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Oxfam-Untersuchung zu Landgrabbing: Schwache Regierungen erlauben reiche Beute
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Investoren zielen speziell auf Staaten mit schlechter Regierungsführung
Berlin, 7. Februar 2013. Investoren kaufen oder pachten gezielt Land in Staaten mit schlechter Regierungsführung, weil dort niedrige rechtsstaatliche Standards bestehen und besonders hohe Gewinne winken. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Oxfam. Drei Viertel von 56 Ländern, in denen im Zeitraum von 2000 bis 2011 Landgeschäfte getätigt wurden, schnitten in puncto Regierungsführung besonders schlecht ab. „Dort, wo Menschen nicht die Möglichkeit haben, ihre Rechte einzufordern, können Investoren schnell und billig Land pachten oder kaufen“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. „Arme Menschen verlieren dabei oft ihr Land, ohne eine angemessene Entschädigung zu erhalten.“
Zahlen und Analyse
Für die Untersuchung wurden die Datensätze der „Land Matrix“ der International Land Coalition – einer Datenbank mit Landgeschäften größer als 200 Hektar – und die Weltbankindikatoren, die gute Regierungsführung messen, miteinander in Beziehung gesetzt. Zu diesen Indikatoren zählen Mitspracherecht und Rechenschaftspflicht sowie Rechtsstaatlichkeit, staatliche Regulierung und Korruptionskontrolle. Die Analyse ergab, dass Länder, in denen große Landgeschäfte getätigt werden, bei diesen Indikatoren um durchschnittlich 30 Prozent schlechter abschneiden als jene ohne solche Landgeschäfte. Sierra Leone beispielsweise rangiert weltweit im unteren Viertel bei dem Indikator Rechtsstaatlichkeit und in der unteren Hälfte bei den Indikatoren Mitspracherecht, Rechenschaftspflicht, staatliche Regulierung und Korruptionskontrolle. In den letzten zehn Jahren wurde in dem westafrikanischen Staat ein Drittel (32 Prozent) der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche verkauft.
Oxfam fordert strengere Regeln
Oxfam fordert die Regierungen, die Weltbankgruppe und die Investoren auf, ihre Regeln bzw. Standards zu verschärfen und Landgrabbing zu beenden. Bei den Landgeschäften müssten dringend Transparenz hergestellt und allen Betroffenen die entsprechenden Informationen zugänglich gemacht werden. Außerdem sei eine vorherige Konsultation der Betroffenen zwingend erforderlich. „Die Land- und Wasserrechte von armen Menschen müssen gestärkt werden, so wie es in den freiwilligen Leitlinien zur Landnutzung des UN-Welternährungsausschusses festgelegt ist“, fordert Wiggerthale. Nur so könne sichergestellt werden, dass großflächige Investitionen und Landgeschäfte die Ernährungssicherheit eines Landes nicht untergraben und das Recht auf Nahrung von armen Menschen nicht verletzen.
Fakten, Tabelle & Fotos zum Download
Um den Landausverkauf anzuprangern, werden heute symbolisch riesige „SOLD“ (Ausverkauft)-Schilder vor weltweit bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Opernhaus in Sydney oder das Lincoln Memorial in Washington gehalten.
Fotos zum Download finden Sie hier (frei bei Angabe von Oxfam und des Fotografen, s. Bildbeschreibungen):
http://wordsandpictures.oxfam.org.uk/?c=13109&k=874bd5992c
Ein Fact-Sheet (auf Englisch) und eine Tabelle/Grafik gibt es hier:
Oxfam warnt: Politik fördert Investoren statt kleinbäuerliche Landwirtschaft
0Agrarminister-Gipfel in Berlin
Oxfam warnt: Politik fördert Investoren statt kleinbäuerliche Landwirtschaft
Berlin, 18. Januar 2013. Morgen diskutieren Agrarminister/innen aus über 80 Staaten auf dem Global Forum for Food and Agriculture in Berlin die Förderung der globalen Ernährungssicherung und ländlichen Entwicklung durch verantwortliche Investitionen in die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Oxfam fordert den internationalen Agrarminister-Gipfel auf, die Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in den Fokus zu stellen und verweist auf eine aktuelle Studie. Die Studie „Tipping the balance“ (auf Deutsch: „Kippen der Balance“) kommt zu dem Schluss, dass Regierungen und Organisationen in der Agrarförderung zu viel Aufmerksamkeit auf gute Rahmenbedingungen für private Investitionen von Unternehmen legen. „Tipping the balance“ wurde von Oxfam und dem IIED, dem International Institute for Environment and Development, London erstellt.
„Wer den Hunger bekämpfen will, muss vorrangig den Zugang von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu Land und Wasser sicherstellen und ihre traditionellen und informellen Märkte fördern“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die FAO schätzt, dass 50,2 Milliarden US-Dollar jährlich an öffentlichen Ausgaben notwendig sind, um den Hunger bis 2025 zu bekämpfen.
Große Landflächen als Anreiz für private Investitionen
Viele Organisationen – ob FAO oder Weltwirtschaftsforum – sowie die deutsche Bundesregierung und andere Geldgeber sehen im Agrobusiness den Motor für die globale Nahrungsmittelproduktion. Sie unterstützen Regierungen in Entwicklungsländern dabei Investoren anzulocken. Dafür wurde unter anderem Land zu niedrigen Preisen zur Verfügung gestellt. Unternehmen konnten so große Landflächen erwerben. „Der Verkauf bzw. die Pacht von Land zu günstigen Konditionen an Investoren benachteiligt die kleinbäuerliche Landwirtschaft“, kritisiert Wiggerthale. Zudem ignorierten Investoren vielfach die Rechte und Bedürfnisse armer Menschen, die das Land vorher bearbeiteten und davon lebten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen würden auch finanziell von Regierungen weniger unterstützt. In Brasilien seien 2009-2010 sechs Mal mehr öffentliche Gelder in den Agrobusiness-Sektor als in die bäuerliche Landwirtschaft geflossen, so Wiggerthale weiter.
Kleinbäuerliche Landwirtschaft Schlüssel zum Kampf gegen Hunger
Kleinbauern und Kleinbäuerinnen werden zwar oft als Zielgruppe benannt, aber bei der Gestaltung von Politik und Projekten nicht einbezogen. „Die Bedürfnisse der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bleiben häufig außen vor“, kritisiert Wiggerthale. „Wenn die Bundesregierung hierzulande und die Regierungen dort die Lebenssituation der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen verbessern wollen, müssen sie sich mit ihnen an einem Tisch setzen“, so Wiggerthale. Die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist ein Schlüssel im Kampf gegen den Hunger, da dadurch die lokale Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessert und die Einkommen von Familien auf dem Lande erhöht werden.
Hintergrundinformationen zu Investitionen in die Landwirtschaft finden Sie hier: http://www.oxfam.de/publikationen/investitionen-in-landwirtschaft
Die Studie „Tipping the Balance“ von Oxfam und IIED finden Sie hier: http://www.oxfam.de/publikationen/tipping-the-balance
Breites Bündnis: Schäuble soll Schattenhandel mit Nahrungsmitteln stoppen
1Gemeinsame Pressemitteilung von Attac, Campact, foodwatch, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Katholischer Arbeitnehmerbewegung (KAB), medico international, Misereor, Oxfam Deutschland, Südwind, terre des hommes, WEED (Institut und Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung) und Deutscher Welthungerhilfe: Vor den Beratungen des Europäischen Finanzministerrates haben zwölf Organisationen den deutschen Ressortchef Wolfgang Schäuble zu einem entschlossenen Handeln gegen exzessive Nahrungsmittelspekulation aufgefordert. "Sie haben kürzlich zur Deregulierung der Finanzmärkte gesagt: 'Alle haben bei diesem Wahnsinn mitgemacht, ich auch.' Wir bitten Sie: Tragen Sie dazu bei, diesen Wahnsinn jetzt zu stoppen!", schreiben die Organisationen in einem heute veröffentlichten Offenen Brief an den Bundesfinanzminister. Im Zuge der Beratungen über die europäische MiFID-Richtlinie zur Regulierung der Finanzmärkte fordert das Bündnis in dem Schreiben "verpflichtende Positionslimits gegen exzessive Spekulation, die für einzelne Händler und Händlergruppen, alle Handelsmonate und alle Arten von Verträgen gelten, auch für diejenigen, die außerbörslich gehandelt werden". Nach Auffassung der 12 Organisation enthält der bisherige Vorschlag des Europäischen Rates gefährliche Schwächen: "Besonders kritisch ist, dass die vorgeschlagenen Limits nicht - wie es in den USA bereits beschlossen wurde - den außerbörslichen Handel, also die Schattengeschäfte einschließen." In ihrem Offenen Brief appellieren die Organisationen an Schäuble, sich für eine Regulierung auch der so genannten Over-the-counter-Geschäfte (OTC) einzusetzen. Dabei handelt es sich um außerbörslich zwischen Finanzmarktakteuren abgeschlossene Verträge, die sich beinahe jeglicher Kontrolle entziehen und daher eine Art Schattenhandel darstellen. Den Offenen Brief haben unterzeichnet (in alphabetischer Reihenfolge): Attac, Campact, foodwatch, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), medico international, Misereor, Oxfam Deutschland, Südwind, terre des hommes, WEED (Institut und Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung) und die Welthungerhilfe. Das Bündnis sieht erdrückende Belege dafür, dass die exzessive Spekulation mit Agrarrohstoffen auf den Terminmärkten zu künstlich erhöhten Lebensmittelpreisen führen und damit Hungerkrisen verschärfen kann. In E-Mail-Aktionen der Bündnisorganisationen an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben bislang mehr als 150.000 Bürger die Forderung nach Eindämmung der Spekulation mit Nahrungsmitteln und nach Positionslimits ohne Schlupflöcher unterstützt.
Marita Wiggerthale: Vieles klingt besser als es ist
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Entwicklungsminister Dirk Niebel hat den Kampf gegen den weltweiten Hunger zur Chefsache erklärt. Das ist gut und richtig wichtig! In den letzten vier Jahren gab es drei Hungerkrisen. Die Zahl der Hungernden ist auf nunmehr knapp eine Milliarde gestiegen, und das, obwohl es genug Nahrungsmittel für alle gibt. Gleichzeitig wird das Welternährungssystem immer krisenanfälliger. Ölpreisschocks treiben die Kosten für Düngemittel und Transport in die Höhe. Der Klimawandel gefährdet die Ernten. Spekulanten treiben die Weizen- und Maispreise nach oben. Essen landet als Biosprit im Tank statt auf dem Teller. Die Zerstörung der Böden schreitet dramatisch voran.
Das neue Zehn-Punkte-Programm des Entwicklungsministeriums (BMZ) soll nun die Marschrichtung für die nächsten zwei Jahre im Kampf gegen Hunger vorgeben. Die Stoßrichtung ist zwar richtig, aber vieles darin klingt besser als es ist. Beispiel: Zwar fließen elf Prozent des BMZ-Haushalts bzw. 663 Millionen Euro in die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung – ein bescheidener Anstieg von 27 Millionen Euro im Vergleich zu 2008 -, aber nur 15 Prozent gehen in die Förderung der Landwirtschaft. Viel zu wenig, um den Herausforderungen in der Landwirtschaft und den Bedürfnissen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen gerecht zu werden.
Es ist richtig, dass Bildung hilft, Armut und Hunger zu überwinden, aber das BMZ vernachlässigt seit Jahren die Grund- und Sekundarbildung, obwohl es hier weltweit eine riesige Finanzierungslücke gibt. Die Forschungsinitiative zur Landdegradation ist lobenswert, aber ohne konkrete, ökologisch ausgerichtete Maßnahmen werden Böden immer unfruchtbarer. Der geförderte Zugang zu Land (und Wasser!) ist für Bauern und Bäuerinnen lebenswichtig, aber das BMZ sieht ihre Vertreibung als zulässig an, wenn Investoren belegen, dass sie „unvermeidbar“ ist. Dirk Niebels Motto „Vorbeugen ist besser als heilen“ macht sehr viel Sinn, aber sein Ministerium geht die wichtigsten Krisentreiber – Biospritpolitiken, Nahrungsmittelspekulation, Klimawandel – nicht an.
Stattdessen setzt Dirk Niebel insbesondere auf Investitionen von privaten Unternehmen und vertraut blind der Agrar- und Ernährungswirtschaft, die auf einen rabiaten Einsatz von Chemie, Düngemitteln und Gentechnik zur Bekämpfung des Hungers setzt, und macht damit den Bock zum Gärtner. Chancen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die die Grenzen des Planeten nicht überschreitet, werden vertan!
Oxfam warnt: Hungerkrisen und Verteilungskonflikte sind vorprogrammiert
0Ressourcenknappheit bedroht Ernährungssicherung
Berlin, 20. Januar 2012. Morgen diskutieren Agrarminister/innen aus 70 Staaten die Sicherung der Ernährung in Zeiten knapper werdender natürlicher Ressourcen. Oxfam warnt vor zunehmenden Hungerkrisen und Verteilungskonflikten um Land und Wasser. „Wenn Agrarministerin Ilse Aigner den Kampf gegen den Hunger als zentrale Aufgabe sieht, muss sie auf dieser Konferenz klare Worte finden“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. „Denn immer häufiger sichern sich Konzerne wichtige Wasser- und Landrechte in armen Ländern – zulasten kleinbäuerlicher Betriebe“. Gleichzeitig ginge durch die schleichende Zerstörung der Böden und schlechtes Wassermanagement immer mehr produktives Land verloren. Oxfam fordert den internationalen Berliner Agrarministergipfel auf, weltweit ein nachhaltiges Land- und Wassermanagement zu fördern und Beratungsdienste für Kleinbauern und -bäuerinnen massiv auszubauen.
Die größte Bedrohung ist der Verlust der Bodenqualität
Fruchtbare Böden sind eine unverzichtbare Grundlage für die Ernährung. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO sind jedoch bereits 25 Prozent der Böden durch Wind- und Wassererosion, Nährstoffabbau, Bodenversalzung und Bodenbelastung weitestgehend unfruchtbar geworden. „Kleinbauern und -bäuerinnen sind besonders von Armut betroffen, weil sie nur wenig Land besitzen und schlechte Böden die Erträge minimieren“, erklärt Wiggerthale. Trotzdem würden sie häufig bei der Förderung vergessen und beim Bodenschutz nicht unterstützt. „Die Verbesserung der Bodenqualität zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Ernährungssituation, fördert die Wasserspeicherfähigkeit von Böden und hilft, Treibhausgase zu reduzieren“, so Marita Wiggerthale. Bodenverbessernde Ansätze wie agrar-ökologische Anbauverfahren kombiniert mit sehr geringem Einsatz von Düngemitteln und Agrarchemikalien, Agroforstsysteme, integrierte Ackerbau- und Viehzuchtsysteme und Ökolandbau wären praxiserprobt und sehr erfolgreich.
Das Management von Regenwasser verbessern
80 Prozent des weltweit landwirtschaftlich genutzten Wassers ist Regenwasser. Da Kleinbauern und -bäuerinnen meist keinen Zugang zu Bewässerung haben, ist ihre Nahrungsmittelproduktion größtenteils von Niederschlägen abhängig. In Subsahara-Afrika erfolgen 97 Prozent der Nahrungsmittelproduktion im Regenfeldbau. „Das größte Potenzial zur Armutsreduzierung bei Kleinbauern und -bäuerinnen liegt in der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie der Ertragssteigerung im Regenfeldbau“, erklärt Wiggerthale. Die Entwicklungszusammenarbeit müsse deswegen ihren Schwerpunkt auf die Förderung des Regenfeldbaus legen.
Oxfam, Misereor, Weed: Nahrungsmittel-Spekulation verschärft Hungerkrisen: Deutsche Bank muss aussteigen
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Berlin/Aachen, 17. Januar 2012. Oxfam, Misereor und WEED werfen der Deutschen Bank vor, mitverantwortlich für Preisexplosionen auf den Weltagrarmärkten zu sein, die Lebensmittel für in Armut lebende Menschen unbezahlbar machen. Die Nichtregierungsorganisationen fordern das Geldinstitut auf, bis Ende Januar 2012 den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu beschließen und schnellstmöglich umzusetzen.
Die Deutsche Bank ist global die Nummer 1 bei börsengehandelten Rohstoffprodukten (Exchange Traded Products, ETPs) im Agrarbereich. „Die Deutsche Bank mischt beim Spekulieren mit Nahrungsmitteln international in der ersten Liga mit. Solange sie mit Essen spielt, riskiert sie den Hungertod von Menschen“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise, insbesondere die starken Preisschwankungen, ließen sich nicht nur mit den Ernteerträgen, der Nachfrage und den Lagerbeständen erklären.
Zahlreichen Experten zufolge, darunter die Weltbank, spielten die Investment- bzw. Indexfonds der Deutschen Bank und anderer Finanzspekulanten bereits eine Schlüsselrolle bei der Preisexplosion bei Nahrungsmitteln im Jahr 2007/2008. Von Januar 2005 bis Juni 2008 waren die Weizenpreise um 127 Prozent gestiegen, und die Maispreise hatten sich verdreifacht. 100 Millionen Menschen konnten sich infolge der Preisexplosion nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel leisten und mussten hungern.
Recherchen im Auftrag von Oxfam, Misereor und WEED haben ergeben, dass aus 45 Rohstofffonds der Deutschen Bank bis zum Jahresende 2010 knapp fünf Milliarden US-Dollar in Agrarrohstofffonds und knapp 3,6 Milliarden US-Dollar in Energiefonds investiert worden sind. Diese Fonds wetten auf steigende Agrar- bzw. Ölpreise und tragen damit zu Preisspitzen bei Nahrungsmitteln bei.
Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer fordert deshalb: „Die Deutsche Bank darf nicht nur gegenüber ihren Aktionären, sondern muss in einer globalisierten Welt auch gegenüber den Ärmsten ihre Verantwortung wahrnehmen und mit dem Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation ein Zeichen setzen.“ Markus Henn, Finanzexperte bei WEED, verweist auf den Zusammenhang zwischen steigenden Ölpreisen und steigenden Nahrungsmittelpreisen. „Bei der Preisentwicklung von Öl ist die massive Finanzspekulation ein wichtiger Einflussfaktor“, erklärt Henn. Steige der Ölpreis, so steige auch der Preis von Nahrungsmitteln.
Oxfam, Misereor und WEED fordern die Bundesregierung auf, bei der anstehenden EU-Finanzmarktreform für mehr Transparenz auf den Warenterminmärkten zu sorgen und die maßlose Spekulation durch Höchstgrenzen für den Handel mit Termingeschäften einzudämmen.
Oxfam, Attac und WEED: „Schäuble behindert Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation”
1Foto-Aktion zum G20-Finanzministertreffen
Ab morgen beraten die G20-Finanzminister in Paris über die Beschränkung von Spekulationen an den Warenterminbörsen. An diesen Börsen werden auch Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Reis gehandelt. Oxfam, Attac und WEED werfen dem deutschen Finanzminister vor, eine effektive Regulierung der Nahrungsmittelmärkte zu behindern.
„Unser Finanzminister setzt so das Essen der Menschen in armen Ländern aufs Spiel“, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. „Wenn Wolfgang Schäuble die maßlose Spekulation nicht bremst, riskiert er den Hungertod weiterer Menschen.“
Gegen die Nahrungsmittelspekulation protestieren Oxfam, Attac und WEED mit einer Aktion vor der Frankfurter Börse: Drei Jongleure lassen Maiskolben, Bananen und Kartoffeln durch die Luft fliegen. Essen kann sie niemand mehr, denn die Zockerei treibt die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe und macht sie für viele Menschen unerschwinglich. Ein als Finanzminister Schäuble verkleideter Aktivist gibt in diesem Essens-Zirkus den Direktor: Mit einer Peitsche treibt er die Artisten an.
Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen und Zeitvorgaben gefordert
„Angela Merkel sagte schon Anfang 2009, dass kein Markt, kein Produkt und kein Akteur ohne Regulierung und Aufsicht sein darf. Passiert ist seither wenig. Jetzt muss dieser Grundsatz als Erstes sofort für den Warenterminhandel umgesetzt werden“, fordert Jutta Sundermann von Attac Deutschland. Die Bundesregierung müsse sich für einen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen und Zeitvorgaben einsetzen, damit spekulationsbedingte Preissprünge gestoppt werden. „Deutschland bremst hinter den Kulissen die Regulierung aus und macht sich so zum Fürsprecher der krisentreibenden Finanzbranche“, kritisiert Finanzexperte Markus Henn von WEED.
Die Maispreise liegen mit 313 US-Dollar pro Tonne derzeit über dem Rekordwert vom Juni 2008. Bei Weizen haben die Preise bereits wieder 70 Prozent des Höchstwerts vom März 2008 erreicht. Ohne die exzessive Spekulation an den Rohstoffbörsen sind diese Preissprünge nicht zu erklären.
Fotos der Aktion können Sie hier herunterladen: www.oxfam.de/fotoaktion-spekulationszirkus
Oxfam warnt: Ausverkauf von Land weitaus dramatischer als bisher angenommen
0Oxfam warnt: Ausverkauf von Land weitaus dramatischer als bisher angenommen / Bericht zu Landgrabbing / Beispiel Uganda: 22.500 Menschen vertrieben
Berlin, 22. September 2011. Oxfams neuer Bericht “Land and Power” zeigt, dass die weltweit steigende Nachfrage nach Landflächen weitaus größere Ausmaße hat, als von der Weltbank angenommen.(1) Nach Oxfams neuesten, noch vorläufigen Untersuchungsergebnissen wurden seit 2001 insgesamt bis zu 227 Millionen Hektar Land aufgekauft oder gepachtet (2), der Großteil davon in den letzten zwei Jahren. Dies entspricht einer Fläche so groß wie Westeuropa.
“Wir haben es hier vielfach mit Landgrabbing zu tun”, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. “Das heißt, Investoren ignorieren die Rechte und Bedürfnisse armer Menschen, die das Land bearbeiteten und davon lebten. Sie verlieren ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlagen, ohne zuvor angehört oder entschädigt zu werden und ohne die Verträge anfechten zu können.” Der Oxfam-Bericht liefert dazu Beispiele aus Uganda, Indonesien, Honduras, Guatemala und dem Südsudan.
Uganda: Mindestens 22.500 Menschen wurden vertrieben
Oxfams Recherchen zeigen, dass zwischen 2006 und 2010 mindestens 22.500 Menschen in den ugandischen Distrikten Mubende und Kiboga ihr Land zugunsten des britischen Holzunternehmens New Forests Company (NFC) verloren haben. Viele Betroffene beklagen, wie sie, teilweise unter Anwendung von Gewalt, vertrieben wurden und nun mittellos dastehen. Gerichtsurteile untersagten zwar solche Vertreibungen, aber Augenzeugen berichten, dass Arbeiter der NFC an einigen Vertreibungen beteiligt gewesen seien. Das Unternehmen bestreitet dies.(3) Der Bauer Francis, Mitte vierzig, der ehemals im Kiboga-Distrikt lebte, erzählt: “Unsere gesamten Pflanzungen wurden zerstört – wir haben alles, was wir hatten, verloren. Wir dürfen nicht einmal hin, um das, was wir zurücklassen mussten, zu holen. Die Tagelöhner des Unternehmens drohten uns sogar Schläge an, wenn wir nicht gingen.”
Bestehende Landrechte sichern, Frauen gleichberechtigt behandeln
Oxfam setzt sich im Rahmen seiner Kampagne “Mahlzeit!” für den Stopp von Landgrabbing durch Regierungen und Unternehmen ein. “Bestehenden Landrechten sollte Vorrang vor Investoren-Interessen eingeräumt werden. Und zwar nicht nur, wenn legale Landtitel oder formale Besitzverhältnisse bestehen, sondern auch dort, wo Gewohnheitsrechte bestehen und Land traditionell seit Generationen bewirtschaftet wird. Ebenso sollten Frauen die gleichen Landrechte wie Männer erhalten”, fordert Wiggerthale.
Die Regierungen und Unternehmen müssten betroffene Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, nomadische Viehzüchter und indigene Bevölkerungsgruppen vorab informieren und anhören. Internationale Standards – wie zum Beispiel die International Finance Corporation Performance Standards der Weltbank oder die Standards des Forest Stewardship Council – müssten beachtet und menschenrechtliche Verpflichtungen zum Schutz der kleinbäuerlichen Produzenten und der lokalen Bevölkerung eingehalten werden. Wiggerthale: “Potentiell entwicklungsschädliche Anreize für Landaufkäufe, wie die fehlgeleiteten Biospritpolitiken der EU, sollten abgeschafft werden.”
Im Oktober trifft sich der UN-Welternährungsausschuss in Rom, um Leitlinien zu Landnutzungsrechten zu verabschieden. “Dies ist ein wichtiger, erster Schritt. Auf internationaler Ebene muss dringend gehandelt werden, damit Menschen, die ohnehin fast nichts besitzen, dieses Bisschen nicht auch noch zugunsten einiger weniger Investoren verlieren. Es muss sichergestellt werden, dass in Zukunft alle genug zu essen haben”, so Wiggerthale.
Landgrabbing-Bericht und ausführlichere Infos zum Uganda-Fall gibt es hier:
(1) Am 7. September 2010 bezifferte die Weltbank den Umfang großflächiger Landgeschäfte im Jahr 2009 auf 45 Millionen ha. In den zehn Jahren zuvor wurden im Schnitt vier Millionen ha jährlich aufgekauft oder gepachtet.
(2) Die von Oxfam verwendete Zahl 227 Millionen ha basiert auf Informationen über Landgeschäfte mit einer Größe von mehr als 200 ha aus verschiedenen Quellen, einschließlich Regierungsberichten, wissenschaftlicher Forschung, Medienberichten und den wenigen verfügbaren Verträgen. Die “Land Matrix Partnership” umfasst die International Land Coalition, die Universitäten Bern und Hamburg, das französische Forschungsinstitut CIRAD und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Das Bündnis überprüft momentan die Daten zu den ihnen bekannten Landgeschäften. Es fordert eine verbesserte Transparenz von Unternehmen und Regierungen, damit das wahre Ausmaß des Problems genau erfasst werden kann.
(3) Die Vertreibungen fanden in den Jahren 2006 bis 2010 statt. Ein Urteil des ugandischen Obersten Gerichtshofs lag am 24. August 2009 vor und blieb bis zum 18. März 2010 in Kraft. Ein anderes Gerichtsurteil lag am 19. Juni 2009 vor und blieb bis zum 2. Oktober 2009 in Kraft. Beide Urteile verlangen das Unterlassen von Vertreibungen. Die NFC erklärte, dass die Mehrheit der Bewohner vor Ort über keine legalen Landrechte verfügten, dass sie das Land friedlich verlassen hätten, und dass der Prozess in der alleinigen Verantwortung der ugandischen Forstbehörde läge. Das Unternehmen teilte Oxfam mit, dass es viele Jobs geschaffen hätte, dass es Zusatzleistungen für die lokalen Gemeinden erbracht hätte, und dass seine Aktivitäten vom Forest Stewardship Council und der International Finance Corporation genehmigt worden seien.
Oxfam, Misereor und WEED fordern, die exzessive Spekulation einzudämmen
0Nahrungsmittelspekulation heute erstmals Thema im Bundestag / Bilder vom Fotostunt
“Mit Essen spielt man nicht!”
Oxfam, Misereor und WEED fordern, die exzessive Spekulation einzudämmen
Berlin, 27. Juni 2011. Heute setzt sich der Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einer öffentlichen Anhörung erstmals mit der Nahrungsmittel-Spekulation auseinander. Oxfam, Misereor und WEED warnen mit ihrer Aktion “Bis die Blase platzt” vor der Zunahme des Hungers in den armen Ländern, die durch maßlose Spekulation befördert werde. “Mit Essen spielt man nicht!”, erklären sie und fordern die Abgeordneten auf, sich bei der Bundesregierung für die Eindämmung von exzessiven Nahrungsmittel-Spekulationen einzusetzen. Seit Mitte 2000 nehme die Spekulation, insbesondere in den USA, dramatisch zu. Ungeheure Geldsummen würden in die Warenterminmärkte gepumpt und damit extreme Preissprünge ausgelöst.
G20 und EU-Finanzmarktreform-Prozesse bieten Regulierungschancen
Auf internationaler und europäischer Ebene böten sich jetzt die Chancen, die unkontrollierte Spekulation an den Warenterminmärkten zu bändigen und wirksame Regulierungen zu verabschieden. “Bundeskanzlerin Merkel sollte die Initiative des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy unterstützen und die skeptischen angelsächsischen G20-Mitglieder überzeugen, dass die Regulierung der Warenterminbörsen unverzichtbar ist”, fordert Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Laut OECD und FAO sei die Wissenschaft sich fast einig, dass ein hohes Ausmaß an Spekulation an den Warenterminbörsen kurzfristige Preisbewegungen verstärke.
Auch auf europäischer Ebene bestünde aktuell die Chance, Transparenz zu verbessern, den außerbörslichen Handel (OTC) zu regulieren und exzessiven Spekulationen durch Handelsbeschränkungen wie Positionslimits vorzubeugen. “Die Bundesregierung darf sich nicht von der Finanzbranche einlullen lassen”, erklärt Markus Henn, Finanzexperte bei der Entwicklungsorganisation WEED. Die Regulierung der Finanzmärkte sei wichtig, um die Warenterminmärkte funktionsfähig zu halten und die Weltagrarmärkte zu stabilisieren. “Davon profitieren sowohl Bauern und Bäuerinnen als auch Verbraucher/innen”, so Henn. Die Rohstoffmärkte seien zu wichtig, als dass man sie allein den Finanzspekulanten überlassen könne.
Nahrungsmittelreserven aufbauen, um arme Menschen vor Preissprüngen zu schützen
“Es geht nicht nur um die Kontrolle von Terminmärkten. Um den Hunger weltweit zu bekämpfen und arme Menschen vor Preissprüngen zu schützen braucht es einen Paradigmenwechsel in der Rohstoffpolitik”, betont Benjamin Luig, Agrarreferent bei Misereor. Die Bundesregierung müsse sich auf internationaler Ebene für den Aufbau öffentlicher Nahrungsmittelreserven einsetzen, um das Nahrungsmittelsystem unabhängiger von den Börsen zu machen. “Langfristig müssen auch die Kartellstrukturen im physischen Rohstoffhandel angegangen werden. Eine Handvoll Konzerne beherrscht heute weltweit den Handel mit Weizen und Soja. Spekulation mit Nahrungsmitteln beschränkt sich keineswegs nur auf die Terminmärkte”, so Luig.
Link zur Anhörung: www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/34794987_kw25_pa_elv/index.html
Foto-Stunt am Schiffbauerdamm beim Reichstag
Oxfam, Misereor und WEED machen mit einem Fotostunt auf die unheilvolle Spekulation mit Nahrungsmitteln aufmerksam. Um einen Roulettetisch sitzen Spekulanten. Ihr Wetteinsatz sind keine bunten Chips, sondern Naturalien – Weizen, Mais, Reis. Daneben schwebt ein Ballon – die “Rohstoff-Börse”. Während die Spekulanten zocken, wird die Spekulationsblase immer größer und größer, bis sie irgendwann zerplatzt! Daraufhin ziehen sich die Spekulanten dezent vom Spieltisch zurück und stellen sich an die Seite. Niemand will es gewesen sein. Keiner stellt sich der Verantwortung.
Bilder des Stunts gibt es ab 14 Uhr hier zum Download:
www.oxfam.de/multimedia/fotostunt-spekulation
Fakten:
- US-Weizenmarkt: 2002 war das Verhältnis Futures zu reeller Produktion 1 zu 11; 2004: 1 zu 16, 2007: 1 zu 30.
- Im Zeitraum 1996 bis 2008 stieg an der Chicagoer Börse der Anteil der Finanzspekulanten bei Weizen von 32 Prozent auf 65 Prozent, während der Anteil derjenigen, die sich am Warenterminmarkt gegen Preisrisiken absichern (“Hedger”), von 68 Prozent auf 35 Prozent sank.
- Über die Indexfonds floss seit 2004 viel Kapital in Agrarrohstoffe. Die “Investitionen” stiegen von 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2003 auf 317 Milliarden US-Dollar im Juli 2008.
Weitere Informationen:
www.oxfam.de/mahlzeit
www.weed-online.org/themen/finanzen/index.html
www.misereor.de/themen/hunger-krankheit/hunger-bekaempfen.html
www.makefinancework.org/startseite-deutsch/
Oxfam: Für sieben magere Jahre vorsorgen
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Oxfam-Untersuchung zeigt, dass Nahrungsmittelreserven ausgebaut werden müssen
Berlin, 22. Juni 2011. “Die Zeit ist gekommen, die Haltung zu Nahrungsmittelreserven zu überdenken!” Dazu fordert die Entwicklungsorganisation Oxfam die G20-Agrarminister in Paris auf. “Nahrungsmittelreserven sind in den letzten zwanzig Jahren in den Hintergrund getreten, dabei können sie eine entscheidende Rolle bei der Ernährungssicherung spielen”, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. In der Vergangenheit seien sie wegen des schlechten Managements in Verruf geraten. Dies spreche aber nicht grundsätzlich gegen diese Politik, sondern für eine bessere Umsetzung und Steuerung.
Mit nur zehn US-Dollar pro Person finanzierbar
Eine neue Untersuchung von Oxfam belegt, dass im Jahr 2007/08 eine globale Getreidereserve von nur 105 Millionen Tonnen gereicht hätte, eine Nahrungsmittelkrise verhindern zu helfen. Die Investitionen hätten sich auf 1,5 Milliarden US-Dollar belaufen – zehn US-Dollar für jeden der 150 Millionen Menschen, die aufgrund hoher Nahrungsmittelpreise in den Hunger getrieben wurden. “Nahrungsmittelreserven sind nicht per se teuer und ineffektiv”, sagt Wiggerthale. Es gebe smarte Ansätze, die Entwicklungsländer als Teil eines Mix von Politiken verfolgen könnten, um Preissteigerungen zu begrenzen. “Die G20-Länder und internationalen Organisationen sollten anfangen, sich vorurteilsfrei damit auseinanderzusetzen”, fordert Wiggerthale. Angesichts prognostizierter andauernd hoher Nahrungsmittelpreise bis mindestens 2020 müssten alle Optionen ernsthaft geprüft werden, um einen Anstieg des Hungers zu vermeiden.
Marktstrategien scheitern bei Menschen ohne Kaufkraft
Die Regierungen der Welt propagieren weiterhin Marktintegration, obwohl hierdurch wichtige Ansätze wie Nahrungsmittelreserven abgeschafft werden. “Für Menschen ohne Kaufkraft bietet der Markt keine bezahlbaren Nahrungsmittel”, erklärt Wiggerthale. Wenn Agrosprit-Hersteller und reichere Verbraucher bereit seien, höhere Preise für Getreide bzw. Nahrungsmittel zu zahlen, seien arme Menschen ohne Kaufkraft von Hunger bedroht. Mit klug eingesetzten und gut bewirtschafteten Nahrungsmittelreserven blieben hingegen Lebensmittel bezahlbar, könnte die Produktivität gesteigert und Devisenausgaben für Nahrungsmittelimporte reduziert werden.
Das englische Papier “Preparing for thin cows. Why the G20 should keep buffer stocks on the agenda” gibt es hier: www.oxfam.de/bn-preparing-thin-cows-210611-en.pdf