Berlin, 28. April 2010 – Es sieht so aus, als sei der Stab über Griechenland gebrochen. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde massiv herabgestuft, weiteren Wackelkandidaten droht ein ähnliches Schicksal. Der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller kritisiert die mangelnde demokratische Legitimierung der Ratingagenturen, die ganze Nationen auf ökonomische Kennzahlen reduzieren, ohne soziale und ökologische Kriterien zu berücksichtigen.

Es ist unglaublich, dass einige Gelddealer ein ganzes Land in den Abgrund stürzen können, indem sie den Daumen heben – oder senken. Ohne jede demokratische Kontrolle spielen sich drei Ratingagenturen, zwei in New York und eine am Finanzplatz London, auf als die Herren der Welt. Ihr Maßstab ist nicht etwa das Wohl einer Nation, sondern es sind ökonomische Kennzahlen und die Gewinne der Spekulanten.

Dass die Weltwirtschaft nicht in Ordnung kommt, solange die Politik diesen Hexenmeistern freien Lauf lässt, ist kein Wunder. Ohne Frage gab und gibt es in Griechenland zweifelhafte Privilegien und offenkundige Fehlentwicklungen. Doch sich jetzt als „dicker Maxe“ gegenüber Griechenland aufzuspielen, ohne das fragwürdige Finanzsystem als eigentliche Ursache nicht zu sehen, ist völlig inakzeptabel. Ein deutliches Warnsignal sind die jüngsten Rekordgewinne der Deutschen Bank.

Der Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands fordert die Bundeskanzlerin auf, gegenüber den Spekulanten jetzt genau die Härte zu zeigen, die gegenüber Griechenland und anderen in Schieflage geratenen EU-Staaten scheinbar selbstverständlich ist.

Die Finanzspekulationen müssen verboten und die Ratingagenturen endlich entmachtet werden. Auch in der Finanzwelt müssen ökologische und soziale Kriterien gelten. Die alleinige Reduzierung auf die Ökonomie stürzt die Welt ins Unheil.