München/Nürnberg,  21. Oktober 2013

naturfreunde haende geschnittenDer Landesverband Bayern der NaturFreunde Deutschlands spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen die Bewerbung um die olympischen Winterspiele 2022 durch die Stadt München mit den weiteren oberbayerischen Austragungsorten aus.

Die bayerischen NaturFreunde halten olympische Winterspiele in der Landeshauptstadt und in den bayerischen Alpen aus ökologischen, finanziellen und sozialen Gründen im Zusammenhang mit der sittenwidrigen Vertragsgestaltung des IOC für unverantwortlich.

Die NaturFreunde kritisieren in erster Linie,  dass die Winterspiele weder „grün“ noch „nachhaltig“ sind und es  trotz aller Bemühungen auch gar nicht sein können. Ob in München, Garmisch, oder den Landkreisen Berchtesgaden und Traunstein – nirgends werden sie einem solchen Anspruch gerecht. Vor allem die Garantie von absoluter Schneesicherheit um jeden Preis, die das IOC verlangt, widerspricht jeglichen Grundsätzen von Nachhaltigkeit. Durch die niedrige Lage der bayerischen Skigebiete – z.B. die Kandahar-Pisten bei Garmisch auf 1700 bis 700 m NHN – kann schon heute der Skibetrieb nur durch massive Beschneiungsanlagen aufrechterhalten werden. Schneekanonen mit gewaltigen Beschneiungbecken, bei denen das Wasser vorweg gekühlt werden muss, sind das Symbol eines schonungslosen Umgangs mit der Natur. Da der nicht mehr zu leugnende Klimawandel voranschreitet und zudem die Langlaufdisziplinen in Tallagen stattfinden, kann die Schneesicherheit nur durch weitere technische Aufrüstung erreicht werden.

Auch kann unsere oberbayerische Landschaft die Aufblähung mit immer mehr Wettbewerben und den dazu gehörigen Flächenverbrauch nicht verkraften. Die vorgesehenen temporären Anlagen schränken eine dauerhafte Verbauung zwar ein, weil sie nach Durchführung der Spiele wieder abgebrochen werden, verschlingen dafür aber viele Millionen von Euro. Als besonderen Skandal betrachten die bayerischen NaturFreunde das Vorhaben, anstatt die moderne Eislaufhalle in Inzell zu nutzen, in München eine eigene temporäre Halle zu errichten sowie den Olympiasee wegen einer Halfpipe auf dem Olympiaberg temporär zuzuschütten. Für diesen Wahnsinn ist die Landeshauptstadt bereit, schwere Eingriffe in den Münchener Olympiapark vorzunehmen, wodurch diese beliebte Freizeitoase für viele Jahre der Münchener Bevölkerung entzogen wird.

Untragbar ist, dass sich die Ausrichterorte ohne Wenn und Aber dem Diktat des IOC fügen müssen; sogar nachträgliche zusätzliche Anforderungen sind bedingungslos zu erfüllen.

Außerdem muss  eine unbegrenzte Verlustgarantie übernommen werden. Bis jetzt sind noch alle Ausrichterorte auf einem Schuldenberg sitzengeblieben, den sie noch Jahre später abzahlen – mit Steuergeldern. Für ein Megaereignis von 17 Tagen werden erhebliche finanzielle Mittel gebunden, die für soziale Aufgaben fehlen, für die sich gerade die NaturFreunde stark machen. Außerdem bewirken olympische Spiele steigende Mieten und steigende allgemeine Lebenshaltungskosten, was vor allem schwächere, ärmere und jüngere Mitbürger schwer belastet.

Die Abstimmungsbenachrichtigung der Stadt München, verbunden mit einer Begründung und einem Werbefaltblatt ohne jedes kritische Wort, informiert einseitig und verschweigt wesentliche Fakten. Es wäre ein Gebot der Fairness gewesen, ein Beiblatt mit pro und contra beizulegen. Wer die Gegenargumente kennt, muss die Bewerbung zwingend ablehnen.

Und die viel gepriesenen hohen Ideale von olympischen Spielen – sie bleiben auf der Strecke, sind längst überwuchert vom Kommerz, beherrscht vom IOC , einem der größten privatwirtschaftlich finanzierten Unternehmen der Welt, das u.a. von Dow Chemical, dem Produzenten von „Agent Orange“ in Vietnam, von Mc.Donald’s und Coca-Cola gesponsert  wird. „Die Alpen sind viel zu wertvoll für solche kommerziellen Showveranstaltungen“, so der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Michael Müller.