Archive for Oktober, 2009
Lieberknecht fällt durch
0Bei der Wahl zur Thüringer Ministerpräsidentin hat die CDU-Landesvorsitzende Christine Lieberknecht am heutigen Freitag im ersten Wahlgang nicht die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Frau Lieberknecht erhilet im Erfurter Landtag 44 von 86 gültigen Stimmen. 39 Abgeordnete stimmten dagegen, drei enthielten sich. Für die absolute Mehrheit benötigt Frau Lieberknecht 45 Stimmen.
Ich hoffe, dass sich diejenigen, die sich nicht für Frau Lieberknecht ausgesprochen haben, treu bleiben und diese Regierung des Stillstandes damit verhindern können.
Im dritten Wahlgang hat es ja dann doch geklappt. Das war ja wirklich kein guter Start!
Uwe
IG BAU: GebäudereinigerInnen streiken
0Der erste Streik der GebäudereinigerInnen hat begonnen. Dabei werden in Berlin 15 Objekte bestreikt, darunter Altenheime, Forschungseinrichtungen, das Paul-Löbe-Haus und das Rathaus Schöneberg.
Ziel ist einen Tarifvertrag für die mehr als 860 000 GebäudereinigerInnen zu erreichen, der endlich schafft, Armut trotz Arbeit zu verhindern und einen Mindestlohn durchzusetzen, von den die ArbeitnehmerInnen auch leben können.
Hier ein Bericht aus der Sonderausgabe der Mitgliederzeitung der IG BAU:
“Im Gebäudereiniger-Handwerk wird gestreikt.
Ab Dienstag, 20.Oktober, stehen die Besen still. Die Gewerkschaftsmitglieder haben bei der Urabstimmung mit überwältigender Mehrheit für Streik gestimmt. Es ist der erste Arbeitskampf in der Branche überhaupt.
Die Arbeitgeber hätten es verhindern können. Aber sie haben die Tarifverhandlungen acht Monate lang blockiert und auch jetzt in der Warnstreik-Phase seit dem 1. Oktober kein neues Angebot für ihre Beschäftigten vorgelegt.
Immer wieder hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zu Verhandlungen aufgefordert. Immer wieder hat sie auf die Sorgen und Nöte der Beschäftigten hingewiesen – und auf den Zorn, der sich an der Basis aufgestaut hat. Immer mehr Arbeit und Belastung für immer weniger Geld, das ist die Erfahrung, die den Kolleginnen und Kollegen im wahrsten Sinne desWortes in den Knochen steckt.
Aber jetzt ist Schluss damit. Jetzt wird für bessere Löhne und für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Die Beschäftigten sind wild entschlossen. Der Streik ist unbefristet.
Er läuft, bis es zu einer guten Einigung kommt.”
Die Forderungen der IG BAU:
• 8,7 Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung,
• Lohnangleichung Ost anWest,
• arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge,
• Tarifverträge für Angestellte.
Warum 8,7 %?
Allein in den letzten drei Jahren haben die marktführenden Unternehmen Umsatzzuwächse bis zu zweistelligen Größenordnungen zu verzeichnen. Dabei handelt es sich sogar bei einer Reihe von Unternehmen um rein organisches Wachstum, also Umsatzsteigerungen ohne Zukäufe anderer Unternehmungen. Die Nettorendite dieser Unternehmen wird für 2008 auf rund 5 Prozent geschätzt. Es wird schlichtweg Geld verdient.
Die Beschäftigten der Gebäudereinigung haben zwar seit dem 1. Juli 2007 einen Mindestlohn, dennoch liegen sie mit ihren Einkommen im unteren Drittel der Mindestlöhne, die in der Bundesrepublik Deutschland gezahlt werden. Selbst diejenigen, die Reinigung als Vollzeitbeschäftigung ausüben, liegen mit ihrem Verdienst immer noch an der Armutsschwelle der beispielsweise für Alleinerziehende mit Kind bei 1.143 Euro liegt.
Arm trotz Arbeit kann nicht die Zukunft der Gebäudereiniger sein.
Die Internetseite der IG BAU zum Streik findet Ihr hier
Musterklage gegen Konkordatslehrstühle in Bayern: Stellungnahme der Bundesregierung
0In den neuen Mitteilungen der Humanistischen Union findet sich folgender sehr interessanter Artikel, der sich mit den sog. Konkordatslehrstühlen in Bayern befasst:
Sven Lüders
Aus: Mitteilungen Nr. 205/206 (2+3/2009), S. 43
Mit Schreiben vom 9. April 2009 hat die Bundesregierung auf eine Anfrage der EU-Kommission geantwortet, welche in den Bekenntnisvorbehalten bei der Besetzung der Lehrstühle einen Verstoß gegen die europäische Anti-Diskriminierungsrichtlinie (2000/78/EG) vermutet (s. Mitteilungen 204, S. 28). Die Gegenargumentation der Bundesregierung: Das Konkordat des Freistaats mit dem Heiligen Stuhl vom 29.3.1924, aus dem sich die Beteiligung der Kirchenvertreter bei der Besetzung der Lehrstühle ergebe, sei gegenüber den später abgeschlossenen EG-Verträgen vorrangiges Völkerrecht; dies ergebe sich aus den allgemeinen Prinzipien des Völkerrechts („pacta sunt servanda“) und der sog.
Unberührtheitsklausel in Art. 307 Abs. 1 EG-Vertrag, wonach vor dem 1. Januar 1958 abgeschlossene völkerrechtliche Vereinbarungen durch das Gemeinschaftsrecht nicht angetastet werden. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die derzeitigen Regeln zur Besetzung der Konkordatslehrstühle erst durch Gesetze von 1968 bzw.1974 eingeführt wurden, so die Bundesregierung. Analog sei der Europäischen Gemeinschaft die Kompetenz für Antidiskriminierungsfragen auch erst mit dem Vertrag von Amsterdam (1999) zugewachsen, also nach den staatskirchenrechtlichen Vereinbarungen.
Die Bundesregierung will in ihrer Stellungnahme auch keinen Widerspruch zwischen der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinie und dem deutschen Staatskirchenrecht sehen. Die im EG-Vertrag enthaltene Verpflichtung, Widersprüche zwischen völkerrechtlichen Verpflichtungen aufzulösen, wehrt sie mit Verweis auf die nationale Identität Bayerns ab: „Eine Anwendung von Art. 307 Abs. 2 EGV auf das Konkordat erscheint auch deshalb problematisch, weil die Regelungen des Konkordats grundlegend das Verhältnis des Staats zur Kirche und damit – soweit der Freistaat Bayern betroffen ist – die nationale Identität des Mitgliedstaats prägen.“ Man darf gespannt sein, wie die Kommission darauf reagiert.
Der Artikel in den Mitteilungen der HU findet sich hier
Zur Erklärung der Geschichte der Konkrodatslehrstühle findet sich unter im Blog “Konkordatslehrstuhlklage” folgende Erklärung:
Geschichte
Die Konkordatslehrstühle gehen auf den Vertrag des bayerischen Staates, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Hoheit über das Schul- und Bildungswesen erhalten hatte, mit dem „Heiligen Stuhl“ zurück. In ihm wurde u.a. festgeschrieben, dass die katholische Kirche für die Universitätslehrstühle das so genannte „Erinnerungsrecht“ besitzt, und dass die Ausbildung der Lehrer an den konfessionellen pädagogischen Hochschulen stattfindet.
Nach Gründung des Freistaats Bayern und Niederschlagung der Räterepublik wurde der Vertrag 1924 erneuert: wenigstens ein Lehrstuhl in Philosophie und Geschichte hatte an den bayerischen Universitäten konkordatär gebunden zu sein. Das Reichskonkordat, das Adolf Hitler 1933 mit der katholischen Kirche schloss, übernahm die bayerische Regelung.
Nachdem die Kulturhoheit nach 1945 wieder Ländersache wurde, wurde das Bayerische Konkordat von 1924 bestätigt. Einen Einschnitt brachte die Änderung der Bayerischen Verfassung von 1968: statt der bisherigen Konfessionsschulen wurde die Gemeinschaftsschule eingeführt. Als Kompensation für diesen Verzicht erhielt die katholische Kirche vom bayerischen Staat das Recht der Ausweitung der Konkordatslehrstühle. Die bis heute gültige Vertragsfassung von 1974 lautet (Art. 3 § 5):
„Der Staat unterhält an den Universitäten Augsburg, Erlangen-Nürnberg, München (Ludwig-Maximilians-Universität), Passau, Regensburg und Würzburg sowie an der Gesamthochschule Bamberg an einem für das erziehungswissenschaftliche Studium zuständigen Fachbereich je einen Lehrstuhl für Philosophie, für Gesellschaftswissenschaften und für Pädagogik, gegen deren Inhaber hinsichtlich ihres katholisch-kirchlichen Standpunktes keine Erinnerung zu erheben ist.“
Dem entsprechend existieren heute 21 Konkordatslehrstühle in Bayern:
* von 31 Lehrstühlen für Pädagogik sind sieben von der katholischen Kirche kontrolliert (22,6%),
* von 12 Lehrstühlen in Politikwissenschaft sind es drei (25%),
* von 12 Lehrstühlen in Soziologie sind es vier (33,3%),
* von 19 Lehrstühlen in Philosophie sind es sieben (36,8%).
Der Link findet sich hier
Kundgebung gegen Rechtsextremismus im Wedding voller Erfolg
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Mit der Kundgebung trat das neugegründete Bündnis “Bündnis Mitte gegen Rechtsextremismus” an die Öffentlichkeit. Das breite Bündnis aus Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Jugendverbänden, Parteien und Einzelpersönlichkeiten will sich in Zukunft intensiv mit rechten Entwicklungen im Mitte beschäftigen.
Dabei sollen rechtsextreme Tendenzen in Mitte aufgezeigt, Ursachen für Rechtsextremismus thematisiert und Gegenstrategien gegen Rechts entwickelt werden.
Das Bündnis findet mensch hier
Wir werden reagieren!!! Fight back!Solidarität gegen Naziterror!
0Erklärung des Coburger Aktionsbündnis gegen rechtsradikale Aktivitäten:
Wir werden reagieren!!! Fight back!Solidarität gegen Naziterror!
Morddrohung gegen Coburger Antifaschistin!
Wir werden reagieren!
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In der kleinen fränkischen Provinzstadt Coburg fand am Samstag den 10.10.2009 die Demonstration „Bücherwurm goes Antifa“ mit ca. 150 TeilnehmerInnen statt. Im Rahmen der Demo gegen den extrem rechten Verlag „Nation Europa“ wurde am Vortag ein Informationsvortrag vorgetragen, am Anschluss der Demo feierte mensch bei einem Solikonzert im örtlichen Jugendzentrum.
Klingt alles wunderbar-war es auch- was nicht so schön ist, dass die Demoanmelderin daraufhin eine Mordrohung von Nazis erhielt.
Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art – wir mussten und schon öfters Angriffen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt sehen und leider auch nicht der erste Ort. Auch in Ingolstadt und Gräfenberg kam es zu Drohbriefen von Nazis. Doch diese Dimension gab es noch nicht.
Wir lassen uns das von den Nazis nicht gefallen, die Provokationen müssen entschlossen über die Grenzen des staatlichen Antifaschismus,wenn möglich mit nötiger Militanz beantwortet werden. Die Zeit ist gekommen zurück zu schlagen….
Die Grundlage für Nationalistischen Ideologien bietet der Staat…
Wir können und wollen nicht auf Reaktionen seitens des Staates warten sondern das Ruder selbst in die Hand nehmen. Anstatt auf die Herrschenden zu Vertrauen gilt es in Selbstorganisation den Antifaschistischen Widerstand aufzubauen.
Wir müssen SELBER HANDELN!
Wir müssen Naziangriffen geschlossen entgegentreten!
Die Straße gehört uns! Nie wieder Naziterror in Coburg und anderswo! Fight back!
Wir rufen euch auf, dem Naziterror entschlossen und konsequent entgegenzutreten!
Daher kommt zur Demonstration
„Fight back – Solidarität gegen Naziterror“ am 31.10.09 um 14 Uhr in Coburg!
Sie gehören zu uns! – Wider den Optionszwang!
0Aufruf von vielen Verbänden und Organisationen gegen den Optionszwang:
Alle Deutschen dürfen mit der Vollendung des 18. Lebensjahrs wählen — und manche werden zu einer Wahl gezwungen: Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie leben als Deutsche in Deutschland. Doch im Unterschied zu ihren gleichaltrigen Landsleuten müssen sie sich für oder gegen die Staatsangehörigkeit ihres Landes entscheiden: Zehntausende junge Erwachsene fallen in den kommenden Jahren unter den Optionszwang des deutschen Staatsangehörigkeitsrechtes. Sie sind Deutsche auf Abruf — bis zum Widerruf.
Der Grund für diese unbefriedigende Situation ist der Optionszwang, der gemeinsam mit der Einführung des Geburtsortsrechtes vor zehn Jahren in das neue Staatsangehörigkeitsrecht aufgenommen wurde. Kernpunkt dieser Reform war, dass in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, wenn ein Elternteil ein Daueraufenthaltsrecht besitzt (”Ius soli” oder auch “Geburtsortsrecht”). Seither erhalten über 40.000 Kinder jährlich neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern von Geburt an auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Geburtsortsrecht verhilft dem urdemokratischen Anliegen einer weitgehenden Kongruenz zwischen Staatsvolk und dauerhaft ansässiger Bevölkerung zur Durchsetzung. Allein über die Einbürgerung wird dieses Ziel in der Praxis nicht zu erreichen sein.
Im politischen Ringen um eine Neuregelung des Staatsangehörigkeitsrechts wurde im Jahr 2000 der Optionszwang eingeführt: Kinder ausländischer Eltern sollten zwar nach dem Geburtsortsrecht die deutsche und die elterliche Staatsangehörigkeit erhalten, sich aber mit Volljährigkeit für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Das wichtige Geburtsortsrecht wurde damit eingeführt, der endgültige Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit wurde jedoch unter den Vorbehalt einer späteren Entscheidung gestellt.
In den kommenden Jahren werden Tausende, ab 2018 Zehntausende von jungen Menschen, die in Deutschland geboren, als Deutsche aufgewachsen sind und hier arbeiten, wählen und leben, von Amts wegen aufgefordert, sich für eine ihrer Staatsangehörigkeiten zu entscheiden. Die jungen Menschen empfinden diesen Vorgang nicht nur als Infragestellung ihrer Staatsangehörigkeit, sondern letztlich auch ihrer Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft.
Der bürokratische Aufwand ist enorm, komplizierte Rechtsstreitigkeiten und Gerichtsverfahren sind vorprogrammiert und das integrationspolitische Signal ist fatal: Ihr gehört nicht ganz, nicht auf Dauer und nicht so wie andere dazu, ihr seid Deutsche auf Abruf. Wir wollen und dürfen aber diese jungen Menschen mit ihren zahlreichen Talenten nicht verlieren. Weil sie zu uns gehören. Und wir zu ihnen.
Ein schneller Verzicht auf den Optionszwang würde eine ungerechte Behandlung dieser Jugendlichen beenden und ein negatives integrationspolitisches Signal verhindern. Sie sollten ebenso wie jene Jugendlichen mit doppelter Staatsangehörigkeit, die einen deutschen Elternteil haben, beide Staatsangehörigkeiten dauerhaft behalten können. Deshalb muss die Optionspflicht abgeschafft werden — und das Geburtsortsrecht bleiben.
Prof. Dr. Klaus J. Bade
Migrationsforscher Universität Osnabrück/Berlin
Marieluise Beck, MdB
ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung
Prof. Dr. Michael Bommes
Universität Osnabrück
Rainer Brückers
Vorsitzender des Bundesvorstandes der Arbeiterwohlfahrt
Annelie Buntenbach
Mitglied des geschäftsführenden DGB – Bundesvorstandes
Alfred Buß
Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Vorsitzender der Kommission für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland
Ulrich Freese
Stellvertretender Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie
Dr. h.c. Liselotte Funcke
ehemalige Ausländerbeauftragte der Bundesregierung
Prof. Dr. Georg Hansen
FernUniversität Hagen
Dr. Navid Kermani
Freier Schriftsteller und Publizist
Kenan Kolat
Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland
Klaus-Dieter K. Kottnik
Präsident des Diakonischen Werkes der EKD
Thomas Krüger
Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes
Heidi Merk
Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes
Dr. Jürgen Micksch
Vorsitzender Interkultureller Rat in Deutschland
Bettina Müller – Sidibé
Bundesvorsitzende des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften, iaf
Prälat Dr. Peter Neher
Präsident des Deutschen Caritasverbandes
Prof. Dr. Ursula Neumann
Universität Hamburg
Prof. Dr. Dieter Oberndörfer
Vorstandsvorsitzender des Arnold Bergstraesser-Instituts an der Universität Freiburg
Cornelia Schmalz – Jacobsen
ehemalige Ausländerbeauftragte der Bundesregierung
Prof. Dr. Axel Schulte
Universität Hannover
Bertold Sommer
Bundesverfassungsrichter a.D.
Prof. Dr. Rita Süssmuth
Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D.
Dr. Hans – Jochen Vogel
Bundesminister der Justiz a.D.
Weihbischof Dr. Josef Voß (Münster)
Vorsitzender der Migrationskommission (XIV) der Deutschen Bischofskonferenz
Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein
Universität Bielefeld
Dr. Gualtiero Zambonini
Beauftragter für Integration und kulturelle Vielfalt, Westdeutscher Rundfunk
Die Internetseite findet sich hier
Leserbrief zu JU-Angriffen gegen die Antifa-Demo in Coburg
0Leserbrief für das Coburger Tageblatt aufgrund eines Artikels über Aussagen des JU-Kreisvorsitzenden von Coburg-Stadt:
Zu „Das ist Volksverhetzung gegen Deutsche!“
Stellungnahme des JU-Kreisvorsitzenden Kurt Knoch zur Demo vom Samstag,
Coburger Tageblatt vom 14.10.09
Mit großer Sorge beobachten wir seit vielen Jahren die ständige Entwicklung einiger Mitglieder der Jungen Union immer weiter in die nationalistische und rechte politische Ecke. Einer davon ist der Vorsitzende des Kreisverbandes Coburg-Stadt, Herr Kurt Knoch. Mit seinen Äußerungen hat er deutlich gezeigt, dass es ihm nicht mehr gelingt, seine vorhandene Abneigung gegen alles, was politisch links ist, mit einer sauberen politischen Argumentation vorzutragen. Es ist schon ziemlich peinlich, wenn ein Funktionär einer demokratischen Jugendorganisation mit Aussagen der NPD: „Das ist Volksverhetzung gegen Deutsche“ argumentiert. In den letzten Jahren ist genau diese Aussage zu einem Standardargument der NPD-Funktionäre geworden, wenn sie gegen Minderheiten, interkulturelle Zusammenarbeit und eine großzügigere Asylregelung für die Europäische Union hetzen. Wenn dann eine solche Argumentation wortgleich von Herrn Knoch übernommen wird, ist das ein politisches Armutszeugnis – leider für die gesamte Junge Union in Coburg.
Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei den überwiegend jungen Menschen der Demonstration bedanken, dass sie in Coburg so ein sichtbares Zeichen gegen den menschenverachtenden Verlag „Nation und Europa“ gesetzt haben. Neofaschismus kann man nur überwinden, wenn Menschen den Mut finden, Gesicht zu zeigen und auf die Straße zu gehen und für eine offene und interkulturelle Gesellschaft zu streiten. Die Demonstration war geprägt vor allem von jungen Menschen aus der Antifa und leider wenigen Bürgerinnen und Bürgern aus den anderen demokratischen Parteien. Das finden wir schade. Jedoch wollen wir eindeutig feststellen, dass die Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer für alle Coburger Bürgerinnen und Bürger auf die Straße gegangen sind, da ein weltoffenes, interkulturell geprägtes und gegenüber allen Lebensweisen, Anschauungen und Religionen tolerantes Coburg nur möglich ist, wenn Nazi-Propaganda bei den Menschen nicht fruchtet. Faschismus ist für uns keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Spätestens nachdem die Anmelderin der Demonstration einen anonymen Drohbrief erhalten hat, zeigt sich, wie wichtig solche Demonstrationen gegen den braunen Sumpf, den es leider auch in einer Stadt wie Coburg gibt, sind. Wir sprechen ausdrücklich unsere Solidarität mit der Anmelderin und den Aktiven des CArA-Bündnisses aus. Wir fühlen uns betroffen, dass Menschen, die Demokratie leben, solchen Angriffen ausgesetzt werden.
Herr Knoch hat insofern Recht, als die schwarzen Fahnen vor allem auch das Symbol anarchistischer oder anarcho-syndikalistischer Bewegungen in vielen Ländern der Erde sind. Wir können jedoch Herrn Knoch nur empfehlen, sich einmal mit der Geschichte des Anarchismus zu beschäftigen. So waren es zum Beispiel anarcho-syndikalistische Bewegungen, die im Spanischen Bürgerkrieg die Republik gegen die Franco-Diktatur verteidigten und zu vielen tausenden ihr Leben für die Demokratie verloren. Es waren die Anarchisten, die sowohl von stalinistischen als auch von rechts-konservativen und faschistischen Diktaturen – und zwar überall auf der Welt – wegen ihrer Freiheitsliebe und ihres Einsatzes für eine konsequente Umsetzung einer libertären, freiheitlichen Grundordnung, ihr Leben verloren. Wir sind keine Anarchisten, wir haben jedoch vor der Geschichte und der Theorie des Anarchismus großen Respekt und verwahren uns auf das Schärfste gegen jede Gleichsetzung von Menschen mit anarchistischem Hintergrund und Faschisten.
Sehr geehrter Herr Knoch, als die politischen Vorväter und Vormütter der anarchistischen Bewegung gegen den Kaiser agitierten und für Demokratie eintraten, waren es Ihre politischen Vordenker, die sich vor dem Kaiser noch verbeugten. Als die Anarchistinnen und Anarchisten zu tausenden in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten eingesperrt, gefoltert und getötet wurden, war es die Mehrheit der Anhänger Ihrer Vorgängerparteien, die da bereits schon „Heil Hitler“ riefen oder sich mit den vorhandenen politischen Zuständen arrangierten. Aus diesem Grund, bitte erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren, bevor sie solche Unverschämtheiten von sich geben.
Wir sind beide seit vielen Jahren politisch aktiv. Uwe Hiksch früher in der SPD, Dr. Martina Tiedens in verschiedenen gesellschaftlichen Bewegungen. Innerhalb der SPD gab es seit ihrer Gründung immer Marxistinnen und Marxisten –noch in den 80er Jahren waren etwa 200 000 Mitglieder der SPD bekennende Marxisten. Sie haben die große Vision einer gerechten Gesellschaft, verbunden mit einer Umgestaltung der Wirtschaft und Ökonomie hin zu einer gesellschaftlich dienenden Funktion, immer ernst genommen – und haben übrigens gegen den erbitterten Widerstand der CDU/CSU für mehr Demokratie in Bayern und Deutschland gestritten. Wenn heute Menschen, die sich als Marxisten bezeichnen, bereits schon als Extremisten bezeichnet werden, halten wir das für eine politische Entgleisung, die von uns nicht akzeptiert wird.
Wir bitten Herrn Knoch, doch bitte dafür zu sorgen, dass solche Vermengungen von NPD-Parolen von einem Funktionär einer demokratischen Jugendorganisation nicht mehr vorkommen. Deshalb bitten wir Sie, halten Sie einmal inne, prüfen sie einmal Ihre eigene politische Grundlage und distanzieren Sie sich von NPD-Propaganda.
Berlin und Coburg, 15.10.09,
Uwe Hiksch, DIE LINKE,
Dr. Martina Tiedens, DIE LINKE
Nach Antifa-Demo in Coburg: Drohung gegen Anmelderin
0Pressemitteilung von CArA:
Seit über 2 Jahren existiert in Coburg das Coburger Aktionsbündnis gegen rechtsradikale
Aktivitäten (CArA). In CArA engagieren sich Jugendliche aus Coburg und der Umgebung gegen
rechtsextreme Umtriebe in und um Coburg.
In diesem Kontext fand am vergangenen Samstag eine Demonstration gegen den rechtsextremen
Verlag „Nation Europa“ statt. Trotz regnerischem Wetter war die Demonstration sehr gut besucht.
Bereits in der Vergangenheit versuchten lokale Neonazis aus dem Umfeld der „Coburger Runde“,
der NPD und des Verlags „Nation Europa“ einzelne Mitglieder von CArA einzuschüchtern. Bislang
hat CArA diese Einschüchterungsversuche stets ignoriert.
Aufgrund der von CArA organisierten Demonstration gegen „Nation Europa“, intensivierten
örtliche Neonazis ihre Aktionen gegen CArA. Bereits nach Anmeldung der Demonstration erreichte
die Anmelderin ein Brief, vermutlich aus dem Dunstkreis von „Nation Europa“.
Nach der erfolgreich verlaufenen Demonstration beließ man es allerdings nicht mehr bei Briefen an
Mitglieder von CArA. Abends wurden mehrere Teilnehmer eines Konzerts gegen Naziaktivitäten in
Coburg aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug gezielt mit Böllern attackiert. Glücklicherweise gab es
bei diesem Angriff keine Verletzten.
In der örtlichen Naziszene will man es dabei offenbar nicht dabei belassen. Am Montag erhielt die
Anmelderin der Demonstration einen anonymen Brief, in dem ihr mit „dem Schlimmsten“ gedroht
wird. In Verbindung mit einem nebenstehenden Grabkreuz kann dies nur als Morddrohung gewertet
werden.
In den letzten Jahren wurde die rechtsextreme Szene in Coburg von den politisch Verantwortlichen
in Coburg und der Polizei totgeschwiegen. Auch diese Morddrohung wurde seitens der Coburger
Polizei nicht ernst genommen und die Betroffene zunächst mehrmals vertröstet. Nach aktuellem
Stand hat der Coburger Staatsschutz noch keine Ermittlungen aufgenommen, obwohl die
Empfängerin bereits am Montag danach ersuchte.
Die beiden letzten Vorfälle zeigen eindeutig, dass in Coburg eine nicht zu unterschätzende und
gewaltbereite rechtsextreme Szene im Umfeld des Verlags „Nation Europa“, der „Coburger Runde“
und der NPD existiert. Spätestens nach diesen Vorfällen kann dies kein politisch Verantwortlicher in
Coburg mehr totschweigen und verharmlosen.
Durch diese Vorfälle lässt sich CArA in keinster Weise entmutigen gegen rechtsextreme Aktivitäten
in der Region vorzugehen. Wieder einmal sehen wir, dass es wichtig ist kontinuierlich gegen Nazis
aktiv zu sein. In Zukunft werden wir unsere Aktivitäten verstärken und in Coburg ein breites
Bündnis gegen Rechtsextremismus auf den Weg bringen. Wir fordern alle auf, sich gegen
rechtsextremen Tendenzen vehement zu wehren!
Für das Coburger Aktionsbündnis gegen rechtsradikale Aktivitäten:
Homepage: http://cara.blogsport.de/
Rassismus und Antisemitismus bekämpfen! – Kundgebung am 17. Oktober
0Kundgebung am 17. Oktober
Rassismus und Antisemitismus bekämpfen!
Nach widerlichen Artikeln auf Nazi-Portalen über den Wedding und wiederholten gewalttätigen Übergriffen, unter anderen am 19.09.2009 am Leopoldplatz und am U-Bhf. Rehberge, soll auf diese Probleme lautstark hingewiesen werden.
Im Kampf gegen Rechts wird meistens nur über Verbote gesprochen, wir wollen aber auch, dass sich nachhaltig und präventiv mit dem Problem auseinandergesetzt wird. Die beste Prävention gegen rassistisches Gedankengut ist eine lebhafte und demokratische Zivilgesellschaft.
Wir müssen den Rechten aber auch direkt auf der Straße Paroli bieten. Überall wo Rechtsextreme mit Aufmärschen ihren Rassismus in die Öffentlichkeit tragen wollen, werden wir als Bürger gegen die Rechten demonstrieren und lokale Bündnisse gegen Rechts unterstützen. Es ist wichtig, dass sich viele Menschen an Anti-Nazi Demonstrationen beteiligen, damit Nazis nicht ungehindert marschieren können. Wir werden Aufmärsche behindern und blockieren!
Deshalb rufen wir alle Mitbürger und Mitbürgerinnen auf, die fremdenfeindliche, rechtsextremistische, antisemitische und rassistische Äußerungen und Gewalttaten sowie menschenverachtende Hetze, Terror und Mordtaten der Faschisten nicht länger dulden wollen, auf:
dem Bündnis Mitte gegen Rechtsextremismus beizutreten.
Deswegen treffen wir uns am
17.10.2009 ab 12:30
auf dem Rathausvorplatz vor dem Rathaus Wedding an der Müllerstraße (U-Bahnhof Leopoldplatz)
zu einer KUNDGEBUNG.
Wir wollen stimmgewaltig und entschlossen den Kampf gegen die Nazis aufnehmen.
Als Gastredner freuen wir uns auf
- Prof. Hajo Funke, FU-Berlin
Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte
Dr. Delal Atmaca, Migrationsrat Berlin Brandenburg e. V.
Die Kundgebung wird von einem musikalischen Rahmenprogramm begleitet:
Daad (Hip Hop)
Wir, ein Bündnis gegen Rechtsextremismus in Mitte, befinden uns zur Zeit in der Gründung. Kommt deshalb zur Kundgebung, vernetzt euch mit uns und zeigt Flagge gegen die Nazis! Wir alle tragen Verantwortung für eine tolerante Gesellschaft.
Das Bündnis gegen Rechtsextremismus in Mitte findet ihr hier
Interessante Antwort auf meinen Artikel in der Jungen Welt
0Im Blog “Lafontaines Linke” wurde ein interessanter Artikel als Antwort auf den Artikel von mir in der Jungen Welt vom 09.10.2009 geschrieben.
Hier der Link zum Artikel:“Warnender Zeigefinger” im Blog “Lafontaines Linke”
Der Artikel in der Jungen Welt findet ihr hier