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INKOTA: „Unconscious Collapses“: Ohnmächtige Näherinnen „werben“ für H&M

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saubere kleidung ccc[Berlin, 25. März 2013] – Die Kampagne für Saubere Kleidung und INKOTA nehmen die vergangene Woche lancierte H&M-Werbekampagne „Conscious Collection“ aufs Korn. Die Adbusting-Aktion startet heute unter dem Titel „Unconscious Collapses“. Ziel ist, auf die miserablen Arbeitsbedingungen und die viel zu geringe Entlohnung der ArbeiterInnen in asiatischen Textilfabriken hinzuweisen, in denen H&M seine Kleidung produzieren lässt.

Allein in Kambodscha sind seit 2010 aufgrund von Mangelernährung infolge zu niedriger Löhne mehr als 2.400 Näherinnen am Arbeitsplatz kollabiert – mehrere Hundert von ihnen in H&M-Zulieferbetrieben. Die Kampagne für Saubere Kleidung und INKOTA fordern deshalb H&M auf, endlich existenzsichernde Löhne an seine ArbeiterInnen zu zahlen. Die kritische Öffentlichkeit und KonsumentInnen können sich per Online-Petition an den Branchenleader H&M und andere Modekonzerne richten, und damit den Druck auf die Unternehmen erhöhen.

inkota„Aus unserer Sicht grenzt es an Zynismus von einer bewussten Modekollektion zu sprechen, während diejenigen, die die Kleidung nähen, reihenweise in Ohnmacht fallen“, sagt INKOTA-Vorstandsmitglied Axel Schröder. H&M-Chef Karl-Johann Persson hingegen preist die neue Kollektion damit an, dass sie dem gesteigerten Interesse der KundInnen an Nachhaltigkeit Rechnung trage und sie deshalb „darauf vertrauen können, dass alles, was sie von uns kaufen, mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt hergestellt wird“. „Die Arbeitsbedingungen in den asiatischen Zulieferbetrieben blendet Persson dabei offensichtlich komplett aus“, so Schröder weiter.

Mit einem Umsatz von rund 16,3 Mrd. Euro und über 2 Mrd. Euro Gewinn (im Jahr 2012) steht H&M besonders in der Pflicht, seinen ArbeiterInnen in Asien endlich einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, damit sie und ihre Familien wenigstens genug zu essen haben. „Eine Verpflichtung des Branchenprimus zu Existenzlöhnen hätte Signalwirkung für die gesamte Industrie“, so Schröder.

In Kambodscha kämpften Gewerkschaften erst kürzlich für eine Anhebung des monatlichen Mindestlohns von bislang 61 Dollar auf 150 Dollar. Am 21. März wurde daraufhin der neue staatliche Mindestlohn von 75 Dollar bekannt gegeben. Laut Schätzung der Asia Floor Wage Alliance bräuchten eine kambodschanische Näherin und ihre Familie zur Existenzsicherung jedoch 274 Dollar – fast das Vierfache des neuen Mindestlohns. Zudem verliert dieser durch die jährliche Inflation ständig weiter an realem Wert.

Wie die Unternehmen Gap, Levis und Zara gehört H&M zu den Hauptauftraggebern von Kambodschas boomender Textilindustrie. Diese Konzerne haben es in der Hand, die Arbeits- und Lebenssituation der dortigen Näherinnen endlich zu verbessern.

Mehr Informationen

Hintergrundinformationen zur Kampagne für einen Asiatischen Grundlohn

Asia Floor Wage Alliance

Kampagne für Saubere Kleidung

Online-Petition an H&M und andere Firmen

INKOTA: Killer-Jeans: Unternehmen lassen trotz Verzichtserklärungen immer noch Sandstrahltechnik zu

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[Berlin, 29. März 2012] – Gut ein Jahr nach dem Start der internationalen „Killer-Jeans“-Kampagne der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) zeigt eine neue Studie, dass die gesundheitsschädliche Sandstrahltechnik in vielen Zulieferbetrieben der Modeindustrie immer noch zum Einsatz kommt. Die Studie belegt, dass sich nach dem in 2009 erfolgten Verbot der Sandstahltechnik in der Türkei ein Großteil der Jeansproduktion auf weniger regulierte Länder wie Bangladesch verlagert hat.

Für den Bericht „Deadly Denim“ hat die CCC in bangladeschischen Fabriken recherchiert, ob das von vielen Markenfirmen – wie z.B. H&M, Levi’s, C&A, Esprit, Lee, Zara – ausgesprochene Sandstrahl-Verbot auch dort umgesetzt wird. Die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd.

„In der Fabrik sieht es aus wie in einer Wüste während eines Sandsturms“, beschreibt einer der interviewten Arbeiter die Situation. Er und seine KollegInnen leiden an Atemproblemen und chronischem Husten und werden gezwungen, bis zu 12 Stunden in den veralteten, staubigen Fabriken auszuharren. „Es ist unmöglich, die von den Auftraggebern geforderten Designvorgaben in der Kürze der Zeit mit andern Techniken als dem Sandstrahlen zu erfüllen“, so ein Fabrikmanager. In manchen Fabriken wird der Sandstrahlprozess gar bewusst auf die Nacht verlegt, um mögliche Inspektionen zu umgehen. Fast die Hälfte der befragten ArbeiterInnen identifizieren H&M, Levi’s, C&A, D&G, Esprit, Lee, Zara and Diesel als Käufer der in ihrer Fabrik hergestellten Produkte. Bis auf D&G hatten alle Firmen im letzten Jahr als Reaktion auf den Druck der „Killer-Jeans“-Kampagne das Sandstrahlen verboten.

Die Recherche dokumentiert weiter, dass neben dem manuellen auch das Kabinensandstrahlen in Bangladesch tödliche Risiken bringt. Die Kabinen sind zumeist nicht komplett abgedichtet, sodass der Staub entweichen kann und weitere Personen, die im gleichen Raum z.B. Sortier- oder Putzarbeiten ausführen, gefährdet werden. Zudem wurde festgestellt, dass medizinisches Fachpersonal in Bangladesch kaum über den Zusammenhang von Sandstrahlen und Silikose informiert ist. Erkrankte ArbeiterInnen werden daher oft nicht korrekt diagnostiziert und behandelt.

„Es ist schockierend, dass Unternehmen das Sandstrahlen verbieten, um ihren Ruf zu retten, gleichzeitig aber weiterhin die Arbeiterinnen und Arbeiter einer tödlichen Gefahr aussetzen!“, kritisiert Lars Stubbe, Eilaktionskoordinator der Kampagne für Saubere Kleidung bei INKOTA. „Markenfirmen müssen ihre Designvorgaben so anpassen, dass Jeans nicht sandgestrahlt werden müssen. Außerdem müssen sie sämtliche Formen dieser „Veredelungspraxis“ verbieten und für die Überprüfung des Verbots mit lokalen Gewerkschaften und NGOs kooperieren“, so Stubbe weiter. Markenfirmen sollen nur noch in Zulieferbetrieben produzieren, die weder manuell noch in Kabinen sandstrahlen lassen. Auf der politischen Ebene verlangt die CCC, dass die Regierungen von Produktionsländern nationale Sandstrahlverbote erlassen und dass die EU und die bundesdeutsche Regierung ein Importverbot für sandgestrahlte Jeansprodukte prüfen.

 

Weitere Informationen:

Deutsche Zusammenfassung des Berichts „Deadly Denim“

Gesamtbericht „Deadly Denim: Sandblasting in the Bangladesh Garment Industry“ (englisch)

Pressemappe mit Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen

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