NaturFreunde Deutschlands fordern von der Bundesregierung eine finanzielle Unterstützung der Gedenkstätte für ermordete Roma

Berlin, 11. Juli 2012 – Anlässlich der Erklärung des tschechischen Premiers Nečas, dass der tschechische Staat kein Geld habe, um die Schweinefarm in Lety, die sich direkt neben der Gedenkstätte für die ermordeten Roma befindet, zugunsten einer würdevollen Entwicklung der Roma-Gedenkstätte zu kaufen, erklären die Mitglieder des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands, Uwe Hiksch und Tilman Schwenke: „Es ist eine Schande, dass Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus in den mittel- und osteuropäischen Staaten, aber auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, aus Geldmangel verfallen oder in einem unwürdigen Zustand sind. Die Bundesregierung verweigert bisher eine angemessene Beteiligung an der Finanzierung dieser Gedenkstätten.“

 

Jüngstes Beispiel sei die Diskussion in der Tschechischen Republik um die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Lety bei Písek. In dem von den Nazis als „Zigeunerlager Lety“ bezeichneten Konzentrationslager waren von 1939 bis 1945 als “asozial” Eingestufte interniert. Unter ihnen befanden sich viele Roma, die zu menschenverachtender Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen wurden. In Lety waren bis zum Mai 1943 insgesamt 1308 Roma inhaftiert. 327 von ihnen starben dort an den Folgen von Unterernährung und Zwangsarbeit; mehr als 500 wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

In Lety ist unmittelbar neben der Gedenkstätte für die Ermordung der Roma eine Schweinefarm entstanden, die nur durch eine Reihe Bäume von der Gedenkstätte getrennt ist. Seit vielen Jahren fordern die Vertreter der Roma-Gemeinschaften, dass die Regierung den Schweinemastbetrieb verlagert, um ein würdevolles Andenken an die Ermordeten zu ermöglichen. Die tschechische Regierung lehnt dies jedoch mit der Begründung, hierfür kein Geld zu haben, ab.

 

Mehr als 700.000 Angehörige der Roma- und Sinti-Gemeinschaften wurden durch den deutschen Faschismus ermordet. Wenn heute die wenigen Gedenkstätten, die an diese systematische Ermordung der Roma und Sinti erinnern, nicht erhalten und unterstützt würden, sei dies völlig inakzeptabel.

 

„Es ist die Aufgabe der deutschen Bundesregierung mitzuhelfen, dass in den ehemaligen Konzentrationslagern würdevolle Gedenkstätten geschaffen und erhalten werden können“, sagt Uwe Hiksch. Die NaturFreunde Deutschlands erwarteten deshalb von der Politik, dass sie im Bundeshaushalt hierfür mehr Mittel vorsehe, um die Erinnerungskultur an die systematische Ermordung von Menschen durch die Faschisten zu erhalten und weiterzuentwickeln.

 

Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung und die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien auf,

 

  • sich endlich der Verantwortung für die Erhaltung der KZ-Gedenkstätten in Mittel- und Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu stellen;
  • gemeinsam mit der tschechischen Regierung ein Finanzierungskonzept zu entwickeln, um die Verlagerung des Schweinemastbetriebes in Lety zu ermöglichen;
  • einen Sonderfonds zur Erhaltung und Weiterentwicklung der KZ-Gedenkstätten in mittel- und Osteuropa zu beschließen.

 

Die NaturFreunde werden nicht akzeptieren, dass sich die deutsche Bundesregierung ihrer Verantwortung für die Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus in den mittel- und osteuropäischen Staaten entzieht.