Arbeitsplätze und soziale Rechte, weniger Ungleichheiten. Der Wohlfahrtsstaat und seine sozialen Rechte stehen im Mittelpunkt Europas. Jahrzehntelang hat die Politik unsichere Arbeitsplätze, Armut und Arbeitslosigkeit hingenommen. Nachdem die Ungleichheit auf den Stand der 1930er Jahre zurückgeschraubt wurde, muss es zur Priorität Europas werden, stabile und gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, Niedrigverdienende zu unterstützen, und die Rechte der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen und Demokratie am Arbeitsplatz zu sichern. Dies gilt vor allem für Arbeitsbedingungen der Frauen und Jugend.

 

Die Umwelt schützen. Nachhaltigkeit, die Grüne Wirtschaft, Energie- und Rohstoffeffizienz steht nun im Zentrum des europäischen Wirtschaftswachstums. Alle Entscheidungen müssen die Konsequenzen für die Umwelt einbeziehen, sowie dazu beitragen, dass Klimawandel bekämpft wird und erneuerbare Energien genutzt werden. Es geht darum, saubere, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, lokale Produktion und Nüchternheit des Konsums zu fördern.

 

Demokratie leben. Die Formen der repräsentativen Demokratie durch Parteien und Regierungen und der Sozialdialog sind immer weniger fähig, aktuelle Probleme zu lösen. Auf dem europäischen Niveau ersetzen Beschlüsse der Mächtigen immer mehr den Prozess der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung. Die Krise verringert die Legitimität der EU-Institutionen: die Kommission agiert immer mehr wie ein simpler bürokratische Arm der stärksten Mitgliedsstaaten, die Zentralbank ist nicht rechenschaftspflichtig und das Europäische Parlament nützt nicht die Macht, die ihm zur Verfügung steht, wobei es sowieso immer noch von wichtigen Entscheidungen der Wirtschaftspolitik ausgeschlossen ist.

In den letzten Jahrzehnten haben die europäischen Bürger eine zentrale Rolle bei sozialen Mobilisierungen und gelebter direkter Demokratie gespielt. Sie haben sich für Bewegungen wie das Europäische Sozialforum und die Proteste der „Indignados“ engagiert. Diese Erfahrungen brauchen eine Antwort institutioneller Art. Es ist nötig, eine Brücke zwischen sozialem Wandel und den politischen und institutionellen Begebenheiten, die Überbleibsel der Vergangenheit, zu schlagen.

Die europäischen Gesellschaften dürfen sich nicht nur nach Innen orientieren. Die soziale und politische Integration von Migranten ist eine zentrale Aufgabe für die europäische Demokratie. Engere Verbindungen können, nach dem Fall ihrer autoritären Regime, mit den Demokratisierungsbewegungen der südlichen Mittelmeerstaaten aufgenommen werden..

 

Frieden bringen und Menschenrechte sichern. Die europäische Integration hat es ermöglicht, Konflikte aus Jahrhunderten zu überwinden, aber Europa bleibt immer noch ein Standort für Atomwaffen und aggressive militärischer Strategien. Nicht umsonst sind die europäischen Militärausgaben ein Fünftel dessen, was weltweit für Sicherheit und Krieg ausgegeben wird: 316 Milliarden Dollar im Jahr 2010! Drastische Kürzungen und Veränderungen innerhalb der Verteidigungshaushalte müssen eiligst erfolgen, und dies nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Haushaltsprobleme. Der Frieden Europas ist nicht auf Militärmacht begründet, aber auf eine Politik gemeinsamer, menschlicher Sicherheit, die zum Frieden und Schutz der Menschenrechte führt. Europa muss sich den neuen Demokratien des Mittelmeerraums in gleichem Maße öffnen, wie es sich Zentral- und Osteuropa seit 1989 zugewandt hat.

 

Wir schlagen vor, diese Agenda für ein Anderes Europa dem Europäischen Parlament und den europäischen Institutionen vorzustellen. Diese neue Bedeutung Europas wird schon von transnationalen Bürgerbewegungen, zivilgesellschaftlichen Netzwerken und Gewerkschaftskämpfen sichtbar gemacht. Es muss nun das europäische Machtgefüge und die europäische Politik bestimmen.

Vor dreißig Jahren, am Anfang des „neuen Kalten Kriegs“ zwischen Ost und West, kam die Idee auf, ein Europa frei von Militärblöcken zu schaffen. Der Ursprung dieser Idee des Appells für europäische nukleare Abrüstung (European Nuclear Disarmament) lautete : „Wir müssen damit anfangen, so zu handeln als ob ein vereintes, neutrales, und friedliches Europa bereits existiere.“ Jetzt, in Mitten der Finanzmarkt-, Wirtschafts- und Bürokratiekrise müssen wir damit beginnen, ein egalitäres, friedliches, grünes und demokratisches Europa zu schaffen.

 

Entwurf eines Appells von Organisatoren und Sprechern des Florenz Forum  „Der Weg aus der Krise. Europa und Italien, Wirtschaftskrise und Demokratie“, am 9. Dezember 2011.

Dieser Entwurf wird mit europäischen zivilgesellschaftlichen Netzwerken und Gruppen diskutiert und soll gemeinsame Handlung auf europäischem Niveau ermöglichen.

 

Rossana Rossanda, founder of Il Manifesto

Maurizio Landini, secretary of the metalworkers’ union Fiom-Cgil

Paul Ginsborg, University of Florence

Luigi Ferrajoli, University of Roma Tre

Mario Pianta, University of Urbino and Sbilanciamoci

Massimo Torelli, Rete@sinistra

Gabriele Polo, former editor, Il Manifesto

Giulio Marcon, Coordinator of the Sbilanciamoci coalition

Guido Viale, environmental expert and activist

Francuccio Gesualdi, Center for a new development

Annamaria Simonazzi, University of Rome “La Sapienza”

Norma Rangeri, editor of Il Manifesto

Donatella Della Porta, European University Institute

Alberto Lucarelli, Commissioner of the City of Naples for the Common goods

Mario Dogliani, University of Turin

Tania Rispoli, social researcher and activist

Claudio Riccio, Coordinator of student organisations

Gianni Rinaldini, Coordinator of the United for an alternative coalition

Chiara Giunti, Rete@sinistra

Domenico Rizzuti, Rete@sinistra

Vilma Mazza, Global project

 

Elmar Altvater, Attac Germany

Samir Amin, World Forum for Alternatives

Sergio Andreis, Lunaria

Philippe Askenazy, CNRS-Paris school of Economics

Zygmunt Bauman, University of Leeds, UK

Andrea Baranes, Roma

Seyla Benhabib, Yale University

Raffaella Bolini, Arci, Italy

Rolf Czezeskleba-Dupont, Roskilde University, Denmark

Pier Virgilio Dastoli, European Federalist Movement

Nancy Fraser, New School for Social Research, New York

Monica Frassoni, European Green Party

Francesco Garibaldo, Associazione lavoro e libertà

Susan George, honorary president of Attac France, Board President of the Transnational Institute

Alfonso Gianni, Roma

Rafael Grasa Hernandez, ICIP, Barcelona

Keith Hart, University of Pretoria and Goldsmiths, University of London

Mary Kaldor, London School of Economics, UK

Peter Kammerer, University of Urbino

Thomas Lacoste, filmmaker and publisher, Paris

Jean-Louis Laville, European coordinator, Karl Polanyi Institute of Political Economy

Flavio Lotti, Tavola della Pace, Perugia

Lorenzo Marsili, European Alternatives

Doreen Massey, Open University and Soundings

Luisa Morgantini, former vice-president of the European Parliament

Roberto Musacchio, Roma

Loretta Mussi, Un ponte per, Roma

Jason Nardi, coordinator, Italian Social Watch coalition

Pascal Petit, Université de Paris 13

Maria Teresa Petrangolini, Active Citizenship Network

Kari Polanyi Levitt, McGill University, Montreal, Canada

Angelo Reati, former official of the European Commission, Brussels

Denis Jaromil Roio, Dyne.org, Free software foundry

Raffaele K. Salinari, Terre des Hommes international

Mariana Santos,  Lisbon University Institute (CIES, ISCTE-IUL)

Saskia Sassen, Columbia University

Ingo Schmidt, Athabasca University, Canada

Claus Thomasberger, HTW Berlin, University of Applied Sciences

Antonio Tricarico, Roma

Frieder Otto Wolf, former Member of the European Paliament, Freie Universität Berlin

 

1/3/2012

 

For signing the Appeal, please send an email to:

anotherroadforeurope@gmail.com

www.anotherroadforeurope.org

NaturFreunde: Industrieelle Landwirtschaft produziert Hunger und muss beendet werden

NaturFreunde Deutschlands rufen zur Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt!“ auf

 

Berlin, 19. Januar 2012 – Die NaturFreunde Deutschlands sind im Trägerkreis der Demonstration „Wir haben es satt!“ am 21. Januar 2012 in Berlin. Zur Motivation der Teilnahme der NaturFreunde an der Demonstration erklärt Uwe Hiksch, Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands:

 

Fast eine Milliarde Menschen müssen heute hungern – das ist eine der brutalen Schattenseiten unserer Weltordnung: Weil profitorientierte Großkonzerne die Herstellung von Lebensmitteln einseitig dominieren. Weil die Konzentration im Einzelhandel immer mehr landwirtschaftliche Betriebe dazu zwingt, ihre Nahrungsmittel zu diktierten Preisen abzugeben. Weil sich multinationale Saatgutkonzerne immer häufiger Pflanzensorten patentieren lassen und so immer mehr landwirtschaftliche Betriebe zum jährlichen Kauf von Saatgut zwingen. Schließlich ist eine Aussaat der Ernte aus patentrechtlich geschütztem Saatgut verboten. Die Industrieelle Landwirtschaft knechtet ganze Regionen, ihre Strukturen und ihr Profitstreben sind Gift für die Artenvielfalt, ihre Produkte immer auch Gegenstand von Lebensmittelskandalen.

 

Für eine bäuerliche Landwirtschaft, gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln

Die NaturFreunde Deutschlands kritisieren diese Entwicklung und rufen deshalb auf zur breiten Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt!“ Wir setzen uns ein für eine bäuerliche Landwirtschaft weltweit, die durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen auch zur Erhaltung der Artenvielfalt und der Kulturlandschaften beiträgt. Wir wollen die kapitalistische Logik durchbrechen, mit der die großen Handels- und Saatgutkonzerne, aber auch Banken und Hedgefonds die Strukturen einer bäuerliche Landwirtschaft immer weiter zerstören. Verboten werden müssen die Spekulation mit Nahrungsmitteln und die Ausrichtung der Industrieellen Landwirtschaft an den Bedürfnissen einer kleinen kaufkräftigen Nachfrage in den Industriestaaten.

 

Waldrodungen für den Fleischbedarf der Industriestaaten

Alleine im Norden Argentiniens wurden in den letzten Jahren mehr als fünf Millionen Hektar Wald gerodet, um Soja anzubauen, das vor allem als Futtermittel für den Fleischbedarf in den Industriestaaten eingesetzt wird. Heute benötigt die Landwirtschaft der Europäischen Union zusätzlich etwa 35 Millionen Hektar globale Landwirtschaftsfläche für ihren Futtermittelimport. Diese Fläche ist doppelt so groß wie die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands.

 

Existenzgrundlage der Kleinbauern wird zerstört

Der massive Landverbrauch für die Fleischproduktion und auch den Biospritanbau in den Industriestaaten hat dazu geführt, dass immer mehr fruchtbares Ackerland an westliche Investoren verkauft wird. Allein zwischen 2006 und 2009 wurden rund 50 Millionen Hektar Land in Afrika, Asien und Südamerika an ausländische Großinvestoren verkauft oder auf Jahrzehnte verpachtet. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit zwischen zehn und 30 Prozent des global verfügbaren Ackerlandes von Großinvestoren verwaltet werden. Doch diese Investoren sind nur an Gewinnen interessiert. Die Bedürfnisse lokaler Kleinbauern, Landarbeiter und Nomaden spielen bei dieser Entwicklung keine Rolle: Ihre Existenzgrundlage wird zerstört.

 

Die NaturFreunde Deutschlands fordern eine Beendigung dieses massiven Verkaufs von Landflächen und setzen sich für eine gerechte Verteilung der Landflächen an die Kleinbauern der Region ein. Die Außenhandelspolitik Deutschlands muss endlich so weiterentwickelt werden, dass die Armut der ländlichen Bevölkerung nicht weiter zunimmt und die bäuerliche Landwirtschaft in den Ländern des globalen Südens eine faire Chance auf Entwicklung erhält.

 

Demonstration „Wir haben es satt!“ am 21. Januar 2012 in Berlin

www.wir-haben-es-satt.de

NaturFreunde-Treffpunkt: 11:15 Uhr, Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof

Wir haben es satt: HelferInnentreffen am 12.1.2012, Markthalle IX

In 2 Wochen ist es soweit – am 21.1.12 um 11:30 Uhr heißt es “Wir haben es satt – Bauernhöfe statt Agrarindustrie!”

 

Wir haben schon sehr viel Unterstützung – aber damit alles reibungslos läuft suchen wir noch weitere HelferInnen, v.a. als SpendensammlerInnen, OrdnerInnen und für die Essens-/Spülstände.

 

 

Daher laden wir euch noch einmal ganz herzlich zum dritten und letzten HelferInnentreffen ein!

Wann: Donnerstag, 12.1.2012, 19 Uhr
Wo: Markthalle IX, Eisenbahnstraße 42/43

Außerdem suchen wir noch dringend Leute, die Material verteilen! Bundesweit läuft die Mobilisierung hervorragend – wir haben schon 80 Busse!

Aber die Berliner Materiallager sind noch viel zu voll!

Holt euch dort die druckfrischen A2-Plakate, außerdem gibt es dort A3-Plakate, Flyer und Aufkleber! Geht in euren Bioladen, Weltladen oder ein Reformhaus, sprecht Kirchen-, Jugend- oder Pfadfindergruppen an, geht an die Unis und Hochschulen – Studierendenvertretung und Fachschaften sind gute AnsprechpartnerInnen – und verteilt, plakatiert. Das Material muss raus.

Unten findet ihr die 4 Berliner Materiallager – sie freuen sich alle über euren Besuch.

Ganz vielen Dank vom
Demo-Orga-Team

Materiallager

- in Berlin-Mitte:
Bundesgeschäftsstelle der Grünen Jugend
Hessische Straße 10
offen Mo-Fr von 10-16Uhr
bei Grüner Jugend klingeln und in den 3. Stock
offen Mo-Fr von 9-18 Uhr

- in Berlin-Kreuzberg/ Tempelhof:
Buchladen Schwarze Risse im Mehringhof
Gneisenaustraße 2a
offen Mo-Fr von 10-18 Uhr sowie Sa von 11-14 Uhr

- in Berlin-Prenzlauer Berg:
Buchladen Schwarze Risse
Kastanienalle 85
offen Mo-Fr 11-19 Uhr sowie Sa 11:30-15 Uhr

- in Berlin-Friedrichshain:
NaturFreunde Deutschlands e.V.
Büro von Atomausstieg-selber-machen
Warschauer Str. 58a
(rechter Treppenaufgang bzw. Aufzug!)
2. Stock rechts
offen Mo-Fr von 10-18 Uhr

Deutscher Naturschutzring und NaturFreunde fordern Zivilisierung der Finanzmärkte

Stoppt die Entmündigung der Demokratie!

 

Berlin, 16. August 2011 – Die Regulierung der Finanzmärkte, der ökologische Umbau der Wirtschaft und die Wende zu einer nachhaltigen Haushalts- und Finanzpolitik sind nach Auffassung des Deutschen Naturschutzrings (DNR) jetzt überfällig. „Die Welt befindet sich in der härtesten Krise der Nachkriegszeit. Die Situation ist mit dem historischen Jahr 1989 vergleichbar. Deshalb müssen die Kräfte der Zivilgesellschaft gestärkt werden. Obwohl für die Banken und den Finanzsektor milliardenschwere Rettungsschirme aufgespannt wurden, spitzt sich die Krise zu, auch weil nach wie vor den Finanzexperten die Bewältigung der vom Finanzsystem ausgelösten Krise überlassen wird. Bekämpft werden die Folgen, aber nicht die Ursachen“, erklärte Michael Müller, Präsidiumsmitglied des DNR und Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands.

 

Mehr als ein Jahrzehnt lang haben aus Sicht des DNR die Politiker alle Forderungen nach demokratischer Kontrolle der Finanzmärkte und ökologischer Modernisierung der Wirtschaft ignoriert. „Damit Banken und Finanzmärkte an der Tilgung der Staatsschulden, am Umbau der Wirtschaft, an der Bekämpfung der Armut und beim Klima- und Umweltschutz beteiligt werden, ist eine zunächst europäische Finanztransaktionssteuer von 0,05 Prozent auf den Handel mit Devisen, Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Derivaten einzuführen“, forderte DNR-Präsidiumsmitglied Sebastian Schönauer.

 

Mehr Steuern auf Vermögen statt Kürzungen im sozialen oder Umweltbereich

Zur Überwindung der Staatsschulden darf es nach Meinung des DNR keine Kürzungspolitik im sozialen oder Umweltbereich geben, wie jetzt in den USA geplant. Stattdessen sind, so der DNR, neue Quellen für Staatseinnahmen durch Steuern auf Kapitalerträge, Vermögen und höchste Einkommen zu erschließen.

Wie der DNR fordert auch Professor Gerhard Scherhorn, früheres Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dass die Finanzmärkte zivilisiert werden: „Sie dürfen nicht länger Herren der Welt sein, sondern müssen auf ihre eigentliche Aufgabe zurückgeführt werden: als Diener der Wirtschaft den Geldkreislauf zu sichern.“

 

Die heutige Krise ist, so der DNR, nicht vom Himmel gefallen, sondern hat eine längere Vorgeschichte, die in die 1970er Jahre zurückreicht. Damals wurde, als die Wachstumsraten vor allem in den USA und Großbritannien zurückgingen, die Weichen für Neoliberalismus und Finanzkapitalismus gestellt. Die Macht über wirtschaftliche Entwicklungen wurde Zug um Zug den Investmentbanken übertragen. Die Haupttäter dieser Entmoralisierung der Wirtschaftsordnung hießen nach Meinung des DNR Margret Thatcher und Ronald Reagan. „Sie haben als Erste die Kapitalmärkte dereguliert und liberalisiert, damit sie die Unternehmen ‚aufmischen‘ und die Wirtschaft zu höheren Wachstumsraten antreiben und damit ihre Länder neue Stärke erreichen“, so die DNR-Vertreter.

 

Finanzkapitalismus mit seinen hemmungslosen Raffkes darf keine Zukunft haben

„Der Finanzkapitalismus machte mit seiner Finanzgier Wettbewerbswirtschaften zu hemmungslosen Raffkes. Der ehemalige IWF-Direktor und Bundespräsident Horst Köhler nannte die Investmentbanken ‚Monster‘, die alle zivilisatorischen Grenzen missachten. Von daher geht es nicht nur um einzelne Korrekturen. Der Finanzkapitalismus darf keine Zukunft haben. Die Politik läuft den ökonomischen Umbrüchen atemlos hinterher, das Krisenmanagement der Bundesregierung, der Eurostaaten oder der USA kann nicht überzeugen. Es ist Zeit für einen fundamentalen Kurswechsel, weg vom Diktat der Wall Street und des Finanzzentrums London, die nicht länger die Regeln der Wirtschaft zum eigenen Vorteil diktieren dürfen. Das erfordert mehr als eine Politik, die nur die schlimmsten Folgen abzuwenden sucht und letztlich bei nationalen Egoismen bleibt“, betonten die Vertreter des DNR.

 

Aus Sicht von DNR und NaturFreunden sind die vier wichtigsten Ziele für eine Neuordnung:

  1. Die Finanzmärkte müssen der Wirtschaft und Gesellschaft dienen, sie dürfen nicht länger über sie herrschen.
  2. Der Umbau in eine nachhaltige Ordnung muss mit Nachdruck vorangetrieben werden, die Grundlage dafür ist eine grüne Wirtschaft.
  3. Die Europäische Union muss zur Nachhaltigkeitsunion werden.
  4. Wir brauchen mehr Demokratie, um aus der Geiselhaft des Finanzkapitalismus herauszukommen und die kreativen Potenziale der Gesellschaft zu nutzen.

 

Zur Bewältigung der Finanzkrise hat der DNR ein ausführliches Sieben-Punkte-Papier zum Download gestellt auf: www.kurzlink.de/DNR-zur-Finanzkrise.

VENRO: Neues Afrika-Konzept der Bundesregierung: Die Wirklichkeit schön geschrieben

PRESSEMITTEILUNG

9/2011

Bonn, 15. Juni 2011 – Das heute vom Bundeskabinett verabschiedete Afrika-Konzept der Bundesregierung ignoriert die Lebenswirklichkeit eines Großteils der afrikanischen Bevölkerung. Nicht die Überwindung von Armut und Hunger stehen im Vordergrund, sondern deutsche Wirtschaftsinteressen, kritisiert der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO).

„Dennoch begrüßen wir, dass die Bundesregierung erstmalig ein ressortübergreifendes Afrika-Konzept erstellt hat. Dies ist eine Chance für eine entwicklungsfördernde abgestimmte Politik. Wir begrüßen auch, dass die Bundesregierung bei den Potenzialen des Kontinents ansetzt und nicht bei der Beschreibung von Bürgerkriegen, Korruption und Hunger verharrt. Allerdings malt sie sich den Kontinent im Konzept bisweilen schön. Zudem konkurrieren in dem Papier gegensätzliche Interessen miteinander. Tatsächliche oder mögliche Zielkonflikte deutscher Afrikapolitik wie beispielsweise bei der Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung werden nicht benannt“, so VENRO-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post.

Insbesondere das Thema ländliche Entwicklung hätte in dem Konzept eine prominentere Rolle spielen müssen . 80 Prozent der armen Menschen in Subsahara Afrika leben auf dem Lande.

Im Vordergrund des Papiers stehen stattdessen Wachstum, die Öffnung von Märkten für die deutsche Wirtschaft und eine stärkere Verzahnung zwischen Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit. Der Aufbau der afrikanischen Volkswirtschaften wird dagegen außen vorgelassen.

„Auch die Millenniumsentwicklungsziele finden sich in dem 70seitigen Papier leider nur nach intensiver Suche – ein weiterer Hinweis auf das wachsende Desinteresse der Bundesregierung an diesen Zielen“, so Post. „Mag sein, dass das schwindende Interesse mit dem mangelhaften Einhalten finanzieller Zusagen zusammenhängt. Denn auch ihre Entwicklungsausgaben hat sich die Bundesregierung in dem Konzept schön geschrieben.“

Der Verabschiedung des Afrika-Konzeptes gingen langwierige und kontroverse Abstimmungen voraus. Die Zivilgesellschaft wurde weitgehend außen vor gehalten. VENRO hatte dies mehrfach kritisiert und eine öffentliche Stellungnahme dazu abgegeben.

In dem Afrika-Konzept werden die Grundlinien der künftigen deutschen Afrika-Politik zusammengefasst. Die Bundesregierung sichert den derzeit 54 afrikanischen Staaten eine “Partnerschaft auf Augenhöhe” zu. Als oberstes Ziel werden in dem Papier “Frieden und Sicherheit” in Afrika genannt. Die Bundesregierung sieht aber auch gute Chancen für die deutsche Wirtschaft. Auf dem afrikanischen Kontinent leben derzeit mehr als eine Milliarde Menschen, das Wirtschaftswachstum lag in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich sechs Prozent. Post: „Dieses Wachstum geht aber nur auf einige wenige Länder zurück und beruht im wesentlichen auf gestiegenen Rohstoffpreisen – die Wachstumszahlen sind Schönfärberei.“