Gestern Abend fand in Berlin die seit vielen Jahren größte Räumung eines besetzen Hauses statt.
In Berlin Mitte wurde das Haus in der Brunnenstraße 183 von 600 Polizisten geräumt.

Die bisherigen Bewohner_innen wollen vor Gericht ziehen. Die Polizei habe Mietverträge und Meldeanschriften ignoriert, teilten sie am Mittwoch mit. Das linksalternative Wohnprojekt war mit einem unvorstellbaren Großaufgebot von 600 Beamten aufgelöst worden.

Im Blog der Brunnenstr. 183 steht:

“Die BRUNNEN 183…. ein kreativer Freiraum in Gefahr

Viele nichtkommerzielle, linke (Wohn-) Projekte haben in den letzten Jahren schon dran glauben müssen, haben einer auschliesslich nach Geld und Prestige strebenden Stadtumstrukturierung Platz machen müssen, sind Immobilienspekulation zum Opfer gefallen oder wurden durch Illegalisierung ausgespielt…… Auch in Mitte sind mehrere Projekte betroffen, die Linie206, der Schokoladen und ganz akut die Brunnen183.

Die Nachbarschaft sich in den letzten Jahren zunehmend verändert. Der Kiez um den Rosenthaler Platz ist immer mehr zum Vergnügungspark für Yuppies geworden, und diejenigen die nicht mithalten wollen oder können beim stylischen Getue der ewig Jungen und Schönen, sind schon lange größtenteils aus der Gegend gewichen. Nun sollen auch wir den Weg frei machen für einen gewinnorientierten Investor.

Wir, also die Brunnen183, das heißt, ein seit 16 Jahren existierendes politisches Kunst-, Sozial- und Wohnprojekt, das zu Hause von 35 Menschen aus 16 verschiedenen Ländern der Erde im Alter von 17 bis 81 Jahren. Seit 7 Jahren befindet sich hier der Umsonstladen und drüber hinaus ist das Haus Sitz des “Informationsladens 3.Welt e.V.” sowie des Kunstfördervereins “open heads e.V.”.

Die Brunnen183 ist eines der wenigen berliner Projekte mit künstlerischem Schwerpunkt, das nie versucht hat und auch nie Interesse daran hatte, sich zu kommerzialisieren. Ein Ort, an dem Kunst immer noch den Anspruch hat, eine politische Ausdrucksform zu sein. In dem Kunst als geistiger Freiraum empfunden wird, welcher es möglich macht, von der gesellschaftlich-kapitalistischen Norm abweichende Bedürfnisse und Ideen auszudrücken und mitzuteilen.

Darüberhinaus versteht sich die Brunnen183 als Raum in dem mensch frei von (hetero-)sexistischen, rassistisch-faschistischen, verwertungsideologischen, fremdkontrollierten, und normativen Zwängen leben, arbeiten, sich entfalten kann.
Auch Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und der damit verbundenen Marginalisierung sonst in der Gesellschaft schwer Anschluss finden leben und partizipieren hier.

Wir sind offen für neue Menschen und Ideen und hoffen auf viel Unterstützung auf den verschiedensten Ebenen!

Wir lassen uns nicht vertreiben!!
Die Häuser denen die drin leben!
Freiräume schaffen und verteidigen!”

weiter wird im Blog ausgeführt:

“Situation
Warum sollen wir gehen ?
…die Geschichte des Hauses:

Wie viele andere Häuser stand die Brunnen183 nach dem Mauerfall leer, und wurde wie viele andere Häuser besetzt von Menschen, die einfach nicht einsehen wollten, dass so viel Wohnraum ungenutzt bleibt während sie selbst keine ausreichende Wohnmöglichkeit hatten.

Nach kurzer Zeit stellte sich eine Erbengemeinschaft als Besitzerin des Hauses heraus. Mit dieser wurden Abkommen getroffen, die BewohnerInnen fingen an Miete zu bezahlen. Das Haus wurde von den BewohnerInnen lange Jahre selbst verwaltet und in Stand gehalten. Im Jahr 2003 wurde das Haus an eine Immobilienfirma verkauft, welche weiterhin Mieten entgegennahm, die BewohnerInnen jedoch zum Auszug bewegen wollte. Lange wurde verhandelt, es gab einen Runden Tisch unter Beteiligung von Bezirkspolitikern, dieser blieb jedoch ergebnislos. Als die Immobilienfirma dann pleite ging, sollte das Haus versteigert werden, die BewohnerInnen erstellten einen Finanzierungsplan, hatten die Summe für die Anzahlung bereit. Einen Tag vor der angesetzten Versteigerung jedoch wurde das Haus von einem gewissen Dr. Kronawitter aus Passau verkauft.

Da keine/r der BewohnerInnen einen schriftlichen Mietvertrag vorzuweisen hatte, versuchte der neue Besitzer zunächst räumen zu lassen, die Polizei lehnte aber ab, da keine richterliche Weisung vorlag. Daraufhin überzog Kronawitter die BewohnerInnen mit Räumungsklagen und schikanösen Anzeigen wegen allerlei Nichtigkeiten. Ausserdem versuchte er uns den Spaß an unserem Leben im Haus zu verderben in dem er uns immer wieder “besuchte”, in unsere Räume eindrang, unsere Türschlösser rausreißen lies und im August 2007 eine polizeiliche “Personalienfeststellung” veranlasste, bei der 600 Polizisten das Haus stürmten, alles abfilmten, teilweise durchsuchten und die grösstenteils ohnehin schon bekannten Personalien der 31 anwesenden BewohnerInnen und Gäste aufnahmen.

Nachdem diese Aktion die von ihm gewünschte Räumung auch nicht begründete wurde Kronawitter klar, dass er mit solchen Mitteln nicht weiterkommt, woraufhin durch Mithilfe der Bezirkspolitik, an einem runden Tisch folgender Kompromiss erarbeitet werden konnte:

„Kronawitter kauft ein gleichwertiges Grundstück vom Berzirk und verkauft uns
BewohnerInnen die Brunnen183 zum Selbstkostenpreis.„

Nach langem Suchen fand sich endlich ein geeignetes Grundstück in der Ackerstrasse 29, dieses gehört jedoch nicht dem Bezirk sondern dem Senat und dieser ist nicht an einer politischen Lösung des Problems interessiert, sondern möchte meistbietend …verkaufen.

Laut neustem BVV-Beschluss soll das Grundstück bevorzugt mit Wohnraum bebaut werden Arhitektenbüros werde ausdrücklich abgelehnt, der Firma Joop wurde inzwischen ein anderes Grundstück angeboten, so dass es nun gilt der Forderung nach einer Vergabe des Grundstücks in der Ackerstr.29 an Kronawitter und damit dem langfristigen Erhalt des Hausprojekts Brunnen183 und des Umsonstladens, in vielfältiger Weise Nachdruck zu verleihen.


Wir fordern den Senat auf, Rücksicht auf die Bedürfnisse der BewohnerInnen und NutzerInnen der Brunnen 183 zu nehmen und dazu beizutragen, einen der letzten bunten, nicht von Kommerz geprägten Flecken der Gegend zu erhalten!!!!!

Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. In den nächsten Wochen ist zu hoffen, dass die Bewohner_innen mit ihren Klagen vor Gericht erfolg haben werden.