Doppelveranstaltung: ‘s brent! Faschismus, Widerstand und Gedenkpolitik in Litauen und Deutschland

Erste Veranstaltung: Holocaust und Widerstand. Donnerstag, 1. September, 18.30 Uhr, Ort der Information (Holocaust-Mahnmal), Berlin
Christoph Dieckmann (Historiker, Keele/Großbritannien) schildert die Vorgeschichte des Holocaust in Litauen, dessen weitere Etappen und stellt die Rolle der Besatzer wie der litauischen Kollaborateure vor.
Fania Brantsovskaya (Vilnius) berichtet vom Leben im Ghetto, ihrer Zeit in der jüdischen Partisaneneinheit “Rächer” und über ihre heutige Arbeit.
Zweite Veranstaltung: “Vernebelung” des Holocaust. Samstag, 3.
September, 17 Uhr, Ort der Information (Holocaust-Mahnmal), Berlin
Dovid Katz (Jiddisch-Professor, Vilnius/Yale) ist profunder Kenner der litauischen Geschichtspolitik und benennt zahlreiche Beispiele für die “Vernebelung” (obfuscation) des Holocaust.
Gerd Wiegel (Politikwissenschaftler, Berlin) berichtet über aktuelle Auseinandersetzungen in der deutschen Gedenk- und Erinnerungspolitik.
Zur Veranstaltung:
Im heutigen Litauen herrscht Schweigen, wenn es um den Holocaust und den Anteil litauischer Kollaborateure geht. Erinnert wird vordringlich an die sowjetische Besetzung des Landes . Antisowjetische “Freiheitskämpfer” werden trotz ihrer Verstrickungen in den Holocaust als Nationalhelden gefeiert, Hakenkreuze feiern als “Kulturgut”
fröhliche Urständ, während Sowjetsymbole verboten sind.
Wer sich an die herrschenden Sprachregelungen bzw. Sprachverbote nicht hält, wird als Nestbeschmutzer diffamiert. Ehemalige jüdische Partisaninnen und Partisanen (darunter auch die Referentin Fania
Brantsovskaya) werden von Medien und Justiz als (mögliche) “Kriegsverbrecher” dargestellt.
Tendenzen zur Umdeutung der Geschichte gibt es freilich auch in der deutschen Gedenkpolitik: Die Relativierung des Faschismus als einer Diktatur unter vielen. Aus dem Volk der Täter soll ein Volk von Opfern und mutigen Widerstandskämpfern werden.
Die Veranstaltung ‘s brent will die deutsche Verantwortung für den Holocaust in Litauen wie auch die Rolle der litauischen Komplizen aufzeigen, aber ebenso den bewaffneten Widerstand jüdischer Partisaneneinheiten. Sie versteht sich als Beitrag gegen die “Weißwaschung der Täter” (Dovid Katz).
Weitere Informationen auf dem Veranstaltungs-Flyer http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/wp/wp-content/uploads/2011/07/veranst_sbrent_flyer.pdf
und der Homepage des Bildungswerks
http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/wp/
Freundliche Grüße
Frank Brendle
Bildungswerk für Friedensarbeit der DFG-VK Berlin-Brandenburg