McLaren-Dopingbericht: Nicht nur vor fremden Haustüren kehren

Zur heutigen öffentlichen Anhörung zum McLaren-Dopingbericht erklärt mein Kollege aus dem Bundestag, Dr. André Hahn: „Gleich vier Stunden nimmt sich der Sportausschuss Zeit, um auf Initiative der großen Koalition den McLaren-Report zum Doping in Russland in einer öffentlichen Anhörung mit prominenten Gästen zu diskutieren. Dies ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:

Erstens tagte der Ausschuss in dieser Wahlperiode fast durchgängig hinter verschlossenen Türen, selbst wenn Experten aus dem Sport zu wichtigen Themen geladen waren. Auch dauerten diese Fachgespräche noch nie vier, sondern meist nur ein bis zwei Stunden, und manche aus Sicht der LINKEN relevante Probleme kamen aus Zeitgründen bislang gar nicht auf die Tagesordnung.

Zweitens ist offenkundiges Ziel der Koalition von CDU/CSU und SPD, in dieser Anhörung den russischen Sport, den Staat und dessen Repräsentanten quasi an den Pranger zu stellen. Vor fremden Haustüren lässt es sich halt einfacher kehren als vor der eigenen. Ein vergleichbares Engagement gab es bisher lediglich bei der Delegitimierung des Sports in der DDR – die aktuelle Debatte um die Aufnahme von Täve Schur in die Hall of Fame des deutschen Sports ist dafür beredtes Beispiel.

Ich bleibe dabei, dass Sportlerinnen und Sportler sowie deren Trainer, Ärzte und Funktionäre – egal aus welchem Land sie kommen – bei nachgewiesenen Dopingvergehen ohne Ansehen der Person bestraft und gesperrt werden müssen. Ich bin aber entschieden dagegen, Unschuldige in Kollektivhaftung zu nehmen und diese Dopingverstöße zu nutzen, um bestimmte Nationen in der politischen Auseinandersetzung zu diskreditieren und sich dadurch ganz nebenbei auch noch sportlicher Konkurrenz zu entledigen.

Hinter den weltweiten Dopingskandalen stecken ganze Systeme aus Politik, dem organisierten Sport, aus der Medizin und aus der Geschäftswelt. Mittendrin stehen die Athletinnen und Athleten. Dies gilt für das flächendeckende Doping in Russland in der jüngsten Vergangenheit ebenso wie für die unterschiedlichen Dopingsysteme im Kalten Krieg. Die strukturellen Verquickungen, das damit verbundene Schweigen und nicht zuletzt die grenzenlose Jagd nach Medaillen waren damals wie heute dafür verantwortlich, dass zumindest fahrlässig, in vielen Fällen ausgesprochen verantwortungslos mit der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern und den Werten des Sports umgegangen wurde.

Um dies künftig auszuschließen, bedarf es eines unbedingten Willens zur Aufklärung. Zwar wurde für die letzte Ausschusssitzung dieser Wahlperiode im Juni das Thema „Doping in Westdeutschland“ nach wiederholtem Drängen der LINKEN endlich auf die Tagesordnung gesetzt, aber das Glaubwürdigkeitsproblem der deutschen Sportpolitik ist damit nicht aus der Welt. Geht es wirklich immer um einen sauberen Sport oder nicht doch eher um politische Grabenkämpfe?

Als Sportpolitiker und Sportpolitikerinnen muss es unser vordringlichstes Ziel sein, Athletinnen und Athleten vor schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden zu bewahren und für die Olympische Idee sowie fairen sportlichen Wettstreit einzutreten. Das sollte bei allen Debatten im Mittelpunkt stehen. Politische Eiferei ist fehl am Platze.“

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