Archive for August, 2010

Aufruf : Kundgebung für die durch Thilo Sarrazin Diskriminierten, Stigmatisierten und Kriminalisierten!

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Protest gegen Sarrazin-Pamphlet!

(ergänzend zu: http://rechtspopulismusstoppen.blogsport.de/2010/08/25/pm-kein-podium-fuer-geistigebrandstifter-
im-haus-der-bundespressekonferenz/
):

Ort: vor dem Haus der Bundespressekonferenz
Zeit: 30. August 2010, 10.00 Uhr
Grund: Pressekonferenz mit Buchvorstellung von Thilo Sarrazin

„Nicht Proteste verschaffen dem Buch Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen, sondern diese waren schon vorher garantiert!

Warum?

Weil sie breit vorhandene Vorurteile und Ressentiments bedienen und diese mit Hilfe pseudowissenschaftlicher Statistiken/ Zahlen untermauern helfen.

Rassismus lässt sich in allen Parteien sowie Strukturen finden und Alltagsrassismus ist kein Einzelphänomen. Zusammen mit dem institutionellen Rassismus bilden sie den idealen Nährboden für
optimale Verkaufserfolge.“

Wir fordern:

Rassismus und Sozialdarwinismus darf nicht weiter hinter einer „Meinungsfreiheitsdebatte“ versteckt werden!

Schätzungsweise 6% unserer Bevölkerung sollen als Sündenböcke für ein angebliches „Aussterben der Deutschen“ sowie für Fehlentwicklungen in diesem Land herhalten und zugleich für ihre soziale Situation selbst verantwortlich gemacht werden. Das ist eine bewusste Verkehrung der gesellschaftlichen Realität im Land. Dabei ist das „Problem“ Sarrazin nur die Spitze eines Eisberges. Viele fühlen sich offenbar nach dem Motto ermutigt: „Endlich spricht mal einer die Wahrheit aus“ oder „Alles ist durch Meinungsfreiheit abgedeckt“. Sie meinen so, ihre Ressentiments und Vorurteile äußern und ausleben zu können. Die scheinbare Unfähigkeit und Tatenlosigkeit einiger verantwortlicher Politiker_innen gegenüber Sarrazins verbalen Entgleisungen in den letzten Jahren, eingeschlossen jene Politiker_innen, die dazu in der rechten „Jungen Freiheit“ referieren, dürfte eine der Ursachen für diese Ermutigung sein.

Auch einige von denjenigen, die sich heute am lautesten über Sarrazin aufregen, sind selber für Sozialabbau, Armut, Ausgrenzung und fehlende Chancengleichheit mit verantwortlich oder haben das unterstützt. Ihre Unmutsbezeugungen gegen Sarrazin erscheinen so lange als unglaubwürdig, wie sie nur als Ablenkung vom eigenen Versagen wahrgenommen werden.

Wir sind nicht nur der Meinung, dass nur die Form und Ausdrucksweise von Thilo Sarrazins Äußerungen bzw. Veröffentlichungen schlechthin menschenverachtend und diskriminierend sind. Wir sind der Meinung, dass sie zugleich eine Mischung von statistisch verbrämten Halbwahrheiten, Vorurteilen, Unterstellungen und unzulässigen Verallgemeinerungen darstellen, charakteristisch für Rechtspopulismus.
Weder das Haus der Bundespressekonferenz noch das Internationale Literaturfestival (ILF) sollten sich dem Namen und dem Selbstverständnis nach als Podium für pseudowissenschaftlich begründete rassistische und sozialdarwinistische Werke hergeben. Wer die „wirklichen Rechten sind, die dieses Thema sonst übernehmen könnten“ und vor denen Necla Kelek (Moderatorin der Buchpräsentation am Montag) warnt, bleibt genauso offen, wie die Frage, wie Sarrazins „genetisch minderwertige und unnütze“ Muslim_innen seine Forderung nach mehr Verantwortungsübernahme erfüllen sollen, die sie erkannt zu
haben glaubt(ZDF heute, 26. 08.2010). Auch eine auf öffentlichen Druck erfolgte nachträgliche Legitimierung der Buchpräsentation beim ILF über die Erweiterung des Podiums um eine(n) Kritiker_in
klingt kaum glaubhaft. Ohne Distanzierung diskreditiert jedenfalls die Anwesenheit Sarrazins eine Reihe namhafter Autor_innen. Eine Aufwertung von Sarrazins Pamphlet dürfte ohnehin bereits erreicht sein.
Wir wollen nicht nur über Thilo Sarrazin reden oder ihm mit dem Finger drohen – wie andere seit Jahren ohne Konsequenzen zu ziehen – wir handeln! Anders als Thilo Sarrazin und andere rassistische Hetzer
nennen wir das eigentliche Problem beim Namen – es ist rassistische Ausgrenzung von Minderheiten!

Wir gehen auf die Straße!

Für ein gemeinsames und gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen unabhängig von konstruierten Merkmalen wie Herkunft, Religion, sozialem Status oder der Lebensweise!

Gegen Rassist_innen, Rechtspopulist_innen und Nazis! Wehret den Anfängen!

Für Aufenthaltserlaubnis für den politischen Flüchtling und Menschenrechtler Salomon Wantchoucou!

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Initiative Togo Action Plus
Flüchtlingsinitiative Möhlau

SAMMELVORFÜHRUNGEN STOPPEN !

Protestiert/ protestieren Sie gegen die Sammelvorführung
von Flüchtlingen zur Abfertigung mit Papieren aus Benin

am 26.08.2010 um 9.30 Uhr
Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin (Ausländerbehörde)
Friedrich Krause-Ufer 24, 13353 Berlin!

Für Aufenthaltserlaubnis für den politischen Flüchtling und Menschenrechtler Salomon Wantchoucou!

Die zuständige Behörde Wittenberg (Sachsen-Anhalt) für den Beniner Flüchtling Wantchoucou hat informiert, dass 11 Menschen inklusive Wantchoucou zum fünften Mal zu einer “Sammelvorführung Benin verpflichtet werden sollen.
Salomon Wantchoucou ist ein Opfer eines politischen Attentats in der Republik Benin, ein Kritiker von Korruption und schlechter Regierungsführung in Benin.

http://thecaravan.org/node/2238

http://bongouvernement.blogspot.com/, Politik in Benin
http://www.ludwigstrasse37.de/nolager/material_benin.htm

Wantchoucou berichtet, er sei von der Behörde in Wittenberg mit psychologischen Drohungen und Einschüchterungen konfrontiert worden. Er hatte seit seiner Zuweisung in das Flüchtlingslager Möhlau vor zwei Jahren die “Flüchtlingsinitiative Möhlau Wittenberg” mitgegründet.

Eine Aufenthaltserlaubnis von deutschen Behörden erhielt er nicht, ungeachtet seiner politischen kritischen Tätigkeit und der Versagung von Staatsangehörigkeitsrechten in Benin.

Er musste sein Herkunftsland verlassen wegen mehrerer missglückter Attentate auf sein Leben. Trotz der Beweise von der Verletzung seines Oberarms durch Einschüsse, im Jahr 2001, wurde ihm von deutscher Seite kein politisches Asylrecht eingeräumt. Im Gegenteil wurde er mehrmals zur Kooperation mit der Beniner Botschaft genötigt, so zur Präsenz bei der Botschaft in Bonn. Ein “Sprachtest zur Identitätsfeststellung” wurde außerdem in 2009 angeordnet. Sogar eine Anordnung zu einer nigerianischen Botschaftsvorführung war erfolgt.
Wir protestieren gegen die neuerliche Sammelvorführung von Flüchtlingen vor einer Behörde zum Zweck der “Identitätsfeststellung” und schnellen Abfertigung mit Pässen, um sie nach Benin abschieben zu können, eine zwielichtige Praktik bei Umgehung der gesetzlichen Vorschriften zur Gewährung von Asyl oder Aufenthaltsrecht!
Legen Sie Protest ein! Seid am 26. August anwesend vor dem Landesamt!

Initiative Togo Action Plus, togoactionplus.wordpress.com

NaturFreunde Deutschlands: Achtung Weißwäscher!

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Zur Initiative 2°– Deutsche Unternehmer für Klimaschutz

Berlin, 20. August – Der ehrenwerte Michael Otto hat die Initiative 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz gegründet. Niemand streitet das ehrliche Bemühen des Vorstandsvorsitzenden der Otto-Gruppe ab, sich für mehr Umwelt- und Naturschutz zu engagieren. Er hat schon viele lobenswerte Initiativen gestartet.

Und es ist sicher auch gut in einer Zeit, in der die Bundesregierung den Klimaschutz begraben hat und vom Umweltminister trotz der weltweiten Wetterextreme nichts zu hören ist, dass es einen Impuls gerade aus der Wirtschaft gibt. Aber er muss auch glaubwürdig sein. Und das sind viele der Unterzeichner und manche der Aussagen nicht.

Das Zwei-Grad-Ziel, das immer schwerer zu erreichen ist, bedeutet ein Versagen, denn es schreibt große Erdregionen bereits ab. Die Aussagen der Klimawissenschaft stehen seit 1987 fest, wäre gleich und konsequent gehandelt worden, hätte die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius begrenzt werden können. Große Teile Lateinamerikas, Asien, Afrikas und die pazifischen Inselstaaten wären von Katastrophen, von Überschwemmungen, Hitzewellen und Tornados, verschont worden.

Schwerwiegender aber ist, dass zu den Unterzeichnern der Erklärung Unternehmer gehören, die jede ökologische Wende blockieren. So zum Beispiel die Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, Tuomo Hatakka, und EnBW, Hans-Peter Villis, die für die Atomkraft eintreten und im Aufruf ein neues Denken verlangen. Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?

Die Unterzeichner setzen sich für mehr Effizienz ein und wollen schnell die Kohlenstoffabspeicherungstechnologien, die zu massiven Effizienzverlusten führen und ökologisch höchst problematisch sind. Es ist alles widersprüchlich und deshalb auch nicht überzeugend.

NaturFreunde Sachsen unterstützen die Initiative „Pro Weltnaturerbe Sächsisch-Böhmische Schweiz“

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NaturFreunde Sachsen unterstützen die Initiative „Pro Weltnaturerbe Sächsisch-Böhmische Schweiz“ am 11.09.2010

Am 11.09.2010 findet zum 5. Mal die Wanderung der Initiative „Pro Weltnaturerbe Sächsisch-Böhmische Schweiz“ statt. Mit dieser Veranstaltung wird die Aufnahme des Elbsandsteingebirges beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze zum Weltnaturerbe unterstützt werden. Ein Anliegen, welches die NaturFreunde Sachsen e.V. unterstützen. Die Elbe mit ihrer einzigartigen Flusslandschaft und das Elbsandsteingebirge mit den wundervollen großflächigen Tafelbergen und Schluchten stellt ein Stück unberührte Natur dar. Das obere Elbtal muss in seiner einzigartigen Form auch künftigen Generationen erhalten bleiben und darf nicht durch weitere Elbestaustufen zerstört werden. Gerade die Ereignisse in der ersten Augustwoche dieses Jahres mit Dammbruch am Witka-Stausee und dem Überlaufen der Spreetalsperre in Bautzen haben gezeigt, dass die Natur sich gegen menschliche Bauwut zu wehren weiß. Der Mensch steht heute vor der Alternative: Immer mehr haben auf Kosten der Natur und künftiger Generationen oder ein Ende des Wachstums zu akzeptieren und dafür in Einklang mit der Natur zu leben und künftigen Generationen ein Welterbe hinterlassen. Vergangene Generationen haben es uns vorgemacht: Menschen, Forst- und Landwirtschaft haben so gelebt und gearbeitet, dass Landschaft und Natur in einem hohen, schützenswertem Maß erhalten worden sind.

Tilmann Schwenke
(Landesvorsitzender und
Stv. Bundesvorsitzender)

NaturFreunde: Es geht nicht nur um Energiepolitik, es geht um Interessen

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Klar ist: Es geht nicht nur um Energiepolitik, es geht um Interessen, Taktik und Macht – NaturFreunde sehen Gefahren für die Demokratie

Berlin, 16. August 2010 – Der britische Sozialwissenschaftler Colin Crouch sieht die Demokratie in einem zunehmend kritischen Zustand. Im Schatten politischer Inszenierungen, die tagtäglich die Zeitungen füllen, wird die reale Politik immer mehr zu einem fragwürdigen Aushandlungsprozess, begleitet von öffentlichem Getöse, Drohungen und vermeintlichen Helden- oder Schurkenrollen. Dem Ideal der politischen Gleichheit wird mehr und mehr der Boden entzogen. Die Aussagen der vier großen Stromkonzerne, die alle als öffentliche Konzerne begonnen haben, sind ein Beispiel dafür.

Ein Beispiel für den Verfall der Demokratie ist die Auseinandersetzung in der schwarz-gelben Bundesregierung um die Atomenergie und die Rolle der Atomwirtschaft, die ideologisch und real vielfältig mit Union und FDP verflochten ist. Große Teile des Regierungslagers sind nicht frei, ihnen fehlt jede Unabhängigkeit, um die zentrale Zukunftsfrage der Neuordnung der Energieversorgung auch sachgerecht entscheiden zu können. Und die Chefs der Atomwirtschaft verstellen die Wirklichkeit mit einseitigen Behauptungen, die ihren kurzfristigen Interessen entsprechen, nicht aber einer vorausschauenden und vorsorgenden Energiepolitik. Die Folge ist ein einzigartiges, ja abschreckendes Theater, das schon lange nichts mehr zu tun hat mit den Herausforderungen, um die es eigentlich gehen sollte.

Der Ausgangspunkt war 2001 der Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung, der auch von den großen Unternehmen begrüßt worden ist. Er hat einen harten innenpolitischen Streit beendet, auch weil die Umweltverbände einen Kompromiss akzeptiert haben, der weit hinter ihren Forderungen zurückgeblieben war. Und die Behauptung vieler Vertreter von CDU/CSU und FDP, dass nun die Lichter ausgingen, hat sich als unsinnig erwiesen. Im Gegenteil: Die erneuerbaren Energien haben einen einzigartigen Aufschwung genommen und sind heute das Markenzeichen deutscher Innovationspolitik. Bei Einsparen und Effizienzsteigerung sind die Maßnahmen allerdings deutlich hinter dem zurückgeblieben was möglich wäre.

Heute geht es um Taktik. Um sich ein grünes Mäntelchen anzuziehen, was bei dem offensichtlich überforderten Koalitionspartner FDP auch nachvollziehbar ist, aber die politische Begründung und das Vorgehen keinesfalls entschuldigt, versucht ein Teil der Union, ohne dass es dafür eine inhaltliche Klärungsdebatte in der Partei gegeben hat, einen ökologischen Salto zu schlagen. Es wird vernebelt, um was es allen – ganz egal ob Bundesminister Röttgen oder den Ministerpräsidenten Mappus oder Seehofer – in der Union geht: die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke.

Dem konservativen und wirtschaftsnahen Teil in der schwarz-gelben Koalition, der immer noch die Mehrheit stellt, geht bereits das rhetorische Wendemanöver zu weit. Vor allem die zuständigen Verantwortlichen für Energie und Wirtschaft kennen nur eins: Atomkraftwerke sollen laufen bis die Schrauben rosten. Das nennen sie billige Energie, Versorgungssicherheit und Brückentechnologie.

Diese Machtauseinandersetzung und die taktischen Manöver des Regierungslagers verunsichern sogar die Atomwirtschaft, die mit dem Regierungswechsel goldige Zeiten angebrochen sah, nicht aber neue Belastungen. Seriöse Verhandlungspartner sind sie schon lange nicht mehr, denn 2001 hatten sie den Ausstiegbeschluss noch mit großen Worten begrüßt und die Einhaltung des Vertrages geschworen. Doch es geht vor allem um Geld, nicht um Energiepolitik. Was früher war, zählt nicht mehr. Neue Mehrheiten, neues Spiel. Aber sie machen die Rechnung ohne die Bevölkerung, die nicht nur von den windigen Manövern abgeschreckt ist, sondern auch nach wie vor mit klarer Mehrheit den Ausstieg will.

Die Folge ist ein immer dickerer Knoten politischer Unfähigkeit und moralischer Beliebigkeit. Und das in einer Zeit, in der grundlegende Reformen notwendig sind. Reformen, die eine seriöse Politik und verlässliche Partner erfordern, aber keine Machttaktik, die nur kurzfristige Interessen kennt.

Jetzt spitzt sich der Streit zu: Starke Kräfte in Union und FDP wollen weit mehr als eine Verlängerung um acht Jahre, der den Zustand vor dem Atomausstieg wiederherstellen würde. Sie wollen, wie die Atombetreiber, die Gelddruckmaschine abgeschriebener Atomkraftwerke, auch um sich selbst zu bedienen. Nicht von ungefähr fordern die vier großen Atomkonzerne in erster Linie, dass die ganz alten Kraftwerke länger laufen. Diese abgeschriebenen Mühlen bringen nämlich die höchsten Gewinne.

Atomwirtschaft und große Teile der Politik wollen ein Paket knüpfen, das nichts mehr mit energiepolitischen Notwendigkeiten und auch nichts mit den Innovationschancen der neuen Energietechniken zu tun hat, wohl aber mit einer ideologischen und ökonomischen Verantwortungslosigkeit zu Lasten von Sicherheit und Innovationen.

In der heutigen BILD-Zeitung begründen die vier Chefs der Atombetreiber – RWE-Chef Jürgen Großmann, e.on-Chef Johannes Teyssen, Vattenfall-Vorstand Tuamo Hatakka und EnBW-Sprecher Peter Villis – ihren Kurs des Vergessens. Es ist ein Dokument der Innovationsfeindlichkeit von Unternehmen, die fester Bestandteil einer blinden Ökonomie der Kurzfristigkeit sind.

Teyssen behauptet, die Atomkraft sei für den Klimaschutz und eine leistungsfähige Wirtschaft notwendig. Er verschweigt, dass die Experten-Kommission des Deutschen Bundestages in umfangreichen Studien nachgewiesen hat, dass nur der Umbau, nicht das Festhalten an den überkommenen Strukturen der Verbundwirtschaft Klimaschutz und Innovationsstärke der deutschen Wirtschaft möglich machen. Auch die Behauptung der sichersten Atomkraftwerke ist deshalb fragwürdig, weil Deutschland nicht einen durchgängigen Atomkrafttyp hat, sondern auf unterschiedliche Technologien gesetzt hat. Aber zum Beispiel haben einige AKWs kein hinreichendes Containment.

Großmann verschweigt, dass der deutsche Exportrenner die erneuerbaren Energien sind. 34 Staaten der Erde nutzen heute Atomstrom, über 75 jedoch erneuerbare Energie, mehr als zwei Drittel davon nach deutschem Vorbild. Das ist die Zukunft und hier muss Deutschland aufpassen, dass wir die führende Position nicht verlieren, denn andere Länder holen massiv auf. Und die erneuerbaren Energien mussten stets gegen den Widerstand der großen Atombetreiber, die immer wieder dagegen geklagt haben, durchgesetzt werden. Auch die Behauptung vom preiswerten Atomstrom ist fragwürdig, denn warum liegt der Strompreis in den beiden Atomländern Bayern und Baden-Württemberg höher als in den meisten anderen Bundesländern.

Villis behauptet – was eine Binsenweisheit ist – die Welt hätte sich in den letzten 10 Jahren verändert. Dann nennt er aber nur Beispiele, die eigentlich einen schnelleren Umbau in eine dezentrale effiziente und erneuerbare Versorgung begründen. Und die Aussage, der Klimaschutz hätte heute eine ganz andere Dimension ist falsch, denn seit 1987 liegen die Erwärmungsszenarien vor, die der 4. Sachstands­bericht des Weltklimarates bestätigt hat.

Hatakka ignoriert die zahlreichen Studien, dass nicht die Atomkraft, sondern die Effizienzrevolution und der Umstieg die CO2-Reduktionsziele ermöglichen. Atomkraftwerke kommen im günstigsten Fall gerade mal auf einen Wirkungsgrad von 35 Prozent. Lesen die Herren nichts oder verschweigen die einfach die Fakten?

Teyssen behauptet, dass in vielen Ländern baugleiche Atomkraftwerke gegenwärtig 60 Jahre laufen. Pardon, aber die gesamte Geschichte der nuklearen Stromerzeugung ist nicht einmal 60 Jahre alt. Im Schnitt waren bisher abgeschaltete AKWs nicht einmal 30 Jahre am Netz.

Großmann erwähnt zu Recht, dass die erneuerbaren Energien eine gesetzliche Vorrangstellung haben. Die ist aber nur dann zu halten, wenn es zu einer verbesserten Netzinfrastruktur kommt, was gerade die großen Konzerne erschweren.

Und überhaupt machen die Herren die Rechnung ohne die notwendigen Nachrüstungen, die aber bei einer Laufzeitverlängerung unbedingt notwendig werden. Die alten Mailer – zum Beispiel in Biblis – gehören schon lange abgeschaltet.

Die NaturFreunde Deutschlands haben die Anti-Atom-Demo am 18. September in Berlin angemeldet. Sie muss zu einem deutlichen Signal nicht nur gegen die Atomkraft, sondern auch gegen den verantwortungslosen Umgang mit der Demokratie werden. Das ist das, was Colin Crouch zur Selbstbehauptung der Demokratie fordert.

zu den NaturFreunden geht es hier
zur Anti-Atom-Demo geht es hier

NaturFreunde Sachsen unterstützen das Bündnis für ein Mobilitätsticket in Sachsen

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Immer mehr Menschen werden in Sachsen vom gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben ausgegrenzt. Es trifft dabei Menschen mit und ohne Arbeit, alt und jung, vor allem aber Alleinerziehende.

Es ist ein Widerspruch, wenn einerseits dem Bürger längere Fahrten zu seinem Arbeitsplatz zugemutet werden, viele sich aber die Fahrten zur Arbeit wegen ihres geringen Einkommens nicht leisten können. Ebenso müssen Sozialhilfeempfänger, Rentner u.a. wegen der Kreisgebietsreform immer längere Fahrten zu den entsprechenden Behörden in Kauf nehmen. Die Preise des öffentlichen Nahverkehrs passen sich aber leider nicht den geringen Einkommen an. Als Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt da häufig nur das eigene Auto, welches meist auch nicht gerade umweltfreundlich fährt. Die Naturfreunde Sachsen unterstützen deshalb das Anliegen:

Wer an der Gesellschaft teilhaben will, muss auch hinkommen können.

Durch das Mobilitätsticket sollen gerade Einkommensschwache mit öffentlichen Verkehrsmitteln das regionale Oberzentrum erreichen. Ein Anliegen, welches sowohl dem Umweltschutz als auch der sozialen Gerechtigkeit dient. Ein entsprechendes monatliches Ticket soll nicht mehr als 16,00 € kosten. Genau der Satz, den die Regelsatzverordnung zu „Hartz IV“ vorsieht. Der Freistaat Sachsen und die Zweckverbände sind aufgefordert, sich mit Übernahme der Finanzierung von regionalen Mobilitätstickets ihrer sozialen Verantwortung gegenüber großen Teilen der Gesellschaft zu stellen. Im Land Brandenburg gibt es zum Beispiel schon ein landesweites Sozialticket.

Tilmann Schwenke
(Landesvorsitzender und
Stv. Bundesvorsitzender)

FIAN begrüßt die Anerkennung des Rechts auf Wasser und fordert schnelle Umsetzung

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FIAN fordert Einklagbarkeit des Rechts auf Wasser

Die Menschenrechtsorganisation FIAN begrüßt die Anerkennung des Rechts auf Wasser und sanitäre Grundversorgung auf Initiative Boliviens durch die UN-Vollversammlung am Mittwochabend in New York. Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 2,6 Milliarden keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

„Die Anerkennung des Rechts auf Wasser ist ein wichtiges Signal für die UN-Mitgliedsstaaten. Mit der Verabschiedung der Resolution sind sie dazu verpflichtet, den ärmeren Ländern bei der Gewährleistung des Rechts auf Wasser für alle Menschen zu beizustehen. Doch weitere Schritte wie vor allem die Umsetzung des Rechts auf Wasser in die nationale Gesetzgebung der einzelnen Staaten sind notwendig,” betont Tim Engel, Vorstandsmitglied von FIAN Deutschland.

Neben den Staaten müssen aber auch die Privatunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden. In Guatemala beispielsweise verseucht das kanadische Unternehmen Goldcorp Inc. durch die Goldmine Marlin das Wasser von 18 umliegenden indigenen Gemeinden mit Schwermetallen und verbraucht nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde.

„Es ist sehr bezeichnend und ein Skandal, dass sich Länder wie die Vereinigten Staaten und Kanada bei der Resolution Boliviens enthalten haben. Denn gerade diese sind mit ihren Unternehmen an vielen Menschenrechtsverletzungen aktiv beteiligt. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen, doch auch Kanada darf in einem solchen Fall nicht tatenlos zusehen”, fordert Sebastian Rötters, Bergbau-Referent von FIAN-Deutschland.

Die Aufnahme des Rechts auf Wasser in die Menschenrechtserklärung ist von hoher symbolischer Bedeutung. Einklagbar ist dieses Recht jedoch – noch – nicht. FIAN setzt sich dafür ein, dass das Recht auf Wasser ebenso wie alle weiteren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte völkerrechtlich verbindlich und damit einklagbar werden. „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich für die Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte einzusetzen. Wenn das Menschenrecht auf Nahrung oder Wasser verletzt wird, müssen die Betroffenen die Möglichkeit haben, dieses Recht einzuklagen” stellt Tim Engel heraus.

FIAN: Gold um jeden Preis – Streit um größte Goldmine Guatemalas eskaliert

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Kanadisches Unternehmen widersetzt sich Anordnungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission – Bergbaugegnerin von Unbekannten niedergeschossen

Mit großer Sorge beobachtet die Menschenrechtsorganisation FIAN die sich zuspitzende Lage in der Umgebung der Marlin-Goldmine in Guatemala. Die Mine ist seit ihrer Errichtung äußerst umstritten, weil die Rechte der dort lebenden indigenen Bevölkerung nicht respektiert werden. Vorläufiger trauriger Höhepunkt ist das Attentat auf Diodora Antonia Hernández Cinto, eine führende Vertreterin der Bewegung gegen die Marlin-Mine. Sie wurde am 7. Juli 2010 in ihrem Haus von Unbekannten niedergeschossen. Eine weitere Gewalteskalation ist nicht auszuschließen. FIAN hat daher eine internationale Briefaktion gestartet.

Seit dem 20. Mai 2010 hatten die indigenen Gemeinschaften von Sipakapa und San Miguel Ixtahuacán nach langem Kampf gegen das Bergbauprojekt Marlin wieder Hoffnung geschöpft. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH, Comisión Interamericana de Derechos Humanos) hatte einstweilige Verfügungen zugunsten des Lebens und der persönlichen Unversehrtheit der Gemeinschaften erlassen und den Stopp der Bergbauaktivitäten des kanadischen Unternehmens Goldcorp Inc. in der Marlin-Mine angeordnet. Am 23. Juni 2010 erklärte die Regierung Guatemalas, dass sie die von der CIDH erlassenen Maßnahmen umsetzen werde. Jedoch hat der kanadische Konzern verkündet, dass er den Goldabbau in Marlin nicht stoppen werde. Seitdem sind einige Wochen vergangen und die Umsetzung des Versprechens der Regierung steht noch aus.

Der Staat Guatemala hat die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte der indigenen Völker ratifiziert und damit anerkannt, dass alle Projekte, die sich auf das Leben und das Gebiet von indigenen Gemeinschaften auswirken, nur mit freier und informierter Zustimmung der indigenen Völker umgesetzt werden dürfen. 2010 haben der UN-Sonderberichterstatter für indigene Völker, James Anaya, sowie das Expertenkomitee der ILO festgestellt, dass die Regierung die Lizenz für die Marlin-Mine ohne eine solche Zustimmung erteilt hatte. Bei einer Befragung am 18. Juni 2005 hatten 97 Prozent der BewohnerInnen von Sipakapa das Marlin-Projekt abgelehnt.

Die Menschenrechtsverletzungen durch das Marlin-Projekt sind eindeutig. Besonders gravierend sind die Verschmutzung und der Verbrauch des von den Gemeinschaften verwendeten Wassers. Das Unternehmen benötigt nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde. Monitoring-Untersuchungen der Comisión Paz y Ecología (Friedens- und Umweltkommission) der Diözese von San Marcos haben ergeben, dass die Mine das Wasser der Flüsse mit Schwermetallen verunreinigt. Nach einer jüngst von der Universität von Michigan veröffentlichten Studie wurden in Blut- und Urinproben, die bei einigen Bewohnern aus der unmittelbaren Umgebung der Marlin-Mine genommen worden sind, toxische Metalle gefunden.

„Die Arbeit der Mine muss sofort eingestellt werden. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Anordungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission umgehend umzusetzen und so die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen”, fordert Martin Wolpold-Bosien, Zentralamerika-Referent von FIAN.

Zweifelhafte Geschäftsgebaren im Zeichen von Freiheit und Abenteuer

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Europas größte Outdoor-Messe: Branche in der Kritik

Die Hersteller von Outdoor-Funktionskleidung können sich freuen: Kaum eine andere Branche hat in den vergangenen Jahren trotz Wirtschaftskrise derart starke Zuwachsraten erzielt. Markenunternehmen wie The North Face, Schöffel oder Tatonka stehen für das Erleben der Natur, für die Sehnsucht nach fremden Ländern, für Freiheit und Abenteuer.

Das Image der Outdoor-Unternehmen ist entsprechend positiv besetzt. Zu Unrecht, wie jetzt die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign / CCC) feststellt.

Die Kampagne hat in den vergangenen Monaten Selbstbild und tatsächliches Geschäftsgebaren von 15 international tätigen Unternehmen der Outdoor-Bekleidungsbranche eingehend untersucht. Mit ernüchternden Resultaten. So trifft etwa der in Deutschland ansässige Hersteller Schöffel, wie auch andere VertreterInnen der Branche, keinerlei Vorkehrungen für eine Mitbestimmung von ArbeiterInnen in Produktionsländern, in denen Gewerkschaftsfreiheit nicht existiert. Wieder andere Unternehmen verzichten gänzlich darauf, sich für die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten bei der Herstellung ihrer Produkte zu engagieren. Löhne, die für ein Leben in Würde nicht ausreichen, verzeichnet die Kampagne für Saubere Kleidung ebenso wie im Fall des schwedischen Herstellers Fjällräven fehlende Obergrenzen für Überstunden, wodurch exzessiver Mehrarbeit in den Fertigungsstätten Tür und Tor geöffnet ist.

„Image und Realität der Outdoor-Branche klaffen zum Teil schmerzhaft auseinander“, bringt Kirsten Clodius die Ergebnisse der Untersuchung auf den Punkt. „Statt nachhaltiger sozialer Entwicklung wird allzu oft nachhaltige Ausbeutung praktiziert.“ Für die Referentin der Christlichen Initiative Romero (CIR), einer der TrägerInnen der Kampagne für Saubere Kleidung, ist es deshalb erfreulich, dass der deutsche Outdoor-Riese Jack Wolfskin sich künftig stärker um würdige Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette bemühen möchte: Jack Wolfskin hat Anfang Juli seinen Beitritt zur Fair Wear Foundation erklärt, einer Multi-
Stakeholder-Initiative, die sich für eine effektive Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt. „Dass sich ein Unternehmen wie Jack Wolfskin einem der am weitesten reichenden Verhaltenskodizes auf dem Markt verpflichtet, wird Signalcharakter für die Branche haben“, ist sich Clodius sicher.

Allein, bei solchen Schritten einzelner, wenngleich wichtiger Unternehmen soll es nach dem Willen von Berndt Hinzmann nicht bleiben: „Die gesamte Branche steht in der Pflicht. Alle Hersteller von Outdoor-Bekleidung sind aufgefordert, ihrer sozialen Verantwortung endlich in ausreichender Weise gerecht zu werden, Fairness zu entdecken und die entsprechende Herausforderungen anzugehen“, erklärt der Sprecher des INKOTA-netzwerk e.V., ebenfalls Kampagne für Saubere Kleidung.

„Grundlegende Arbeitsstandards im weltweiten Zulieferernetz müssen endlich umfassend umgesetzt und durch unabhängige externe Institutionen wirksam kontrolliert werden.“ Nur auf diese Weise, so Hinzmann und Clodius, könne sichergestellt werden, dass zwischen Image und Realität der Outdoor-Branche nicht länger mehr eine Lücke klaffe, die einen Skandal darstelle.

Die Kampagne für Saubere Kleidung hatte im vergangenen Jahr erstmalig Selbstbild und Realität der Outdoor-Bekleidungshersteller in einer eigenen Untersuchung überprüft.

Erfreulich für die Kampagne: In diesem Jahr präsentierten sich die Unternehmen der Branche transparenter als bei der Befragung 2009. Die aktuelle Studie wurde vor dem Hintergrund der vom 15. bis zum 18. Juli in Friedrichshafen stattgefundenen „OutDoor“ veröffentlicht, der größten Outdoor-Messe Europas.

www.saubere-kleidung.de

NaturFreunde: Röttgen ist abgetaucht im Katastrophensommer

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Berlin, 11. August 2010 – Es ist der Sommer der Naturkatastrophen. Täglich sehen wir den Aufstand der Natur: Überschwemmungen, brennende Böden, apokalyptische Landschaften. Doch warum ist von Norbert Röttgen und seinem Umweltministerium nichts zu hören, fragt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller. Er müsste endlich die politische Führung übernehmen und offensiv für vorbeugenden Hochwasserschutz und mehr Klimaschutz kämpfen.

„Angesichts der ökologischen Alarmsignale darf es einfach nicht sein, dass man vom Umweltminister nichts hört. Gerade er müsste doch eigentlich Position beziehen. Stattdessen nervt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle die Öffentlichkeit mit abwegigen Vorschlägen. Die eigentlichen Herausforderungen werden von der Bundesregierung nicht angesprochen“, so Michael Müller.

Die Auseinandersetzungen um Macht und Strategie in der Union scheinen auch die Kraft von Herrn Röttgen zu binden. Deutlicher als unter der schwarz-gelben Bundesregierung war der Widerspruch zwischen großem Anspruch und ernüchternder Wirklichkeit noch nie.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern den Bundesumweltminister auf, endlich die politische Führung zu übernehmen und offensiv für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Und wo bleibt eine klare Aussage von Herrn Röttgen zum Hochwasserschutz? Federführend ist auch dafür der Bundesumweltminister verantwortlich.

Heute rächt sich die Bremserrolle vieler Bundesländer nach dem „Jahrhunderthochwasser“ im Jahr 2002. Damals waren Bayern, Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hamburg von schweren Überschwemmungen betroffen. Für die Beseitigung der Schäden mussten weit mehr als acht Milliarden Euro bereitgestellt werden.

Die Bundesregierung stellte damals einen Fünf-Punkte-Plan auf, der gegen künftige Hochwasser besser vorbeugen sollte. Die Neufassung des Hochwasserschutzgesetzes basierte auf wissenschaftlichen Befürchtungen, dass künftig häufigerer und stärkerer Hochwasser auftreten werden. Denn der fortschreitende Klimawandel wird in immer kürzeren Abständen zu Extremereignissen führen.

Doch viele Bundesländer blockten nach dem „Jahrhunderthochwasser“ weitergehende Maßnahmen ab. Sie verhielten sich damals kurzsichtig, aus heutiger Sicht sogar verantwortungslos. Denn der damalige Gesetzesentwurf wurde von ihnen so zusammen gestutzt, dass vom eigentlichen Ziel der Vorsorge nur noch wenig übrig blieb. Tatsächlich haben die Bundesländer eine Mitschuld, dass Menschen in Not geraten sind.

Auch das Bundesland Sachsen, für das damals Staatsminister Tillich verhandelte, war einer der Bremser. Heute aber fordert er als sächsischer Ministerpräsident Finanzhilfen vom Bund. Und wieder ist vom Bundesumweltminister nichts zu hören.

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