2011-11-29
Castor 2011: Das Anti Atom Netzwerk aus Frankreich – Sortir du Nucleaire im Wendland
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Wir sind hier eine kleine Gruppe von FranzösInnen von dem Anti-Atom-Netzwerk « Sortir du nucléaire ». Diese Organisation, 1997 gegründet, versammelt heute mehr als 54 000 einzelne Mitglieder und 920 Gruppen – lokale Umweltschutzvereine, NGOs, Gewerkschaften, Parteien und eben Bioläden – die den Atomausstieg wollen.

Einige von uns waren schon in Valognes dabei und haben zu den Camp und zu den Protest teilgenommen. Andere haben den letzten Tagen und Nächten Infos über die Mobilisierungen und den Fortschritt des Züges in Deutschland weitergeleitet. Andere – die bald ankommen sollen – haben den Zug mit dem Auto auf dem ganzen Weg verfolgt. Und jetzt sind wir hier in Dannenberg, und werden an der Demo teilnehmen – wir haben übrigens ein grosses Transparent mitgebracht, das schon auf den Baümen hängt. Wir sind hier her gefahren, weil wir uns völlig solidarisch erklären zu den Menschen, die hier versammelt sind.

Wie die Deutsche – und auch wie viele Leute aus anderen Ländern, die übrigens auch hier sind – protestieren wir gegen diese Atommülltransporte. Sie bedeuten ein Gefahr für die Bevölkerung – die Radioaktivität dieses Transport ist mehrmals, was bei der Tschernobyl-Katastrophe freigesetzt wurde. Diese Castor-Behälter, die als so sicher dargestellt werden, dürfen nicht aus mehr als 9 Metern fallen, und könnten auch nicht bei einem Brand in einem Tunnel halten. Daneben ist es auch ein Gefahr für die Eisenbahner, die in Frankreich fast gar nicht über die Risiken der Strahlungen informiert sind. Laut einem Gewerschafter habe man eben beobachten können, wie Eisenbahner sich in Winter an Atommüllwagen gelehnt haben, weil sie wärmer sind! Deshalb hat der Lokführergesellschaft Sud Rail – die einzige in Frankreich, die sich klar gegen Atomkraft engagiert – vor dem Abfahrt des Züges angekündigt, manche Lokführer könnten Rücktrittsrecht über, um gegen Risiken  und mangelnde Information zu protestieren. Letztes Jahr schon hatte der Zug eine andere Strecke fahren sollen, weil ein Lokführer in Amiens sich geweigert hatte, den « Höllenzug » zu fahren.

Wir protestieren auch gegen diese Transporte, da sie geheim bleiben. In Frankreich wissen die Bürgermeister praktisch eben nicht Bescheid, wenn ein rollendes AKW durch ihre Stadt fährt. Letztes Jahr ist der Castor über die dichtbevölkerte Stadt Strassburg gefahren… ohne dass die Leute im Kabinett des Bürgermeisters davon erfahren! Diese Transporte geben immer Anlass zu einer überproportionale Repression. Manchmal kann es grausam sein, wie letztes Jahr, als Polizisten bewusst die AktivistInnen verletzt haben, die sich den Schienen angekettet hatten. Manchmal ist es lächerlich: Dieses Jahr ist ein Aktivist in Amiens 10 Stunden in Gewahrsam geblieben, da er eine « drittklassige Waffe » dabei hatte… und zwar eine alte Gasmaske.

Aber besonders sind wir gegen diese Transporte als Teil des ganzen Atomsystems. Durch die Mobilisierung wollen wir den Scheinwerfer auf die Sackgasse Atomkraft werfen. In Deutschland wie in Frankreich sind dieselbe Probleme zu finden. Dieser gefährliche Transport existiert, weil unsere beide Regierungen ein Abkommen gemacht haben, um Atommüll zu « wiederaufarbeiten ». Wir prangern diese dreckige Business und den Wahnsinn der Wiederaufarbeitung an. Frankreich versucht vergeblich, die Atomanlage La Hague zu rentabilisieren. Die deutsche Regierung hat versucht, der Atommüll in « Ferienlager » im Ausland zu schicken, um dieser für eine Weile zu vergessen, und um nicht denken sollen, dass es keine Lösung gibt. Dazu ist die «Wiederverwertung » ein Mythos; inzwischen entsteht aber eine riesige Verschmutzung, die sich in dem Nordsee verteilt und deren Spüren eben an den norwegischen Küsten zu finden sind. La Hague, genauso wie Sellafield, gehört zu den verschmutzendeste  n Anlagen in der Welt.

La Hague ist kein sicheres Ort, um Atommüll zu lagern. Aber Gorleben ist auch nicht sicher. Wir wissen, die erlaubte Messwerte im Zwischenlager sind schon längst überschritten. Wir wissen auch, dass das Endlagerprojekt Gorleben gar nicht sicher ist; dass Gorleben nicht aus geologischen, sondern politischen Grunden gewählt worden ist. Und wir halten Endlagerung für eine sehr gefährliche Option, die zur Verseuchung einer ganzen Region führen kann.

Wir erklären uns auch mit den Leuten in Wendland solidarisch, weil es bei uns in Bure – in Lothringen – ein ähnliches Endlagerprojekt gibt.

Wie in Gorleben ist ein nicht sehr dichtbevölkertes Gegend gewählt worden. Wie in Gorleben redet man über «Erkundung». Aber es ist klar : es wird nicht geforscht, ob Atommüll hier geschickt werden könnte, sondern man versucht zu bestätigen, dass Atommüll dort geschickt werden kann. Die französische Agentur für Atommüll versucht quasi, die Region zu kaufen. Scheindebatte werden organisiert, so dass die Bevölkerung das Projekt akzeptiert. Die Widerstand ist bei uns echt schwierig. Deshalb freuen wir uns wirklich, hier in Dannenberg zu sein, und diese riesige, gemütliche und andauernde Bewegung zu sehen. Es gibt uns Mut in unserem Kampf.

Ja, bei uns ist die Widerstand gar nicht einfach. Nicht weil die Franzosen Atomkraft befürworten. Ganz in Gegenteil ist immer die Mehrheit der Bevölkerung bewusst gewesen, dass diese Energie gefährlich ist. Aber die Propaganda der Atomlobby ist einfach so stark, dass viele Leute denken: «Auch wenn es nicht gut ist, haben wir keine andere Wahl: sonst geraten wir wieder in Kerzenzeitalter!». Diese Atomlobby ist so stark, dass er sich erlaubt, in politischen Verhandlungen einzudrängen.

Die Grünen haben vor kurzem ein Abkommen mit der sozialistischen Partei gemacht. Während die Diskussionen haben Mitglieder des Rats der PS SMS von EDF-Prominenten gekriegt, so dass Wiederaufarbeitung nicht ausgegeben wird. Deshalb hat dieses Abkommen sein Inhalt verloren und lässt den Grünen – und allen AtomkraftgegnerInnen – einen bitteren Geschmack. Dazu scheint Atompolitik zu den letzten Resten der absoluten Monarchie zu gehören.

Alle Regierende sind davon verrückt, und Sarkozy ist wahrscheinlich der schlimmste Atomverrückte. Gestern hat er am veraltenden AKW Tricastin eine Rede zum Lob der Kernenergie gehalten. Laut ihm sollte Frankreich in Armut geraten, wenn nur einige veraltende Reaktoren aus dem Netz genommen werden. Ab kommenden Montag ist eine massive Propagandakampagne angekündigt: Millionen von Plakaten sollen gedruckt werden, um den Franzosen zu erklären, dass Atomausstieg sie mit der Zerstörung zwei Millionen Arbeitsplätze bedroht.

Egal, wenn auch nur 120 000 Leute tatsächlich in Kernenergiebereich arbeiten. Egal auch, wenn Deutschland sich über 370 000 Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien freuen kann, zehn Jahre nach dem Atomausstiegsgesetzt. Egal auch, wenn die besten Energieexperten in Frankreich vor kurzem ein Energiewendeszenario veröffentlicht haben, das zeigt, Atomausstieg ist nicht nur möglich, sondern auch mit einer gesunden Wirtschaft sehr gut zu vereinbaren.

Ja, der Widerstand ist bei uns schwierig. Aber sie nimmt trotzdem zu. Jetzt erklären sich ungefähr 70 % der Franzosen für Atomausstieg. Nach der Fukushima-Katastrophe ist es für die Mehrheit ganz klar, dass diese gefährliche Energiequelle zur Vergangenheit gehören soll. Am 15. Oktober haben 20 000 Leute in sechs Stäten gegen Atomkraft demonstriert.

Und wir sind gerade bei einem grossen Mobilisierungsprojekt: Wir wollen am 11. März 2012 eine Menschenkette im Rhonetal bauen. Ihr seid alle herzlich willkommen!

Es gibt nur einen Ausweg aus der Atommüll-Sackgasse: abschalten!

Wir rufen zum gewaltfreien Protest gegen den Castor auf und erklären uns solidarisch mit der Mobilisierung in Deutschland. Es geht nicht nur um diesen Transport, sondern um das ganze Atom-System, das den Atommüll produziert hat und uns gefährdet, in Frankreich wie in Deutschland.

Atommülltransporte sind hochgefährlich.

Die Radioaktivität eines Castor-Transport bedeutet mehrere rollende AKWs. Aber die Castor werden nicht gegen alle Risiken geschutzt: Sie dürfen nicht in einem zu heissen Brand bleiben, dürfen auch nicht höher als 9 Meter fallen… Auch wenn es kein Unfall gibt, gefährden die Castor-Transporte die Gesundheit der Eisenbahner, die keine Information über die Risiken der Strahlungen erhalten.

Atommülltransporte bleiben geheim

Weder die Bevölkerung noch ihre VertreterInnen werden von den Behörden informiert, wenn ein Castor über eine Gemeinde rollt.

Der Wahnsinn der Wiederaufarbeitung und der Endlagerung

Die Transporte von La Hague nach Gorleben sind ein krasses Beispiel der Sackgasse Atommüll. Die sogenannte Wiederaufarbeitung produziert nur zusätzlicher Müll, und setzt eine riesige Menge radioaktiver Schadstoffe in der Umwelt frei. La Hague ist auch kein Zwischenlager; aber das Zwischenlager Gorleben, wo die erlaubte Messwerte schon lange überschritten sind, ist auch kein sicheres Ort. Das Endlagerprojekt Gorleben ist nicht aus geologischen, sondern aus rein politischen Gründen gewählt worden. Ausserdem ist Endlagerung keine sichere Option, da sie eine ganze Region für Jahrhunderte verseuchen kann. Da wir auch gegen einen Endlagerprojekt in Bure (in Lothringen) kämpfen, bringen wir unsere volle Unterstützung denjenigen, die gegen ein Atomklo in Gorleben kämpfen.

Atommüll ist eine Sackgasse, in Deutschland wie in Frankreich. Es gibt nur einen Ausweg : Abschalten!

 

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