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„Rassenhygiene“, „Euthanasie“ und die so genannten „Asozialen“: Hintergrunddiskussion zu vergessenen Opfer-Gruppen unter dem Stigma „asozial“

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Der Gedenktag jährt sich 2013 zum 17. Mal.

„Rassenhygiene“, „Euthanasie“ und die so genannten „Asozialen“
Hintergrunddiskussion zu vergessenen Opfer-Gruppen unter dem Stigma „asozial“

„Minderwertig“,„Unnütz“, „Unangepasst“, „Unwert“, „Abweichend“, „Asozial“ waren nur einige der stigmatisierenden und kriminalisierenden Zuschreibungen zur Ausgrenzung von Menschen bzw. ganzen Personengruppen, die in der Zeit des Naziregimes Verfolgung, Deportation, Zwangssterilisation, Zwangsarbeit und nicht selten auch das Todesurteil bedeuten konnten. Mehr als 10.000 Menschen, darunter Wohnungslose, Bettler_innen, Empfänger_innen von Sozialleistungen, Sinti und Roma, Jüdinnen und Juden, politisch Verfolgte, Schwule und Lesben, Prostituierte, Menschen mit vermeintlichen „Behinderungen“, Suchtkranke sowie z.T. ihre Familienangehörigen etc. waren davon betroffen.
Nur wenige wurden nach 1945 rehabilitiert, entschädigt und als Opfer der Nazis anerkannt sowie eine Aufarbeitung als so genanntes „NS-spezifisches“ Unrecht verweigert. Doch wird Unrecht zu Recht, nur weil Menschen wegen rassistischer und sozial ausgrenzender Denk- und Argumentationsmuster sowie Gesetze bzw. Gesetzesvorhaben schon vor der Vernichtungsabsicht durch die Nazis oder danach weiter diskriminiert, kriminalisiert und verfolgt wurden? Welche Einstellungs- und Denkmuster führten zu Naziverbrechen? Welche Kontinuitäten und Brüche sowie Folgen für die Betroffenen gab und gibt es von 1945 bis heute?
……
Das politische Handeln ist lange an Entschädigungs-, Erinnerungs- und Gedenkabwehr ausgerichtet und bewusst u.a. über Finanzierungsvorbehalte sowie so genannte „Sachzwänge“ verhindert bzw. behindert worden.

Veranstaltung am:

So. 27. Januar 2013 um 11 Uhr im Haus der Demokratie
Robert-Havemann Saal, Greifswalder Str. 4 in 10405 Berlin-Prenzlauer Berg
(ÖPNV: Bus 200, Tram M4 Am, Friedrichshain, S-Bahn Alexander Platz)

mit
Dr. Susanne Doetz (Medizinhistorikerin)

Frau Margret Hamm; AG Bund der “Euthanasie”-Geschädigten und Zwangssterilisierten (AG BEZ)

Frau Ilse Heinrich, “Asoziale” deportiert ins KZ Ravensbrück

Amaro Drom e.V. N.N. (angefragt)

Dirk Stegemann …AK Marginalisierte- gestern und heute

Moderation: Dr. Petra Fuchs (Erziehungswissenschaftlerin)

Kontakt: L. Eberhardt 0176 965 03 573, lebgut@web.de, www.marginalisierte.de

Hier der Link zum Herunterladen des Veranstaltungs-Flyers:
http://oberndorfgedenken.de/Gedenkveranstaltung27.Januar.pdf

Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute: Mangelndes politisches Interesse an Aufarbeitung

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Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute
www.marginalisierte.de
http://bewegung.taz.de/organisationen/ak-marginalisierte-gestern-und-heute/ueber-uns

Pressemitteilung: „Mangelndes politisches Interesse an Aufarbeitung“

Recherche: Naziverbrechen im Arbeits- und Bewahrungshaus Berlin-Rummelsburg – Zwangssterilisierungen

„Die Rechercheergebnisse aus den Archiven des ehemaligen Erbgesundheitsgerichtes zu Zwangssterilisierungen auf Antrag des Leiters sowie Anstaltsarztes des Arbeits- und Bewahrungshauses Rummelsburg stehen erneut für das Versagen bei und Desinteresse bundes- und landespolitischer Institutionen an der Aufarbeitung von Naziverbrechen an den als „asozial“ stigmatisierten Menschen. Um so scheinheiliger ist es von der herrschenden Politik, sich in Bezug auf die kaum vorhandene Aufarbeitung dieser Naziverbrechen auf den geringen Forschungsstand oder angeblich fehlende Nachweise und Unterlagen zu berufen, ohne dabei auf die eigentliche Ursache, die eigene Untätigkeit, hinzuweisen“ erklärt der Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“. Der AK weiter:

Im Zuge der ersten Recherchen in Archiven wie dem des Erbgesundheitsgerichtes konnten bisher 209 Anträge auf Zwangssterilisierung zwischen 1934 und 1944 direkt durch das ehemalige Arbeitshaus Rummelsburg gefunden werden. Davon wurden in diesem Zeitraum 120 „Unfruchtbarmachungen“ angeordnet und nachweislich durchgeführt sowie lediglich 45 Anträge abgelehnt. Bei 42 weiteren Beschlüssen zur Zwangssterilisierung fehlen bisher die Belege zur anschließenden Umsetzung durch beauftragte Ärzte. Zu 2 eröffneten Verfahren fehlten die Unterlagen komplett. Betroffen waren sowohl Wohnungslose, Bettler_innen und „Landstreicher_innen“, wie auch Homosexuelle, sogenannte „Verhaltensauffällige“ oder „Unangepasste“, Prostituierte, Suchtkranke und vereinzelt jüdische Menschen sowie Sinti und Roma, die als erblich bedingte „Gefahr“ und „Ballastexistenzen“ für den „gesunden deutschen Volkskörper“ konstruiert wurden. Ca. Zweidrittel der Betroffenen waren weiblich und das Altersspekrum reichte insgesamt von Minderjährigen (ab 15 Jahre) bis ca. 55 Jahre.

Der Großteil der Anträge und Zwangssterilisierungen fällt auf die Jahre 1934 bis 1937. Als Begründung für die Verbrechen wurde häufig „leichter“ bzw. „angeborener Schwachsinn“ im Kontext mit „asozialer“ Lebens- bzw. Verhaltensweise angeführt. Die extra dafür konstruierten und schwammig formulierten „Definitionen“ und “Symptome” für „Schwachsinn“ sowie „asoziales Verhalten“ öffneten der Willkür und subjektiven Wahrnehmungen bzw. Einstellungsmuster der Antragsteller_innen, Anstaltsärzt_innen, Gutachter_innen und abschließend des Erbgesundheitsgerichtes Tür und Tor. Ein Einfluss „äußerer Faktoren“ auf bestimmte „unangepasste“ Verhaltens- und Einstellungsmuster wurde und musste für diese Verbrechen kategorisch ausgeschlossen bleiben, um gesellschaftliche Verhältnisse und Ursachen nicht in Frage zu stellen.

Der Arbeitskreis Marginalisierte- gestern und heute“ thematisiert seit 2007 Kontinuitäten und Brüche sozialer Ausgrenzung und ihrer Folgen für die Betroffenen bis heute und erklärt:
„Es ist kein Zufall, dass auch heute noch soziale und gesamtgesellschaftliche Probleme individualisiert und den Betroffenen selbst in die Schuhe geschoben werden. Ebenso wenig verwunderlich ist die Zuschreibung negativer Eigenschaften auf ganze Bevölkerungsgruppen mit Bezug auf eine vermeintliche Herkunft, Religion oder Kultur. Denn mit dem Ungleichwertigkeitsdenken und sozialdarwinistischen bzw. -chauvinistischen Argumentationsmustern ist auch nach 1945 nicht gebrochen worden. Von den Nazis als „asoziale“ stigmatisierte, verfolgte, deportierte, gequälte und ermordete Menschen sind bis heute nicht als Opfer des Nazi-Regimes anerkannt und bis auf wenige Ausnahmen auch nie entschädigt worden. Die Begründung, es habe schon vor den Nazis Unrecht an diesen Betroffenenkreis gegeben und deshalb handle es sich nicht um NS-spezifisches Unrecht, ist angesichts des Zivilisationsbruches der geplanten und begonnenen Vernichtung der Betroffenen an Zynismus kaum zu überbieten. Neues Unrecht wird nicht mehr „Recht“, nur weil es schon vorher ähnliches Unrecht gegeben hat, sondern es wird so auch noch nachträglich gerechtfertigt, legitimiert und fortgesetzt.“

Deshalb fordert der Arbeitskreis ein längst fälliges Umdenken in der Entschädigungspolitik und die Erweiterung der Einstufungskriterien als antragsberechtigte Personengruppe der von Naziverbrechen Betroffenen. Dass sind wir den Ermordeten und den Überlebenden insbesondere den wenigen heute noch lebenden Opfern der Nazis schuldig.

Gleichzeitig begrüßt der Arbeitskreis die Bemühungen des Senats von Berlin und des Bezirksamtes Lichtenberg für ein würdiges Gedenken auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses Rummelsburg, kritisiert diese aber als unzureichend. Die Ankündigung der zusätzlichen und zeitlich begrenzten Aufstellung dreier Litfaßsäulen im Rahmen des Projektes „Zerstörte Vielfalt“ für 2013 anlässlich der Machtergreifung der Nazis vor 80 Jahren auf diesem Areal, kann die Verzerrung der historischen Dimensionen durch die Installation lediglich zweier Informationstafeln, eine für nach 1945 und eine für die gesamte Vorgeschichte einschließlich der Naziverbrechen, nicht kompensieren. Darüber hinaus fordert der Arbeitskreis die finanzielle Sicherstellung von Projekten zur Aufarbeitung der Verbrechen der Nazis an diesem authentischen Ort, die Voraussetzung für einen geplanten, würdigen Gedenkort ist. Die Einberufung eines offenen “Runden Tisches“ für den 26. Oktober zur Vorbereitung, Erstellung und Umsetzung eines Konzeptes für diesen Gedenkort kann nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

AK „Marginalisierte – gestern und heute!“: Gedenkveranstaltung Arbeitshaus Rummelsburg

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AK „Marginalisierte – gestern und heute!“
http://bewegung.taz.de/termine/gedenktag-aktion-arbeitsscheu-reich-zeit-zu-handeln-bevor-geschichte-sich-wiederholt

Die Gedenkveranstaltung findet Samstag den 9. Juni 2010 um 16 Uhr vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Arbeitshauses Rummelsburg in der Hauptstraße 8 statt. Zwischen Hildgard-Marcusson-Straße und Georg-Löwenstein-Straße.

WIR ERINNERN UND GEDENKEN!

Am 13. Juni 2012 jährt sich zum 74. Mal die Durchführung der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ durch die Kriminalpolizei, die symptomatisch für den Beginn der offiziellen „Asozialenverfolgung“ durch das Nazi-Regime steht. Sie stellte die Legalisierung einer jahrelang zunehmenden Ausgrenzungs- und Entrechtungspolitik durch Stigmatisierung und Kriminalisierung sogenannter sozialer Randgruppen dar. Betroffene waren zum Beispiel Obdachlose, Bettler_ innen, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma, Alkoholiker_innen …, die u. a. als „Unangepasste“, „Un- bzw. Minderwertige“, „Unnütze“, „Arbeitsunwillige“ bzw. „Volks- bzw. Gemeinschaftsfremde“ gebrandmarkt wurden. Unter den Nazis bedeutete dies für Zehntausende, der als „Asoziale“ stigmatisierten Menschen Verfolgung, Sterilisation, Gewahrsamnahme bis hin zur Zwangsarbeit und Ermordung in Konzentrationslagern.

WARUM GERADE AN DIESEM ORT?

Bereits ca. 90 % des Areals der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser stehen symptomatisch für eine ganze Reihe authentischer Orte von Naziverbrechen, die in den letzten Jahren durch Privatisierung und Kommerzialisierung entsorgt wurden. Nicht nur die frischen Fassaden täuschen über ihre Geschichte hinweg. Während z.B. das „ANDERE HAUS VIII“ an der Rummelsburger Bucht aus der Nutzung des Areals als Knast in der DDR Kapital zu schlagen versucht oder dort ansässige Vereine sich ausschließlich dem Unrecht in der DDR widmen, erinnert nichts an den Naziterror an diesem Ort. So z.B. auch nicht: an die sowjetischen Zwangsarbeiter_innen. Mädchen und jungen Frauen die nachts eingepfercht und tagsüber in die anliegenden Fabriken der IG Farben oder nach Oberschöneweide getrieben wurden. Dieses Parallelgedenken stellt einen Versuch dar, die Singularität der Verbrechen des Naziregimes zu leugnen, zu relativieren und zu bagatellisieren, um damit auch die letzten Überlebenden im stillen Gedenken zu begraben. Eine Gleichsetzung des Naziregimes mit der DDR lehnen wir aber an jedem Ort und zu jeder Zeit ab. Sowohl Völkermord als auch der Vernichtungskrieg der Nazis waren ein einmaliger Zivilisationsbruch und jeder Versuch der Relativierung und Verharmlosung ist ein geschichtsrevisionistischer Vorstoß, dem wir uns entgegenstellen. Sonst übertönt das Schweigen über Unrecht und Mord der Nazis auch weiterhin das Schreien der Gefolterten im „Raum der Stille“ des etwas anderen Hauses VIII.

Ihrem Raum der Stille, des Verschweigens und Vergessens wollen wir unser vernehmliches Gedenken entgegen setzen und forderten: Gerade an diesem authentischen Ort darüber hinaus eine Erinnerungs- und Lernstätte zu Kontinuitäten und Brüchen sozialer Ausgrenzung mit Schwerpunkt zur „ Verfolgung und Ermordung sogenannter Asozialer durch das Nazi-Regime“. Nach jahrelangem Warten und Fordern befinden sich nun Hinweistafeln in Arbeit, eine so genannte Expertenkommission diskutiert über Form und Inhalt eines zukünftigen Gedenkortes und im Herbst soll ein Runder Tisch zur Diskussion erster Ergebnisse einberufen werden.

WIR (ER-) MAHNEN!

Nicht nur aber insbesondere in Krisenzeiten verschärft sich der Ton, der in und durch Politik, Medien und Gesellschaft die propagandistische Begleitmusik für Ausgrenzung und Rassismus ist. Wieder ist es an der Tagesordnung „unwerte“, „unnütze“, „unwillige“ oder „unangepasste“ Menschen als Abweichung von einer vermeintlichen Norm zu konstruieren, um sie diskriminieren, kriminalisieren und ausgrenzen zu können. Sanktionen bzw. Zwangsmaßnahmen sollen ideologisch gerechtfertigt bzw. deren Notwendigkeit öffentlich akzeptierbar gemacht werden. Es ist ein sozialpsychologisches Klima erzeugt worden, das Leistungseinschränkungen oder auch Zumutbarkeits- oder Sanktionsverschärfungen den Boden bereitet. Solidarität, Gleichheit, Gerechtigkeit und Humanität bleiben im „Säurebad der Konkurrenz“ (Karl Marx) auf der Strecke. So wird unter dem euphemistischen Label „Integrationsdebatte“ gegen Menschen anderer Herkunft oder Religion gehetzt und eine Ausgrenzungspolitik betrieben. Unter der nicht gerade neuen Behauptung, der „Sozialstaat“ sei nicht mehr finanzierbar, werden sozial Benachteiligte unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt und diskriminiert. Oder es wird zunehmend unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit mal gesagt, „was doch wohl mal gesagt werden können muss“. Auch ideologische Versatzstücke von Vererbungs- und Überlegenheitstheorien wie von Alfred Grotjahn bis zu Thilo Sarrazin dienen als Basis für die öffentliche Legitimierung von Stigmatisierungen, Kriminalisierungen und Sanktionierungen von zu Sündenböcken stilisierten Bevölkerungsgruppen.

LEHREN ZIEHEN!

Die heutige manifeste Neubelebung stigmatisierender Zuschreibungen insbesondere gegen die so genannten Verlierer_innen der Konkurrenz- bzw. Leistungsgesellschaft darf nicht weiter zugelassen, dem Rechtsruck der Gesellschaft nicht weiter still schweigend gefolgt und Vorurteile nicht weiter reproduziert bzw. Ängste geschürt werden. Die Ursachen und Verursacher_innen für komplexe soziale Probleme müssen klar benannt und vereinfachende Lösungsangebote über eine bloße Bekämpfung von Symptomen aus einer verzehrt dargestellten Wirklichkeit abgelehnt werden. Rassismus und Ausgrenzung sind Standbeine einer Wirtschaftslogik, die Menschen auf ihren bloßen „Nutzen“ (Mehrwert) bzw. ihre „Verwertbarkeit“ reduziert, sie erpressbar und manipulierbar macht sowie sie entsolidarisieren soll. Im Kampf „jeder gegen jeden“ soll eine permanente soziale Selektion stattfinden. Erneut wird ein Kampf gegen Betroffene von Armut und nicht gegen deren Ursachen und Profiteure konstruiert. Stigmatisierungen und Kriminalisierungen schlagen sich in Europa bereits wieder verstärkt in Bettelverboten, staatlichen und behördlichen Zwangsmaßnahmen sowie polizeilichen Repressionen nieder.

Einer solchen Logik müssen wir uns stärker entgegenstellen!

Der AK „Marginalisierte – gestern und heute!“ will mit einem jährlichen Gedenktag an den 13. Juni die Öffentlichkeit auf diese weitestgehend vergessenen NS-Opfer aufmerksam machen, ein würdiges Erinnern ermöglichen und seine Forderungen nach Aufarbeitung dieses NS-Unrechts sowie nach Rehabilitierung und Entschädigung bekräftigen.

Denn nur wer die Geschichte kennt und daraus entsprechende Lehren zieht, kann die Zukunft diskriminierungsfrei gestalten! Niemand und nichts ist „asozial“!

Der schwarze Winkel steht dafür als Mahnung!

Programm
Redebeiträge von:
Ilse Heinrich, Zeitzeugin
Thomas Irmer, Historiker
N.N., Amaro Drom e.V.
AK 08. Mai Berlin-Lichtenberg
N.N., Bündnis „Niemand ist vergessen“
Dirk Stegemann, AK Marginalisierte
N.N., Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ-Uckermark“
Susanne Doetz, Gastwissenschaftlerin am Institut für Geschichte der Medizin
Moderation:
Lothar Eberhardt, AK Marginalisierte
Musik
Alex, Straßenmusiker
Singender Tresen (angefragt)
Rezitationen
Gina Pietsch, Sängerin, Schauspielerin und Brecht-Interpretin
Organisation
Dirk Stegemann / Lothar Eberhardt AK „Marginalisierte – gestern und heute!“
Technik
Christoph Schneider
Grafik und Satz
Michael Mallé

 

Die Veranstaltung wird unterstützt von:

VVN-BdA, NaturFreunde Berlin, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken Berlin, Niemand ist vergessen.

Arbeitskreis “Marginalisierte- gestern und heute”: Bürgermeister Lichtenbergs hintertreibt zivilgesellschaftliches Engagement

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Arbeitskreis “Marginalisierte- gestern und heute”
www.marginalisierte.de
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Pressemitteilung:

Bürgermeister Lichtenbergs hintertreibt zivilgesellschaftliches Engagement – Zusagen für Runden Tisch im März gebrochen

„Der Bürgermeister entscheidet alleine und alle haben zu folgen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Zusagen in der BVV eingehalten oder ohne Absprachen einfach gebrochen werden.“ So interpretiert der Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“ Herr Geisels gestern auf der BVV- Sitzung verkündete scheinbar autoritär getroffene Entscheidung zur Verschiebung der Einberufung eines Runden Tisches für einen Gedenk-, Lern- und Forschungsort zu Kontinuitäten und Brüche sozialer Ausgrenzung auf dem Gelände der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshauses mit dem Schwerpunkt der Nazi-Verbrechen an den als „Asoziale“ stigmatisierten, verfolgten und ermordeten Menschen. Der Arbeitskreis erklärt weiter:

Seit 2007 gibt es auf Grund unserer Aktivitäten und eines Antrages der Linksfraktion in der BVV einen Beschluss für eine Gedenktafel. Seit 2009 ist die Diskussion über eine Gedenktafel hinaus gegangen, da die komplexe Geschichte der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser in verschiedenen Zeitepochen unter Berücksichtigung der jeweils herrschenden historischen bzw. gesellschaftlichen Verhältnisse, so nicht differenziert zu thematisieren ist. Außer einer erst mit Hilfe öffentlichen Druckes durchgesetzten Probegrabung auf dem ehemaligen, dazugehörigen Friedhofsgelände und der Privatisierung und Enthistorisierung eines Großteils des Geländes ist bis heute nichts Greifbares aus der Zusage, einen Runden Tisch für einen Gedenkort in den ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäusern einzusetzen, gefolgt. Selbst die Aufnahme eines historischen Bezuges dieses Ortes sowie zu einem Gedenken in den für weitere Privatisierungen vor kurzem geänderten Bebauungsplan erfolgte erst auf Druck des Arbeitskreises. Dass sah auch der BVV- Vorsteher Rainer Bosse so und forderte auf der BVV- Sitzung vom 19. Januar 2012, endlich eine konkrete Zusage zu einem Termin für die Einberufung eines Runden Tisches.
Da es offensichtlich eine Überforderung darstellte, neben der Vorstellung einer mit mehreren tausend Euro durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Broschüre, die überwiegend die Geschichte dieses Ortes zu Zeiten der DDR mit nicht unumstrittenen wissenschaftlich- historischen Einordnungen thematisiert, einen Runden Tisch im Februar einzuberufen, wurde der Termin bis spätestens Ende März festgelegt.

Der Bezirksbürgermeister hat ohne jede Rücksprache in der gestrigen BVV- Sitzung unter dem Punkt „Bericht des Bezirksamtes zum Gedenken Rummelsburg“ diese Zusage einfach selbstständig und autoritär zurückgezogen. Er will offensichtlich eine uns nicht bekannte und nicht näher definierte Expertenrunde mit dem Kulturstaatssekretär Andre Schmitz für den 23. März 2012 dem zivilgesellschaftlichen Engagement vorschalten. Dieses Vorgehen werten wir nicht nur als weitere Verzögerungstaktik zur Schaffung von Fakten, sondern auch als Bevormundung bürgerschaftlichen Engagements. So wurde auch wieder eine Gedenktafel ins Spiel gebracht, obwohl der Diskussionsstand darüber schon hinaus war. Diese Fortsetzung eines unsäglichen Umgangs mit diesem authentischen Ort sowie mit Initiativen die seit Jahren dazu außerparlamentarisch insbesondere in Bezug auf die als so genannte „Asoziale“ stigmatisierte und durch die Nazis verfolgten und ermordeten Menschen tätig sind, durch das Land Berlin sowie den Bezirksbürgermeister Andreas Geisel ist für uns ein nicht hinnehmbares „Demokratieverständnis“.

Wir fordern den Bezirksbügermeister sowie den Kulturstaatssekretär dazu auf, unverzüglich den Runden Tisch zur Konzipierung eines Gedenkortes in dem Areal der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser einzuberufen, an dem alle Interessierten einschließlich Experten und politisch Verantwortliche offen und transparent über ein Gedenken diskutieren können. Ergebnisse, die intransparent hinter verschlossenen Türen entschieden werden, um dann einen Runden Tisch vor vollendete Tatsachen zu stellen bzw. möglicher Weise eigene Interessen über Experten zu untermauern bzw. zu legitimieren, tolerieren wir nicht. Denn wo waren diese Experten und politisch Verantwortlichen seit 2007? Dies ist für ein gesamtgesellschaftlich getragenes und akzeptiertes Gedenken genauso wenig förderlich, wie der gesamte bisherige Nicht-Umgang des Landes Berlin und verschiedener Bezirkspolitiker_innen mit diesem historischen Ort und seinen Opfern.

Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“ kritisiert bundesdeutsche Gedenkpolitik

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Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“
www.marginalisierte.de
http://bewegung.taz.de/organisationen/ak-marginalisierte-gestern-und-heute/ueber-uns

Berlin, 26. 01. 2012
Pressemitteilung/ Erklärung:

27. Januar: Arbeitskreis kritisiert Bundesdeutsche Gedenkpolitik – als “Asoziale” durch die Nazis verfolgte und ermordete Menschen weiter ausgeschlossen!

Auch 67 Jahre nach dem Sieg über den deutschen Faschismus verweigert die Bundesregierung zehntausenden wegen ihres sozialen Status, ihrer Lebens- oder Verhaltensweisen bzw. aus sozialrassistischen Motiven verfolgten, gequälten und ermordeten Menschen die Anerkennung als Opfer des Nazi-Regimes sowie eine Rehabilitierung und Entschädigung, erklärt der Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“ anlässlich des Gedenktages an die Opfer des deutschen Faschismus am morgigen Freitag.

Wohnungs- und Erwerbslose, Bettler_innen, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma und Suchtkranke u. a. wurden als „Unangepasste“, „Un- bzw. Minderwertige“, „Unnütze“, „Arbeitsunwillige“ oder “Gemeinschaftsfremde“ gebrandmarkt sowie spezifische Lebens- und Verhaltensweisen als genetisch bedingt pathologisiert. Für die Nazis war dies die Basis zur Verfolgung, Sterilisation, Inhaftierung und Zwangsarbeit dieser  Menschen und ihrer Ermordung in Konzentrationslagern. „Rassenhygienisch“ und „eugenisch“ zielte das Vorgehen auf eine „Reinigung des deutschen Volkskörpers“ von „Defektmenschen“ und „Ballastexistenzen“ ab.

Das gesamte Ausmaß dieser Verbrechen ist bis heute unbekannt. Allein im KZ Sachsenhausen wurden mindestens 11500 „Asoziale“ eingeliefert, darunter 6300 während der Aktion „Arbeitsscheu Reich“. 2600 Menschen von Ihnen haben nicht überlebt. Vom Bundesentschädigungsgesetz blieben die Opfer durch die Zuschreibung „nicht NS-typische Opfer“ bis heute ausgeschlossen. Lediglich nach den Härterichtlinien des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes haben gerade einmal 205 (163 „Asoziale“, 17 Arbeitsverweigerer, 24 Arbeitsscheue, 1 Landstreicher) Menschen Entschädigungen erhalten. Die derzeitige Bundesregierung kennt zwar die Zahlen aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion von 2008, sieht aber augenscheinlich nach wie vor zur Rehabilitierung dieser Menschen keinen Aufarbeitungs- bzw. Handlungsbedarf.

Sie verweigert so nicht nur die Aufarbeitung dieses Unrechts, sondern hält die willkürliche Stigmatisierung, Kriminalisierung und Ausgrenzung von Menschen als „unnütze“, „unwillige“ und  „unfähige“„Gemeinschaftsfremde“ aufrecht. Nach neoliberaler Wirtschafts- und Haushaltslogik reduziert sie weiterhin Menschen auf ihre ökonomische Verwertbarkeit für die Gesellschaft. Dies wird zunehmend von einer rassistischen „Integrationsdebatte“ begleitet, die darüber hinaus soziale Probleme kulturalisiert und ethnisiert. Angeblich arbeits- und integrationsunwillige bzw. -unfähige Menschen werden so konstruiert, kriminalisiert und ausgrenzt, um auch hier eine bedingungslose Unterordnung  und Anpassung einzufordern sowie Repressionen zu rechtfertigen. Dies ist der ideale Nährboden für sowie zur Legitimierung von Angriffen und Übergriffen bis hin zur Ermordung von sozial Benachteiligten insbesondere Migrant_innen durch Nazis und Rassisten.

Die Politiker_innen von Bund, Ländern und Kommunen müssen endlich umdenken und ihre historische Verantwortung wahrnehmen. Bisher ist dies einzig bei einigen Gedenkstätten ersichtlich. Die Anerkennung der “Asozialen” als Opfer des deutschen Faschismus und ihre Entschädigung wären ein erste Schritt. Die Unterstützung eines würdigen Gedenkens durch die Schaffung eines Ortes zum Erinnern und Nachdenken mit Dokumentationszentrum, eines Lern-, Forschungs- und Begegnungsortes  zu bzw. über soziale Ausgrenzung, ihre Ursachen, Verursacher_innen und Profiteur_innen mit Schwerpunkt auf die Verbrechen der Nazis wäre der Nächste.

AK Marginalisierte: Bezirksamt Lichtenberg verschweigt Nazi-Verbrechen für bessere ökonomische Verwertbarkeit

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Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“
www.marginalisierte.de

Berlin, 16. 01. 2012

Pressemitteilung und Offener Brief an die BVV Lichtenberg:
Bezirksamt Lichtenberg verschweigt Nazi-Verbrechen für bessere ökonomische Verwertbarkeit

Sehr geehrte Bezirksverordnete der BVV-Lichtenberg (ausgenommen der NPD),

„Die weitere Privatisierung des Areals der ehemaligen Arbeitshäuser Rummelsburg wird durch das Bezirksamt Berlin-Lichtenberg eilig vorangetrieben. Bemühungen um die Einrichtung eines eingeforderten ´Runden Tisches für einen Gedenk-, Lern- und Forschungsort´ vor jeder weiteren Privatisierung von Einzelflächen sind nicht ersichtlich bzw. erschöpfen sich in Absichtsbekundungen. Dagegen wird die Relativierung und Verharmlosung sowie Verschleierung der Verbrechen durch die Nazis an den so genannten „Asozialen“ fortgesetzt, erklärt der Arbeitskreis „Marginalisierte – gestern und heute“, anlässlich der bevorstehenden Änderung des Bebauungsplanes für das Areal um den ehemaligen Friedhof auf der nächsten Sitzung des Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 19. Januar. Der AK weiter:

Hatten der öffentliche Druck und die Aktionen des Arbeitskreises auf dem ehemaligen Friedhofsgeländes mit Unterstützung einiger BVV- Fraktionen noch die Archäologische Untersuchung eines Teils des zum Verkauf stehenden Geländes bewirkt, scheint das Bezirksamt nun der Meinung zu sein, somit sei der Schuldigkeit genüge getan. Die Begründung „Der Druck, die noch verbleibenden Flächen an der Hauptstraße und auf der Mittelpromenade zu Wohnzwecken zu entwickeln ist groß …“ zielt aber lediglich darauf ab, davon abzulenken, dass dieser Druck hausgemacht und keineswegs notwendig ist. Denn wäre dieser Druck tatsächlich so groß, hätte es bereits Gesprächsangebote zur Einrichtung eines „Runden Tisches für einen Gedenk-, Lern- und Forschungsort“ sowie über Alternativen eines möglichen Standortes auf dem Gelände eines der geschichtsträchtigsten Orte Berlin gegeben bzw. geben können – vor jeder weiteren Privatisierung. Hierzu sind weder Bemühungen noch Planungen bekannt. Druck kann es demzufolge lediglich vom Liegenschaftsfonds und dem Investor geben, dem sich der Bezirk Lichtenberg nicht zu beugen braucht. Diesen Druck zur Einforderung der Verantwortung und Mitwirkung des Bundes sowie Landes für das würde Gedenken an die Verfolgung, die Zwangsmaßnahmen an sowie Ermordung von so genannten Asozialen“ durch die Nazis zu nutzen, scheint aber nicht Anliegen des Bezirksamtes zu sein.

Die Geschichtsvergessenheit des und –klitterung durch das derzeitige Bezirksamt wird aber auch inhaltlich in der Vorlage „Bebauungsplan XVII-9-1 Arbeitstitel: “Berlin-Campus I” (DS/0077/VII) deutlich. „Das Plangebiet wird geprägt durch den denkmalgeschützten Gebäudebestand des ehemaligen „Städtischen Arbeitshauses Rummelsburg“, das von 1951-1990 als Strafvollzugseinrichtung der DDR diente.“ offenbart das Bezirksamt und negiert somit nicht nur die gesamte Vorgeschichte dieses Areals sondern unterstützt das Verschweigen der Verbrechen aus der Zeit des Nazi-Regimes an den so genannten „Asozialen“ letztendlich nicht nur auf diesem gesamten Areal. Die Aufhebung und das Verschweigen der Singularität der Naziverbrechen sowie die Hervorhebung der Nutzung dieses Geländes zu DDR-Zeiten könnte aber in Kontinuität zu dem politisch motivierten Versuch einiger Vertreter_innen aus Politik, Medien und Gesellschaft Nazi-Verbrechen zu verharmlosen und durch Gleichsetzung mit Unrecht in der DDR , die DDR pauschal zu kriminalisieren, gesehen werden. Dies empfinden wir insbesondere eine Woche vor dem nationalen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ als nicht hinnehmbar. Dass heute immer noch Neonazis und Rassisten morden und Übergriffe verüben, so auch z.B. öffentlich kaum wahrgenommen an Wohnungslosen, Bettlern oder anderen sozial Benachteiligten, ist auch eine Folge einer auch staatlicherseits manifestierten und legitimierten Diskriminierung und Kriminalisierung der von ihnen selbst sozial Ausgegrenzten. Damit muss Schluss sein!

Bis heute sind die Verbrechen der Nazis an den so genannten „Asozialen“ weder hinlänglich aufgearbeitet, noch sind die Betroffenen als Opfer der Nazi-Regimes anerkannt, rehabilitiert oder entschädigt worden. Die Aufarbeitung sowie das Erinnern und Gedenken an authentischen Orten ist aber unverzichtbarer Bestandteil im Kampf gegen Kontinuitäten sozialer Ausgrenzung, gegen Rassismus, Sozialdarwinismus und Sozialchauvinismus. Sie stehen als Mahnung und Warnung für den Umgang mit Menschen, die als „unwert, „unnütz“ und „unangepasst“ stigmatisiert wurden oder heute z.B. als „integrationsunwillig“ bzw. „–unfähig“ denunziert und diskriminiert werden.

Wir fordern daher die BVV- Fraktionen in Lichtenberg dazu auf, einer weiteren Privatisierung von Teilflächen der ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser so lange nicht zuzustimmen, bis es glaubwürdige Aktivitäten des Bezirksamtes für einen Gedenk-, Lern- und Forschungsort auf diesem authentischen Areal gibt.

Absichtserklärungen alleine sind dafür keine Garantie! Es darf nicht zugelassen werden, dass bisherige Bemühungen des Bezirkes Lichtenberg und einiger Parteien zu einer differenzierten Gedenkpolitik im Allgemeinen und zum Gedenken an die Verbrechen an den so genannten „Asozialen“ im Speziellen durch ein neues Bezirksamt konterkariert und der neoliberalen Haushaltlogik sowie Ökonomisierung des Gedenkens geopfert werden!

Verkaufsstopp und Archäologische Probegrabungen auf Friedhofsgelände der ehemaligen Arbeitshäuser Rummelsburg durchgesetzt.

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Arbeitskreis „Marginalisierte- gestern und heute“
c/o Dirk Stegemann
www.marginalisierte.de
http://bewegung.taz.de/organisationen/ak-marginalisierte-gestern-und-heute/ueber-uns

Pressemitteilung:
Verkaufsstopp und Archäologische Probegrabungen auf Friedhofsgelände der ehemaligen
Arbeitshäuser Rummelsburg durchgesetzt.
„Nach der auf Initiative der Linksfraktion in der BVV beschlossenen Gedenktafel für diesen
geschichtsträchtigen Ort, ist der gestern verkündete Stopp des Verkaufsverfahrens des Friedhofes und
der Veranlassung dortiger archäologischer Probegrabungen das richtige Signal zur richtigen Zeit.
Damit zeigen die symbolische Besetzung und Absperrung vom 30. Mai sowie die Antifaschistische
OPEN-END-Filmnacht „Niemand ist asozial“ vom 22. zum 23. Juni auf dem Friedhofgelände erste
Wirkung,“ erklärt der Arbeitskreis „Marginalisierte – gestern und heute“ anlässlich der vom
Baustadtrat des Bezirkes Lichtenberg, Andreas Geisel, gestern auf der Einwohnerfragestunde der
BVV-Sitzung mitgeteilten Entscheidung, die der Liegenschaftsfonds in Übereinstimmung mit dem
Gewinner des Bieterverfahrens sowie dem Bezirksamt getroffen hat. „Der Liegenschaftsfonds könnte
dieser positiven Entscheidung noch eins draufsetzen, indem er unserem gemeinnützigen Verein
„extramural e.V.“ die berechnete Miete für die Nutzung des unbenutzten Brachlandes für die
Filmnacht in Höhe von 300 Euro erlassen und damit die Weiterarbeit des Arbeitskreises fördern
würde.
Nachdem die Linksfraktion in der BVV-Lichtenberg durch ihren Antrag den Verkauf bereits gestoppt
hatte, übte auch die BVV-Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen mittels eines Dringlichkeitsantrages
zusätzlichen Druck aus. Dies ist jedoch kein Grund zum Ausruhen. „Denn von einer Anerkennung der
als sogenannte Asoziale verfolgten und ermordeten Menschen als Opfer der Nazi-Diktatur sowie
einem Gedenk-, Lern- und Forschungsort auf dem Gelände des zu Zeiten der Nazi-Herrschaft größten
Arbeitshauskomplexes sind wir noch weit entfernt. Die abgegebenen Unterstützungserklärungen zu
einem Runden Tisch für einen würdigen Gedenkort gilt es nun aktiv umzusetzen. Hierbei müssen alle
an der Diskussion beteiligten Institutionen, Gruppierungen und Einzelpersonen sowie die
Anwohner_innen unter Einbeziehung der Expert_innen, die zur Geschichte des Stigmas „asozial“
sowie zum Arbeitshauskomplex recherchiert und publiziert haben, beteiligt werden. Auch der
Vorschlag des AK an die Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich den „Rat der
Bürgermeister_innen“ einzubeziehen, um auch deren historische Verantwortung einzufordern, stieß
auf positive Resonanz. Dass die Bedeutung und Sinnhaftigkeit unseres Anliegens bei der CDUFraktion
nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, verwundert kaum. Der ewigen Gleichsetzung von
Opfern und Tätern will der Arbeitskreis mit seiner Arbeit begegnen. Es gilt der Relativierung bzw.
Verharmlosung von Naziverbrechen entgegenzutreten, ohne dabei selbst Unrecht in anderen
Zeitepochen zu verharmlosen oder zu ignorieren. Hier ist noch viel Aufklärung nötig.
Das Anliegen des Offenen Briefes vom 14. Juni an die Mitglieder des Bundestages, des Berliner
Senates sowie der BVV Lichtenberg wurde bisher mit Unterschrift u.a. unterstützt durch:
Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V., Marlene Cieschinger (DIE LINKE
Charlottenburg- Wilmersdorf), Claudia v. Gélieu (Frauentouren und Galerie Olga Benario), Heike
Weingarten (UBI KLiZ e. V. / Mieterladen, Register Friedrichshain-Kreuzberg), Christina Emmrich
(Bezirksbürgermeisterin Berlin-Lichtenberg), Christian Kopp (Berlin Postkolonial e.V.), Koray
Yilmaz- Günay (DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg), Joachim Oellerich (MieterEcho), Dr. Hans
Erxleben (Bündnis für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick), Anne Allex (Runder Tisch
gegen Erwerbslosigkeit und soziale Ausgrenzung), Leonard Lölhöffel (Berlin), Initiative für einen
Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. , Tacettin Dagci (Bezirksvorstand Linke
Tempelhof/Schöneberg), Berliner VVN-BdA e.V., Projekt “El Camino” – Alternative
antikapitalistische soziale “Stadt-teil-führungen”, Annette Groth (MdB DIE LINKE), Uwe Hiksch
(Bundesvorstand NaturFreunde Deutschlands), Ilona Schmidt (Langenhagen), Salih Alexander Wolter
(DKP- Tempelhof- Schöneberg), Sylvia Degen (Übersetzerin, Berlin), Andrej Hunko (MdB, DIE
LINKE), Wera Richter (stellv. Landesvorsitzende DKP- Berlin), Tacettin Dagci (Linke Tempelhof-
Schöneberg), Ulrich Maurer (MdB, DIE LINKE), Katrin Framke (Kulturstadträtin Berlin-
Lichtenberg), Sevim Dagdelen (MdB, DIE LINKE), Martin Seckendorf (Vorstand der Berlin
Gesellschaft für Faschismus und Weltkriegsforschung), Michael Heinisch (BVV-Fraktion Bündnis 90/
Die Grünen Berlin-Lichtenberg), Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/ Die Grünen Berlin-Lichtenberg), Dr.
Bernhard Bremberger (Berlin), Heinz-Jürgen Voß (Hannover), Ulla Jelpke (MdB, DIE LINKE)

Niemand ist asozial! Antifaschistische OPEN_End-Filmnacht in Berlin-Rummelsburg Bezirk-Lichtenberg

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22. Juni 2010 – 20:00 Uhr
Platz auf dem ehemaligen Friedhof der Arbeitshäuser (Hauptstraße 8) Zwischen Hildgard-Marcusson-Straße und Georg- Löwenstein-Straße in Berlin-Lichtenberg
Anfahrt: Tram 21 bis Kosanke-Siedlung oder S-Bhf Rummelsburg (Fußweg ca.10 min) ****Ak marginalsiierte-gestern und heute**********

Hier Hintergund Info auch zum stöbern:
http://bewegung.taz.de/organisationen/ak-marginalisierte-gestern-und-heute/termine#events

Flyer Fließtext:

Diese Filmnacht soll das Anliegen des AK „Marginalisierte- gestern und heute“ unterstützen, einerseits die längst überfällige Anerkennung der Verfolgung und Ermordung sogenannter Asozialer durch die Nazis als Verbechen des Nazi-Regimes sowie die Rehabilitierung und Entschädigung der Betroffenen einzufordert. Andererseits soll die Forderung zur Schaffung einer Erinnerungs- und Lernstätte zu Kontinuitäten und Brüchen sozialer Ausgrenzung mit Schwerpunkt zur „Verfolgung und Ermordung sogenannter Asozialer durch das Nazi-Regime“ auf dem Gelände der Rummelsburger Arbeitshäuser als authentischem Ort bekräftigt werden. Ein erster Schritt dazu wäre ein sofortiger Privatisierungsstopp für die noch nicht durch Luxussanierung enthistorisierten Teile des Geländes sowie Probegrabungen auf dem ehemaligen Friedhof der Arbeitshäuser.
Diese Forderungen sollen in der BVV-Sitzung in Lichtenberg am darauffolgenden Tag während der Einwohnerfragestunde thematisiert werden. Bitte unterstützt diese Filmnacht, um unserem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

www.bewegung.taz.de/organisationen/ak-marginalisierte-gestern-und-heute

AntifAschistische OPen-enD-filmnAcht
niemand ist asozial!
22. Juni 2010 – 20:00 Uhr
Platz vor dem ehemaligen Friedhof der Arbeitshäuser (Hauptstraße 8) Zwischen Hildgard-Marcusson-Straße und Georg- Löwenstein-Straße in Berlin-Lichtenberg
Anfahrt: Tram 21 bis Kosanke-Siedlung oder S-Bhf Rummelsburg (Fußweg ca.10 min)

20:00 Uhr
Begrüßung
Filme:
20:25 Uhr
Arbeitsscheu- abnormal- asozial: Zur Geschichte der Berliner Arbeitshäuser , Dokumentarfilm von Andrea Behrendt 21:00 Uhr Ilse Heinrich, Zeitzeugin, Ein Gespräch anlässlich des 50.igsten Jahrestag des KZ Ravensbrück

22:25 Uhr
Gedenkveranstaltung vom 13.6.2010 Arbeitshaus Rummelsburg 22:30 Uhr Hommage an den Straßenmusiker Schauspieler Bruno S 22:40 Uhr Stroszek mit Bruno S. 1997 BRD, Werner Herzog. Bruno, Straßensänger in Berlin und Ex- Sträfling, sucht sein Glück. Herzogs Film bemüht sich um größte Natürlichkeit.
00:30 Uhr
Die Unwertigen von Renate Günther-Greene
01:55 Uhr
ad acta von Antje Hubert und Olga Schell BRD 2002 Der Dokumentarfilm erzählt von Menschen, die vom NS-Gesundheitssystem erfasst wurden und von der Rekonstruktion der eigenen – keineswegs abgeschlossenen – Geschichte.

03:20 Uhr
Was hat Hamburg mit euch Frauen gemacht? BRD 1992, Ein Film über staatliche Fürsor- ge und ihre Folgen von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart.
04:50 Uhr
Generalstreik das Leben lang
Zeitzeugnis über die Künstler der Landstraße und die Bruderschaft der Vagabunden 05:50 Uhr Die Verrufenen. Der fünfte Stand
Regie: Gerhard Lamprecht, D 1925: mit Zille, In „Die Verrufenen“ begibt sich der gerade 28-jährige Regisseur mitten hinein ins „Milljöh“: zu den sozial Deklassierten, den ehemaligen Zuchthäuslern, den Obdachlosen und Straßenmädchen.
07:10 Uhr
Könner in Lumpen
Zeitzeugnis über die Künstler der Landstraße und die Bruderschaft der Vagabunden.
08:10 Uhr
Der Vagabund
Österreich, 1929, Regie: Fritz Weiß Fachberatung: Georg Gog
08:59 Uhr
Gedenkspaziergang am 26.1. 2008
Film „AK Marginalisierte“
09:09 Uhr
Lebensunwert,
Film des Westfälischen Landesmedienzentrums, 2005 über Paul Brune, NS-Psychiatrie und ihre Folgen

Kontakt
AK „Marginalisierte – gestern und heute!“ c/o Stiftung Haus der Demokratie, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Von Nazis verfolgten und ermordeten „Asozialen“ ihre Würde und ihr Gesicht zurück geben!

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Pressemitteilung:

Von Nazis verfolgten und ermordeten „Asozialen“ ihre Würde und ihr Gesicht zurück
geben!

Der AK „Marginalisierte- gestern und heute“ hat sich gestern mit einem Offenen Brief an die
Abgeordneten des Bundestages und des Berliner Senats sowie die Bezirksverordneten der BVV
Lichtenberg gewandt, um die Anerkennung der von den Nazis verfolgten, gequälten und ermordeten
sogenannten Asozialen als Opfer des Nazi-Regimes einzufordern. Dass wäre auch die Vorraussetzung,
um eine Rehabilitierung sowie Entschädigungen möglich zu machen.

Der Arbeitskreis empfindet die Diskussion, ob die sogenannten Asozialen „spezifische“ Opfer der
Nazis gewesen sind oder Opfer schon vorher begonnenen Unrechts als entwürdigend und beschämend.

Sie ignoriert nicht nur die Radikalisierung der Ausgrenzungspolitik bis hin zur Ermordung
sogenannter Asozialer durch die Nazis, sondern soll offensichtlich nur dazu dienen, den Betroffenen
ihre längst überfällige Rehabilitierung und Entschädigung vorzuenthalten.

Darüber hinaus garantiert, die so suggerierte nachträgliche Legitimierung der Verfolgung und
Ermordung der unter dem Stigma „asozial“ gezielt zusammengefassten „Unnützen“, „Unwertigen“,
„Unangepassten“ und „Gemeinschaftsfremden“, die Aufrechterhaltung von Kontinuitäten und
Brüchen der sozialen Ausgrenzung bis hin zu Sanktionen und Zwangsmaßnahmen im heutigen Alltag.
Ursachen sowie Verursacher_innen und Profiteur_innen von sozialer Ausgrenzung werden
verschleiert.

Es wird Zeit, dass der Bundestag, der Berliner Senat und die Bezirksverordneten ihrer historischen
Verantwortung für Unrecht, aus dem diese Institutionen während der Nazidiktatur ebenfalls Kapital
geschlagen haben, gerecht werden. Auch ihre Rolle will der AK aufarbeiten und fordert dafür einen
würdigen Gedenk-, Lern- und Forschungsort auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitshauses
Rummelsburg in Berlin- Lichtenberg. Die weit fortgeschrittene ökonomische Entsorgung von
authentischen Orten dieser Nazi-Verbrechen durch Luxussanierung muss gestoppt werden. Damit
könnte ein Beitrag gegen die derzeitige Individualisierung, Kulturalisierung und Ethnisierung sozialer
Problem geleistet und dem Ungleichwertigkeitsdenken a la Sarrazin in Politik, Gesellschaft und
Medien Aufklärung entgegengesetzt werden.

Am 22. Juni ab 20.00 Uhr wird der AK „Marginalisierte- gestern und heute“ nach der symbolischen
Besetzung und Absperrung eines der wenigen noch nicht privatisierten Teile der ehemaligen Arbeitshäuser
Rummelsburg am 31. Mai, dem Friedhof, ebenda eine „Antifaschistische OPEN-END-Filmnacht“ unter
dem Motto: „Niemand ist asozial“ folgen lassen. Diese soll unser Anliegen unterstützen und zur
Vorbereitung der BVV-Sitzung in Lichtenberg am 23. Juni dienen. Dort werden wir versuchen in der
Einwohnerfragestunde das Thema Gedenk-, Lern- und Forschungsort auf dem Gelände der ehemaligen
Arbeithäuser zu thematisieren und einen Stopp der Privatisierung zu erreichen.

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