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INKOTA: Kambodscha – Arbeiterinnen bei Protesten vor PUMA-Zulieferer angeschossen

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[Berlin, 22. Februar 2012] – Bei Protesten vor den Toren des PUMA-Zulieferbetriebes Kaoway Sports Ltd. in der südkambodschanischen Stadt Bavet wurden am Montag drei Frauen angeschossen. Ein Schütze, der laut Zeugenaussagen eine Polizeiuniform trug, feuerte gezielt auf Arme, Brust und Rücken der Opfer. Eine der Frauen, Buot Chinda (21), befindet sich weiterhin in einem medizinisch kritischen Zustand und kämpft ums Überleben. Die anderen beiden Frauen, Keo Neth (18) und Nuth Sakhorn (23), sind stabil. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert nun von PUMA eine rasche Aufklärung des Vorfalls.

Zur Schießerei kam es während einer Demonstration, an der sich mehrere Tausend ArbeiterInnen aus verschiedenen Textilfabriken der Sonderwirtschaftszone Manhattan von Bavet, einer Stadt in der kambodschanischen Provinz Svay Rieng, beteiligten. Die ArbeiterInnen forderten sowohl eine Lohnerhöhung von 10 US-$ des gesetzlichen Mindestlohns von 61 US-$ im Monat, als auch Zuschüsse für den Transport zum Arbeitsplatz und einen Beitrag von 50 Cent täglich für das Mittagessen.

Angesichts der miserablen Arbeitsbedingungen in der kambodschanischen Textilindustrie, haben sich die Proteste der ArbeitnehmerInnen in den letzten zwei Jahren verstärkt. Dabei war es immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen, gegen die auch mit staatlicher Gewalt und ungerechtfertigten Entlassungen von GewerkschafterInnen durch die Unternehmen vorgegangen wurde.

Erst kürzlich fand in Phnom Penh das „Volkstribunal für ein Grundrecht der TextilarbeiterInnen auf existenzsichernde Löhne und angemessene Arbeitsbedingungen“ statt. Die Jury des Tribunals kam dabei zu dem Ergebnis, dass die durchweg niedrigen Löhne in der Textilindustrie, den Gesundheitszustand der ArbeitnehmerInnen massiv verschlechtern. Auch die Massenohnmachtsanfälle, mit denen PUMA im letzten Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte, stellte die Jury in einen direkten Zusammenhang mit den schlechten Arbeitsbedingungen. PUMA nahm an dem Tribunal teil und zog die Einführung existenzsichernder Löhne als eine mögliche Option zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Betracht.

„PUMA muss jetzt zeigen, dass es ihnen mit ihren Vorsätzen ernst ist“, so Lars Stubbe von INKOTA. „Wir stehen mit PUMA in Kontakt und erwarten, dass der Vorfall durch einen unabhängigen Bericht schnell und rückhaltlos aufgeklärt wird.“

Darüber hinaus fordert die Kampagne für Saubere Kleidung von PUMA,

· allen Opfern die finanziell erforderliche Hilfe für eine adäquate medizinische und psychologische Versorgung zukommen zu lassen,

· die Verwundeten finanziell zu entschädigen und zukünftige Schädigungen oder Lohnausfälle auszugleichen,

· eine aktive Rolle in der Lösung der Auseinandersetzungen einzunehmen,

· die Zahlung eines Existenzlohns.

Weitere Informationen:

www.inkota.de/volkstribunal-kambodscha2012/

www.saubere-kleidung.de

Christliche Initiative Romero: Erneut Arbeitsrechtsverletzungen bei Ocean Sky

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So schnell es positive Nachrichten über die Abstellung der meisten Misstände in der Fabrik Ocean Sky gab, so schnell relativieren sich diese nun nachdem der Medienrummel und die Aufmerksamkeit abgeflaut sind. Nach vielen Klagen von ArbeiterInnen wendet sich unsere Partnerorganisation Mujeres Transformando (MT) nun besorgt an die Fabrikbetreiber nachdem es zunächst zu schnellen Erfolgen nach Veröffentlichung des Berichts Anfang des Jahres gekommen war. Der Bericht des Instituts für globale Arbeits- und Menschenrechte und Mujeres Transformando über die Zustände in der Fabrik Ocean Sky in El Salvador hatte großes Aufsehen erregt. Die Fabrik und ihre Einkäufer, zu denen u.a. Adidas/Reebok, Puma, Gap und Columbia zählen, haben inzwischen zwar eingesehen, dass es gravierende Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Fabrik gab und sich dazu verpflichtet, diese Probleme zu beheben. Seitdem hat sich einiges getan, aber längst nicht genug und sogar weniger als zunächst gedacht.

Durch folgende Maßnahmen wurden zunächst konkrete Verbesserungen der Arbeit in der Fabrik erreicht: Türen und Fenster, die zuvor verschlossen waren, wurden geöffnet, um mehr Licht und Luft einzulassen. Außerdem wurden weitere Lüftungsventilatoren installiert. Die Betriebsführung hat Maßnahmen ergriffen, um die Verunreinigung des Trinkwassers der Fabrik zu beseitigen und seine Qualität zu erhöhen. Auch die Behandlung der ArbeiterInnen durch die AufseherInnen soll verbessert werden: Beschimpfungen sind verboten und die AufseherInnen werden an Schulungen zu Kommunikation und Umgang mit den ArbeiterInnen teilnehmen.

Auch im Hinblick auf Arbeitsrechte wurden Fortschritte erzielt: Erzwungene Überstunden wurden abgeschafft, jegliche Überstunden sind nun freiwillig. Zudem erhalten die ArbeiterInnen Kopien ihrer detaillierten Gehaltsabrechnung, die auf Spanisch dokumentiert, wie viel sie bezahlt bekommen. Dadurch können sie nachvollziehen und prüfen, welche Stunden sie bezahlt bekommen, wie hoch der Lohnsatz ist und welche Abzüge vorgenommen wurden.

Gleichzeitig haben sich die Markenfirmen sowie Ocean Sky International LTD dazu verpflichtet, auch weiterhin in El Salvador und in der bestehenden Fabrik zu produzieren. Die Arbeitsplätze der ArbeiterInnen sind demnach nicht von einer Standortverlegungen auf Grund der negativen Schlagzeilen nach Veröffentlichung des Berichts bedroht.

Dennoch bleibt die Herausforderung, diese Verbesserungen dauerhaft zu erhalten, gerade wenn das erste Medieninteresse abgeklungen ist und Ocean Sky aus dem Fokus verschwindet. Ein großes Problem hierbei ist, dass unter den ArbeiterInnen weiterhin Angst und Misstrauen besteht, sich über die tatsächlichen Zustände in der Fabrik zu äußern. Die Beteiligung der ArbeiterInnen bleibt niedrig und der Druck auf sie ist hoch. Des Weiteren bewegen sich die Löhne nur auf dem Niveau des staatlichen Mindestlohns, der nicht zum Leben ausreicht.

Ein Brief unserer Partner zeigt nun, dass einige der Missstände längst nicht behoben sind. Erneut berichten Arbeiterinnen von verbalen Misshandlungen und massiver Unter Druck Setzung. Außerdem wird ihnen damit gedroht, dass man herausfinden werde, wer die Informationen über die Fabrik für den Bericht Preis gegeben hat.

Auszug aus dem Brief:

„Wir haben von Arbeiterinnen, die uns aufgesucht, uns angerufen oder eine Nachricht geschickt haben, die Informationen erhalten, dass einige der AufseherInnen seit einigen Wochen erneut damit begonnen haben, die Arbeiterinnen anzuschreien und zu beschimpfen.

Es beunruhigt uns, dass die Arbeiterinnen von Schreien, Druck und Bedrohungen berichten, die sich gegen ihre Würde richten, indem ihnen Sätze gesagt werden wie: „Ihr seid zu nichts nütze!“ oder „Wärmt nicht nur den Sitz an, sondern arbeitet schneller!“ Außerdem werden sie darauf hingewiesen, „dass man herausfinden werde, wer die Informationen über die Fabrik Preis gegeben hat“. Es wird ihnen gesagt, dass sie undankbar seien: „Wir geben euch Arbeit, damit ihr zu Essen habt und ihr dankt es nicht.“ Und: „Wenn die Fabrik geschlossen wird, werdet ihr heulend auf der Straße stehen und habt nichts zu essen.“

Die Arbeiterinnen informierten uns, dass die AufseherInnen samstags Schulungen erhalten, um den Umgang mit den Arbeiterinnen zu verbessern, aber dass diese AufseherInnen weiterhin ihr Amt missbrauchen. Dadurch schaffen sie wiederum eine Atmosphäre der Angst und Einschüchterung in der Fabrik.“

 

„…Wir wurden informiert, dass die ArbeiterInnen, die für Puma nähen, zurzeit Schichten von 15 Stunden und 45 Minuten pro Tag arbeiten. Das tun sie zwei oder drei Mal die Woche, um die Verladeaufträge einzuhalten. Die ArbeiterInnen beenden ihre Schichten um 22:30 Uhr. Auf Grund der niedrigen Gehälter, die in der Maquilaindustrie in El Salvador gezahlt werden, sind sie gezwungen, Überstunden zu machen.“

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