Steffi Lemke

Von der Erde bis zum Mond

SPD und Grüne haben mit Ablehnung auf ein Papier der Linken-Spitze reagiert, das vor allem als neuerliche rot-rot-grüne Offerte diskutiert wird. Bernd Riexinger hat SPD und Grüne noch einmal daran erinnert, dass sie  weiter weg von der Mehrheit im Bund seien, “als die Erde vom Mond”. Diese Entfernung beschreibt auch ganz gut, wie groß die politisch-strategischen und die nicht rationalen Aversionen im Mitte-Links-Lager sind. Wer jedoch die Debatten am Rande zur Kenntnis nimmt, kann optimistisch bleiben: Auch diese Entfernung ist überwindbar. Ein Beitrag von tos auf neues-deutschland.de

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Kreis des Vertrauens

Vom neuen rot-grünen Thinktank „Denkwerk Demokratie“ war hier schon mehrfach die Rede: Nach einem Fehlstart vor einem Jahr wurde im vergangenen Herbst der Beginn der Arbeit für Anfang 2012 avisiert. Nun geht es mit der Arbeit an „Ideen und Strategien für eine soziale und ökologische Modernisierung Deutschlands und Europas“ offenbar auch wirklich los. „Kluge Leute sollen fortan kluge Ideen entwickeln. Für die linke Mitte. Für Rot-Grün“, berichtete vor ein paar Tagen bereits der Spiegel. Ein Verein ist schon gegründet, er residiert im Berliner IG-Metall-Haus. Und der Tagesspiegel weiß nun von einem „gut 20 Seiten“ umfassenden Entwurf für eine erste Denkschrift.

Darin wird unter anderem von der Wirtschaft mehr Kooperation und Nachhaltigkeit verlangt. Außerdem heißt es, Schuldenbremse und Haushaltskonsolidierung dürften „nicht allein die Fixpunkte“ in der Finanzpolitik sein. Am Dienstag soll sich der 18-köpfige Beirat des Denkwerk Demokratie mit dem Papier befassen – ihm gehören nicht nur Parteivorsitzende von SPD und Grünen an, sondern auch Verdi-Chef Frank Bsirske, Michael Sommer vom DGB und der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Mitinitiatorin und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat stets darauf gepocht, es handele sich um ein „Projekt von Personen, nicht von Organisationen“. Und die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, hat noch einmal wiederholt, dass es „definitiv“ nicht um die Ausarbeitung eines rot-grünen Koalitionsvertrages gehe. Von einem rein auf diskursive Verständigung zielenden Netzwerk oder einer bislang noch nicht existierenden organisatorischen Plattform für Vertreter von Verbänden und Parteien wird man trotzdem nicht sprechen wollen: Natürlich geht es um die Anbahnung einer rot-grünen Regierungsmehrheit.

Die ist, anders als zu Zeiten des Grünenhochs nach Fukushima, derzeit eher eine demoskopische Utopie: SPD und Grüne kommen in Umfragen auf gut 40 Prozent und weil das so ist, klebt an Rot-Grün als Ziel immer der Makel, dass es am Ende doch nicht reicht. Ein gemeinsames Bündnis wird von SPD und Grünen als „erste Wahl“ bezeichnet, aber die Mehrheitsverhältnisse zwingen zur Offenheit gegenüber anderen Optionen. Dass dabei beide Parteien zuallererst an die CDU denken würden und nicht an die Linkspartei oder die Piraten, hat sicher auch Gründe bei den beiden kleinen Oppositionparteien, zeigt aber vor allem die zurzeit alleinige Richtung der politischen Beweglichkeit von SPD und Grünen an: Statt auf Kompromisse nach links im Sinne eines Mitte-unten-Bündnis setzen beide notfalls auf Kompromiss nach rechts.

Man wird nicht davon ausgehen, dass das Denkwerk Demokratie die Option in Richtung CDU aktiv verfolgt – ebensowenig aber, dass hier die Möglichkeit eines Mitte-unten-Bündnisses aktiv offengehalten wird, wie zum Beispiel bei einigen auf den linken Flügeln von SPD und Grünen. Dass die Linkspartei nicht mit ins Denkwerk-Boot geholt wurde, hat Yasmin Fahimi von der Gewerkschaft IG BCE mit den Worten begründet, in dem Verein wolle man einen „Kreis des Vertrauens“ bilden, „wo man sich ohne Probleme konsensual einigen kann“. Dem widerspricht ein wenig die Tatsache, dass für Dissens innerhalb des Denkwerks so genannte „Denkaufgaben“ gestellt werden sollen, die man bis zum Frühjahr 2013 bewältigen will. Für diese Zeit sind Arbeitsergebnisse angekündigt – es werden, wie der Tagesspiegel schreibt, Ergebnisse „im Glauben an Rot-Grün“ sein. (tos)

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Kreis des Vertrauens

Vom neuen rot-grünen Thinktank „Denkwerk Demokratie“ war hier schon mehrfach die Rede: Nach einem Fehlstart vor einem Jahr wurde im vergangenen Herbst der Beginn der Arbeit für Anfang 2012 avisiert. Nun geht es mit der Arbeit an „Ideen und Strategien für eine soziale und ökologische Modernisierung Deutschlands und Europas“ offenbar auch wirklich los. „Kluge Leute sollen fortan kluge Ideen entwickeln. Für die linke Mitte. Für Rot-Grün“, berichtete vor ein paar Tagen bereits der Spiegel. Ein Verein ist schon gegründet, er residiert im Berliner IG-Metall-Haus. Und der Tagesspiegel weiß nun von einem „gut 20 Seiten“ umfassenden Entwurf für eine erste Denkschrift.

Darin wird unter anderem von der Wirtschaft mehr Kooperation und Nachhaltigkeit verlangt. Außerdem heißt es, Schuldenbremse und Haushaltskonsolidierung dürften „nicht allein die Fixpunkte“ in der Finanzpolitik sein. Am Dienstag soll sich der 18-köpfige Beirat des Denkwerk Demokratie mit dem Papier befassen – ihm gehören nicht nur Parteivorsitzende von SPD und Grünen an, sondern auch Verdi-Chef Frank Bsirske, Michael Sommer vom DGB und der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Mitinitiatorin und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat stets darauf gepocht, es handele sich um ein „Projekt von Personen, nicht von Organisationen“. Und die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, hat noch einmal wiederholt, dass es „definitiv“ nicht um die Ausarbeitung eines rot-grünen Koalitionsvertrages gehe. Von einem rein auf diskursive Verständigung zielenden Netzwerk oder einer bislang noch nicht existierenden organisatorischen Plattform für Vertreter von Verbänden und Parteien wird man trotzdem nicht sprechen wollen: Natürlich geht es um die Anbahnung einer rot-grünen Regierungsmehrheit.

Die ist, anders als zu Zeiten des Grünenhochs nach Fukushima, derzeit eher eine demoskopische Utopie: SPD und Grüne kommen in Umfragen auf gut 40 Prozent und weil das so ist, klebt an Rot-Grün als Ziel immer der Makel, dass es am Ende doch nicht reicht. Ein gemeinsames Bündnis wird von SPD und Grünen als „erste Wahl“ bezeichnet, aber die Mehrheitsverhältnisse zwingen zur Offenheit gegenüber anderen Optionen. Dass dabei beide Parteien zuallererst an die CDU denken würden und nicht an die Linkspartei oder die Piraten, hat sicher auch Gründe bei den beiden kleinen Oppositionparteien, zeigt aber vor allem die zurzeit alleinige Richtung der politischen Beweglichkeit von SPD und Grünen an: Statt auf Kompromisse nach links im Sinne eines Mitte-unten-Bündnis setzen beide notfalls auf Kompromiss nach rechts.

Man wird nicht davon ausgehen, dass das Denkwerk Demokratie die Option in Richtung CDU aktiv verfolgt – ebensowenig aber, dass hier die Möglichkeit eines Mitte-unten-Bündnisses aktiv offengehalten wird, wie zum Beispiel bei einigen auf den linken Flügeln von SPD und Grünen. Dass die Linkspartei nicht mit ins Denkwerk-Boot geholt wurde, hat Yasmin Fahimi von der Gewerkschaft IG BCE mit den Worten begründet, in dem Verein wolle man einen „Kreis des Vertrauens“ bilden, „wo man sich ohne Probleme konsensual einigen kann“. Dem widerspricht ein wenig die Tatsache, dass für Dissens innerhalb des Denkwerks so genannte „Denkaufgaben“ gestellt werden sollen, die man bis zum Frühjahr 2013 bewältigen will. Für diese Zeit sind Arbeitsergebnisse angekündigt – es werden, wie der Tagesspiegel schreibt, Ergebnisse „im Glauben an Rot-Grün“ sein. (tos)

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Rot-grüne Denkfabrik

Wenn man einmal rekapituliert, wie das Verhältnis von SPD und Grünen in den vergangenen zwei Jahre war, entsteht ein großes Dramenbild: euphorische Annäherung und skeptischer Pragmatismus, große Rot-Grün-Renaissance und ebenso große Enttäuschung, Bündnisversprechen und Trennungsdrohungen, Koch und Kellner – die beiden Parteien haben alle Register gezogen. Nun kann man sagen, dass das der ausdifferenzierten politischen Landschaft entspricht, die mal diese und mal jene Antwort auf die Kooperationsfrage erfordert. Und weil die jeweiligen Antworten auch in SPD und bei den Grünen unterschiedlich ausfallen, ist das Ein-Lager-kein-Lager-Drama auch Abbild programmatischer und strategischer Konflikte.

Man konnte das gut nach dem Scheitern der rot-grünen Sondierung in Berlin beobachten, die umgehend eine grünen Streit um Eigenständigkeit, Koalitionsoptionen und das Maß an Offenheit gegenüber der CDU nach sich zog. In dieser Richtung ist bei der einstigen Ökopartei nach Angela Merkels Atomwende wieder mehr Luft, der Flügel der das ohnehin für eine Option hält, ließ nach der Hauptstadt-Konfrontation um die A100 ausrichten: „Das werden die Grünen der SPD nie vergessen.“ Während es in Nordrhein-Westfalen trotz Minderheitsregierung ganz gut läuft, knirscht es in Baden-Württemberg auch. Wie in Berlin geht es um ein großes Infrastrukturprojekt und da tun sich dann grundsätzliche Klüfte auf, die in den Zeitungen als Graben zwischen „Betonpartei“ und „Dagegen-Partei“ erläutert werden. Dass es in der SPD starke Kräfte gibt, denen eine Große Koalition lieber wäre, ist auch kein Geheimnis.

Und so wogt eine komplizierte Beziehung hin und her, jeder Trennungsandrohung folgt stets das nächste Bekenntnis, dass man aneinander ja doch noch das Beste habe. Letztere Stimmung will man nun in SPD und Grünen besser pflegen, jedenfalls gibt es Personen in beiden Parteien, die das Projekt einer gemeinsamen Arbeitsgruppe verfolgen. Sie soll nach Informationen der Süddeutschen Anfang des kommenden Jahres die Arbeit aufnehmen und den Namen „Denkwerk Demokratie“ tragen. Zu den Initiatoren gehören SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Es sollen zusammen mit Gewerkschaften, Umweltverbänden und anderen Organisationen politische Projekte diskutiert und erarbeitet werden.

Das Ganze erinnert an einen zunächst ausgebremsten Versuch, den Nahles und Lemke vor einem Jahr bereits machten. Damals war in der Zeitung von einem „Koordinierungsbüros“ die Rede, das laut SPD-Programmarbeiter Benjamin Mikfeld „Software für mögliche Koalitionen“ entwickeln und das intellektuelle Vorfeld eines politischen Bündnisses bestellen sollte. Der Vorstoß geriet umgehend unter die Räder der unterschiedlichen Interessen – manchem erschien ein solches Büro angesichts der mit der Idee verbundenen Namen wohl als zu links, andere wollten das Postulat der Eigenständigkeit am Beginn eines kleinen Superwahljahres nicht durch übertriebenen rot-grünen Anstrich gefährden. „Dämlich“, „vorschnell“, „unabgesprochen“ sei das Ganze, hieß es seinerzeit.

Der erneute Versuch von Lemke und Nahles, eine Denkfabrik zu initiieren, hat bisher noch keine Reaktionen hervorgerufen. Die beiden Politikerinnen haben allerdings auch hinreichend vorgebaut: Nein, es gehe nicht um die unmittelbare Vorbereitung einer rot-grünen Koalition im Bund. Es handele sich zudem um ein „Projekt von Personen, nicht von Organisationen“. Mit der Ankündigung des „Denkwerks Demokratie“ sind natürlich trotzdem jede Menge Signale in die je eigenen Reihen verbunden. Lemke wird mit den Worten zitiert: „Die Phase wechselseitiger Schuldzuweisungen ist nun vorbei.“ Und Nahles riet „bei aller Konkurrenz zwischen SPD und Grünen, die es natürlich gibt, zu mehr Gelassenheit“. Dahinter steckt auch die Sorge, dass sich der Raum der Möglichkeiten mit Blick auf 2013 schnell schließen könnte. Wenn er es nicht schon getan hat. Was nach Außen bei den Sozialdemokraten als K-Frage und bei den Grünen als Pochen auf die Eigenständigkeit erscheint, ist im Inneren mit strategischen und personellen Kämpfen verbunden, in denen nicht alle gewinnen können.

Der letzte Satz im Beitrag der Süddeutschen übrigens ist mehr als eine Randnotiz: „Ein Dreier-Bündnis mit der Linkspartei ist derzeit weder in der SPD noch bei den Grünen ein Thema.“ Das klingt lapidar, verweist aber auf ein großes Versäumnis – und um das so zu sehen, muss man nicht einmal Anhänger irgendwelcher Koalitionsträume sein. Es geht einfach um den gesellschaftlichen Debattenbedarf, der ungestillt bleibt, weil auch eine öffentliche Auseinandersetzung verweigert wird, die mehr ist als Machtarithmetik. Wo Öffnung angesagt wäre, zum Beispiel Richtung Piraten, findet Schließung statt. Zumal diese Diskussionen nicht erst erfunden werden müssten, sondern schon stattfinden – allerdings ohne dass eine größere Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Das vom Institut Solidarische Moderne vorgelegte Papier zum „Sozialökologischen Gesellschaftsumbau“ ist das beste Beispiel dafür. Weder ist von einer Zustimmung oder Kritik aus dem Lager von SPD, Grünen oder Linken etwas zu hören gewesen; keine der parteinahen Stiftungen hatte etwas dazu zu sagen, kein sich als im weitesten Sinne links verstehender Intellektueller machte eine Anmerkung. Vielleicht werden die 32 Seiten ja wenigsten im neuen rot-grünen “Denkwerk Demokratie” gelesen. (tos)

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Grün kaschiert

Heute also nun die Sonder-BDK der Grünen zum Atomausstieg. Geschäftsführerin Steffi Lemke sagt voraus, es werde „ein guter und sicherlich auch ein spannender Parteitag“. Zumindest letzteres ist sicher, während die Spitze der Grünen auf ein Ja zu den Atomausklang-Plänen von Angela Merkel drängt, zeigen drei Gegenanträge und Dutzende Änderungswünsche, wie groß der Widerstand in der Partei ist. „Wenn man sich genau anschaut, was zur Abstimmung steht, dann sind das Punkte, zu denen die Grünen eigentlich nicht Nein sagen können“, warnt Claudia Roth. Vor allem der linke Flügel der Partei will jedoch allenfalls ein deutlich konditioniertes Ja, es geht unter anderem um die Sicherheit der AKW und die Verankerung des Ausstiegs im Grundgesetz. Das, erwidert Roth, laufe jedoch auf ein „kaschiertes Nein“ hinaus. Aber was spräche eigentlich dagegen? Erfordert es die Beschlusslage der Grünen nicht sogar, die Pläne der Regierung abzulehnen? Vor drei Monaten hatte der Länderrat habe vor drei Monaten beschlossen, das Atomzeitalter in der kommenden Wahlperiode endgültig zu beenden. Der Ausgang des Parteitags, schreibt eine Nachrichtenagentur, sei völlig offen.

Einmal abgesehen davon, dass mancher inhaltliche Gründe für eine Zustimmung geltend macht, ist die Parteispitze von dem Gedanken geplagt, ein Nein könne sich belastend auf ihren Höhenflug auswirken und die Anschlussfähigkeit ins bürgerliche Lager mindern. Jürgen Trittin hat erklärt, dass Merkel den Grünen ganz sicher nicht entgegenkommen würde, eine Ablehnung aber dazu führen könnte, dass die Regierung den Ausstieg für sich reklamiert. „Es ist ihr strategisches Ziel, den Grünen das Thema zu entwinden. Deshalb ist ein konditioniertes Ja keine kluge Position.“ Wahrscheinlich hat der Fraktionschef auch Sorge, viele gerade der neuen Anhänger der Grünen könnten mit der Debatte um einen früheren Ausstieg gar nicht viel anfangen. „Vor einem halben Jahr hat Schwarz-Gelb einen Ausstieg bis 2040 beschlossen. Zur Entscheidung steht jetzt nicht 2017 oder 2022, sondern 2022 oder 2040. Wenn ich für 2017 bin, ist doch klar, wofür ich stimme.“

Natürlich versucht sich auch die Linkspartei in den Streit einzuschalten. Sie tut es sicher aus inhaltlichen Erwägungen – aber eben nicht nur. „Ich warne die Grünen vor einer Zustimmung zu Merkels Atomdiktat“, wird Linkenvize Katja Kipping zitiert. „Eine Zustimmung aus taktischen Erwägungen wäre eine Bankrotterklärung.“ Und mehr noch: Wenn die Grünen der Energiewende zustimmten, „ist die Chance auf einen schnelleren Ausstieg nach der nächsten Bundestagswahl futsch“. Warum das so sein soll, wird allerdings nicht ganz klar. Wie man beim Ausstieg vom Ausstieg sehen konnte, lassen sich mit anderen Mehrheiten auch andere Gesetze machen. Mag sein, dass nach 2013 die Stimmung eine andere ist, es vielleicht schwerer wird, einen beschleunigten Ausstieg durchzusetzen. Aber die Chance besteht. Es ist dann wohl eher eine Frage der möglichen Mehrheiten und bestehender Lagerkonstellationen. Darauf läuft die Intervention Gregor Gysis hinaus. „Die Traumvorstellung der Grünen ist doch, die FDP zu ersetzen und wählen zu können, ob sie mit der Union oder doch mit der SPD regieren“, sagt der Linksfraktionschef – und meint: Die Grünen seien ja gar nicht links.

Ob das der Linken hilft, ihre eigene Position gegenüber den Grünen zu verbessern, sei einmal dahingestellt. Die Partei hat mit dem Vorschlag, dem Ausstieg Verfassungsrang zu geben, durchaus Erfolg gehabt – er wird auf der Grünen-BDK eine Rolle spielen und selbst von der SPD als durchaus bedenkenswert bezeichnet. Nur wird die Idee eben nicht mit der Linkspartei in Verbindung gebracht. So wie eben die ganze Atomdebatte nicht dadurch zu einer für die Linkspartei günstigen Diskurslage führt, dass sie – völlig richtig – die weitergehenden Forderungen erhebt. (Michael Jäger hat im Freitag übrigens eine sehr positive Meinung zu den Grünen – er sieht sie auf dem Weg zur Hegemonie.) Hierin liegt ja, trotz oder sogar wegen der zu erwartenden Fünf-Stunden-Kontroverse bei der BDK der Vorteil der Grünen: Ganz egal was für ein aus der Sicht der innergrünen Debatte verschwiemelter Kompromiss herauskommt, ob es ein „kaschiertes Nein“ wird oder ein „taktisches Ja“ – der große Schlagabtausch in der Berliner Messe wird für eine Aufmerksamkeit sorgen, von der die Linke mit ihren aktuellen Themen nur träumen kann. (tos)

 

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